Newsletter Nr. 30. Dezember 2014

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1 DEUTSCHBURKINISCHE FREUNDSCHAFTSGESELLSCHAFT ASSOCIATION POUR L AMITIÈ GERMANOBURKINABÉ Newsletter Nr. 30 Dezember 2014 Liebe DBFG-Mitglieder, noch ist Burkina Faso in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften präsent. Aber diese Präsenz lässt nach. Bald werden wieder Artikel über dieses Land zu Raritäten. Und sie reduzieren sich auf Berichte über die Aktivitäten von Vereinen und Gruppen, die in Burkina Faso aktiv sind. Mit großem Interesse beobachten wir, wie sich Burkina Faso nach dem Umsturz entwickelt. Die grundlegende Frage wird dabei sein, ob der Umsturz wirklich ein Umsturz wenigstens teilweise bleibt oder die alten Strukturen, versehen mit einigen neuen Köpfen, wieder erstarken. Auch dieses Mal ist unser Newsletter sehr umfangreich. Dank der Übersetzung durch Frau Kordecki und Herrn Berger konnten wir Artikel direkt aus der burkinischen Presse übernehmen. Wir wünschen Ihnen besinnliche und friedvolle Feiertage und alles Gute für das kommende Jahr, Ihr Christoph Straub, Vorsitzender der DBFG. Deutscher Bundestag, Drucksache 18/ Wahlperiode, Kleine Anfrage der Abgeordneten Niema Movassat, Christine Buchholz, Wolfgang Gehrcke, Annette Groth, Heike Hänsel, Inge Höger, Andrej Hunko, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE. Burkina Faso nach dem Sturz von Blaise Compaoré Demokratische Entwicklung und internationaler Kampf gegen Straflosigkeit Im Kino: Timbuktu Am Anfang war Gewalt Abderrahmane Sissakos Film Timbuktu zeigt den Albtraum des islamistischen Wütens und ruft zugleich die Sanftmut als die Quelle des Widerstands auf den Plan. Meisterhaft ist auch die Bildsprache der Kamerafrau Sofiane El Fanisi. Als 2012 die Nachrichten vom Vormarsch der Islamisten in Mali, dessen Norden sie neun Monate lang besetzt hielten, nach draußen drangen, war darunter auch die Meldung von der Hinrichtung eines Mannes und einer Frau, die unverheiratet zusammengelebt hatten. Abderrahmane Sissako, der 1961 in Mauretanien geborene, in Mali aufgewachsene Regisseur ( Bamako, 2006), hat aus dieser Nachricht in seinem neuen Film Timbuktu eine kurze, erschütternde Episode gemacht: die Steinigung eines Paares nach Scharia-Recht. Das geschieht ungefähr in der Mitte des Films. Am Anfang und am Ende sieht man, wie

2 Männer auf einem Jeep durch die Wüste jagen, das erste Mal auf eine Gazelle, am Schluss auf einen Menschen zielend. Über ihnen flattert die schwarze Fahne des Dschihad. Arsenal Filmverleih. Gegenüber der neuen Ordnung: radikale Islamisten in Timbuktu von Abderrahmane Sissako Die Gewalt hat das erste und das letzte Wort in diesem Film, der vor den braunen Lehmhäusern Timbuktus und im Wüstensand der nach Süden vordringenden Sahara gedreht wurde. Dem Triumph des Bösen begegnet die Sanftmut der Menschen, die der Besatzung meist sprachlos gegenüberstehen. Sollten wir nicht weggehen?, fragt die Nomadenfrau Satima (Toulou Kiki) ihren Mann Kidane (Ibrahim Ahmed dit Pino). Die Nachbarn haben ihre Sachen längst gepackt und sind mit ihrer Viehherde an einen anderen Ort gezogen. Es wird vorübergehen, beruhigt sie der Mann und meint damit die bewaffneten Fremden, die aus dem Norden gekommen sind und zur Verständigung mit den Einheimischen einen Dolmetscher brauchen, weil sie die Tuareg-Sprache Tamascheq nicht verstehen. Hier draußen am Niger-Fluss scheint Frieden zu herrschen. Auf weiche Polster gebettet, genießt Kidane seine Pfeife. Neben ihm hocken die Frau und die muntere kleine Tochter, die verliebt zu ihrem Vater aufschaut. Idyllischer kann eine Familienszene kaum aussehen. Doch am selben Tag noch bricht das Unglück über alle herein. Weil eine Kuh aus Kidanes Herde das Netz des Fischers zertrampelt hat, tötet der Fischer die Kuh mit dem Speer. In der Hitze des Streits wird Kidane ihn dafür umbringen. Nach den Gesetzen der Scharia bedeutet dies seinen Tod, wenn ihm die Familie des Toten nicht verzeiht. Sie verzeiht nicht. Harte, böse Gesichter. Sissako bettet diese Geschichte in das Machtgebaren der Islamisten ein. Musizieren, Rauchen, Alkohol und unnötiger Aufenthalt auf den Straßen stehen unter Strafe, so schreien es Dschihadisten mit Megafon durch die Gassen. Die Einhaltung der neuen Kleiderordnung wird kontrolliert, Gitarrenspiel und Gesang junger Leute geahndet, eine Frau öffentlich ausgepeitscht, die Steinigung vollzogen. Kidanes Hinrichtung steht bevor. Ritus der Gewalt Doch ein Schrei, ein Akt der Auflehnung, durchbricht die steinerne Ordnung. Nicht die mahnenden Worte des Imams an die Islamisten, sondern eine Frau, Satima, stört den Ritus der Gewalt. Auf diese plötzliche Umkehrung ist der Film von Anfang an angelegt, fast wie bei einem russischen Revolutionsfilm der zwanziger Jahre - ein Erbe, das Sissako seit seinem Regiestudium in Moskau tief geprägt hat. Den europäischen Zuschauer mag der Anblick der jahrhundertealten Karawanenstadt mit ihren engen Gassen, Medresen und Moscheen faszinieren. Oder der Anblick eines Sandsturms über der Wüste. Sissako lässt sich diesen exotischen Reiz nicht entgehen, aber Stadt, Wüste und der nächtliche Himmel sind bloß der Hintergrund für ein menschliches Drama, das im Ausdruck der Gesichter kulminiert: die milden, freundlichen auf der einen und die mal dramatisch zerrissenen, mal verschlagenen der Wegbereiter eines islamistischen Staates auf der anderen Seite. Einmal scheint sogar menschliches Mitempfinden den ideologischen Wahn kurz aufhalten zu wollen, wenn der Richter Kidane verhört und ihm doch, trotz Mitgefühls mit dem Vater und der künftigen Waisen, nicht mehr helfen kann.

3 Timbuktu will den Albtraum des islamistischen Wütens, den Albtraum jeden guten Muslims, bewältigen, indem er die Sanftmut als die Quelle des Widerstands auf den Plan ruft. Die Kamera Sofiane El Fanis, mal dicht an den Gesichtern, mal in Stadt und Landschaft verweilend, verhilft dem Film zu seiner meisterhafter Bildsprache. Nicht unerwähnt bleiben darf die Musik von Amina Bouhafa, die die inszenierten Geschehnisse mitdenkt und dabei aus Tradition wie Moderne schöpft. Warum sehen wir nicht mehr Filme aus Afrika wie diesen? Es gibt sie, man muss sie nur finden. Quelle: Hans-Jörg Rother in der F.A.Z. vom Diese Revolution musste kommen Die Proteste begannen Ende Oktober, als ein Gesetz verabschiedet werden sollte, mit dem sich Präsident Blaise Compaoré weitere 15 Jahre an der Macht halten wollte. Foto: The Speaker/dayblakelydonaldson. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz. Unter dem Druck von Massenprotesten ist vor rund zwei Wochen Langzeitpräsident Blaise Compaoré in Burkina Faso zurück getreten. Eine Interimslösung soll bis zu den Neuwahlen im kommenden Jahr die Geschicke des Landes leiten. Die Heinrich-Böll-Stiftung traf drei Filmschaffende aus Burkina Faso, die im Rahmen des Filmfestivals AFRIKAMERA nach Berlin gekommen waren, und sprach mit Ihnen über die Revolution, die Rolle der Jugend, der Medien, der Kunst - und über die Chance auf einen friedlichen Übergangsprozess. In Burkina Faso verhinderte eine Volkserhebung die Verfassungsmanipulationen des Staatschefs. Welche Faktoren haben zum Sturz von Blaise Compaoré geführt? Jupiter Sodre: In Burkina Faso war seit 27 Jahren ein und derselben Mann an der Macht. 27 Jahre! Das muss man sich einmal vorstellen. Das hält keine Bevölkerung noch länger aus. In anderen Ländern, in denen eine ähnliche Situation ist und in denen es nicht zum Umsturz kommt, haben die Menschen vielleicht nicht den Mut oder die Mittel, so zu handeln wie wir. Die Leute aus meiner Generation denken auch anders als die Generation meiner Eltern. Für die Generation meiner Eltern war es normal und vielleicht sogar auch in Ordnung, was in der ganzen Zeit in unserer Gesellschaft vor sich ging. Aber für mich ging das irgendwann nicht mehr. Ich bin in Kontakt mit der Außenwelt, ich denke ganz anders und habe ganz andere Erwartungen. Wir jungen Leute verstehen besser, was sich in der Welt abspielt, und da können und wollen wir solche Zustände einfach nicht mehr hinnehmen. Salam Zampaligre: Es gab in der Bevölkerung zudem eine allgemeine Unzufriedenheit: es gab keine Arbeit und eine unerträgliche allgemeine soziale Ungerechtigkeit. All das hat dazu geführt, dass sich irgendwann die Leute gefragt haben, was so ein Regime nach 27 Jahren noch mit Demokratie zu tun hat. In Burkina Faso hat eine Minderheit Macht und Geld, während große Teile der Bevölkerung nicht einmal über Trinkwasser oder Viehfutter verfügen. Einige Wenige fahren in ihren riesigen Schlitten umher und leben in Villen oder

