NZZ am Sonntag Spezial: Sprachen lernen

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1 NZZ am Sonntag 12. April 2009 NZZ am Sonntag Spezial: Sprachen lernen Personal Bildung Finance Sprachwissen Bis ins Alter Frühenglisch Sprachreisen Darf man Sprachen mischen? Sprachforscher Georges Lüdi weiss Antwort auf alle Fragen rund ums Sprachenlernen. Seite 4 Menschen über 50 wollen zunehmend Fremdsprachen lernen oder: wieder lernen. Zu Recht, sagt die Neuropsychologie. Seite 8 Das erste Resultat aus dem Sprachlabor Schweiz ist da: Wer in der Primarschule zuerst Englisch lernt, ist besser in Französisch. Seite 10 Sprachaufenthalte im Ausland liegen bei Jung und Alt im Trend. An erster Stelle steht Englisch, an zweiter Spanisch. Seite 13

2 2 Sonntag, 12. April 2009 Nr. 15 NZZ am Sonntag Bildung neue perspektiven Weiterbildung an der Universität Zürich wo Forschung und Wissenschaft die berufliche Praxis prägen. Unser Weiterbildungsangebot umfasst über 60 Weiterbildungsstudiengänge und über 30 ein- bis mehrtägige Weiterbildungskurse. Fordern Sie bei uns Unterlagen an unter oder oder informieren Sie sich auf unserer Website: weiterbildung International education local insight Internationale Ausrichtung lokale Verankerung Vom Kindergarten bis zum Gymnasium. Die SIS Swiss International School ist eine einzigartige Alternative zum öffentlichen Schulsystem und zu den klassischen Internationalen Schulen. Die konsequente Zweisprachigkeit, verbunden mit einer geschickten Kombination von anerkannten Lehrplänen und einem multikulturellen Lehrkörper, führt zu einem Unterricht, der gleichermassen Schweizer, ausländische und binationale Familien anspricht. Der Unterricht ist eingebettet in regionale Lerninhalte und öffnet den Blick für die Welt. From Pre School to College. SIS Swiss International School is a unique alternative to state and classic international schools. A bilingual education coupled with a blend of recognised curricula and multicultural staff leads to an education which suits the needs of expatriate, binational and Swiss families alike. Our students experience education in which a local culture is embedded and, from another aspect, a wider global perspective is achieved. A member of the Kalaidos Swiss Education Group Effizienz steigern! Wien Salzburg Graz Bonn Zürich Zagreb» Let your projects fly» PM-Ausbildung und alles wird wieder gut!» Prozesse des Projektmanagements ab » Führen von Projektteams ab » Claim- und Vertragsmanagement ab » Projektportfoliomanagement - Multiprojektcontrolling ab » NEU: Sommerakademie Projektmanagement ab Aufnahmeprüfung/Entrance Zweisprachiges Langgymnasium/SIS College Bilingual Mai/May 2009, Scheuchzerstrasse 2, Zürich SIS Swiss International School Seestrasse 271, Zürich Tel. +41 (0) SIS Swiss International School Scheuchzerstrasse 2, Zürich Tel. +41 (0) Neu ab August 2009 auch in Männedorf SIS Swiss International School Seestrasse 57, Männedorf Tel. +41 (0) SIS Swiss International School Schaffhauserstrasse 18, Winterthur Tel. +41 (0) SIS Swiss International School Erlenstrasse 15, Basel Tel. +41 (0) Zweisprachige Bildung / Bilingual Education Theresianum Ingenbohl: Mach mehr aus dir! Das Theresianum Ingenbohl in Brunnen am Vierwaldstättersee unterrichtet nach modernen Lernmethoden und fördert Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative. Seit 150 Jahren geben wir jungen Frauen eine gute Basis, um später im Studium und Beruf erfolgreich zu bestehen. Theresianum Ingenbohl Das Theresianum Ingenbohl, ein Jugendstilbau mit einzigartiger Atmosphäre, liegt auf einem Hügel etwas oberhalb von Brunnen am Vierwaldstättersee. In 10 bzw. 15 Minuten sind der Bahnhof und der See zu Fuss erreichbar. Grosszügiges Raumangebot mit Freizeiträumen, Zweifachturnhalle, 25-Meter-Schwimmbecken, Cafeteria, Computerraum, Bibliothek usw. Kulturelle Anlässe, Thementage, Sporttage, Projektwochen und Bildungsreisen ergänzen den Unterricht. Internat Unser Internat bietet Platz für 130 Schülerinnen. Sie wohnen in modernen Einzel- und Doppelzimmern, alle mit Internetanschluss ausgerüstet. Unser Haus ist sehr geräumig und bietet Platz für konzentriertes Arbeiten und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Zum Internat gehören Gemeinschaftsräume für Spiele, kleine Pausen, für Plauderstunden oder zum Fernsehen. Ein grosses Schwimmbad lädt auch ausserhalb der Unterrichtszeit zu Spiel, Sport und Entspannung ein. Toleranz und Bereitschaft zur Mitverantwortung bilden die Grundlage dieser gelebten Gemeinschaft. Während des Wochenendes und in den Schulferien ist das Internat geschlossen. Die Bildungsangebote des Theresianums Orientierungsschule (7. 9. Schuljahr) Gymnasium (4 Jahre) Bilinguales Gymnasium Deutsch/Englisch (4 Jahre) Fachmittelschule mit eidg. anerkanntem Fachmittelschulausweis (3 Jahre) Fachmaturität Pädagogik (1 Semester) Internat Die Orientierungsschule (7. 9. Kl.) Das Lernkonzept der Orientierungsschule im Theresianum Ingenbohl holt die Schülerinnen dort ab, wo sie tatsächlich stehen, begleitet sie einzeln dorthin, wo sie hin wollen und lässt ihnen dabei soviel Zeit, wie sie brauchen. Da jede Schülerin in ihrem eigenen Lerntempo arbeitet, eignet sich die Orientierungsschule sowohl für Hochbegabte wie auch für Schülerinnen mit Lernschwierigkeiten. Dabei steht ihr ein Coach als persönlicher Lernbegleiter zur Seite. Mitbestimmung und Selbstbestimmung, Mit- und Selbstverantwortung spielen bei der Wissensvermittlung in der Orientierungsschule des Theresianums Ingenbohl eine tragende Rolle. Was heisst individualisiertes Lernen? Die Schülerin soll den eigenen Lernprozess zunehmend besser steuern können. Die fachlichen Lernimpulse der Lehrpersonen sind an diesem Ziel ausgerichtet. Konkret: Die Schülerin nimmt die Themenimpulse der Lehrperson auf und verarbeitet sie in Eigenregie nach persönlichem Lerntempo. Zudem gibt sie sich selber Lernaufträge und denkt über die eigene Arbeits- und Lerntechnik nach. Nicht nur das Leistungsprodukt (Präsentationen, schriftliche Texte usw.) wird beurteilt, auch der Weg zum Ergebnis spielt eine wichtige Rolle. Und letztlich gibt nicht nur die Lehrperson eine Leistungsbeurteilung ab, sondern auch die Schülerin setzt sich mit ihrer Arbeit kritisch auseinander. So übt sie eigenverantwortliches Denken und Handeln ein. Müssen Schülerinnen bestimmte Voraussetzungen mitbringen? Grundsätzlich nein. Schülerinnen können in diesem Lernsystem erfolgreich sein, wenn sie mindestens ein Lieblingsfach in der bisherigen Schullaufbahn erlebt haben und fähig sind, sich gut zu konzentrieren. Sie bringen minimale Kompetenzen der Kooperation mit: Auf Mitschülerinnen zugehen oder sich wenn nötig zurückzunehmen. Informationsveranstaltungen über die Orientierungsschule Freitag 24. April Uhr Freitag 29. Mai Uhr Freitag 19. Juni Uhr Information und Anmeldung: Telefon , Klosterstrasse 14, 6440 Brunnen Telefon

