Jahresreport european center for financial services an der Universität Duisburg-Essen e.v.

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1 Jahresreport 2011 european center for financial services an der Universität Duisburg-Essen e.v. 1

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3 Inhalt Grußwort Banken-Symposium Überblick über die Veranstaltung Die Themen Die neue Bankenregulierung Problemgerecht und angemessen? Regulierungsunterschiede und internationaler Wettbewerb Bankenregulierung und Förderbanken Neue Regulierung Konsequenzen für die deutsche Sparkassenorganisation Die neuen regulatorischen Lasten und ihre Konsequenzen für das Firmenkundengeschäft Harmonisierung der Bankenregulierung in der EU Preview 16. Banken-Symposium 2012 ecfs-vertriebstag Überblick über die Veranstaltung Die Themen Banken und Vermittler an die Kette? Was ist notwendig für einen wirksamen Anlegerschutz? Das Beratungsprotokoll Konsequenzen für das Geschäftsmodell Qualitätsatlas Retailbanking 2010 Die Kundensicht zählt Bankers Meeting Neue Aufsichts- und Sicherungsarchitektur aus Sicht der Wissenschaft Lehre und Forschung Promotionen European Bankers Forum Duisburger National-Bank-Preis Bankers Barbecue Praxisworkshop Kreditgeschäft der Nationalbank Bankers Feuerzangenbowle Forum für ertragsorientiertes Bankmanagement Publikationen Team Anhang Mitgliederverzeichnis Kuratorium Vorstand / Rechnungsprüfer / Präsident / Direktoren des ecfs Impressum

4 Grußwort Liebe Freunde und Förderer des ecfs, es gehört zu unseren Zielen, durch vorangetriebene Forschungsarbeiten wissenschaftlichen Mehrwert für unsere Mitglieder, Förderer und die Gesellschaft zu schaffen. Die Veränderungen in der deutschen Bankenlandschaft aus der Perspektive von Forschung und Lehre leisten einen entscheidenden Beitrag für das erfolgreiche Handeln der einzelnen Institute in der Finanzwirtschaft. Insbesondere in Zeiten der Unsicherheit, charakterisiert durch neue nationale und internationale Regulierungsmaßnahmen, ist ein Wissensaustausch untereinander von Vorteil. Bis zur endgültigen Umsetzung der neuen Regulierungs- und Sicherungssysteme sind Informationsvorsprung und Wettbewerbsfähigkeit eng miteinander verknüpft. Vor diesem Hintergrund standen auch im Jahr 2011 zahlreiche Veranstaltungen und Tagungen an, welche aktuelle Fehlentwicklungen aufgriffen, Problemstellungen diskutierten und Innovationen kritisch begutachteten. Dies gelingt dem Forschungsinstitut ecfs nur durch die zahlreiche Unterstützung von Mitgliedern und Förderern, denen wir unsere Verbundenheit und unseren ausdrücklichen Dank aussprechen. Wir sind stolz über die erfolgreiche Zusammenarbeit, die auf beidseitigem Anklang beruht, und blicken optimistisch auf die kommenden Zukunftsprojekte. Das Banken-Symposium, das im September 2011 zum 15. Mal tagte, ist ein traditioneller Bestandteil der jährlichen Veranstaltungsreihe und wird seit vielen Jahren für das breite Spektrum seiner Expertise geschätzt. Mit dem Leitthema: Bankenregulierung und Sicherungssysteme Jetzt auf dem richtigen Weg? wurden die potentiellen Auswirkungen der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Institute durch fachspezifische Vorträge thematisiert, die durch rege Diskussion abgerundet wurden. Die Tradition fortführend, hoffen wir Ihnen, mit dem 16. Banken-Symposium im September 2012 und hochrangigen Persönlichkeiten, erneut eine Veranstaltung mit anregenden Vorträgen und belebenden Diskussionen zum aktuell brisanten Generalthema Profil und Profilabilität Geschäftsmodelle der Banken im Umbruch zu bieten. Beim Banker s Meeting der Deutschen Bundesbank stellte das ecfs vor dem Hintergrund der neuen Basel-III- Reform die neue Aufsichts- und Sicherungsarchitektur aus der Sicht der Wissenschaft vor und sorgte mit seiner Darstellung für anregenden Gesprächsbedarf unter den Prof. Dr. Bernd Teilnehmern. Rolfes Als weitere Veranstaltung widmete sich der ecfs- Vertriebstag der Sicherheit von Bankkunden. Hierzu Prof. Dr. Bernd Rolfes stellte im Mai der Rheinische Sparkassen- und Giroverband in Düsseldorf erneut seine Räumlichkeiten zur Verfügung, wo Mitglieder der Frage nachgehen konnten, wie Vertrieb und Verbraucherschutz am effektivsten integriert werden können. Die Themen Beratungsprotokoll und Anlegerschutz spielten hierbei eine zentrale Rolle. Auch in diesem Jahr wollen wir mit einem Funding-Tag die 4

