LEIHARBEIT UNSER THEMA
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- Wolfgang Simen
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1 LEIHARBEIT UNSER THEMA Zentrale Kampagne der IG Metall Prag 10. Oktober 2008 Michael Knuth
2 2 Grundsatz Es ist ungerecht, einen Leiharbeiter, der in einem Metallbetrieb arbeitet, mit 7,31 Euro pro Stunde nach Hause zu schicken, wenn der Flächentarifvertrag für diese Tätigkeit 12,89 Euro/Stunde festlegt. Wir werden das nicht akzeptieren. Berthold Huber Erster Vorsitzender der IG Metall
3 3 Betriebe spalten sich in Stamm und Randbelegschaften Früher Heute Betrieb Beschäftigte Dienstleistungen (Kantine, Werksschutz u.a.) Leiharbeit Betrieb Beschäftigte Werkverträge Befristungen Dienstleistungen
4 4 Konsequenzen in den Betrieben Stammbelegschaften schrumpfen Rand -belegschaften nehmen zu... Arbeitgeber wollen immer mehr Bereiche dauerhaft auslagern Betriebsräte und gewerkschaftliche Präsenz sind in den Randbereichen die Ausnahme dem Lohndumping ist Tür und Tor geöffnet Druck auf Arbeitsbedingungen der Stammbelegschaft nimmt massiv zu!
5 5 These: Wir müssen den klassischen Betriebsbegriff neu definieren und dabei die Randbelegschaften mit einbeziehen. Begründung: Die Betriebe verändern sich rasant Stammbelegschaften werden tendenziell kleiner Randbelegschaften werden größer. Die IG Metall ist in ihrer Grundaufstellung nur auf die Stammbelegschaften ausgerichtet. Die Arbeitgeber werden die Spaltung weiter vorantreiben. Schlussfolgerung: Wir brauchen eine Strategie für den Betrieb neuen Typs!
6 6 Leiharbeit boomt Änderung des Arbeitnehmerüberlassungs-Gesetzes 2003 Leiharbeit nimmt mit Zeitverzögerung stark zu Entwicklung der Leiharbeits-Arbeitsverhältnisse Stand jeweils Januar
7 7 Mit Leiharbeit auf Geisterfahrt! Mittlerweile über 1 Mio. Arbeitnehmer in der Leiharbeit Immer mehr Stammarbeitsplätze werden verdrängt: Schmitz Cargobull: 440 gewerbliche Beschäftigte - bis zu 600 Leiharbeitnehmer. Wincor Nixdorf : 647 Beschäftigte Leiharbeitnehmer Claas Landmaschinen: 1397 gewerbliche Beschäftigte Leiharbeitnehmer. Leiharbeit schafft keine, sondern besetzt Arbeitsplätze! Verlagerung des Betriebsrisikos auf Leiharbeitnehmer Entkoppelung von Betrieb und Arbeit Folgen für Weiterbildung/Qualifizierung Entwicklung und Know How Kultur sozialer Verantwortungslosigkeit!
8 8 Konkret: Leipziger Signal Vom Gewerkschaftstag 2007 beschlossen: an Leiharbeiter/innen: an Unternehmer: an Politik: an uns selbst: Wir sind die Gewerkschaft für Euch! Jetzt ist Schluss mit Missbrauch! Ihr seid für die Menschen in Leiharbeit verantwortlich! Wir packen Leiharbeit aktiv, konsequent und dauerhaft an!
9 9 Leiharbeit wird Thema der gesamten IG Metall Der IG Metall Vorstand hat im Januar 2008 beschlossen: Es wird eine Kampagne zur Leiharbeit durchgeführt, Laufzeit 3 Jahre Dadurch werden die bisherigen Aktivitäten gebündelt, sie auf die ganze IG Metall ausgedehnt, Meilensteine benannt, Ziele vereinbart neue Mitglieder 200 Besser -Vereinbarungen 2008
10 10 These: Wir haben in unserer früheren Vorgehensweise die Dimension und die Besonderheiten der Leiharbeit nicht berücksichtigt und hatten deshalb keinen Erfolg. Begründung: Leiharbeit ist anders als die Branchen und Betriebe, die wir üblicherweise organisieren. Die Betriebszugehörigkeit liegt nur bei ca. 3 bis 6 Monaten. Betriebsratswahlen sind nur in Ausnahmefällen möglich. Die Stabilität und Wirkung von Betriebsräten ist stark beschränkt. Die Tariffähigkeit im klassischen Sinn ist wahrscheinlich nicht erreichbar. Die Fluktuation verhindert starke und handlungsfähige Leiharbeiter-Belegschaften. Schlussfolgerung: Wir müssen diese Andersartigkeit annehmen und unsere Strategie darauf ausrichten.