3 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 3 «Auch Kurse in Polnisch, Serbokroatisch und Tschechisch laufen gut», sagt die Vertreterin einer Sprachschule, «denn Schweizer heiraten Ausländer.» Von Albanisch bis Zulu Ob einzeln oder im Kurs, intensiv, massgeschneidert oder per Podcast: Die Möglichkeiten zum Sprachenlernen sind in der Schweiz enorm. Am stärksten gefragt sind Englischkurse. Von Rolf Murbach Schweizerinnen und Schweizer sind Weltmeister im Sprachenlernen. Ein prachaufenthalt nach der Lehre oder er Matur gehört zum Curriculum. Viele Studierende schalten ein Auslandsemester ein, oder sie gehen nach der Ausbildung in einen anderen Sprachraum. Sie alle tauchen für eine gewisse Zeit in eine neue Kultur und Sprachwelt ein: die wohl wirkungsvollste Art, eine Sprache zu erlernen. Längst nicht alle können sich aber einen Auslandaufenthalt leisten, aus zeitlichen oder finanziellen Gründen. Sie besuchen Kurse in der Schweiz und erwerben hier Sprachdiplome. Das Angebot an Sprachkursen ist immens. Volkshochschulen, Berufsschulen, öffentliche und private Anbieter führen Hunderte von Kursen durch. Es gibt alles, was der Kunde begehrt: Einzelunterricht, Intensivkurse, Kleinklassen, Firmen-in-House-Kurse, massgeschneiderte und themenspezifische Angebote, Grammatik- und Kommunikations-Veranstaltungen sowie Multimedia-Lernzentren mit Coaching. Man kann aus Dutzenden von Sprachen auswählen. Die Migros-Klubschule zum Beispiel bietet rund 40 Sprachen an, darunter Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Hebräisch, Holländisch, Japanisch, Rumänisch, Russisch, Sanskrit, Schwedisch, Türkisch oder Urdu. Die wichtigste und gefragteste Sprache ist Englisch. Sie ist unentbehrlich in grossen Teilen der Arbeitswelt, in Wissenschaft und Forschung. Vor allem Junge wollen Englisch lernen. Die Sprache, die je länger je mehr unseren Alltag durchdringt, ist bei ihnen beliebt wie keine andere, denn sie ist heute ein Tor zur Welt. Noch nie ist eine Generation so häufig und so weit gereist, und die globalisierte Jugend spricht Englisch. Kleingruppe gefragt Verkaufsschlager der Sprachschulen sind deshalb ohne Zweifel Englischkurse. An zweiter Stelle steht Französisch. Es gibt aber auch kleinere und zum Teil überraschende Nachfragetrends. «Seit zwei Jahren laufen Kurse in Polnisch, Serbokroatisch und Tschechisch relativ gut», sagt Véronique Europäischer Referenzrahmen Auch Sprachdiplome orientieren sich an Referenzniveaus Seit der Einführung des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens in den neunziger Jahren können Sprachkompetenzen einfacher beschrieben und verglichen werden. Die Kompetenzen gliedern sichinsechssogenanntereferenzniveaus, die heute weltweit angewendet werden. Sprachschulen beschreiben ihre Einstufungstests, Kurse und Prüfungen anhand dieser Niveaus: A1 und A2: elementare Sprachverwendung; B1 und B2: selbständige Sprachverwendung; C1 und C2: kompetente Sprachverwendung. Auch die nationalen Sprachprüfungen der europäischen Länder orientieren sich heute an diesen Referenzniveaus. Die bekanntesten sind: Englisch (Cambridge-Examen). First Certificate in English FCE (entspricht B2), Certificate in Advanced English CAE (C1), Certificate of Proficiency in English CPE (C2). Französisch (Alliance Française): Diplômed'EtudesenLangueFrançaise DELF (A1 bis B2), Diplôme Approfondi de Langue Française DALF (C1 und C2). Italienisch (Università per Stranieri, Perugia): Certificato di Conoscenza della Lingua Italiana CELI 1 5 (A2 C2). Spanisch (Universidad de Salamanca): Certificado Inicial de Español CIE (B1), Diploma Superior de Español DSE (C2). Zum Europäischen Referenzrahmen: (Framework); deindex.htm Salerno von Inlingua Bern. «Dafür gibt es private und geschäftliche Gründe. Schweizer heiraten Ausländer, und Firmen haben mit Unternehmen aus osteuropäischen Ländern zu tun.» Seit kurzem stellt Véronique Salerno zudem fest, dass viele eingewanderte Deutsche, Ärzte und Pflegepersonal, Französisch lernen, weil in vielen Spitälern der Region auch Französisch gesprochen wird. Und eine dritte Beobachtung: «Kleingruppen-Unterricht und Privatlektionen sind sehr gefragt. Die Leute sind bereit, mehr zu bezahlen, damit sie schnell Fortschritte machen.» Eine Lektion in einer Kleingruppe kostet in Bern 30 Franken, eine Privatlektion 90 Franken. Welche Schule wählen? Am besten macht man sich als Erstes über das Internet kundig und vergleicht Angebot und Preise. Die Programme sind vergleichbar. Die meisten Ausbildungsinstitutionen bereiten auf anerkannte Examen vor, Lehrpersonen mit Muttersprache sind Standard. Alle Schulen bieten kostenlose Beratungen an und häufig online Einstufungstests. Die Podcasts stammen oft von Sprachschulen. Mit den Beiträgen im Netz machen sie auf sich aufmerksam. Das europäische Sprachenportfolio Sprachenpass, Sprachbiografie und Dokumentation Mit dem europäischen Sprachenportfolio (ESP) können Lernende ihre Fremdsprachenkenntnisse einschätzen, dokumentieren und präsentieren. Das vom Europarat mit seinen 44 Mitgliedsländern lancierte Projekt und Arbeitsinstrument orientiert sich am europäischen Referenzrahmen. Es will die Mehrsprachigkeit und den Dialog zwischen den Kulturen fördern, die Mobilität in Europa erleichtern, das autonome Lernen unterstützen und zum lebenslangen Sprachenlernen ermutigen. Der Europarat hat den 26. September zum Tag der Sprachen erklärt und unterhält eine eigene Sprachenportfolio-Website. Das Europäische Sprachenportfolio existiert in zahlreichen Fassungen für verschiedene Länder. Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK hat Portfolios für Schülervon7bis15Jahrenentwickelt und neu auch das «Portfolino» für 4- bis 7-jährige Kinder. Das Portfolio will Arbeitsinstrument und Lernbegleiter sein. Es umfasst einen Sprachenpass, eine Sprachbiografie und ein Dossier, das Lernprozesse und Spracherfahrungen dokumentiert. Lernende können mit dem Sprachenportfolio ihre Sprachkompetenzen einschätzen, Bildungsinstitutionen ihre Kursangebote und Abschlüsse in einen europäischen Rahmen stellen. Arbeitgeber lernen dank dem Portfolio die sprachlichen Fähigkeiten von Stellenbewerbern und Beschäftigten kennen. Informationen und Bezug: www. coe.int Sprachversierte lernen dagegen gerne im Selbststudium. Sie mögen keine Kurse besuchen und wollen lernen, wann und wo es ihnen passt. Sie lesen Zeitungen und Bücher in der Fremdsprache, führen sich ausländische Radio- und Fernsehsendungen zu Gemüte, oder sie arbeiten mit Lernprogrammen am Computer. Viele kombinieren Selbststudium mit Kursen und verschreiben sich dem sogenannten Blended Learning, dem integrierten Lernen: Traditionelle Präsenzveranstaltungen werden da mit modernen Formen des E-Learning verknüpft. GrossesPodcast-Angebot Früher sah man in den Zügen Menschen, die in Kärtchen vertieft waren und Vokabeln lernten. Heute schauen sie konzentriert zum Fenster hinaus mit Stöpseln in den Ohren. Vielleicht hören sie gerade einen Beitrag auf Englisch oder Französisch. Das Angebot an Fremdsprachen-Podcasts hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Im Netz findet man Kurse in allen erdenklichen Sprachen mit Grammatik, Übungen und Dialogen. Die Podcasts stammen oft von Schulen. Mit den im Netz zur Verfügung gestellten Beiträgen machen sie auf sich aufmerksam und versuchen, mögliche Kunden zu gewinnen. Auf den Sites stehen zusätzliche Materialien zur Verfügung mit Link zur Kurs- Anmeldung. Die Podcasts erscheinen regelmässig, sind informativ und oft unterhaltend und zeitnah. Den einfachsten Zugang findet man über itunes. Die Rubrik «Audio-Podcasts» und «Learn a Language» wählen, und schon stehen Dutzende von Beiträgen zum Download bereit, und dies auch in Sprachen wie Russisch, Arabisch oder Koreanisch. Wer bereits sattelfest ist, besorgt sich die Broadcasts renommierter Medien. Zum Beispiel die Beiträge von BBC zu Arts, Business, Comedy, Education, Health usw. Das Praktische am Podcast-Learning: Man hat die Lektionen immer bei sich auf Reisen, Spaziergängen und auf dem Sofa.

4 4 Bildung NZZ am Sonntag 12. April 2009 «In der Praxis werden Sprachen fröhlich gemischt» Wie lernt man eine Sprache am besten und in welchem Alter? Ist der Wortschatz von Zweisprachigen wirklich kleiner als von Einsprachigen? Und was ist von Kauderwelsch zu halten? er Sprachwissenschafter Georges Lüdi weiss Antwort auf alle Fragen rund ums Sprachenlernen NZZ am Sonntag: In welchem Alter ernen Menschen eine Fremdsprache m besten? Georges Lüdi: Diese Frage kann an nicht klar beantworten, da Sprahenlernen in verschiedenen Bereihen vor sich geht und die Sprachernfähigkeit des Menschen sich in iesen verschiedenen Bereichen unerschiedlich entwickelt. Im Bereich er Phonetik der Fähigkeit, Laute zu nterscheiden und nachzuahmen beginnt die Lernfähigkeit schon um ie Geburt, und das Fenster geht dann uch relativ früh zu. Es gibt lautliche nterschiede, die man später nicht ernen kann, man muss sie von Geburt n hören. Beim Wortschatz dagegen st es ganz anders: Hier kommen älere Schüler schneller voran als kleine inder. eil ältere Kinder bereits selbst einen grösseren Wortschatz haben? Nicht nur deshalb. Sondern weil eue Wörter in bereits bestehendes Wissen eingeordnet werden und weil man auch das Lernen selbst lernt. Kleine Kinder müssen ein Wort immer wieder hören, um es zu lernen. Ältere Kinder können Wörter bewusst und auch in kurzer Zeit lernen. Darum gilt: Je früher man in der Schule mit Fremdsprachen anfängt, umso mehr Stunden braucht es, ideal ist für kleine Kinder die Immersion. Ältere Kinder und Erwachsene dagegen können auch mit drei Lektionen pro Woche eine Sprache lernen. Und wann lernt man die Grammatik? Die Grammatik liegt irgendwo zwischen der Phonetik und dem Wortschatz. Das heisst, es gibt kein optimales Alter für das Sprachenlernen. Es heisst oft: Sprachen soll man jung lernen ist es mit 50 schwieriger? Die Fähigkeit, eine zweite Sprache gleich gut zu lernen wie die Erstsprache, nimmt mit dem Alter kontinuierlich ab. Gleichzeitig nehmen die individuellen Unterschiede zwischen verschiedenen Lernern mit dem Alter zu. Auch Erwachsene können eine Fremdsprache ausgezeichnet lernen. Aber dabei spielen sehr viele Faktoren eine Rolle: Begabung, Interesse, Motivation, Bildung und vor allem auch die Tatsache, ob jemand Fremdsprachen und welche er schon gelernt hat. Georges Lüdi Professor Georges Lüdi leitet das Institut für Französische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Er hat über die Sprachensituation in der Schweiz, die Mehrsprachigkeit, die «mehrsprachige Rede» und den Erwerb von Fremdsprachen geforscht und war Leiter der Expertengruppe für ein Gesamtsprachenkonzept für die Schweizer Volksschule. Seine neuen Forschungsprojekte gelten dem Sprachverhalten in binationalen Ehen und der Handhabung der Sprachenvielfalt in der Schweizer Wirtschaft. (kmr.) Menschen, die einsprachig aufgewachsen sind, fällt es also schwerer, im Erwachsenenalter noch Fremdsprachen zu lernen. Ja, so ist es. Als Erwachsener eine erste Fremdsprache zu lernen, ist sehr schwierig, man sieht das oft bei Amerikanern, sie sind fast verloren. Man kann darum nicht sagen, ab einem gewissen Alter könne man keine Sprachen mehr lernen; es hängt vielmehr sehr stark vom Individuum ab und davon, ob dieses schon eine oder mehrere Sprachen gelernt hat. Gerade dies spricht ja dafür, dass man in der Schule Fremdsprachen lernt. Welche Sprachen das sind, ist dabei weniger wichtig. Frauen gelten allgemein als sprachbegabter lernen Frauen Fremdsprachen leichter? Sicher lernen Mädchen in der Schule Sprachen besser es ist aber sehr schwer zu sagen, ob es hier um Motivation geht oder um die eigentliche Sprachlernfähigkeit. Ich weiss es ganz einfach nicht. In amerikanischen Frauen-Colleges stellt man fest, dass die Kluft zwischen sprachlicher und naturwissenschaftlicher Begabung viel weniger ausgeprägt ist als in gemischten Klassen auch Geschlechter-Stereotype spielen also sicher mit beim besseren Sprachenlernen der Mädchen. Ich kenne leider kaum Studien, die nach Geschlecht unterscheiden. Wie lernt man eine Fremdsprache am besten? Auch hier gibt es keine eindeutige Antwort, und zwar deshalb, weil verschiedene Menschen auf verschiedene Art lernen. Mit der alten Methode, die ganz auf Grammatikregeln und Wörterlernen setzte, sind viele Kinder gescheitert. Sie lernten die Regeln auswendig, konnten aber kaum sprechen. Heute ist der kommunikative Sprachunterricht die Regel, der stark auf das spontane Aufnehmen über das Gehör und die Interaktion setzt, aber auch hier gibt es Schüler, die schlecht damit zurechtkommen. Dann gibt ihnen die Mutter ihr altes Grammatikbuch und plötzlich geht es. Es gibt ganz offensichtlich verschiedene Lerntypen. Dazu kommt dann noch, dass man eine zweite oder dritte Fremdsprache nicht auf die gleiche Art erwirbt wie die erste: Französisch nach Englisch lernt sich anders, als wenn es die erste Fremdsprache ist. Bereits zweisprachige Migrantenkinder brauchten deshalb nochmals einen anderen Fremdsprachunterricht. Allen kann man also mit einer Methode nie gerecht werden. Kann man eine einmal gelernte Fremdsprache ganz vergessen? Man kann den Zugang zu einer gelernten Sprache verlieren, wenn man sie nicht pflegt oder wenn man neue Sprachen lernt. Und Kinder können eine Sprache tatsächlich auch ganz vergessen. Man hat das bei erwachsenen Koreanern gezeigt, die als Kinder in Frankreich adoptiert wurden und rein französischsprachig aufwuchsen. Man liess sie verschiedene Sprachen hören mit der Vermutung, dass sie das The Spirit of Zuoz is self-discipline. The Lyceum Alpinum Zuoz is one of Switzerland s leading international boarding schools. 300 students from around the world study at the Lyceum Alpinum Zuoz for the Swiss Matura, the German Abitur and the International Baccalaureate Diploma. Tolerance, fair play and respect for community values are at the heart of the broad education provided by the Lyceum Alpinum Zuoz. Programmes: International Baccalaureate Diploma (taught in English) Swiss Matura German Abitur (after 12 years) International Summer Camp & Junior Golf Academy Lyceum Alpinum Zuoz AG CH-7524 Zuoz, Switzerland Tel Fax

