DO Diakonie Ostthüringen gem. GmbH. Fachtag Suchtprävention. Workshop: Ein guter Start

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1 DO Diakonie Ostthüringen gem. GmbH Fachtag Suchtprävention Workshop: Ein guter Start

2 Ein guter Start

3 Fallbeispiel Frühe Hilfen 23jährige Schwangere - selbst ein Jugendhilfefall und Diagnose Borderline - wird vom Jugendamt zur Vorbereitung auf die Veränderungen nach der Geburt an Schwangerenberatung geschickt geplant war eine Gruppe für werdende Eltern Auf den Anfang kommt es an ; Inhalte mussten als Einzelangebot umgesetzt werden nach der Geburt Meldung des Jugendamtes mit Bitte um engmaschige Entwicklungssychologische Beratung, da die Kindesmutter die Unterbringung im Mutter- Kind-Heim ablehnt parallel erhält die junge Mutter eine Familienhebamme vom Jugendamt gestellt

4 aktueller Stand in diesem Fall Versuch der regelmäßigen Arbeit mit der Mutter unter Einbeziehung von Videoaufnahmen zu den Themen Interaktion und Entwicklungsunterstützung Einbezug der Beraterin in die Hilfeplankonferenz mit klaren Aufgaben und Absprachen Kind aktuell 9 Monate alt; Zusammenarbeit läuft weiter; Kindesmutter kommt unregelmäßig aber dann mit eigenen Fragen zur Kindesentwicklung Kindesmutter zeigt eigene Belastungssituationen an gemeinsame Suche nach Lösungen oft Nichtwahrnehmen von Terminen durch die Mutter nach Abstimmung mit Familienhebamme Meldung der Ausfalltermine beim Jugendamt Klärung der Weiterarbeit und nächster Hilfeplan stehen aus

5 Fallbeispiel aus der Suchtberatung 36 jährige Klientin drei Kinder (18 J., 14 J., 5 J.), Kontakt zu den beiden jüngsten Kindern EK Beratungsstelle in Begleitung der Familienhelferin EK Crystal mit 20 Jahren täglicher Konsum, unterbrochen von kurzen Erholungspausen ca. 6 Monate Verharmlosung des eigenen Konsums, unregelmäßige Termineinhaltung Wohnheimunterbringung des 14 jährigen Kindes aufgrund starker Verhaltensauffälligkeiten Ende Juli Auflage zur EWB durch Familiengericht Bereitschaft zur Kostenklärung durch Fremdmotivation nach Kostenbescheid und Termin für Aufnahme erneute unregelmäßige Termineinhaltung

6 Frühe Hilfen eine einfache und allgemeine Definition Frühe Hilfen sind Angebote an Eltern in bestimmten Belastungssituationen. Sie sollen sie darin unterstützen, das zu sein, was sie sein wollen: gute Eltern! Das Zeitfenster Früher Hilfen: von der Geburt bis 3 Jahre Fachkräfte sollten: Belastungssituationen erkennen + Wissen um Unterstützungsangebote haben

7 Präventionsgedanke: Vorbeugen ist besser als Heilen Frühe Hilfen können dazu beitragen, Risiken zu erkennen, bevor Entwicklungsverzögerungen und Schädigungen eingetreten sind. Sie ermöglichen einen sonst schwer herstellbaren Zugang zu den Familien und helfen Eltern, den oftmals als schwierig, z. T. überfordernd empfundenen Übergang zur Elternschaft zu unterstützen und tragen so dazu bei, den Kinderschutz und das Kindeswohl zu verbessern. Außerdem ergeben sich - ausgehend von Frühe Hilfen - gute Chancen für den Aufbau eines erfolgreichen Präventionsnetzwerkes kommunaler Dienste, der den Kindern und ihren Familien, aber auch der Gesellschaft zugutekommt und sich zudem langfristig auszahlt.

8 Mögliche Belastungen (nach K.H. Kindler vom Deutschen Jugendinstitut in München) Merkmale der Familiensituation - Isolation bzw. fehlende Unterstützung - ernsthafte finanzielle Notlage - wiederholte Krisen, Partnerschaftsgewalt - mehrfache soziale Belastungen (Arbeitslosigkeit, allein erziehend, mehr als ein zu versorgendes Kind - mit Alter der Mutter <20 Jahren) Merkmale der Eltern - sehr jung - Beeinträchtigung durch psychische Erkrankung, Sucht, Intelligenzminderung oder Kriminalität - Eltern haben in der eigenen Kindheit Misshandlung, Vernachlässigung oder wiederholte Beziehungsabbrüche erlebt

