Alternative Wohnformen
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- Claudia Sommer
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1 November 2016 Alternative Wohnformen
2 Impressum Inhalte: Nadine Gray Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V., Kaiserstraße 62, Mainz Internet: Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz, September 2016 Die Inhalte wurden sorgfältig erarbeitet. Es kann jedoch keine Gewährleistung für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit übernommen werden. Die in dieser Informationsmappe verwendeten männlichen Bezeichnungen dienen ausschließlich der besseren Lesbarkeit und gelten ausdrücklich für beide Geschlechter. Eine Diskriminierung weiblicher Personen wird damit nicht beabsichtigt. Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 2
3 Inhalt 1. ALTERNATIVE WOHNFORMEN NICHT NUR FÜRS ALTER SENIORENGERECHTES WOHNEN GEMEINSCHAFTLICHES WOHNEN QUARTIERSKONZEPTE NEUE LEBENSMODELLE DURCH ALTERNATIVES WOHNEN... 7 Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 3
4 1. Alternative Wohnformen nicht nur fürs Alter Der demographische Wandel hat Deutschland fest im Griff die Bevölkerung entwickelt sich hin zu einem immer weiter steigenden Anteil an älteren Menschen, zudem zieht eine wachsende Zahl von Menschen vom Land in die Stadt und lebt dort gerne auch allein in einem Single-Haushalt. Häufig werden traditionelle Wohnformen den sich im Zuge dieser Entwicklung ebenfalls wandelnden Lebensentwürfen nicht mehr gerecht. Dementsprechend ist in den letzten Jahren ein Trend hin zu alternativen Lebensentwürfen und auch zu alternativen Wohnformen zu beobachten. Sicherlich eine der bekannteren neuen Wohnformen ist die sogenannte Senioren- Wohngemeinschaft, auch verkürzt bekannt als Senioren-WG. Hinter diesem launig anmutenden Begriff verbirgt sich zumeist ein Haus oder eine Wohnung, in der mehrere ältere Menschen gemeinsam zusammenleben. Sofern ein oder mehrere der Bewohner Unterstützungsleistungen benötigen, werden diese dort durch einen professionellen Pflegedienst erbracht. Durch die gemeinschaftliche Wohnform wird der insbesondere bei Senioren häufig zu beobachtenden sozialen Vereinsamung entgegenwirkt. Doch nicht nur der Wunsch nach einem gemeinsamen Lebensalter kann Anlass sein, über alternative Wohnformen nachzudenken. So gibt es für ökologisch bewusst lebende Menschen sogenannte Öko-Dörfer, in denen sie mit Gleichgesinnten nach ihren Vorstellungen nachhaltig zusammenleben können. Auch die Tiny Houses (dt.: winzige Häuser ) können immer mehr Menschen für sich begeistern. Das Thema des Monats stellt verschiedene Ansätze und Konzepte vor, auf reine Pflegegemeinschaften etc. soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Viele der Konzepte sind ursprünglich für Senioren entwickelt worden, was sich auch in der Namensgebung wiederfindet. Sie sind aber auch für gemischte Wohngruppen geeignet. 2. Seniorengerechtes Wohnen Die heutige Generation älter werdender Menschen ist moderner und offener als die Generationen davor. Und so erfolgt auch die Annäherung an das Thema Leben und Wohnen im Alter ganz anders als bisher. Im Mittelpunkt steht hier der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben in der Gemeinschaft in einem Zuhause, welches auch bei eintretender Pflegebedürftigkeit eine echte Alternative zum Heim darstellt. Hinter dem Begriff Service Wohnen oder auch Wohnen mit Service verbirgt sich eine Sonderform des betreuten Wohnens. Grundsätzlich handelt es sich hier nicht um Angebote mit pflegerischer Betreuung, auch wenn es hier je nach Anbieter zu Unterschieden in der Ausgestaltung kommen kann. Dem im Namen anklingenden Service-Gedanken tragen allerlei Angebote rund ums Wohnen Rechnung, so zum Beispiel diverse Hilfedienste, ein Notruf-Dienst oder auch die Möglichkeit, Mahlzeiten gestellt zu bekommen. Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 4
