Artikel aus "Blickpunkt/KMU, 3/2006. Leasing. Finanzierungsalternative für Investitionsgüter

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1 Artikel aus "Blickpunkt/KMU, 3/2006 Leasing Finanzierungsalternative für Investitionsgüter Leasing ist als Finanzierungsalternative etabliert. Das Wachstum beim Investitionsgüterleasing betrug im Jahre 2005 über 20 Prozent. In Zeiten tiefer, aber steigender Zinsen, eines erheblich verbesserten Auftragseingangs und schneller technischer Innovation der Produktions- und Betriebsmittel muss Leasing bei anstehenden Finanzierungen unbedingt in Betracht bezogen werden. Autor: Dr. Markus Hess Seit 1958 wird in der Schweiz Autoleasing angeboten. Die Finanzierung von Produktionsund Betriebsmitteln über Leasing begann im Jahre 1964, das Immobilienleasing folgte im Jahre Seit über 40 Jahren gibt es also für Investitionsgüter wie Maschinen, Personenund Nutzfahrzeuge, Computeranlagen, Büro- und Ladeneinrichtungen, Flugzeuge, Schiffe, Rollmaterial usw. und seit bald 30 Jahren auch für Liegenschaften eine Finanzierungsalternative zum herkömmlichen Bankkredit. Lange hatte gerade das Autoleasing einen eher schillernden Ruf. Es gelang Konsumentenschutzorganisationen die Mär von einer Überschuldungsgefahr durch Autoleasing in die Welt zu setzen. Die Statistiken der Schuldenberatungsstellen über die Ursachen hoher Schulden bei den betreuten Familien zeigen indessen auf, dass Leasing weniger als Bussen zur jeweiligen schlechten finanziellen Situation beitragen. Das Autoleasing erfreut sich denn auch grosser Beliebtheit: Jeder zweite neu eingelöste Wagen in der Schweiz ist heute geleast. Das ist europäischer Rekord. Das Leasing von Investitionsgütern hat demgegenüber noch lange nicht die Bedeutung erlangt wie in umliegenden Ländern. Die sogenannte Leasingquote, das heisst der Anteil der Leasinggeschäfte an den gesamten Ausrüstungsinvestitionen beträgt lediglich ca. 12 %, etwa die Hälfte im Vergleich mit Deutschland. Immerhin zeigt sich derzeit eine klare Zunahme an Geschäften, einhergehend mit der besseren Konjunktur. L doc 18. Juli 2006

2 2 Was ist das Besondere am Leasing? Der Leasingnehmer wählt zuerst einmal den Lieferanten des Leasinggegenstandes aus. Sodann spezifiziert er die anzuschaffenden Produktions- oder Betriebsmittel, verhandelt Liefertermine und schlussendlich auch den Preis. Die Leasinggesellschaft verfügt mit anderen Worten nicht über ein Lager von diversen Maschinen, Computern etc., sondern kauft explizit das vom Leasingnehmer bei dem von ihm ausgewählten Lieferanten und von ihm spezifizierte und bestellte Leasingobjekt zu dem vom Leasingnehmer ausgehandelten Preis und stellt es diesem anschliessend zu Nutzung und Gebrauch zur Verfügung. Der Leasingnehmer bekommt also den Lieferanten, den er wünscht, das Produkt, das er braucht und dazu eine hundertprozentige Finanzierung für das Objekt. Der Leasingnehmer übernimmt sodann den ganzen Unterhalt und gegebenenfalls die Reparaturen des Leasinggegenstandes. Dies ist für ihn in der Regel erheblich günstiger, als diese Leistungen über die Leasinggesellschaft zu beziehen. Im monatlich zu zahlenden Leasingzins ist mit anderen Worten keine Entschädigung für Unterhalt eingerechnet. Am Ende der Leasingdauer gibt der Leasingnehmer den Leasinggegenstand der Leasinggesellschaft oder (in deren Auftrag) dem Lieferanten zurück. Meistens wird der Leasinggegenstand durch einen solchen einer neueren technischen Generation abgelöst. Die Leasingdauer entspricht ungefähr der technischen Nutzungsdauer des Leasinggegenstandes. Dies zeigt die Philosophie des Leasings klar auf: Der Nutzen an einem Gut ist wesentlich wichtiger als das Eigentum daran. Finanziert wird also genau genommen die Nutzung und nicht das Objekt. Dementsprechend wird der Leasinggegenstand regelmässig in der Bilanz des Leasinggebers aktiviert und nicht beim Leasingnehmer. Aus dieser Schilderung geht hervor, dass die Bilanz des Leasingnehmers insofern entlastet werden kann, als bei ihm die Leasinggegenstände nicht unter den Aktiven erscheinen. Er hat allerdings die Leasingverbindlichkeiten gemäss ausdrücklicher Vorschrift im Obligationenrecht "unter dem Strich" aufzuführen. Gerade bei grossen Investitionen, insbesondere auch bei Immobilien, die nur bedingt betriebsnotwendig sind, kann eine solche Entlastung der Bilanz sinnvoll und aus guten Gründen erwünscht sein. Zu beachten sind im konkreten Fall die geltenden Buchführungsvorschriften. Leasing ist kein Sanierungsmittel Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Leasing zum Zwecke der Sanierung eines Unternehmens eingesetzt werden kann. Das ist in dieser Allgemeinheit klar zu verneinen: Der Leasingnehmer verpflichtet sich, beim Investitionsgüterleasing auf eine feste Laufzeit zur

