SPECTRUM. nachrichten. hintergründe. impulse.
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- Mona Bayer
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1 SPECTRUM nachrichten. hintergründe. impulse. Qualitäts- und Stationsbericht zeichnen Bild des SPNV im VRR // VRR fördert Infrastrukturvorhaben von Städten und Verkehrsunternehmen // RRX-Fuhrpark: Leistungsstarke SPNV-Fahrzeuge von Siemens // VRR verbessert Elektronische Fahrplanauskunft und Online-Services // VRR-Auskunftssysteme: Technische Dienstleistung im Hintergrund // SPNV-Kampagne: S-Bahnen, RB und RE bringen Fahrgäste schnell und sicher ans Ziel // Meilensteine Tarif, Vertrieb und Kundeninformation
2 Inhalt Titelthema Qualitäts- und Stationsbericht zeichnen Bild des SPNV im VRR...Seite 3 Im Verbund VRR fördert Infrastrukturvorhaben von Städten und Verkehrsunternehmen. Seite 8 VRR verbessert Elektronische Fahrplanauskunft und Online-Services...Seite 10 RRX-Fuhrpark: Leistungsstarke SPNV-Fahrzeuge von Siemens...Seite 12 Im Fokus VRR-Auskunftssysteme: Technische Dienstleistung im Hintergrund...Seite 16 SPNV-Kampagne: S-Bahnen, RB und RE bringen Fahrgäste schnell und sicher ans Ziel...Seite 17 Im Forum Meilensteine Tarif, Vertrieb und Kundeninformation... Seite 18 VRR-Ticker...Seite 22 Liebe Leserinnen, liebe Leser, im Jahr 2015 feiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sein 35-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 1980 wirkt der Verbund gemeinsam mit zahlreichen Partnern auf eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs hin, sorgt für die Mobilität der Menschen in der Region und stellt ein bedarfsgerechtes und an marktwirtschaftlichen Grundsätzen ausgerichtetes ÖPNV-Leistungsangebot sicher. Anlässlich dieses Jubiläums blicken wir in einer dreiteiligen Serie 35 Jahre VRR zurück auf wichtige Meilensteine des ÖPNV in der Region und beleuchten aktuelle Entwicklungen, die den Nahverkehr in Zukunft bestimmen werden. In Teil 1 erfahren Sie Wissenswertes über die Themen Tarif, Vertrieb und Kundeninformation. Mit dem Rhein-Ruhr-Express treibt der VRR gemeinsam mit dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland, dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe, dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord, dem Nordhessischen Verkehrsverbund und dem Land NRW eines der wichtigsten Mobilitätsprojekte Nordrhein-Westfalens voran. Wir freuen uns über den erfolgreichen Abschluss des europaweiten Vergabeverfahrens zur Beschaffung von 82 hochwertigen und leistungsstarken RRX-Fahrzeugen. Am 10. Februar 2015 erhielt die Siemens AG den vorläufigen Zuschlag. Der Hersteller soll die neuen Züge konstruieren, produzieren und über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren instand halten. Lesen Sie hierzu mehr in unserer Rubrik RRX news. Eine informative Lektüre wünscht Ihr Hans Wilhelm Reiners Verbandsvorsteher Impressum Herausgeber: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR Augustastraße Gelsenkirchen Telefon: 0209/ [email protected] Verantwortlich für den Inhalt: Sabine Tkatzik Leiterin PR, Pressesprecherin VRR Redaktion: Wibke Hinz, Holger Finke, Kristina Pickert, Sonja Pierdzioch Gestaltung: Sven Scholz Fotos/Bildnachweis: VRR AöR, Siemens AG, Abellio, Lokomotiv: Thomas Willemsen, Fotolia: elypse, determined, soleilc1, Dmitry Naumov, mtkang, storm, Aleksandr Bryliaev, contrastwerkstatt
3 Qualitäts- und Stationsbericht zeichnen Bild des SPNV im VRR Mit dem Qualitätsbericht und dem Stationsbericht dokumentiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) den Zustand wichtiger Bestandteile des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in der Region: Die Publikationen geben einen Überblick über die Qualität der angebotenen SPNV-Leistungen sowie das Erscheinungsbild der Bahnhöfe und Haltepunkte im VRR. Die jährlich erscheinenden Berichte sind bereits seit vielen Jahren ein wertvolles Instrument, um bei den verantwortlichen Partnern im Sinne der Kunden eine möglichst hohe Qualität des SPNV zu erzielen sowohl bei den im VRR verkehrenden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) als auch bei den zuständigen Infrastrukturbetreibern. SPNV-Qualitätsbericht 2014 Bereits seit zehn Jahren dokumentiert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Qualität im SPNV in einem jährlich erscheinenden Bericht. Denn als Besteller von SPNV-Leistungen muss der Verbund kontrollieren, ob die im VRR verkehrenden EVU die vertraglich festgelegten Qualitätsstandards einhalten, und diese gegebenenfalls einfordern und pönalisieren. Der jährlich erscheinende SPNV-Qualitätsbericht macht diese Kontrolle nicht nur für die EVU, sondern auch für Fahrgäste, politische Mandatsträger und Medienvertreter transparent. Betrachtet man das Jahr 2014, so ergibt sich ein sehr differenziertes Bild des Schienenpersonennahverkehrs im VRR. Auf einigen Linien verbesserte sich die Qualität deutlich, andere schnitten schlechter ab als im Vorjahr. Nach wie vor ist die Qualität der im Wettbewerb vergebenen Linien höher als die der Linien, die noch im Rahmen des Großvertrages mit DB Regio betrieben werden. Letztere sind oftmals mit Verspätung unterwegs, fallen häufiger aus und verkehren stellenweise mit weniger als den geforderten Sitzplätzen. Dies bestätigen auch regelmäßige Befragungen bei Nahverkehrskunden: Fahrgäste sind oftmals unzufrieden mit besagten DB- Linien und verweisen das Unternehmen mit einer Gesamtnote von 2,38 auf den letzten Platz aller EVU. Positiver sehen die Fahrgäste all die Linien von DB Re- SPECTRUM TITELTHEMA 3
4 gio, die das Eisenbahnverkehrsunternehmen in Ausschreibungen gewinnen konnte: RE 2, RB 42, RB 51, RB 52 und RB 53 schneiden zwar beim Qualitätsstandard Sauberkeit der Fahrzeuge unterdurchschnittlich ab, erhalten allerdings in der Gesamtzufriedenheit eine 2,17, was Platz 3 im Ranking knapp vor der NordWestBahn entspricht. Die NordWestBahn erhielt von den Fahrgästen eine 2,18 als Gesamtnote und wurde damit besser beurteilt als im Vorjahr. Bei der Fahrgastinformation im Regelbetrieb erzielte das EVU den Bestwert und punktete auch durch das gut beurteilte Zugbegleitpersonal. Allerdings sorgte die überdurchschnittlich hohe Ausfallquote der RB 36 für Abwertungen ein Umstand, der vom VRR sehr kritisch gesehen wird. In der Zufriedenheit der Kunden ist insbesondere die RB 50 der Eurobahn gesunken. Hierdurch verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr die Gesamtzufriedenheit der Kunden mit dem EVU. Ein Grund hierfür ist der relativ geringe Anteil an als pünktlich geltenden Fahrten von nur 84,5 Prozent auf der Linie. Die Regionalexpress-Linien RE 3 und RE 13 fahren hingegen überdurchschnittlich pünktlich. Abellio lieferte 2014 wie auch im Jahr 2013 konstant gute Leistungen: Geringe Ausfälle, pünktliche Züge und eine gute Fahrgastinformation honorieren die Fahrgäste mit einer 1,95 als Endnote. Besonders positiv wertet der VRR den großen Zuspruch und die guten Bewertungen der Fahrgäste nach der Übernahme der heutigen S-Bahn-Linie S 7 (vormals RB 47) durch das EVU: Neue Fahrzeuge und Die S 28 belegt Platz 1 bei der Kundenzufriedenheit. eine Erhöhung der Zugbegleitquote sind Grund für die Auszeichnung als drittbeste Linie im VRR. Die Regiobahn schneidet