Die Entzifferung der Hieroglyphen - Jean Francois Champollion

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1 Manuskript radiowissen Die Entzifferung der Hieroglyphen - Jean Francois Champollion AUTORIN: Astrid Mayerle REDAKTION: Thomas Morawetz Im Wasserbad / Ein feines Gewebe / Etwas darin eingewickelt... / Ein Gegenstand 4 Inch zu 2 / Er stammt eindeutig von einem Lebewesen. / Jean-Francois Champollion hat eine so genannte Kanopenvase, geöffnet und kocht deren Inhalt aus. Er will herausfinden, was die Ägypter hier konserviert und verschlossen haben. In kurzen, stichpunktartigen Sätzen hält er fest, was er sehen und riechen kann. Faseriges Gewebe / Im Schein der Lampe: Geruch von Lebendigem. / Er haftet an dem von etwas Lebendigem stammenden Gegenstand / Und steigt warm vom Balsam hoch, sinkt ab zu der schwarzen Kohle / die man auf dem Boden des Gefäßes findet / der Gegenstand ist durchtränkt und überdeckt mit einer dicken Balsamschicht / Einfach in ein Tuch gewickelt / Zwei kleine Splitter von seegrünem / Ägyptischem Porzellan / Es ist von der Leber, dem Großhirn oder dem Kleinhirn. Die Szene erzählt von einer hervorstechenden Charaktereigenschaft des französischen Forschers: Zeit seines Lebens ging er den Dingen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund. Mit seiner Vermutung über den Inhalt der geöffneten Kanope lag er übrigens richtig, denn tatsächlich enthielt das Gefäß eine Leber. 1812, im Alter von gerade einmal 22 Jahren war Jean-Francois Champollion bereits Professor für Alte Geschichte in Grenoble und stellvertretender Leiter der dortigen Bibliothek, zu der ein kleines Museum mit ägyptischen Mumien und Kanopen gehörte. Diese nahm sich Champollion der Reihe nach vor. Sein Interesse für die altägyptische und ihr verwandte Kulturen hatte er bereits als Schüler entdeckt. Als 13-Jähriger hatte er angefangen, mehrere altorientalische Sprachen zu lernen, und als Student in Paris hatte er sich auch Arabisch, Koptisch und Persisch beigebracht. Sylvia Schoske, Leiterin des Ägyptischen Museums in München. 1 Oton Schoske Seine Eltern haben ihn machen lassen oder waren so wenig an ihm interessiert, dass sie auch nichts dagegen gehabt haben, dass er nicht unbedingt einen Beruf zum Broterwerb erwählt hat, sondern dass er sich da seiner Leidenschaft widmen durfte. Allerdings: Bücher waren im Hause Champollion zur Genüge vorhanden, denn der Vater betrieb in der südfranzösischen Kleinstadt Figeac einen Buchladen. Wesentlich unterstützte Jean-Francois von Anfang an sein 13 Jahre älterer Bruder Jacques-Joseph: Er besorgte ihm einen Privatlehrer, der wohl - heute würde man es mit Methoden der Waldorfschule vergleichen - Champollion vor allem auf Spaziergängen in der Natur unterrichtete und seinen Schüler weitgehend selbst

2 2 entscheiden ließ, was auf den Stundenplan kam. Bereits mit 17 hielt Champollion einen Vortrag über die Verwandtschaft zwischen dem Koptischen und den Hieroglyphen, und schließlich arbeitete er als junger Professor in Grenoble besessen an der Entzifferung dieser altägyptischen Schrift. Besessen, der erste zu sein, der wesentliche Erkenntnisse an die Öffentlichkeit brachte und getrieben von der Angst, ein Konkurrent könnte ihm zuvorkommen. 