3 3 Zahlung eines monatlichen (seltener pro Quartal zu zahlenden) Leasingzinses. Diese feste Verbindlichkeit hat zwar den Vorteil, dass die Leasing-Kosten klar kalkulierbar sind; andererseits bedeutet sie aber auch eine fixe monatliche Belastung. Diese muss der Leasingnehmer aus dem laufenden Ertrag decken können. Es macht also keinen Sinn, bei angespannten Verhältnissen die Verbindlichkeiten mit Leasingverträgen zu erhöhen, ohne gleichzeitig für nachhaltigen Ertrag besorgt sein zu können. Eine besondere Spielart des Leasings ist das sogenannte "Sale-and-lease-back-Geschäft". Dabei ist der Leasingnehmer selbst der Lieferant des Leasinggegenstandes. Gerade bei Immobilien kommt es nicht selten vor, dass der Leasingnehmer eine ihm gehörende Liegenschaft der Leasinggesellschaft verkauft und sogleich von ihr zurückleast. Durch eine solche Transaktionen können gebundene Mittel flüssig gemacht werden. Entscheidend für den Erfolg wird nun aber sein, was mit diesen freien Mitteln geschieht: Wird geschickt in einen boomenden oder neuen, soliden Geschäftsbereich investiert, so kann eine solche Transaktion Sinn machen. Sollen damit aber Löcher gestopft werden, so ist die Ertragsseite sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Es muss sichergestellt sein, dass die aus dem Leasingvertrag resultierenden laufenden festen Verbindlichkeiten für den Leasingnehmer wirklich tragbar sind. Mit anderen Worten: Leasing eignet sich allein nicht für Sanierungen, auch nicht in Form eines Sale-and-lease-back- Geschäftes. Leasing kann aber durchaus Bestandteil eines ganzen ausgewogenen Sanierungspaketes sein, vorausgesetzt, die Erträge lassen mit hoher Wahrscheinlichkeit die pünktliche Bedienung der Leasingzinsen zu. Ideales Leasingumfeld heute Heute besteht ein geradezu ideales Leasingumfeld: Die Zinsen sind nach wie vor rekordverdächtig tief, in der Tendenz aber steigend. Wer heute eine Finanzierung sucht, sollte also möglichst ein Produkt wählen, welches ihm die Zinsen für die nächsten Jahre anbindet. Gerade dazu eignet sich Leasing besonders, weil die Leasingzinsen auf die gesamte Laufzeit fest vereinbart werden. Dies gilt bei grösseren Investitionsvolumen und längerer Vertragslaufzeit, beispielsweise bei Immobilien, nur für die Dauer der jeweils vom Leasingnehmer gewählten sogenannten Zinsperiode. Für diese Zeit kann sich die Leasinggesellschaft fristenkongruent refinanzieren. Der Leasingnehmer wird also je nach dem vermuteten künftigen Zinsverlauf die Länge der Zinsperiode wählen, bei steigenden Zinsen eine lange, bei sinkenden Zinsen eine kkurze Dauer. Dabei setzen die Kapitalmärkte Schranken. Meist sind aber Refinanzierungen von ein bis zehn Jahren scheinbar (derzeit noch) problemlos machbar.