wie in den Vorjahren weiterhin sehr positiv ab. Die Fahrgäste beurteilen die Leistungen auf der S 28 sehr positiv die Linie belegt Platz 1 in der Rangliste aller VRR-Linien. Auch Pünktlichkeitswerte und Ausfallquote sind zufriedenstellend. Insgesamt bewerten die Kunden die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Jahr 2014 nur geringfügig schlechter als 2013, 0,05 Notenpunkte geben die EVU nach und liegen damit bei 2,25 auf der Schulnotenskala. Dieses relativ konstante Ergebnis freut uns sehr, erklärt Martin Husmann, Vorstandssprecher des VRR. Die Erfahrungen zeigen ganz deutlich, dass sich der SPNV-Wettbewerb auch zukünftig positiv auf die Qualität der Schienenleistungen auswirken wird. Wir sind zuversichtlich, dass die bis heute noch nicht in den Wettbewerb gebrachten Linien nach erfolgreicher Vergabe bessere Werte erreichen werden. Unwetter und Streiks sorgen für massive Beeinträchtigungen Betrachtet man die Qualitätsstandards im Einzelnen, so fällt auf, dass nur die Beurteilung des Zustands der Fahrzeuge 2014 besser ausfällt als im Vorjahr. Es gab nach einem sehr positiven Start ins Jahr 2014 im weiteren Jahresverlauf eine relativ hohe Anzahl unvorhersehbarer Ausfälle. Dies lässt sich auf die Stürme und Unwetter im Juni und Herbst 2014 zurückführen. Es kam zu Unvorhersehbare Ausfälle im Jahresverlauf aller Produktgruppen (Regionalexpress, Regionalbahn, S-Bahn) 20 % 18 % 16 % 14 % Regionalexpress 2014 Regionalbahn 2014 S-Bahn % 10 % 8 % 6 % 4 % 2 % 0 % Jan. Feb. Mrz. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. 4 SPECTRUM TITELTHEMA
5 Kundenzufriedenheit im Jahresmittel [Schulnoten] Eisenbahnverkehrsunternehmen Sitzplatzangebot Pünktlichkeit Fahrgastinformation im Fahrzeug Regelbetrieb Sauberkeit der Züge Zustand der technischen Fahrzeugeinrichtungen Qualität Zugbegleitpersonal Sicherheitsempfinden tagsüber Sicherheitsempfinden abends/nachts Fahrgastinformation im Fahrzeug Störungsfall Gesamtzufriedenheit Abellio 2,16 1,97 1,76 2,14 2,18 1,71 1,53 2,23 2,28 1,95 DB Regio 2,20 2,72 2,19 2,70 2,50 2,09 1,72 2,63 2,70 2,38 DB Regio - Wettbewerb 2,24 2,14 1,88 2,70 2,44 1,99 1,66 2,48 2,48 2,17 Eurobahn 2,22 2,40 1,86 2,50 2,60 1,93 1,70 2,50 2,44 2,24 Nordwestbahn 2,03 2,32 1,76 2,29 2,37 1,78 1,54 2,14 2,36 2,18 Regiobahn 1,97 1,86 1,83 1,90 1,83 1,63 1,42 1,89 2,17 1,70 Mittelwert (alle Linien) 2,17 2,46 2,01 2,55 2,44 1,97 1,66 2,47 2,54 2,25 Für jeden Qualitätsstandard wurde der schlechteste Wert in Rot, der beste in Grün markiert. Bei manchen Standards kommt es vor, dass sich mehrere EVU den Platz teilen. Verwüstungen, die auch den SPNV im VRR massiv betrafen: Fast jede fünfte S-Bahn fiel aus. Hinzu kamen noch die Streiks der Lok- und Triebfahrzeugführer, die insbesondere bei DB Regio zu Buche schlugen, so Husmann. Durch zerstörte Oberleitungen, umgestürzte Bäume und sonstige Schäden an der SPNV-Infrastruktur kam es zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen. Gemeinsam mit den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreibern haben wir jedoch alles daran gesetzt, die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Bei den Pünktlichkeitswerten zeigt sich im Jahresvergleich ein ähnliches Bild: Die Züge fuhren in den ersten Monaten pünktlicher als Die Verspätungen nahmen jedoch ab Mai zu, sodass die häufig zu verzeichnenden Verspätungen im Herbst den Wert nur geringfügig erhöhten waren die S-Bahnen und RB-Linien im Schnitt nur unwesentlich unpünktlicher (+1 bis 2,5 Sekunden) als im Jahr 2013: Die durchschnittliche Verspätung lag in beiden Jahren bei etwa einer Minute. Die Regionalexpress-Linien fuhren hingegen mit durchschnittlich über 2,2 Minuten Verspätung je Fahrt. Auch was die vom VRR geforderte Ausstattung der Züge mit Sitzplätzen angeht, schneiden die RE-Linien deutlich schlechter ab als die anderen Produktgruppen. Betrachtet man die sogenannte Behängungsquote, so zeigt sich, dass RE-Linien mehr als doppelt so häufig mit verminderter Sitzplatzkapazität unterwegs waren als S-Bahnen oder RB-Linien. 3,21 Prozent der RE-Fahrten und 1,25 Prozent bzw. 1,24 Prozent der Fahrten von RB- und S-Bahn-Linien verkehrten mit weniger als den vertraglich vereinbarten Kapazitäten wurde wie auch in den Vorjahren wieder die Qualität der Vertriebsstellen überprüft. Erfreulicherweise ist im Schnitt die Qualität hier weiter gestiegen, bemerkt Martin Husmann, allerdings geht die Schere zwischen der besten Vertriebsstelle im Hagener Hauptbahnhof und der schlechtesten im Hauptbahnhof Düsseldorf mit 33,26 Prozentpunkten sehr weit auseinander. Aus unserer Sicht sind die durchschnittliche Wartezeit von bis zu 12,5 Minuten und die teilweise sehr geringen Werte bei der Fachkompetenz des Personals von unter 70 Prozent nicht akzeptabel. Hier sehen wir weiterhin einen großen Handlungsbedarf auf Seiten der Vertriebsstellenbetreiber. Stationsbericht 2014: Zustand von Bahnhöfen und Haltepunkten verbessert sich Das Erscheinungsbild und die Funktionalitäten der Bahnhöfe und Haltepunkte im VRR haben sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die Beurteilungen stützen sich auf die viermal jährlich stattfindenden Bewertungen der Stationen durch die VRR-Profitester sowie auf regelmäßige Fahrgastbefragungen. 112 Stationen wurden im Jahr 2014 als akzeptabel eingestuft, 119 Stationen erhielten die Bewertung noch akzeptabel. In 63 Fällen urteilten die Tester mit nicht akzeptabel dies war im Vorjahr noch 80 Mal der Fall. Berücksichtigt man bei der Gesamtbewertung auch Zuständigkeiten von Kommunen für die Sauberkeit der Zugangsbereiche, so können nach dieser differenzierten Bewertung, bei der nur Einrichtungen und Bauwerke im Eigentum von DB Station&Service AG betrachtet werden, 118 Stationen mit akzeptabel, 127 Stationen mit noch akzeptabel und 41 Stationen mit nicht akzeptabel beurteilt werden. SPECTRUM TITELTHEMA 5
6 Wir freuen uns sehr über die im Vergleich zum Vorjahr positiveren Bewertungen der VRR-Profitester und der befragten Fahrgäste, erklärt Martin Husmann, allerdings sehen wir weiterhin Handlungsbedarf und die Verantwortung auf Seiten der Infrastrukturbetreiber. Denn nur wenn Infrastruktureinrichtungen wie beispielsweise Stationen in einem einwandfreien Zustand sind, können EVU überhaupt einen reibungslosen Betrieb und somit bestmögliche SPNV-Leistungen erbringen. Alle Haltepunkte werden abhängig von Ausstattung und Verkehrsaufkommen einer von sieben Kategorien zugeordnet. Sämtliche Stationen der Kategorien 1, 2 und 3 hierzu gehören auch Bahnhöfe, die im VRR vom Fernverkehr angefahren werden sind in einem außerordentlich guten Zustand. Zu den als nicht akzeptabel eingestuften Stationen zählen solche der Kategorien 4, 5 und 6 und zwar insbesondere S-Bahn-Stationen. Beurteilt wurde wie auch in den Vorjahren das Erscheinungsbild von Bahnsteig- und Zugangsbereichen. Die entscheidende Ursache für negative Bewertungen war 2014 erneut die Verschmutzung durch Graffiti. Konstruktiver Dialog zur Verbesserung der Stationen Die direkten Einflussmöglichkeiten des Verbundes auf die Qualität und das Erscheinungsbild der Bahnhöfe und Haltepunkte sind sehr beschränkt, da es anders als beim SPNV-Betrieb keine direkten vertraglichen Beziehungen zwischen dem VRR und den Infrastrukturbetreibern