Potenziale von kleinen und mittleren Unternehmen bei der Überwindung von Breitbandversorgungslücken



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Transkript:

Potenziale von kleinen und mittleren Unternehmen bei der Überwindung von Breitbandversorgungslücken Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Bonn/Berlin, Oktober 2009

Inhalt Zusammenfassung der Ergebnisse 3 A. Hintergrund und Vorgehensweise der Studie 7 1. Hintergrund der Studie 7 2. Vorgehensweise der Studie 8 B. Die Akteure: Kleine und mittlere Unternehmen im Breitbandmarkt 10 1. Abgrenzung der Unternehmen im Untersuchungsfokus 10 2. Segmentierung der KMU im Breitbandmarkt 11 3. Zentrale Fakten zu Breitband-KMU 13 4. Zentrale Umfeldfaktoren für Breitband-KMU 15 4.1 Breitbandförderung 15 4.2 Finanzierung 20 C. Ausbauleistung der Breitband-KMU 23 1. Status quo Ausbaubedarf 23 2. Struktur des Ausbaubedarfs und Verortung der Breitband-KMU 26 3. Ausbaubeitrag der KMU seit Anfang 2008 und bis Ende 2010 31 D. Bewertung der Rahmenbedingungen für den Breitbandausbau 34 durch KMU 1. Übersicht 34 2. Qualität der Informationen über Ausbauvorhaben und Infrastruktur 36 3. Nachfrageverhalten der Endkunden 38 4. Nachfrageverhalten der Kommunen 39 5. Finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand 40 6. Vorleistungen und Finanzierung 41 7. Gesamtbewertung der Rahmenbedingungen 42 E. Handlungsempfehlungen 45 1. Einschätzungen der KMU zu potenziellen Maßnahmen zur Beschleunigung des Breitbandausbaus 45 2. Handlungsempfehlungen Roland Berger 48 2.1 Handlungsempfehlungen für Bund und Länder 48 2.2 Handlungsempfehlungen für KMU 50 2.3 Handlungsempfehlungen für Gemeinden 50 2

Zusammenfassung der Ergebnisse Hintergrund der Studie Die Bundesregierung hat sich mit der Breitbandstrategie die Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen als Ziel gesetzt: Bis Ende 2010 sollen flächendeckend Breitbandanschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 1 Mbit/s verfügbar sein, bis 2014 mindestens 50 Mbit/s für 75 Prozent der Bevölkerung. Neben den bekannten großen und den regionalen Anbietern ist eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) 1 im deutschen Breitbandmarkt aktiv und trägt zur Überwindung der Versorgungslücke bei. Die vorliegende Studie untersucht das Potenzial dieser KMU. Thema sind dabei Ausbauleistung, Rahmenbedingungen sowie Maßnahmen zur Überwindung etwaiger Hindernisse für KMU. Die Ergebnisse wurden im Wesentlichen durch Experteninterviews, eine Onlinebefragung unter Breitband-KMU sowie Desk Research ermittelt. Breitband-KMU und ihr Marktumfeld Insgesamt wurden 267 KMU identifiziert, die Haushalte mit Breitbandanschlüssen erschließen. Dabei handelt es sich überwiegend um jüngere und sehr kleine Unternehmen: 15 Prozent der Unternehmen wurden seit Anfang letzten Jahres gegründet. Über die Hälfte der KMU ist jünger als zehn Jahre. Etwa zwei Drittel der KMU erwirtschafteten im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von weniger als einer Million Euro. Wesentliches Problem für zahlreiche KMU ist die Finanzierung von Ausbauvorhaben. Insbesondere die zahlreich vertretenen Kleinstunternehmen haben erhebliche Probleme, die notwendigen Investitionen aufzubringen. Einerseits weisen sie eine geringe Kapitaldecke auf, andererseits erhalten sie oftmals ein schlechtes Kreditrating auf Grund der allgemeinen Unternehmensdaten. Mangelnde Fremdfinanzierungsmöglichkeiten oder unattraktive Konditionen sind die Folge. Die Bundesregierung legt in ihrer Breitbandstrategie einen bewussten Fokus darauf, den Ausbau mittels Investitionen privater Unternehmen am Markt voranzutreiben, als Ultima Ratio wird der Ausbau durch finanzielle Förderung unterstützt. Die wichtigsten Förderprogramme zum Breitbandausbau in Regionen mit Versorgungslücken sind die Förderungen nach GAK 2 und GRW 3. Beides sind kofinanzierte Programme zwischen Bund und Ländern. Voraussetzung für eine 1 Für eine genaue Definition, siehe Kapitel B. 1: Abgrenzung der Unternehmen im Untersuchungsfokus 2 Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung Agrarstruktur und Küstenschutz. 3 Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. 3