4 4 Festzustellen ist auch, dass die technische Nutzungsdauer bei vielen Produktionsmitteln laufend und schnell sinkt. Immer wieder müssen nicht unerhebliche Mittel bereitgestellt werden, um im Markt bestehen zu können. Es stellt sich dabei immer die Frage, welche die optimale Finanzierung ist. Hunderprozentige Finanzierung über Leasing bietet nicht nur alle Möglichkeiten einer schnellen und umkomplizierten Regelung, sondern auch den Vorteil der Liquiditätsschonung. Es macht gerade in einer Expansionsphase keinen Sinn, die liquiden Mittel vorschnell zu blockieren. Die Dauer der Konjunkturzyklen und vor allem die Heftigkeit ihrer Ausschläge scheinen je länger je schwieriger vorhersehbar. Dies wiederum ist ein Grund, die Schonung der Liquidität in erhöhtem Masse zu einer Daueraufgabe des Unternehmens zu machen. Bei vielen Unternehmen besteht ein regelrechter Investitionsstau. Die Auftragslage verbessert sich sodann schneller, als noch vor kurzem noch geglaubt. Nach neuesten Meldungen sinkt auch die Arbeitslosenquote merklich. Damit fehlen allenthalben Betriebs- und Produktionsmittel. Will nun der kluge Kaufmann die Chancen des Marktes nutzen, vielleicht auch für eine Diversifizierung seines Angebotes, und will er dennoch keine angespannte Liquidität riskieren, so kann eine Leasingfinanzierung die ideale Lösung sein. Zu berücksichtigen ist (wie oben ausgeführt) dennoch immer, dass Leasing mindestens für eine mittlere Laufzeit eine feste Verbindlichkeit auslöst. Diese muss für den Leasingnehmer tragbar sein. Leasing hat sich als Finanzierungsalternative für Produktions- und Betriebsmittel etabliert. Laut der Statistik des Schweizerischen Leasingverbandes ist das Volumen der Leasingverträge über Investitionsgüter im Jahre 2005 gegenüber dem Vorjahr um über 20 % gestiegen (vgl. Details in den "Zahlen und Fakten" auf der Homepage des Schweizerischen Leasingverbandes unter Es ist dabei bemerkenswert, dass erst in der zweiten Jahreshälfte 2005 der konjunkturelle Aufschwung so richtig einsetzte. Das laufende Jahr lässt deshalb für die Leasingbranche hoffen. Erste Informationen scheinen den Optimismus der Leasinggesellschaften zu bestätigen. Dies ist gleichzeitig ein klares und sehr positives Signal für die Schweizer Wirtschaft. Denn ein Plus bei den Leasinggeschäften bedeutet in der Schweiz immer auch Wirtschaftswachstum. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Leasing muss immer als Alternative zu anderen Finanzierungsarten geprüft werden. Oft ist ein Mix aus verschiedenen Finanz- Produkten das richtige Rezept für das Unternehmen. Die Hausaufgaben sind situationsgerecht zu machen. Falsch ist aber sicher Eines: Leasing nicht als Alternative zu prüfen!

5 5 Zum Autor: Dr. Markus Hess (Tel.: , Rechtsanwalt, ist Geschäftsführer des Schweizerischen Leasingverbands, Zürich.

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