Dominik von Au. Strategisches Innovationsmanagement

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1 Dominik von Au Strategisches Innovationsmanagement

2 GABLER RESEARCH Beiträge zur Produktionswirtschaft Herausgegeben von Professor Dr.-Ing. habil. Dieter Specht Die Reihe enthält Forschungsarbeiten und praxisrelevante Schriften zu aktuellen Themenstellungen in der Produktion. Sie unterstützen Management und Forschung bei der Aufgabe, die Produktion in Planung, Organisation, Prozessen und Logistik zu optimieren und weiter zu entwickeln. Behandelt werden sowohl das Management des Betriebes als auch methodische und betriebswirtschaftliche Fragestellungen einschließlich der Schnittstelle zur Technik. Die Schriftenreihe ist als offene Plattform für hervorragende Arbeiten in den genannten Gebieten konzipiert.

3 Dominik von Au Strategisches Innovationsmanagement Eine empirische Analyse betrieblicher Innovationssysteme in der spezialchemischen Industrie in Deutschland Mit einem Geleitwort von Prof. Dr.-Ing. Dieter Specht RESEARCH

4 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar. Dissertation Technische Universität Cottbus, Auflage 2011 Alle Rechte vorbehalten Gabler Verlag Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011 Lektorat: Stefanie Brich Nicole Schweitzer Gabler Verlag ist eine Marke von Springer Fachmedien. Springer Fachmedien ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier Printed in Germany ISBN

5 V Geleitwort Die Generierung von Innovationen, die sich gegenüber einem Vergleichszustand merklich unterscheiden, die ein neues Produkt oder eine neue Produktion ermöglichen, ist ein zentrales Aufgabenfeld von Forschung und Entwicklung in Unternehmen. Innovationen sind in vielen Unternehmen und insbesondere in der Spezialchemie die wichtigste Quelle für den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Dennoch gibt es keine allgemein anerkannte Strategie, die eine Gestaltung und Steuerung von Forschung und Entwicklung und deren Umsetzung in Innovationen definieren könnte. Es ist vielmehr eine Aufgabe des strategischen Managements und der diese ausführenden Personen ein unternehmensspezifisches Innovationsmanagement zu definieren, das sowohl zur Erzeugung von Innovationen als auch der Gestaltung und Steuerung nachhaltiger Prozesse zur Generierung von Innovationen dient. Da weitgehend Unklarheit herrscht über die geeignete Gestaltung des Innovationsmanagements, wird in dem im folgenden dokumentierten Forschungsvorhaben eine Analyse und Evaluation des Innovationsgeschehens in der Spezialchemie in Deutschland durchgeführt. Mit Hilfe von Fallstudien in sieben ausgewählten bekannten Unternehmen der Spezialchemie werden die Innovationsstrategien, Innovationsstrukturen, Innovationsprozesse sowie die Innovationskulturen und Innovationsressourcen in den Unternehmen untersucht. In einem zweiten Schritt wird auf der Grundlage von Best-practise-Anwendungen versucht, ein integriertes Innovationssystem für die Anwender der Spezialchemie zu entwerfen und dieses auch mit Handlungsempfehlungen für die Anwendung fassbar zu machen. Die vorliegende Arbeit ist sowohl für die Wissenschaft, wie aber auch für den Innovationsmanager eine reiche Quelle von Informationen, wie die Aufgabenstellungen des Innovationsmanagements in den untersuchten Unternehmen realisiert wurden. Sie geben Anregung für die Lösung eigener Fragestellungen, aber auch für den weiteren Forschungsbedarf, der sich auf dieser Grund-

6 VI lage ableiten lässt. Ich wünsche der Arbeit eine interessierte Leserschaft, vielfältige Anwendungen und nützliche Weiterverwendung in der Wissenschaft. Prof. Dr.-Ing. Dieter Specht

