Elektronische Reiseführer in Regionalverlagen

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1 Bachelorarbeit Elektronische Reiseführer in Regionalverlagen vorgelegt von Ulrike Wilke Betreuer: Prof. Dr. oec. habil. Thomas Heß Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig Fakultät Medien Studiengang Buch- und Medienproduktion Leipzig, 3. April 2012

2 Bibliografischer Nachweis Wilke, Ulrike: Elektronische Reiseführer in Regionalverlagen Bachelorarbeit, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig Fakultät Medien, Studiengang Buch- und Medienproduktion Seiten, 25 Abbildungen, 5 Tabellen, 163 Quellenangaben, 5 Anlagen Autorenreferat Die vorliegende Arbeit untersucht die Chancen und Möglichkeiten der Entwicklung eines elektronischen Reiseführers für einen Regionalverlag. Aufgrund der aktuellen Popularität von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs stellt sich für den Verlag die Frage, wie er verlegerische Inhalte auf diesen Geräten publizieren und neue Zielgruppen erreichen kann. Nach einer Einführung in die Themen mobile Endgeräte und Applikationen, wird zunächst der Markt der Reiseführer untersucht. Dabei wird neben der Situation der traditionellen Reiseführer auch ein Blick auf den Markt elektronischer Reiseführer geworfen, insbesondere den der mobilen Applikationen. Um ein Bild von Reiseführer- Applikationen zu erhalten, erfolgt eine Auswertung mehrerer auf dem Markt befindlicher Marken. Die Konzeption einer denkbaren Applikation wird zunächst an den Chancen und Zielen des Verlags gemessen. Anschließend erfolgt eine umfangreiche Erörterung der Zielgruppe anhand von Tourismuszahlen und Angaben zu Nutzern von mobilen Endgeräten. Zum Schluss werden technische, inhaltliche und wirtschaftliche Schwerpunkte angerissen, die bei der praktischen Umsetzung eines elektronischen Reiseführers zu beachten sind. Ziel der Arbeit ist, ein Konzept für den Einstieg in das digitale Reiseführergeschäft zu schaffen, welches den Markt und die Zielgruppe berücksichtigt.

3 Danksagung An dieser Stelle möchte ich mich bei all jenen bedanken, die mich bei der Anfertigung dieser Bachelorthesis unterstützt haben. Mein Dank geht zunächst an den Mitteldeutschen Verlag aus meiner Heimatstadt Halle an der Saale. Herr Roman Pliske, der Geschäftsführer, ebnete den Weg zur Erstellung meiner Bachelorarbeit über das interessante und aktuelle Thema Elektronische Reiseführer. Die fachlichen Diskussionen im Verlag bereiteten viel Freude und es gingen viele Ideen und Anregungen daraus hervor, die noch weit den Rahmen dieser Bachelorarbeit übersteigen. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die Geduld zur Erstellung dieser Arbeit sowie die Bereiterklärung als Zweitgutachter für die Arbeit zu fungieren, bedanke ich mich recht herzlich bei Herrn Pliske. An dieser Stelle gilt mein Dank auch der Hilfsbereitschaft von Herrn Matthias Littmann aus der Herstellungsabteilung. Ebenso bedanke ich mich bei meinem betreuenden Professor, Herrn Prof. Heß, vom Lehrgebiet Verlagsorganisation, welcher mich stets zu beraten, unterstützen und motivieren wusste. Für die moralische und finanzielle Unterstützung zum zielstrebigen und erfolgreichen Studienabschluss danke ich sehr meinen Eltern und Großeltern.

4 Inhalt Danksagung...3 Anlagenverzeichnis...4 Abkürzungsverzeichnis...5 Vorwort Grundlagen Der Reiseführer Mobile Endgeräte Smartphones Tablet-PCs Mobile Applikationen Elektronische Medien im Reiseführersegment Marktsituation der Print-Reiseführer Elektronische Reiseführer Reiseführer als E-Book, Enhanced E-Book oder mobile Applikation Vor- und Nachteile Vergleich von Reiseführer-Apps Konzeption einer Reiseführer-App Der Mitteldeutsche Verlag Das Programm Das Projekt Chancen und Ziele Zielgruppenbestimmung für eine Reiseführer-App Der Städtetourismus Auswahl des mobilen Betriebssystems Nutzer mobiler Endgeräte Nutzer des mobilen Internets und von Apps Zusammenfassung der Zielgruppe Auswertung einer Online-Befragung zum Thema Elektronische Reiseführer Schwerpunkte für die Entwicklung einer Reiseführer-App Content Aufbau und Orientierung Gestaltung Technische Funktionen Social Media

