Seminar Suchtmedizin
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- Gerda Gundi Kästner
- vor 10 Jahren
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Transkript
1 Seminar Suchtmedizin , Kantonsspital Olten Bruno Liniger Facharzt FMH für Rechtsmedizin Institut für Rechtsmedizin, Universität ZH Verkehrsmedizin & Klinische Forensik 1
2 Themen-Palette Medikament 2
3 Wichtige Definitionen Fahr-Fähigkeit Momentane, ereignisbezogene und zeitlich begrenzte Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu führen, basierend auf der momentanen körperlichen und psychischen Leistungsfähigkeit. 3
4 Wichtige Definitionen Fahr-Eignung (= Fahrtauglichkeit) Zeitlich nicht umschriebene und nicht ereignisbezogene Eignung zum sicheren Führen eines Fahrzeugs. 4
5 Alkohol 5
6 Alkohol Aufnahme (Resorption) Ausscheidung (Elimination) Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit 6
7 Alkohol-Aufnahme In der Regel mittels Trinken Hauptresorption im Dünndarm Übertritt Magen/Dünndarm nicht immer gleich! Unterschied! Magen leer/voll Pylorus(Pförtner)-Muskel 7
8 Alkohol-Aufnahme (Pylorus) 8
9 Alkohol-Aufnahme Resorptionszeit unterschiedlich lang: Minimal 20 Minuten (leerer Magen) Maximal 2 Stunden (voller Magen) 9
10 Alkohol-Abbau Via Leber Pro Stunde im Mittel 0.15 Gew.%o Minimal 0.1 %o Maximal 0.2 %o CAVE Restalkohol! 10
11 Faustregel (Mann 70kg) Pro übliche Ausschankportion von normal alkoholhaltigem... Bier (3 dl) Wein (1 dl) Schnaps (0.2 dl) 0.2 Gew.%o 11
12 Auswirkungen: Fahrfähigkeit Störungen ab %o Räumliches Sehen Hell/Dunkel-Adaptation Gesichtsfeld-Einengung ( Tunnel-Effekt ) Extremitäten-Bewegungen Konzentration Reaktion Koordination Leistungsreserve nimmt ab! 12
13 Wichtige Faktoren gilt für alle psychotropen Substanzen: Gewöhnung (Toleranz) Konsumationsart (z.b. Sturztrunk in leeren Magen versus genussvolles Alkohol trinken zum Essen / Heroin intravenös fixen versus Heroin rauchen) Müdigkeit! Gegenseitige Wirkungsverstärkung! 13
14 Drogen 14
15 Heroin 15
16 Heroin Klassiker der harten Drogen, mittlerweile out Gruppe der Opiate (Heroin, Morphin, Codein) spritzen, folienrauchen, sniffen enge Pupillen starker Flash, Dämpfung, Wohlbefinden macht schwere Abhängigkeit Überdosis immer tödlich Wirkung verursacht klare Fahrunfähigkeit 16
17 Cocain 17
18 Cocain nebst dem Cannabis aktuelle Modedroge Nr.1 ( jung und alt, arm und reich ) / Haaranalyse! gehört zu den Stimulanzien, macht abhängig schnupfen, rauchen, spritzen unter Wirkung: u.a. Leistungssteigerung, Euphorie, Allmacht, Agressivität, Selbstüberschätzung, Realitätsverlust... und so fährt man dann auch! sehr gefährliche Droge, v.a. auch kombiniert mit Alkohol Nach der Wirkung: u.a. Antriebsverlust, Depression, Schlaflosigkeit, Suizidalität 18
19 Cannabis 19
20 Cannabis Haschisch (Shit) / Marihuana (Gras) wieder weit verbreitet, obwohl nicht legalisiert wichtigster Wirkstoff THC / Indoor-Produktion rauchen (Joint), essen (Kekse, etc.) kann abhängig machen / psych. Krankheiten bleibt aufgrund seiner Lipophilität sehr lange im Körper, lang nachweisbar (inaktives THC- COOH = gibt Hinweis auf Konsum-Häufigkeit) viele Cannabis-Produkte, auch in der Medizin unterschiedliche Rauschverläufe, aber Fahrunfähigkeit 20
21 Amphetamine, Ecstasy, etc. 21
22 Amphetamin, Ecstasy, etc. Chemisch verwandte, synthetische Drogen Amphetamin ( Speed ): Aufputschmittel, Doping, Wach- und Schlankmacher sowie Party- /Lifestyle-Droge (vgl. Cocain) erhöhte Risikobereitschaft, Agressivität, gefährliches Fahren Tabletten, Pulver (schnupfen), rauchen, spritzen macht abhängig beim Absetzen: u.a. Entzugserscheinungen, psychische Probleme (Depression, Psychose) Metamphetamin ( Thai-Pille / Crystal ) 22
23 Amphetamin, Ecstasy, etc. MDMA = 3,4-Methylendioxymethamphetamin ( Ecstasy ), MDEA ( Eve ), etc. Designer-Drogen = Designer-Amphetamine mit unterschiedlichen Wirkungskomponenten Party-/Tanz-/Lifestyle-Drogen, Drogen der Liebe, Entaktogene ( Kontakt zum eigenen Inneren ), Empathie-Auslöser Amphetamine-Komponente: Wachheit, Leistungssteigerung, etc. Halluzinogene Wirkung Gefährlichkeit unterschätzt: u.a. Hirnschäden 23