5 Grußwort Diskussion um den aktuellen Kampf um die Einlagen und dessen Konsequenzen fortführen. Der diesjährige National-Bank-Preis wurde am 11. Mai 2011 zum 17. Mal verliehen. Herausragende Dissertationen von zwei Doktoranden sowie außerordentliche Abschlussarbeiten von sechs Diplom- bzw. Master- sowie erstmalig auch Bachelorabsolventen wurden mit einem dotierten Preisgeld von EUR an der zur Universität Duisburg-Essen gehörigen Mercator School of Management gewürdigt. Dank der Stiftung der National-Bank und dem Engagement vom Herrn Prof. Dr. Lange wird die Möglichkeit geboten wissenschaftlich exzellente Leistungen zu fördern und auszuzeichnen. Ein weiterer besonderer Dank gilt der WGZ BANK, durch deren Unterstützung wir das jährliche European Bankers Forum und das Bankers Barbecue veranstalten konnten. Desweiteren fand im November des Jahres zum zweiten Mal die Bankers Feuerzangenbowle statt. Diese Austauschmöglichkeit zwischen Studenten und Praxis wurde durch den Sponsor Ernst & Young gefördert, wofür wir uns herzlich bedanken wollen. Unsere Hochachtung gilt den Gremien, die durch ihren Prof. Dr. Rainer Elschen Einsatz zur Etablierung des ecfs als wichtiges Forschungsinstitut im Bank- und Finanzsektor beitragen. Allen voran danken wir unserem Präsidenten, Herrn Werner Böhnke, den Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Ralf Fleischer sowie Herrn Hans Pfeifer und dem langjährigen Schatzmeister, Herrn Claus-Robert Witte. Prof. Dr. Bernd Rolfes Prof. Dr. Rainer Elschen 5

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7 Banken-Symposium Banken-Symposium 7

8 Banken-Symposium Überblick über die Veranstaltung Mit Blick auf die jüngsten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, auf das öffentliche Stimmungsbild und auch auf ausgewählte Konjunkturindikatoren, zeichnet sich aktuell als Folge der Finanzkrise eine weltweite Rezession ab. Wir befinden uns gegenwärtig im fünften Jahr einer ausgedehnten Krise, die als Subprime-Krise in den USA ihren Anfang genommen und sich im Zeitverlauf zunächst zu einer handfesten Finanz- und Bankenkrise, dann zu einer ernsten Wirtschafts- und zuletzt zu einer tiefen Staaten- und Schuldenkrise entwickelt hat. In den letzten Wochen erreichen uns fast täglich neue Nachrichten und in Politik und Öffentlichkeit wird über Fehler und Verantwortung, selten aber über konkrete Lösungen diskutiert. Dabei weht den Banken seit längerem ein eisiger Wind ins Gesicht. Als erklärte Schuldige der globalen Schieflage sollen die Banken verstärkt staatlich reguliert und den Verantwortlichen, wie es gelegentlich heißt, ein Riegel vorgeschoben werden. Doch ist das der richtige Weg, um künftigen Krisen wirkungsvoll vorzubeugen? Die angestrebte Bankenregulierung und die neuen Sicherungssysteme sind Grund genug für die Bankwirtschaft, sich intensiv mit den Auswirkungen und vor allem mit der Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle zu befassen. Nicht wenige Banken stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Den Regulierungsanforderungen müssen sie angemessen begegnen, sich neu (er-)finden und für einen weiterhin intensiven Wettbewerb um Kapital und Kunden wappnen. Schon warnen Betroffene vor zu starken und undifferenzierten Eingriffen. Sind die entwickelten Regulierungskonzepte angemessen und zielführend, und befindet man sich mit den neuen Regulierungsmaßnahmen und Sicherungssystemen auf dem richtigen Weg? Bankenregulierung und Sicherungssysteme Jetzt auf dem richtigen Weg? lautete das Generalthema des 15. ecfs Bankensymposiums. Die durch die Krise veranlassten Regulierungsmaßnahmen gaben allemal Anlass für die Bankenbranche im Allgemeinen und einzelne Institute im Besonderen zu einer gründlichen Bestandsaufnahme, einer kritischen Analyse und einer Auseinandersetzung mit zukunftsfähigen Lösungen. Blick ins Auditorium 8

9 Banken-Symposium Die Themen Bankenregulierung und Sicherungssysteme Jetzt auf dem richtigen Weg? Die neue Bankenregulierung Problemgerecht und angemessen? Prof. Dr. Stephan Schüller, Direktor, european center for financial services, Sprecher der pers. haft. Gesellschafter, Bankhaus Lampe KG Regulierungsunterschiede und internationaler Wettbewerb Ralf Leiber, Leiter Konzernrisikocontrolling, Deutsche Bank AG Bankenregulierung und Förderbanken Dr. Ulrich Schröder, Vorsitzender des Vorstandes, KfW Bankengruppe Neue Regulierung Konsequenzen für die deutsche Sparkassenorganisation Dr. Rolf Gerlach, Präsident, Sparkassenverband Westfalen-Lippe Die neuen regulatorischen Lasten und ihre Konsequenzen für das Firmenkundengeschäft Hans-Theo Macke, Mitglied des Vorstandes, DZ BANK AG Harmonisierung der Bankenregulierung in der EU Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstandes, Bundesverband deutscher Banken 9