11 11 Strategische Ansätze Tarifpolitik Es gibt keine Alternative zu den DGB Flächentarifverträgen in der Leiharbeit. Eine nachhaltige Weiterentwicklung ist wahrscheinlich nur langfristig vorstellbar. Alternative Tariflösungen lassen sich mittelfristig entwickeln. Ansätze hier: Regelung in den Branchentarifverträgen für die Leiharbeit Branchenzuschläge Diskussion beginnt, die Zeit ist noch nicht reif Tariffähigkeit ist entscheidend!
12 12 Rechtspolitik Mindestlöhne für Leiharbeitsverhältnisse Arbeitsplatzbezogene Höchsteinsatzfrist Unternehmerisches Betriebsrisiko/Synchronisationsverbot Unterscheidung von Arbeitnehmerüberlassung zur Arbeitsvermittlung Gleichstellungsgrundsatz für Leiharbeitnehmer Stärkung der Betriebsräte im Entleihbetrieb Einschätzung: Eine rechtspolitische Initiative zur Leiharbeit in Richtung Mitbestimmung, AÜG usw. ist zu entwickeln, Änderungen werden sich nur mittel- bis langfristig und mit ungewissem Ausgang erreichen lassen. Thema kommt an: Politik ist interessiert
13 13 Betriebspolitik Strategischer Ansatz: Das Leiharbeitsunternehmen ist auswärts der Einsatzbetrieb ist Heimspiel! Unser Heimvorteil : - Qualifizierte und organisierte Betriebsräte und Vertrauensleute - Belegschaften, die viel zu verlieren haben - Gewerkschaftliche Zugänge in die Betriebe und : - Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte nach BetrVG - Erfahrung mit Kampagnen für Gerechtigkeit
14 14 Der Kampagnenaufbau
15 15 Betriebspolitik - praktisch Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte konsequent nutzen Leiharbeit zum aktiven Thema für den Betriebsrat machen Von Personalplanung bis zur einzelnen Einstellung Mitbestimmungsrechte nutzen Betriebliche Bedingungen für Leiharbeit festlegen Von Lohnhöhe bis Zuschlägen betriebliche Mindeststandards vereinbaren Zeitlohn am Akkordarbeitsplatz? Nicht mit dem Betriebsrat Alle Beschäftigten mit einbinden Alle Beschäftigten über Arbeitgebervorhaben informieren. Lohndumping in Betriebsversammlungen zum Thema machen... Leiharbeiter organisieren, beraten, unterstützen
16 16 Die Kernforderung: 1. Leiharbeit findet in den Betrieben der Metall-, Elektro- Stahl-, Textil-, Holz und Kunststoffindustrie nur noch statt, wenn per Betriebsvereinbarung oder Zusatztarif vereinbart wurde: Leiharbeitnehmer bekommen für gleiche Arbeit gleiches Geld! 2. Das ist machbar hier einige gute Beispiele: Deutsche Edelstahlwerke, Hagen, Krefeld, Siegen, Witten, Phoenix-Contact GmbH & Co.KG, Blomberg Schwing Betonpumpen, Herne Karl E. Brinkmann GmbH, Barntrup und weitere BMW, Audi, Ford, Airbus
17 17 Wir haben damit Leiharbeitnehmern viel zu bieten: Gleiche Arbeit Gleiches Geld heißt 5 bis 7 mehr in der Stunde! Unterstützung im Betrieb durch IG Metall Betriebsräte Hilfe in allen Verwaltungsstellen der IGM: 1 x Mitglied = 164 x Unterstützung durch IG Metall vor Ort! Infomaterial für Leiharbeiter Tarifverträge IGZ, BZA und Infos zur Tarifbindung des Verleihers Service Rechtsberatung Rechtsschutz im Streitfall