gibt. Für den VRR ist der Stationsbericht deshalb ein sehr wichtiges Instrument, um Jahr für Jahr einen konstruktiven Dialog über das Erscheinungsbild und die Funktion der Stationen anzustoßen. Die Ergebnisse der Profitester-Erhebungen und der Fahrgastbefragungen zeigen deutlich, welche Bahnhöfe und Haltepunkte in einem guten Zustand sind und wo es Unzulänglichkeiten gibt, die behoben werden müssen. Wir tauschen uns eng mit der DB Station&Service AG und Startprobleme auf der S 5/S 8 beim Betreiber DB Regio Seit Mitte Dezember 2014 fährt DB Regio auf der S-Bahn-Linie S 5/S 8 zwischen Mönchengladbach und Dortmund mit neuen Triebwagen der Baureihe ET 1440 des Herstellers Alstom. Diese S-Bahn-Fahrzeuge haben eine Fußbodenhöhe von 80 Zentimetern und sind auf ausdrücklichen Wunsch von Fahrgast- und Seniorenvertretungen aus Nordrhein-Westfalen, des NRW-Verkehrsministeriums sowie vieler Nahverkehrskunden mit einer behindertengerechten Toilette ausgestattet. In den ersten Wochen seit Inbetriebnahme sorgten Verspätungen und überfüllte Bahnen für Unzufriedenheit bei den Fahrgästen und beim VRR. Da noch nicht alle neuen Fahrzeuge ausgeliefert sind und technische Probleme den Betrieb beeinträchtigten, konnte der Betreiber DB Regio die Bahnen nicht immer pünktlich mit der vom VRR bestellten Wagen-Anzahl verkehren lassen. Ein zentraler Grund für die Verspätungen der S 5/S 8 waren in den vergangenen Wochen vor allem ein defekter Schließmechanismus der Türen und externe Einflüsse wie eine Stellwerksstörung und ein Hangrutsch. Der VRR ist nach wie vor davon überzeugt, dass die neuen Fahrzeuge für den Betrieb der S 5/S 8 bestens geeignet sind, und fordert nun von DB Regio, schnellstmöglich einen reibungslosen Betrieb sicherzustellen und die Bahnen verlässlich und pünktlich in der bestellten Traktion verkehren zu lassen. Der Stationsbericht gibt einen Überblick über das Erscheinungsbild der Bahnhöfe und Haltepunkte. auch mit den beteiligten Kommunen aus und geben unsere Erkenntnisse regelmäßig weiter, damit die Infrastrukturbetreiber reagieren und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation auf den Weg bringen können, erklärt Husmann. Um den Erfolg solcher Maßnahmen überprüfen zu können, informiert der Stationsbericht alljährlich auch über Erkenntnisse und umgesetzte Programme, die aus den Ergebnissen vergangener Erhebungen resultieren. Beispielhaft wird dargestellt, welche Mängel wo vorlagen und wie diese von den Infrastrukturbetreibern beseitigt wurden. Darüber hinaus gibt der Bericht einen Überblick über die Ergebnisse der regelmäßig durchgeführten Fahrgastbefragungen. Die interviewten Nahverkehrskunden beurteilen, inwieweit sie mit typischen Leistungsmerkmalen einer Linie bzw. mit dem Zustand von Bahnhöfen zufrieden sind. Basis der Bewertungen ist eine Schulnoten- Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden). Bestandteil der Befragungen sind u. a. die Qualitätsstandards Fahrgastinformation an den Stationen im Störungsfall und Zustand der Stationen. Die Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste im VRR hat sich seit 2004 fast kontinuierlich verbessert und im Jahr 2014 den Notendurchschnitt 2,3 erreicht. Qualitäts- und Stationsbericht stehen unter zum Download bereit. 6 SPECTRUM TITELTHEMA
7 Pünktlichkeitsquote im VRR je Linie RE 1 RE 2 RE 3 RE 4 RE 5 RE 6 RE 7 RE 8 RE 10 RE 11 RE 13 RE 14 RE 16 RB 27 RB 31 RB 33 RB 35 RB 36 RB 37 RB 38 RB 39 RB 40 RB 42 RB 43 RB 44 RB 45 RB 46 RB 48 RB 50 RB 51 RB 59 RB 91 S 1 S 2 S 3 S 4 S 5/S 8 S 6 S 7 S 11 S 28 S % 70 % 80 % 90 % 100 % * L Eurobahn L Nordwestbahn L Eurobahn L Nordwestbahn L Abellio L Nordwestbahn L Nordwestbahn L Abellio * L Nordwestbahn L Nordwestbahn L Nordwestbahn L Abellio L Eurobahn * L Eurobahn L Abellio L Abellio L Regiobahn ø RE ø RB ø S *DB-Wettbewerbslinie 0-3:59 Min. 4-5:59 Min. 6-10:59 Min. 11 Min. und mehr SPECTRUM TITELTHEMA 7
8 VRR fördert Infrastrukturvorhaben von Städten und Verkehrsunternehmen Seit der Novellierung des ÖPNV-Gesetzes NRW 2008 unterstützt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Infrastrukturmaßnahmen, die der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Verbundgebiet dienen und mobilitätseingeschränkten Personen den Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erleichtern. Zum einen übt der VRR seine Aufgabe als Bewilligungsbehörde für Infrastrukturmaßnahmen im Interesse des Landes NRW nach 13 ÖPNVG NRW aus. Darüber hinaus führt er als Zuwendungsgeber nach 12 ÖPNVG NRW eigenständig Investitionen für verkehrliche Verbesserungen im ÖPNV durch beziehungsweise leitet diese Fördergelder zweckgebunden an Kreise, Städte, Gemeinden, öffentliche und private Verkehrsunternehmen sowie Eisenbahnverkehrsunternehmen weiter. Zwischen Januar 2008 und März 2015 hat der VRR insgesamt 910 Investitionsvorhaben mit rund 911 Millionen Euro bezuschusst. Auch in den letzten vier Monaten wurden wieder zahlreiche Finanzierungsanträge bearbeitet. Einen Zuwendungsbescheid über Euro erhielt die Regiobahn GmbH Mitte Dezember. Damit fördert der VRR den Bau einer Park/Bike+Ride- Anlage inklusive Busanbindung am zukünftigen Haltepunkt der Regiobahn S 28 in Hahnenfurth-Düssel. Der Haltepunkt wird im Rahmen der Verlängerung der S 28 von Mettmann-Stadtwald nach Wuppertal-Vohwinkel entstehen. Die Baumaßnahme, deren Gesamtvolumen rund 1,88 Millionen Euro beträgt, umfasst die Errichtung von 79 PKW- Stellplätzen inklusive zwei Stellflächen für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste und drei Kurzzeitstellplätze. Außerdem werden jeweils fünf Fahrradboxen und Fahrradständer aufgestellt sowie eine behindertengerechte WC-Anlage gebaut. Die gesamte Park+Ride-Anlage wird mit einer Videoüberwachungsanlage ausgestattet. Zusätzlich sollen in unmittelbarer Nähe des neuen S-Bahn- Haltepunktes Hahnenfurth-Düssel mehrere Bushaltestellen entstehen. Fährgäste können so zukünftig bequem vom Bus auf die Bahn bzw. umgekehrt umsteigen. Um eine vollständige Barrierefreiheit für mobilitätseingeschränkte Nutzer zu 8 SPECTRUM IM VERBUND
9 gewährleisten, werden die Bushaltestellen außerdem mittels eines taktilen Leitsystems an den S-Bahn-Haltepunkt angebunden. Die Bauarbeiten für die Park/Bike+Ride-Anlage und die Bushaltestellen sollen nach Fertigstellung des Haltepunkts Hahnenfurth-Düssel beginnen und mit der Eröffnung der neuen Bahnstrecke zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 abgeschlossen sein. Der VRR unterstützt im Rahmen der Investitionsförderung unterschiedliche Baumaßnahmen zur Verbesserung der Nahverkehrsinfrastruktur, so beispielsweise den Neubau von Bike&Ride-Anlagen, Nahverkehrskunden problemlos zwischen Bus, Bahn und Fahrrad wechseln können. Sämtliche Anlagen werden großzügig überdacht und bieten so ausreichend Schutz vor schlechter Witterung. Für mobilitätseingeschränkte Personen wird zudem ein barrierefreier Zugang zum ÖPNV geschaffen. Blindenleiteinrichtungen und eine moderne, helle Beleuchtung sorgen dafür, dass der ZOB zukünftig auch von Park&Ride-Anlagen Ende Januar gab VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann einen Förderbescheid in Höhe von 3,15 Millionen Euro für den vierten Bauabschnitt der Horster Straße in Gelsenkirchen frei. Die Kosten für den Umbau der ÖPNV- Infrastruktur