Werden wir immer noch älter?

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1 Werden wir immer noch älter? Dr. Roland Rau Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock GDV-Pressekolloquium 2009 Berlin, 25. März 2009

2 Was ist eigentlich Lebenserwartung? basierend auf den altersspezifischen Sterblichkeiten das durchschnittliche Sterbealter einer/eines Neugeborenen oder die durchschnittliche Anzahl an Jahren, die eine/ein Neugeborene(r) zu leben erwarten kann. Zur genauen Berechnungsmethode, siehe z.b. Keyfitz/Caswell (2005) oder Preston et al. (2001)

3 Lebenserwartung in Jahren in Deutschland für ein neugeborenes Mädchen Statistisches Bundesamt - Sterbetafel 2005/ Sterbetafel 2050 (2 Szenarien) 88.0 / 89.8 Deutsche Aktuarvereinigung DAV 2004R (für das Jahr 2006) Wie ist diese Diskrepanz möglich?

4 Wie ist diese Diskrepanz möglich? rechtliche Gründe: z.b. Versicherungsaufsichtsgesetz 11 inhaltliche Gründe: Personen mit privater Rentenversicherung haben (im Durchschnitt) ein höheres Einkommen, höhere Bildung, rauchen seltener,... sie leben auch länger. konzeptionelle/methodische Gründe: Perioden- vs. Kohortenbetrachtung

5 Perioden- vs. Kohortenbetrachtung Periode (1) Periode (2) Alter Kohorte (Generation) Kalenderzeit Periodenbetrachtung: z.b. Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes Kohortenbetrachtung (Generationenbetrachtung): z.b. DAV Sterbetafeln Diskrepanzen von knapp 10 Jahren zwischen Perioden- und Kohortensterbetafeln nicht ungewöhnlich (z.b. England & Wales 1900: (Periode) vs (Kohorte)).

6 Werden wir immer noch älter? Die Entwicklung der Rekord-Lebenserwartung Quelle: Oeppen/Vaupel (2002) The history of prediction in this area is a trail of busted estimates. DONALD KENNEDY (2005) Chefredakteur, Science Magazine

7 Werden wir immer noch älter? Die Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland e Rekord, Frauen Frauen, Deutschland (Ost) Frauen, Deutschland (West) Rekord, Männer Männer, Deutschland (Ost) Männer, Deutschland (West) Jahr Quelle: Human Mortality Database, Human Life-Table Database, eigene Berechnungen

8 Welche Altersstufen trugen zur Erhöhung der Lebenserwartung in Deutschland bei? Deutschland, Frauen Anteil an der Veränderung in der Lebenserwartung Alter 0 14 Alter Alter Alter Alter Quelle: Human Mortality Database, Human Life-TableDatabase, eigene Berechnungen nach Preston et al. (2001) bzw. Arriaga (1984)

9 Fortschritte in den höchsten Altersstufen. Beispiel: (Pseudo-) Geburtskohorte 1910 Sterberaten in Ost und Westdeutschland für Frauen und Männer, (Pseudo )Kohorte 1910 (log ) Sterberate (=Alter 80) 1995 (=Alter 85) 2000 (=Alter 90) 2005 (=Alter 95) Quelle: Human Mortality Database, eigene Berechnungen Jahr (Alter)

10 Zwischenfazit Die Rekord-Lebenserwartung steigt für Frauen und Männer seit 1840 linear an. Der Anstieg beträgt rund drei Monate pro vergangenem Kalenderjahr. Die Entwicklung in (West-)Deutschland verläuft parallel zur Rekordlebenserwartung mit konstantem Abstand. Über die Zeit hinweg trugen immer höhere Altersstufen zur Erhöhung der Lebenserwartung bei (und damit veränderte sich auch das Todesursachenspektrum)

11 Wie wird sich die Lebenserwartung weiterentwickeln? Rekordlebenserwartung:... a trail of busted estimates DONALD KENNEDY, 2005 Lebenserwartung auf nationaler Ebene: European Demographic Forecasts Have Not Become More Accurate Over the Past 25 Years. NICO KEILMAN, 2008

12 Wie können wir die zukünftige Lebenserwartung prognostizieren? Expertenmeinung? Trendextrapolation? Fallstudien mit Low-Mortality Populations

13 Sind wir schon an einer oberen Schranke angelangt? Durchschnittliche jährliche Verbesserungen in der Sterblichkeit ρ in Prozent (im Vergleich zu 10 Jahren früher) Japan, Frauen Alter ρ Quelle: Rau et al. (2008) Jahr Und ein jährliches Absinken der Sterberate um 3.5% bedeutet eine Halbierung der Sterblichkeit in weniger als 25 Jahren.

14 Sind wir schon an einer oberen Schranke angelangt? Vergleich: Allgemeinbevölkerung Personengruppe mit gesunder Lebensweise Quelle: Enstrom / Breslow (2008)

15 Fazit Problem: Perioden- vs. Kohortenbetrachtung Rekordlebenserwartung und die Lebenserwartung in Deutschland steigt kontinuierlich um rund drei Monate pro Kalenderjahr (oder fünf bis sechs Stunden pro Tag). Verbesserungen in der Sterblichkeit passieren vornehmlich im Rentenalter Vergleiche mit Bevölkerungen niedriger Sterblichkeit zeigen, dass das Potential für zukünftige Gewinne in der Lebenserwartung nicht ausgeschöpft ist.

16 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

17 Kontakt Dr. Roland Rau Max-Planck-Institut für demografische Forschung Konrad Zuse Str Rostock Tel: 0381 / Fax: 0381 /

18 Verwendete und verwandte Literatur: I Nathan Keyfitz, Hal Caswell 2005 Applied Mathematical Demography. Third Edition Springer Samuel H. Preston, Patrick Heuveline und Michel Guillot 2001 Demography. Measuring and Modeling Population Processes. Blackwell Publishers

19 Verwendete und verwandte Literatur: II Eduardo E. Arriaga und Eduardo E Measuring and explaining the change in life expectancies Demography 21(1): James E. Enstrom und Lester Breslow Lifestyle and reduced mortality among active California Mormons, Preventive Medicine 46: Nico Keilman European Demographic Forecasts Have Not Become More Accurate Over the Past 25 Years. Population & Development Review 34(1): Donald Kennedy 2005 Longevity, Quality, and the One-Hoss Shay Science 305: 1369 James Oeppen und James W. Vaupel 2002 Broken Limits to Life Expectancy Science 296:

20 Verwendete und verwandte Literatur: III Roland Rau, Domantas Jasilionis, Eugeny L. Soroko, and James W. Vaupel Continued Reductions in Mortality at Advanced Ages Population & Development Review 34(4):

21 Verwendete und verwandte Literatur: IV Deutsche Aktuarvereinigung e.v. Sterbetafel 2004R Persönliche Kommunikation mit Henning Wergen, auch erhältlich unter Human Life Table Database Max-Planck-Institut für Demografische Forschung, Rostock Human Mortality Database University of California, Berkeley (USA), und Max-Planck-Institut für Demografische Forschung, Rostock The R Development Core Team The R-Project for Statistical Computing Statistisches Bundesamt Bevölkerung Deutschlands bis koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Presseexemplar. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt

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