5 3.4.6 Apps für den Tablet-PC Kosten einer App Verkaufspreis und Werbung...66 Zusammenfassung...69 Anlagen...72 Quellen- und Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Das iphone 4S von Apple...11 Tab. 1: Mobile Betriebssysteme im Überblick...12 Abb. 2: Samsung Galaxy Tab 10.1N...12 Abb. 3: Homescreen eines iphones mit diversen Apps...14 Abb. 4: Umsatzanteile der Warengruppe Reise am Gesamtumsatz aller Warengruppen Abb. 5: MERIAN scout ReiseGuide Dresden App des Merian Verlags...21 Abb. 6: Icons bei Tourias...25 Abb. 7: Textlänge dargestellt am Beispiel Grachten...26 Abb. 8: Bildeinbindung bei mtrip...27 Abb. 9: Kartenansicht...27 Abb. 10: Hauptmenü mit vielen Kategorien...28 Abb. 11: Hauptmenü mit wenigen Kategorien...28 Abb. 12: Verzweigung in tripwolf...29 Abb. 13: Baumstruktur...29 Abb. 14: Prioritätenvergabe in mgenius Abb. 15: Bewertungssystem in TripAdisor Abb. 16: Reiseführer Halle (Saale)...33 Abb. 17: Reiseführer Erfurt...33 Tab. 3: Reiseführer-App-Angebot für mitteldeutsche Städte...34 Tab. 2: Reiseführer-Apps für Leipzig...34 Abb. 18: Umfrageauswertung, Frage Abb. 19: Umfrageauswertung, Frage Tab. 4: Vergleich Textlängen Print/ App...52 Abb. 20: Hierarchische Verknüpfung...55 Abb. 21: Inhaltsverzeichnis des Erfurt Reiseführers des Mitteldeutschen Verlags...56 Abb. 23: Beispiel für eine Tab Bar...57 Abb. 22: Mögliche Darstellung eines Eintrags...57 Abb. 24: Kartenansicht in einer App...60 Abb. 25: Filtermöglichkeit für die Kartenansicht...62 Abb. 26: Ansicht einer transformierten ipad-app...64 Tab. 5: Kostenparameter bei der Entwicklung einer App...66

7 Anlagenverzeichnis Anlage 1: Das verlagsseitige Angebot an Reiseführer-Applikationen...73 Anlage 2: Reiseführer-Applikationen von verlagsfremden Unternehmen...74 Anlage 3: Hauptmenüs in Reiseführer-Applikationen...78 Anlage 4: Kartendarstellung in Reiseführer-Applikationen...80 Anlage 5: Auswertung der Umfrage Elektronische Reiseführer...81

8 Abkürzungsverzeichnis ADAC... Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.v Apple... Apple Inc. EPUB...Electronic Publication Google...Google Inc. GPS...Global Positioning System HTML...Hypertext Markup Language PDF...Portable Document Format

9 Vorwort Das Reisen ist eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen. Im Jahr 2010 wurden rund 70 Mio. Urlaubsreisen von Deutschlands Bevölkerung unternommen. Hinzu kamen 86 Mio. Kurzurlaubsreisen, von welchen ein Drittel auf Städtereisen und 14 Prozent auf Kulturreisen entfielen. 1 Für die Informationsbeschaffung zur kurzen oder langen Reise bieten Verlage ein umfangreiches Angebot an Reiseliteratur. Mit 6,1 Prozent Anteil am Buchmarkt ist Reiseliteratur ein etabliertes Segment. 2 Jedoch sehen sich Reisebuchverlage, ebenso wie Zeitungs- oder Publikumsverlage, mit dem technischen Fortschritt mobiler Endgeräte und der Popularität des Internets konfrontiert. Längst sind Navigationsgeräte und Kartendienste aus dem Internet dabei, klassische Atlanten und Landkarten zu verdrängen. Nur noch ein Drittel der Urlauber plant die Reise mittels Landkarten und ein Viertel mit Reiseführern. 3 Die elektronischen Alternativen bieten mehr Aktualität, Interaktion und Multimedia und sie fügen sich in unseren zunehmend digitalen Alltag ein. Die Touristikverlage reagieren in zweierlei Weisen darauf. Zum einen suchen sie nach Lösungen, ihre Reiseführer attraktiv zu halten und neue Zielgruppen zu erschließen. Zum anderen wenden sie sich dem digitalen Geschäft zu und versuchen eine Platzierung für ihren Content zu finden. Während digitale Karten, Routenplaner und Hotelsuchen schon weit verbreitet genutzt werden, stehen dem Reisenden aber vergleichsweise wenige elektronische Reiseführer zur Auswahl. Die Auseinandersetzung mit dem digitalen Fortschritt bestreiten einige Verlage stärker, andere nur ansatzweise oder gar nicht. Besonders kleine Verlage wagen die Investition nicht. Es ist bekannt, dass nur die wenigstens elektronischen Verlagsprodukte auf kurze Sicht rentabel sind. Je länger Verlage jedoch mit eigenen Angeboten zögern, desto mehr Platz machen sie verlagsfremden Anbietern, welche sich ganz auf das digitale Geschäft konzentrieren. Bei den Verlagen herrscht, neben dem Problem der Verunsicherung und Skepsis aufgrund der im Print verhafteten Tradition, auch Lernbedarf bezüglich der Umsetzung elektronischer Produkte. Eine intensive Auseinandersetzung in strategischer und technischer Hinsicht muss erfolgen. Im Falle einer elektronischen Programmausrichtung warten wiederum Hürden struktureller und finanzieller Natur im Verlag. Außerdem muss sich damit beschäftigt werden, wie hoch die Auswirkungen sind, wenn digitaler Content das Printangebot substituiert. 1 vgl. Lohmann/ Schrader/ Sonntag/ Winkler (2011), S. 2 2 vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hrsg.) (2012), S. 10 und o.v. (2012), S vgl. Spiegel online (Hrsg.) (2010)