24 Substitutions-Substanzen Zur Behandlung von Opiat- bzw. Heroinabhängigen Personen Methadon Buprenorphin (Subutex) 24
25 Weitere Drogen 25
26 Weitere Drogen Halluzinogene (LSD, Psylocibin): Sinnestäuschungen, tiefgreifende psychische Veränderungen, stark verändertes Erleben von Raum und Zeit sowie des Selbst GHB/GBL, Naturdrogen (z.b. Engelstrompete), etc. 26
27 Medikamente 27
28 Medikamente im Strassenverkehr sehr weit verbreitet, aber bisher nur selten untersucht in CH wahrscheinlich ca Personen mit problematischem Konsum von psychotropen Medikamenten, vor allem Schlafund Beruhigungsmittel auch rezeptfreie Medikamente verursachen z.t. Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit 28
29 Medikamente Gefahr der Medikamente im Strassenverkehr häufig unterschätzt zu wenig Aufklärung (Ärzteschaft, Apotheker!) Eigenverantwortung: Beipackzettel lesen Aber! Fahrfähigkeit/Fahreignung häufig erst durch medikamentöse Therapie gegeben! Beispiele: Epilepsie, Diabetes, Herzerkrankung, etc. 29
30 Medikamenten-Beipackzettel Empfehlung: Immer den Beipackzettel lesen! Fahrfähigkeitsbeeinträchtigende Wirkungen/Nebenwirkungen und Wechselwirkung mit Alkohol müssen aufgeführt sein! 30
31 Medikamente Achtung: Medikamenten-Wirkungen werden immer und z.t. unvorhersehbar drastisch verstärkt durch Alkohol Drogen Müdigkeit 31
32 Medikamente Wichtige Medikamenten-Gruppen Schlaf- und Beruhigungsmittel Starke, zentral wirksame Schmerzmittel Psychopharmaka Starke Hustenmittel Antiallergika Medikamente gegen Reisekrankheit Anästhesie-/Narkosemittel Medikamente, die die Pupillengrösse beeinflussen Alkoholhaltige pflanzliche Mittel 32
33 Analytischer Nachweis Praktisch alle Substanzen bis in sehr tiefe Konzentrationsbereiche nachweisbar! Schnelltest (Urin/Speichel/Schweiss): Hinweis Spezialanalyse (z.b. GC-MS): Beweis (Urin, Blut, Haare) Frage nach Wirkung: Blut Frage nach Konsum: Urin/Haare/Speichel/Schweiss 33
34 Juristische Konsequenzen Administrativverfahren Strafverfahren Zivilverfahren Gilt für Al Me Dro!!! SVG-Revision! 34
35 Administrativverfahren SVG-Revision: Wichtige Änderungen seit Unterschiede in der Bewertung Alkohol bzw. Drogen! Alkohol: 0.5 %o Drogen: Nulltoleranz Leichte, mittelschwere, schwere Widerhandlung 35
36 Administrativverfahren Anlassfreie Atemalkoholprobe %o (nicht qualifizierte BAK): leichte Widerhandlung %o + zusätzliche leichte Widerhandlung: mittelschwere Widerhandlung ab 0.80 %o (qualifizierte BAK) / Überschreiten des Drogen-Nulltoleranz-Grenzwertes / Fahrunfähigkeit wegen Medikamenten-Einfluss: schwere Widerhandlung 36
37 Administrativverfahren Drogen-Nulltoleranz (in Mikrogramm/Liter) Tetrahydrocannabinol (Cannabis): 1.5 Freies Morphin (Heroin/Morphin): 15 Cocain: 15 Amphetamin: 15 Metamphetamin: 15 MDEA ( Eve ): 15 MDMA ( Ecstasy ): 15 37
38 Administrativverfahren Leichte Widerhandlung Keine Massnahme / Verwarnung / min. 1 Mt. FA-Entzug Mittelschwere Widerhandlung Min. 1 Mt. FA-Entzug Schwere Widerhandlung Min. 3 Mt. FA-Entzug 38
39 Strafverfahren Busse Freiheitsentzug (bedingt/unbedingt) Geldstrafe (Tagessätze) Therapie-Massnahme gemeinnützige Arbeit 39
40 Zivilverfahren Grobfahrlässigkeit Regress (Rückgriff): Haftpflichtversicherung fordert einen Teil der Schadenssumme vom Verursacher ein! je nach Schwere des Verschuldens 40
41 Zivilverfahren Regresskosten können den lebenslänglichen finanziellen Ruin bedeuten! 41
42 Zivilverfahren Beispiel in den Unterlagen: Alkoholunfall: Als Pw-Lenker mit 1.54 %o Motorradfahrer abgeschossen. Trümmerbruch linker Unterschenkel / verkürztes linkes Bein / Teilinvalidität Lohnausfall, Heilungskosten, etc.: letztlich SFr. Regress 30% = SFr. 42
43 Vorerst besten Dank für Ihr Interesse!... und noch ein kleiner Nachtrag! 43
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