2 Oton Schoske Dieser Fanatismus zeigt sich schon in seinem Werdegang: dass er alles getan hat, von dem er glaubte, es könnte ihn zur Entzifferung der Hieroglyphen bringen, aber dass er andere Dinge außen vor gelassen hat. Sein Familienleben war sicherlich nicht sehr ausgeprägt. Es ist ihm relativ egal gewesen. Seine einzige langjährige soziale Bindung war sein älterer Bruder, der ihn auch gefördert hat, der letztendlich einen Teil seiner Arbeiten nach dem Tod auch herausgegeben hat. Heute würde man so jemanden zumindest mit dem Begriff Workaholic belegen oder sogar als Nerd oder was Ähnliches bezeichnen. Er war unglaublich konsequent, aber natürlich auch mit gewissen Scheuklappen versehen. Was dazu führte, dass er auch immer wieder klaren Irrtümern unterlag wie zum Beispiel, die Etrusker wären die Vorfahren der Ägypter, und das Etruskische mit jener Sprache verwandt, die es zu entschlüsseln galt. Außerdem hielt er zunächst an der weit verbreiteten Fehlannahme fest, Hieroglyphen seien reine Bildzeichen, also repräsentierten den dargestellten Gegenstand oder deuteten symbolisch auf eine mit ihm verbundene Eigenschaft. Es war üblich, etwa eine Schlange als Ausdruck von Falschheit zu interpretieren. Grundlage von Champollions Forschungen war eine Kopie des so genannten Steins von Rosette, eine Platte aus granitähnlichem Gestein. Sie wurde 1799 bei Napoleons Ägyptenexpedition gefunden und enthält einen Text in drei verschiedenen Schriften, ganz oben Hieroglyphen, darunter Demotisch und zuunterst Griechisch. Wobei die Hieroglyphen und das Demotische dieselbe Sprache repräsentieren und nur zwei verschiedene Schriftarten der Sprache der Ägypter wiedergeben. Heute befindet sich der Stein im British Museum in London. Dorthin gelangte er, weil die Engländer ihn den Franzosen abgenommen hatten - als Kriegstrophäe nach Napoleons verlorenem Feldzug in Ägypten. War den Findern des Steins seine Bedeutung bereits bewusst? Die Antwort steht in der 1818 veröffentlichten Schrift des Münchner Universalwissenschaftlers und Archäologen Friedrich von Schlichtegroll: Ueber die bey Rosette in Aegypten gefundene dreyfache Inschrift. Die Gelehrten, die der französischen Armee nach Ägypten gefolgt waren, hatten sogleich, als der Stein bey Rosette gefunden worden, die Wichtigkeit desselben erkannt. Sofort wurden zwei Kopien der Inschriften angefertigt, nach Frankreich gebracht und dort einem Griechisch-Experten übergeben. Schlichtegroll selbst hat übrigens wenig später als erster Direktor der Bayerischen Akademie der Wissenschaften nach dem neuesten Verfahren, der Lithografie, möglichst viele Kopien in Umlauf bringen lassen, damit umso mehr Wissenschaftler sich mit der Übersetzung beschäftigen konnten: 3 Oton Schoske Es gab vorher nur Kupferstichabbildungen. Das entscheidende dieser neuen Technik war, sie kostete nur einen Bruchteil. Er hat hier in München, ganz auf dem Stande der neuesten Technik nach einem Kupferstich, den er aus England bekommen hatte, die erste Lithografie des Steins von Rosette anfertigen lassen und zwar in der ganz

3 3 konkreten Absicht, die Entzifferung der Hieroglyphen voranzutreiben, weil mit dieser verbilligten Version mehr Wissenschaftler die notwendigen Arbeitsmittel in die Hand bekommen konnten. Die ersten Sprachforscher konnten den Inhalt der drei Texte des Steins bereits erschließen, denn der griechische Teil war einfach zu übersetzen. Der Text beinhaltete ein Priesterdekret aus dem Jahr 196 v.chr. zu Ehren Ptolemaios V., also eine Verordnung für die Vorsteher der Kultstätten: In den ersten fünf Tagen des ersten Achet-Monats sollen in allen Tempeln ein Fest und eine Prozession für Ptolemaios V. stattfinden, bei denen Kränze getragen und Brandund Trankopfer verrichtet werden. Die Priester in den einzelnen Tempeln Ägyptens soll man von nun an Priester des glänzenden gütigen Gottes nennen, und man soll diesen Namen in alle Urkunden schreiben sowie auf ihre Ringe eingravieren lassen. Der Stein von Rosette ist nur als Fragment erhalten und gehört zusammen mit dem - allerdings nur zweisprachigen - sogenannten Kanopus Dekret zu den einzigen Fundstücken dieser Art überhaupt. Das verwundert, denn wie Sylvia Schoske vermutet, waren Dutzende, vielleicht sogar hunderte solcher Stelen im Ptolemäerreich auf öffentlichen Plätzen vor den Heiligtümern aufgestellt. 