7 VII Vorwort Ist eine weitere Forschungsarbeit über das Innovationsmanagement denn innovativ? Ist der Begriff Innovation nur noch eine Modeerscheinung, der vielfältig Anwendung findet und im Endeffekt nur als Buzzword bestehen bleibt? Im Gegenteil: Das Innovationsmanagement beschreibt einerseits unsere gegenwärtige Auseinandersetzung mit dem technisch-wirtschaftlichen Wandel, andererseits stellt es die Voraussetzung für den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb dar. Im Mittelpunkt dieser Forschungsarbeit steht eine empirische Analyse betrieblicher Innovationssysteme anhand ausgewählter Fallbeispiele aus der Spezialchemie in Deutschland. Die Analyse resultiert in modelltheoretische Anforderungen und der Überführung dieser in Handlungsempfehlungen an ein in dieser Branche allgemeingültiges Innovationssystem mit dem Ziel, die Innovationskraft zu steigern, die Innovationsfähigkeiten zu erhöhen und die Innovationsgeschwindigkeit zu beschleunigen. Ohne vielfältige Hilfe und Unterstützung wäre diese Arbeit nicht zustande gekommen. Mein besonderer Dank gilt meinem Doktorvater, Herrn Prof. Dr.-Ing habil. Dieter Specht für die Betreuung und Unterstützung der wissenschaftlichen Tätigkeit, für die hilfreichen Diskussionen und Anregungen sowie für das jederzeit entgegengebrachte Interesse am Fortgang dieser Untersuchung. Herrn Prof. Dr. Daniel Baier gilt mein herzlicher Dank für seine freundliche Bereitschaft zur Prüfung der Dissertation und Übernahme des Zweitgutachtens sowie Frau Prof. Dr. Magdalena Mißler-Behr zur Übernahme des Vorsitzes im Promotionsausschuss. Weiterer Dank gilt meinen Freunden Dr. Stephan Engelmann, Dr. Kai G. Klinger und Heiko Schmidt, die durch kritische Fragen und konstruktive Ratschläge in den verschiedenen Entstehungsphasen meine Arbeitsfortschritte unterstützt haben.

8 VIII Ferner möchte ich mich bei weiteren langjährigen Freunden bedanken. Durch sie gab es immer wieder wunderbare Anlässe für angenehme Unterbrechungen. Stellvertretend danke ich an dieser Stelle Alexander Buchberger, Bastian Hofberger, Benjamin Konrad, Iven Matheis, Marc Niemeyer, Christian Stewart, Robert Wendeborn sowie Olivia Bracklo, Anne Gradl und Kathrin Nusser. Den Interviewpartnern der Chemiefirmen Altana AG, BASF SE, Cognis GmbH, Evonik Degussa GmbH, Lanxess AG, SGL Carbon SE und Süd Chemie AG danke ich dafür, dass sie sich Zeit genommen haben, um ausführlich über ihre betrieblichen Innovationssysteme zu berichten. Ohne ihren Beitrag und ihre Teilnahmebereitschaft wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Mein größter Dank gilt letztlich meiner Familie und meinen Eltern Renate und Dr. Günter von Au. Sie sind ein Indiz für die Verlässlichkeit familiärer und fortwährender Unterstützung. Sie haben nie an mir gezweifelt und mir damit das nötige Selbstbewusstsein und den Willen gegeben, diese Arbeit durchzuführen. Dominik von Au

9 IX Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Problemstellung und Zielsetzung Forschungsmethodik und Aufbau der Untersuchung 5 A. Grundlagen und Aufgabenbereiche des Innovationsmanagements 9 2. Definitorische und inhaltliche Abgrenzung Invention Technologiemanagement Forschung und Entwicklung Innovationsmanagement als übergeordnete Funktion Charakterisierung von Innovation im Unternehmen Der Innovationsbegriff Typologien von Innovationen Ergebnisorientierte und prozessuale Dimension von Innovationen Innovationsmanagement als Querschnittsfunktion und Treiber des Geschäftserfolges Institutionelle und funktionelle Perspektive Ebenen des Innovationsmanagements Strategisches Innovationsmanagement Inhalt und Ziel des strategischen Innovationsmanagements Lebenszykluskonzepte Portfoliokonzepte Operatives Innovationsmanagement Teilaufgaben des Innovationsmanagements Entwicklung einer Innovationskultur Information und Kommunikation Projektmanagement 43