4 Palästen. Die Leute jung und alt sind dessen überdrüssig geworden und wollen einen Wandel. Deshalb sind alle auf die Straße gegangen. Lazare Sié Pale: Neben diesem langen Machterhalt von Compaoré und den Ungleichheiten im Land gibt es auch etwas Anderes: Für mich war es regelrecht beleidigend, wie die Dinge bei uns gelaufen sind. Die Verfassung wurde dreimal geändert. Und wenn Du, wie wir, die Gelegenheit hattest zu studieren und einen Durchblick hast, dann merkst Du, was da schief läuft. Das Schlimmste für mich war die Art, wie wir von der Regierung behandelt wurden. Man darf nicht vergessen, der Präsident hat zu Beginn einen Eid geschworen. Doch letztendlich hat er sich einfach nicht an sein eigenes Wort gehalten; und das war zu viel. Er hat damit die Leute beleidigt, indem er uns zu verstehen gab, dass er es ist, der die Gesetze macht; und letztendlich war das für mich die Schlüsselfrage. Aufgrund dessen hat sich die Bevölkerung erhoben. Immer und immer wieder wollte er seine Amtszeit verlängern hier fünf Jahre, da fünf Jahre. Irgendwann war dann Schluss. Und die Revolution musste kommen. Sie sprachen davon, dass alle an der Revolution beteiligt waren. Welche Rolle spielte die Jugend in der Revolution? Salam Zampaligre: Eine große Rolle; sie war die eigentliche Triebkraft dieser Revolution. In unserem Land sind 60 Prozent der Bevölkerung unter 25 Jahren. Ich war bei vielen Demonstrationen, und die meisten Teilnehmenden waren junge Leute, die protestierten, weil sie die Nase voll hatten von diesem Präsidenten, dessen Gesicht sie so viele Jahre gesehen hatten. Natürlich waren auch andere Schichten der Bevölkerung vertreten; es gab auch ältere Leute und Frauen. Alle waren letztendlich auf der Straße, doch die Jugend war entscheidend. Jupiter Sodre: Unsere Revolution war jedoch nicht wie in Tunesien oder im Senegal. Klar, haben wir Facebook und andere soziale Medien genutzt, aber längst nicht so viel wie bei anderen Revolutionen. Ich war am 27. Oktober auf dem Place de la Nation ( Platz der Nation ), und alle hatten ein Telefon und machten Fotos. Die Leute haben sich angerufen, um sich gegenseitig für die Demonstrationen zu mobilisieren. Doch manchmal gab es auch einfach keinen Netzempfang. Bei uns spielte da ein eher betagtes Medium eine große Rolle: das Radio. Da liefen Reportagen und Interviews mit Journalisten. Du konntest auch von der Arbeit aus die Berichterstattung verfolgen. Fest stand, dass wir uns alle auf den Weg machten, sobald eine Demo angekündigt wurde. Alle wussten, was zu tun war. Die Jugend hatte genug von dem System, die Älteren wollten Arbeit, die politischen Parteien wollten dem Präsidenten an den Kragen, die Bürgerbewegungen und Gewerkschaften wollten eine Veränderung ihrer Lebensbedingungen. Deshalb war das alles auch so dynamisch, sobald ein Demo-Aufruf bei den Leuten ankam. Jede Bevölkerungsgruppe hatte ihre eigenen Forderungen und wir wussten einfach, dass wir in Aktion gehen mussten, wenn sich bei uns etwas ändern sollte. Und all das richtete sich gegen eine einzige Person, da waren sich alle einig. Und wenn alle Stimmen der einzelnen Akteure in einem Land zusammenkommen, dann erreicht man auch was. Das war wirklich eine außergewöhnliche Situation. V.l.n.r.: Salam Zampaligre, Lazare Sié Pale und Jupiter Sodre. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung/Maria Kind. Die Oppositionsparteien-Landschaft in Burkina Faso ist sehr zersplittert. Wie groß sind die Chancen, dass es zu einer friedlichen, demokratischen Interims-Lösung kommt? Salam Zampaligne: Momentan ist die Interimssituation noch nicht 100-prozentig gelöst (Anm. der Red.: Am Mittwoch, den 19. November 2014 wurde der ehemalige

5 Außenminister Michel Kafando als Übergangspräsident vereidigt). Wir haben aber Grund zur Hoffnung, dass wir eine zivile Landesführung bekommen, die vertrauenswürdig und aufrichtig ist und den Übergangsprozess hin zu freien und transparenten Präsidentschaftswahlen gewährleistet. Wir wissen natürlich nicht, ob das Unterfangen in einem Jahr erfolgreich sein wird. Doch momentan hat niemand ein Interesse daran, die Ergebnisse der Revolution wieder verpuffen zu lassen und aufs Spiel zu setzen. Wir würden uns alle sofort wieder erheben. Das Volk ist sich einig, und das bringt eine unglaubliche Kraft mit sich. Auch auf andere Länder hatte unsere Revolution einen Einfluss: Togo und Gabun haben sich schon von den Ereignissen in unserem Land inspirieren lassen. Jupiter Sodre: Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich bin dem gefolgt, was mir wichtig war; das hatte nichts mit einem parteipolitischen Engagement zu tun. Seit ich denken kann, gab es in unserem Land abgesehen von dem Congrès pour la démocratie et le progrès (CDP) (der Regierungspartei) eigentlich keine richtigen politischen Parteien. Klar, viele nannten sich so, doch in Wirklichkeit war es so, als hätten wir nur eine einzige Partei gehabt. Nun gibt es in Burkina Faso erstmals eine richtige Opposition. Lazare Sié Pale: Momentan gibt es eine unübersichtlich große Anzahl an Parteien, die in den letzten fünf Jahren aus dem Boden geschossen sind; so etwas gab es vorher nicht. Eine Vielzahl davon hatte unter dem Schutz der CDP agiert, und es wird sich zeigen, wie viele davon über die notwendigen Mittel verfügen, um weiter bestehen zu können. Wenn es dann im Anschluss an den Übergangsprozess einer Partei gelingen wird, die Geschicke zu übernehmen, wird sich die Spreu vom Weizen trennen und die ineffizienten Parteien verschwinden. Wie stehen die Chancen für einen friedlichen Übergangsprozess? Lazare Sié Pale: Die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure werden sich auf die Suche nach einer Person für den Übergangsprozess machen, was nicht leicht sein wird. Das Problem besteht allerdings darin, dass jeder in der politischen Elite des Landes, der in den vergangenen 27 Jahren aktiv was, egal ob korrupt oder nicht, in jedem Fall für Blaise Compaoré gearbeitet hat. Auch alle, die keine Politiker waren, also z.b. Diplomaten, haben dem System zugearbeitet. Einige sind früher ausgestiegen, um ihr Gesicht zu wahren. Es wird nun schwierig sein, sich für eine Person zu entscheiden, aus den eben genannten Gründen. Die Leute wissen nicht, wem sie vertrauen sollen, weil nicht immer klar ist, was die Leute in der Vergangenheit gemacht haben. Doch ich bin mir sicher, dass das alles friedlich ablaufen wird. Zwar wurden in den Tagen des Aufstandes einige Läden geplündert und das Parlament und das Rathaus angezündet; doch mehr Schäden gab es nicht. Das wirtschaftliche Leben geht inzwischen weiter. Wer jetzt nach Burkina kommt, merkt nicht, dass hier noch vor kurzer Zeit derartige Dinge geschehen sind abgesehen von der Ausgangssperre zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens. Jupiter Sodre: Uns ist es wichtig, dass die Leute hier in Europa verstehen, wie sich die Ereignisse bei uns abgespielt haben, auf welchem Niveau sich die Diskussionen hier befinden. Wie viele Demos gab es denn in diesem Jahr? Viele. Und bei keiner ist etwas zu Bruch gegangen, obwohl Du dich vor lauter Menschen kaum bewegen konntest. Die Leute haben verstanden, worum es hier geht: keine Plünderungen, keine Raubüberfalle, nichts dergleichen. Wir wollten nicht so eine Situation wie in der Elfenbeinküste, wir wollten keine Verfassungsänderung! Die Leute haben ohne Angst ihre Wohnungen und Geschäfte zurückgelassen, um demonstrieren zu gehen und kamen abends zurück, wo sie alles unversehrt vorfanden. Das war verrückt. Einige Tage herrschte dann Unklarheit über den Stand der Dinge. Die Leute harrten bis zum 30. Oktober aus, dann war klar, dass etwas passieren musste, und sie griffen das Parlament an. Das war schließlich der Sitz unseres Parlaments, und wir konnten diese unklaren Zustände nicht länger hinnehmen. Lazare Sié Pale: In Burkina gibt es Beamte im Öffentlichen Dienst, das ist ein Fünftel der Bevölkerung; die anderen 4/5 wollen, dass sich die Situation rasch aufklärt. Wer streikt, hat einen Grund dazu und möchte, dass das schnell ein Ende hat, denn bisher lebten sie von heute auf morgen werden wir darüber unterscheiden, wer unser Land regieren wird. Wir haben Glück. In vielen anderen Ländern geht es oft um interreligiöse oder interethnische Konflikte, was bei uns kaum ein Thema ist. Ethnische Konflikte hat es bei uns nie gegeben, höchstens zwischen einzelnen Leuten. In anderen Ländern geht da interethnisch viel mehr schief. Auch interreligiöse Konflikte haben wir sehr selten. Das sind ja die beiden großen Konfliktursachen in anderen Ländern. Dieses Risiko ist bei uns nicht gegeben. Wir halten zusammen. Sie sind gerade für das Filmfestival Afrikamera in Berlin. Oftmals werden die