5 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 5 «Kleine Kinder müssen ein Wort immer wieder hören, um es zu lernen. Ältere können Wörter bewusst lernen.» Koreanisch ihrer frühen Kindheit mindestens erkennen sollten. Doch das passierte nicht sie konnten Koreanisch nicht von anderen Sprachen unterscheiden. Auch wenn eine Sprache muttersprachlich erworben ist, kann sie also spurlos verschwinden. Ab welchem Alter behalten Kinder eine Sprache für immer? Es gibt da Unterschiede je nach Situation, aber ab der Pubertät vergessen Kinder eine Sprache in der Regel nicht mehr. Heute geben sich sehr viele Eltern absichtlich Mühe, mit ihren Kindern von eburt an zwei Sprachen zu sprechen. ürden Sie das empfehlen? Auf alle Fälle. Es kommt zwar vor, ass zweisprachige Kinder Schulchwierigkeiten haben. Das hat aber eist damit zu tun, dass die Erst- oder amiliensprache auf einem zu niedrien Niveau stattfindet. Je besser man ie Erstsprache kann, desto besser ernt man die zweite Sprache. Eine kanadische Studie zeigt, dass der ortschatz von zweisprachig aufgeachsenen Kindern in beiden Sprachen leiner ist als jener der einsprachig aufgewachsenen. Das ist richtig für jede der beiden prachen einzeln. Aber der Wortchatz insgesamt ist natürlich viel rösser. Und das Defizit im je einzelen Wortschatz wird mehr als komensiert dadurch, dass sie in zwei prachen kommunizieren können und n zwei kulturellen Umfeldern heiisch sind. Dazu kommt, dass Zweiprachige weitere Sprachen leichter ernen. Auch das Aufwachsen mit chweizerdeutsch und Hochdeutsch eigt ja ähnliche negative und positive Aspekte: Deutsche haben wohl einen grösseren deutschen Wortschatz als Schweizer, dafür fällt es uns leichter, Fremdsprachen zu lernen. Unsere Diglossie wäre also in Wahrheit ein Bilingualismus? Man kann das durchaus so sehen. Während die einen Kinder zwei oder sogar drei Sprachen mühelos sprechen, gibt es aber doch auch Kinder, die keine prache richtig sprechen? Was heisst denn eine Sprache richig können? Gut, es gibt Situationen, twa bei Bewerbungsschreiben, wo ie Orthographie wichtig ist. Aber einer Meinung nach gibt man dem u viel Gewicht. In der Praxis ist unere Gesellschaft mehrsprachig: Nachbarn, Mitschüler, Vorgesetzte sprechen verschiedene Sprachen. Da ist es doch möglicherweise wichtiger, effizient zu kommunizieren und die eigene Identität auch im Sprachgebrauch auszudrücken, als «richtig» zu sprechen. Kommt dazu, dass wir nichtkorrektes Sprechen ganz verschieden bewerten: Wenn ein Amerikaner bei Radio Basilisk als Moderator halb englisch, halb schweizerdeutsch redet, finden wir es toll. Wenn der Türke dasselbe tut, dann sagen wir, er könne keine Sprache richtig. Enden wir mit dieser Einstellung nicht im grossen Kauderwelsch? Warum dieser negative Begriff? Gerade das Mischen von Sprachen ist doch sehr effizient für die Kommunikation. Am Arbeitsplatz, in der Wirtschaft, an den Hochschulen: Überall werden in der Praxis die Sprachen ganz fröhlich gemischt. In der Wissenschaft nennt man das Code-Switching, und es kann auf verschiedenen Ebenen geschehen: zwischen Sprechern, zwischen Sätzen, innerhalb von Sätzen. In der Regel ist Code-Switching funktionell, und meist ist es situativ angemessen. Das heisst, die meisten Zweisprachigen wissen genau, dass sie mit der Grossmutter serbisch und mit dem Lehrer deutsch sprechen müssen und unter Kollegen beide Sprachen mischen können. Es gibt Kinder, die zweisprachig aufwachsen, aber nur eine Sprache sprechen wollen. Meist sprechen sie die Schulsprache, weil Kinder ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis haben, so zu sein wie alle. Oft geht es wieder um die Bewertung einer Sprache, und dieser Wert wird nicht nur von der Umgebung, sondern auch von den Eltern definiert. Dabei gibt es grosse Unterschiede. Eine australische Studie hat gezeigt, dass Griechen in der Diaspora ihr Griechisch bis in die vierte Generation weitergeben, während Holländer schon in der ersten Generation nicht mehr holländisch sprechen. Holländisch ist offenbar für die Identität der Holländer weniger wichtig als Griechisch für die Identität der Griechen. Wichtig ist auch, ob Kinder eine Sprache auch ausserhalb der Kleinfamilie hören etwa in einer Kirche, mit Grosseltern oder Spielkameraden. Aber bei alledem sei doch gesagt: Passiver Bilingualismus ist genauso gut wie aktiver. Frühe Zweisprachigkeit ist also in jedem Falle ein Plus? So ist es, weil trotz allfälligen Nachteilen letztlich die Vorteile überwiegen. Aber es braucht dafür natürlich einen gewissen Mehraufwand, sowohl in binationalen Ehen wie für die Migranten und in der Schule. Interview: Kathrin Meier-Rust Die Bilder dieser Beilage Die Fotografin Marion Nitsch hat für diese Beilage in der Migros-Klubschule Oerlikon fotografiert, und zwar in den folgenden Kursen: English for Kids, Spanisch für Senioren/-innen und Deutsch für Fremdsprachige. «Als Erwachsener eine erste Fremdsprache zu lernen, ist sehr schwierig. Gerade dies spricht dafür, dass man früh anfängt.»

6 6 Sonntag, 12. April 2009 Nr. 15 NZZ am Sonntag <wm>%tr6k+ihn%l9%x6m8%qx+emcs'%ya%ztv.q%rj+vt7xl%ds%mo2.r%3k+wzzozec%g3%u=syc6ie%wd%ygtej-1lov6g-xa-lca6qxieq%1h%8fqt%di%c839fp%'ny9r-mgxgja-yi-qrij/hx9/.7ag%b6%fa4pnc%/x%9c/abnjp4wp%wsxbi.zsgr%'b%s8'7efhx3"x%ji%lujmfwk6g24h%pefig.ksbdx%9c%kw9epmzmybqf%ck%q"hueq%fmy7e+fik+kc+j4%os8y%"tur+d0z+fewn%i'%7cwnki%1c</wm> <wm>%"0g1+bni%k6%4gh8%7s%tv'86-uahnrl-ik-/jkrloy8l%u3%9ndp%sy</wm> <wm>%tr6k+ihn%l9%x6m8%qx+emcs'%ya%ztv.q%rj+vt7xl%ds%mo2.r%3k+wzzozec%g3%u=syc6ie%wd%ygtej-1lvc49-xa-lca6qxiek%1h%8fqt%di%c839fp%'ny9r-mgbfv8-yi-qrij/hx9a.7ag%b6%fa4pnc%/x%9c/abnjp4wp%wsg2u.8kply%vl%/yvswv56kn6%ks%o=koueqczfg5%3way.gpsax%9c%kw9epmzmybqf%ck%q"hueq%fm1v8+k9v+fc+3r%osz3%"t5k+d0z+fewj%i'%7cwnki%1c</wm> <wm>%"0g1+bni%k6%4gh8%7s%tv'86-ua4obe-ik-/jkrloy8i%u3%9ndp%sy</wm> Bildung Nachher: Geschäftsleitung Vorher: Felix Schuppisser hat das MAS Umwelttechnik und -management an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW absolviert. Heute ist der diplomierte Umweltingenieur Mitglied der Geschäftsleitung der Bachema AG in Schlieren. Mehr Informationen über die FHNW auf unserer Website. Stiftsschule Einsiedeln, Tel , Masterstudium in Luzern Theologie Theologie Religionslehre Kirchenmusik TOTO CORDE, TOTA ANIMA, TOTA VIRTUTE VON GANZEM HERZEN, MIT GANZER SEELE UND MIT GANZER KRAFT Sich bewegen, behaupten und entwickeln: Das Bildungs-Internat für Mädchen und Burschen. Rechtswissenschaft Fächerwahlfreiheit, Mobilität, zweisprachiger Master (deutsch/französisch) Kultur- und Sozialwissenschaften Geschichte Judaistik Kultur- und Sozialanthropologie/Ethnologie Kulturwissenschaften Organisation und Wissen Philosophie Religion, Wirtschaft, Politik Religionswissenschaft Soziologie Vergleichende Medienwissenschaft Weltgesellschaft und Weltpolitik Jetzt anmelden! Zertifikatsprogramm Forschen in den Sozialwissenschaften Sie sind forschend, lehrend, planerisch oder politisch tätig in Einrichtungen des Bildungs-, Sozialoder Gesundheitswesens, in der Wirtschaft oder an sonstiger verantwortlicher Stelle des öffentlichen Lebens, und Sie möchten Ihre Kenntnisse in der Planung und Durchführung von Forschungsprojekten auffrischen, erweitern oder vertiefen und Ihre wissenschaftlichen Kompetenzen in diesem Bereich vervollkommnen. Wir bieten Ihnen dafür das geeignete Zertifikatsprogramm: Eingebettet in wissenschaftstheoretische Zusammenhänge, konzentriert es sich auf quantitative und qualitative Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung sowie auf das Management von Forschungsprojekten und den Transfer in Lehre, Praxis, wissenschaftliche Diskussion und Öffentlichkeit. Erfahrene und international renommierte Dozentinnen und Dozenten gestalten den Kurs. Programmdauer: 10. September 2009 bis 19. Juni Berücksichtigung der Anmeldungen nach Eingangsdatum bis spätestens 15. August Bestellen Sie ausführliche Unterlagen: Pädagogisches Institut der Universität Zürich, Prof. Dr. Reinhard Fatke, Freiestr. 36, 8032 Zürich, Tel.: ; Fax: ; MUSISCH-PÄDAGOGISCHE WEITERBILDUNG Für LehrerInnen, KindergärtnerInnen, SpielgruppenleiterInnen, Gymnastik-, Tanz- und SportlehrerInnen, MusiklehrerInnen, SozialpädagogInnen Ausbildungsinhalte: Theater und Theaterpädagogik, Improvisation, Rhythmik, Bewegung, Tanz, Musik und Gesang, Abschluss-Zertifikat Daten: 28. Aug bis 10. Juli 2010, freitags h / 4 Wochenend-Workshops. Tel.: (freitags) Mail: Freiestr. 58, 8032 Zürich Der Klick zum Erfolg. Führungsakademie Wirtschaftsakademie Sprachakademie Limmatstrasse 310 CH-8005 Zürich Telefon Sprachaufenthalte Top Angebote von Annemarie + Rolf Frischknecht Tel