10 X Unternehmenskooperation Innovationscontrolling Der Innovationsprozess als zentraler Bestandteil des Innovationssystems Ausgestaltung des Innovationsprozesses Begriffliche Erläuterung zum Innovationsprozess Diskussion der Phasenmodelle Grundkonzept für einen Innovationsprozess Steuerung von Innovationsprozessen Das Promotoren-Modell Konzeption eines betrieblichen Innovationssystems als Bezugsobjekt 64 B. Darstellung, Analyse und Entwicklung des Innovationssystems anhand ausgewählter Fallstudien Gegenstand und Zielsetzung der empirischen Untersuchung Forschungsmethodik Innovationsmanagement als qualitatives Forschungsobjekt Innovationsmanagement als Fallstudienforschung Die chemische Industrie Entwicklungen in der Branche Grundlagen zu den ausgewählten Unternehmen Altana AG, Wesel BASF SE, Ludwigshafen Cognis GmbH, Monheim am Rhein Evonik Industries AG (Evonik Degussa GmbH), Essen Lanxess AG, Leverkusen SGL Carbon SE, Wiesbaden Süd-Chemie AG, München 110

11 XI 7. Konkretisieren der Konzeption anhand empirischer Erkenntnisse Darstellung der Modellparameter des Innovationssystems Innovationsprozess Innovationsstruktur Innovationsstrategie Innovationskultur und Innovationsressourcen Die Innovationsprozesse der Fallstudien als erster Modellparameter Technologiefrühaufklärung und Ideenmanagement Prozessmanagement Innovationscontrolling und Koordination Die strukturellen Elemente im Innovationssystem der Fallstudien als zweiter Modellparameter Die Innovationsstrategien der Fallstudien als dritter Modellparameter Die Innovationsressourcen der Fallstudien als vierter Modellparameter Die kulturellen Aspekte im Innovationssystem der Fallstudien als fünfter Modellparameter Skizze eines modellbasierten integrierten Innovationssystems in der Spezialchemie Handlungsempfehlungen für ein integriertes Innovationssystem Schlussfolgerungen für den Aufbau eines erfolgreichen Innovationsmanagements Schlussbetrachtung Grenzen des Modellansatzes als Implikationen für die weitere Forschung und Wissenschaft Zusammenfassung Anhang Literatur 199

12 XIII Abkürzungsverzeichnis AC BASF BFB BU BVC CEO CRD CTO DC EBIT EBITDA ECV F&E I2P KPI Mio. Mrd. NAFTA NPV OEM S2B VCI ZEW allowable costs Badische Anilin & Soda Fabrik BASF Future Business GmbH business unit BASF Venture Capital GmbH chief executive officer corporate research & development chief technology officer drifting costs earnings before interest and taxes earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation expected commercial value Forschung und Entwicklung idea to profit key performance indicators Millionen Milliarden North American Free Trade Agreement net present value Original Equipment Manufacturer science to business Verband der Chemischen Industrie Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

13 XV Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Schematischer Aufbau der Forschungsarbeit 6 Abbildung 2: Abgrenzung von Innovations-, F&E- und Technologiemanagement 14 Abbildung 3: Typologie des Innovationsbegriffs 20 Abbildung 4: Schematische Darstellung von unterschiedlichen Innovationsgraden 24 Abbildung 5: Inhalt und Struktur des Innovationsprozesses 25 Abbildung 6: Das S-Kurven-Konzept im Innovationsmanagement 30 Abbildung 7: Das Produktlebenszykluskonzept im Innovationsmanagement 31 Abbildung 8: Normstrategien im Technologieportfolio 33 Abbildung 9: Vorgehensweise im Zielkostenmanagement 36 Abbildung 10: Bausteine des Wissensmanagements 41 Abbildung 11: Chancen und Risiken bei unternehmensübergreifenden Innovationsprojekten 47 Abbildung 12: Strategisches und operatives Controlling 49 Abbildung 13: Umfassender Innovationsprozess nach Pleschak 54 Abbildung 14: Schematischer Ablauf eines Innovationsprozesses nach Vahs 56 Abbildung 15: Innovationszyklus 57 Abbildung 16: Effizienz der Prozesssteuerung 60 Abbildung 17: Einsatzfeld der Promotoren im Prozessablauf 63 Abbildung 18: Schematische Darstellung eines ganzheitlichen Innovationssystems 66 Abbildung 19: Schematischer Vergleich der quantitativen und qualitativen Sozialforschung 70 Abbildung 20: Iterativer Forschungsprozess zur Beantwortung der Frage nach der strategischen Gestaltung des betrieblichen Innovationssystems 73 Abbildung 21: Unternehmen und Interviewpartner der empirischen Untersuchung 78 Abbildung 22: An- und Verwendbarkeit der chemischen Produkte 80 Abbildung 23: Umsatzverteilung der Chemischen Industrie in Deutschland nach Segmenten 82 Abbildung 24: Pyramidale Segmentierung der Chemischen Industrie 83 Abbildung 25: Commodity- und Spezialchemie 85 Abbildung 26: Entwicklung der Aufwendungen in Forschung & Entwicklung in der deutschen Chemieindustrie (in Mio. EUR) 86

