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- Kora Brandt
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26 Das Kindergesicht der Armut Frühe und späte Folgen Zentrale Ergebnisse der AWO-ISS-Studie Evelyn Sthamer, Goethe-Universität Frankfurt am Main 3. Jahrestagung der österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit am 24. November 2016 in Wien
27 Inhalt 1. Was ist (Kinder-)Armut? 2. Folgen von Armut für Kinder und Jugendliche Ergebnisse der AWO- ISS-Langzeitstudie 3. Kindbezogene Armutsprävention
28 Kinderarmut ist kein Randphänomen: Armutsgefährdung von Kindern in Deutschland und Österreich 2015 Deutschland: Ca. 15 % unter 18-Jährige armutsgefährdet (60% äquivalenzgewichtetes Medianeinkommen) (Gesamt: ca %) Ca. 18,5 % von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (EU-SILC) (Gesamt: ca. 20 %) Zeitliche Entwicklung Armutsrisikoquote Gesamt: Steigerung der Armutsrisikoquote 98 (ca. 10 %) bis Ende 2009, dann Stagnation bei ca. 14 % (SOEP); Kinderarmut: von ca. 14 %(1998) auf 16,5 (2010). Österreich: Ca. 17 % bis 18-Jährige armutsgefährdet (60% äquivalenzgewichtetes Medianeinkommen) (Gesamt: ca. 14 %) Ca. 22 % von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (Gesamt: ca. 19 %) Zeitliche Entwicklung Armutsrisikoquote Gesamt: seit 1996 bis 2008 ca % Armutsgefährdungsquote (2. Armuts- und Reichtumsbericht in Österreich 2008)
29 Zentrale Ursachen und Risiken Erwerbsprobleme, z.b. (Langzeit)Erwerbslosigkeit Niedrigeinkommen Working poor Sozialhilfe/Hartz-IV-Bezug Soziale Probleme, z.b. Überschuldung Trennung/Scheidung Behinderung/Krankheit Multiproblemlage Migration Alleinerziehend Bildung Sozialraum Kinderreiche Familien
30 Was ist (Kinder-)Armut?
31 Was ist (Kinder-)Armut? Armut ist immer zuerst Einkommensarmut eine Lebenslage, die Spielräume einschränkt führt zur Unterversorgung führt zu sozialer Ausgrenzung hat ein spezifisches Kindergesicht
32 Folgen von Armut für Kinder und Jugendliche Ergebnisse der AWO-ISS-Langzeitstudie
33 Die AWO-ISS-Langzeitstudie I. AWO-ISS-Studie Armut im Vorschulalter II. AWO-ISS-Studie Armut im frühen Grundschulalter 2001 Quantitative Erhebung: auswertbar n = 893 Vertiefungsstudie Quantitative Erhebung: auswertbar n = 107 Qualitative Erhebung: auswertbar n = 27 III. AWO-ISS-Studie Armut im späten Grundschulalter 2003/04 Quantitative Erhebung: auswertbar n = 500 Qualitative Erhebung: auswertbar n = 10 Wiederholungsstudie 1 IV. AWO-ISS-Studie Armut am Ende der Sekundarstufe I 2009/2010 Quantitative Erhebung: auswertbar n = 449 Wiederholungsstudie 2 Qualitative Erhebung: auswertbar n = 14
34 Das kindbezogene Armutskonzept
35 Relative Einkommensarmut von Familien Folgen bei Kindern und Jugendlichen Anteil armer junger Menschen mit Defiziten Lebenslagenbereich Materielle Lage Kulturelle Lage Soziale Lage 6 Jahre alt (1999) 10 Jahre alt (2003/04) 16 Jahre alt (2009/10) 40 % 52 % 57 % 36 % 38 % 54 % 36 % 35 % 36 % Gesundheitliche Lage 31 % 26 % 44 % Gerundete Angaben: 1999: n=893; 2003/04: n=500; 2009/10: n= 416 Quellen: Armut im Vorschulalter 1999; Armut im späten Grundschulalter 2003/04; AWO- ISS-Kinderarmutspanel 2009/10
36 Lebenslagen von Jugendlichen 2009/10 Lebenslagenbereich Anteil armer und nicht armer Jugendlicher mit Defiziten Arme Jugendliche Nicht arme Jugendliche Materielle Lage 57% 19% Kulturelle Lage 54% 26% Soziale Lage 36% 31% Gesundheitliche Lage Gerundete Angaben: n= 416 Quellen: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10 44% 30%
37 Lebenslagetypen der Jugendlichen und aktuelle Armut 2009/10 44% 51% 37% 39% 19% 11% Arme Jugendliche Nicht arme Jugendliche Wohlergehen Benachteiligung Multiple Deprivation Arme Jugendliche sind seltener im Wohlergehen und häufiger multipel depriviert. Gültige Fälle n = 416; nicht arme Jugendliche: 308; arme Jugendliche: 108. Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.
38 Armutsbetroffenheit als 6- und als 16-/17-Jährige Vergleich 1999 und 2009/10 82% 1999 Nicht arm: 77% 18% 43% 1999 Arm: 23% 57% 2009/10 Arm 2009/10 Nicht arm n = 404 (nur Befragte mit gültigen Angaben für 1999 und 2009/10). Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.