zwischen Hugostraße und Sedanstraße belaufen sich auf rund 5,19 Millionen Euro. Die Horster Straße zählt zu den Hauptverkehrsstraßen im Gelsenkirchener Stadtgebiet und wird sowohl vom motorisierten Individualverkehr als auch vom ÖPNV genutzt. Ziel der abschnittsweisen Umgestaltung ist es, eine deutliche Qualitätsverbesserung für die Nahverkehrskunden zu erreichen. Im Rahmen einer Neustrukturierung der Verkehrsführung wird an wichtigen Haltestellen eine separate Spur für die Straßenbahnen der Linie 301 gebaut. Außerdem erhalten die Straßenbahnen an den durch Ampeln geregelten Kreuzungen zukünftig Vorrang vor dem Individualverkehr. Ein weiterer Schwerpunkt der Umbaumaßnahme liegt auf der Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum ÖPNV. Durch die Anpassung der Bürgersteige an den Fahrzeugboden können ältere Mitbürger, mobilitätseingeschränkte Kunden und Fahrgäste mit Kinderwagen in Zukunft leichter an den Haltestellen ein- und aussteigen. Für den Neubau eines Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Bahnhof Kleve bewilligte der VRR Anfang Februar Fördergelder in Höhe von 1,77 Millionen Euro. Die Planungen sehen die Errichtung eines Kombi-Bahnsteigs vor, der Fahrgästen den Umstieg zwischen Bus und Bahn erleichtern soll. Außerdem werden am ZOB Fahrradabstellanlagen und -boxen aufgestellt, damit... und Maßnahmen zur Barrierefreiheit. Personen mit Sehbehinderung und in der Dunkelheit problemlos genutzt werden kann. Die Fördermaßnahme umfasst weiterhin fünf Behindertenparkplätze, die an der südlichen Seite des Bahnhofsgebäudes errichtet werden. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf rund 2,34 Millionen Euro. Das Bauvorhaben soll im Sommer 2016 abgeschlossen werden. SPECTRUM IM VERBUND 9
10 VRR verbessert Elektronische Fahrplanauskunft und Online-Services VRR digital Der VRR setzt auf digitale Technologien, um Fahrgästen den Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und dessen Nutzung zu erleichtern. Sowohl in der Kundeninformation als auch im Ticketing hat der Verbund in den letzten Wochen und Monaten einige weitere Neuerungen auf den Weg gebracht, um die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Services rund um den ÖPNV zeitgemäß und kundenfreundlich zu gestalten. Die VRR-App wurde um eine integrierte, deutlich kundenfreundlichere Kauffunktion ergänzt. Zudem können Fahrgäste seit Februar 2015 über den neu gestalteten Ticketshop auch vom heimischen Rechner aus Nahverkehrstickets erwerben und diese für ihre Fahrt mit Bus und Bahn nutzen. Mit OpenStreetMap verbessert der VRR seit Februar 2015 die geografische und kartografische Fahrgastinformation in sämtlichen digitalen und Printmedien. Bereits im Dezember 2014 informierte der VRR im Rahmen eines Forumstages über neue Technologien mit interessantem Potenzial für die Nahverkehrsbranche. Kundenfreundlichere Ticketkauf- Funktion in der VRR-App Nahverkehrsverbindungen suchen und direkt das passende Ticket über die VRR-App kaufen dies ist eine der wesentlichen Verbesserungen, von der Nutzer der VRR-App in Zukunft profitieren. Bislang war für den Erwerb eines Nahverkehrstickets ein Wechsel von der VRR-App auf die HandyTicket Deutschland-App nötig beide Applikationen mussten auf dem Smartphone installiert sein, um den Kauf erfolgreich abwickeln zu können. Mit der neuen App-Version wird es für den Nahverkehrskunden deutlich leichter werden, weil sämtliche Kauf-Funktiona- 10 SPECTRUM IM VERBUND
11 litäten direkt in der VRR-App zur Verfügung stehen. Der Fahrgast recherchiert wie gewohnt die verfügbaren Fahrtmöglichkeiten und startet mit einem Klick auf das Einkaufswagen-Symbol neben der gewünschten Nahverkehrsverbindung den Ticketkauf. Ist dieser abgeschlossen, wird das HandyTicket direkt in der VRR-eigenen Applikation bereitgestellt. Einzige Voraussetzung: Der Kunde muss sich vor dem ersten Ticketerwerb einmalig im HandyTicket Deutschland-Shop seines Verkehrsunternehmens registriert haben. OpenStreetMap sorgt für bessere Fahrgastinformationen Mit OpenStreetMap (OSM) setzt der VRR seit dem 25. Februar 2015 erstmals auf frei nutzbare, lizenzfreie Geo- und Kartendaten als Grundlage für sämtliche Fahrgastinformationssysteme im VRR. Bei OSM handelt es sich um ein Open-Source-System, das heißt, jeder darf die geografischen Daten nutzen und ohne restriktive Lizenzen in Drucke, Websites oder Anwendungen einbinden, erklärt José Luis Castrillo, Vorstand des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Dies machen sich der VRR und die Verkehrsunternehmen zunutze und stellen derzeit die gesamte Fahrgastinformation auf das System um: sowohl die Elektronische Fahrplanauskunft im Internet und in den mobilen Diensten als auch sämtliche Printmedien wie beispielsweise Verkehrslinien- oder Haltestellenumgebungspläne. OSM bietet sehr detaillierte und qualitativ hochwertige Geodaten, die von einer aktiven Nutzergemeinde kontinuierlich aktuell gehalten werden. Im Gegensatz zu unserem bisherigen, auf die Autonavigation spezialisierten Geodaten-Anbieter berücksichtigt OpenStreetMap beispielsweise auch Rad- und Wanderwege und bildet nicht nur Straßenzüge, Ticketshop sondern zum Teil sogar einzelne Häuser ab. So können VRR und Verkehrsunternehmen sämtliche Haltestellen, Linienverläufe und Bus- oder Bahnsteige sehr viel präziser georeferenzieren als vorher. Für die Fahrplanauskunft ist dies ein ganz wichtiger Qualitätssprung, so Castrillo weiter. Die Duisburger Verkehrsgesellschaft AG, die Essener Verkehrs-AG, die Hagener Straßenbahn AG und die SWK MOBIL GmbH stellen ihre Systeme bereits zum kleinen Fahrplanwechsel im Juni 2015 auf OpenStreetMap um, bis Ende des Jahres folgen alle weiteren, sodass dann VRR-weit ein einheitliches Gestaltungsraster für alle gedruckten Pläne existiert. Seit Kurzem können Nahverkehrskunden ihre Tickets direkt am heimischen Rechner erwerben und für ihre Fahrt mit Bus und Bahn nutzen. Mit dem neuen, modernen und nutzerfreundlichen Ticketshop stärken VRR und Verkehrsunternehmen das Internet als Vertriebsweg und tragen darüber hinaus dem Bedarf der Kunden nach digital verfügbaren Nahverkehrsservices Rechnung (siehe spectrum 03/2014). Im nächsten Schritt werden auch mobile Endgeräte wie Smartphones als Ausgabemedien für Nahverkehrstickets an den neuen Shop angedockt. Der neue Ticketshop ist ein weiterer wichtiger Baustein einer umfassenden Digitalisierung des Öffentlichen Nahverkehrs im Verbundraum. Forumstag Digital: Blick in die Zukunft mobiler Nahverkehrsservices Der neue Ticketshop ermöglicht den Ticketkauf am heimischen Rechner. Neben den aktuell verfügbaren mobilen Services beschäftigt sich der VRR auch mit innovativen neuen Möglichkeiten, um die digitalen Leistungen für den Fahrgast zu verbessern. So hatten ÖPNV-Experten im Rahmen des letzten Forumstages Digital Gelegenheit, sogenannte standortbezogene Dienste (engl. Location-based Services (LBS)) näher kennenzulernen und über die Anwendungsmöglichkeiten im Öffentlichen Nahverkehr zu diskutieren. LBS eröffnen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen die Chance, Nutzern bzw. Kunden positionsabhängige relevante Informationen bereitzustellen. Damit sind sie eine interessante Option für den ÖPNV und zwar einerseits um Fahrgäste besser zu informieren, andererseits für zeitgemäße Geschäftsmodelle von Verkehrsunternehmen. Die Besucher des Forumstages warfen gemeinsam mit den Referenten einen Blick auf zukünftige Entwicklungen. Zudem informierten die anwesenden Experten über Pilotprojekte, die die Umsetzung von standortbezogenen Diensten in der Praxis zeigen. Diese entstanden teilweise in Kooperation mit Startup-Unternehmen. Eben diese Kooperationen mit jungen, innovativen Unternehmen und Ideengebern waren ein weiterer Themenschwerpunkt des Forumstages. Ein Vertreter der Schweizer SBB AG vermittelte einen Überblick über Kooperationsmöglichkeiten, informierte, wie in der Nahverkehrsbranche an das Innovationsmanagement herangegangen werden kann und wie entsprechende Partnerschaften mit Startups aussehen können. SPECTRUM IM VERBUND 11