14 XVI Abbildung 27: Firmenprofil der Altana AG 89 Abbildung 28: Zusammenhänge von Forschung, Geld, Wissen und Innovation 90 Abbildung 29: Firmenprofil der BASF SE 92 Abbildung 30: Schematische Darstellung des BASF Forschungsverbunds 94 Abbildung 31: Firmenprofil der Cognis GmbH 97 Abbildung 32: Firmenprofil der Evonik Industries AG 101 Abbildung 33: Innovationsmanagement bei Evonik 102 Abbildung 34: Firmenprofil der Lanxess AG 106 Abbildung 35: Firmenprofil der SGL Carbon SE 108 Abbildung 36: Firmenprofil der Süd-Chemie AG 111 Abbildung 37: Modellparameter des Innovationssystems 114 Abbildung 38: Optimierung der Organisation des Innovationsmanagements 117 Abbildung 39: Zielrichtung der Ideensuche 125 Abbildung 40: Methodisches Vorgehen bei der Ideenselektion (exemplarisch) 129 Abbildung 41: Einsatz von Projektattraktivitätsportfolios 131 Abbildung 42: Berechnung des ECV-Wertes 136 Abbildung 43: Innovationsprozess bei Evonik 137 Abbildung 44: Phasenprozess im Evonik-Innovationsmanagement 138 Abbildung 45: Organisatorische Aufteilung der Forschung und Entwicklung bei Evonik 153 Abbildung 46: Analyse des Wachstumsbeitrags durch Innovationen 162 Abbildung 47: Übersicht der abgeleiteten Anforderungen an das integrierte Innovationssystem in der Spezialchemie 177 Abbildung 48: Systematik der Ideenauswahl 180 Abbildung 49: Priorisierung von Innovationsprojekten anhand eines Technologie-Markt-Portfolios 181 Abbildung 50: Wissenszyklus im Innovationssystem 185 Abbildung 51: Projektrisiko-Portfolio im Innovationscontrolling 188 Abbildung 52: Modellansatz eines integrierten betrieblichen Innovationssystems 190