4 Oton Schoske Es gibt das so genannte Kanopus Dekret, Kanopus auch eine Stadt im Delta, wo das aufgestellt gewesen ist. Der Stein von Rosette ist 196 vor Christus und das Kanopus- Dekret 238 vor Christus. Und das Interessante - da geht es auch um Zahlungen und Privilegien von Priestern - da wird ausdrücklich erwähnt, dass solche Texte in diesen drei Schriften aufgestellt werden sollen. Daraus können wir schließen, dass es in dieser Ptolemäerzeit wie heute in der Schweiz durchaus üblich gewesen ist, solche Mehrschriftensteine zu verfassen als Gesetzesgrundlage und um allen Bevölkerungsgruppierungen gerecht zu werden. Im Falle des Steins von Rosette war der griechische Text für die griechischen Besatzer gedacht, das Demotische, die Alltagsschrift der Einheimischen, für die ägyptisch sprechenden Beamten und Hieroglyphen als Heilige Schrift für die Tempelpriester. Dass der Text einige Eigennamen wie etwa Ptolemaios enthielt, die im Griechischen bekannt waren, animierte die ersten Übersetzer, übrigens auch Champollions stärksten Konkurrenten, den Engländer Thomas Young, von dort aus die entsprechenden Zeichen in den Hieroglyphen zu suchen - also mit der Entzifferung der Eigenenamen wie Ptolemaios zu beginnen. Champollion brachte jedoch zunächst einmal Ordnung in das unübersichtliche Dickicht der unterschiedlichen Schriften der Ägypter: Eine von ihnen - die demotische - diente dem allgemeinen Gebrauch und wurde im Handel verwendet, die zweite, die hieratische diente dazu, liturgische Sachverhalte zu beschreiben...und wurde nur von der gebildeten Klasse des Volkes verstanden, zusammen mit der hieroglyphischen Schrift, die streng genommen nur eine monumentale, das heißt eine Denkmals und Grabmals- Schrift war. 5 Oton Schoske Das Wissen um die altägyptische Sprache und Schrift ist in der Spätantike verloren gegangen, und in dieser Zeit entstanden die ersten Schriften, die ersten Publikationen, die das Altägyptische mythisch-phantastisch angegangen sind. Man glaubte, dass die

4 4 Hieroglyphen zu interpretieren wären, dass sie Deutzeichen wären, dass sie Bildzeichen wären, und nehmen wir die entscheidenden Hinweise in die richtige Richtung mal zusammen, dann ist das Entscheidende von Champollion gewesen, dass er erkannt hat, die Hieroglyphen sind Schriftzeichen, die gelesen, nicht interpretiert werden müssen. Allerdings: bereits 1801 hatte Abbé Gattel, Champollions ehemaliger Grammatiklehrer und einer der angesehensten Wissenschaftler Grenobles in einem öffentlichen Vortrag einen entscheidenden Hinweis geliefert: Er vermutete, dass die Hieroglyphen neben reinen Bildzeichen, die konkrete Gegenstände repräsentierten, auch Lautzeichen enthielten - also unserem Alphabet vergleichbare Elemente. Dieselbe Idee hatte der englische Universalgelehrte Thomas Young. Er publizierte 1819 in dem Universallexikon Encyclopaedia Britannica seine Methode und mit ihr 80 richtige übersetzte Wörter. Allerdings enthielt der Eintrag auch einige Irrtümer und Fehlinterpretationen, über die sich Champollion lustig machte. Besessen arbeitete er an seinem Entzifferungsschlüssel: Dabei verglich Champollion die Schriften des Steins von Rosette mit anderen Objekten, wie verschiedene Papyri und mit einem Obelisken, der ebenfalls griechische Schriftzeichen und Hieroglyphen trug. Ihm gelang es, eine erste systematische Übersicht über das Hieroglyphenalphabet zu erstellen, die er im September 1822 schließlich in einem