10 Der Mitteldeutsche Verlag in Halle, einer der bedeutendsten Verlage für regionale Literatur aus Mitteldeutschland, möchte in den Bereich elektronische Reiseführer für mobile Endgeräte vorstoßen. Bereits publizierte Reiseführer für Regionen und Städte Mitteldeutschlands sollen in mobile Applikationen umgesetzt und zum führenden Angebot in dieser Nische werden. Apps genießen einen reißenden Absatz seit dem Trend um Smartphones und Tablet-PCs. 1 Durch die Verknüpfung seiner Reiseführer mit dem modernen Medium App bietet sich dem Verlag die Aussicht, eine neue Zielgruppe für Reiseführer zu erschließen. Voraussetzung dessen ist eine zielgruppenorientierte Umsetzung des Content für die Applikationen und die Erweiterung durch interaktive Inhalte und Funktionen. Diese Bachelorarbeit soll dem Mitteldeutschen Verlag die Rahmenbedingungen für das Projekt Elektronische Reiseführer darlegen. Ausgangspunkt ist die Betrachtung der aktuellen Marktsituation von traditionellen und elektronischen Reiseführern. Anhand von auf dem Markt befindlichen vergleichbaren Reiseführer-Applikationen soll ein Überblick über deren Eigenschaften gegeben werden, um ein Vorstellungsbild des Produkts elektronischer Reiseführer zu schaffen. Position und Chancen des Verlagsprojektes werden ebenso dargestellt wie der finanzielle Aufwand, den die Umsetzung eines elektronischen Reiseführers bedeutet. Ein Schwerpunkt wird auf der Zielgruppenanalyse liegen. Das Produkt wird aufgrund seiner elektronischen Voraussetzung neue Nutzergruppen ansprechen, welche bestimmt werden sollen. In einem Stimmungsbild einer online durchgeführten Umfrage werden aus einer empirischen Sicht Nachfrage und Vorstellungen von einem elektronischen Reiseführer reflektiert. Im letzten Abschnitt sollen wirtschaftliche und inhaltliche Schwerpunkte für eine mobile Applikation beschrieben werden, um dem Mitteldeutschen Verlag eine weitere Orientierung für die anschließende Umsetzung eines elektronischen Reiseführers zu geben. 1 vgl. BITKOM (Hrsg.) (2011) 7

11 1 1.1 Grundlagen Der Reiseführer Reiseliteratur spielt seit jeher eine wichtige Rolle für die Menschheit. Solange die Menschen reisten, begehrten sie Informationen zu dem Ziel einer Reise und dem Weg dorthin, waren es nun Kaufleute, Pilger oder kulturell interessierte Reisende. Je einfacher und zugänglicher das Reisen für die breite Bevölkerung wurde, desto mehr wuchs die Frage nach Reiseführern, da diese eine praktische Informationsquelle zu fremden Ländern und Kulturen darstellten. Der erste Reiseführer, der im Buchdruck vervielfältigt und verlegerisch publiziert wurde, stammte von Karl Baedeker. Die Rheinreise erschien 1835 und begründete die Erfolgsgeschichte der Baedeker-Reiseführer. 1 Reiseführer zählen zur Reiseliteratur. Hiller und Füssel definieren Reiseführer wie folgt: Reiseführer sollen den Reisenden durch ein ihm unbekanntes Gebiet führen, d.h. ihm die zweckmäßigsten Reise- und Unterkunftsmöglichkeiten nachweisen. Vor allem sollen sie ihn aber auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, zu denen sie auch die wichtigsten kultur- und kunstgeschichtlichen Daten bieten. 2 Dies spiegelt sehr gut die Inhalte, welche in den meisten Reiseführer zu finden sind, wider: Angaben zur Historie des Reiseziels, Zahlen und Fakten, Beschreibungen zu Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Unterkunftsmöglichkeiten, Nachtleben, Veranstaltungen und allgemeine Hinweise. Neben den Beschreibungen werden oft auch Adressen, Verkehrswege, Öffnungszeiten und Eintrittspreise vermittelt. Insbesondere für diese Angaben bedarf es einer regelmäßigen Aktualisierung durch den Verlag, was meist mit der Produktion einer Nachauflage einhergeht. Wichtiger Bestandteil von Reiseführern ist jegliche Art von Kartografie. Dazu zählen Stadtpläne, Pläne öffentlicher Verkehrsmittel, grobe Übersichtskarten und Karten zu Regionen. Das Kartenmaterial kann sowohl auf den Buchseiten abgedruckt sein, als auch zur separaten Entnahme dem Buch beiliegen oder als Aufdruck in den Innenseiten des Umschlags gegeben sein. Auch die Lieferung von Kartenmaterial in digitaler Form (zum Ausdrucken) ist möglich via CD-Rom oder Internet-Download. Um das gezielte Suchverhalten von Inhalten des Reisenden zu unterstützen, ist die Übersichtlichkeit eines Reiseführers essentiell. Dafür muss der Inhalt entsprechend eines Konzeptes strukturiert und in einem übersichtlichen Layout aufbereitet werden. Zur Gestaltung können optische Hilfselemente wie eine Symbolik, ein Farbleitsystem 1 vgl. Baedeker (2007), S. 1 2 Hiller/ Füssel (2006), S