12 RRX-Fuhrpark: Leistungsstarke SPNV-Fahrzeuge von Siemens RRX news Mit der Vergabe zur Beschaffung von 82 einheitlichen und hochwertigen Fahrzeugen haben die beteiligten Zweckverbände einen weiteren entscheidenden Schritt hin zur Realisierung des Rhein-Ruhr-Express (RRX) unternommen. Am 10. Februar 2015 entschieden die beteiligten Zweckverbände, den Zuschlag an die Siemens AG zu vergeben. Die zuständigen Gremien des VRR bestätigten die Vergabe noch am gleichen Tag. Zum Redaktionsschluss dieser spectrum-ausgabe stand die Entscheidung noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der politischen Gremien aller anderen beteiligten Zweckverbände. Das Unternehmen setzte sich im Wettbewerb mit dem wirtschaftlichsten Angebot gegen zwei Konkurrenten durch. Der Fahrzeughersteller wird die RRX-Fahrzeuge konstruieren, produzieren und über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren instand halten. Geplant ist, Ende 2018 die ersten Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen. Technische Berater werden den gesamten Produktionsprozess von der Konstruktion bis zur Auslieferung der letzten Fahrzeuge begleiten. Eine entsprechende, an Ingenieurbüros gerichtete Ausschreibung über das Controlling der Fahrzeuge wurde im Januar 2015 veröffentlicht. 12 SPECTRUM IM VERBUND
13 Der Innenraum der neuen RRX-Fahrzeuge ist modern und komfortabel. Grundlage der Vergabe beim RRX ist das sogenannte NRW-RRX-Modell, das die beteiligten Zweckverbände Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR), Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) unter Federführung des VRR gemeinsam realisieren. Es trennt die Fahrzeugbeschaffung vom Betrieb der zukünftigen RRX-Linien, damit die SPNV-Aufgabenträger einheitliche RRX-Fahrzeuge beschaffen und über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren zu günstigen Lebenszykluskosten für einen qualitativ hochwertigen Fahrgastbetrieb zur Verfügung stellen können. Siemens stellt die RRX-Fahrzeuge in der erforderlichen Anzahl und Qualität bereit, kümmert sich um deren Wartung und Instandhaltung und garantiert damit über den genannten Zeitraum deren hundertprozentige Verfügbarkeit. Die Zweckverbände werden rechtlich Eigentümer der Züge und verpachten diese an die Eisenbahnverkehrsunternehmen, die damit den Betrieb der RRX-Linien durchführen. Insbesondere im Hinblick auf die Energieeffizienz der Fahrzeuge wirkt sich SPECTRUM IM VERBUND das Lebenszyklusmodell sehr positiv aus. Denn die Züge werden so konstruiert sein, dass der Energieverbrauch im Vergleich mit heutigen Modellen deutlich verringert wird. Moderne Fahrzeuge mit hochwertiger Ausstattung und optimierter Fahrdynamik Die vom Hersteller geplanten Fahrzeuge sind im Vergleich zu heutigen Nahverkehrszügen komfortabler und leistungsstärker. Ein hohes Beschleunigungsvermögen ermöglicht eine deutlich verbesserte Pünktlichkeit auf dem RRX-Streckennetz. Die breiten, barrierefreien Einstiegsbereiche mit niveaugleichem Zugang an 76 Zentimeter hohen Bahnsteigen sind gleichmäßig über das gesamte Fahrzeug verteilt, übersichtlich gestaltet, gut ausgeleuchtet und verfügen an allen Türen über eine automatische Spaltüberbrückung. Der gesamte Niederflurbereich der Endwagen zwischen den Drehgestellen ist zudem rampen- und stufenlos angelegt. So ermöglichen die neuen RRX-Fahrzeuge einen zügigen und komfortablen Fahrgastwechsel auch bei hohem Passagieraufkommen und mobilitätseingeschränkten Perso- 13
14 nen einen barrierefreien Ein- und Ausstieg. In einem der beiden Endwagen ist zudem ein Bereich vorgesehen, der speziell auf die Belange von Fahrgästen mit Rollstuhl und deren Begleitpersonen ausgerichtet ist: In unmittelbarer Nähe zu den Eingangstüren befinden sich drei Rollstuhlstellplätze sowie eine Toilette, die barrierefrei zugänglich ist. problemlose Nutzung von Smartphones oder Tablets ermöglichen und damit beispielsweise auch den Zugang zu digitalen Services rund um den Öffentlichen Personennahverkehr. Auch mithilfe eines kostenlosen WLAN- Netzes oder perspektivisch entsprechender alternativer technischer Da der Fahrgastraum der Züge ohne störende Maschinenräume auskommt, verfügen die 105 Meter langen Züge mit 400 Sitzplätzen pro Fahrzeug über größere Kapazitäten als derzeitige Nahverkehrszüge auf den Streckenabschnitten. Die Sitzplätze sind unterschiedlich angeordnet, um dem individuellen Bedarf möglichst vieler Fahrgäste Rechnung zu tragen sei es vis-à-vis mit Tischen, in Reihe oder längs zur Fahrtrichtung. Die Mehrzweckbereiche bieten ausreichend Platz für Nahverkehrskunden mit Kinderwagen, Rollatoren oder Fahrrädern. Die 1. Klasse verfügt über 36 komfortable Sitzplätze mit großzügigem Freiraum, die mit individuellen Leseleuchten ausgestattet sind. Repeater zur Verbesserung des Mobilfunkempfangs sollen den Kunden eine Die RRX-Fahrzeuge ermöglichen einen barrierefreien Ein- und Ausstieg. Standards soll der mobile Datentransfer begünstigt werden. Steckdosen an allen fest installierten Sitzen ermöglichen zudem das Laden von Laptops, Tablets oder Smartphones, was insbesondere Pendlern das Arbeiten während der Fahrt erleichtern wird. Die Innenräume sind transparent und übersichtlich gestaltet und mit einem modernen Videoüberwachungssystem ausgestattet, was wesentlich zu einer Verbesserung des subjektiven Sicherheitsempfindens der Fahrgäste beitragen wird. Geplant sind moderne visuelle und akustische Fahrgastinformationssysteme, über die sich die Fahrgäste in Echtzeit über die nächsten Haltepunkte, die Ausstiegsseite, die Trennung von Zugteilen, den Start- und Zielbahnhof sowie über Anschlussmöglichkeiten und eventuelle Störungen im Betriebsablauf informieren können. Die neuen RRX-Fahrzeuge basieren auf der Desiro-Fahrzeugfamilie von Siemens. Bereits bestehende Module und Technologien wie beispielsweise be- 14 SPECTRUM IM VERBUND
