Theoretische Informatik



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Transkript:

Theoretische Informatik für die Studiengänge Ingenieur-Informatik berufsbegleitendes Studium Lehramt Informatik (Sekundar- und Berufsschule) http://theo.cs.uni-magdeburg.de/lehre04s/ Lehrbeauftragter: Dr. Ralf Stiebe Email: stiebe@iws.cs.uni-magdeburg.de Telefon: 0391-67-12457 B. Reichel, R. Stiebe 1

Inhalt der Vorlesung Berechenbarkeit Formale Definition des Begriffes Algorithmus Nachweis, dass verschiedene Probleme algorithmisch nicht lösbar sind Komplexität Schwierigkeit algorithmisch lösbarer Probleme (Zeitbedarf, Platzbedarf) Formale Sprachen enge Beziehung zur Berechenbarkeitstheorie Anwendungen in Compilerbau, Textverarbeitung B. Reichel, R. Stiebe 2

Literatur Uwe Schöning: Theoretische Informatik kurzgefasst. Die Vorlesung orientiert sich stark an diesem Buch. Hopcroft, Motwani, Ullman: Einführung in die Automatentheorie, Formale Sprachen und Komplexitätstheorie. Sehr ausführliches Standardwerk Script B. Reichel, R. Stiebe 3

Mathematische Grundlagen Mengen, Relationen, Funktionen Alphabete, Wörter, Sprachen Script, Kapitel 1 B. Reichel, R. Stiebe 4

Mengen, Relationen, Funktionen Menge: Zusammenfassung von Elementen. M = {2, 4, 6, 8}, 4 M, 3/ M Reihenfolge der Elemente beliebig, Mehrfachnennungen zählen nicht: {4, 6, 8, 2, 8, 8} = {2, 4, 6, 8} Beschreibung einer Menge durch definierende Eigenschaft: P = {n N n ist eine Primzahl} B. Reichel, R. Stiebe 5

Wichtige spezielle Mengen : leere Menge (enthält keine Elemente) N: Menge der natürlichen Zahlen (einschließlich 0) Z: Menge der ganzen Zahlen R: Menge der reellen Zahlen Q: Menge der rationalen Zahlen B. Reichel, R. Stiebe 6

Teilmengen A heißt Teilmenge von B, wenn alle Elemente von A in B sind. Bezeichnung: A B. A heißt echte Teilmenge von B, wenn A B und A B. Bezeichnung: A B. Potenzmenge von A: Menge aller Teilmengen von A Bezeichnung: P(A) bzw. 2 A Beispiel: A = {0, 1, 4}, 2 A = {, {0}, {1}, {4}, {0, 1}, {0, 4}, {1, 4}, {0, 1, 4}} B. Reichel, R. Stiebe 7

Mengenoperationen Vereinigung: A B = {x x A oder x B} Durchschnitt: A B = {x x A und x B} Differenz: A\B = {x x A und x / B} Beispiel: A = {0, 1, 2, 3, 4}, B = {2, 4, 6, 8} A B = {0, 1, 2, 3, 4, 6, 8}, A B = {2, 4}, A \ B = {0, 1, 3} B. Reichel, R. Stiebe 8

Kartesische Produkte Geordnetes Paar: (a, b) Kartesisches Produkt: A B = {(a, b) a A und b B} Geordnetes k-tupel: (a 1, a 2,..., a k ), k 2 k = 2: Paar, k = 3: Tripel, k = 4: Quadrupel, k = 5: Quintupel Kartesisches Produkt von k Mengen: A 1 A 2... A k = {(a 1, a 2,..., a k ) a 1 A 1, a 2 A 2,... a k A k } A k = {(a 1, a 2,..., a k ) a 1 A, a 2 A,... a k A} Speziell gilt: A = A = B. Reichel, R. Stiebe 9

Relationen R A 1 A 2... A k nennt man k-stellige Relation. R A B nennt man speziell binäre Relation. Schreibweise: xry für (x, y) R Bild von x A: R(x) = {y B xry} Urbild von y B: R 1 (y) = {x A xry} Verknüpfung binärer Relationen Sei R A B, S B C. Dann ist R S = {(a, c) (a, b) R und (b, c) S für ein b B} B. Reichel, R. Stiebe 10