Förderung sind, die Versorgungslücke nachzuweisen, ein technologie-, anbieterneutrales und transparentes Auswahlverfahren durchzuführen und einen möglichst offenen Zugang der geförderten Infrastruktur auf Vorleistungsebene zu ermöglichen. Die konkrete Ausgestaltung der Breitbandförderung erfolgt durch die Bundesländer. Die an der Onlinebefragung teilnehmenden KMU griffen nur bei etwa drei Prozent ihrer Projekte auf Fördermittel zu. Rund 97 Prozent der KMU-Projekte konnten also ohne staatliche Zuschüsse realisiert werden. In Zukunft ist davon auszugehen, dass der Anteil der geförderten Projekte steigt, da die verbleibenden Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf wirtschaftlich zunehmend unattraktiver werden. Ausbauleistung der KMU Die Auswertung der Ausbauleistung der Breitband-KMU zeigt, dass diese einen spürbaren Beitrag zur Überwindung von Breitbandversorgungslücken geleistet haben und bis Ende 2010 die Ausbauleistung weiter steigern wollen. In Deutschland liegen derzeit über drei Millionen Haushalte in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf 4. Die meisten Haushalte in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf sind in Bayern, relativ, d. h. bezogen auf die Einwohnerzahl, ist Sachsen-Anhalt am schlechtesten versorgt. Im Bundesdurchschnitt existieren rund neun Breitband-KMU pro 100.000 nicht erschlossene Haushalte und etwas mehr als drei Breitband-KMU pro eine Millionen Einwohner. Dabei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Die Teilnehmer einer Onlineumfrage, die Teil der Untersuchung waren, geben an, seit Anfang 2008 bisher insgesamt über 700 Projekte in mehr als 600 Gemeinden abgeschlossen zu haben. Dabei wurden seit Anfang 2008 etwa 193.000 Haushalte erschlossen. Fast 70 Prozent (rund 133.000) der angegeben KMU-Ausbauleistung wurden dabei über funkbasierte Technologien realisiert, weitere jeweils rund 30.000 Haushalte durch Kabelnetzbetreiber und durch DSL/VDSL/Glasfaser. Die KMU wollen ihre Ausbauleistung in Zukunft noch deutlich steigern. Während sie seit Anfang 2008 insgesamt 193.000 Haushalte erschlossen haben, planen sie, bis Ende 2010 insgesamt rund 277.000 Haushalte zu erschließen. Im Durchschnitt rechnen die KMU damit mit einer Steigerung der pro Monat erschlossenen Haushalte um fast 80 Prozent. 4 In dieser Studie werden Gemeinden, in denen weniger als 95 Prozent der Haushalte mit Breitbandanschlüssen mit einer Bandbreite von mindestens 1 Mbit/s erschlossen sind und in denen insgesamt mindestens 15 Haushalte nicht erschlossen sind, als Gebiet mit zusätzlichem Ausbaubedarf bezeichnet. 4