10 Banken-Symposium Die neue Bankenregulierung Problemgerecht und angemessen? Prof. Dr. Stephan Schüller, Direktor des ecfs, referiert in der Eingangsrede zum Bankensymposium 2011 zur Frage, ob die neuen Regelungsinitiativen für den Bankensektor problemgerecht und angemessen sind. Um diese Frage genauer zu erläutern, wurde zunächst eine historische Betrachtung vorgenommen, um den Hintergrund von Regulierung zu verdeutlichen. Begonnen hat die Finanzkrise in den USA als sogenannte Subprime Krise mit Hilfe spezifischer Ausgangsbedingungen und wurde durch bestimmte Treiber weiter befeuert. Dadurch haben sich die Geschäftsmodelle der Banken zunehmend verändert, so dass vor allem Finanzprofis deutlich von den Entwicklungen an den Finanzmärkten profitieren konnten. Verdeutlicht wurde dies an den Volumina der Devisengeschäfte zwischen den Jahren 1990 und 2010, welche um ein Vielfaches gestiegen sind. In der Krise spielte besonders das verantwortungslose Risikoverhalten vieler Finanzdienstleister eine große Rolle. So konnte sich die Finanzkrise von einer Immobilienkrise zu einer globalen Wirtschaftskrise entwickeln. Als wirtschaftliche Folge kam es zu rezessiven Entwicklungen in den großen Volkswirtschaften und zu zunehmenden Staatsverschuldungen durch zahlreiche Konjunkturpakete. Doch Dank massiver geld- und fiskalpolitischer Hilfspakete der Notenbanken als auch der Regierungen weltweit, konnte sich die Lage an den Finanzmärkten ab März 2009 entspannen. Die Verwerfungen während der Finanzkrise schürten jedoch Zweifel an der vorherrschenden Bankenregulierung, denn der Beinahe-Zusammenbruch vieler Finanzinstitute und damit des gesamten Bankensektors, konnte nach der Lehman- Insolvenz nur durch Staatshilfen verhindert werden. Als Konsequenz wurde vielfach eine Ausweitung der Bankenregulierung gefordert. Grundlegende Ziele der Bankenregulierung sind zum einen der Anlegerschutz und zum anderen der sogenannte Systemschutz des Bankensektors mit seiner Kredit- und Geldversorgungsfunktion. In diesem Zusammenhang entstand laut Herrn Schüller das Unwort Systemrelevanz, denn nur systemrelevante Institute gelten als too big to fail und unterliegen damit einer faktischen Staatsgarantie. Aus diesem Grund ist es für Banken vorteilhaft diese Systemrelevanz zu erreichen, da so das Verursachungsprinzip ausgehebelt werden kann. Die neuen Regulierungsinitiativen verfolgen üblicherweise drei zentrale Zielsetzungen. Zunächst soll die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors erhöht werden, was mit Hilfe von Basel III erreicht werden soll. In diesem Zusammenhang zeigte Herr Schüller auf, dass diesbezüglich noch einige Punkte zu klären sind. Unklar ist beispielsweise, ob Basel III nur für Europa oder auch für die USA oder ob alle Banken oder nur für große Institute gelten soll. Auch der Verbraucherschutz soll durch weitere Dokumentationspflichten verbessert werden. Doch betrachtet man hier einmal die Praxis, 10 Prof Dr. Stephan Schüller

11 Banken-Symposium so Herr Schüller, kommt es gerade von Seiten der Kunden zu Beschwerden über die Beratungsbögen. Als dritter Punkt wurde die Vermeidung von falschen Anreizsystemen genannt, wie z. B. das Restrukturierungsfondsgesetz. Doch auch hier gibt es noch offene Fragen zu klären, wie beispielsweise die Finanzierung dieses Fonds. Letztlich muss eine problemgerechte und angemessene Bankenregulierung einen zweistufigen Ansatz verfolgen. Dazu sollten die angemessenen Eigenkapitalanforderungen für alle Finanzinstitute gelten, um somit die Widerstandsfähigkeit der Banken zu erhöhen und für eine bessere Stabilität des Finanzsystems zu sorgen. Darüber hinaus muss die Aufsicht Rechte zur Restrukturierung von systemisch relevanten Finanzinstituten (SIFIs) erhalten und angemessene Haftungsmechanismen schaffen. Die Finanzierung eines Restrukturierungsfonds sollte ausschließlich von den SIFIs erfolgen. Nach Meinung von Herrn Schüller sind nicht alle diskutierten Maßnahmen geeignet, um die Stabilität der Finanzmärkte zu erhöhen. Zudem sind noch bei den zahlreichen bereits angestoßenen Maßnahmen wesentliche Aspekte offen, wie z.b. die Vergütungsregelungen, Verbriefungsprozesse und auch die Rolle von Ratingagenturen. Zum Schluss beantwortete Herr Schüller letztlich die Ausgangsfrage. Bei der aktuellen Krise handelt es sich um keine originäre Finanzkrise, sondern Prof. Dr. Stephan Schüller um eine Krise der Staatshaushalte. Somit lässt sich feststellen, dass die ausufernden Schulden vieler Industriestaaten der Auslöser der aktuellen Regulierungsdebatte sind und nicht die Geschäftsmodelle von Finanzinstituten. Folglich kann eine strengere Regulierung der Bankenbranche nicht die Probleme der überschuldeten Industriestaaten lösen. 11