18 18 und den Stammbelegschaften ebenfalls: Wir packen ein brennendes Problem an Wir gehen offensiv mit der Bedrohung durch Leiharbeit um Wir bieten Schutz vor Abbau tarifvertraglicher Rechte Wir machen Gerechtigkeit zum Thema Wir beteiligen die Koll. aktiv an der betrieblichen Kampagne Wir haben Lösungen und gute Beispiele
19 19 Betriebliche Aktionsphasen Betriebliche Kampagne: 4 Stationen zum Ziel Aufstellung Betriebsräte und Vertrauensleute packen die Leiharbeit in ihrem Betrieb an Aufschlag Aktionen Belegschaft und Leiharbeiter werden informiert, eingebunden und organisiert Wir organisieren Empörung Arbeitgeber wird aufgefordert: Gleiche Arbeit Gleiches Geld! Betriebliche Aktionen unterstützen die Forderung bis zu einem Ergebnis Am Ball bleiben Leiharbeit wird zu einem dauerhaften Thema
20 20 Betriebliches Sofortprogramm Leiharbeit Betriebliche Recherche über Umfang, Auswirkung von Leiharbeit Nutzung aller Mitbestimmungsrechte nach BetrVG Mitbestimmungsrechte nach 99 nutzen Leiharbeiterversammlung nach 42 ff. BetrVG Persönliche Ansprache aller Leiharbeiter Vorstellung des Betriebsrates Informationsaustausch über Arbeitsbedingungen Angebot zur persönlichen Unterstützung Aufnahme in die IG Metall
21 21 Kampagne unterstützt mit Material für Beschäftigte in der Leiharbeit Grundlagen-Flyer Ratgeber für Leiharbeiter Materialien für Betriebsräte Aktionshandbuch (Ordner) Argumentationshilfe für Aktive Aktionsmaterial Plakate, Postkarten Öffentlichen Aktionen Pressearbeit/Veranstaltungen Aktions-Truck zur Kampagne
22 22 Der Aktions-Truck Dieses Jahr an 80 Orten! Aktuelle Einsatzorte auf:
23 23 Das ist keine juristische Frage sondern politische Auseinandersetzung O-Ton BR-Vorsitzender Gewerkschaftliche Grundaufstellung/-strategie ist notwendig Gute Beispiele, erfolgreiche Aktionen müssen in die Öffentlichkeit Ein Werkzeugkoffer mit Ideen, Aktionsbeispielen und Material ist wichtig Direkte unmittelbare Kommunikation mit Stammbelegschaften und Leiharbeitern ist entscheidend
24 24 Wir müssen an die prekäre Beschäftigung ran weil es keinen sachlichen Grund gegen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit gibt! die sozialen Standards in den Unternehmen erhalten und fortentwickelt werden müssen! dem Lohndumping durch prekäre Beschäftigung begegnet werden muss! die Spaltung in Stamm- und Randbelegschaften unerträglich ist! Wir können es nicht mehr zulassen, dass es Koll. erster und zweiter Klasse gibt! Jetzt persönliche Verantwortung übernehmen Jetzt handeln!
25 25 Planung zweites Halbjahr 2008 Menschenrechte Alle Menschen haben ohne jede unterschiedliche Behandlung das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Artikel 23 (2) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 7. Oktober: Tag der Prekarität Postkartenaktion: Karten werden der metallzeitung beigelegt Schwarzweißbuch Wird im September vorgestellt. Wir klagen an - sagen, wo Leiharbeit missbraucht wird. Wir zeigen Lösungen - was IG Metall und Betriebsräte tun Metall-Tarifrunde Zum 31. Oktober werden die Flächentarifverträge für die Metallund Elektroindustrie gekündigt. Am 1. November endet die Friedenspflicht. Wir beziehen Leiharbeitsbeschäftigte aktiv in die Tarifrunde ein.
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