12 oder farbige Informationskästen eingesetzt werden. Sind Form, Struktur und Inhalt stimmig, erfüllt der Reiseführer seinen Zweck der schnellen Informationsbereitstellung. Praktisch bedingt sollte ein Reiseführer eine gute Handhabbarkeit und Haltbarkeit aufweisen. Das Format eines Reiseführers entspricht meist Taschen(buch)größe. Der Markt bietet hier sowohl kompakte Reiseführer als auch umfangreichere Varianten. Für die Bindung kommen sowohl Klebebindung, Fadenheftung als auch Ringbindung infrage. Die Buchdecke oder der Umschlag je nachdem, ob der Reiseführer eher einem Hardcover oder einer Broschur gleichkommt können je nach Verwendungszweck eine besondere Veredelung zur Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit und Abnutzung erhalten. Die oftmals umfangreiche, farbige Bebilderung erfordert die Auswahl von Papier, welches für eine gute Bildwiedergabe sorgt. Der Umfang und die Auswahl der Inhalte sowie deren Aufbereitung orientieren sich an ausgewählten Urlaubertypen, welche ein unterschiedliches Informationsbedürfnis haben. Mit zahlreichen Reiseführerreihen können die deutschen Verlage die Zielgruppen mit einem breiten Sortiment bedienen (mehr dazu in Kapitel 2.1). 1.2 Mobile Endgeräte Als mobile Endgeräte werden kabellose Geräte bezeichnet, die der Kommunikation und dem Datenaustausch dienen. 1 Sie ermöglichen die Nutzung von Diensten über drahtlose Netzwerke und von lokal verfügbaren mobilen Anwendungen. 2 Im Gegensatz zu stationärer Kommunikationstechnik wie Desktop-Computern sind mobile Endgeräte ortsunabhängig, aber dennoch lokalisierbar und erreichbar. Die Nutzung von mobilen Endgeräten wird auch als Mobile Computing bezeichnet. Mit Mobile Computing wird die technische Freiheit bezeichnet, Dienste aus dem Bereich der Informationstechnologie orts- und zeitunabhängig nutzen zu können. 3 Zu den bekanntesten mobilen Endgeräten zählen Mobiltelefone (Handy und Smartphone), PDA (Personal Digital Assistant), Laptops, Tablet-PCs, Notebooks, Netbooks, E-Book-Reader und MP3-Player. Aber auch Navigations- und GPS-Geräte sowie einige Spielekonsolen können aufgrund ihrer Eigenschaften den mobilen Endgeräten zugeordnet werden. 1 vgl. e-teaching.org (Hrsg.) (2011) 2 vgl. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (Hrsg.) (o. J.) 3 e-teaching.org (2011) 9

13 Der Grad der Mobilität ist unterschiedlich ausgeprägt bei diesen Geräten. Notebooks können von Ort zu Ort getragen werden, sie eignen sich aber nicht für die Benutzung, wenn der Nutzer sich in körperlicher Bewegung befindet, also z. B. läuft. Dagegen nehmen Mobiltelefone und Smartphones aufgrund ihrer kompakten Größe wenig Raum bei der Mitführung ein und können meist mit einer Hand bedient werden. Tablet-PCs und E-Book-Reader sind ebenfalls für eine schnelle Nutzung und Informationsbeschaffung konzipiert, sie sind jedoch etwa so groß wie ein A6- bis A5-Blatt und somit weniger handlich als Smartphone und Handy. Mobile Endgeräte haben mit dem Durchbruch des Internets Ende der Neunziger Jahre 1 und der damit verbundenen rapiden technologischen Entwicklung massiv an Bedeutung gewonnen. Sie spiegeln die schnelllebige, jederzeit erreichbar sein wollende und flexible Gesellschaft wider. Mit der Entwicklung des Mobiltelefons wurde die orts- und zeitunabhängige Kommunikation möglich. Die Popularität dieses Systems lässt sich statistisch festhalten: Waren 1998 nur 4,5 Mio. Mobiltelefone in deutschen Privathaushalten zu finden, so waren es 2008 über 60 Mio. 2 Während bis 2007 Mobiltelefone hauptsächlich der Kommunikation via Telefonie und SMS (Short Message Service) dienten, wurde mit der Einführung des iphones vom Hersteller Apple die Tür zur nächsten Generation der Mobiltelefone aufgestoßen. Die sogenannten Smartphones bieten eine Multifunktionalität, die die bisher üblichen Handys in dem Maße nicht erreichen konnten. Mit dem Erscheinen des ersten iphones wurde auch die mobile Internetnutzung mittels drahtloser Netzwerke populär. Bisher war eine praktikable, mobile Internetnutzung hauptsächlich Besitzern von Netbooks und ähnlichen portablen Computern vorbehalten. Über Handys ist zwar ebenfalls eine Web-Verbindung möglich, die Darstellung ganzer Websites mit HTML5 oder Java wurde aber erst durch Farbigkeit und höhere Auflösungen der Bildschirme möglich. Ein weiteres Problem, mit dem sich herkömmliche Handys konfrontiert sehen, stellt die Navigation über Webseiten mit dem eingeschränkten Funktionsumfang einer Handytastatur dar. Zum schnellen Anvisieren eines Punktes auf dem Bildschirm wurde für den Computer der Cursor erfunden. Für das Smartphone, dem Nachfolger des Handys, haben sich nun berührungsempfindliche Bildschirme, sogenannte Touchscreens, durchgesetzt. 3 Die Bildschirmdarstellung kann damit intuitiv bedient werden und macht viele Steuerungstasten überflüssig. 1 vgl. Schirmer/ Schwarz (2011), S vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2009), S. 9 3 vgl. Schirmer/ Schwarz (2011), S. 27f 10