12 Banken-Symposium Regulierungsunterschiede und internationaler Wettbewerb Ralf Leiber, Leiter Konzernrisikocontrolling der Deutschen Bank, beleuchtet die Unterschiede in der internationalen Bankenregulierung und zeigt die sich daraus ergebenen Konsequenzen für den internationalen Wettbewerb am Beispiel der Deutschen Bank auf. Heute, vier Jahre nach der Krise, drei Jahre nach der Lehmann Brothers-Pleite, kann man festhalten, dass nicht nur systemrelevante Banken, sondern auch viele kleinere Häuser von Staaten gerettet worden sind. Dabei stellt sich die Frage, wo die Rettungspflicht des Staates beginnt. Weiter festzuhalten ist, dass die letzten Jahrzehnte durch eine Politik der Liberalisierung und Deregulierung gekennzeichnet waren und es durch die Finanzkrise zu einem erheblichen Umbruch der deutlich verstärkten Regulierung kam, mit der Absicht bestimmte Marktsegmente focussiert zu behandeln. Viele dieser Maßnahmen sind notwendig und auch geeignet gewesen, um in vielerlei Hinsicht Verbesserungen herbeizuführen. Mit Basel I und Basel II wurden globale Rahmenwerke der Regulierung geschaffen, von denen Europa Basel II einheitlich umgesetzt hat, wobei die einzelnen Länder gewisse Wahlrechte bei der Umsetzung der Richtlinien haben. Die EU hat also bis auf wenige Wahlrechte das globale Rahmenwerk Basel II konsistent umgesetzt und auch die letzten Wahlrechte werden wohl noch Ralf Leiber weiter zurückgeführt oder auch ganz abgeschafft. In den USA hingegen wurde die Implementierung von Basel II bisher nicht durchgeführt, es gab jedoch klare Versprechen, die Richtlinien von Basel II zum Jahresende 2011 umzusetzen. Die Umsetzung wird jedoch anders erfolgen als in der EU. In den USA wird nur eine kleine Anzahl sehr großer Banken dem Regelwerk unterworfen, während alle übrigen Institute nicht an Basel II gebunden werden. In Asien gibt es zwischen den Ländern signifikante Regulierungsunterschiede, manche Länder haben Basel II vollständig, manche teilweise und wieder andere haben Basel II gar nicht umgesetzt. Vergleicht man nun die Geldhäuser in den Vereinigten Staaten mit denjenigen in der Europäischen Union bezüglich der durchschnittlichen Risikogewichtung, kann man feststellen, dass international aktive Banken der US-Staaten im Durchschnitt ein Risikogewicht von gut 50% haben. Vergleichbare europäische Banken hingegen haben nur ein durchschnittliches Risikogewicht von rund 30%. Das Problem liegt darin, dass 12

13 Banken-Symposium hohe durchschnittliche Risikogewichte mit höheren Risiken einhergehen. Regulatorische Risikogewichte wurden entworfen, um das Risiko unerwarteter Verluste zu minimieren, d.h. es wurden risikosensitive Ansätze gefordert, um die bei US-Banken signifikant höheren Ausfallraten, im Vergleich zu EU-Banken, zu minimieren. Eine konsistente und flächendeckende Umsetzung des Basel II-Ansatzes würde die Transparenz und Kompatibilität im Bankensektor, basierend auf risikosensitiven Ansätzen, erstrebenswerterweise erhöhen. Mit Basel III wurde ein globales Rahmenwerk geschaffen, welches sehr umfänglich und komplex ist. Damit dieses Regelwerk einheitlich und ganzheitlich umgesetzt werden kann, ist die Einhaltung der G-20-Selbstverpflichtung wesentlich - ohne den politischen Willen würde es das nicht geben. Realistischer Weise wird es Implementierungsunterschiede geben, jedoch sollte man diese Abweichungen weitestgehend minimieren. Die Auswirkungen der neuen Regularien sind, materiell auf Bankgeschäft und Wettbewerbskonsequenzen bezogen, unausweichlich. Bankenregulierung und Förderbanken Dr. Ulrich Schröder, Vorsitzender des Vorstandes der KfW Bankengruppe, thematisiert die Bankenregulierung und die Rolle der Förderbanken im Kontext der wirtschaftlichen Entwicklungen nach der Finanzkrise ab Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind drei sich wechselseitig beeinflussende und zum Teil kumulierende Krisenphänomene existent: Eine völlig ungelöste Staatsschuldenkrise, ein gewaltiges Bankenproblem und Diskussionen über eine mögliche Rezession. Diese drei Risikofelder sind die Grundlage für jegliche Regulierungsdiskussion. Die Chancen, eine Rezession zumindest bis 2012 zu vermeiden, stehen insbesondere wegen des Exports und hohen Wachstums von Entwicklungs- und Schwellenländern gut. Die Staatsschuldenkrise betrifft insbesondere den Euro-Bereich und ist das Ergebnis von Struktur- und Wegfehlern des Euros von Beginn an. Die Entscheidung der Art und Weise um den Euro zu halten, nämlich entweder die Beibehaltung einer sehr starken Autonomie in den einzelnen Ländern mit einem gefestigten Rahmenwerk oder des Anstrebens einer europäischen Fiskalunion, muss von der Politik schnellstens getroffen werden, um die Märkte zu beruhigen. Die Situation der Banken ist schwieriger als in Zwar gibt es inzwischen eine Reihe von Verbesserungen im Bankenbereich, wie insbesondere eine ergänzte Liquiditätsversorgung über die EZB, und ein deutlich verbessertes Risikomanagement. Dennoch bestehen aktuell drei gewachsene Problemfelder im Finanzsektor, die von Bank zu Bank differenziert betrachtet werden müssen: ein riesiges Reputations- sowie 13