Vor dem Hintergrund, dass Gemeinden in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf eine kleinere Anzahl von Haushalten aufweisen, stellt sich die Frage, mit welchen Technologien diese wirtschaftlich erschlossen werden können. Generell wird die Gewinnschwelle bei funkbasierten Lösungen deutlich früher als bei leitungsgebundenen Technologien erreicht. Einschätzung der Rahmenbedingungen Die Teilnehmer sind mit den Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus tendenziell unzufrieden. Der Aussage "Die Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus bewerten wir insgesamt als sehr gut und zielführend" stimmte über die Hälfte der Befragten eher nicht oder gar nicht zu. Die Qualität der Informationen über Ausbauvorhaben und Infrastruktur wird von den teilnehmenden Breitband-KMU insgesamt als eher schlecht bewertet Das Nachfrageverhalten der Endkunden wird von den KMU als nicht problematisch eingestuft. Am ehesten werden unrealistische d.h. an z.b. Kostenführer-Angeboten aus Großstädten orientierte Preiserwartungen der Endkunden als Problem genannt Das Nachfrageverhalten der Kommunen wird von den KMU insgesamt als deutlich problematischer als das der Endkunden eingestuft. Die Kommunen sind nach Aussage der KMU sowie z.t. auch nach eigenen Angaben mit der Komplexität der Ausbauvorhaben überfordert Hinsichtlich der Förderung von Ausbauvorhaben durch die öffentliche Hand werden Bürokratie und Förderauflagen von den KMU negativ bewertet Ebenfalls bewerten die KMU die Finanzierung von Ausbauprojekten durch Banken als problematisch Hinsichtlich der Zufriedenheit von KMU in den unterschiedlichen Bundesländern bestehen erhebliche Differenzen. An den Beispielen Bayern und Sachsen zeigen sich deutliche Unterschiede. In Bayern, wo bereits seit längerer Zeit umfangreiche Unterstützung durch staatliche Stellen im Rahmen der Breitbandinitiative erfolgt, sind die KMU wesentlich zufriedener als in Sachsen. In Sachsen, wo die Breitbandförderung und staatliche Unterstützung noch vergleichsweise wenig entwickelt ist, herrscht die geringste Zufriedenheit: Die Hälfte der teilnehmenden Breitband-KMU aus Sachsen stimmen der Aussage "Die Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus bewerten wir insgesamt als sehr gut und zielführend" gar nicht zu. In Bayern antwortet dies jedoch nur eines von 20 KMU. Empfehlungen Keine einzelne Maßnahme allein kann den Ausbau durch KMU weiter beschleunigen, sondern ein Bündel von Maßnahmen muss an den unterschiedlichen Herausforderungen in den Rahmenbedingungen ansetzen. Dabei sind sowohl die Akteure Bund und Länder sowie die betroffenen Gemeinden als auch die KMU selbst gefordert. 5

Handlungsempfehlungen für Bund und Länder: Verbesserung bei der Finanzierung Gütesiegel für technische Lösungen Ausbaufortschritt transparent machen Kompetenzzentren vereinheitlichen und ausbauen Förderprogramme bedarfsorientiert verstärken und weiterentwickeln Besser über Förderung informieren Handlungsempfehlungen für KMU: Geschäftsmodelle weiterentwickeln, Fördermöglichkeiten besser nutzen Kooperationen mit Gemeinden verstärken Handlungsempfehlungen für Gemeinden: Akzeptanz für Funklösungen fördern Mehr Kooperationen beim Breitbandausbau 6

A. Hintergrund und Vorgehensweise der Studie 1. Hintergrund der Studie Mit der Breitbandstrategie hat sich die Bundesregierung ambitionierte Ziele zur Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen gesetzt: Bis Ende 2010 sollen die Lücken in der Breitbandversorgung geschlossen und flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügbar sein Bis 2014 sollen für 75 Prozent der Haushalte in Deutschland Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen, mit dem Ziel, solche hochleistungsfähigen Breitbandanschlüsse möglichst bald flächendeckend verfügbar zu haben. Die Bundesregierung legt in ihrer Breitbandstrategie einen bewussten Fokus darauf, den Ausbau mittels Investitionen privater Unternehmen am Markt voranzutreiben und nachhaltige Geschäftsmodelle zu fördern. Die Breitbandstrategie der Bundesregierung will die Beteiligten dabei in die Lage versetzen, den Ausbau möglichst eigenverantwortlich voranzutreiben. Kernelemente sind dabei die Nutzung von Synergien beim Infrastrukturausbau, eine unterstützende Frequenzpolitik ("Digitale Dividende") und eine wachstums- und innovationsorientierte Regulierung. Als Ultima Ratio wird der Ausbau durch finanzielle Förderung unterstützt. Neben der Deutschen Telekom und den großen alternativen Carriern wie zum Beispiel Vodafone/Arcor, HanseNet, Versatel oder den Kabelnetzbetreibern Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW sowie regionalen Telekommunikationsnetzbetreibern wie z. B. EWE TEL, VSE Net und einer Reihe von lokal tätigen City Carriern gibt es in Deutschland eine Reihe kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die mit unterschiedlichen Angeboten als Anbieter im Breitbandmarkt aktiv sind. Der spezifische Beitrag dieser kleinen und mittleren Unternehmen zum Ausbau der Breitbandinfrastruktur fokussiert sich meist auf Projekte in einzelnen Gemeinden bzw. Gemeindeteilen oder auch auf kleinere gemeindeübergreifende Projekte. Die vorliegende Studie beleuchtet diese Breitband-KMU. Folgende Punkte werden betrachtet: Ausbauleistung der KMU Rahmenbedingungen für KMU Maßnahmen zur Überwindung etwaiger Hindernisse für KMU zum Breitbandausbau 7