15 1 Jede Schöpfung ist ein Wagnis. Christian Morgenstern ( ), deutscher Lyriker 1. Einleitung 1.1 Problemstellung und Zielsetzung In den großen Industrienationen bilden die Entwicklung und marktnahe Umsetzung von Innovationen eine der wesentlichen Säulen des Wirtschaftsgefüges. 1 Ein sich verschärfendes globales Wettbewerbsumfeld, getrieben von aufstrebenden Volkswirtschaften in China, Indien, Südasien, Südamerika und Osteuropa, konfrontiert die heimische Unternehmenslandschaft mit kürzeren Produktlebens- und Wertschöpfungszyklen sowie gleichsam knapperen Entwicklungshorizonten. 2 Ebenso verschärft sich der internationale Wettbewerb um Wissen und Innovation. 3 Angesichts des hierzulande relativ hohen Wohlstands- und Lohnniveaus und der damit verbundenen hohen Arbeitskosten erscheint eine auf Kostenführerschaft basierende Unternehmensstrategie kaum zielführend und weist gleichsam einer Marktbearbeitung über Produktqualität und nutzenstiftende Funktionalität den Weg: Wir benötigen Differenzierungsmerkmale, um dem wachsenden Druck der aufstrebenden Staaten in Asien, Lateinamerika und Osteuropa auszuweichen, die uns in den traditionellen Bereichen immer stärker Konkurrenz machen. 4 Damit erschließt sich mit der marktorientierten Steuerung und der Beschleunigung von Innovation das entscheidende kompetitive Element für den künftigen Unternehmenserfolg. 5 Durch die Vielfalt, Komplexität und v.a. durch die Maturität von Produkten und Marktsegmenten in vielen Industriezweigen, insbesondere in der chemischen Industrie, erweist sich die Schaffung neuer innovativer Produkte als schwierig. 6 Bei innovativen Produkten bzw. Innovationen handelt es sich um [ ] qualita Vgl. Fröndhoff, B. (2007), S. 1. Vgl. Cooper, R.G. (2002), S. 9; The Boston Consulting Group (2006), S. 8. Vgl. Herrmann, W.A. (2007), S. 38. Bullinger, H.-J. (2006a), S. 18. Vgl. dazu auch OECD (2007), S Vgl. Herzog, P. (2008), S. 127f. D. von Au, Strategisches Innovationsmanagement, DOI / _1, Gabler Verlag Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011

16 2 tiv neuartige Produkte oder Verfahren, die sich gegenüber einem Vergleichszustand merklich wie auch immer das zu bestimmen ist unterscheiden. 7 Innovationen resultieren aus der Kommerzialisierung von Inventionen, welche in diesem Kontext zunächst nur als intellektuelles Ergebnis auf Basis der Identifikation von Bedarfslücken oder aber auf Basis des innerbetrieblichen technologischen Potentials verstanden werden sollen. 8 In der Forschung findet sich hierfür eine Vielzahl von Definitionen. 9 Die Unterschiede werden deutlich, wenn Innovationsleistungen und unternehmerische Tätigkeit zusammenfallen. Dann ist vielfach von Management die Rede. Dies impliziert, dass im Einklang mit der allgemeinen Unternehmensführung eine Gestaltung und Steuerung von Innovationen, Forschung und Entwicklung sowie Technologie vorliegt. Unter Innovationsmanagement wird die Initiierung und marktorientierte Verwirklichung von neuen oder neuartigen Produkten sowie Dienstleistungen verstanden, die dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Das Innovationsmanagement stellt folglich eine übergeordnete Aufgabe dar, die zu weiten Teilen das Technologie- sowie das Forschungs- und Entwicklungsmanagement umfasst. Ebenso ist die Verwertung alter Technologien in neuen Märkten als Aufgabe des Innovationsmanagements anzusehen. Innerhalb einer Organisation gilt es, eine Institution zu etablieren, die sich dieser Aufgabe dauerhaft widmet. So dient ein systematisches Innovationsmanagement nicht nur der Erzeugung von Innovationen, sondern auch der Gestaltung und Steuerung nachhaltiger Prozesse, aus welchen neue Innovationen hervorgehen. Diese Rahmenbedingungen, die Organisation und die Akteure bzw. Mitarbeiter können als betriebliches Innovationssystem bezeichnet werden. 10 Weitere Teilaufgaben des Innovationsmanagements sind die Implementierung von Innovationsstrategien, die Auswahl von Optionen zur Schaffungen von Innovationen, die Steuerung von Innovationsprozessen und die Etablierung Hauschildt, J. (2007), S. 7. Vgl. Wildemann, H. (2006), S. 18. Zu der Unterscheidung der Begrifflichkeiten siehe im Folgenden Corsten, H. / Gössinger, R. / Schneider, H. (2006), S. 38ff. sowie Hauschildt, J. (2007), S. 4ff. In der vorliegenden Arbeit wird das Innovationssystem als Teil des Unternehmens angesehen. Vgl. Hübner, H. (2002), S. 160.