14 Banken-Symposium Refinanzierungsproblem, bedingt durch das gesunkene Vertrauen in den Bankensektor, und eine Geschäftsmodellkrise. Von diesen Problemen sind die Förderbanken unberührt, weil sich die Struktur des Geschäftsmodells der Förderbanken in solchen Krisensituationen als besonders stabil und nachhaltig erwiesen hat. So hat die hohe Nachfrage nach Kfw-Mitteln die Förderbank in kurzer Zeit zur drittgrößten Bank in Deutschland, gemessen an der Bilanzsumme gemacht. Dank des sehr fokussierten Geschäftsmodells, das EU-rechtlich gesichert ist, und dank der stabilen Refinanzierungsbasis, die durch die Garantien der Bundesländer und im Falle der Kfw des Bundes gedeckt sind, hat die Kfw eine Fülle von Privilegien. Wie alle Förderbanken in Deutschland ist auch die Kfw von der Steuer und von der Bankenabgabe befreit. Sie besitzt, wie einige Förderbanken auch, das Privileg nicht ausschütten zu müssen. Ferner besitzt die Kfw auf der Passivseite ein Nullgewicht, sodass viele Banken Kfw- Anleihen kaufen, da diese mit null Eigenkapital unterlegt werden müssen. Schließlich unterliegt die Kfw gem. 2 KWG als einzige Förder-bank in Deutschland nicht der Dr. Ulrich Schröder Bankenregulierung. Allerdings ist die Kfw der Auffassung gewesen, dass diese komplette Ausnahme von der Regulierung problematisch ist. So ist bereits die Verabredung dahingehend getroffen worden, dass diese Unterwerfung der Kfw unter das KWG in ihre Satzung aufgenommen wird. Als Folge haben die KWG mit wenigen Ausnahmen für die Kfw Geltung. Beim derzeitigen Bankenregulierungsansatz gibt es eine ganze Reihe von zu lösenden Problemen. Zunächst besteht das Problem, dass verschiedenste, sich überschneidende regulatorische Anforderungen, die daraus resultieren, dass es verschiedene Regulierer gibt, existieren. Daneben sind Regulierung zu stark quantitativ und zu wenig qualitativ ausgerichtet, wodurch Ableitungen von verständlichen Handlungsimplikationen erschwert werden. Zudem werden auch bei der jetzigen Basel III-Diskussion erhebliche Teile der regulierungsbedürftigen Tatbestände nicht reguliert, wie insbesondere die Schattenbanken und der Gap zwischen den realwirtschaftlich zuordenbaren und nicht unmittelbar zuordenbaren Bankprodukte, wie z. B. die mit dem Hedging nicht in Beziehung stehenden Derivate. Die Kfw ist der Auffassung, dass notfalls auch im Regulierungsbereich vorangegangen werden muss, wenn andere nicht mitmachen. Dennoch muss bei der Forderung geblieben werden, dass alle Banken sich beteiligen sollten. 14

15 Banken-Symposium Vorausschauend auf die nächsten Jahre steht dem internationalen Bankenmarkt eine gewaltige Umstrukturierung bevor. Die Entwicklung der Banken ist vergleichbar mit der Entwicklung der Stahlindustrie in den 90er Jahren. Die Vergütungs- und Gehaltsmöglichkeiten in Banken werden sich deutlich verschlechtern, da die Rentabilität zurückgehen wird und die Kosten gesenkt werden müssen, sodass Banken als Arbeitgeber deutlich an Attraktivität verlieren werden. Die Banken werden aufgrund der regulatorischen Veränderungen weitgehend mit einem de-leveraging reagieren, d.h. die Bilanzsummen müssen signifikant reduziert werden. Bankenkäufe und Fusionen werden fast nicht mehr möglich sein. Die Risikoneigung von Banken wird dramatisch abnehmen. Im Endeffekt müssen die Kunden dann mehr für Bankprodukte zahlen. Die Bedeutung der Förderbanken wird eher steigen, als fallen, da die Bankenkrise über eine längere Zeit noch anhalten wird. Die Förderbanken werden striktere Eigenkapitalregeln haben. Innerhalb der Kfw wird derzeit jedoch darüber diskutiert, wie weiteres Wachstum vermeiden und die Wettbewerbsneutralität von Förderbanken strikt eingehalten werden kann. Trotz allem haben die Förderbanken eine sehr sichere und solide Basis für die Zukunft. Neue Regulierung Konsequenzen für die deutsche Sparkassenorganisation Dr. Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, berichtet über die Folgen der Finanzmarktkrise für die deutschen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Heute ist der Tag 1682 nach der Finanzmarktkrise. Scheinbar haben wir heutzutage einen relativ guten Überblick, welche Mechanismen diese Krise ausgelöst haben und wir wissen auch, wie wir zukünftige Krisen eindämmen können. Diese neu beschlossenen Regulierungen gelten als Antwort auf die Krise, jedoch treffen sie nur teilweise die Ursache und entsprechen nicht den Ideen und Vorstellungen, die die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer am 24. und 25. September 2009 in Pittsburgh entwickelt haben. Diese Regulierungsmaßnahmen treffen das klassische Bankgeschäft, die reale Wirtschaft und damit auch die Sparkassen in Deutschland. Jedoch gerade das Geschäftsmodell der Sparkassen sowie ihr Haftungssystem haben sich im Flächenbrand der Finanzmärkte als vergleichsweise feuerfest erwiesen. Folglich ist es laut Gerlach falsch, dass den Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken die gleichen Maßstäbe auferlegt werden wie Großbanken. Er betont, dass es Regelwerke geben muss, die die Kundschaft sowie die Sparkassen und Banken selbst schützen. Er kritisiert jedoch die bereits umgesetzten Maßnahmen, die nach seiner Auffassung weit über das Ziel hinaus schießen oder sogar am Ziel vorbeigehen. Diese verlangten Maßnahmen kosten Zeit und Mittel, 15