7 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 7 «Am Anfang geht es zwar ein bisschen langsamer voran», sagt Physiklehrer Samuel Byland, «aber das holt man schnell wieder auf.» In zwei Sprachen zur Matur Bald die Hälfte aller Gymnasien in der Schweiz bietet eine zweisprachige Maturität an. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv auch wenn die Schüler nicht perfekte English speakers werden. Von Theres Lüthi Sobald die Schüler der Klasse 4A das Physikzimmer betreten, wechseln sie ins Englische. Heute steht das Thema sound intensity auf dem Programm wahrlich kein einfaches Thema, doch die Physik gehört zu den Fächern, die im Rahmen der zweisprachigen Maturität am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl in Zürich nur auf Englisch unterrichtet werden. «Meine Eltern haben mir davon abgeraten», erzählt ein Schüler, «sie hatten Angst, dass die zweisprachige Matur einen Riesenaufwand bedeutet.» Die Lehrer konnten den begabten Schüler aber überzeugen. «Sie sagten, dass nur die besten Schüler in diese Klasse aufgenommen würden und ich deshalb viel konzentrierter arbeiten könne.» In geradezu unhelvetischem Tempo hat sich diese Neuerung schweizweit ausgebreitet. Inzwischen bieten 70 der 177 öffentlich anerkannten Gymnasien eine «zweisprachige Matur» an, und etwa 10 Prozent der Gymnasiasten entscheiden sich dafür Tendenz steigend. So hat der Zürcher Regierungsrat jüngst beschlossen, dass ab 2010 alle 25 Mittelschulen im Kanton Zürich eine zweisprachige Maturität einführen dürfen. «Die Meinung ist, dass langfristig ein zweisprachiger Ausbildungsgang Deutsch/Englisch zum Standard einer Zürcher Mittelschule gehört», sagt Bea Oberholzer vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Zürich. Dabei war es vor bald 10 Jahren, als die ersten Pilotprojekte starteten, keineswegs sicher, dass dieser Ausbildungsgang auf Zuspruch stossen würde. Bedenken gab es beispielsweise bezüglich des Niveaus des unterrichteen Fachwissens. Können Schüler Gechichte auf Englisch lernen, wenn sie ie Sprache nicht perfekt beherrschen? der anders ausgedrückt: Führt der bilinguale Unterricht nicht unweigerich zu Leistungseinbussen? Dass dies nicht der Fall ist, hatten war bereits Untersuchungen aus Kaada belegt, wo Immersionsunterricht chon lange Realität ist. Trotzdem wollte man sich diese Frage auch im chweizerischen Kontext nochmals geau anschauen. Wie eine Studie der niversität Zürich unlängst zeigen onnte, erzielen die immersiv unterichteten Schüler mindestens ebenso ute sachfachliche Leistungen wie die Schüler der regulären Klassen. «Das Fachwissen im Immersionsfach leidet nicht durch die Immersionssprache», bestätigt auch Franziska Widmer Müller, Rektorin der Kantonsschule Rychenberg Winterthur, die seit 2001 den Ausbildungsgang «Zweisprachige Matur» führt. «Am Anfang geht es zwar ein bisschen langsamer voran», sagt der Physiklehrer Samuel Byland, «aber das holt man schnell wieder auf, und am Ende machen die Schüler zusätzlich Fortschritte im Englisch.» In manchen Fächern etwa in der Geschichte beim Thema Mittelalter kann es mit dem fachspezifischen Wortschatz ab und zu Probleme geben. «Wahrscheinlich kommt es bei der Informationsaufnahme in einer schwachen Sprache gelegentlich zu einem gewissen Verlust an Nuancen», sagt Anton Näf von der Universität Neuenburg. «Generelle Abwertungen dieser Unterrichtsform in der Art von Geschichte light sind aber nicht gerechtfertigt.» Keine englischen Lehrer Ein weiterer Vorbehalt bei der Einführung der zweisprachigen Matura betraf die Sprachkompetenz der Lehrpersonen. Im Welschland, wo die Immersionssprache in der Regel die Landessprache Deutsch ist, haben die meisten Lehrpersonen Deutsch als Muttersprache oder sind mit der Sprache in alltäglichem Kontakt. Anders sieht die Situation in der Deutschschweiz aus, wo 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler Englisch als Immersionssprache wählen. Eine Erhebung im Kanton Zürich fand, dass 9 von 10 Lehrpersonen keine native speakers sind. Sie verfügen aber zum Teil über einen Nebenfach-Abschluss in Anglistik oder über als gleichwertig angesehene Kenntnisse der englischen Sprache. Manche haben in einem englischsprachigen Land studiert oder lange dort gearbeitet, andere haben einen englischsprechenden Partner. Geht es um die Vermittlung des Unterrichtsstoffs, sind nicht unbedingt muttersprachliche Kenntnisse nötig. «Sobald aber spontane Kommunikation gefragt ist, wenn es zum Beispiel um Disziplin, heikle Themen oder Organisatorisches geht, stossen manche Lehrer an ihre sprachlichen Grenzen», sagt Anton Näf, fügt jedoch hinzu: «Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig.» Diese Ansicht vertritt Franziska Widmer Müller. «Es müssen keine native speakers sein. Viel zentraler ist, dass die Lehrer in ihrem Fach Experten sind.» In gewissen Fächern dürfte es angesichts der rasch wachsenden Zahl von Immersionsklassen zu Engpässen kommen, denn so viele englischsprechende Lehrpersonen kann die Schweiz nicht von heute auf morgen herzaubern. «Wir hören von Schulleiterinnen und Schulleitern in letzter Zeit vermehrt, dass es insbesondere in den Fächern Mathe, Physik sowie in Wirtschaft und Recht eher schwieriger geworden ist, Immersionslehrpersonen zu finden», sagt Bea Oberholzer. Dies dürfte sich längerfristig aber ändern. «Je selbstverständlicher es wird, dass an den Gymnasien gewisse Fächer auf Englisch unterrichtet werden», sagt Oberholzer, «desto eher auch werden Studenten und Studentinnen, die sich zur Gymnasial-Lehrperson ausbilden lassen, ihre Studienfachwahl bereits darauf ausrichten.» Fest steht indes, dass die zweisprachige Matura nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrpersonen eine Chance ist. So haben Umfragen ergeben, dass sich der zweisprachige Lehrgang positiv auf die Zufriedenheit der Lehrpersonen auswirkt. Dies hat einerseits damit zu tun, dass es generell die engagierten Lehrer sind, die sich dafür Grosse Gestaltungsfreiheit der Schulen Im Welschland Deutsch, in der Deutschschweiz Englisch Seit etwa 10 Jahren können Gymnasiasten in der Schweiz eine zweisprachige Matura ablegen. Die Schüler erhalten in ihrem Abschlusszeugnis den Vermerk «zweisprachige Maturität». In der französischen Schweiz wird meist die Landessprache Deutsch, in der Deutschschweiz hingegen fast ausschliesslich Englisch als Immersionssprache gewählt. Ab 2010 steht Schulen im Kanton Zürich die Möglichkeit offen, auch die Kombination Deutsch/Französisch anzubieten. Die zweisprachigen Programme beginnen meist im 9. oder 10. Schuljahr und dauern 3 bis 4 Jahre. Dabei müssen mindestens 600 Lektionen in der Immersionssprache besucht werden. Welche Fächer immersiv unterrichtet «Zum Teil werden die besten Schüler abgesahnt, und so fehlen dann in den regulären Klassen die Zugpferde.» werden, können die Schulen selber festlegen. Vorgeschrieben ist lediglich, dass es mindestens zwei Maturitätsfächer sein müssen, eines davon aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich. Die am häufigsten immersiv unterrichteten Fächer sind Geschichte und Mathematik. Weil die Nachfrage das Angebot häufig übersteigt, gibt es an vielen Schulen Selektionskriterien für den Besuch eines bilingualen Programms. Meist ist ein minimaler Notendurchschnitt oder eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft erforderlich, zumal der Ausbildungsgang mit einer deutlichen Mehrarbeit verbunden ist. Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht an Schüler, welche die Immersionssprache als Muttersprache sprechen. (tlu.) begeistern. Andererseits ist aber auch das Umfeld motivierend. «Jeder Lehrer träumt davon, eine solche Klasse zu unterrichten», sagt der Physiklehrer Byland. Meist entscheidet nämlich der Notendurchschnitt, ob ein Schüler den zweisprachigen Ausbildungsgang besuchen darf. Deshalb sind es oft die besonders guten und motivierten Schüler, die in diesen Klassen sitzen. Genau darin sehen manche aber auch ein Problem. «Zum Teil werden die besten Schüler abgesahnt, und so fehlen dann in den regulären Klassen die Zugpferde», sagt Anton Näf. Von einem «Braindrain» könne aber nicht wirklich die Rede sein, sagt Franziska Widmer Müller. «Es wird immer auch in den regulären Klassen sehr gute und sehr leistungsstarke Schüler geben.» Denn viele entschieden sich aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen die zweisprachige Maturität sei es, weil sie das Englische nicht so forcieren wollen, sei es, weil sie nach der Matura ohnehin einen Aufenthalt im englischen Sprachraum vorgesehen haben. Eine «Sprach-Dusche» Am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl soll der reguläre Englischunterricht die Schüler auf das Cambridge First Certificate vorbereiten, die zweisprachige Maturität dagegen auf das Certificate in Advanced English. Gleichwohl: Eine zweisprachige Matura ist weniger ein eigentliches Sprach-Bad als vielmehr eine Sprach-Dusche, sie bildet die Schüler nicht zu perfekten English speakers aus. «Es ist klar, dass man nach einem Auslandjahr besser Englisch spricht als nach einer zweisprachigen Matur», sagt Samuel Byland. Die Schülerinnen und Schüler des zweisprachigen Ausbildungsgangs profitieren vor allem im Bereich von Leseund Hörverstehen, was im Hinblick auf ein Hochschulstudium in Medizin, den Naturwissenschaften oder Wirtschaft von grossem Vorteil ist. Weniger zum Zuge kommt in der Regel die Sprachproduktion denn gerade beim Frontalunterricht sind ausgedehnte Diskussionen eher selten. «Die Schüler mit der zweisprachigen Matura können aber deutlich besser Englisch als die anderen Schüler», sagt Samuel Byland. «Sie reden fliessend, wenn auch nicht ganz fehlerfrei.»