17 3 einer Organisation mit einer proaktiven Innovationskultur. 11 Es wird deutlich, dass es sich beim Innovationsmanagement um eine vielschichtige Aufgabe handelt. Der Grund liegt in der komplexen Gesamtheit aller Strukturen und Prozesse in einem betrieblichen Innovationssystem. Aus den verschiedenen Teilaufgaben ist die Steuerung von Innovationsprozessen hervorzuheben. In der Forschungstheorie wird die prozessuale Betrachtung von Innovationen zum einen als ein ausgelöster Vorgang und zum anderen als Phasenmodell verstanden. 12 Der Innovationsprozess kann beispielsweise vom Unternehmen angestoßen oder von Kundenbedürfnissen ausgelöst werden. 13 Insbesondere Kunden und Anwender sind unabdingbare Ideengeber. 14 Im ersteren Fall kann von einem sogenannten technology push ausgegangen werden, wohingegen bei einem market pull der Markt den innovativen Prozess sozusagen erzwingt. Die Phasenmodelle umfassen in der Regel den Innovationsprozess von der Ideengenerierung über die Ideenakzeptierung bis hin zur Ideenrealisierung. 15 Mit der Gestaltung und Steuerung von Prozessen sollen Innovationen systematisch erzeugt werden. Es ist jedoch offensichtlich, dass es sich grundsätzlich um eine mit Unsicherheit behaftete, kreative Aufgabe handelt und marktreife Lösungen nicht immer per se entstehen können. Viele Entscheidungen, in bestimmte Forschungsrichtungen zu investieren, sind mit hohem Risiko verbunden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich um neue Produkte in neuen Marktsegmenten handelt. Es stellt sich die Frage, wie Unternehmen ihre Innovationssysteme gestalten und ein effektives sowie effizientes Innovationsmanagement implementieren. 16 Das Forschungsvorhaben setzt hier an und will diese zentrale Fragestellung auf Basis einer systematischen Überprüfung und Darstellung der betrieblichen Vgl. Benedix, G. (2003), S. 14. Vgl. Corsten, H. et al. (2006), S. 30ff. Eine qualifizierte Vorgehensweise, die auf die Identifikation und Einbindung ausgewählter Anwender abzielt, um mit diesen Ideen für mögliche Produktinnovationen zu diskutieren, ist in der Literatur als Lead User Methode bekannt. Vertiefend vgl. Piller, F. / Hilgers, D. (2009), S. 78. Vgl. PricewaterhouseCoopers (2006), S. 22. Vgl. Benedix, G. (2003), S. 15. Bei der Effektivität handelt es sich darum, das Richtige zu tun, wohingegen Effizienz bedeutet, dass Dinge richtig getan werden. Vgl. Vahs, D. / Schäfer-Kunz, J. (2007), S. 256f.

