Hygiene in der Intensivstation

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1 Kantonsspital Aarau Hygiene in der Intensivstation Stephan Karrer, Spitalhygiene

2 Inhalt Vorstellung USZ Problematik IPS und Zahlen Infektionen und deren Prävention auf der IPS - VAP - ZVK - Isolation Aufgaben der Spitalhygiene / IPS Seite 1

3 Kennzahlen USZ 2010: Betten '000 ambulante Personen jährlich 34'000 stationäre Personen 6'200 Mitarbeitende 1'100 Ärztinnen und Ärzte 2'400 Pflegefachpersonen 1'200 med- technische und med- therapeutische Spezialisten 40 Kliniken und Institute Betriebsaufwand 1 Mrd CHF Seite 2

4 Kennzahlen Intensivstationen 2010: 66 betriebene IPS- Betten: 4`737 Pat (Bettenbelegung 92%, LOS 3d, Pflegetage 23`878) Medizinische Intensivstation Intensivstation für Viszeral- und Transplantationschirurgie Intensivstation Herz- Gefässchirurgie Intensivstation Unfallchirurgie Intensivstation Neurochirurgie Intensivstation für Brandverletzte Neonatologie: 25 Betten: 742 Pat, LOS 11,9d, Pflegetage 8`556 Seite 3

5 Problematik Intensivstation viele invasive Therapien, Untersuchungen und Messungen viele Zu- und Ableitungen Betreuung und Therapien durch verschiedene Berufsgruppen Intensivmedizinische Therapie USZ Seite 4

6 Relative Häufigkeit nosokomialer Infektionen und Auswirkungen A. Relative Häufigkeit Harnwege SSI Pneumonien Bakteriämien Andere B. Zusätzliche Hospitalisationstage C. Mehrkosten Haley RW. AHA.1986 Seite 5

7 5x höheres Infektionsrisiko auf der IPS 7087 von 13`796 Patienten (51%) infiziert 9084 (71%) erhielten Antibiotika Häufigste Infektion: Atemwege bei 4503 (64%), Mikrobiologische Kultur bei 4947 (70%) infizierten Pat positiv Pat mit längerem ICU- Aufenthalt: höhere Infektionsraten Sterblichkeitsrate bei Infektion mehr als doppelt so hoch : 25% [1688/6659] vs 11% [682/6352] p < 0.01 Vincent JL, Rello J, Marshall J, et al. International study of the prevalence and outcomes of infection in intensive care units. JAMA 2009; 302:2323. Seite 6

8 Wichtigste Risikofaktoren für nosok. Infektionen Pneumonie - Beatmung (50%) Sepsis - ZVK (>70%) Harnweginfektion - DK (> 90%) Wundinfektion - Operation + komplexe medikamentöse Intensivtherapie Primäre- und sekundäre Erkrankungen HYGIENEMANAGEMENT auf der IPS Seite 7

9 Nosokomiale Pneumonie auf der IPS VAP ventilator assoziierte Pneumonie Pneumonie beim beatmeten Patient HiP Aarau 2012 Seite 8

10 Ventilator- assoziierte Pneumonie VAP zweithäufigste nosokomiale Infektion 9-25% aller IPS-Patienten - Ibrahim EH, Tracy L, Hill C, Fraser VJ, Kollef MH. The occurrence of ventilator-associated pneumonia in a community hospital: risk factors and clinical outcomes. Chest 2001;120: Craven DE, Steger KA. Nosocomial pneumonia in mechanically ventilated adult patients: epidemiology and prevention in Semin Respir Infect 1996;11:32-53 Jeder Beatmungstag erhöht das VAP- Risiko um 1% bis 3% Cook DJ, Walter SD, Cook RJ, et al. Incidence of and risk factors for ventilator-associated pneumonia in critically ill patients. Ann Intern Med 1998;129: VAP verlängert IPS- Aufenthalt um bis zu 22 Tage und Spital- Aufenthalt bis zu 25 Tage Warren DK, Shukla SJ, Olsen MA, et al. Outcome and attributable cost of ventilator-associated pneumonia among intensive care unit patients in a suburban medical center. Crit Care Med 2003;31: VAP Mortalität mit 27.1% ermittelt Fagon JY, Chastre J, Hance AJ, Montravers P, Novara A, Gibert C. Nosocomial pneumonia in ventilated patients: a cohort study evaluating attributable mortality and hospital stay. Am J Med. United States; 1993:281-8 VAP > hohe zusätzliche Kosten Dietrich ES, Demmler M, Schulgen G, et al. Nosocomial pneumonia: a cost-of-illness analysis. Infection 2002;30:61-7 HiP Aarau 2012 Seite 9

11 Der Antrag und die Begründung der IPS A European care bundle for prevention of ventilator-associated pneumonia Intensive Care Med (2010) 36: Bundles to prevent ventilator-associated pneumonia: how valuable are they? Current Opinion in Infectious Diseases 2009, 22: Seite 10