2. Vorgehensweise der Studie Zur Ableitung der Potenziale von KMU beim Breitbandausbau wurde das Vorgehen in fünf Module gegliedert, in denen unterschiedliche Teilaspekte der Akteure und des Marktumfeldes kleiner und mittlerer Unternehmen im deutschen Breitbandmarkt untersucht wurden. Die Module untergliedern sich im Einzelnen wie folgt: 1. Marktsegmentierung 2. Perspektive der KMU 3. Perspektive der Kommunen und Banken 4. Ermittlung des Zielbeitrags der KMU zum Breitbandausbau 5. Ableitung von Handlungsempfehlungen Zur Erarbeitung der Studie wurden folgende Methoden eingesetzt: Experteninterviews mit KMU im Breitbandmarkt, Kommunen, Banken und Verbänden Onlinebefragung von Breitband-KMU Umfangreicher Desk Research Projekterfahrung und Experten-Know-how von Roland Berger Strategy Consultants aus zahlreichen Projekten im Breitbandbereich Die Arbeitsschwerpunkte im Rahmen der Analyse lagen vornehmlich auf Experteninterviews sowie auf der Onlinebefragung. Während die Onlinebefragung auf einen möglichst breiten Überblick über die Potenziale von KMU bei der Überwindung von Breitbandversorgungslücken zielt, wurden die vertiefenden Experteninterviews genutzt, um Einzelaspekte detailliert zu beleuchten. Insgesamt wurden 29 Experten zu den Themenstellungen der Studie befragt. Dies erfolgte in strukturierten Einzelinterviews, welche überwiegend telefonisch durchgeführt wurden. Im Einzelnen wurden interviewt: zehn Verantwortliche von Gemeinden fünf Vertreter von Banken zwölf KMU zwei Verbände Für die Onlinebefragung wurden zunächst durch eine umfangreiche Recherche insgesamt 292 KMU identifiziert, die im Bereich Breitbanderschließung tätig sind. Zur Erstellung dieser sogenannten vorläufigen Longlist wurden u. a. alle Anbieter aus dem Breitbandatlas überprüft, Mitgliederlisten von Verbänden, Anbieterverzeichnisse der Bundesländer sowie Presse- und Internetrecherche genutzt. Die Zahl hat sich im weiteren Verfahren auf 267 KMU reduziert. Im Zeitraum vom 15. September 2009 bis 20. Oktober 2009 wurden die identifizierten KMU mittels eines Onlinefragebogens zu ihrer Rolle bei der Überwindung von 8

Breitbandversorgungslücken befragt. Zudem wurden die Einschätzung der KMU zu den Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus und ihre Bewertung möglicher Maßnahmen zur Beschleunigung des Ausbaus erhoben. Insgesamt haben 88 Unternehmen den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Die für diese Art von Befragung hohe Teilnehmerquote von 33 Prozent zeigt auch, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit der Untersuchung des Potenzials für den Ausbaubeitrag durch KMU sowie deren Einschätzungen zu den Rahmenbedingungen ein wichtiges Thema identifiziert und angestoßen hat. Insgesamt gehen wir von einer repräsentativen Abbildung der Gesamtheit der KMU im Bereich Breitbandausbau aus. 9