14 Im Folgenden sollen die charakteristischen Merkmale der zwei mobilen Endgeräte erläutert werden, die den heutigen Trend bilden und die Verlage dazu anhalten, Content für diese Geräte zur Verfügung zu stellen Smartphones Smartphones können als Mobiltelefone verstanden werden, jedoch gehen ihre Funktionen weit über die Hauptfunktionen Telefonieren und SMS-Schreiben wie bei herkömmlichen Handys hinaus. Stattdessen vereinen sie Telefonie mit den Funktionen von PDA-Geräten wie Termin- und Adressverwaltung. Darüber hinaus lassen sich E- Mails lesen und schreiben und Text- und Tabellenverarbeitungsprogramme nutzen. Über einen Internetbrowser kann man das Internet nutzen. Auch Spiele können installiert werden und Audio und Video abgespielt werden. Die Geräte können mit zusätzlicher Hardware ausgestattet sein wie mit Kameras und verschiedenster Sensorik z. B. einem Lagesensor. Smartphones laufen mit mobilen Betriebssystemen. Dadurch ist es möglich, den Funktionsumfang des Smartphones durch kleine Programme, sogenannte Applikationen bzw. Apps, zu erweitern und neue und individuell angepasste Möglichkeiten der Nutzung zu generieren. Smartphones zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein sensitives Display haben. Die Steuerung und Bedienung der integrierten, virtuellen Tastatur erfolgt somit per Fingertipp. 1 Der Erfolg der Smartphones begann mit der Markteinführung des iphones von Apple in Das iphone (Abb. 1) setzte neue Maßstäbe mit Touchscreen, Design und seinem mobilen Betriebssystems. Es entwickelte sich eine hohe Nachfrage nach den smarten Mobiltelefonen. 3 Andere Hersteller zogen mit eigenen Entwicklungen nach. Google entwickelte das Linux-Betriebssystem Android und stellte es 2008 Mobiltelefonherstellern als offene Plattform zur Verfügung. 4 Der finnische Handyhersteller Nokia, welcher vor der iphone-einführung marktführend mit der Verwendung des mobilen Betriebssystems Symbian für Mobiltelefone war, wurde Abb. 1: Das iphone 4S von Apple (Quelle: Apple (Hrsg.) (2011a)) 1 Lediglich der Mobiltelefon-Hersteller RIM verzichtet bei vielen seiner BlackBerry -Modellen weiterhin nicht auf eine analoge Tastatur. 2 vgl. Apple (Hrsg.) (2007) 3 vgl. BITKOM (Hrsg.) (2010) 4 vgl. Bort (2008) 11

15 schnell durch das innovative iphone und nachziehende Android-Smartphones abgehängt. 1 Betriebssystem ios Android Windows Mobile/ Windows Phone 7 Symbian BlackBerry OS Bada Hersteller Apple Google Microsoft Nokia RIM Samsung Tab. 1: Mobile Betriebssysteme im Überblick (Quelle: eigene Darstellung 6 ) Tablet PCs Tablet PCs, kurz Tablets, sind äußerst flache, in der Form und Größe ähnlich einer Schreibtafel aufgebaute Personal Computer (PC) (...). 2 Tablet-PCs sind mit einem Akku ausgestattet, über welchen sie über mehrere Stunden drahtlos funktionieren. Über WLAN, UMTS oder Bluetooth kann eine Datenverbindung hergestellt werden. Die Displays von Tablet-PCs reichen von etwa 7 bis 12 Zoll. Es gibt unterschiedliche Bauformen von Tablet-PCs. 3 Sogenannte Convertible bestehen aus Bildschirm und einer Tastatur, welche sich wegklappen lässt. UMPC sind vollwertige Computer, die aber aufgrund ihrer kompakten Gerätegröße und Bedienung per Tasten und Stift zu den Tablet-PCs zählen. Hybrid-Tablet-PCs zeichnen sich dadurch aus, dass die angebrachte Tastatur abnehmbar ist und man den Bildschirm unabhängig nutzen kann als sogenanntes Slate-Tablet. Für den Trend der Slate-Tablet-PCs, insbesondere für den Freizeitbereich zum Konsum von Web-Inhalten und E-Books, sorgte Apple mit seinem Modell ipad. 4 Die Bedienung erfolgt bei Slate-Tablet-PCs nicht mehr mittels Tastatur oder Maus, sondern komplett über das berührungsempfindliche Display per Fingertipp. Diese intuitive 1 vgl. Gartner (2012b) 2 vgl. ITWissen.info (Hrsg.) (o. J.) 3 vgl. ebd. 4 vgl. Heise online (Hrsg.) (2010) 5 eigene Darstellung in Anlehnung an Frank (2011), S. 9ff Abb. 2: Samsung Galaxy Tab 10.1N (Quelle: Samsung (Hrsg.) (2011)) 12