8 8 Bildung NZZ am Sonntag 12. April 2009 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 9 Lernfähig bis ins hohe Alter Ob in der Migros-Klubschule oder an der Volkshochschule: Sprachkurse und Sprachreisen für Senioren liegen im Trend. Immer mehr Menschen über 50 wollen eine Fremdsprache lernen oder auch wieder lernen. Zu Recht, sagt die Neuropsychologie: Sprachenlernen im Alter hat gleich mehrere positive Effekte. Von Daniela Kuhn Ältere Menschen bleiben einem Sprachkurs oft über Jahre treu. Und nach dem Kurs geht man miteinander Kaffee trinken. «Es ist ein angenehmes Unterrichten mit sehr motivierten Leuten, für die auch Lachen dazugehört», erzählt ein Kursleiter. Die meisten sind Frauen, blutige Anfänger sind selten An Fremdsprachen interessierte Senioren gehören seit Jahren zum Kundenkreis von Sprachschulen. Manche Institutionen bieten eigens Sprachkurse für Senioren an, deren Tempo entsprechend etwas langsamer und ohne Prüfungsdruck konzipiert ist. Rund 60 der jährlich 1000 Sprachkurse an der Klubschule Migros sind eniorenklassen. Laut Tanja Knobel, eiterin Sprachen Klubschule Migros ürich, sind die meisten Teilnehmer on allgemeinen Sprachkursen 30- bis 0-jährig. Der Anteil der über 70-Jährien ist eher klein. In den Seniorenkuren hingegen ist die grosse Mehrheit ber 60, viele Teilnehmer sind über 70, nd natürlich sind auch 80- bis 90-Jähige anzutreffen. Ältere Menschen bleien oft lange und von Stufe zu Stufe zusammen im selben Kurs. «Es gibt Kursteilnehmer, die regelrecht zusammen mit ihrer Kursleiterin alt werden», sagt Knobel. Auch die Volkshochschule des Kantons Zürich bietet Seniorenkurse für Englisch, Französisch und Italienisch an. Die meisten Teilnehmer dieser Kurse sind über 55: «Es gibt aber auch 90-Jährige», erzählt Martin Schaub, Leiter Sprachen an der Volkshochschule. Am beliebtesten bei den vorwiegend weiblichen Senioren sind Englisch- und Italienischkurse. Doch auch in exotischen Feldern wie «Altgriechische Lektüre» oder «Russische Lektüre» sind ältere Semester oft anzutreffen. Ältere Menschen bleiben auch an der Volkshochschule über Jahre hinweg ihrer Klasse treu. Für Schaub hat diese Treue auch mit sozialen Aspekten zu tun: Die Gruppenmitglieder kennen sich oft über Jahre hinweg; nach dem Kurs geht man miteinander Kaffee trinken. Und dies nicht selten zusammen mit dem Kursleiter. «Der Kontakt zur Lehrperson ist zentral», sagt Schaub: «Es ist aber auch ein angenehmes Unterrichten mit sehr motivierten Leuten, für die auch Lachen dazugehört.» Auch bei den Sprachreisen und Sprachaufenthalten gibt es vermehrt auf Senioren zugeschnittene Angebote. «50Plus» heisst dieses bei der Sprachreiseagentur Boa Lingua. Man habe schon vor zehn Jahren mit diesen Spezialangeboten begonnen, weil sich erwachsene und ältere Kunden oft nach dem Durchschnittsalter in ausländischen Sprachschulen erkundigt hätten, erzählt Kurt Krummenacher, der Geschäftsführer von Boa Lingua. Viele der traditionellen Sprachlern- Orte haben tatsächlich ein sehr junges Publikum, in Brighton oder Bournemouth in England liegt das Durchschnittsalter bei 21 Jahren, in Sydney in Australien bei 23. Boa Lingua bietet deshalb Sprachschulen im Ausland speziell für ein älteres Publikum an: In England etwa in Bath, Torquay oder Sidmouth. In Italien sind dagegen nach wie vor die klassischen Destination beliebt Rom, Florenz, Siena weil der Sprachaufenthalt oft mit kulturellen Aktivitäten verbunden wird: Drei Stunden Sprache lernen am Vormittag, am Nachmittag Kulturprogramm gilt als beliebtes Muster. «Sprachaufenthalte für Senioren sind ein richtiger Trend in den letzten Jahren. Die Generation, die vor 20, 30 Jahren Sprachen gelernt hat, ist fit und kaufkräftig und möchte nun die alten Kenntnisse auffrischen», erzählt Krummenacher. Blutige Anfänger gebe es deshalb kaum in dieser Altersgruppe. Rund 80 Prozent der älteren Sprachreisenden bei Boa Lingua sind Frauen, das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 60 Jahren. Bevorzugt werden Sprachaufenthalte von 2 bis 3 Wochen im Frühling und Herbst. Die meisten Teilnehmer wohnen in Gastfamilien, die speziell für erwachsene und ältere Gäste ausgewählt sind und neben einem gewissen Komfort auch ein entsprechendes soziales Umfeld bieten. Daniela Kuhn Einmal pro Woche fährt Werner Peter von Luzern nach Zürich, um an der Volkshochschule einen Romanischkurs zu besuchen. Die Zugfahrt macht dem 80-Jährigen nichts aus. «Ich bin ja schon früher immer gependelt», sagt der Nationalökonom, der während vieler Jahre auf einer Zürcher Bank tätig war. Rumantsch, genau genommen das Idiom Vallader, welches im Unterengadin und im Münstertal gesprochen wird, lernt Peter nun seit zwei Jahren: «Am Anfang waren wir 20, jetzt sind wir noch 13.» Die meisten Mitlernenden sind pensioniert, also «im mittleren bis vorgerückten Alter», wie Peter sagt. Und lachend fügt er hinzu: «Ich bin der Methusalem.» Das Lernen von fremden Sprachen war ihm schon immer ein Bedürfnis: Vor jeder Ferienreise in unbekanntes Gebiet hat er sich jeweils die Grundlagen der Landessprache angeeignet. Sei es in Form von Sprachkursen (Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch und Japanisch) oder im Selbststudium (Russisch, Ungarisch, Griechisch, Holländisch, Finnisch und Schwedisch). «Mich interessieren vor allem der Aufbau und die Zusammenhänge von Sprachen», sagt Peter. In seinem Beruf übersetzte er ausserdem regelmässig ins Deutsche, hauptsächlich aus dem Englischen und Französischen. Geringeres Tempo In den letzten Jahren hat Werner Peter das Unterengadin entdeckt, da lag ein Romanischkurs auf der Hand. Die Kursteilnehmer können jetzt, gegen Ende des zweiten Jahres, bereits mehr oder weniger anspruchsvolle Gespräche führen und literarische Texte diskutieren. Ein Gewinn sei aber auch die nette Gruppe, betont Peter. Mit ihm sind derzeit noch zwei Männer dabei, alle anderen sind Frauen. «Frauen sind mündlich besser. Männer trauen sich vielleicht weniger in Sprachkurse, weil sie keine Fehler machen möchten», vermutet er. Das Lernen bereitet ihm keine Mühe: «Was ich früher in der Schule gelernt habe, sitzt natürlich tiefer», sagt Peter. «Einmal pro Woche lernen, das bleibt nicht so haften.» Was wie haften bleibt, gehört zum Forschungsgebiet von Walter Perrig, Professor für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Bern. «Die Lernfähigkeit nimmt zwar bereits nach dem jungen Erwachsenenalter kontinuierlich ab, aber sie bleibt auch bis ins hohe Alter erhalten», sagt Perrig. Sie hat besonders mit dem sogenannten Arbeitsgedächtnis zu tun, welches für vorübergehende Speicherung und Bearbeitung zuständig ist, beispielsweise, um den Anfang eines Satzes zu erinnern. Was sich beim Lernen im Alter sehr verändere, sagt Perrig, sei das Tempo, in dem Neues aufgenommen werde: «Kurse für Senioren, eventuell sogar spezielle Lerntechniken, sind daher sinnvoll.» Training fürs Gedächtnis In einer kürzlich veröffentlichten Studie ist Walter Perrig mit seinen Kollegen der Frage nachgegangen, ob und wie das Arbeitsgedächtnis veränderbar ist. Dabei wurde das Trainingsprogramm «Brain Twister» entwickelt, mit welchem kognitive Aufgaben am Computer geübt werden können. «Könnte man die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses auf diese Weise erhöhen, könnte dies auch Auswirkungen auf andere Bereiche haben», meint Perrig. Sprachenlernen oder sogar das Lösen von Intelligenzaufgaben würde damit vielleicht einfacher. «Vorläufig gibt es nur erste Hinweise für einen derartigen Transfer. Aber das Interesse von älteren Leuten an unserem Trainingsprogramm ist bereits jetzt gross», erklärt Perrig. Der häufigen Vorstellung, ein Sprachkurs sei zugleich auch ein Gedächtnistraining, begegnet Perrig hingegen mit grosser Vorsicht. Diese Annahme sei wissenschaftlich kaum erhärtet. Ist ein Sprachkurs für ältere Menschen also eigentlich nicht sinnvoll? Weiterbildung in... Die Weiterbildungsangebote der Hochschule Luzern: Master, Diploma oder Certificate of Advanced Studies. Bilden Sie sich praxisnah und interdisziplinär weiter. Architektur Banking, Finance und Controlling Design, Kunst, Musik und Kultur Gebäude als System und Bautechnik Informatik und Wirtschaftsinformatik Kommunikation und Marketing Management Auch für Ihre Ausbildung. «Frauen sind mündlich besser. Männer kommen vielleicht deshalb weniger, weil sie keine Fehler machen möchten.» Prävention und Gesundheitsförderung Recht, Forensik und Wirtschaftskriminalistik Sozialarbeit Sozialmanagement und Sozialpolitik Technik und Engineering Tourismus und Mobilität Doch, meint Perrig: Sprachenlernen im Alter berge sogar mehrere verschiedene positive Effekte: «Einmal abgesehen davon, dass ältere Menschen dabei etwas Neues lernen, ist es zusätzlich befriedigend, wenn sie die Erfahrung machen, dass sie noch immer lernfähig sind. Und dann sind auch die neuen sozialen Kontakte, die ein Sprachkurs mit sich bringt, nicht zu unterschätzen.» Unterschiede im Alter Ein 75-Jähriger, der noch Spanisch oder Latein lernen wolle, sei natürlich aussergewöhnlich, meint Perrig. Aber sein Ziel sei durchaus nicht unrealistisch: «Wie bei Kindern ist auch bei alten Menschen die Lernfähigkeit sehr verschieden. Die Unterschiede werden im Alter sogar noch akzentuierter.» Ausschlaggebend für ein gutes Lernen sei das Interesse und die individuelle Motivation, erklärt der Neuropsychologe. Begabungen und Vorlieben hätten viel miteinander zu tun. Perrigs These lautet deshalb: «Alte Menschen, die hochmotiviert eine Fremdsprache erlernen, haben möglicherweise grundlegende Gehirnstrukturen, die dafür speziell gut funktionieren. Stärken wie Schwächen können sich über die Jahre immer stärker ausprägen.» Wenn Werner Peter sich beim Einkaufen in Schuls nun auf Vallader verständigen kann, ist dies also nicht nur praktisch. Gemäss Perrig kann gerade diese Anwendung der Sprache zusammen mit dem Sprachkurs in eine Lern- Spirale führen, «die sich Runde um Runde hochschaukelt».

