Mobbing in der Schulklasse

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1 Mobbing in der Schulklasse , Freyung Inhalt: Einführung Was ist Mobbing? Gruppendynamik und Rollen Mobbing ein Teufelskreis Möglichkeiten des Lehrers Diskussion Clemens Wagner, Dipl. Päd. (univ.) geb in Augsburg; verheiratet, zwei Kinder; Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität der Bundeswehr; Führungsverwendungen in der Gebirgstruppe; Oberstleutnant d. R.; Referent für Öffentlichkeitsarbeit im CJD; Präventionsbeauftragter im Kreisjugendamt Berchtesgadener Land, seit 2004 Trainer und Dozent für Methoden- und Sozialkompetenzen; Lehrbeauftragter der FH Rosenheim, geschäftsführender Gesellschafter der Internationalen Führungsakademie Berchtesgadener Land GmbH & Co KG

2 Ich wollte, es gäbe gar kein Alter zwischen zehn und dreiundzwanzig, oder die jungen Leute verschliefen die ganze Zeit: Denn dazwischen ist nichts als den Dirnen Kinder schaffen, die Alten ärgern, stehlen balgen. "Ich habe keine Hoffnung mehr für die Zukunft unseres Volkes, wenn sie von der leichtfertigen Jugend von heute abhängig sein sollte." Hesiod, ca v. Chr. William Shakespeare, Wintermärchen, 3. Akt, 3. Szene Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Sokrates, v. Chr.

3 Und heute? Risikofaktoren seien Armut, schlechte Bildung, Gewalterfahrung zu Hause, hoher Medienkonsum... Die Unsicherheit über die eigenen Lebensläufe hat stark zugenommen...

4 Johann Wolfgang von GOETHE bringt das (Torquato Tasso, Vers 1242) auf die Formel: Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur das Leben lehret jeden, was er sei.

5 Zur Struktur und Entwicklung der Jugendgewalt in Deutschland (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen) 1. Der Anstieg der Jugendgewalt fällt in Wirklichkeit schwächer aus, als die polizeilichen Daten es signalisieren. 2. Die polizeilich registrierten Gewalttaten junger Menschen sind in den letzten Jahren nicht brutaler geworden. Die durchschnittliche Deliktschwere hat vielmehr abgenommen. 3. Die Zunahme von Jugendgewalt steht in engem Zusammenhang damit, dass unsere Gesellschaft immer mehr zu einer winner-loser Kultur wird. Vor allem junge Migranten geraten dabei in ein soziales Abseits. 4. Der Anstieg der Jugendgewalt ist überwiegend jenen jungen Migranten zuzurechnen, die sozial nicht integriert werden konnten. Eine besondere Problemgruppe sind solche jungen Zuwanderer, die seit längerem in Deutschland unter Bedingungen sozialer Benachteiligungen aufwachsen.

6 5. Jugendliche, die in ihrer Kindheit oder aber auch als Jugendliche von ihren Eltern massiv geschlagen oder misshandelt wurden, werden erheblich häufiger selber gewalttätig als nicht geschlagene junge Menschen. 6. Jugendgewalt ist männlich; das Übergewicht junger männlicher Täter hat sich seit Mitte der achtziger Jahre sehr verstärkt. 7. Das Risiko der Entstehung von Jugendgewalt erhöht sich drastisch, wenn mindestens zwei der drei folgenden Faktoren zusammentreffen: die Erfahrung innerfamiliärer Gewalt, gravierende soziale Benachteiligung der Familie, schlechte Zukunftschancen des Jugendlichen selbst aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus. 8. Junge Menschen, die Opfer innerfamiliärer Gewalt waren, schließen sich nachweisbar häufiger in gewaltbefürwortenden Gleichaltrigengruppen zusammen. Auf Jugendliche aus solchen Gruppen entfällt der überwiegende Anteil der Jugendgewalt. Die Mitgliedschaft in solchen Gruppen hat zusätzlich zu den innerfamiliären Gewalterfahrungen einen das Risiko aktiver Gewalttätigkeit steigernden Effekt.

7 Fazit: Das Aufwachsen von jungen Menschen ist so zu gestalten, dass sie Selbstwertgefühl und soziale Kompetenzen entwickeln, sich in unsere Gesellschaft eingebunden fühlen und Verantwortung und Gemeinschaftssinn entfalten können.

8 Ist das schon Mobbing? Im Kindergarten spielen die Kinder, warm angezogen, im Garten. Plötzlich reißt ein Mädchen einem dicklichen Jungen, von seiner Mutter zärtlich Mopsi genannt, die Mütze vom Kopf. Johlend rennt sie mit ihrer Beute davon, Mopsi schreiend hinterher. Als er sie fast erreicht hat, wirft sie die Mütze einem anderen Kind zu. Mopsi ändert die Richtung, stürzt seiner Mütze nach, die von einem zum anderen Kind wechselt. Irgendwann stellt einer noch ein Bein, Mopsi fällt hin, weint, während sich die Kinder vor Lachen biegen. Eine Erzieherin bemerkt den Vorfall und greift ein, indem sie Mopsi tröstet, ihm die Mütze zurückgibt und mit den anderen Kindern schimpft.