6 Künste als Vorboten von Revolutionen gesehen. Welche Rolle spielen die Künste in Burkina Faso wenn es um Politik geht? Jupiter Sodre: Einer unserer Sänger (Smarty) hat ein Lied auf einem Album herausgebracht, was in unserer Situation richtig reingehauen hat. Es heißt Le chapeau du chef ( Der Hut des Chefs ) und beschreibt genau, was passiert, wenn der Chef weg ist und die anderen um seinen Posten herumscharwenzeln. So genau war es ja auch bei uns. Diese Sänger/innen sind für unsere Zivilgesellschaft so wichtig, denn sie engagieren sich in allen nur denkbaren Bereichen: in der Musik, im Film. Mit ihren Werken beziehen sie Position und klagen an. Es gibt auch viele engagierte Filmemacher, die in ihren Filmen Missstände anprangern. So leistet jeder Künstler seinen Beitrag. Salam Zampaligne: In den Tagen der Revolution und schon vorher gab es viele politische Single-Auskopplungen, die es auf dem Punkt gebracht hat. Musik wirkt da viel unmittelbarer. Du bringst schneller ein Lied raus als einen Film, das ist schwerfälliger. Einen Film drehst Du nicht an einem Tag. Auch Theater eignet sich da besser. Filme sind etwas für die Zeit nach der Revolution, also für jetzt. Ich denke an La fauteuil ( Der Sessel ), der zeichnet genau solche Ereignisse nach. Salam Zampaligne: Natürlich spielen Künstler/innen in allen Gesellschaften eine wichtige Rolle und zwar deshalb, weil sie gut das Wesentliche vermitteln können. Sie sind es letztendlich, denen Gehör geschenkt wird, weil sie wissen, wie man etwas gut herüberbringt. Den anderen Leuten hört einfach keiner zu. SMOKE oder JAFAR, das sind Künstler, deren Botschaft bei den Menschen ankommt. Seit Beginn dieses Jahres hörtest du von denen und allen anderen auch nur noch Friedensbotschaften 10 Monate lang. Es gab keinen Künstler, der eines seiner Werke gemacht hat, ohne sich mit Frieden zu befassen. In den TV-Archiven der letzten Monate findet sich einfach kaum ein Beitrag zu einem anderen Thema. Die Menschen spürten einfach, dass sich etwas anbahnte, was richtig reinhauen konnte; es hätte wirklich knallen können. In allen Äußerungen konntest Du hören, dass es den Leuten um Frieden ging. Frieden, Frieden und nochmals Frieden, das war es, was die Leute wollten und was sie sich nun für diese Zeit des politischen Umbruchs wünschen. Übersetzung: Anja Reefschläger Über die Filmschaffenden: Lazare Sié Pale ist ein Musiker und Filmemacher aus Burkina Faso. Seit 2001 ist er Präsident von AFRICANIM (Association Africaine du Cinéma d Animation). Moumouni Jupiter Sodre ist Filmemacher und hat im Senegal und Frankreich studiert. Seine kurzen Animationsfilme wurden auf diversen Filmfestivals in Burkina Faso, Marokko und Algerien gezeigt. Salam Zampaligre ist Autor diverser Drehbücher für Animationsfilme, Fiktion und Dokumentationen. Seine Filme wurden bereits in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich präsentiert. Quelle: Maria Kind von der Heinrich-Böll-Stiftung, Ausschuss zieht Bilanz nach Sturz von Präsidenten Burkina Faso: 24 Tote bei Protesten Ende Oktober Ouagadougou (AFP) - Während der Ausschreitungen im Zusammenhang mit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Burkina Fasos, Blaise Compaoré, sind insgesamt 24 Menschen getötet und 625 verletzt worden. Dies teilte ein vom neuen burkinischen Premierminister eingesetzter Expertenausschuss mit. Die Zahlen beziehen sich auf das gesamte Staatsgebiet des westafrikanischen Landes und stellen fast einen Monat nach den gewalttätigen Ausschreitungen vom 30. und 31. Oktober die erste offizielle Bilanz der Auswirkungen des Sturzes Compaorés dar. Bei 19 der 24 Todesopfer seien "Komplikationen durch Schussverletzungen", "Ertrinken", "Erstickung" oder "Komplikationen durch Gewalteinwirkung und schwere Brandverletzungen" die Todesursache, wie die Vorsitzende des Ausschusses, Clarisse Mérindol-Ouoba, mitteilte. Bei den fünf anderen Toten handelte es sich demnach um Insassen des Gefängnisses der Hauptstadt Ouagadougou, von denen drei während der

7 Unruhen zu fliehen versucht hatten. Die Opposition hatte am 30. Oktober von rund 30 Toten und über 100 Verletzten gesprochen. Aus Diplomatenkreisen hieß es damals, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer eher bei rund 15 Personen gelegen haben dürfte. Eine Verfassungsänderung löste die Unruhen aus AFP Der Untersuchungsausschuss stellte ferner fest, dass beim Großteil der 625 Verletzten Wunden durch Schuss- und Stichwaffen oder durch Tränengas ausgelöste Atembeschwerden vorgelegen hätten. Der Ausschuss stellte klar, er habe "kein Mandat dafür, die Verantwortlichen zu ermitteln oder Strafen festzulegen und durchzusetzen". Die Unruhen erfassten Burkina Faso Ende Oktober, nachdem Präsident Compaoré eine Verfassungsänderung angekündigt hatte, die ihm nach 27 Jahren als Staatschef eine Verlängerung seiner Amtszeit ermöglicht hätte. Nach heftigen Protesten gegen das Vorhaben, bei denen unter anderem das Parlament und mehrere Rathäuser in Brand gesteckt wurden, trat Compaoré am 31. Oktober zurück. Anschließend setzte er sich über die Elfenbeinküste nach Marroko ab. Der Regierung von Interimspräsident Michel Kafando gehören mehrere Militärangehörige an, darunter Premierminister Isaac Zida. Die Regierung soll das Land während einer einjährigen Übergangsperiode bis zu Neuwahlen im November 2015 führen. Quelle: Deutschland today vom Militär besetzt wichtige Posten in Übergangsregierung von Burkina Faso Knapp einen Monat nach dem Rücktritt des Langzeitpräsidenten Compaoré hat die Übergangsregierung ihre Arbeit aufgenommen. Offiziere besetzen wichtige Posten. Nach dem Umsturz in Burkina Faso hat das Militär mehrere Schlüsselressorts in der neu gebildeten Regierung für sich reserviert: Im 26-köpfigen Interimskabinett von Präsident Michel Kafando (im Artikelbild mit Isaac Zida) seien vier Armeeangehörige vertreten, sagte der Generalsekretär der Regierung, Alain Thierry Ouattara, am Sonntag. Demnach übernimmt Oberstleutnant Isaac Zida nicht nur das Amt des Regierungschefs, sondern leitet auch das Verteidigungsministerium. Zida, der nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Blaise Compaoré Ende Oktober vorübergehend die Macht übernommen hatte, kommt somit eine Schlüsselrolle zu. Die Interimsregierung soll das Land während einer einjährigen Übergangsperiode führen und im kommenden November Neuwahlen organisieren. Opposition nicht im Kabinett vertreten Die Regierung ist formal zivil, doch hat das Militär allem Anschein nach weiter großen Einfluss. Einer von Zidas engsten Vertrauten, Auguste Denise Barry, steht an der Spitze des Innenministeriums. Auch die Verantwortung für die Ressorts Rohstoffe und Sport wurde Armeeangehörigen übertragen. Das Amt des Außenministers übernimmt Interimspräsident Michel Kafando, der vor seiner Ernennung lange Jahre als Diplomat bei den Vereinten Nationen gearbeitet hatte.