9 Mögliche Belastungen Schwangerschaft, Geburt und Merkmale des Kindes - kaum Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft - Schwangerschaft unerwünscht, Rauchen während der Schwangerschaft - Kind stellt aufgrund chronischer Krankheit, Behinderung oder Verhaltensstörungen deutlich erhöhte Anforderungen Merkmale der Eltern-Kind-Beziehung - Hinweise auf elterliche Ablehnung oder Desinteresse gegenüber dem Kind - Beziehungsaufbau durch Trennung erschwert - ablehnende Äußerungen über das Kind - häufiges Abgeben des Kindes - Übersehen deutlicher Signale des Kindes oder unangemessene Reaktion darauf

10 Wohin mit meiner Vermutung? Checkliste Risikoeinschätzung Beobachtungsbogen ausfüllen Elterngespräch Teamgespräch Einbindung der Leitung Motivation der Eltern zur Inanspruchnahme von Hilfen und Beratungsangeboten Hinzuziehen einer insoweit erfahrenen Fachkraft Dokumentation und festhalten: Wer handelt Was wird unternommen Ziel der Handlung Konkretisierung des Zeitrahmens Überprüfungszeitpunkt

11 Checkliste Risikoeinschätzung bei Kindeswohlgefährdung Modell: Primär: 1) Grundversorgung 2) Erscheinungsbild Sekundär: 3) Kooperationsbereitschaft Indikatoren für 4) Risikofaktoren Sofortmaßnahmen 5) Interaktion 6) Ressourcen/Prognosen

12 Wo finde ich Hilfen? Einrichtungsleitung ISEF - Insoweit erfahrene Fachkraft Jugendamt Beratungsstellen Koordinatorin Frühe Hilfen

13 Insoweit erfahrene Fachkraft Die Insoweit erfahrene Fachkraft spielt in der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung eine zentrale Rolle. Sie soll das Gefährdungsrisiko zusammen mit den Mitarbeitern / Mitarbeiterinnen der betroffenen Einrichtung einschätzen und geeignete Maßnahmen besprechen. Sie unterstützt, berät und begleitet - ggf. auch in der Folgezeit noch - dabei, gemeinsam ein qualifiziertes Hilfs- und Schutzkonzept für das betreffende Kind zu erstellen. Dadurch sollen Fehlentscheidungen zum Nachteil von Kind und Familie verhindert werden. Die Kinderschutzfachkraft nimmt nicht unbedingt Kontakt zu den Eltern oder Erziehungsberechtigten auf, ist aber beteiligt bei der Prüfung der Problemakzeptanz bzw. der Mitwirkungsbereitschaft von Sorgeberechtigten. Wird von ihr ein Kinderschutzeingriff empfohlen, wird die zuständige Basis-Fachkraft den von vielen Bundesländern bereitgestellten Kinderschutz-Meldebogen ausfüllen und dem örtlich zuständigen Jugendamt zeitnah übermitteln.

14 Elterngespräch bei Anhaltspunkten für Hilfebedarf gemeinsam ins Gespräch kommen (evtl. mit Leitfaden) anbieten, von Sorgen zu erzählen Motivieren zur Hilfeannahme

15 Wie spreche ich meine Vermutung bei den Sorgeberechtigten an?

16 Du-Botschaften Alle Du-Botschaften (natürlich auch die Sie-Botschaften) haben etwas gemeinsam: sie beurteilen und bewerten den Anderen - und oft unterstellen sie auch etwas. Dies wird noch verschärft, wenn Verallgemeinerungen und Übertreibungen wie schon wieder, jedes Mal, nur, ständig, total und immer dazu kommen.

17 Ich-Botschaften Mit Ich-Botschaften drücken Sie Ihre eigenen Gefühle, Ihre Wahrnehmung, Ihre Erwartungen und Bedürfnisse aus. Damit lenken Sie einen Konflikt weg vom gegenseitigen Angreifen und Beschuldigen, und machen Raum für eine konstruktive Lösung des Gesprächs. Gerade in Situationen, die belastend und konflikthaltig sind, kann das dazu führen, dass Raum für eine konstruktive Lösung geschaffen wird und dass das Gespräch gelingt. Es geht darum, dass Sie im Gespräch bei Ihrer eigenen Wirklichkeit bleiben, und nicht dem anderen die Schuld oder Verantwortung für eine Situation zuschieben.

18 Ich-Botschaften formulieren Beobachtung (Wenn Sie ) Gefühl ( bin ich ) Bedürfnis ( weil ) Wunsch ( und ich möchte )

19 Offene Fragen Welche bisherigen Berührungspunkte gab es in meinem Arbeitsbereich? Welche positiven und negativen Erfahrungen habe ich gemacht? Was hindert mich bisher Auffälligkeiten anzusprechen? Was / wer kann mir Sicherheit geben?

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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