16 Banken-Symposium die dann an anderer Stelle fehlen, dies gilt besonders für die kleineren Sparkassen und Banken in Deutschland. Gute Regulierung soll wie eine Brandschutztür funktionieren, wenn es vorne einmal brennt, ist es hinten sicher. Hierbei stellt sich die Frage, ob diese Brandgefahr überhaupt bei allen Kreditinstituten zu gleichen Teilen gegeben ist und inwieweit kleine Sparkassen bzw. Banken davon überhaupt betroffen sind. Die fünf wichtigsten Brandschutztüren, die seit der Krise zur Eindämmung von Risiken beschlossen wurden, sind unter anderem Basel III, Solvency II, das Restrukturierungsgesetz, die Einlagensicherung und das Verbraucherschutzgesetz. Die erste Tür Basel III ist vor allem dazu gedacht, für einen größeren Puffer hinsichtlich des Eigenkapitals zu sorgen sowie ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen, in erster Linie bei börsennotierten Instituten. Hierbei wird aber nicht zwischen international vernetzten Großbanken auf der einen Seite und kleinen Sparkassen auf der anderen Seite, die ihr Geld vornehmlich mit risikoarmen Geschäften verdienen, unterschieden. Folglich verletzt Basel III den Grundsatz: gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regeln. Somit sollte das Augenmerk auf die Größe des Risikos gelegt werden und die Regulierungen dementsprechend angepasst werden. Weiterhin übt Gerlach Kritik an den zwei blinden Flecken, die Basel III außerdem enthält. Erstens würden die Risiken auf sogenannte Schattenbanken ausgelagert und zweitens würden die Folgen für die Sparkassen völlig außer Acht gelassen. Gerlach stellt nicht in Frage, dass die 428 Institute deutscher Sparkassen Ende 2019 die dann geltenden Eigenkapitalvorschriften erreichen werden. Allerdings erfordern diese neuen Vorschriften auch weitere Maßnahmen wie Gewinnthesaurierung, höhere Rücklagenbildung, geringere Ausschüttung an die Träger, höhere Kosten bei der Kreditvergabe, keine Bildung stiller Reserven nach 340f HGB mehr. Genau aus diesen Gründen fordern die deutschen Sparkassen eine nationale Anpassung bei Basel III. Durch die zweite Brandschutztür Solvency II werden die regulatorischen Spielregeln für europäische Versicherungen neu definiert. Hierbei fehlt ebenfalls eine Differenzierung, was zur Folge hat, dass kleine und mittlere Versicherer unter Druck geraten. Hierzu zählen auch deutsche Versicherer im Teileigentum oder Eigentum der Sparkassen. Zu der Bewertung der Eigenmittelanforderungen sollen zukünftig neue Verfahren eingesetzt werden, die auf Marktwerten basieren. Dadurch soll die tatsächliche Risikosituation der Versicherungsgesellschaften besser dargestellt werden. Dies hat zur Folge, dass die Eigenmittelunterlegung beträchtlich steigen wird und somit freie Mittel belegt werden würden. Im deutschen Markt ist hiervon vor allem das Lebensversicherungsgeschäft mit seinen langfristigen Zinsgarantien betroffen. Steigende Kapitalanforderungen, Kapitalkosten sowie Unwägbarkeiten in der Berechnungsmethodik sorgen für Unsicherheit. Es ist unklar, ob das deutsche Lebensversicherungsmodell auch in Zukunft so erhalten bleiben kann. Darüber hinaus verursacht die Wechselwirkung von Basel III und Solvency II einen Konflikt: Nach Basel III wird von den Banken mehr langfristiges Kapital gefordert, gleichzeitig schränkt die EU-Regulierung durch Solvency II den Handlungsspielraum der Versicherer als Investoren im Bankensektor nachhaltig ein. Kritik: Kein stimmiges Gesamtkonzept der Regulierer. 16