8 Zu den Vertretern der Zivilgesellschaft, die der neuen Regierung angehören, zählt Jean Gustav Sanon, der unter anderem für den Internationalen Währungsfonds tätig war und künftig das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen besetzt. Die Opposition ist hingegen nicht im Kabinett vertreten, da keines der Regierungsmitglieder bei der für November 2015 geplanten Wahl antreten darf. Druck der Afrikanischen Union Der langjährige Staatschef Blaise Compaoré war am 31. Oktober unter dem Druck von Massenprotesten zurückgetreten und in die benachbarte Elfenbeinküste geflohen, nachdem er versucht hatte, die Verfassung zu ändern, um sich eine weitere Amtszeit zu ermöglichen. Nach seinem Sturz übernahm zunächst das Militär die Macht, doch setzte die Afrikanische Union ihm ein Ultimatum, binnen zwei Wochen die Macht an eine zivile Übergangsregierung abzugeben. Anfang November willigte die Armee dann ein, die Macht wieder an einen Zivilisten zu übergeben. Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder Afrikas. Seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich 1960 hat es sieben Militärputsche erlebt. Quelle: dw.de vom Burkina Faso: Regierung ohne Uniform Es war die erste Kabinettssitzung seit dem Sturz von Staatschef Compaoré: In Burkina Faso hat die zivile Übergangsregierung ihre Arbeit aufgenommen. Doch das Militär macht weiter seinen Einfluss geltend. Die Uniform hat er abgelegt: Als Premierminister Isaac Zida am Montag die erste Sitzung des neuen Kabinetts in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou eröffnete, trug der Oberstleutnant nicht wie gewohnt Tarnfleck und rotes Beret. Zida gab sich im blauen Anzug zivil und staatsmännisch. Nach dem einstündigen Kabinettstreffen kündigte Zida dann "eine Vielzahl von Reformen" an, unter anderem in der Wirtschafts- und Verteidigungspolitik des Landes. Zida, einst stellvertretender Kommandeur der Präsidentengarde, hatte einen Tag nach der Flucht des ehemaligen Staatschefs Blaise Compaoré Anfang November die Macht im Land übernommen. Erst unter internationalem Druck hatte sich Zida auf die Bildung einer zivilen Übergangsregierung eingelassen. Egal ob in Uniform oder im feinen Zwirn: Isaac Zida bleibt der starke Mann in Ouagadougou. Er ist nicht nur Premier, sondern gleichzeitig auch Verteidigungsminister. Und an der Spitze der wichtigen Innen- und des Energieressorts sowie des Sportministeriums stehen ebenfalls Männer des Militärs, die zwar ihre Uniformen abgelegt haben, aber Zida weiterhin treu ergeben sein dürften. Insbesondere Innenminister Denise Barry gilt als Vertrauter des Premiers. Hält das Militär in Ouagadougou also weiter das Heft in der Hand?

9 Vier von 26 "Unter der völligen Kontrolle des Militärs steht die Übergangsregierung sicher nicht", sagt Alexander Stroh vom Hamburger Giga-Institut für Afrika-Studien. "Es sind vier Minister in einem Kabinett von deutlich über 20 Personen, in dem durchaus auch hochkarätige Vertreter aus dem Bereich der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft zu finden sind." Die Zivilgesellschaft war es, die im Oktober zu Demonstrationen gegen Compaoré aufgerufen hatte. Der wollte die Verfassung ändern lassen, um sich, nach 27 Jahren an der Macht, eine fünfte Amtszeit zu ermöglichen. Unter dem Druck der Massenproteste trat er schließlich zurück. Nach der Machtübernahme Zidas forderten Demonstranten Anfang November seinen Rücktritt "Bisher kann ich kein wirkliches Aufbegehren der Bevölkerung gegen den Einfluss des Militärs in der neuen Regierung erkennen", sagt Imad Mesdoua, Westafrika-Experte beim Thinktank Africa Matters Ltd. "Die meisten Leute warten einfach darauf, dass es mit Neuwahlen zu einer echten zivilen Regierung kommt." Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, meint Alexander Stroh vom Giga-Institut. Denn die Zivilgesellschaft und auch die politische Opposition hätten bisher im Übergangsprozess eine konstruktive Rolle gespielt und seien mit den Militärs in Dialog getreten. "Auf dieser Grundlage kann man momentan recht optimistisch in die Zukunft blicken. Ich glaube, dass man zu einer einigermaßen ordentlichen Vorbereitung der Wahlen kommen wird", so Stroh. "Für Euphorie ist sicher nicht die richtige Stunde, aber zumindest kann man im Moment hoffen, dass die Zivilisten einen ganz wesentlichen Einfluss behalten." Zerstrittene Opposition Übergangspräsident ist der ehemalige Diplomat Michel Kafando, der im neuen Kabinett gleichzeitig den Posten des Außenministers übernimmt. Seine Regierung soll das westafrikanische Land durch die einjährige Übergangsperiode führen und Neuwahlen organisieren. Ein Übergangsrat soll in dieser Zeit die gesetzgeberische Funktion des Parlaments wahrnehmen. Bénéwendé Stanislas Sankara ist Vorsitzender der Oppositionspartei "Union für das Wiedererwachen". "Natürlich wird der Übergangsrat die Regierung kontrollieren, das ist seine Aufgabe", sagt er der DW. Allerdings: Die Opposition ist zerstritten. Die verschiedenen Bürgerbewegungen, die Compaoré aus dem Amt gejagt haben, konnten sich bislang noch nicht einmal darauf verständigen, welche Vertreter sie in den Übergangsrat entsenden. "Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir diese Unstimmigkeiten nicht weiter mit uns herumschleppen, wenn es an die Gesetzgebung geht", so Sankara. Nach der Flucht Compaorés brach in den Straßen Ouagadougous Jubel aus

10 Für die Übergangsregierung selbst gilt es nun, das Vertrauen der Burkiner zu gewinnen. Bevor es an die Organisation der Neuwahlen geht, müssen die neuen Machthaber in Ouagadougou dafür sorgen, dass die Übergangsregierung nicht als Produkt eines Militärputsches wahrgenommen wird und die staatlichen Strukturen respektiert werden. Das Ablegen von Tarnfleck und Beret des Premierministers könnte ein erster Schritt in diese Richtung gewesen sein. Quelle: dw.de vom Burkina Faso fordert Auslieferung von Ex-Präsident Compaoré Ouagadougou (AFP) Burkina Faso verlangt von Marokko die Auslieferung des gestürzten Präsidenten Blaise Compaoré. Die Regierung in Ouagadougou werde das nordafrikanische Land auffordern, Compaoré "der burkinischen Justiz zur Verfügung zu stellen", sagte der frühere Militärmachthaber und jetzige Übergangsregierungschef Isaac Zida am Donnerstagabend vor Journalisten. Quelle: Die Zeit online vom Das Volk schaut genau hin Katrin Rohde lebt seit den 1990er Jahren in Ouagadougou die Revolution hat sie quasi im Badeanzug erwischt. War der Volksaufstand, der zum Rücktritt Compaorès geführt hat, absehbar? Ja und nein es war schon lange eine große Unzufriedenheit wahrzunehmen. Dass es dann so schnell zu einem Aufstand wohlgemerkt zu einem weitgehend friedlichen Aufstand kam war für uns alle doch überraschend. Ich wollte gerade schwimmen gehen und die Revolution erwischte mich buchstäblich im Badeanzug! Dass Hunderttausende auf die Straße gingen war ganz neu! Es ist ein großes Wunder und spricht für das allgemein friedliebende Volk der Burkinabe, dass es nicht schlimmer ablief. Katrin Rohde Foto: Forster Wie wird der Übergang von Compaoré zu Kafando in der Bevölkerung beurteilt? Nachdem, was ich höre allgemein gut. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten in der Geschichte des Landes dass wir einen zivilen Präsidenten haben. Wir geben ihm Vertrauensvorschuss. Welche Hoffnungen der Menschen verbinden sich mit diesem Wechsel? Viele! Die Armen wünschen sich Hilfe in der Not. Der Öffentliche Dienst wünscht sich höhere Gehälter. Die Preise sind allgemein viel zu hoch für die kleinen Gehälter, die Schere zwischen reich und arm klafft weit. Die Kaufleute wünschen sich weniger Zoll auf Waren. Die Schüler wünschen sich kein Schulgeld mehr zu zahlen was ja auch völlig richtig ist in