18 4 Innovationssysteme ausgewählter Unternehmen aus der spezialchemischen Industrie in Deutschland untersuchen. Diese Analyse resultiert in modelltheoretischen Anforderungen und Handlungsempfehlungen an ein für diese Branche allgemeingültiges Innovationssystem mit dem Ziel, die Innovationskraft zu steigern, die Innovationsfähigkeit zu erhöhen und die Innovationsgeschwindigkeit zu beschleunigen. Kleinschmidt und Cooper (1996) fordern aufgrund der hohen Bedeutung von Innovationen zur Durchführung empirischer Innovationsstudien auf. 17 Anhand von Strukturen und Prozessen soll in der vorliegenden Untersuchung zunächst ein Modell als theoretischer Bezugsrahmen für ein betriebliches Innovationssystem entwickelt werden, ehe eine Adaption und Weiterentwicklung auf Grundlage von Fallstudien erfolgt. Im Mittelpunkt der Studie steht ferner die Frage, wie Unternehmen Innovationsprozesse gestalten und steuern. Die Analyse und Darstellung dessen wird anhand der Spezialchemie vorgenommen. Um sowohl operative, wie auch strategische Themenkomplexe diskutieren und untersuchen zu können, nehmen an dieser empirischen Arbeit verantwortliche Mitarbeiter für Forschung und Entwicklung sowie Vertreter der Unternehmensführung (Vorstand, Geschäftsführung) teil. Die chemische Industrie setzt sich im Wesentlichen aus den Commodities und der Fein- sowie Spezialchemie zusammen. 18 Bei den letztgenannten bildet der industrielle Kunde den treibenden Wettbewerbsfaktor, weshalb die Anwendungs- und Kundenorientierung in den Vordergrund rückt und sich die Innovationstätigkeit auf die Entwicklung neuer Produkte konzentriert. Individualisierte Produkte unterliegen jedoch im Laufe der Zeit einer Commoditisierung. 19 Dies bedeutet, dass Differenzierungsmerkmale verschwinden, weil mehrere Anbieter gleichartige Produkte entwickeln und sich zunehmend ein Standard durchsetzt. Entsprechend sind Nischenanbieter und Spezialisten in der Chemie einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt. 20 In der Spezialchemie dominieren kundenspezifische Lösungen und es erfolgt eine Differenzierung gegenüber den Konkurrenten über die Qualität und Individualität der Problemlösungen. Ergänzend sind insbesondere Spezialchemieunternehmen einer hohen Vgl. Kleinschmidt, E. / Geschka, H. / Cooper, R.G. (1996), S.1ff. Vgl. Hamelau, N. (2004), S. 236ff. Vgl. Arthur D. Little (2003) Vgl. Budde, F., / Felcht, U.-H. / Frankemölle, H. (2006), S. 109; CHEManager (2007); Albach, H. et al. (1996), S. xiv.

19 5 Dynamik in ihren (Nischen-)Märkten und schnell ändernden Kundenanforderungen ausgesetzt. 21 Es wird deutlich, dass sich Unternehmen der spezialchemischen Industrie für die hier im Fokus stehenden Fragen als Untersuchungsobjekte dieser Forschungsarbeit besonders eignen. Aus methodischer Perspektive ist die skizzierte Thematik ebenfalls höchst relevant. Trotz der gravierenden Wirkungen, die die zunehmende Forderung nach Produktdifferenzierungen der spezialchemischen Industrie mit sich bringen dürfte, 22 findet diese spezifische Fragestellung sowohl in der Praxis als auch in der betriebs- und volkswirtschaftlichen Theorie vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Die deutsche wie die US-amerikanische Wissenschaft begleiten und dokumentieren diesen Prozess im Rahmen von Monographien und ersten Untersuchungen lediglich über Partikularbereiche und Einzelelemente des zu untersuchenden Themenkomplexes in dieser spezifischen Branche. 23 Neben den allgemeinen betriebswirtschaftlichen und produktionswirtschaftlichen Grundlagen des Innovationsmanagements haben fundierte empirische Untersuchungen über Erfolgsfaktoren der Technologiegewinnung, über Innovationsdeterminanten sowie über die strategische Gestaltung des betrieblichen Innovationssystems in der spezialchemischen Industrie bislang nur unzureichend Eingang in den wissenschaftlichen Diskurs gefunden; entsprechend groß ist der Forschungsbedarf. Es ist sowohl ein theoretisches als auch empirisches Defizit vorhanden. 1.2 Forschungsmethodik und Aufbau der Untersuchung Das Forschungsvorhaben untergliedert sich in zwei Teile, wobei der erste Teil mit der methodischen Auswertung der betriebs-, volks- und produktionswirtschaftlichen Literatur im Rahmen einer theoretisch-normativen Vorgehensweise die Basis dieser Untersuchung darstellt. Dabei werden neben deutschen Publikationen US-amerikanische und Veröffentlichungen aus dem europäischen Ausland herangezogen. Im zweiten Teil hingegen erfolgt die Anwen Vgl. Charue-Duboc, F. (2006), S Vgl. Homp, C. (2000), S. 118ff. Vgl. Dreher, C. et al. (2006), S. 7.