B. Die Akteure: Kleine und mittlere Unternehmen im Breitbandmarkt 1. Abgrenzung der Unternehmen im Untersuchungsfokus Neben den bekannten großen Anbietern ist eine Vielzahl von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen im deutschen Breitbandmarkt aktiv. Zur Abgrenzung von KMU wird die Definition der Europäischen Kommission herangezogen: "Die Größenklasse der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzt sich aus Unternehmen zusammen, die weniger als 250 Personen beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. Euro erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. Euro beläuft." Größenklasse Mitarbeiterzahl Jahresumsatz Jahresbilanzsumme Kleine u. Kleinst- Unternehmen < 50 10 Mio. EUR oder 10 Mio. EUR Mittlere Unternehmen < 250 50 Mio. EUR oder 43 Mio. EUR Abbildung 1: Abgrenzung KMU Quelle: Europäische Kommission Ein weiteres Kriterium ist die Eigenständigkeit der Unternehmen. Dieses Kriterium ist erfüllt bei Unternehmen, an denen kein Außenstehender mehr als 25 Prozent des Kapitals oder der Stimmrechte hält. Insbesondere Tochterunternehmen von größeren Stadtwerken, die in einigen regionalen Breitbandmärkten eine nicht unbedeutende Rolle spielen, fallen damit oftmals aus der Betrachtung heraus. Diese Studie fokussiert sich auf diejenigen KMU, die einen Beitrag zur Breitband- Erschließung durch einen Ausbau der Infrastruktur mittels der Kerntechnologien DSL/VDSL/Glasfaser, TV-Kabel sowie Funk (WiMAX, Richtfunk, W-LAN/BFWA) leisten. Da keine KMU im Bereich Ausbau durch Mobilfunk existieren, beschränkt sich die Untersuchung auf die genannten Kerntechnologien. Powerline/PLC wurde auf Grund des geringen Ausbauzustands und der geringen Anzahl von Anbietern ausgeklammert. Satellitentechnologien wurden ebenso nicht in die Erhebung aufgenommen, da diese eine tendenziell flächendeckende Versorgung ermöglichen und somit i.e.s. nicht zur Erschließung einzelner Gebiete beitragen. Auch KMU im Breitbandumfeld, die nicht im i.e.s. zur Erschließung beitragen etwa sogenannte Reseller werden hier nicht betrachtet. 10

2. Segmentierung der KMU im Breitbandmarkt Aus der definitorischen Abgrenzung können entlang der Kriterien Technologie (DSL/VDSL/Glasfaser, Kabel und Funk) einerseits und Unternehmensgröße (kleinste/kleine Unternehmen und mittlere Unternehmen) anderseits sechs Segmente von KMU im Breitbandmarkt abgeleitet werden. Von den insgesamt 292 identifizierten Unternehmen wurden 25 Unternehmen im Verlauf der Studie nicht weiter berücksichtigt. Diese Unternehmen wurden als Reseller oder Anbieter einer Nicht-Kerntechnologie identifiziert oder haben mehr als 50 Millionen Euro Umsatz erzielt (Abgrenzung Untersuchungsfokus s.u.). Hierbei reduzierte sich die Grundgesamtheit auf 267 KMU 5. Mit 145 bieten mehr als die Hälfte der identifizierten KMU auf Funktechnologien basierende Breitbandlösungen an. 89 agieren v. a. mit den Technologien DSL/VDSL/Glasfaser und 33 sind Kabelanbieter. Nur 23 der 267 identifizierten Unternehmen sind als mittlere Unternehmen zu klassifizieren, über 90 Prozent sind kleine bzw. kleinste Unternehmen. Für die Studie wurde eine Segmentierung nach Größe der Unternehmen und angebotenen Technologien entwickelt. Es wurden insgesamt sechs Segmente definiert. Bei der Unternehmensgröße wurden kleine Unternehmen (weniger als 10 Mio. Euro Umsatz) und mittlere Unternehmen (zwischen 10 und 50 Mio. Euro Umsatz) unterschieden. Bei den Technologien wurden drei Gruppen gebildet: Unternehmen die überwiegend Lösungen auf Basis von DSL/VDSL/Glasfaser, Unternehmen die überwiegend Lösungen auf Basis von Breitbandkabel und Unternehmen die überwiegend Lösungen auf Basis von Funk anbieten. Für Mobilfunk, Satellit, Powerline und weitere Technologien wurden keine Segmente gebildet, weil entweder keine oder nur sehr wenige KMU bei der Recherche identifiziert werden konnten. Alle identifizierten Unternehmen wurden in die Longlist aufgenommen. Technologie DSL/VDSL/Glasfaser Kabel Funk Kleine u. Kleinst- Unternehmen Longlist 69 30 145 Fragebogen 21 8 53 Mittlere Unternehmen Longlist 20 3 Fragebogen 5 1 Nicht relevant Abbildung 2: Segmentierung der KMU anhand von Technologien und Unternehmensgröße Quelle: Roland Berger Die 88 KMU, welche für diese Studie verwertbare Fragebögen übermittelten, können anhand der Segmentierung wie folgt klassifiziert werden: 5 Der VATM geht in einer Studie von 266 KMU im Bereich Erschließung aus. 11