15 Die neuen RRX-Fahrzeuge basieren auf der Desiro-Fahrzeugfamilie der Siemens AG. währte Drehgestelle in Verbindung mit erprobter Antriebstechnologie werden konsequent weiterentwickelt und in die neuen Züge integriert. Controlling vom Konstruktionsstart bis zur Auslieferung sichert Fahrzeugqualität Um die Qualität der neuen RRX-Fahrzeuge zu gewährleisten und die Fertigung der 82 Züge konstruktiv zu begleiten, sollen technische Berater das Controlling während des gesamten Produktionsprozesses der Fahrzeuge übernehmen. Eine an Ingenieurbüros gerichtete Ausschreibung wurde bereits im Januar 2015 veröffentlicht und soll zeitnah abgeschlossen werden.* Geplant ist, dass die Controller ab Konstruktionsstart und während der kompletten Bauzeit permanent beim Hersteller vor Ort sind und das Projekt bis zur Auslieferung aller Fahrzeuge begleiten. Detaillierte Informationen zu den geplanten RRX-Fahrzeugen gingen direkt nach der Entscheidung für Siemens an alle Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), die sich am Vergabeverfahren um den Betrieb der zukünftigen RRX- Linien beteiligen. Damit wird den EVU eine solide Kalkulation ihrer letztverbindlichen Angebote über die RRX-Verkehrsleistungen ermöglicht. Über den Ausgang dieses Verfahrens berichten wir an gleicher Stelle in der nächsten Ausgabe von spectrum. * Zum Redaktionsschluss dieser spectrum-ausgabe stand der Ausgang des Verfahrens noch nicht fest. SPECTRUM IM VERBUND 15
16 VRR-Auskunftssysteme: Technische Dienstleistung im Hintergrund Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr betreibt eine Reihe technischer Auskunftssysteme wie die Elektronische Fahrplanauskunft (EFA), die VRR-Website oder die VRR-App. Was sich für den Nutzer vordergründig als simples Tool darstellt, benötigt im Hintergrund ein aufwendiges technisches System, das die Nutzeranfragen verarbeitet. Damit Fahrgäste die Services des VRR und der Verkehrsunternehmen uneingeschränkt erreichen und störungsfrei nutzen können, steht der VRR, vor allem in Zeiten der mobilen Internetnutzung und damit verbundenen steigenden Nutzerzahlen, immer wieder vor neuen Herausforderungen. Die Anforderungen an den VRR als technischen Dienstleister für die Nahverkehrskunden haben sich im Laufe der letzten Jahre erheblich gewandelt. Immer mehr Fahrgäste greifen auf eine Vielzahl der VRR-eigenen Auskunftssysteme zurück. Stand den Kunden früher neben der VRR-Website lediglich die Elektronische Fahrplanauskunft als technisches Informationssystem zur Verfügung, hält der Verbund heute zusätzliche, zunehmend mobile Angebote wie zum Beispiel die VRR-App bereit und reagiert damit auf die veränderten Nutzergewohnheiten. Seit dem Erscheinen der VRR-App im Jahr 2011 ist diese insgesamt rund 1,7 Millionen Mal heruntergeladen worden, monatlich verzeichnet die mobile Auskunft rund 20 Millionen Zugriffe (Stand Januar 2015). Mit der Potenzierung der Zugriffszahlen durch die vermehrten Zugriffsmöglichkeiten sind auch die technischen Anforderungen gestiegen. Mittlerweile reicht nicht mehr, wie ursprünglich vorhanden, nur ein Rechnersystem im Hintergrund aus, um alle Anfragen verarbeiten zu können. Vielmehr ist ein komplexes System verschiedener Server notwendig, um die Leistungsmerkmale der heutigen Auskunftssysteme zu erfüllen. Um sicherzustellen, dass die Systeme bei Ausfall einzelner Hardwarekomponenten trotzdem reibungslos funktionieren, laufen nahezu alle Systeme beim VRR mittlerweile auf einer virtuellen Ebene. Das bedeutet, dass die Software auf mehrere Server verteilt wird und zwischen diesen hinund hergeschoben werden kann. Zukünftig Rückfallebene bei Komplettausfall vorhanden Stromausfall beim VRR Derzeit befinden sich die Server des VRR in zwei getrennten Brandabschnitten im Verwaltungsgebäude in Gelsenkirchen-Mitte. Bei Ausfall eines Brandabschnittes laufen die Systeme im zweiten weiter. Bereits seit Februar 2014 bereitet der VRR ein Ausweichrechenzentrum in Gelsenkirchen-Buer vor, das im April 2015 zur Verfügung stehen wird. Dort laufen dann EFA, VRR-App und VRR-Webauftritt parallel, sodass diese bei einem kompletten Aussetzen des Hintergrundsystems, beispielsweise durch einen vollständigen Stromausfall, an einem der beiden Standorte ohne Unterbrechung weiterbetrieben werden können. Die zweite Rückfallebene ermöglicht es uns, unseren Kunden jederzeit uneingeschränkten Zugang zu unseren Systemen zu bieten, erklärt José Luis Castrillo, Vorstand des VRR. Wichtig ist dies vor allem vor dem Hintergrund einer weiteren Digitalisierung des Öffentlichen Nahverkehrs, denn zukünftig sollen die Fahrgastinformation, der Vertrieb und weitere Services rund um Bus und Bahn unter einer einheitlichen digitalen Kundenschnittstelle zusammengeführt werden. Auch auf der Arbeitsebene bietet ein redundantes System Erleichterungen, denn ein Komplettausfall der Systeme ist immer mit einem hohen Personal- und Kostenaufwand verbunden, um die Störungen zu beheben oder Ersatzsysteme bereitzustellen. Der Mehraufwand, ein Ausweichsystem zu betreiben, fällt demgegenüber sehr gering aus. Am 9. und 10. Januar ereigneten sich aufgrund eines technischen Problems des Energieversorgers im Gebäudekomplex der VRR-Verwaltung und der umliegenden Geschäfte zwei Stromausfälle. Davon betroffen war auch der komplette Serverbereich des VRR, weshalb alle Auskunftssysteme sowie einige Hardwarekomponenten ausfielen. Den Nahverkehrskunden standen in dieser Zeit weder die VRR-Website mit der Elektronischen Fahrplanauskunft noch die VRR-App zur Verfügung. Ein Notfallteam aus VRR-Mitarbeitern arbeitete mit Hochdruck daran, die teils beschädigten Server wieder herzustellen. Am 12. Januar waren alle Systeme wieder vollumfänglich einsatzbereit. Dies zeigte noch einmal deutlich, dass der VRR mit der Entscheidung für die Einrichtung eines redundanten Serversystems bereits im letzten Jahr einen wichtigen Schritt unternommen hat, um sämtliche digitalen Nahverkehrsservices auch in Ausnahmesituationen aufrechterhalten zu können. 16 SPECTRUM IM FOKUS
17 SPNV-Kampagne: S-Bahnen, RB und RE bringen Fahrgäste schnell und sicher ans Ziel Jedes Jahr legen Nahverkehrszüge, verteilt auf 15 Regionalexpress-, 22 Regionalbahn- und elf S-Bahn-Linien, rund 279 Millionen Kilometer zurück. Mit diesem Leistungsangebot stellt der VRR einen qualitativ hochwertigen Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in der Region sicher. Um ein breites Publikum von dem Angebot zu begeistern, warb der VRR im Winter mit einer groß angelegten Imagekampagne für den SPNV. Von Ende Januar bis Ende Februar kommunizierte der Verkehrsverbund seine SPNV-Leistungen verbundweit unter dem Slogan Schnell und sicher ans Ziel. Mit S-Bahn, RB und RE. Bereits seit 2012 führt der VRR Imagekampagnen durch, um die Fahrgäste von der Qualität des Öffentlichen Nahverkehrs zu überzeugen. Ziel der Winterkampagne war es, den SPNV als Mobilitätsalternative stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Bestehende Kunden wie Abonnenten, Monatsticketkäufer und Gelegenheitsfahrer sollten in ihrem Nutzungsverhalten bestätigt werden. Potenziellen künftigen Fahrgästen wollte der VRR den Umstieg in die Züge des SPNV schmackhaft machen. Schnell und sicher ans Ziel. Mit S-Bahn, RB und RE. Jetzt planen! Das Kampagnenmotiv war an den Bahnhöfen und Stationen im Verbundgebiet sowie im direkten SPNV-Umfeld zu sehen. Für die Kampagne wurden zum einen bewährte Medien wie Großflächen und Plakate genutzt. Zum anderen erzielten Folien auf den Fußböden der Bahnhofshallen eine hohe Aufmerksamkeit bei den Fahrgästen. In der Empfangshalle des Duisburger Hauptbahnhofs kam ein von der Decke hängendes Riesenposter zum Einsatz. Zudem diente am Düsseldorfer Hauptbahnhof ein freistehender 3D-Werbeturm als Blickfang für die Passanten. In das Kampagnenmotiv band der VRR außerdem einen QR-Code ein, der zur Internetseite des Verkehrsverbundes führte. Von dort hatten die Fahrgäste direkten Zugriff auf die Zugfahrpläne aller RE-, RB- und S-Bahn-Linien im Verbundgebiet. Zusätzlich zur klassischen Außenwerbung kommunizierte der VRR seine Kampagnenbotschaft auch online und mobil. Neben dem Hauptmotiv wurden die verwendeten Banner auf besondere Fahrtanlässe abgestimmt. Auf diesem Weg sollten die Kunden dazu angehalten werden, den SPNV in ihrer Freizeit beispielsweise für eine Einkaufstour in die Nachbarstädte oder für eine Wanderung in der Natur zu nutzen. SPECTRUM IM FOKUS 17