12 Barriers für das Nichteinhalten von Guidelines - Interpretation der Literatur 68% - Nicht praktikabel 49% - Fehler in der Synthese der Resultate 39% - Zu Kochbuch -mässig 25% - Zu starr in der Anwendung 21% - Stellt die persönliche Autonomie in Frage 21% - Umsetzbarkeit am Patienten 10% - Fehlendes Vertrauen 8% Why don't physicians follow clinical practice guidelines? A framework for improvement. Cabana. JAMA 1999;282:1458 HiP Aarau 2012 Seite 11

13 USZ- Guidelines zur VAP- Prävention 2011 Korrekte Händehygiene Nicht- invasive anstatt invasiver Beatmung, orotracheale gegenüber nasotrachealer Intubation bevorzugen Weaningkonzept und Sedationsprotokolle: a) Täglicher Sedationsstop b) Weaningkonzept / Weaningprotokolle Standardisierter Wechsel der Beatmungskreisläufe und Filter Verwendung geschlossener endotrachealer Absaugsysteme Intubation mit subglottischem Absaugtubus und Applikation kontinuierlicher subglottischer Absaugung bei allen Patienten, welche voraussichtlich >72h beatmet werden Oberkörperhochlagerung von mind. 30 bei allen invasiv beatmeten Patienten 2x täglich Mundpflege mit Chlorhexidin 0.2% KAZ Tgl. (Re-)evaluation der Stressulkusprophylaxe Seite 12

14 ZVK-Infektionen - ZVK-assoziierte Infektionen sind häufig 5.2/1000 Kathetertage 1) - ZVK-assoziierte Infektionen sind mit hoher Morbidität und Mortalität verbunden Attributed Mortality: 35% 2) - ZVK-assoziierte Infektionen sind teuer 2) 1) NNIS: National Nosocomial Infections Surveillance; ) Pittet et al. Nosocomial bloodstream infection in critically ill patients: excess length of stay, extra costs, and attributable mortality. JAMA (1994):1598 Seite 13

15 Prävention ZVK- Infektionen Inzidenz- und Interventionsstudie UniversitätsSpital Zürich 2003/ 2004 Zingg W. et al. Crit Care Med Nov;37(11):2999 Seite 14

16 ZVK-Infektionen USZ 2003/2004 Intervention/Schulungen Schulung des Pflegepersonals und der AerztInnen Themen: - Hygienische Händedesinfektion - Verbandwechsel - Handling am Katheter - Aufziehen/Vorbereiten von Medikamenten Seite 15

17 Problem: Manipulationen am offenen Katheter Wo wird manipuliert? - Infusionsbesteck - Dreiweghahn - Verschluss-Stopfen - Y-Stücke - Infusionsverlängerungen - Perfusorenspritzen Seite 16

18 Massnahmen zur Vermeidung von ZVK-Infektionen Die Hygienische Händedesinfektion ist wichtigste, einfachste und kostengünstigste aller Standardmassnahmen! Pittet D, Sax H, Hugonnet S, Harbarth S. Cost implications of successful hand hygiene promotion. Infect Control Hosp Epidemiol Mar;25(3): Seite 17

19 Massnahmen zur Vermeidung von ZVK-Infektionen Händehygiene Compliance sinkt mit erhöhtem Bedarf an Händehygiene Seite 18

20 ZVK-Infektionen USZ 2003/2004 Resultate: Inzidenz Periode 1 Periode 2 Inzidenzdichte N/1 000 Kathetertage Dauer bis Infekt (mean ±SD) 6.52 ± ±6.63 Seite 19

21 ZVK-Infektionen USZ 2003/2004 Zusammenfasung Gezielte Interventionsmassnahmen konnten die Inzidenzrate deutlich senken Morbidität und Kosten konnten gesenkt werden Weitere Schulungsmassnahmen sind wichtig, um das erreichte Niveau zu erhalten oder zu verbessern. Seite 20

22 Grundsatz Schutzmaterial bei Isolationen Unsterile Handschuhe gemäss den Standard-Massnahmen nicht Bestandteil der Schutzkleidung bei Isolation Gilt für alle Isolationsformen! Kontakt Tröpfchen aerogen Seite 21

23 Idee und Ziel 1. Verbesserung der Compliance der hygienischen Händedesinfektion unter Isolationsbedingungen 2. Erleichterung + Verbesserung des Isolationsmanagements 3. Verbesserung des allgemeinen Umgangs mit Handschuhen im klinischen Alltag Seite 22

24 Hintergrund Aktives Isolationsmanagement Hygienisch korrekter Handschuh-Wechsel in Isolation ist schwierig individuelle Lösungen/ Wildwuchs: doppelte Handschuhe tragen Handschuhe desinfizieren Handschuhe gar nicht wechseln Handschuhe ersetzen nicht die Händedesinfektion!! Seite 23

25 Aufgaben der Hygiene aktives Management kompetente und hilfsbereite Partnerin sein «störungsfreies» Einbauen in den workflow der IPS Seite 24

26 Aufgaben der IPS Leadership und Vorbildfunktion Bewusstsein aller Involvierten schärfen und Hygienewissen vertiefen Hygiene als wichtiger Bestandteil der Qualität Seite 25

27 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit Kontakt: Seite 26

Standardmaßnahmen zur Prävention nosokomialer Infektionen

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