Brief an die französische Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften schickte. Dieser Brief gilt als Meilenstein in der Ägyptologie und ist bekannt als Lettre a Monsieur Dacier. Champollion kam in den folgenden Jahren zu weiteren entscheidenden Erkenntnissen, die seinen Konkurrenten, darunter einem Dänen, einem Franzosen und dem Briten Thomas Young entgangen waren und die er 1824 veröffentlichte: Die Hieroglyphenschrift ist ein komplexes System. Sie ist eine Schrift, die bildhaft, symbolisch und phonetisch zugleich ist, und zwar in einem und demselben Text, in ein und demselben Satz und - ich wage es, auch das zu sagen - in ein und demselben Wort. Außerdem fand er heraus, 6 Oton Schoske...dass es eine Konsonantenschrift ist, dass keine Vokale geschrieben werden, dass es Konsonantenzeichen gibt, die einen, zwei oder mehr Konsonanten bezeichnen, dass es aber gleichzeitig Determinative, also Deutzeichen gibt, die eine vorangegangene Gruppe von Schriftzeichen erklären, aber keinen eigenen Lautwert haben, nicht gelesen werden. Diese Deutzeichen funktionieren so, wie heute grafische Piktogramme gestaltet sind. So verweist etwa eine sitzende Frau am Ende eines Namens darauf, dass es sich um einen Frauennamen handelt oder ein vereinfachter Grundriss einer Stadt zeigt an, dass eine solche gemeint ist. Besondere Schwierigkeiten hat allen frühen Sprachforschern die Tatsache bereitet, dass die Schrift wie auch das Arabische oder Hebräische ohne Vokale auskommt. Daher ähneln sich viele Begriffe und Wörter. Sie können erst eindeutig unterschieden werden, wenn ihnen der Schreiber ein Determinativ zuordnet. Nicht genug: Nachdem das Altägyptische als Zierschrift auch eine dekorativ-grafische Komponente hat und häufig in Rechtecken angeordnet war, fügte ein Schreiber etwa, wenn bei der Anordnung der Hieroglyphen ein Freiraum entstand, einfach noch ein Zeichen hinzu,

5 5 auch wenn dieses für das Verständnis des Wortes nicht notwendig war. Beispielsweise doppelte er einen Konsonanten, indem er ihn auf zwei verschiedene Arten schrieb. Letzteres hat Champollion allerdings noch nicht erkannt, wie die Ägyptologin Sylvia Schoske erklärt: 7 Oton Schoske Das nennen wir phonetische Ergänzung, und das hat erst sein großer Nachfolger, der übrigens auf den Tag 20 Jahre nach ihm geboren wurde, auch am 23. Dezember, Richard Lepsius herausgefunden. Das war der letzte große Schritt. Champollion hat dazu die Grundlagen geliefert, aber den Stein von Rosette konnte er noch nicht in Gänze entschlüsseln. 8 Oton Schoske Vielleicht wäre er, wenn er 20 Jahre älter gewesen wäre, in der Lage gewesen, ihn wirklich komplett zu übersetzen. Wir müssen uns von einer Sache freimachen, dass mit der Entzifferung durch Champollion ganz plötzlich alle Texte gelesen werden konnten. Das ist so ein Irrtum, dass man glaubt, aha 1822 die Entzifferung der Hieroglyphen und damit lagen mit einem Schlag alle Texte vor. Das hat Jahrzehnte gedauert. Die Erforschung der ägyptischen Kultur wurde Champollions Lebensaufgabe: Er sorgte als Leiter der ägyptischen Abteilung des Louvre für entscheidende Neuankäufe, und 1828 durfte er zu seiner ersten und letzten Ägyptenreise aufbrechen, ein ungemein umfangreiches Expeditionsprojekt planen und leiten. Dieses hatten auf höchster diplomatischer Ebene der französische König Charles X. Philippe und Muhammad Ali Pascha, - offiziell Gouverneur der osmanischen Provinz inoffiziell quasi Alleinherrscher Ägyptens - ausgehandelt. Champollion legte mehr als 20 Stationen zwischen Kairo, Alexandria und Abu Simbel fest. Seine Begeisterung für Ägypten und seine Kultur ging so weit, dass er sich während der Reise einen Bart