18 Im Jahr 2015 wird der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) 35 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums werfen wir in unserer spectrum-rubrik Im Forum einen Blick zurück auf wichtige Meilensteine seit Gründung des VRR im Jahr 1980 und stellen Ihnen aktuelle Entwicklungen vor, die den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Zukunft bestimmen werden. In Teil 1 unserer Jubiläums-Serie geht es um die Themen Tarif, Vertrieb und Kundeninformation. In den folgenden spectrum-ausgaben beleuchten wir die SPNV-Aufgabenträgerschaft sowie die Themenschwerpunkte Infrastrukturförderung, Gremien und Finanzierung. Meilensteine Tarif, Vertrieb und Kundeninformation In einem polyzentrischen und dicht besiedelten Gebiet wie der Rhein-Ruhr-Region ist der Öffentliche Personennahverkehr bereits seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Baustein einer leistungsstarken und nachhaltigen Mobilität. Im Jahr 1980 wurde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gegründet, um die Kooperation der kommunalen Verkehrsunternehmen untereinander zu erleichtern, den Öffentlichen Verkehr zu stärken und damit nach der Ölkrise und den Umweltdiskussionen in den 1970er Jahren einen Beitrag zu einer umweltverträglichen und ressourcenschonenden Mobilität zu leisten. Seit seinem Bestehen setzt sich der VRR für eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in der Region ein. Er übernimmt vielfältige Aufgaben auf dem Gebiet des Öffentlichen Personennahverkehrs in der Region, sorgt gemeinsam mit Verkehrsunternehmen, Aufgabenträgern sowie zahlreichen anderen Partnern für die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger und stellt ein bedarfsgerechtes und an marktwirtschaftlichen Grundsätzen ausgerichtetes ÖPNV-Leistungsangebot sicher. 18 SPECTRUM IM FORUM
19 Tarifvielfalt: Angebote für jede Lebenslage Die heutige Vielfalt an Abonnements und Tickets aus dem Bartarif geht zurück auf eine grundlegende Neuerung, mit der der VRR im Jahr 1980 seine Arbeit aufnahm. Mehr als 20 Unternehmenstarife wurden in einen Startpunkt der VRR-Abostrategie war die Einführung des Ticket2000. Der VRR bietet Tickets für jede Lebenslage. einheitlichen Flächentarif für das gesamte VRR-Gebiet überführt. Dies war für die Menschen in der Region eine wesentliche Erleichterung, mussten sie doch zuvor für jedes Verkehrsmittel und jede Stadt ein separates Ticket lösen. Seit diesen Anfängen entwickelte der Verbund seinen VRR-Tarif als Gemeinschaftstarif aller Verkehrsunternehmen weiter, um dem wachsenden Mobilitätsbedürfnis und dem sich wandelnden Mobilitätsverhalten der Nahverkehrskunden Rechnung zu tragen. Die Tarifgebiete und Waben sind damals wie heute die Grundlage des VRR- Flächentarifs. Ein Tarifgebiet umfasst in der Regel eine Stadt oder mehrere kleine Städte und Gemeinden. Jedes Tarifgebiet wiederum setzt sich aus einer oder mehreren Waben zusammen. Jeder Nahverkehrsverbindung im VRR wird abhängig davon, wie viele Tarifgebiete während der Fahrt durchquert werden eine Preisstufe zugeordnet. Derzeit sind dies die Stufen A bis E sowie die Kurzstrecke. Neben den regulären Tickets aus dem sogenannten Bartarif haben Vielfahrer wie beispielsweise Berufs- oder Ausbildungspendler die Möglichkeit, Zeitkarten für die Nutzung von Bus und Bahn zu erwerben. Hierzu zählen die regulären Monatstickets oder Abonnements. Startpunkt dieser konsequenten Abostrategie des VRR war die Einführung des Ticket2000 im Jahr Das Ticket sorgte mit seinem günstigen Preis und attraktiven Extraleistungen wie der Übertragbarkeit auf andere Personen und der Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten weitere Personen mitzunehmen, bereits im ersten Jahr für einen 15-prozentigen Zuwachs bei den Fahrgastzahlen. Im Laufe der Zeit entwickelte der VRR Tickets für jede Lebenslage : Mit dem Ticket2000, Ticket1000, BärenTicket, YoungTicketPLUS, SchokoTicket und dem SozialTicket gibt es Abonnements für unterschiedlichste Zielgruppen, die eine preiswerte Nutzung des ÖPNV erlauben. Heute sind mehr als 1,3 Millionen Fahrgäste mit Abotickets im VRR unterwegs. Fahrgastinformation: Vom Fahrplanbuch bis hin zu digitalen Echtzeitinformationen Eine wesentliche Voraussetzung, damit sich Fahrgäste für Bus und Bahn entscheiden, ist eine umfassende Information über die Leistungen des Öffentlichen Personennahverkehrs und mögliche Fahrtverbindungen. Zudem erwarten Kunden, dass bei Unregelmäßigkeiten entlang der Wegekette schnell und exakt informiert und auf verlässliche Alternativen hingewiesen wird. In enger Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen gestaltet der VRR daher die verbundweit einheitliche Fahrgastinformation und trägt somit zur Akzeptanz des Nahverkehrs bei Kunden oder potenziellen Nutzern bei. In der Anfangszeit des VRR waren es ausschließlich Printmedien, die die Information der Fahrgäste über den SPECTRUM IM FORUM 19
20 Anfang der 1990er Jahre ging die Elektronische Fahrplanauskunft online. Soll-Fahrplan sicherstellten. Hierzu zählen übrigens auch heute noch Fahrplanbücher, Stadtlinienpläne und der Linienplan des Schnellverkehrs. Zu Beginn der 1990er Jahre kam mit der Elektronischen Fahrplanauskunft (EFA) ein digitales System hinzu, Seit Herbst 2013 können Fahrgäste sich ihren ganz persönlichen Abfahrtsmonitor konfigurieren. das auf Basis der Fahrplandaten über Nahverkehrsverbindungen informiert und damit wesentlich zur Kundenzufriedenheit beiträgt. Zunächst wurde die EFA als internes System für die Mitarbeiter in den Kundencentern eingesetzt. Ab 1998 war sie als EFA-Programm auf CD-ROM verfügbar und fand um das Jahr 2000 ihren Weg ins Internet. Die EFA bietet schnell und unkompliziert die gewünschten Fahrtverbindungen und hält zahlreiche zusätzliche Reiseinformationen wie zum Beispiel das Abfahrtsgleis für den Fahrgast bereit. Über die reinen Verbindungsdaten hinaus erhalten Fahrgäste auch Informationen über Störungen, Verspätungen und besondere Vorkommnisse im Betriebsablauf. Diese dynamische Fahrgastinformation über den Ist-Fahrplan erfolgt inzwischen über vielfältige digitale Medien direkt beim Fahrgast (Internetseiten von VRR und Verkehrsunternehmen, VRR-App, Abfahrtsmonitor etc.) oder an den Haltepunkten des Öffentlichen Personennahverkehrs. Zur Fußball-WM im Jahr 2006 wurde als wesentliche Neuerung der sogenannte Istdatenserver (IDS) beim VRR installiert. Zunächst waren nur Informationen für DB-Linien verfügbar, in den folgenden Jahren konnten immer mehr Verkehrsunternehmen im VRR angeschlossen werden. Über diesen Weg stellen die beteiligten Verkehrsunternehmen und Eisenbahnverkehrsunternehmen die Echtzeitdaten aus ihren Betriebsleitsystemen zur Verfügung. Der IDS fungiert als zentrale Datendrehscheibe, die die verschie- 20 SPECTRUM IM FORUM