20 6 dung auf die spezialchemische Industrie sowie eine Diskussion von Fallstudien. Den schematischen Aufbau der Forschungsarbeit stellt Abbildung 1 dar. Eine einleitende Begriffserklärung wird im ersten Teil zunächst zu einer Abgrenzung des Innovationsbegriffs von anderen Bezeichnungen beitragen. Dazu gehören Begriffe wie Invention sowie Forschung und Entwicklung. Es wird deutlich, dass Innovationsmanagement in einem Unternehmen eine übergeordnete Funktion ausübt. Auch im darauf folgenden Kapitel, das den Begriff der Innovation selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, beginnt die Analyse mit einer Begriffserklärung. Dabei liegt ein umfassendes Verständnis der Innovation zugrunde, schließlich können Innovationen sowohl bei Produkten als auch bei Prozessen entstehen. Weitere Unterscheidungsformen sollen ebenfalls in die Betrachtung einbezogen werden. 1 Einleitung A. Grundlagen und Aufgabengestaltung des Innovationsmanagements 2 Definitorische und inhaltliche Abgrenzung 3 Charakterisierung von Innovation im Unternehmen 4 Innovationsmanagement als Querschnittsfunktion und Treiber des Geschäftserfolges 5 Der Innovationsprozess als zentraler Bestandteil des Innovationsystems B. Darstellung, Analyse und Entwicklung des Innovationssystems anhand ausgewählter Fallstudien 6 Gegenstand und Zielsetzung der empirischen Untersuchung 7 Konkretisieren der Konzeption anhand empirischer Erkenntnisse 8 Skizze eines modellbasierten integrierten Innovationssystems in der Spezialchemie 9 Schlussbetrachtung Abbildung 1: Schematischer Aufbau der Forschungsarbeit

21 7 Die theoretischen Grundlagen zum Innovationsmanagement werden im vierten Kapitel aus zwei Perspektiven ausführlich behandelt. Zum einen ist eine Abteilung als Institution anzusehen, wenn sie sich mit Innovationen beschäftigt. Die funktionale Sichtweise lässt sich hingegen durch die Erzeugung von Innovationen in einem Unternehmen darstellen. In einem nächsten Schritt sind die Ebenen des Innovationsmanagements vorzustellen. Die bisherigen Ausführungen richten sich sehr nach formalen Kriterien zur Erläuterung der gestellten Aufgabe. Unklar bleiben jedoch konkret notwendige Tätigkeiten, um beispielsweise eine grundlegende und umfassende Innovationskultur zu entwickeln. Eine innovative Grundeinstellung der Mitarbeiter darf sich nicht auf die Institution Innovationsmanagement beschränken. Weitere strategische Handlungsfelder in Unternehmungen sind zu untersuchen. Das Controlling soll zum Beispiel den Prozess begleiten, um die einzelnen Aktivitäten nach Effektivität und Effizienz zu bewerten. Im Mittelpunkt des fünften Kapitels steht der Innovationsprozess, also jene Prozessschritte, aus denen sich Innovationen ergeben. Das Innovationsmanagement hat entsprechend die Aufgabe, diesen Prozess markt- und ergebnisorientiert zu gestalten und zu steuern. Aus wissenschaftlicher Sicht wurden dazu bereits Phasenmodelle eingeführt, die an dieser Stelle Gegenstand der Diskussion sind. Die strukturellen Elemente des Innovationsmanagements und die prozessuale Abfolge der Produktentwicklung ergeben das betriebliche Innovationssystem, das durch die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Universitäten, sowie wertschöpfungsübergreifenden Systempartnern ausgebaut werden kann. Abschließend lassen sich aus den Inhalten des fünften Kapitels einige grundlegende Parameter ableiten, die die Anforderungen für ein ganzheitliches Innovationsmanagement definieren. Ganzheitlich deshalb, damit die Steuerung des gesamten Innovationssystems in einem Unternehmen in den Fokus genommen wird. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen der Konzeption eines betrieblichen Innovationssystems als Bezugsobjekt für den empirischen Teil dieser Forschungsarbeit. Anhand ausgewählter Fallbeispiele aus der Spezialchemie erfolgt in diesem empirischen zweiten Teil der Untersuchung eine Analyse des betrieblichen Innovationssystems in dieser Branche. Nach einer Erläuterung der zugrundeliegenden Forschungsmethodik werden die vorherrschenden Innovationssys-

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