16 Art der Bildschirmsteuerung hat sich wie schon bei Smartphones auch für Tablet-PCs bewährt. Installiert sind auf Tablet-PCs Betriebssysteme. Apple verwendet wie beim iphone das Betriebssystem ios für das ipad. Andere Hersteller verwendeten bisher häufig Windows 7 als Betriebssystem für Tablet-PCs, setzen inzwischen aber auch auf Googles Android (z. B. das Samsung Galaxy Tab 10.1, Abb. 2). (Slate-)Tablet-PCs sind mit der Markteinführung des Apple ipad zu begehrter Technik geworden. 1 Sie bilden eine eigene Gattung mobiler Computer neben Laptop, Notebook, Subnotebook und Netbook. Mit den neuen Betriebssystemen, wie sie auch für Smartphones verwendet werden und die sich durch Applikationen individuell erweitern lassen, bieten sie Potenzial zur Erschließung neuer Anwendungsbereiche und Nutzer. Wie Erhebungen zeigen, werden Tablet-PC mehr im Freizeit- als im beruflichen Bereich genutzt Mobile Applikationen Eine mobile Applikation (im Sprachgebrauch als App bezeichnet) ist ein Anwendungsprogramm für mobile Endgeräte, insbesondere im Bereich der Smartphones und Tablet-PCs 3. Es sind kleine Programme, mit denen sich die auf dem Gerät gegebene Plattform (ios, Android, Windows Phone 7 etc.) beinahe grenzenlos erweitern lässt. 4 Apps können online in den Stores der Plattform-Anbieter kostenlos oder zu geringen Gebühren erworben werden (z. B. im App Store (Apple) oder im Android Market (Google)). Man unterscheidet in native Apps und Web Apps. Native Apps werden speziell für ein Betriebssystem programmiert. Das bedeutet für die Bereitstellung einer solchen App, dass jedes Betriebssystem eine eigene App-Version benötigt. Native Apps werden auf dem Endgerät installiert. Dadurch ist es diesen Apps möglich, sich Ressourcen und Hardware des Endgerätes wie Kamerafunktion und Sensortechnik zunutze zu machen. Auch der Datenaustausch mit dem Internet ist mit nativen Apps möglich. 5 Web Apps sind für mobile Endgeräte optimierte Websites. 6 Sie sind nicht plattformabhängig, da sie via Internetverbindung über den Browser des Endgerätes ausgeführt und dargestellt werden. Dadurch entfällt eine Installation und der Verbrauch von Speicher- 1 vgl. Wiedmann (2012) 2 vgl. Tomorrow Focus Media (Hrsg.) (2011a), S. 4 3 vgl. Smart Mobile Factory (Hrsg.) (o. J.) 4 Im App Store (Apple) befinden sich bereits über Applikationen. 5 vgl. Samsung (Hrsg.) (o. J.) 5 vgl. Frank (2011), S. 12f, Schirmer/ Schwarz (2011), S. 103ff 6 vgl. Frank (2011), S. 12f 13

17 Abb. 3: Homescreen eines iphones mit diversen Apps (Quelle: eigene Aufnahme) platz auf dem Endgerät. Der Vertrieb von Web Apps über App-Stores muss keinen Veröffentlichungsprozess durchlaufen und auch die Provision an den Vertreiber entfällt. Aktualisierungen geschehen schnell und ohne Mehraufwand für den Nutzer das Update erfolgt in den Daten auf dem Server, die dann mit dem Öffnen der App geladen werden. Der entscheidende Vorteil gegenüber nativen Apps ist die plattformunabhängige und browserbasierte Entwicklung der Web Apps, da dies kostengünstiger als die Programmierung einer nativen App für mehrere Plattformen ist. 1 Nachteilig an Web Apps kann für den Nutzer sein, dass ihre Ausführung eine Internetverbindung voraussetzt, was wiederum je nach Browser und Empfang die Schnelligkeit der App beeinflusst. Des Weiteren können Web Apps nicht direkt auf die Gerätehardware zugreifen. Allerdings gibt es hier bereits Hybrid-Lösungen, bei denen Web Apps auf dem Endgerät in native Apps umgewandelt werden und offline nutzbar werden. Die Entscheidung für einen Applikations-Typen richtet sich nach dem Nutzen und dem Funktionsumfang einer geplanten App. Typische native Apps sind z. B. Spiele. Für Online-Shops, Produktpräsentationen und professionelle Websites bieten sich dagegen Web Apps als günstigere Lösung an. Apps bedienen unterschiedliche Felder für Smartphone- und Tablet-PC-Nutzer, sowohl im Business- als auch im Freizeitbereich. Apple kategorisiert Apps im App-Store folgendermaßen: Apple Apps fürs iphone, Business, Reisen, Sport & Fitness, Soziale Netze, Nachrichten, Lifestyle, Spiele, Unterhaltung, Bildung, Familie & Kinder, Musik. 2 1 Auch bei Web Apps empfiehlt sich eine endgerätspezifische Anpassung der App. Diese Optimierung der Darstellung ist aber immer noch wesentlich günstiger als das Programmieren von nativen Apps für mehrere Plattformen. 2 vgl. Apple (Hrsg.) (2012a) 14