21 denen Systeme der angeschlossenen Betriebe vernetzt und einen reibungslosen Datenaustausch gewährleistet. Somit hat der IDS Zugriff auf die Echtzeitinformationen der Verkehrsmittel im VRR des Schienenpersonennahverkehrs, der Stadtbahnen, Busse und Straßenbahnen. Digitalisierung stärkt Nahverkehr für zukünftige Anforderungen Alle Aktivitäten des VRR in den Bereichen Tarif, Vertrieb und Fahrgastinformation erfolgten anfangs wie heute mit dem Ziel, Einnahmen zu generieren und damit eine größtmögliche Wirtschaftlichkeit des ÖPNV zu erzielen, um die kommunalen Aufgabenträger so wenig wie möglich zu belasten. Zudem sollen die Fahrgastzahlen gehalten und neue Kunden durch eine optimierte Tarifstruktur und attraktive Leistungen rund um Bus und Bahn gewonnen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Struktur des VRR-Tarifs mit den unterschiedlichen Preisstufen, Tarifzonen und dem Ticketsortiment, die Preise, Vertriebswege sowie die klassische und elektronische Fahrgastinformation kontinuierlich weiterentwickelt, an aktuelle Gegebenheiten angepasst und mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen neu ausgerichtet. Früher und heute: Der Trend zur Digitalisierung Der Löwenanteil der Umsätze im Nahverkehr wird heute zwar immer noch durch Abonnements generiert, etwa 22 Prozent entfallen auf den Bartarif und nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Ticketkäufe erfolgt online über mobile Endgeräte. Aber der Bedarf an digital verfügbaren Informationen und Services steigt kontinuierlich: Immer mehr Fahrplanabfragen erfolgen über Smartphones oder andere mobile Endgeräte, über das Internet, die VRR-App oder den VRR-Abfahrtsmonitor. Was in zahlreichen anderen Lebensbereichen bereits vollkommen selbstverständlich ist, wird auch im Öffentlichen Personennahverkehr zum Alltag gehören: Zukünftig will der VRR dem Kunden Seit 35 Jahren entwickelt der VRR die Nahverkehrsservices weiter, um den sich wandelnden Ansprüchen der Fahrgäste gerecht zu werden. einen zentralen digitalen Zugangspunkt zu sämtlichen Nahverkehrsleistungen bieten egal ob mobil über Smartphone oder Tablet, zu Hause am Rechner oder an den Automaten der Verkehrsunternehmen. Information und Ticketkauf werden integriert, gemeinsam mit Mehrwertdiensten rund um den ÖPNV unter einer gemeinsamen Marke zusammengeführt und dem Fahrgast unter einer einheitlichen digitalen Kundenschnittstelle zugänglich gemacht. Grundlage der geplanten digitalen Kundenschnittstelle wird ein etarif sein, der sich stärker als der bisherige Flächentarif an den Nahverkehrsleistungen und Services orientiert, nutzungsabhängig gestaltet ist und damit den individuellen Nutzungsgewohnheiten des Kunden Rechnung trägt. Parallel dazu wird auch der bestehende Flächentarif weiterentwickelt, sodass Fahrgäste zukünftig selbst wählen können, für welche Tarifwelt sie sich entscheiden oder ob sie etarif und klassischen Tarif miteinander verknüpfen möchten. Seit 35 Jahren arbeitet der VRR daran, den Öffentlichen Personennahverkehr einfach, kundenfreundlich und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und jederzeit den sich kontinuierlich wandelnden Mobilitätsansprüchen der Fahrgäste gerecht zu werden. Dies tut er gemeinsam mit kommunalen Verkehrsunternehmen, Eisenbahnverkehrsunternehmen, benachbarten SPNV-Aufgabenträgern und weiteren Partnern aus der Mobilitätsbranche und zwar bis heute und auch zukünftig im Interesse der Nahverkehrskunden, einer größtmöglichen Akzeptanz des Mobilitätsangebotes bei den Bürgerinnen und Bürgern in der Region, einer höheren Tarifergiebigkeit und einer kontinuierlichen Verbesserung der angebotenen Leistungen. SPECTRUM IM FORUM 21
22 VRR verzeichnet Zuwächse bei den Fahrgeldeinnahmen Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) blickt auf eine solide Bilanz 2014 zurück: Die Zahl der zurückgelegten Fahrten ging im Vergleich zum Vorjahr um rund 0,4 Prozent auf 1,142 Milliarden zurück. Die Schlaue Nummer für Bus und Bahn! / * Dagegen stiegen die Einnahmen aus den Ticketverkäufen auf 1,148 Milliarden Euro. Das sind rund 2,5 Prozent mehr als Die Zuwächse bei den Ticketeinnahmen tragen einen wichtigen Teil zur Kostendeckung auf Seiten der Verkehrsunternehmen bei. Allerdings zeigt die Entwicklung auch, dass neue Wege bei der Konzeption und Ausgestaltung der Tarife eingeschlagen werden müssen. Neben der differenzierten Weiterentwicklung der bestehenden Tarife wird der VRR deshalb zukünftig einen Schwerpunkt auf die Ausgestaltung eines etarifes legen. Schlaue Nummer mit neuer Vorwahl Die Schlaue Nummer für Bus und Bahn Seit dem 1. Januar 2015 wird die Schlaue Nummer in NRW Ihre persönliche für eine Vielzahl Auskunft von für Verkehrsunternehmen im VRR Fahrplan- vom Leipziger und Tarifberatung Callcenter omniphon betreut. Über die neue Telefonnummer / (*0,20 *(Festnetzpreis 0,20 /Anruf; mobil max. 0,60 /Anruf) pro Anruf aus dem dt. Festnetz; 0,60 pro Anruf aus den Mobilfunknetzen) erhalten Fahrgäste rund um die Mehr Infos unter Uhr Informationen zum Fahrplan und zum Tarif im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Verkehrsverbund wirbt für Fortführung des VRR-Semestertickets Anzeigen Fahrplan.indd :42 Im Hinblick auf eine erfolgreiche Fortsetzung des Semestertickets bleibt VRR-Vorstand José Luis Castrillo zuversichtlich: 14 Hochschulverwaltungen und zwei Asten haben das vom VRR und den örtlichen Verkehrsunternehmen im August 2014 vorgelegte Vertragsangebot bereits angenommen. Während die Studierenden im Sommersemester 2015 monatlich 19,06 Euro für das VRR-Semesterticket bezahlen, soll der Monatspreis zum Wintersemester 2015/2016 einmalig um zwei Euro und zu den folgenden vier Sommersemestern um jeweils 0,45 Euro angehoben werden. Mit dem Ziel, die Hochschulen von diesem moderaten und sozialverträglichen Angebot zu überzeugen, fanden in den letzten Monaten mehrere Informationsveranstaltungen statt. Dort stellte VRR-Vorstand José Luis Castrillo den Studierenden das Vertragsangebot vor und beantwortete offene Fragen. Außerdem kam der VRR den Studierendenvertretungen hinsichtlich einer gewünschten Verlängerung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist entgegen. Dieser Punkt wird auch in die 16 bereits geschlossenen Verträge übernommen. 22 SPECTRUM VRR-TICKER
23 VRR-Informationsveranstaltung im OKTOGON Erstmals in dieser Legislaturperiode lud der VRR am 19. Februar 2015 die Mitglieder der neukonstituierten Verbandsversammlung zu einer eintägigen Informationsveranstaltung ein. Die politischen Mandatsträger nutzten das Treffen im OKTOGON auf dem Gelände der Zeche Zollverein zum fachlichen Austausch mit den beiden VRR-Vorständen Martin Husmann und José Luis Castrillo sowie den VRR-Führungskräften. Neben verschiedenen Vorträgen hatten die Politiker Gelegenheit, sich an mehreren Infopoints über Schwerpunktthemen wie den Rhein-Ruhr-Express oder die Einführung einer digitalen Kundenschnittstelle zu informieren und mit den verantwortlichen Abteilungs- und Stabsstellenleitern zu diskutieren. SPECTRUM VRR-TICKER 23
24 Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR Augustastraße Gelsenkirchen
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