9 Hier lernen Kinder schon ganz unbewusst dass es ungemein Spaß macht, einen anderen zu piesacken, dass man dadurch in der Gruppe gut zusammenhält, dass die Sanktionen für dieses Verhalten nicht gravierend sind dass man aber auf gar keinen Fall selbst in die Rolle des Außenseiters geraten darf.

10 Mobbing ist Psychoterror, der von der Mehrheit der Gruppe immer wieder gegen dieselbe Person (u. U. auch zwei oder drei) ausgeübt wird eine lange anhaltende (mindestens über mehrere Monate) Ausgrenzung einzelner aus der Gruppe ein gruppendynamischer Prozess und führt zu gravierenden Schädigungen der Opfer sowie zu sozialen Fehlentwicklungen auch der ganzen Gruppe

11 Ein einfaches gruppendynamisches Modell Die Hierarchie der Klasse lässt sich holzschnittartig in drei Gruppen unterteilen der oder die Gruppenführer, die bestimmen und die Normen setzen, die Schar der Mitläufer ( Ermöglicher ), die den Großteil der Gruppe bilden, der oder die Außenseiter, die ständig Opfer von Späßen oder Aggression sind

12 hängt von der allgemeinen Standortbestimmung der Klasse ab (welche Normen und Werte, welche Unsicherheiten und Leerräume findet er vor?) ist relativ stabil, denn eingenommene Hierarchien schützen vor ständigen und nervenaufreibenden Machtkämpfen gibt allen Beteiligten Sicherheit, denn auch die Mitläufer sind froh, dass sie dann und wann ihren Spaß haben und nicht selber gemobbt werden Die Rolle des Gruppenführers

13 Das Opfer Einzelgänger oder Außenseiter? kann sich kaum angemessen artikulieren trägt oft auch familiäre Erben des Ausgeschlossenseins findet kaum Solidarität sucht erst Schuld bei anderen, dann immer mehr bei sich

14 Verhaltensmuster von Außenseitern 1. Kampf gegen die Rollenzuweisung Außenseiter Der Schwierige Der Prahler 2. sich mit der Rolle arrangieren (Klassenclown) 3. andere Bündnispartner suchen (oft jüngere Mitschüler oder Erwachsene) 4. Flucht aus der Gruppe

15 Mobbing ein Teufelskreis Die Gruppe weist einem oder mehreren eine Außenseiterrolle zu Der- oder diejenigen reagieren mit den bekannten Mustern Die Ausgrenzung wiederum bewirkt eine Verstärkung des Abwehrverhaltens des Betroffenen Die Gruppe begründet ihre Ausgrenzung mit dem Verhalten des Außenseiters (das nicht als Abwehrverhalten erkannt wird)

16 sie gewährleisten Integration sie ermöglichen Projektion (Regungen, die man sich selbst nicht zugestehen will, werden auf andere übertragen) sie schaffen Selbstwerterhöhung (durch die Ausgrenzung werden Außenseiter erniedrigt, man selbst steht damit automatisch höher) sie bieten Aggressionsrealisation (Aggression richtet sich nicht gegen die Verursacher (Innenkreis) sondern gegen die Außenseiter). Dabei werden Aggressionen gesteigert und salonfähig gemacht. Außenseiter sind für die Mehrheit nützlich

17 Wenn der Lehrer zum Schutze der Mobbingopfer nun gar nichts unternimmt, werden die Schüler in ihrem Verhalten noch verstärkt die Klasse ermahnt, an ihr Mitgefühl appelliert usw. erreicht er meist nicht mehr als die Eltern, die mit ständigen Ermahnungen die Kinder nur langweilen mit Gewalt solche Diskriminierungen unterbindet, treten sie an anderen Orten und zu anderen Zeiten (in den Pausen oder bei anderen Lehrern) wieder zutage.

18 Die Möglichkeiten des Lehrers 1. Gespräch mit dem Mobbingopfer 2. Maßnahmen, ohne die Problematik mit den Schülern zu erörtern 3. Thematisieren des Gruppenverhaltens in der Klasse

19 Grundvoraussetzung für das Gespräch 1. der Schüler muss Vertrauen zum Lehrer haben, sonst wird er sich nicht öffnen 2. der Lehrer muss den Schüler mögen, sonst kann er ihm nicht wirklich helfen

20 und dabei gilt 1. aktives Zuhören (Thomas Gordon, Lehrer- Schüler-Konferenz) 2. folgende Fehler zu vermeiden: Trösten Loben Abwiegeln Tadeln Besserwissen

21 Außenseiter integrieren, ohne mit der Klasse darüber zu sprechen 1. Aufwertung des Schülers im Unterricht (z.b. vom Klassenclown zum Spezialisten für PC) 2. Gemeinsame Aktion der Klasse Exkursionen Projektunterricht soziales Lernen in erlebnisorientierten Lernszenarien

22 1. Direktes Ansprechen im Unterricht 2. Bearbeitung im Rollenspiel 3. Indirekter Einstieg im Unterricht 4. Einbeziehung von Experten Thematisierung des Mobbing

23 Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, freue mich auf Ihre Fragen und auf eine angeregte Diskussion.

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