Es nahmen insgesamt 21 kleine KMU entsprechend Segment 1 mit der Technologie DSL/VDSL/Glasfaser teil Weitere acht Teilnehmerunternehmen konnten als kleine KMU mit der Technologie TV-Kabel in Segment 2 zusammengefasst werden Segment 3 wird durch 53 kleine KMU im Bereich Funktechnologien vertreten Weitere fünf mittelgroße KMU, welche Breitbanderschließung vornehmlich durch DSL/VDSL/Glasfaser erreichen, wurden in Segment 4 zusammengefasst Segment 5 beinhaltet insgesamt nur ein mittelgroßes Unternehmen, das die TV- Kabel-Technologie nutzt, um schlecht- oder unversorgte Haushalte zu erschließen Unter den befragten KMU befindet sich kein Unternehmen, das entsprechend Segment 6 mit Funktechnologien zur Breitbanderschließung als mittleres Unternehmen klassifiziert werden konnte. 12

3. Zentrale Fakten zu Breitband-KMU Diejenigen KMU, die an der Befragung teilgenommen haben, waren bereit, über die in Unternehmensdatenbanken und öffentlichen Quellen verfügbaren Informationen hinaus detailliertere Informationen anzugeben. Auf Grund der vergleichsweise hohen Rücklaufquote von insgesamt 33 Prozent und der Tatsache, dass in allen Segmenten eine hohe Responsequote von jeweils mehr als 25 Prozent erzielt werden konnte, können statistisch belastbare Aussagen bezogen auf die Gesamtheit aller Unternehmen abgeleitet werden. Bei den teilnehmenden KMU, die zum größten Teil als GmbH oder als Personengesellschaft bzw. Einzelunternehmen firmieren, handelt es sich überwiegend um jüngere Unternehmen: 15 Prozent der Unternehmen wurden seit Anfang letzen Jahres gegründet Über die Hälfte der KMU ist jünger als zehn Jahre (zum Vergleich: Insgesamt sind in Deutschland 40 Prozent aller KMU über alle Wirtschaftssektoren jünger als zehn Jahre) 6. 83% jünger als 15 Jahre 10 51% jünger als 10 Jahre 32% jünger als 5 Jahre 10 1 1 1 2 4 2 3 1 2 7 6 3 2 5 7 2 1 6 4 6 2 1964 1985 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2005 2007 Abbildung 3: Teilnehmende Unternehmen nach Jahr der Gründung Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger 2009 Fast alle KMU, die in der Breitband-Erschließung i.e.s. tätig sind (und damit im Fokus dieser Studie liegen), bieten auch Endkundenprodukte an. Etwa zwei Drittel der Befragten erwirtschafteten im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von unter einer Millionen Euro. Insbesondere im Bereich Funk dominieren Kleinstunternehmen. So weisen 85 Prozent der Unternehmen, die Funklösungen 6 Roland Berger Analyse. Stichprobe: 598.000 deutsche KMU 13