11 einem Land mit immer noch 75 Prozent Analphabeten. Dies ist auch mein größter Wunsch: Bildung muss für jeden erreichbar sein. Jeder wünscht sich hier was! Allgemein wünschen sich jedoch alle am meisten: Frieden im Lande. Wie geht es Ihrer Meinung nach nun weiter in Burkina Faso? Schwierig.Es sind noch viele eingeschworene Profiteure der früheren Herrschaft im Lande, und wir wissen nicht: wer ist wer? Es kann sich auch gar nicht nicht alles so schnell entwickeln wie gewünscht, und wir hoffen dass das Volk weiterhin Einsicht dazu zeigt. Eins ist sicher: Das Volk schaut nun sehr genau hin. Ich persönlich glaube nicht, dass in Afrika eine wahre Demokratie zu installieren ist. Nach meiner Erfahrung ist hier alles ganz und gar hierarchisch aufgebaut. Vielleicht kann man eine Mischung anstreben. Ich hoffe und wünsche mir sehr dass das so tolerante Volk von Burkina Faso weiterhin so aufmerksam und zukunftsgesonnen und friedlich die Geschicke dieses Landes mitbestimmt. Quelle: Manfred Forster in die Mittelbayrische vom Frankreichs Präsident bestätigt, dass Paris dem früheren Präsidenten von Burkina-Faso bei seiner Flucht ins Exil geholfen hat, um Gewalttätigkeiten zu verhindern PARIS Präsident François Hollande bestätigte, dass Frankreich dem Ex-Präsidenten von Burkina-Faso, Blaise Compaoré, geholfen hat ins Exil zu fliehen, "um ein Blutbad zu verhindern." Compaoré wurde am 31. Oktober von Oppositionellen gestürzt, die sich darüber ärgerten, dass er nach 27 Jahren an der Macht in Burkina-Faso (der früheren französischen Kolonie Ober-Volta) durch Verfassungsänderung ein neues Mandat anstrebte. In einem Interview mit dem französischen TV-Sender France24 am vergangenen Donnerstag sagte Hollande, das Schicksal von Compaoré "könne als Lehre dienen." Er fügte hinzu: "Man darf die Verfassungsordnung nicht wegen persönlicher Interessen ändern." Der Ex-Präsident des westafrikanischen Landes floh zunächst in die Elfenbeinküste und kam am 20. November nach Marokko. Hollande sagte, er sei dort mit seiner Familie. Derzeit hat eine Übergangsregierung in Burkina-Faso die Macht übernommen; Wahlen wurden für das nächste Jahr angekündigt. Quelle: Fox News vom , Associated Press / Übersetzung: T.V. Berger PS: Über die Rolle Frankreichs in diesem Konflikt und ganz allgemein siehe auch NL 29, Seite 16 ff. Frankreichs Macht in Afrika. Schmuggler mit 77 Kilogramm Gold in Burkina Faso geschnappt Ouagadougou (AFP) In Burkina Faso sind drei Menschen wegen versuchten Goldschmuggels festgenommen worden. Wie das zuständige Ministerium in dem westafrikanischen Land am Dienstag mitteilte, wurden im vergangenen Monat zwei Verdächtige mit 77 Kilogramm Gold im Gepäck am internationalen Flughafen der Hauptstadt Ouagadougou geschnappt. Ein Dritter, bei dem es sich um den Hauptverantwortlichen des versuchten Schmuggels handeln soll, wurde ebenfalls festgenommen. Er besitzt einen Goldvertrieb in dem Land. Quelle: Die Zeit online vom Blaise Campaoré ist zurück an der Elfenbeinküste Blaise Campaoré, der am die Elfenbeinküste verlassen hatte, wo er seit seiner Entlassung war, um dann nach Marokko zu fahren, ist am Freitag früh in Yamoussoukro

12 gelandet. Nach Jeune Afrique hätten der ehemalige Präsident und seine Gattin Marokko vor einigen Tagen verlassen, wo sie sich in einer Villa aufgehalten hätten, die ihnen einer ihrer Freunde zur Verfügung gestellt hätte. Dann sei er kurz in Libreville in Gabun gewesen, dann in Brazzaville im Kongo, bevor er die Elfenbeinküste erreicht hätte. Nach seiner Entlassung infolge des Volksaufstands am 30. Oktober war der ehemalige Mieter von Kosyam (Präsidentenpalst in Ouagadougou, Anm. d. Red.) mit Hilfe Frankreichs ausgereist. Er hatte dann Zuflucht gefunden in diesem Nachbarland (die Elfenbeinküste), dessen Nationalität er hat durch Heiratsverbindungen hat. Er soll dort drei Wochen in einer offiziellen Luxusvilla in Yamoussoukro verbracht haben, bevor er die weitere Reise antrat, begleitet von 5 seiner ihm Nahestehenden. Wenn bei seiner Abreise die Regierung der Elfenbeinküste hatte wissen lassen, dass man ihn zur Rückkehr aufgefordert habe, so hatte der marokkanische Außenminister ebenfalls bei Campaorés Ankunft in Marokko wissen lassen, dass der ehemalige Präsident von Burkina Faso dort für einen Aufenthalt von begrenzter Dauer bleiben könne. Nach Aussage der ihm Nahestehenden gab es auch ein Gesundheitszeugnis. In beiden Ländern hat freilich die Anwesenheit des ehemaligen Präsidenten von Burkina Faso auch zu Unzufriedenheit geführt. Seit seiner Ankunft im cherifischen Königreich haben sich linke Parteien gegen sein Exil auf ihrem Boden gewehrt. So hat auch ein eventuelles Exil von Campaoré in der Elfenbeinküste keine Einstimmigkeit hervorgerufen bei der Partei, die für Gbagbo ist; diese klagt Campaoré an, die Rebellion in der Elfenbeinküste unterstützt zu haben und streitet ihm den Titel Friedensmacher ab, den ihm die Partei zugesteht, die für Ouattara ist. In Burkina Faso mehren sich die Stimmen, die die Auslieferung des Mannes verlangen, der 27 Jahre an der Spitze des Staates gestanden hat. Die Zivilgesellschaft sowie einige politische Parteien verlangen tatsächlich, den ehemaligen Präsidenten vor Gericht zu stellen, da er, wie einige Würdenträger betonen, wirtschaftliche und politische Verbrechen begangen habe. Quelle: Amélie Gue in Lefaso.net vom , Übersetzung: Annemarie Kordecki Partei von Burkina Fasos Ex-Präsident Compaoré wird suspendiert Ouagadougou (AFP) Die nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Blaise Compaoré eingesetzte Übergangsregierung in Burkina Faso hat die frühere Regierungspartei mit einem Verbot belegt. Die Partei Congrès pour la démocratie (CDP) werde wegen illegaler Aktivitäten suspendiert, teilte der Minister für territoriale Verwaltung, Auguste Denise Barry, am Montag in der Hauptstadt Ouagadougou mit. Ein Ministeriumsvertreter sagte, es handle sich nicht um eine Auflösung der Partei. Die Maßnahme ziele darauf, Treffen und andere Aktivitäten der Partei zu unterbinden, damit es nicht zu Ausschreitungen komme. Quelle: Die Zeit online vom Premierminister Zida verspricht Gerechtigkeit für Norbert Zongo und das betrogene Volk Mit vielen Aufrufen zur Bestrafung der Verbrechen und Forderungen nach Gerechtigkeit und Wahrheit meldeten sich die "Versammlung der demokratischen Massenorganisationen und der politischen Parteien" (CODMPP), sowie die "Nationale Koalition zum Kampf gegen hohe Lebenshaltungskosten, Korruption, Betrug und Straffreiheit, sowie für die Freiheit" (CCVC) anlässlich des 16. Jahrestags der Ermordung des Journalisten Norbert Zongo und seiner Gefährten zu Wort. An diesem Samstagmorgen, den 13. Dezember, war die Entschlossenheit der Demonstranten auf dem "Platz der Revolution" in Ouagadougou deutlich zu spüren. Ein Jahrestag nicht wie alle anderen:»dieser 16. Jahrestag findet in einem besonderen Umfeld statt: das Compaoré-Regime ist gestürzt«. Nachdem früher am morgen Blumen auf den Gräbern im Stadtviertel Gounghin niedergelegt wurden, haben sich die Demonstranten