5 Inzwischen werden ganze Wohnkomplexe so geplant bzw. saniert, dass sie viele solvente Interessenten versorgen können. Die Wohnungen werden barrierefrei geplant und gebaut, zudem werden in den Wohnkomplexen Gesellschaftsräume integriert, in denen auch Freizeitangebote wie Mal- und Fremdsprachenkurse stattfinden. Die Anlagen zeichnen sich zudem durch räumliche Nähe zu attraktiven Kleinstädten und eine gute Verkehrsanbindung aus. Häufig werden auch Ärzte und Dienstleister wie Friseure und Fußpfleger in den Komplexen angesiedelt, so dass eine vollständige Versorgung auch bei sinkender Mobilität möglich ist. Die zusätzlich angebotenen Service-Leistungen können nach Bedarf abgerufen werden. Zu den klassischen Formen des Seniorenwohnens zählen Seniorenresidenzen und andere Wohneinrichtungen für ältere Menschen, in denen neben der reinen Wohnraumüberlassung zwar zugleich auch Hauswirtschafts- und Verpflegungsleistungen erbracht werden, bei Bedarf an pflegerischen Dienstleistungen besteht jedoch freie Wahl aus externen Anbietern besteht. Eine Zuspitzung dieser Idee findet sich in den sogenannten Altendörfern, die nach amerikanischen Vorbild ganze Quartiere für Senioren herrichten. In den USA ist dieses Phänomen hauptsächlich aus Florida bekannt, dem sunset state. In den Wohnkomplexen untergebracht sind speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtete 3. Gemeinschaftliches Wohnen Der Schaffung von selbstorganisierten Wohngemeinschaften für Menschen mit und ohne Pflege- und Betreuungsbedarf liegt der Wunsch zugrunde, die selbstbestimmte Lebensführung zu erhalten und den Bewohnern das Führen eines ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechenden Lebens zu ermöglichen. Die Gründung einer solchen selbstorganisierten Wohngemeinschaft erfolgt meist durch die Interessenten selbst. Diese schließen sich in den im Regelfall zu einer Interessengemeinschaft oder einem Verein zusammen, über den der gemeinsame Wohnraum organisiert wird. Die Anmietung selbst erfolgt allerdings nicht über diesen Zusammenschluss, jeder Mieter schließt einen eigenen Vertrag mit dem Vermieter ab. Die Ausgestaltung der Wohngemeinschaft, die Immobilienwahl und auch das Zusammenleben betreffende Regelungen werden von allen Bewohnern gemeinschaftlich festgelegt. Ein Beispiel für ein solches gemeinschaftliches Wohnprojekt sind die sogenannten Senioren-Häuser. So bezeichnet werden Hausgemeinschaften, in denen mehrere Senioren in einem Haus zusammenleben. Der größte Unterschied zu einer klassischen Wohngemeinschaft ist das Vorhandensein von abgeschlossenen Wohneinheiten, die eine größere Distanz und mehr Privatsphäre ermöglichen. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, die allen Bewohnern zur gemeinsamen Nutzung zur Verfü- Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 5
6 gung stehen. Die Hausgemeinschaft ist ein niederschwelligeres Angebot an gemeinschaftlichem Wohnen als die Wohngemeinschaft, da hinreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, gleichzeitig aber auch die Vorteile des gemeinschaftlichen Wohnens. Sogenannte stationäre Hausgemeinschaften sind von diesen Senioren-Häusern abzugrenzen: hier werden im Regelfall ausschließlich Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf in einer Hausgemeinschaft mit entsprechender Versorgung untergebracht. Die Gründung der Gemeinschaft erfolgt durch Dritte, nicht durch die Bewohner. Ebenfalls zum gemeinschaftlichen Wohnen zählt das inklusive Wohnen, bei dem verschiedenste Menschen zusammenleben. Häufig gibt es Projekte, bei denen Menschen mit und ohne Behinderungen zusammengebracht werden, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlinge können so inkludierend untergebracht werden. Klassisches Beispiel hier wäre das inzwischen wohl auch bekannteste Konzept, das Mehrgenerationen-Wohnen. Hier werden gezielt ältere und jüngere Menschen zusammengebracht, um sich gegenseitig zu unterstützen, aber auch um den Alltag gegenseitig zu bereichern. Untergebracht sind diese Wohnprojekte meist ebenfalls in größeren Wohnkomplexen. So kann sichergestellt werden, dass alle Bewohner über einen abgeschlossenen Wohnbereich verfügen. Neben den Gemeinschaftsräumen verfügen die Anlagen zumeist noch über einen Garten. Wichtig beim Mehrgenerationenwohnen ist die barrierefreie Ausstattung der Wohnanlage. Ebenfalls im Vordergrund steht der Gemeinschaftsgedanke bei den verschiedenen Genossenschaftsmodellen. Die inhaltliche Konzeption ist den Bewohnern freigestellt, die Genossenschaftsform bietet zudem hohe Rechtssicherheit und finanzielle Verlässlichkeit. Hier gilt: genossenschaftliches Eigentum ist gemeinschaftliches Eigentum. Um ein solches Wohnprojekt auf die Beine zu stellen, bedarf es allerdings eines gewissen finanziellen Grundstockes. Ein Grundstück will erworben und Gebäude gebaut oder umgebaut werden. Mitglied in der Genossenschaft selbst kann nur werden, wer Anteile an ihr erwirbt. Hier zeigt sich eine besondere Stärke des Systems: die schwächere Anteils-Kaufkraft eines potentiellen Mitglieds kann dadurch ausgeglichen werden, dass andere entsprechend mehr Anteile aufbringen. Für die Bewohnerstruktur gibt es keine Vorgaben, die Ausgestaltung ihres Wohnprojekts bleibt den Anteilseignern vollkommen selbst überlassen. Sie entscheiden über solche und andere Fragen in einer Mitgliederversammlung, in der jeder Anteilseigner unabhängig von der Anzahl der erworbenen Anteile über eine Stimme verfügt. Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 6
7 4. Quartierskonzepte Einen weiteren Ansatz als das gemeinschaftliche Wohnen fassen die Quartierskonzepte ins Auge. Ähnlichen Konzepten begegnet man häufig auch unter der Bezeichnung Siedlungsgemeinschaften. Die Menschen verbleiben in ihren Wohnungen, allerdings wird ihr Wohnumfeld umstrukturiert, Hilfs- und Gemeinschaftsprojekte organisiert. Eines der ersten und bis heute noch gerne angewandten Modelle war das Bielefelder Modell. Die Entwicklung des Konzepts erfolgte auf Betreiben von Wohnungsunternehmen und Serviceanbietern, die Kommunalpolitik förderte die Umsetzung. Besonderes Merkmal ist hier die quartiersbezogene Organisation des Pflegeangebotes, inklusive der Finanzierung einer 24-Stunden-Bereitschaft. Zudem beinhaltet das Wohnprojekt einen Servicestützpunkt, der die Mitversorgung von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung in der näheren Nachbarschaft übernimmt. Von besonderer Bedeutung ist die Mischung von Menschen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen im Wohnprojekt. So kann eine räumliche Konzentration der besonders Hilfsbedürftigen und somit auch eine zunehmende Isolierung vermieden werden. 5. Neue Lebensmodelle durch alternatives Wohnen Wohnen für Hilfe ist an sich kein neues Konzept, es entspricht dem Grunde nach den Gepflogenheiten vergangener Jahrhunderte, in denen oftmals Angestellte oder Hilfsarbeiter im Gegenzug für ihre Mitarbeit freie Logis angeboten bekommen haben. In der heutigen Zeit verbirgt sich hinter diesem Begriff meistens eine vergünstigte Miete im Tausch gegen gewisse Hilfsleistungen, wie beispielsweise bei der Gartenarbeit. Häufig angeboten werden solche Arrangements von älteren Menschen, die einen gewissen Unterstützungsbedarf im Alltag haben, und über entsprechende freie Räumlichkeiten verfügen. Insbesondere in Universitätsstädten finden sich viele solcher Angebote, die von den Studenten auch gerne angenommen werden. Bei sogenannten Hof-Gemeinschaften hingegen handelt es sich auf den ersten Blick um eine weitere Spielart des gemeinschaftlichen Wohnens wie oben bereits genannt. Alte Bauernhöfe oder Weingüter werden durch zumeist jüngere Menschen aufgekauft und so umgestaltet, dass mehrere Menschen dort zusammenleben können. Häufig werden vorhandene Anbauflächen genutzt, um möglichst autark leben zu können. Im Gegensatz zu anderen Wohngemeinschaften stehen hier aber nicht der Aspekt des gemischten Wohnens im Vordergrund, sondern ideologische Gemeinsamkeiten wie z.b. der Wunsch nach einer nachhaltigen Lebensweise mit Gleichgesinnten. Einen ganz anderen Ansatz auf der Suche nach dem Wohnen der Zukunft verfolgt das Tiny House Movement. Als Tiny Houses, auf Deutsch Winzige Häuser, werden solche Häuser bezeichnet, die nicht mehr als 46m² Wohnfläche vorzuweisen haben. Die Bewegung ist unter anderen der zunehmenden Zahl an Single-Haushalten bei Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 7
8 steigender Wohnungsnot geschuldet. Doch nicht nur das Gesundschrumpfen steht hier im Vordergrund, sondern auch der Gedanke des ökologischen und nachhaltigen Wohnens. Viele der Minihäuser werden so gestaltet, dass ein möglichst autarkes Leben möglich ist. Vielfach finden sich Sonnenkollektoren und Regenwasserauffanganlagen an den Winzlingen. Gedämmt wird mit natürlichen Materialien wie Holz, Lehm oder Kork. Bereits in der Fertigung fallen so vergleichsweise geringe Energiekosten an. Was auf den ersten Blick aberwitzig klingt, überzeugt durch viele durchdachte Beispiele wie man z.b. auf dieser Webseite für Wohnideen bewundern kann: Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e. V. Alternative Wohnformen 8
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