17 Banken-Symposium Während Basel III ein internationales, Solvency II ein europäisches Vorhaben ist, ist die dritte Brandschutztür, das Restrukturierungsgesetz, ein nationales Thema. Hier wird versucht die to-big-to-fail -Thematik zu neutralisieren, indem es Maßnahmen zur Sanierung, Reorganisation und Restrukturierung von Kreditinstituten möglich macht. Die Bundesregierung hat damit Instrumente des Insolvenzrechts sowie ein hoheitliches Verfahren zu Übertragung systemrelevanter Geschäftsbereiche von angeschlagenen Instituten auf eine Brückenbank eingeführt. Diese Schlussfolgerung aus der Finanzmarktkrise ist erst einmal konsequent, jedoch weiß man nicht, ob diese Anwendung im Krisenfall tatsächlich funktioniert. In Zukunft soll es einen Restrukturierungsfonds geben, der gleichzeitig vermischt werden kann mit dem Einlagensicherungsfonds. Dies würde für den Sektor der Sparkassen und Volksbanken bedeuten, dass wir unsere Fonds zur Institutssicherung auffüllen werden, nach EU-Recht aber aus unseren Töpfen das Geld wieder herausgenommen werden kann. Hiergegen würden die deutschen Sparkassen sich natürlich wehren, so Gerlach. Bereits heute zahlen die Kreditinstitute die Bankenabgabe, obwohl institutssichernde Systeme vorhanden sind und dadurch Dr. Rolf Gerlach niemand diesen Fonds in Anspruch nehmen wird. Laut Gerlach spricht sich die Sparkassengruppe für eine Finanztransaktionssteuer aus: Wir halten es als Sparkassenfamilie für das bessere Instrument als eine Bankenabgabe. Diese führt zu Mehreinnahmen, hat eine dämpfende Wirkung auf riskante Finanzprodukte, erfasst die Schattenbanken und greift die Kreditstruktur von Banken, die sich in der Realwirtschaft befinden, nicht an. Einer der letzten Punkte auf dem Weg zur neuen Regulierung ist die Einlagensicherung. Die Diskussion über die Einlagensicherung zeigt, das fachlich gut begründete Argumente der Kreditwirtschaft durchaus ernst genommen werden können und das man zu tragbaren Lösungen für alle kommen kann. Ein Vorschlag der EU-Kommission von Juli 2010 sieht vor, die Anlegerentschädigung europaweit auf EUR je Institut zu vereinheitlichen. Davon würden viele Sparer in Europa profitieren, weil sich dadurch Ihr Einlagenschutz vervielfältigen würde. Jedoch würde dieser zusätzliche Schutz für die Kunden der Sparkassen keinen weiteren Vorteil bedeuten, weil im Zuge des Institutssicherungssystem der volle Schutz bereits für unsere Kunden gegeben ist. Folglich hätte der Vorschlag der Kommission die Abschaffung der Institutssicherung zur Folge gehabt. Hier laufen aktuell die Diskussionen und eine schnelle Entscheidung ist wünschens- bzw. erstrebenswert. Bei der letzten Brandschutztür handelt es sich um das Verbraucherschutzgesetz. Hierbei handelt es sich leider nicht mehr um eine einzelne Brandschutztür, sondern um eine ganze Ansammlung von Türen und Klappen, die den Zugang zum Kunden immer mehr erschweren. Dies führt zu einer enormen Belastung des Vertrauensverhältnis zwischen 17

18 Banken-Symposium dem Kunden und den einzelnen Kreditinstituten. Gerlach fordert, dass der Gesetzgeber die Sparkassen von der Protokollpflicht entbinden sollte, wenn dies auf Kundenwunsch beruht. Somit hätte der einzelne Berater endlich wieder mehr Zeit, seine Kunden richtig zu betreuen und zu beraten. Abendveranstaltung im LVR Industriemuseum, Oberhausen Die neuen regulatorischen Lasten und ihre Konsequenzen für das Firmenkundengeschäft Hans-Theo Macke, Mitglied des Vorstands der DZ BANK AG, berichtet über die neuen regulatorischen Lasten und den daraus resultierenden Konsequenzen, insbesondere für das Firmenkundengeschäft. Mehr Puffer für die Krise : So lautet die Prämisse neuer Eigenkapitalregeln, die unter dem Stichwort Basel III zusammengefasst werden. Das internationale Abkommen soll die Finanzmarktstabilität fördern und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors in Stresssituationen verbessern. Im Zuge dieser Änderungen kommen auf die Banken eine Vielzahl neuer Regulierungen zu: Verschärfung der Kapitalanforderungen durch 18