13 auf dem "Platz der Revolution" zu einem Marsch durch die Stadt versammelt. Sie gingen durch die "Avenue de la Nation", die Straßen "Kwamé N'Kroumah", "Houari Boumedienne" und "Bassawarga" und kehrten anschließend zum Platz zurück. Von einem beeindruckenden internen Sicherheitsdienst begleitet, machten sich die Demonstranten mit den Anführern an der Spitze auf den Weg, ohne die geringsten Überschreitungen und zusammengehalten durch Aufrufe gegen die Straflosigkeit der Täter, die ungesühnten Verbrechen und die Übel, die die Gesellschaft "verderben". Sie riefen auf zu Gerechtigkeit für Norbert Zongo und seine Gefährten, zu Gerechtigkeit für Thomas Sankara, für Dabo Boukary, Flavie Nébié, Salifou Nébié und zu Gerechtigkeit für alle Märtyrer des Aufstands vom 30. und 31. Oktober dieses Jahrs. Wieder zurück auf dem Platz der Revolution zeigten sich die Vertreter der Übergangsregierung dem Volk. Als erster der Premierminister selbst, Isaac Yacouba Zida, in Begleitung der Minister für Justiz, für Kommunikation, für Sport und Freizeit, sowie für territoriale Verwaltung und Sicherheit. Neben diesen Regierungsmitgliedern zeigte sich auch Shériff Sy, der Präsident des CNT (Nationalrat für den Übergang). Mit der Hymne der CODMPP "Verbrechen in Sapouy" (in dieser Stadt wurde Norbert Zongo ermordet) und mit einer Nachricht von Victor Zongo, dem Vertreter der Familie von Norbert Zongo, wurde die Versammlung eröffnet. Victor Zongo dankte allen Schichten der Gesellschaft und dem gesamten Volk von Burkina-Faso für den 16 Jahre andauernden Kampf um Gerechtigkeit für den Journalisten Norbert Zongo und seine Gefährten. Der Kampf trägt Früchte! Chrysogone Zougmoré, der Präsident der CODMPP, sagte:»endlich haben wir die Hoffung, dass unser intensives und starkes Verlangen nach Gerechtigkeit, das uns die letzten 15 Jahre auf die Straße getrieben hat, erfüllt wird«und bezog sich dabei auf die Volkserhebung am 30. und 31. Oktober dieses Jahres, die zum Sturz des Präsidenten Blaise Compaoré führte. Norbert Zongo, alias Henri Sebgo, war Herausgeber der burkinischen Wochenzeitschrift "L'Indépendant", ein verdienter Journalist und unermüdlicher Kämpfer für die Menschenrechte. Als Humanist setzte sich Norbert Zongo für Menschenrechte und Demokratie ein und machte daraus seine Lebensaufgabe. Er reiste durch die Provinzen von Burkina-Faso, hielt Versammlungen ab und motivierte die Bevölkerung zur Achtung der Menschenrechte. Als engagierter Schriftsteller prangerte er in seinen Romanen "Le parachutage" und "Rougbêinga" die Gewaltherrschaft der Diktatoren nach der Unabhängigkeit, die Brutalität und die Misshandlung unseres Volkes während der Kolonialzeit an. Als Journalist hat Norbert Zongo den investigativen Journalismus in unserem Land auf zuvor unbekannte Höhen angehoben. Er stellte die mafiösen Praktiken und die ekelhaften Geschäfte der

14 Machthaber der IV. Republik in Burkina-Faso bloß. Chrysogone Zougmoré, der Präsident der CODMPP, erinnerte daran, dass»seine Hartnäckigkeit und seine Entschlossenheit, die wirtschaftlichen und die blutigen Verbrechen, sowie die Menschenrechtsverletzungen aufzuklären, die Machthaber der IV. Republik und die burkinische Mafia sehr störte«. Am 13. Dezember 1998 nachmittags wurde Norbert Zongo mit seinen Gefährten Blaise Ilboudo, Ablassé Nikiéma und Ernest Zongo umgebracht, als sie sich um Aufklärung der Affäre um David Ouédraogo, den Fahrer von François Compaoré, bemühten. Der Premierminister versprach:»dem Genossen Norbert Zongo wird Gerechtigkeit widerfahren und die Betriebe werden verstaatlicht«. Obwohl er nicht als Redner angemeldet war, sah sich der Premierminister "gezwungen", das Wort zu ergreifen, da ihn die Manifestierenden dazu aufforderten und er äußerte sich zu einer Anzahl Beschwerden:»Das souveräne Volk hat mich gebeten, zu ihm zu sprechen ich werde mich dem nicht entziehen. Ich bin heute mit einigen Regierungsmitgliedern zu Ihnen gekommen, um zu hören, was das Volk will«. Nach dieser Einführung sagte der Premierminister Isaac Yacouba Zida:»Die Nachricht ist sehr klar: das Volk will Gerechtigkeit und ich versichere Ihnen, dass wir dem Genossen Norbert Zongo Gerechtigkeit widerfahren lassen werden.«weiter versprach der Premierminister:»Und noch mehr: wir werden auch Gerechtigkeit herstellen für all jene, die unter den mörderischen Kugeln von Blaise Compaoré den Tod gefunden haben daran werden wir arbeiten«. Da ihn die Manifestierenden auch nach den Vorgängen im "Regiment für die Sicherheit des Präsidenten" (RSP) fragten, erklärte Isaac Yacouba Zida:»Ich habe Ihnen bereits gesagt und ich wiederhole es hier: dieses Regiment ist eine militärische Einheit, die für andere Aufgaben dem Heer unterstellt werden wird. Diese Aufgaben umfassen den Kampf gegen den Terrorismus und den Kampf gegen das Banditentum«. Weiterhin machte der Premierminister auf den Wunsch des Volkes aufmerksam, dass mehr Anstrengungen in Fragen der Gesundheit, für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Verstaatlichung von bestimmten Firmen unternommen werden.»der Minister für Wohnungsbau hat die Anweisung erhalten, einen Generaldirektor für die SOCOGIB zu benennen. Ihr wisst alle, dass die SOCOGIB zum symbolischen Preis von einem Franc verkauft wurde dabei handelt es sich um Volkseigentum! Wir werden es dem Volk zurückerstatten.«erklärte der Premierminister und fügte hinzu, dass auch das "Beamtenlager" eingezogen werden wird, um es wieder einer öffentlichen Nutzung zukommen zu lassen. Es soll in einen städtischen Parkplatz umgewandelt werden. Aber egal wie es kommt, die Versammlung CODMPP und die Koalition CCVC forderten das Volk auf, wachsam zu sein und die Entwicklung der Lage aufmerksam zu beobachten, ob diesen Worten auch Taten folgen. Quelle: Oumar L. Ouédraogo in Lefaso.net vom , Übersetzung Tilman V. Berger True Gold: Burkina Faso will attraktiver werden Positive Nachrichten erreichten uns diese Woche aus Burkina Faso. Nach dem überraschenden Machtwechsel Ende Oktober standen die in dem Land aktiven Minenunternehmen an den weltweiten Börsen unter Druck. Auch unser Empfehlungswert True Gold Mining konnte sich diesem Schicksal nicht entziehen. Wir nutzten in Ausgabe 98

15 die Chance zum Nachkauf bei 0,23 CAD und konnten so unseren Einstiegskurs minimieren. Wie jetzt bekannt wurde, plant der neue Minister für Bergbau der Übergangsregierung, Kolonel Boubacar Ba, den derzeit gültigen Mining Code anzupassen. Ihm sei es nicht entgangen, dass viele Bergbauunternehmen in Nachbarländer abgewandert seien und er dadurch negative Auswirkungen auf seine eigene Wirtschaft sieht. In Gesprächen mit Partnern soll festgestellt werden, wie der Mining Code insgesamt attraktiver gestaltet werden kann. Gold ist seit 2009 das wichtigste Exportgut des Landes exportierte man offiziellen Angaben zu Folge 32 Tonnen des Edelmetalls. Diese Zahl dürfte in den nächsten Jahren ansteigen, da nicht nur True Gold eine Mine in Betrieb bringen wird. D ie Worte des Ministers sollten bei Investoren einige der Bedenken ausräumen, zumal das Unternehmen bereits selbst in einer Pressemitteilung die Investoren wissen ließ, dass man weiterhin im Zeitplan sei und im Rahmen des Budgets arbeite. True Gold ist vollfinanziert und auf bestem Wege die Karma-Mine in Produktion zu bringen. Bereits für 2016 planen die Kanadier Unzen Gold zu produzieren. Quelle: Kai Hoffmann in Investor Magazin vom Zuschuss von 1,6 Millionen Euro für Schulen in Burkina Faso Der Solidaritätskreis Westafrika e.v. bekommt für sein neues Schulbauprogramm 2015/2016 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einen Zuschuss von 1,6 Millionen Euro. Zusammen mit den Spendengeldern will er 46 Collèges (Realschulen) und 3 Grundschulen errichten. Nur für ca. 50 % der Kinder stehen Grundschulplätze zur Verfügung und nur ca. 11 % der Grundschulabgänger besuchen eine weiterführende Schule. Mittlerweile hat die Bevölkerung erkannt, dass ohne eine gute Schulausbildung eine Weiterentwicklung dieses Landes nicht möglich ist. Da durchschnittlich 75 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden, werden für ca Kinder neue Schulplätze geschaffen, wobei jeder Schulplatz nur ca. 126 Euro kostet. Collège mit Schülern

