Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt

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1 Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt Frauenhäuser, Platzverweise, sowie Gewaltschutzgesetz sind Meilensteine im Schutz vor häuslicher Gewalt. Der Verein Frauen und Kinder in Not bietet seit der Gründung vor mehr als 25 Jahren spezifische Hilfen an. Ziel ist es, Frauen und Kinder dabei zu unterstützen ihren Weg aus der Gewaltspirale zu finden und sich eine neue Perspektive aufzubauen. Das Ravensburger Frauen- und Kinderschutzhaus nahm in dieser Zeit ungefähr 850 Frauen und ca Kinder und Jugendliche auf. Alle waren Zeugen oder Opfer häuslicher Gewalt und suchten in akuter Krisensituation in unserem Haus Schutz, Unterkunft und Beratung. In diesem geschützten Rahmen wurden häufig zum ersten Mal die erfahrenen, stark belastenden Gewalterlebnisse in der Familie von den Kindern auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht. Was Kinder erleben... Viele Kinder leiden unter Gewalt in der Familie. Unter Gewalthandlungen, die gegen ihre Mütter und gegen sie selbst gerichtet sind. Bei Verletzungen oder Bedrohungen sind sie extremen Stresssituationen ausgesetzt. Als direkte Opfer oder Zeugen sind sie verletzt, belastet und verängstigt. Sie fühlen sich oft einsam, hilflos und anders als ihre gleichaltrigen Freunde. Sie schämen sich, für das, was zu Hause geschieht. Dieses Gefühl erschwert ihnen die Suche nach Hilfe, die sie brauchen.

2 Oft geben sie sich selbst die Schuld für die Gewalt. Manchmal werden sie auch zu Sündenböcken gemacht und übernehmen Verantwortung, damit die Gewalt gelindert wird. Oder sie glauben, dass sie verantwortlich sind, weil sie die Gewalt nicht stoppen können. Kindern fällt es nicht leicht, ihr zu Hause zu verlassen und in einem Frauenhaus zu leben. Neben der Erleichterung, die sie spüren, haben sie Angst und fühlen sich fremd. Sie verlieren Freunde, Familie, vermissen Tiere, ihre Spielsachen. Möglicherweise müssen sie eine andere Schule besuchen, wo keiner versteht, was sie durchgemacht haben. Sie sind mit einem permanenten Strom von Fremdem konfrontiert.

3 Andererseits hilft die teilnehmende Unterstützung im Frauen- und Kinderschutzhaus den Kindern, den Umzug als Chance zu erfahren: Man hört ihnen zu, sie sind wichtig! Sie können sich entspannen, sind der Gewalt entkommen, fühlen sich sicherer, gewinnen wieder Vertrauen und spüren Hoffnung für die Zukunft. Sie profitieren vermutlich auch davon, dass sie mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben sprechen und spielen können. Gregor (14 J) zeichnet, was er bei uns vermisst und was er gewonnen hat

4 In Gruppen- und Einzelangeboten wird den Kindern ermöglicht, ihre Gefühle in Bezug auf häusliche Gewalt wahrzunehmen und auszudrücken. Es werden Strategien eingeübt, um sich angemessen zu verhalten und zu schützen. Den Kindern werden Freiräume angeboten, für ihre eigene, altersangemessene Entwicklung, die letztlich alle dazu dienen, das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken. Mädchen und Jungen im Frauen- und Kinderschutzhaus befinden sich in der Regel in einer Situation, die in mehrfacher Hinsicht extreme Problematiken aufweist. Sie waren oft über Jahre hinweg verschiedensten Belastungssituationen ausgesetzt: physische /psychische Gewalt in unterschiedlichsten Ausprägungen sexuelle Übergriffe, sexueller Missbrauch Suchtproblematiken, Essstörungen, Alkoholismus Krankheiten, Suizidgefährdungen Elterliche Trennungsversuche ständige Bedrohungssituationen Schulische Probleme, Lern- und Leistungsstörungen (drohende) Arbeitslosigkeit, Armut häufige Wohnort- und Schulwechsel, Bruch des sozialen Umfeldes Die Kinder sind als Folge sehr beeinträchtigt in ihrer Selbst- und Sozialwahrnehmung. Hemmungen, Ängste und Misstrauen, Kontaktstörungen und distanzlose Verhaltensweisen fallen ebenso auf wie Spielunlust, Antriebsschwäche und aggressive Verhaltensweisen.

5 Defizite in der kognitiven Entwicklung sind zu beobachten und die daraus resultierende Beeinträchtigung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit hat nachhaltige Auswirkungen für den Schulerfolg. Darüber hinaus bringen die Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl von psychosomatischen Erlebnisreaktionen mit: Kopf-, Bauch- und Magenschmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen, Bettnässen, um einige zu nennen. Häusliche Gewalt schadet immer der gesunden Entwicklung von Kindern. Die betroffenen Mädchen und Jungen bedürfen fachlich qualifizierter Hilfen, unter Umständen über Jahre hinweg. Töchter und Söhne haben unterschiedliche Ressourcen und Strategien im Umgang mit Gewalterfahrungen. Deshalb kann es kein Einheits- oder Musterangebot für sie geben. Es muss ein passendes Hilfsangebot individuell erarbeitet werden. Die Angebote im Ravensburger FKSH Weitere Hinweise zum Thema (mehrsprachige Informationen für Betroffene, unterstützende Personen und Interessierte) (Online-Beratungen von Caritas + Diakonie für Kinder und Jugendliche) Deutsches Jugendinstitut (DJI) Publikationen zu Kindesmisshandlung, Gewalt gegen Kinder, häusliche Gewalt (Handbuch KWG nach 1666 BGB...) umfangreiche kindgerechte Informationsmaterialien zu häuslicher Gewalt, zahlreiche Informationsmaterialien, Stellungnahmen und Dokumentationen zum Thema häusliche Gewalt (Pfad: Startseite > Projekte) (Pfad: Startseite > Themen)

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