Funktionen R A B heißt (partielle) Funktion von A nach B, wenn für jedes x A höchstens ein y B mit xry existiert. Schreibweise: R : A B Eine Funktion f : A B heißt total, wenn für jedes x A ein y B mit f(x) = y existiert. surjektiv, wenn für jedes y B ein x A mit f(x) = y existiert. injektiv oder umkehrbar eindeutig, wenn für jedes y B höchstens ein x A mit f(x) = y existiert. bijektiv, wenn f total, surjektiv und injektiv ist. B. Reichel, R. Stiebe 11

Mächtigkeit einer Menge A : Mächtigkeit einer Menge A (Anzahl der Elemente) Zwei Mengen A und B heißen gleichmächtig, wenn eine bijektive Abbildung f : A B existiert. Eine Menge heißt abzählbar unendlich, wenn sie gleichmächtig zu N ist; abzählbar, wenn sie endlich oder abzählbar unendlich ist. überabzählbar, wenn sie nicht abzählbar ist. B. Reichel, R. Stiebe 12

Beispiel einer abzählbaren Menge Satz Die Menge N 2 ist abzählbar unendlich. Beweisidee: Dovetailing (Schwalbenschwanz) Ordne die Paare diagonalenweise (d.h. nach aufsteigender Summe). (0, 0) 0; (0, 1) 1; (1, 0) 2; (0, 2) 3; (1, 1) 4; (2, 0) 5;... Formal: bijektive Funktion f : N 2 N vermöge f(m, n) = m+n i=1 i + n = (m + n)(m + n 1) 2 + n B. Reichel, R. Stiebe 13

Beispiel einer überabzählbaren Menge Satz Die Menge 2 N ist überabzählbar unendlich. Beweisidee: indirekter Beweis Diagonalisierung Angenommen, 2 N sei abzählbar unendlich. Dann gäbe es eine bijektive Funktion β : N 2 N. Betrachte Menge D mit D = {n N n / β(n)}. Gemäß der Annahme gäbe es dann ein n mit β(n ) = D. 1. Fall: n β(n ). Dann folgt n / D, d.h. n / β(n ); Widerspruch. 2. Fall: n / β(n ). Dann folgt n D, d.h. n β(n ); Widerspruch. B. Reichel, R. Stiebe 14

Alphabete, Wörter, Sprachen Alphabet: endliche nichtleere Menge, z.b. Σ = {a, b, c} Elemente eines Alphabetes nennt man Buchstaben bzw. Symbole Wort: endliche Folge von Buchstaben, z.b.: w = abbcbba w : Länge des Wortes w, z.b. abbcbba = 7 w x : Anzahl der Vorkommen des Buchstaben x in w, z.b. abbcbba b = 4 ε: leeres Wort (der Länge 0) Σ : Menge aller Wörter über dem Alphabet Σ (einschließlich ε) Σ + = Σ \ {ε} (Formale) Sprache über Σ: Teilmenge L Σ B. Reichel, R. Stiebe 15

Konkatenation von Wörtern Produkt oder Konkatenation von Wörtern: 2 Wörter werden hintereinander geschrieben, z.b. abba ba = abbaba Potenzen eines Wortes: (w 1 w 2 ) w 3 = w 1 (w 2 w 3 ) (Assoziativgesetz) w ε = ε w = w (ε ist das neutrale Element) w 0 = ε; w n = w n 1 w für n 1 B. Reichel, R. Stiebe 16

Konkatenation von Sprachen Produkt oder Konkatenation von Sprachen: L 1 L 2 = {w 1 w 2 w 1 L 1 und w 2 L 2 } {abba, ab} {ba, baba} = {abbaba, abbababa, abba, abbaba} = {abbaba, abbababa, ab (L 1 L 2 ) L 3 = L 1 (L 2 L 3 ) (Assoziativgesetz) L {ε} = {ε} L = L L = L = Potenzen einer Sprache: L 0 = {ε}; L n = L n 1 L für n 1 Kleene sche Hülle: L = n=0 Ln ({ε} ist das neutrale Element) ( ist das Nullelement) B. Reichel, R. Stiebe 17