16 Um einen solch hohen Zuschuss zu erhalten, muss der Solidaritätskreis selbst 13 % der Investitionskosten aufbringen. Dies bedeutet, dass jeder gespendete Euro durch den Zuschuss fast verachtfacht wird. Umgekehrt müssen sich aber auch die Afrikaner engagieren, Sand, Kies und Steine sammeln und zur Baustelle transportieren und 5 Handlanger während der Bauphase unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Solidaritätskreis baut keine Schulen in den großen Städten, sondern nur Schulen in entlegenen Gebieten auf dem Land, vor allem in Grenznähe, da dort kaum Organisationen tätig sind und man dort fast keine staatliche Unterstützung erhält. Bei Bedarf werden auch Tiefbrunnen gebohrt, damit die Kinder und die Dorfbevölkerung sauberes Trinkwasser haben. Alle Schulen erhalten einen Zaun von 60 m x 40 m und dort müssen Bäume gepflanzt werden, damit das Kleinklima verbessert und das Vordringen der Wüste verhindert wird. Vom Januar 2015 wird eine Delegation des Solidaritätskreises auf eigene Kosten nach Burkina Faso fliegen und dort in 2 Gruppen 31 Collèges und 6 Grundschulen einweihen. Auf diese Weise wird der Kontakt zu der dortigen Bevölkerung gepflegt, die Schulbauten kontrolliert und neue Projekte vorbereitet. Einzelheiten erfährt man unter Quelle: Charly Simonis, Solidaritätskreis Westafrika Afrika Cup: Finkes Kamerun in Gruppenphase gegen Elfenbeinküste Volker Finke steht mit Kamerun beim Afrika Cup in Äquatorialguinea (18. Januar bis 8. Februar) bereits in der Gruppenphase vor schwierigen Aufgaben. Trainer Volker Finke steht mit Kamerun beim Afrika Cup in Äquatorialguinea (18. Januar bis 8. Februar) bereits in der Gruppenphase vor schwierigen Aufgaben. Das Team mit dem Bundesligaspieler Eric Maxim Choupo-Moting und möglicherweise Joel Matip (beide Schalke 04) trifft auf WM-Teilnehmer Elfenbeinküste, Guinea und Mali. Das ergab die Auslosung am Mittwoch in Malabo. SID-IMAGES/SID-IMAGES/PIXATHLON/ Afrika Cup: Finkes Kamerun in Gruppenphase gegen Elfenbeinküste Gastgeber Äquatorialguinea bekommt es mit dem Kongo, Gabun und Burkina Faso zu tun. Titelverteidiger Nigeria war überraschend bereits in der Qualifikation gescheitert. Marokko, das auf die Ausrichterrolle wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika verzichtet hatte, war deswegen vom Turnier ausgeschlossen worden. Die Gruppen in der Übersicht: Gruppe A: Äquatorialguinea, Republik Kongo, Gabun, Burkina Faso Gruppe B: Sambia, Republik Kongo, Kap Verde, Tunesien Gruppe C: Ghana, Senegal, Südafrika, Algerien Gruppe D: Elfenbeinküste, Guinea, Kamerun, Mali Quelle: Focus-online vom

17 Hagerhof-Schüler überreichen Zukunftscharta an Bundeskanzlerin Angela Merkel Teilnahme an Eine Welt-Zukunftsforum in Berlin Hagerhof-Schüler überreichen die Zukunftscharta an Bundeskanzlerin Angela Merkel Bad Honnef Auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit nahm die AG Entwicklungspolitik des Gymnasiums Schloss Hagerhof am Eine WeltZukunftsforum in Berlin teil, wo sich 100 Zukunftsinitiativen mit rund 3000 Gästen austauschten. Dabei präsentierten die Hagerhof-Schüler bei einem 45-minütigen Talk vor vielen Interessierten ihre Entwicklungspartnerschaft mit der Association BangrNooma in Ouagadougou und Kienfangue im westafrikanischen Burkina Faso und diskutierten mit Experten die Nachhaltigkeit ihres Engagements. Nach vielen Jahren der Entwicklungszusammenarbeit zwischen dem Hagerhof und den Partnern in Burkina Faso haben sich Gesundheit und Bildung als die wichtigsten und nachhaltigsten Entwicklungsbereiche herausgestellt. Im Bereich Gesundheit unterstützen die Hagerhof-Schüler die Gesundheitsstation des Partnerdorfs Kienfangue. Gemeinsam mit der Partnerorganisation BangrNooma fordern und fördern sie auch eine dringend notwendige Sexualaufklärung, um Teenagerschwangerschaften mit ihren desaströsen Folgen ebenso wie die weit verbreitete Genitalverstümmelung bei Mädchen einzudämmen. Im Bereich Bildung unterstützt der Hagerhof inzwischen zwei Grundschulen im Partnerdorf und das ABN-Ausbildungszentrum für benachteiligte Jugendliche in der Hauptstadt Ouagadougou durch die Aus- und Fortbildung in Handwerksberufen. Alle drei Jahre entsendet der Hagerhof eine Schülerdelegation nach Burkina Faso, die gemeinsam mit den Menschen vor Ort berät, wie Entwicklung nachhaltig gestaltet und gesichert werden kann. Der nächste Entwicklungseinsatz ist für Januar 2016 geplant. Zum Abschluss des Eine Welt-Forums überreichte Entwicklungsminister Gerd Müller die Zukunftscharta mit dem Titel Eine Welt unsere Verantwortung an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die knapp 60 Seiten starke Charta gibt Empfehlungen für nachhaltiges Handeln in den verschiedensten Lebensbereichen wie Politik und Wirtschaft oder im Alltag jedes Einzelnen. Bundesweit konnten sich alle Interessierten an der Entstehung beteiligen und Ideen und Vorstellungen in die Diskussion einbringen. Für die Schülergruppe vom Hagerhof war die Nähe zu den Politikern eine besondere Erfahrung, denn nicht nur die Bundeskanzlerin unterstützt die Zukunftsinitiativen, auch weitere Kabinettsmitglieder sprachen sich für die Zukunftsziele der Charta aus: Umweltministerin Hendricks betonte die Verantwortung der Industrieländer beim Klimaschutz, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt setzte sich für nachhaltige Landwirtschaft ein und Arbeitsministerin Andrea Nahles forderte die deutschen Unternehmen auf, sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in aller Welt einzusetzen. In einer Videobotschaft betonte Bill Gates die Wichtigkeit der Weiterverfolgung und Erfüllung der Milleniums-Entwicklungsziele und forderte Deutschland auf, sich im kommenden Entwicklungsjahr 2015 nach Übernahme der G7-Präsidentschaft besonders dafür einzusetzen. Die AG Entwicklungspolitik hat sich vorgenommen, die Handlungsziele der Zukunftscharta am Hagerhof und in Bad Honnef bekannt zu machen. Weitere Infos unter

18 und auf der facebook-seite der AG Entwicklungspolitik. Quelle: HW Faßbender, Schloss Hagerhof in Honnef heute vom Carola Lentz erhält Herskovits Award für Publikation zur Landnahme in Nordghana und Burkina Faso Erstmals Auszeichnung einer deutschen Wissenschaftlerin mit dem international wichtigsten Buchpreis im Bereich der Afrikastudien Die Mainzer Ethnologin Univ.-Prof. Dr. Carola Lentz ist am vergangenen Wochenende für ihr im Jahr 2013 bei Indiana University Press veröffentlichtes Werk Land, Mobility, and Belonging in the West African Savanna mit dem Melville J. Herskovits Award 2014 ausgezeichnet worden. Der international wichtigste Buchpreis auf dem Feld der Afrikastudien ist nach dem Gründer der interdisziplinären African Studies in den USA benannt und wird seit 1965 jährlich von der African Studies Association (ASA) für die beste englischsprachige wissenschaftliche Monografie über Afrika verliehen. Die Laudatio des Auswahlkomitees lobt Lentz Buch als eine bis ins Feinste durchgearbeitete und wunderbar argumentierende Schilderung der vorkolonialen, kolonialen und nachkolonialen Landnahme in Nordghana und Burkina Faso. Für die bereits fünfzigste Verleihung des Preises in diesem Jahr waren mehr als 100 Publikationen eingereicht. Bücher von europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wurden bislang selten geehrt, und mit Carola Lentz erhält nun erstmals eine deutsche Wissenschaftlerin den Herskovits Award. Univ.-Prof. Dr. Carola Lentz ist seit dem Jahr 2002 Professorin am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), seit Juni 2014 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und derzeit Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV). Ihr jetzt von der ASA ausgezeichnetes Buch Land, Mobility, and Belonging in the West African Savanna beruht auf umfangreichen Feldforschungen seit Mitte der 1990er-Jahre, die Lentz zunächst im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Westafrikanische Savanne der Goethe-Universität Frankfurt und später seit ihrer Berufung nach Mainz dann von hier aus unternahm. Das Forschungsteam sammelte über 700 mündliche Zeugnisse über Siedlungsgeschichte, Eigentumsansprüche und bodenrechtliche Konflikte in mehr als 200 Dörfern von Dagaraund Sisala-Bauern. Lentz Buch analysiert, mit welchen Erzählungen und Ritualen expansive Dagara-Einwanderer neue Eigentumsansprüche legitimiert und wie sie sich mit den Sisala-Erstsiedlern auseinandergesetzt haben. Es zeichnet nach, wie Eigentumsrechte, in Erdschreinen symbolisiert, im Laufe der letzten 150 Jahre in unterschiedlichen politischen Kontexten übertragen wurden und welche Rolle dabei Gewalt und die spätere Unterdrückung von Gewalt durch die Kolonialherren spielten. Es untersucht, wie Erzählungen in einem Kontext, in dem schriftliche Verträge und Grundbücher fehlen Erwerbsgeschichten kodifizieren und Grundstücksgrenzen definieren. Und das Buch legt dar, wie zentral die umstrittene Frage nach dem Zustandekommen von originärem Eigentum an Land heute immer noch ist: Ein solches Ur -Eigentum kann nicht mehr erworben werden, aber es wird als unerlässliche Basis der vollgültigen Mitgliedschaft in Lokalgemeinschaften angesehen. Entsprechend bleiben Zuwanderer auch nach mehreren Generationen noch Fremde. Über den Herskovits-Preis freue ich mich außerordentlich, sagt die frisch gekürte Preisträgerin. Ich habe mit Unterbrechungen über fünfzehn Jahre an diesem großen Buchprojekt gearbeitet und mit der großen Fülle widerstreitender Siedlungsgeschichten gerungen. Ich wollte nicht nur einen Mikrofall beschreiben, sondern auch ein theoretisches Argument über den Fall hinaus entwickeln nämlich wie eine Eigentumsordnung in Abwesenheit eines dominanten Staats ausgehandelt werden konnte. Es ist sehr befriedigend, dass diese enorme Anstrengung nun auf so schöne Weise Anerkennung findet. Quelle: Petra Giegerich, Kommunikation und Presse an der Johannes GutenbergUniversität Mainz in idw Informationsdienst Wissenschaft vom