9 10 Bildung NZZ am Sonntag 12. April 2009 Wie viel kann man rimarschülern zumuten? Frühenglisch oder Frühfranzösisch: Lange war heftig gestritten worden. Heute lernen alle Schweizer Primarschüler eine Fremdsprache und viele bereits zwei. Der dafür nötige Wandel in der Pädagogik ist weitgehend vollzogen nun muss er noch die Oberstufe erreichen. Von Kathrin Meier-Rust «Die ganze Schweiz ist heute ein grosses Labor», sagt Daniel Stotz von der Pädagogischen Hochschule Zürich. Eine Revolution möchte der Spezialist für die Didaktik der Englischen es nicht nennen, doch von einem Kulturwandel dürfe man schon sprechen: In vielen Schweizer Kantonen lernen die rimarschüler bereits heute zwei remdsprachen, und laufend kommen weitere hinzu. Auch die lange umstritene Reihenfolge der Fremdsprachen at sich geklärt: Im Tessin, in Graubünen, in der Westschweiz und in den an ie angrenzenden Kantonen ist die erse Fremdsprache eine Landessprache, während sich die Ost- und Zentralschweizer Kantone mit Zürich und dem Aargau für Englisch entschieden haben (s. Karte unten). Damit ist das Labor komplett, in dem das Fremdsprachenlernen in der Primarschule nun untersucht werden kann: Welche Reihenfolge ist erfolgreicher zuerst Englisch und dann Französisch oder umgekehrt? Lassen sich tatsächlich Synergien erzeugen beim Erlernen von zwei Fremdsprachen? Und vor allem: Wie gut werden die Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit französisch, italienisch, deutsch und englisch sprechen? Ein erstes Resultat aus dem Labor liegt seit dieser Woche vor: Primarschüler profitieren beim Erlernen einer zweiten Fremdsprache von der ersten. Innerschweizer Kinder, die ab der 3. Klasse Englisch gelernt hatten, schnitten in Französisch besser ab als Kinder, die nur Französisch ab der 5. Klasse gelernt hatten. Zu diesem Resultat kommt eine Langzeitstudie des Nationalfonds (NFP56) unter Leitung der Erziehungswissenschafterin Andrea Haenni Hoti von der Pädagogischen Hochschule Luzern. Sie untersuchte von 2005 bis Primarklassen in den Kantonen Obwalden, Zug und Schwyz, die ab der 3. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Französisch lernten. Als Vergleich dienten 20 Klassen aus Luzern, die nur ab Klasse 5 Französisch hatten. Das Resultat: Kinder, die zuvor Englisch lernten, verstanden nach 1 Jahr Französischunterricht gehörte und gelesene Texte deutlich besser. Andrea Haenni Hoti erklärt dies in erster Linie damit, dass sie schon Erfahrung haben, wie man eine Sprache lernt. Auch Kinder mit anderen Muttersprachen als Deutsch schnitten in Französisch besser ab als rein deutschsprachige Kinder. Französisch profitiert hier also von Englisch. «Doch auch die umgekehrte Sprachfolge könnte zu ähnlichen Resultaten führen», sagt Haenni Hoti. Alte Kämpfe Die Studienergebnisse sind nicht nur erfreulich, sie dürften auch einer weiteren Versachlichung der Diskussion dienen. Rund zehn Jahre nach dem grossen Sprachenstreit hat sich der ideologische Pulverdampf immerhin etwas verzogen. Man erinnert sich: Frühenglisch hat die Gemüter damals ausserordentlich erhitzt. Gegner stilisierten es zum Verrat an Französisch und an der nationalen Solidarität. Befürworter argumentierten mit ebenso grossen Worten: mit Englisch als Schlüsselkompetenz in einer globalisierte Welt und mit dem angeblich grossen Stellenwert des Englischen als Jugend- und Freizeitsprache. Im Nachhinein erweist sich diese Argumentation als reichlich überzogen. Daniel Stotz hat 190 Schüler, 40 davon vertieft, aus 10 Schulklassen in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Zürich zu ihrer Einstellung zum «Je zwei halbe Klassen könnten zum Beispiel zwischen Welschland und Deutschschweiz ausgetauscht werden.» Die erste Fremdsprache in der Primarschule Englisch Deutsch Französisch Rätoromanisch od. Italienisch Sprachgrenzen GE VD NE FR (f) JU BE (f) FR (d) VS (f) BS BL SO BE (d) VS (d) AG LU NW OW Quelle: EDK, Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren Englischunterricht befragt: Nicht Englisch, sondern Hochdeutsch sehen viele Schüler in der Schweiz als entscheidende Kompetenz, etwa bei der Lehrstellensuche. Und nicht Englisch, sondern den Dialekt, empfinden sie als ihre Freizeitsprache. Der Englischunterricht, so zeigte die Befragung, wird auch nicht als Aufrüstung für die globalisierte Welt, sondern zunächst ganz einfach als Schulfach wahrgenommen. Was durchaus der Realität entspricht: Schon die Bezeichnung Frühenglisch oder Frühfranzösisch sei eigentlich irreführend, erklärt Daniel Stotz. Als «früh» bezeichnet man nämlich den Spracherwerb von Kleinkindern, die in einer zweisprachigen Umgebung von selbst Sprachen lernen. SH ZG ZH UR SZ TI TG GL GR (r) AR AI SG GR (i) GR (d) (i) GR (r) (i) Vorstellungen dieser Art seien oft unreflektiert auf den Sprachunterricht in der Primarschule übertragen worden, sagt Stotz. Entsprechend falsch war dann die Erwartung: Automatisch und ohne Anstrengung würden Primarschüler nun Fremdsprachen lernen, meinten viele. Das ist ein Missverständnis. Zwei bis drei Stunden pro Woche wird in Schweizer Schulen eine Sprache auf der Primarstufe in der Regel unterrichtet, und zwei Sprachlektionen sind noch lange keine intensives oder gar immersives Lernen. Der Unterricht soll zwar nach Möglichkeit in Englisch stattfinden. Und eine der Altersstufe angepasste Fremdsprachen-Pädagogik ist dabei zentral: Die Sprache soll über Fremdsprachen sollen über Inhalte vermittelt werden, La Suisse est polyglotte, et vous? Von Albanisch bis Vientnamesisch, die Klubschule bietet Ihnen eine grosse Auswahl an Sprachkursen, ganz nach Ihren eigenen Bedürfnissen. Informieren Sie sich noch heute: Telefon oder

10 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 11 interessante Inhalte aus dem Erfahrungsbereich der Kinder vermittelt werden, und sie sollen in erster Linie verstehen, selbst sprechen und schreiben lernen. Viele Aufgaben in den neuen Lehrmitteln beziehen sich auch auf andere Unterrichtsfächer, damit werden die Sprachstunden doppelt genutzt. Das zweckgebundene Kommunizieren jene aus alten Sprachbüchern bekannten Dialoge im Restaurant oder beim Einkaufen kommt dagegen erst auf der Oberstufe dazu. Darin, dass Sprachenlernen im Kindesalter eine Basis nicht nur für das Lernen von Fremdsprachen, sondern für Lernen überhaupt ist, sind sich Sprachforscher und Linguisten längst einig. Natürlich wäre ein Sprachbad die für Primarschüler interessant sind. also immersiver Unterricht ergiebiger: sei es, indem einzelne Fächer, zum Beispiel «Mensch und Umwelt», auf Englisch stattfänden, sei es als einmalige Intensivphase. Daniel Stotz bedauert es, dass in der Schweiz nicht mehr Austauschpädagogik betrieben wird: «Je zwei halbe Klassen könnten zum Beispiel zwischen Deutschschweiz und Welschland für zwei Wochen ausgetauscht werden. Man müsste hier mehr wagen, mehr ausprobieren.» Sprachenunterricht auf der Primarstufe ist ausbaufähig. Problemzone Oberstufe Zurzeit ist aber eine andere Baustelle dringlicher. In einigen Kantonen werden in diesem Sommer zum ersten Mal Schüler in die Sekundarschule übertreten, die bereits in der Primarschule vier oder fünf Jahre Englisch gelernt haben. Damit verschiebt sich die Problemzone des frühen Fremdsprachenlernens in die Oberstufe: Sekundarlehrer, die bisher Anfänger unterrichtet haben, bekommen nun Schüler, die bereits Englisch verstehen und radebrechen können. Die Situation erfordert neben neuen Lehrmitteln für die Oberstufe auch eine Nachqualifizierung erfahrener Lehrpersonen, was nicht überall auf Begeisterung stösst. Das Experiment im Fremdsprachenlabor Schweiz ist nicht abgeschlossen. Erst im Jahr 2012 werden die ersten Schüler, die in der Primarschule zwei Fremdsprachen gelernt haben, ihre obligatorische Schulzeit beenden. Was erhofft man sich von ihnen? «Es wird für sie selbstverständlicher sein, sich in einer fremden Sprache auszudrücken», hofft Daniel Stotz. «Und sie werden bessere Englischkenntnisse haben als frühere Generationen», da ist er sich sicher. Viele Aufgaben beziehen sich auf andere Unterrichtsfächer, damit werden Sprachstunden doppelt genutzt. Tandem-Börse und Graecum-Kurse Das Sprachenzentrum von Uni und ETH Zürich bietet geballte Sprachkompetenz Studierende sollen vielsprachig werden. An Universitäten wurden schon immer Sprachen gelehrt und gelernt. Denn wer Anglistik, Romanistik oder Slawistik studiert, setzt sich mit der Geschichte und Literatur dieser Sprachen auseinander. Die entsprechenden Fremdsprachenkenntnisse mussten die Studierenden in vielen Fächern aber selbst mitbringen. Die Hochschulen hatten es in der Vergangenheit nicht als ihre eigentliche Aufgabe gesehen, den Studierenden auch Fremdsprachen zu vermitteln. Es wurden zwar Sprachkurse angeboten, aber verhältnismässig wenige. Vielsprachige Unis Dies hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, insbesondere mit der Umsetzung der Bologna-Reform. Die Universitäten sind sich nicht mehr zu schade, die Studierenden auch in berufspraktischen Kompetenzen wie Fremdsprachen zu unterweisen, und es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die Hochschulen international nur konkurrenzfähig sind, wenn ihre Angehörigen vielsprachig sind. Immer mehr Studiengänge werden teilweise oder ganz in Englisch abgehalten. Zudem drängen auch immer mehr ausländische Studierende an Schweizer Hochschulen. Diese wollen und müssen Deutschkurse belegen. Und schliesslich verlangt die Arbeitswelt mehrsprachige Absolventen. Wer neben Englisch nicht mindestens eine zusätzliche Fremdsprache spricht, hat einen Nachteil beim Berufseinstieg. Die Universität Zürich und die ETH Zürich führen seit einigen Jahren ein gemeinsames Sprachenzentrum. «Wir tragen mit dieser Einrichtung der wachsenden Bedeutung von sprachlichen Kompetenzen in Studium, Forschung sowie akademischen und anderen Berufsfeldern Rechnung», sagt Direktorin Sabina Schaffner. Das Sprachenzentrum führt Kurse durch, betreibt ein Selbstlernzentrum für Studierende und Mitarbeitende beider Hochschulen und vermittelt sogenannte Tandem-Lernpartnerschaften: Dabei arbeiten zwei Studierende mit unterschiedlichen Muttersprachen zusammen, um gemeinsam ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Nebst der kostenlosen Tandem-Börse bietet das Sprachenzentrum auf seiner Homepage einen Leitfaden zum Tandem-Lernen und einen Tandem-Lernvertrag. 400 Sprach-Tandems Überdies ist das Sprachenzentrum auch zuständig für die Deutschprüfung für fremdsprachige Studienbewerber sowie für die Latinum- und Graecum- Kurse und -Prüfungen der Universität Zürich. «Die Studierenden schätzen das Angebot sehr, wie eine im letzten Herbst durchgeführte Evaluation ergeben hat», sagt Sabina Schaffner. Dass die Kurse gefragt sind, zeigen auch die Zahlen. Im Herbstsemester 2008 führte das Sprachenzentrum 192 Kurse mit insgesamt 3000 Teilnehmenden durch. Über 700 Studierende besuchten die 9 Latinum- und Graecum-Kurse, und rund 400 Tandem-Lernpartnerschaften wurden vermittelt. Am Sprachenzentrum werden 13 moderne Sprachen unterrichtet, darunter Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch, Polnisch, Neugriechisch oder Ungarisch. Neben Kursen in Deutsch als Fremdsprache sind Englischkurse am gefragtesten, wobei sich das Angebot in den letzten zwei Jahren laut Schaffner stark verändert hat: «Im Vordergrund steht English for Academic Purposes, Englisch als Wissenschaftssprache. Hier unterscheiden wir uns auch stark von anderen Anbietern.» Rolf Murbach