18 2 Elektronische Medien im Reiseführersegment Reiseführer sind eine beliebte Urlaubslektüre. Wie eine Umfrage der YouGov ergab, werden jährlich 320 Mio. Bücher von Europäern während Urlaubsreisen gelesen. Reiseführer liegen dabei auf dem zweiten Rang der Popularität. 1 Bereits zur Reisevorbereitung greifen Deutsche zum Reiseführer. Der ADAC hat in seiner Studie Reisemonitor 2011 dargestellt, dass 29 Prozent der Mitglieder einen Reiseführer nutzen, wenn es um die gezielte Vorbereitung auf eine Urlaubsreise geht 2. Beliebter ist lediglich das Internet, welches 65 Prozent der Befragten als Informationsquelle nutzen. Ein Abwärtstrend bei Reiseführern und Reisebüros zugunsten des Internets ist seit Jahren erkennbar. Reiseführer können jedoch immer noch mit einer hohen Glaubwürdigkeit punkten. 3 Dadurch können sich Reiseführer gegenüber neuen Informationsquellen wie Bewertungsportale, Netzwerke und Reiseportale im Internet behaupten. 4 Jedoch finden nur 5 Prozent der Befragten, dass Reiseführer ihnen am meisten bei der Urlaubsplanung helfen. 5 Sie dienen eher zur Orientierung am Reiseziel. Bei der Urlaubsplanung punkten in erster Linie Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis und Informationen aus dem Internet. 2.1 Marktsituation der Print-Reiseführer Reiseliteratur machte 2010 einen Anteil von 6,0 Prozent am Gesamtumsatz aller Warengruppen aus. Im Jahr 2005 betrug das Umsatzvolumen von Reiseliteratur 6,4 Prozent am Gesamtumsatz aller Warengruppen erreichte das Reisesegment starke 7,7 Prozent. Dies geht auf den erfolgreichen Reisebericht Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling zurück, der sich millionenfach verkaufte. 6 Nachdem das Interesse an dem Titel verebbte, brach 2008 der Umsatz um 14 Prozent ein 7 (Abb. 4) und stabilisiert sich nun bei einem Niveau von etwa 6 Prozent. Die neueste Jahresbilanz für 2011 bescheinigt dem Sortimentsbuchhandel ein Umsatzminus von 2,6 Prozent. Dagegen geht die Warengruppe Reisen mit einem Umsatzplus von 2,3 Prozent aus dem letzten Jahr. Der Umsatz mit Reiseführern stieg sogar um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 8 1 vgl. Buchreport (2011a) 2 vgl. Krause (2011), S Nach Angaben von digital media center (Hrsg.) (2010) sind es 86 Prozent und nach Witt (2012) 79 Prozent. 4 vgl. dcm (2010) 5 vgl. o. V. (2009b) 6 vgl. Piper Verlag (o. J.) 7 vgl. o. V. (2009a), S vgl. Ebert (2012), S