wachsen ließ, einheimische Kleider trug wie den typischen offenen Kapuzenmantel und sogar täglich Nilwasser trank, obwohl er sicher wusste, wie gesundheitsgefährlich das war. Vor Ort zeichnete Champollion die Bauwerke ab und machte sich umfangreiche Notizen. Er schrieb sogar Tagebuch. Allerdings weisen die Einträge eine Lücke von fast zwei Wochen auf, was für den entdeckungssüchtigen Champollion ungewöhnlich ist. Vielleicht war er in dieser Zeit krank. Denn seit seiner Jugend überanstrengte er sich regelmäßig und litt daher an Schwächeattacken, Fieber und Atembeschwerden. Sicher machten ihm die Feuchtigkeit des Nildeltas und die stickige Luft in den Grabkammern zu schaffen. Während der Exkursion soll er einen so starken Gichtanfall erlitten haben, dass er nicht mehr gehen konnte und Helfer ihn mehrere Tage lang tragen mussten. Bestimmt gönnte er sich kaum Pausen, denn jeder Tag erwartete ihn mit einer Offenbarung wie dieser - dem großen Tempel von Abu Simbel:...er ist ein Wunderwerk, das selbst in Theben alles in den Schatten stellen würde. Die Mühen, die es gekostet haben muss, ihn in den Fels zu schlagen, übersteigen die Phantasie... Es ist ein hartes Stück Arbeit, ihn zu besichtigen...ich entkleidete mich beinahe vollständig bis auf mein arabisches Unterhemd und meine langen, leinenen Unterhosen und gelangte kriechend an die kleine Öffnung einer Tür... Ich glaubte, am Eingang eines Backofens zu sein, und als ich mich ganz in den Tempel hineingeschoben hatte, befand ich mich in einer Atmosphäre von 52 Grad Hitze. Rosellini, Ricci und ich und einer unserer Araber durchquerten diesen erstaunlichen Felsenbau, wobei jeder eine Kerze in der Hand hielt. Der erste Raum wird von acht

6 6 Pfeilern getragen, vor denen ebenso viele Kolossalstatuen stehen, jede 30 Fuß groß, die Ramses den Großen darstellen. Diese Eindrücke von seinem Besuch Abu Simbels schrieb Champollion zu Neujahr 1829 an seinen Bruder. 9 Oton Schoske In Ägypten selbst hat er dann sicherlich auch aus gesundheitlichen Gründen Schwierigkeiten bekommen und da war es dann auch irgendwann mit seiner Begeisterung für alles Ägyptische vorbei. Als Leiterin des Ägyptischen Museums in München bedauert Sylvia Schoske, dass auch die Grundlagen der Hieroglyphenschrift unter den Besuchern, also unter den interessierten Laien, kaum bekannt sind. 10 Oton Schoske Schauen Sie, wie viele griechische Klassiker ihren Niederschlag gefunden haben bei Goethe und bei Schiller, die natürlich die griechischen Philosophen und Schriftsteller alle aus dem FF gekannt haben. Zu diesem Zeitpunkt war das Wissen über Altägypten in diesem Bezug wirklich gleich null. Die Ägypter hatten ein weites literarisches Repertoire: Sie schrieben nicht nur die bekannten Totenbücher, sondern auch Märchen, Erzählungen, Lyrik, Liebeslieder, Autobiografien, Briefe, medizinische Texte, Lebenslehren und sogar Satiren über einzelne Berufsgruppen. 11 Oton Schoske Wenn Sie bei uns im Museum in den entsprechenden Raum gehen, Text und Sprache, werden Sie dort eine Medienstation finden, wo wir nicht nur die wichtigsten Stationen der Entzifferungsgeschichte vorstellen, sondern auch - übrigens im Original, welche Textgattungen es gegeben hat, - mit vielen Übersetzungen -, wie die Hieroglyphen funktionieren und wie sich die Schrift in drei Jahrtausenden entwickelt haben. Dazu gehört auch, dass die Hieroglyphen in verschiedene Leserichtungen vertikal und horizontal angeordnet werden können und sogar ein eigenes Grammatiksystem enthalten, - was übrigens Champollion bereits erkannt hat. Auf den Punkt gebracht: 12 Oton Schoske Die können einfach sehr, sehr viel mehr als zum Beispiel unsere Buchstaben. stopp