11 12 Sonntag, 12. April 2009 Nr. 15 NZZ am Sonntag Bildung Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften School of Management and Law AARAU BASEL BERN CHUR GENF LAUSANNE LUGANO LUZERN ST. GALLEN ZÜRICH Die Schweizer Bildungsinstitution. Effizient. Sicher. Individuell. MAS Risk Management Banking & Finance CAS Risk Management CAS Alternative Investments Programmstart: September 2009 Erweitern und vertiefen Sie Ihre Kenntnisse über Produkte,ProzesseundRisikenimFinanzsektor. Info-Veranstaltung: 29. April 2009 ZHAW School of Management and Law 8400 Winterthur Telefon Building Competence. Crossing Borders. Zürcher Fachhochschule Stiftung Mittelschule Dr. Buchmann Dein Weg zur Matura In unserer privaten Mittelschule bieten wir den Schülerinnen und Schülern eine angstfreie Lernumgebung. Wir bereiten sie auf die Schweizerische Matura und ein anschliessendes Studium vor. Informationen erhältlich bei: Stiftung Mittelschule Dr. Buchmann Keltenstrasse Zürich 7.T F Verschiedene Menschen. Verschiedene Bildungsbedürfnisse. Eine Schule: AKAD. Eidg. Fachausweise und Diplome für die Berufswelt, Handelsschule, Berufsmaturität, gymnasiale Maturität, Sprachen, Höhere Fachschulen Wirtschaft/Bank/Versicherung, Fachhochschule, Weiterbildungskurse für Schule, Beruf und Freizeit....einen Schritt weiter! Weiterbilden an der ETH Zürich Gymnasium St. Klemens Ebikon LU Die Maturitätsschule am Rotsee Bildung statt nur Ausbildung Internat Tagesschule Externat mit den Schwerpunktfächern Biologie/Chemie Wirtschaft/Recht Pädagogik/Psychologie/Philosophie Kaspar-Koppstrasse 86, 6030 Ebikon Master (MAS, MBA): Arbeit + Gesundheit Architektur Baukompetenz Bauprozess Entwicklung und Zusammenarbeit NADEL Intellectual Property Landscape Architecture Management, Technology, and Economics / BWI MBA Supply Chain Management Medizinphysik Natural Hazards Management Nutrition and Health Raumplanung Security Policy and Crisis Management Sustainable Water Resources Urban Design Weiterbildungsdiplom (DAS): Angewandte Statistik Weiterbildungszertifikate (CAS): Angewandte Erdwissenschaften Angewandte Statistik Betriebliches Gesundheitsmanagement Entwicklung und Zusammenarbeit NADEL E-Learning Informatik Radiopharmazeutische Chemie, Radiopharmazie Raumentwicklung Räumliche Informationssysteme Risiko und Sicherheit technischer Systeme Fortbildungskurse: Über 150 Kurse im Jahr in den Bereichen Architektur, Management, Bau-, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie in weiteren Wissenschaften der ETH Zürich Für weitere Informationen: Zentrum für Weiterbildung, Tel , Eurocentres passt sich Ihrem Kopf an! > Sprachaufenthalte weltweit > Eurocentres erstellt für jeden Kursteilnehmer ein persönliches Lernprogramm. Neu in England: kostenloses Training für Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräche in Englisch ab 6-wöchigem Kurs (letzter Kursbeginn ). Eurocentres, Seestr. 247, 8038 Zürich Gratisnummer , Die Stiftung Eurocentres ist eine Organisation des Migros Kulturprozents. Die Gewinne werden in die Weiterentwicklung des Sprachunterrichts investiert.

12 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 13 Schweizer möchten auf keinen Fall nur mit anderen Schweizern in einer Klasse sitzen. Doch allzu starke Internationalität kann sich auch hemmend auf das Lerntempo auswirken. Morgens lernen, mittags segeln Der Trend zu Sprachreisen und Sprachaufenthalten ist ungebrochen. England, Australien und die USA sind die beliebtesten Destinationen. Spanisch ist erstmals gefragter als Französisch. Von Rolf Murbach Die Rezession vermag der Nachfrage nach Sprachreisen offenbar nichts anzuhaben. «Die Schweizer buchen auch in Krisen», sagt Mark Winkler, CEO von Linguista Sprachaufenthalte und Präsident des Schweizerischen Verbandes der Sprachreise-Veranstalter Salta. «Die Leute sparen erfahrungsgemäss nicht bei der Bildung. Sie wollen etwas für ihre Arbeitsmarktfähigkeit tun und investieren zum Beispiel in Fremdsprachen.» Das anhaltende Interesse an Sprachaufenthalten belegt eine Umfrage von Salta bei seinen Mitgliedern: Die Branche hat 2008 trotz Finanzkrise einen Zuwachs verzeichnet. Es wurden mehr Kurse verkauft als in früheren Jahren. Am beliebtesten sind erwartungsgemäss Aufenthalte im englischsprachigen Raum; sie verzeichnen einen Marktanteil von knapp 70 Prozent. Zum ersten Mal ist Spanisch (10 Prozent) gefragter als Französisch (9 Prozent). Italienisch belegt Rang vier (3 Prozent). Trotz der zunehmenden Bedeutung des asiatischen Wirtschaftsraums bleiben Chinesisch und Japanisch gemäss Umfrage relativ unbedeutend. Grossbritannien, Australien und die USA sind die beliebtesten Destinationen. Insbesondere die USA haben stark zugelegt. «Amerika hat dank dem Marktanteile Sprachreisen Nach Sprachen Italienisch 3% Französisch 8% Spanisch 10% Andere¹ 10% ¹ Portugiesisch, Deutsch, Russisch, Chinesisch, Japanisch Englisch 69% tiefen Dollarkurs und der Umbruchstimmung im Land an Attraktivität gewonnen», sagt Mark Winkler. «Ein Sprachaufenthalt in den USA ist heute um 30 Prozent günstiger als vor zwei Jahren.» Wer bucht einen Sprachaufenthalt? Salta-Präsident Winkler unterscheidet vier Kundensegmente. Marktanteile Sprachreisen Nach Destinationen Neuseeland 4% Irland 4% Lateinamerika 5% Spanien 5% Italien 3% Andere 12% Malta 7% Frankreich 8% Grossbritannien 16% Kanada 9% Australien 15% USA 12% Quelle: Salta Quelle: Salta Quelle: Salta Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren besuchen zwei- bis vierwöchige Französisch- und Englischkurse in der Schweiz, in Frankreich, England oder Malta. Hauptkunden der Sprachreiseveranstalter sind junge Erwachsene. Sie buchen mehrmonatige Programme mit dem Ziel, ein anerkanntes Diplom Marktanteile Sprachreisen Nach Unterkünften Residenz/ Studio/ Appartement 23% Andere 5% Gastfamilien 72% zu erlangen. Häufig kombinieren sie die Kurse mit ausgedehnten Reisen. Eine wachsende Gruppe sind laut Winkler die Singles: «Anstatt allein in die Ferien zu fahren, besuchen sie einen Sprachkurs und lernen dadurch Leute mit ähnlichen Interessen kennen.» Geschäftsleute, die kurze Intensivkurse buchen, sind ein eher kleines Segment, dafür nimmt die Gruppe der 50- bis 70-Jährigen zu. Immer mehr Veranstalter bieten deshalb 50-plus- Sprachaufenthalte an (vgl. S. 8). Überhaupt sind die Programme auf dem Sprachreisemarkt zunehmend differenziert. Die Agenturen und Schulen versuchen, sich mit massgeschneiderten Kursen und attraktiven Zusatzangeboten von der Konkurrenz abzuheben. Die Studierenden können die Lektionen mit unzähligen Freizeitangeboten kombinieren. Am Morgen Grammatik und Konversation, am Nachmittag Reiten, Segeln und Kultur- Fortsetzung Seite 15 Besonders viele Schweizer an Sprachschulen im Ausland Erwünscht ist die internationale Mischung «Ich möchte auf keinen Fall mit zu vielen Schweizern in einer Klasse sitzen. Die Zusammensetzung der Schülerschaft soll möglichst international sein.» Diesen Wunsch hören Sprachreise-Veranstalter immer wieder. Die Agenturen und Schulen bemühen sich zum Teil um eine internationale Kundschaft, können dies aber nicht garantieren. Je nach Jahreszeit und Destination dominieren an den Ausbildungsinstitutionen gewisse Nationalitäten ob Schweizer, Italiener, Asiaten oder Südamerikaner. Der Anteil an Schweizern, die im Ausland Sprachschulen besuchen, ist im Vergleich zu anderen Nationalitäten überdurchschnittlich. Es lässt sich daher mit dem besten Willen kaum vermeiden, dass Schweizer auf andere helvetische Mitstudierende treffen. Andrea Gerber von Pro Linguis empfiehlt ihren Kunden daher, die Schule vor allem nach qualitativen Kriterien auszuwählen. «Die Zusammensetzung nach Nationalitäten verändert sich ohnehin immer wieder.» Die Agenturen weisen ausserdem darauf hin, dass sich zu starke Internationalität auch negativ auf den Lernfortschritt auswirken kann, vor allem wenn Schüler aus ganz unterschiedlichen Kulturen kommen. «Wenn in Klassen zum Beispiel sehr viele Asiaten sitzen,dieeinekomplettanderevorbildung mitbringen, dann ist das Lerntempo für Schweizer möglicherweise zu langsam.» Was zieht bei den Reisen Sprachreise-Agenturen stellen folgende Trends fest: Englisch wird immer wichtiger, und die Kunden streben anerkannte Diplome an, die ihnen auf dem Arbeitsmarkt etwas bringen. Zudem werden vermehrt längere Programme gebucht. «Die Nachfrage nach mehrmonatigen Aufenthalten hat klar zugenommen», sagt Anita Hauser, Geschäftsführerin von EF Education in Zürich. Zugenommen hat laut Anita Hauser auch das Interesse am Austauschjahr für Gymnasiasten, die an einer ausländischen Highschool zur Schule gehen und bei einer Gastfamilie leben. Zu den beliebten Destinationen gehören Australien und Neuseeland, England, Frankreich, Japan und die USA. Rolf Murbach ANZEIGE Wir organisieren nicht nur Trainings, wir füllen sieauchmitinhalt. Für die «Swiss Professional Learning» vom April 2009 halten wir für Sie eine Gratis-Eintrittskarte bereit. Bestellung mit Postadresse über Unser Stand im Messezentrum Zürich: Halle 6, M.08; unser gesamtes Seminarangebot:

13 14 Sonntag, 12. April 2009 Nr. 15 NZZ am Sonntag Bildung Berner Fachhochschule Erfolg hat eine starke Basis. 27 Bachelor-, 17 Masterstudiengänge und ein breites Weiterbildungsangebot in: Architektur, Holz und Bau, Technik und Informatik, Musik, Gestaltung und Kunst, Oper/Theater, Konservierung und Restaurierung, Literarisches Schreiben, Land- und Forstwirtschaft, Food Science & Management, Soziale Arbeit, Gesundheit, Sport, Wirtschaft und Verwaltung. Voll- und Teilzeit. bfh.ch Bachelorstudium in Luzern Jetzt anmelden! Theologie Rechtswissenschaft Kultur- und Sozialwissenschaften Geschichte Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften Judaistik Kultur- und Sozialanthropologie/Ethnologie Kulturwissenschaften Ökonomie Philosophie Politikwissenschaft Religionswissenschaft Soziologie Sozialpsychologie (ab Herbstsemester 2010) How about a career jump? Master of Advanced Studies in Intellectual Property bilingual postgraduate program (English 75% / German 25 %) for engineers and scientists subject: intellectual property law (patents, trademarks, copyrights etc.) 7 out of 10 graduates get an IP job within 3 months teaching by renowned professionals from university, industry and international organizations, covering European, U.S. and major Far East jurisdictions highly rated in student and international evaluations competitive tuition fees and interest-free loans available 1 year full-time study, starts September 14, call or visit us on Bachelor of Science Master of Science Weiterbildung für Berufspraktiker Weiterbildung für Berufspraktiker CAS Information Science in Museumsarbeit DAS/MAS in Business Administration MAS in Information Science MAS in Writing and Corporate Publishing MAS in Multimedia Production and Journalism MAS in nachhaltigem Bauen Executive MBA Executive MBA in Tourism Management HTW Chur Hochschule für Technik und Wirtschaft Pulvermühlestrasse 57 CH-7004 Chur Telefon Bachelor-Studiengänge Bau und Gestaltung Betriebsökonomie Informationswissenschaft Multimedia Production Systemtechnik NTB Tourism Master-Studiengänge MSc in Business Administration, Major in Entrepreneurial Management MSc in Business Administration, Major in Tourism MSc in Information Science (ab 2010) MSE mit Schwerpunkt Telekommunikation und Multimedia Mitglied der Fachhochschule Ostschweiz FHO

14 NZZ am Sonntag 12. April 2009 Bildung 15 Lesetipp: Ratgeber Sprachaufenthalte Morgens lernen... Fortsetzung von Seite 13 ausflüge. Das fliegende Klassenzimmer verlegt die Schule in die freie Natur. Es wird in Zelten und Hütten, am Strand oder im Regenwald unterrichtet Pauken und Abenteuer in einem. Es gibt Sprachreisen für jedes Alterssegment und unterschiedliche Bedürfnisse. Jugendliche, die das erste Mal im Ausland weilen, werden von deutschsprachigen Bezugspersonen betreut. Workand-Study-Programme kombinieren Englisch wird immer wichtiger und ebenso das anerkannte Diplom. Anbieter von Sprachreisen Der Erfolg einer Sprachreise hängt nicht nur vom persönlichen Engagement ab, sondern auch von der Qualität des Angebotes. Die Wahl des Anbieters ist daher mitentscheidend für das Gelingen eines Sprachaufenthaltes. Mehrere Veranstalter haben sich 2003 unter dem Namen Salta Swiss Association of Language Travel Agents zu einem Verband zusammengeschlossen. Die Mitglieder von Salta haben für Kunden verständliche und einheitliche Qualitätsrichtlinien geschaffen, und sie verpflichten sich, diese einzuhalten. Die Salta-Sprachreise-Veranstalter müssen Mitglied beim Garantiefonds der Schweizer Reisebranche sein, Partnerschulen regelmässig besuchen und deren Qualität überprüfen sowie die Kundenzufriedenheit evaluieren. Mitglieder bei Salta sind: Boa Lingua, Cosmolingua, Dr. Steinfels, ESL, First Study, Follow me, Globo-Study, Interstudy, LAL Sprachreisen, Pro Linguis, sprachen.ch sowie STA Travel. Salta Swiss Association of Language Travel Agents, Weinbergstrasse 22, 8001 Zürich. Unterricht mit Jobben oder einem Sozialeinsatz. Schulen vermitteln Praktikumsplätze oder Au-pair-Stellen. Wer Zeit und Geld hat, bucht gleich ein Multi-Sprachen-Jahr in Paris, Santa Barbara und Madrid zum Beispiel. Brighton oder Sydney? Die Websites und Kataloge der Anbieter werben mit ausführlichen Beschreibungen, Fotos und Videos von attrakiven Schulen, pulsierenden Städten nd wunderbaren Landschaften. Erlebisberichte von Sprachstudenten geben Einblick in das Leben auf dem ampus. Es ist nicht einfach, sich im schungel der Angebote zurechtzuinden. Schon der Besuch der Websites iniger weniger Agenturen mit Dutenden von Links zu den Partnerschulen nimmt Stunden in Anspruch. Die Qual der Wahl und Zweifel, welches nun das richtige Angebot ist, lassen sich nicht vermeiden. England, die USA, Kanada oder Australien? Oxford, Brighton, London, San Diego, New York, Vancouver oder Sydney? Einen Examens- oder Intensivkurs buchen? In einer Gastfamilie wohnen oder doch lieber mit Kolleginnen und Kollegen in einem Studentenwohnheim? Und: Gibt es nicht zu viele Schweizer an den Schulen? Das sind Fragen, die bei der Wahl einer Sprachreise beschäftigen. Nicht auf eigene Faust Mark Winkler rät davon ab, sich auf eigene Faust einen Sprachaufenthalt zu organisieren, weil der Markt unübersichtlich ist. In Vancouver zum Beispiel gibt es über 100 Sprachschulen. Zudem könne man die Qualität des Anbieters nicht einschätzen. «Eine Schule kann sich im Internet sehr schön darstellen, wie ihre Leistungen aber aussehen, das weiss man nicht. Scharlatane gibt es immer.» Sprachreise-Veranstalter hingegen haben langjährige Erfahrung, besuchen regelmässig die Schulen, mit denen sie arbeiten, und überprüfen das Angebot. Zudem erhalten sie Rückmeldungen von ihren Kunden. Die Agenturen beraten Interessierte kostenlos, garantieren Originalpreise und sind Mitglied des Garantiefonds der Schweizer Reisebranche. Der «Ratgeber für Sprachaufenthalte» von Pro Linguis ist eine nützliche Hilfe für die Beantwortung vieler Fragen rund um einen Sprachaufenthalt: Was erwarte ich von der Schule? Wie möchte ich wohnen bei einer Gastfamilie, im Hotel, Studio, Appartement, in einem Internat oder auf einem Campus? Wie wichtig ist mir das Erlangen eines Diploms? Wie international ist die Zusammensetzung der Klasse? In der Broschüre findet man Tipps und Checklisten zur Vorbereitung und Realisierung eines Sprachaufenthaltes, Informationen über Schulen, Kurstypen, Wahlfächer, Unterkunft, Freizeit und Versicherungen sowie Wissenswertes über Sprachdiplome. Ratgeber Sprachaufenthalte. 45 Seiten. Gratis-Exemplar über info prolinguis.ch oder Tel Der Beobachter- Ratgeber richtet sich in erster Linie an Leute,dieeinelängere Zeit ins Ausland verreisen oder auswandern. Die Publikation enthält aber auch nützliche Informationen für Sprachreisende. Der Ratgeber beschäftigt sich u. a. mit folgenden Fragen: Wie bereiten sich Globetrotter, Arbeitnehmende, Pensionäre oder Studierende am besten vor? Was ist in Sachen AHV, Steuern, Kranken- und Pensionskasse vorzukehren? Das Handbuch enthält viele praktische Tipps und rund 100 Adressen, die bei der Reiseplanung hilfreich sind. Norbert Winistörfer: Ab ins Ausland. 6. Auflage, Beobachter-Buchverlag, Broschiert, 352 Seiten. Das aktuelle Kursangebot 2009 Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte Führung und Change Management MAS Leadership und Management CAS Change Management und Organisationsentwicklung Führungscoaching in Gruppen Führung als Herausforderung Konfliktmanagement Mediation in der Berufspraxis Verhandlungstraining Human Resources Management und Development MAS Human Resources Management Grundkurs Didaktik-Methodik (1. Stufe) CAS Ausbilder/in in Organisationen (2. Stufe) Eidg. Diplom Ausbildungsleiter/in (3. Stufe) MAS Ausbildungsmanagement (4. Stufe) CAS Personaldiagnostik in Organisationen Lernprozesse von Gruppen begleiten Supervision für Ausbilder/innen Professionelle Bewerbungsgespräche 4 Semester 16 ½ Tage 2 Tage + 7 x 3 Std. 5 Tage 4 Tage 2 Tage 2 Tage 4 Semester 14 Tage 2 Semester 4 Semester 4 Semester 17 ½ Tage 5 Tage 5x½Tag 2 Tage Supervision und Coaching MAS Supervision und Coaching in Organisationen CAS Beratung in der Praxis (Grundmodul) CAS Beratung in der Praxis (Aufbaumodul) CAS Coaching Advanced Persönlichkeit und Kommunikation Emotionale Intelligenz I Emotionale Intelligenz II Entfaltung der Persönlichkeit Rhetorik-Intensiv-Training Wirkungsvolle Moderation Bewusster Kommunizieren Sport CAS Psychologisches und mentales Training im Sport 5 Semester 8 Tage 9 Tage 18 Tage 2 Tage 2 Tage 3 Tage + 6 x 2 ½ Std. 4 Tage 2 Tage 5 x 3 ¼ Std. 3 Semester Info und Anmeldung: Tel , IAP Institut für Angewandte Psychologie, Merkurstrasse 43, Zürich

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