39 Armutsbetroffenheit als 6- und Lebenslagetyp als 16-/17-Jährige 1999 und 2009/10 12% 49% 1999 Nicht arm: 77% 39% 30% 52% 1999 Arm: 23% 18% Wohlergehen 2009/10 Benachteiligung 2009/10 Multiple Deprivation 2009/10 Wohlergehen 2009/10 Benachteiligung 2009/10 Multiple Deprivation 2009/10 n = 404 (nur Befragte mit gültigen Antworten 1999 und 2009/10). Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.
40 Ungleiche Startchancen ungleicher Schulerfolg Schulabschluss oder aktuell besuchte Schulform 2009/10 31% 29% 38% 24% 18% 19% 11% 10% 11% 6% 2% 2% Kein Abschluss Förderschule Hauptschule Realschule Gymnasium Gesamtschule 1999 arm 1999 nicht arm Das erreichte Bildungsniveau am Ende der Sekundarstufe I eröffnet ungleiche Zukunftsperspektiven. n = 419 (nur Befragte mit gültigen Antworten 1999 und 2009/10). Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.
41 Der lange Schatten der Armut Die Auswirkungen von Armut sind am stärksten bei dauerhafter und aktueller Armut Hohes Risiko multipler Deprivation, geringere Chancen auf Wohlergehen Folgen früher, aber überwundener Armut kaum noch nachweisbar Gesichertes Familieneinkommen in Kindheit schützt Jugendliche nicht vor multipler Deprivation, wenn Armut erst im Jugendalter auftritt Die Lebenslagetypen bleiben für viele Kinder zwischen früher Kindheit und Jugend konstant Konstanz für Arme bedeutet überwiegend Multiple Deprivation Konstanz für nicht Arme meint meist dauerhaftes Aufwachsen im Wohlergehen Konstantes Wohlergehen bzw. mehrfache Beeinträchtigungen sowie Auf- und Abstiege sind ungleich verteilt Bei armen Kindern überwiegen Abstiege oder konstante Multiple Deprivation Bei nicht armen Kindern hingegen Aufstiege oder konstantes Aufwachsen im Wohlergehen
42 Zwischenfazit Die Zukunftschancen sind bereits in der Kindheit ungleich verteilt: Armutsbetroffene Kinder sind häufig gegenüber Gleichaltrigen benachteiligt Die Schere zwischen armen und nicht armen Kindern öffnet sich im weiteren Lebensverlauf Wie können negative Folgen von Armut verhindert/begrenzt werden?
43 Kindbezogene Armutsprävention
44 Die zwei entscheidenden Ebenen 1. Fokus: 2. Fokus: Individuelle Förderung und Stärkung Gestaltung/Veränderung von Verhalten/Handeln durch Angebote/Maßnahmen über öffentliche Infrastruktur, individuelle Zeit und Kompetenz Strukturelle Armutsprävention Gestaltung/Veränderung von Verhältnissen, z.b. durch armutsfeste Grundsicherung, kostenfreie Angebote und qualifizierte öffentliche Infrastruktur
45 Anforderungen und Charakteristika von struktureller Prävention für (armutsbetroffene) Kinder /Jugendliche Alle Kinder sind die Zielgruppe und jedes einzelne Kind wird gefördert Schutzfaktoren fördern und Risikofaktoren begrenzen Bezug zur Lebenswelt und zum Lebensverlauf, kindzentriert Kinder ohne Eltern gibt es nicht immer gleichzeitig Eltern unterstützen Fachkräfte sind die Gestalter, aktiv gestaltend und ergebnisorientiert steuernd Strukturformen sind die Präventionskette das Präventionsnetzwerk Handlungsform ist die Kooperation von vielen Akteuren Bund, Länder, Kommunen Professionen, Institutionen Bürgerschaft
46 Strukturprinzip kindbezogener (Armuts)Prävention Kommunale Präventionskette durch Netzwerke Begleitung Begegnung Bildung Eltern Beratung Information Betreuung Schwangerschaftsbegleitung Krippe KiTa Grundschule Weiterführende Berufs- (0-3 J.) (3-6 J.) (6-10 J.) Schule (10-.. J.) (aus)bildung Kind ISS-Frankfurt a.m. Quelle: Holz/Richter-Kornweitz 2010:
47 Fazit Armutsfolgen bei Kindern sind tiefgreifend und komplex Prävention bedeutet Früh beginnen und systematisch handeln Arme Kinder haben arme Eltern Eltern sind immer (auch) Erwachsene mit eigenen Bedürfnissen / Bedarfen Arme Kinder leben häufiger in benachteiligten Quartieren und besuchen dort Kitas Diese meist armen Kitas sind pädagogisch besonders gefordert und benötigen andere / mehr öffentliche Ressourcen Kindbezogene Armutsprävention heißt Jedem Kind alle Chancen Umsetzung gesellschaftlicher Leitprinzipien: Inklusion und soziale Teilhabe individuelle Förderung und Strukturaufbau pädagogische Arbeit und politische Rahmengestaltung systematische Begleitung durch kooperatives Miteinander der Akteure vor Ort Kinder benötigen Erwachsene zum Aufwachsen im Wohlergehen
48 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
49 Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Zeilweg Frankfurt am Main Frankfurt am Main Tel.: Fax: Evelyn Sthamer (M.Sc.) Fachbereich Gesellschaftswissenschaften Institut für Soziologie, Schwerpunkt Soziale Ungleichheit DFG-Projekt Ungleichheitsdeutungen und Gerechtigkeitsorientierungen in Deutschland Goethe-Universität Frankfurt Campus Westend PEG-Gebäude Raum 3.G067 Theodor-W.-Adorno-Platz 6 D Frankfurt am Main Telefon +49 (69) [email protected]
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