19 Über den eigenen Schatten springen Interview: Maik Novotny Der aus Burkina Faso stammende Architekt Diébédo Francis Kéré mit Büro in Berlin bekam den renommierten Schelling-Preis verliehen. Er kommt aus Burkina Faso und hat sein Büro in Berlin. Der Architekt Diébédo Francis Kéré bekam den renommierten Schelling-Preis verliehen. Ein Gespräch über das Vor-OrtSein und die Ästhetik des Lehmbaus. Der seit 1992 alle zwei Jahre vergebene Schelling-Preis für Architektur ist so etwas wie ein Ruhmindikator der Branche. Nicht wenige unter den Preisträgern der Karlsruher Stiftung wurden wenig später mit dem Pritzker-Preis gekrönt. Dabei folgt die Kandidatenauswahl nicht der reinen Prominenz, sondern einem Thema, in diesem Jahr "Indigenous ingenuity direkt vor Ort". Während der Lebenswerk-Preis für Architekturtheorie schon vorher feststand er ging an den Finnen Juhani Pallasmaa, wurden die drei Kandidaten für den Architekturpreis am 12. November live gekürt. Dabei wollten Anna Heringer aus Deutschland, Carla Juaçaba aus Brasilien und Diébédo Francis Kéré aus Berlin und Burkina Faso am liebsten gar nicht gegeneinander antreten. Man schätze sich gegenseitig zu sehr, versicherten sie. In der Tat sind alle drei im selben Feld unterwegs sie bauen abseits der ausgetretenen Pfade, vor Ort und kooperativ: Heringer fusioniert bei ihren Bauten in Bangladesch lokales Wissen mit Expertise von außen, Juaçabas Expo-Pavillon in Rio de Janeiro ist ein programmatisch offenes Gerüst, und Kéré gewann mit dem Schulbau in seinem Heimatdorf Gando bereits 2004 den Aga Khan Award. Als die Jury schließlich ihn kürte, kündigte er sofort an, das Preisgeld von Euro zu teilen. Warum das Wir wichtiger ist als das Ich, erzählte er dem STANDARD in Karlsruhe. STANDARD: Sie haben das Preisgeld prompt mit Ihren Mitkandidatinnen geteilt. Eine spontane oder geplante Entscheidung? Kéré: Ich habe schon vorher gesagt, dass ich den anderen den Preis gönne, also war das die logische Konsequenz. Es ist nicht nur so dahingesagt. So konsequent versuche ich auch zu leben. STANDARD: Gibt es außer der persönlichen Wertschätzung auch eine architektonische Ebene, die Sie verbindet? Kéré: Uns verbindet das Bemühen, in Regionen Infrastrukturen zu schaffen, wo Wissen noch gebraucht wird anders als in Europa, wo in jedem Bereich Überfluss herrscht. Man muss den Menschen schulen, man muss versuchen, dort etwas Dauerhaftes aufzubauen. foto: wilfried dechau Mehrfach preisgekrönter Architekt zwischen Nord und Süd: Francis Kéré. STANDARD: So wie die Schule in Ihrem Heimatort Gando Ihr erstes Projekt, noch vor dem Diplom in Deutschland? Kéré: Ja, das war ein großes Risiko, die Erwartungen waren hoch. Der Häuptling schickt seinen ältesten Sohn ins Ausland was bringt er mit? Wären meine Lehmwände nach dem ersten Regen weggeschwemmt worden, würden noch meine Enkel von diesem Scheitern

20 erzählt bekommen. Ich hatte großen Respekt: Nutze ich meiner Gemeinschaft oder schade ich ihr? Das Wichtigste bei meiner Arbeit war, den Mut zu haben, über meinen Schatten zu springen und der Dorfgemeinschaft zu sagen: Das schaffen wir. Diesen Mut vermisse ich im Westen oft. STANDARD: Wie haben Sie es geschafft, die Bevölkerung zu überzeugen? Kéré: Schulen gab es in meiner Heimat schon, aber die bestanden aus Mauern und einem Blechdach, sehr dunkel und stickig. Wenn Leute dort zu Geld kommen, wollen sie kein Lehmhaus, sondern eins aus Beton und Glas. Aber das funktioniert in diesem Klima nicht. Wir versuchen etwas aus diesem Arme-Leute-Material zu machen, indem wir eine konstruierbare Ästhetik einführen. Das heißt, wir mischen den Lehm mit Zement, wir bauen auskragende Dächer, die in der Hitze für Abluft sorgen und verhindern, dass der Regen den Lehm abwäscht. Bei einem anderen Projekt haben wir traditionelle Tontöpfe in Scheiben geschnitten und als Material verwendet. STANDARD: Müssen Sie dazu als Architekt vor Ort sein, oder können das die Bewohner allein? Kéré: Wir haben ein festes Kernteam aus Einheimischen, die das Wissen weitertragen. In Gesellschaften, in denen wenig schriftlich festgehalten wird, ist das kollektive Gedächtnis wichtig. Wenn jemand tot umfällt, können sechs andere die Idee rekonstruieren. Man muss das Wissen so breit wie möglich verteilen. Deswegen sind die Pläne einer meiner Schulen auch Open Source, jeder kann sie downloaden. STANDARD: Also das Gegenteil einer Architektur, die von einem einzelnen, genialen Architekten abhängt. Kéré: Das ist in Europa gang und gäbe, aber bei uns funktioniert das nicht. Wenn man aus einer Gemeinschaft heraus Wissen erlangt, will man das mit der Gemeinschaft teilen. STANDARD: Hierzulande wurden Sie bekannt als Architekt von Christoph Schlingensiefs Opernhaus-Vision in Burkina Faso. Wo steht das Projekt vier Jahre nach Schlingensiefs Tod? Kéré: Das Operndorf ist ein permanentes Projekt. Eine Schule mit 200 Schülern gibt es schon, einen Kindergarten, ein Atelierhaus. Der nächste Schritt ist das Opernhaus selbst. Natürlich ist es nicht leicht, an das Erbe von Schlingensief anzuknüpfen. Seine Energie war einzigartig. STANDARD: Sie haben ein Büro in Berlin und bauen in Mali und Mosambik, in Mannheim und Münster. Was können wir von Afrika lernen? Kéré: Zum Beispiel das Bewusstsein, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Das heißt nicht, dass jeder anfangen soll, Lehmhäuser zu bauen. Aber die Häuser können intelligenter werden. Man kann den Grad des Hightech in den Gebäuden reduzieren und mehr auf nachwachsende Ressourcen setzen. STANDARD: Lässt sich die Offenheit Ihrer Architektur auch auf unsere Breiten übertragen? Kéré: Hier im Westen sind wir stark von Verboten gesteuert, von Angst. Ich habe das Gefühl, dass den Bürgern vorgegeben wird: An diesem Ort darfst du dies und dort jenes nicht machen. Wir sollten unsere Städte so gestalten, dass die Menschen öffentliche Plätze für sich in Anspruch nehmen können. Nur zu feiern, wenn jemand das Kommando dazu gibt, ist zu wenig. Und die Politiker haben Angst vor der nächsten Wahl, sodass wir die großen Schritte nicht machen können. foto: schelling stiftung Einfach und vor Ort entwickelt: die Klinikstation in Schlingensiefs Operndorf Laongo, Burkina Faso, von Francis Kéré.

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