19 Schlüsselt man die Untergruppen auf, so teilt sich der Umsatz für folgendermaßen auf: Am stärksten in der Warengruppe Reisen sind die Reiseführer mit 50,1 Prozent (2010: 48,4 Prozent). Dahinter folgen Karten mit noch 13,7 Prozent (2010: 15,7 Prozent), Bildbände mit 17,5 Prozent (2010: 12,9 Prozent), Reiseberichte mit 8,1 Prozent (2010: 10,1 Prozent) Umsatzanteile in Prozent Jahre Umsatzanteile Abb. 4: Umsatzanteile der Warengruppe Reise am Gesamtumsatz aller Warengruppen (Quelle: eigene Darstellung 6 ) und Sport- und Aktivreisen mit 8,3 Prozent (2010: 9,0 Prozent). Der restliche Umsatz entfällt auf Hotel-, Restaurant- und Campingführer (2011: 2,1 Prozent/ 2010: 3,3 Prozent), Globen (2011: 0,1 Prozent/ 2010: 0,3 Prozent) und Kartenzubehör/ Sonstiges (2011: 0,1 Prozent/ 2010: 0,2 Prozent). Gewonnen hat somit in 2011 das Geschäft mit Reiseführern und Bildbänden. Unangefochtener Marktführer im Reisesegment ist die Verlagsgruppe MairDumont mit über 42 Prozent Umsatzanteil (Stand: 2008) 2. Zu seinen Marken zählt MairDumont u. a. Marco Polo (mind. 250 Reiseführer), Baedeker (mind. 150 Reiseführer), Du- Mont (mind. 500 Reisetitel in 6 Reihen) und Stefan Loose Travel Handbücher (mind. 40 Reiseführer). 3 Des Weiteren ist MairDumont Vertriebspartner für den Reiseverlag Dorling Kindersley, der 2008 seinerseits 2 Prozent Umsatzanteil im Reisesegment generieren konnte. Von den zehn meistverkauften Reisetiteln in 2011 stammten neun Titel aus der Marco Polo Reiseführer-Reihe von MairDumont. Auch in den Vorjahren dominierten Marco Polo-Titel die Liste. 4 Unter dem Dach von Travel House Media, einem Unternehmen der Ganske Verlagsgruppe, erwirtschafteten 2009 mehrere Verlage einen Marktanteil von über 21 Prozent und bilden damit den zweiten Platz hinter MairDumont: der ADAC Verlag (7 Prozent), der Michael Müller Verlag (5 Prozent), Polyglott (2 Prozent), Travel House Media selbst (4,5 Prozent) sowie weitere kleinere Reiseverlage (darunter auch Merian). 5 1 vgl. o. V. (2012), S. 44 und o. V. (2011a), S vgl. o. V. (2009a), S vgl. MairDumont (Hrsg.) (2012a) 4 vgl. o. V. (2009a), S. 20, o.v. (2010b), S. 18, o. V. (2011a), S. 20, vgl. o. V. (2012), S vgl. o. V. (2009a), S eigene Darstellung, Daten entnommen aus Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hrsg.) (2007), S. 13, Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Hrsg.) (2011a), S. 11 und o. V. (2012) 16

20 Ebenfalls bedeutende Verlage im Reiseführersegment sind der Reise Know-How Verlag (5 Prozent Marktanteil), der Esterbauer Verlag (2 Prozent) und das GeraNova Bruckmann Verlagshaus (2 Prozent). 1 Auch wenn der Buchmarkt in den letzten Jahren große Umsatzeinbrüche verzeichnen musste, ist das Segment Reiseführer weiterhin ein bedeutendes. Mit einer angepassten Preispolitik konnte man verloren gegangene Leser und Absatzverluste bisher einigermaßen kompensieren. Verlage suchen nach neuen Ideen für Produkte, die bestimmte Zielgruppen ansprechen. So brachten einige Verlage auch im vergangenen Jahr diverse neue Reihen heraus. 2 DuMont startete im Januar 2011 mit seiner Reihe direkt-reiseführer. Diese Reiseführer zeichnet aus, dass sie mit jeweils 15 informationsstarken Direkt-Kapiteln [den Reisenden] zielgenau dahin [bringen], wo die Stadt pulsiert, wo der spezielle Lebensrhythmus seiner Bewohner unmittelbar erlebbar ist (...) 3. Unter der Marke Marco Polo erschien im Juni 2011 eine Low Budget-Reihe. 4 Diese Reiseführer stehen unter dem Motto Sparen und versprechen: Jeder ausgegebene Euro ist Garant für viel Spaß, besondere Erlebnisse und tolle Schnäppchen (...) 5. Neben neuen Reihen werden vorhandene Reihen auch gerne einem Relaunch unterzogen, um das Layout der Zeit gemäß anzupassen, die Ausstattung zu ändern und die Strukturierung zu überarbeiten, um für eine noch schnellere Orientierung im Buch zu sorgen. So erscheinen z. B. die Reiseführer des Michael Müller Verlags seit März 2012 in einem neuen Layout. 6 Neu eingeführt in 2012 hat man bei den ADAC Reiseführern eine Spiralbindung veränderte Polyglott umfangreich das Innere und Äußere seiner APA Guides. 8 Im Januar 2010 wurde Merian live! einem Relaunch unterzogen 9. Außerdem wurde Merian live! um das Kapitel Grüner Reisen ergänzt, welches auf das zunehmende Umweltbewusstsein der Gesellschaft abzielt und dies mit dem Reiseziel verknüpft. Das Thema Ökologisches Reisen greift auch der Reiseführer Baedeker Deutschland Erneuerbare Energien entdecken auf. 10 Wie Statistiken zeigen, werden zunehmend weniger Pauschalreisen gebucht 11 und mehr Individualreisen vorgenommen. Der Trend, dass Reiseführer von Individualreisenden 1 vgl. o. V. (2009a), S vgl. Ebert (2012), S MairDumont (Hrsg.) (2011a) 4 vgl. MairDumont (Hrsg.) (2011b) 5 MairDumont (Hrsg.) (2011b) 6 vgl. Michael Müller Verlag (Hrsg.) (2012) 7 vgl. Börsenblatt.net (Hrsg.) (2012) 8 vgl. Haas (2010) 9 vgl. Börsenblatt.net (Hrsg.) (2009) 10 vgl. MairDumont (Hrsg.) (2011c) 11 vgl. Lohmann/ Schrader/ Sonntag/ Winkler (2011), S. 4 17

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