19 Banken-Symposium Erhöhung der geforderten Quoten, Verbesserung der Qualität des Kapitals und Einführung von Kennziffern zur Sicherung der kurz- und langfristigen Liquidität stellen geplante Maßnahmen von Basel III dar. Nach Schätzungen des Bundesverbands deutscher Banken wird infolgedessen ein zusätzlicher Kapitalbedarf bei den zehn größten Banken in Deutschland in Höhe von über 100 Milliarden Euro erwartet. Um den erhöhten Eigenkapitalbedarf zu decken, müssen die Banken entweder Gewinne thesaurieren oder Kapitalerhöhungen durchführen. Beides ist gleichermaßen mit zusätzlichen Kosten bzw. Opportunitätskosten verbunden. Die Kostensteigerung durch die erhöhte Eigenkapitalunterlegung und die verteuerte Refinanzierung dürften im Firmenkundenkreditgeschäft zu einem Preiseffekt führen. Die neuen Kapitalanforderungen führen beispielsweise bei einem durchschnittlichen Mittelstandskredit über zehn Millionen Euro mit einer Risikogewichtung von 100 Prozent zu einer höheren Kapitalunterlegung von 250 Prozent beim harten Kernkapital, von 112,5 Prozent beim Kernkapital und von 31,25 Prozent beim Gesamtkapital. Inwieweit die Banken ihre höheren Kosten vollständig an ihre Kunden Hans-Theo Macke weitergeben können, hängt einerseits von der Bonität des Kreditnehmers und andererseits vom umfangreichen Wettbewerb unter den Banken ab. Aufgrund des intensiv umkämpften Bankenmarktes in Deutschland sind die Margen im Kreditgeschäft relativ gering. Im Vergleich mit den achtziger Jahren hat sich der Zinsüberschuss halbiert und stagniert seit der Jahrtausendwende auf einem niedrigen Niveau. Gemäß der Deutschen Bundesbank lag die Zinsspanne aller Bankengruppen bei 1,18 Prozent (2004), 1,09 Prozent (2008) und in den letzten Jahren bei 1,14 Prozent. Neben dem Preiseffekt werden die limitierenden Liquiditäts- und Eigenkapitalanforderungen für die Kreditvergabe zusätzlich einen Volumeneffekt erzeugen. Dementsprechend ist in den kommenden Jahren der Rückgang des Kreditangebots gleichwohl um einige Prozentpunkte zu erwarten. Dies erscheint gesamtwirtschaftlich verkraftbar, zudem lag das Neugeschäft der einzelnen Bankengruppen trotz guter Konjunktur im Jahr 2011 teilweise deutlich unter dem Niveau vor Beginn der Finanzkrise. Während insbesondere die Kreditgenossenschaften (plus 4,6 Prozent), aber auch Sparkassen (plus 2,6 Prozent), seit 2006 jährliche Zuwachsraten im Firmenkundenkreditgeschäft erzielt haben, verzeichneten die Landesbanken (minus 3,1 Prozent) und vor allem die Großbanken (minus 6,9 Prozent) Bestandsrückgänge. Darüber hinaus kann die Limitierung auch zu einer selektiveren Kreditvergabe der Banken führen, bei der die Bonität der Unternehmen in den Mittelpunkt rückt. Vor dem Hintergrund des potentiellen Liquiditätsengpasses dürften die Banken tendenziell die Laufzeit der künftigen Kredite verkürzen. 19

20 Banken-Symposium Der Wettbewerb um die guten und risikofreien Unternehmen wird sich gleichwohl verschärfen. Schlechter bewertete Unternehmen werden mit einer spürbaren Erhöhung der Kreditkonditionen rechnen müssen. Die Differenzierung der Kundenkonditionen bei den Krediten wird zunehmen. Unternehmen mit einem Kapitalmarktzugang und guter Bonität können neben der Kreditfinanzierung auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten zurückgreifen. Während Unternehmen beispielsweise in der Finanzmarktkrise verstärkt Schuldscheindarlehen vergeben haben (in 2008 rund 20 Milliarden Euro) hat sich dieser Wert wieder auf rund fünf Milliarden Euro in 2010 normalisiert. Alternativ dazu bietet sich auch - bei entsprechender Höhe des Kapitalbedarfs - die Emission von Unternehmensanleihen an. Dieses Segment ist für Unternehmen geeignet, die einen höheren Zinssatz für die Mittelaufnahmen zahlen können. Zusätzlich wird den Privatanlegern auf dem Kapitalmarkt ein Erwerb von Unternehmensanleihen in kleinerer Anzahl ermöglicht. Die Auswirkungen der Regularien werden sich letztlich nicht nur auf das Firmenkundengeschäft begrenzen, sondern sich auf alle Geschäftsfelder der Bank beziehen. Der eintretende Preis- und Volumeneffekt wird die Bonität der Unternehmen in den Mittelpunkt stellen und negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben, wobei eine richtige Kreditklemme nicht zu erwarten ist. Zusätzlich haben Volks- und Raiffeisenbanken in allen Konjunkturzyklen den Mittelstand finanziert und damit gezeigt, dass sie Unternehmen auch in schwierigen Zeiten unterstützen. Unabhängig von möglichen Nachbesserungen wird sich die DZ Bank intensiv um dieses wichtige strategische Geschäftsfeld kümmern, um den Mittelstand gleichwohl weiterhin zu unterstützen. Harmonisierung der Bankenregulierung in der EU Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbands deutscher Banken, thematisierte die Vereinheitlichung der Bankenregulierung innerhalb Europas. Die Finanzkrise ab 2007 hatte erhebliche Schwächen des Finanzsystems unter der bisherigen Aufsicht offengelegt. Dazu gehörten die Schwerfälligkeit von Kooperationsund Informationsflüssen, Aufsichtslücken bei der Makroaufsicht sowie national geprägte Aufsichtsstrukturen. Diese machten eine Reform der europäischen Bankenaufsicht notwendig. Infolge wurde 2009 ein neues, supranationales EU-Finanzaufsichtssystem, das European System of Financial Supervision (ESFS), beschlossen. Die Reform dazu wurde im Jahre 2010 verabschiedet und ist mit der Arbeitsaufnahme der neu geschaffenen EU-Behörden im Januar 2011 in Kraft getreten. Das ESFS lässt sich in eine neugeschaffene Makroaufsicht, bestehend aus dem European Systemic Risk Board (ESRB), und in eine ebenfalls neugeschaffene Mikroaufsicht unterteilen. Letztere besteht aus der European Banking Authority (EBA), der European Securities and Markets Authority (ESMA), der European Insurance and 20

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