anbieten, einen Umsatz von weniger als einer Millionen Euro aus. Anbieter Leitungsgebundener Lösungen, also DSL/VDSL/Glasfaser und TV-Kabel, erwirtschafteten mehrheitlich (zu 65 Prozent) einen Umsatz von über einer Millionen Euro. 100% 19% 11% 34% 13% 16% 7% Funk Kabel DSL/VDSL/ Glasfaser 88 53 9 26 17 17 0 0 10 9 0 1 30 19 3 8 11 5 3 3 14 3 2 9 6 0 1 5 Alle Weniger als 100.000 Zwischen 100.000 und 250.000 Zwischen 250.000 und 1 Mio. Zwischen 1 Mio. und 2 Mio. Zwischen 2 Mio. und 10 Mio. Zwischen 10 Mio. und 50 Mio. Abbildung 4: Anzahl teilnehmende Unternehmen nach Umsatzklassen [in EUR] Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger Die Umsatzzahlen spiegeln sich wider in der Anzahl der Mitarbeiter: 60 Prozent der teilnehmenden KMU haben 10 oder weniger Mitarbeiter, ein Fünftel weniger als drei. Sechs der befragten Unternehmen beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter. 100% 21% 23% 17% 23% 9% 7% 19 20 88 15 Mehr als 60 Prozent der Teilnehmer- KMU haben weniger als 10 Mitarbeiter 20 8 6 Alle Weniger als 3 Zwischen 3 und 5 inkl. Zwischen 5 und 10 inkl. Zwischen 10 und 25 inkl. Zwischen 25 und 50 inkl. Mehr als 50 Abbildung 5: Teilnehmende Unternehmen nach Anzahl der Mitarbeiter Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger 14

4. Zentrale Umfeldfaktoren für Breitband-KMU 4.1 Breitbandförderung Die relevanten Marktsegmente für KMU im Breitbandmarkt sind im Wesentlichen die Regionen, die bisher nicht im Wettbewerb der größeren Netzbetreiber erschlossen wurden. Damit erscheint die Breitbandförderung für die KMU zunächst von zentraler Bedeutung. Die öffentlichen Förderprogramme zielen darauf, den Ausbau in den Regionen zu fördern, in denen bisher ein bedarfsgerechter Ausbau im Wettbewerb nicht erfolgt ist. Wegen der zentralen Bedeutung des Themas wurde deshalb die Breitbandförderung aus der Perspektive der KMU anhand von drei Fragen genauer untersucht: 1. Wie gestaltet sich die Breitbandförderung in Regionen mit Versorgungslücken? 2. Wie verteilen sich die Fördermittel unter den Marktteilnehmern? 3. Welchen Einfluss hat die Breitbandförderung auf die Ausbauleistung der KMU? Zu 1. Wie gestaltet sich die Breitbandförderung? Die wichtigsten Förderprogramme 7 zum Breitbandausbau in Regionen mit Versorgungslücken sind die Förderungen nach GAK 8 und GRW 9. Beides sind kofinanzierte Programme, für die es einen zwischen Bund und Ländern abgestimmten Rahmenplan bzw. Koordinierungsrahmen gibt. Nach dem GAK- Rahmenplan ist ein Zuschuss bis 200.000 Euro je Vorhaben möglich. Planung und Beratung, Erschließung und Leerrohrverlegung 10 können gefördert werden. Es werden höchstens 90 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke finanziert. Der Eigenanteil der Gemeinden beträgt also mindestens 10 Prozent. Als Voraussetzung für eine Förderung ist die Versorgungslücke nachzuweisen, es muss ein technologie-, anbieterneutrales und transparentes Auswahlverfahren durchgeführt werden und es sollte ein offener Zugang der geförderten Infrastruktur auf Vorleistungsebene ermöglicht werden. Die Bundesländer passen den GAK-Rahmenplan unterschiedlich an. Baden- Württemberg fördert z. B. nur 40 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke und höchstens 30.000 Euro je Erschließungsvorhaben. Der Eigenanteil der Gemeinden ist hier entsprechend höher. Hessen fördert dagegen bis 200.000 Euro je Vorhaben und bis zu 60 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke. Bayern fördert höchstens 100.000 Euro je Vorhaben und 70 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke, allerdings nur für Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. In ähnlicher Weise wird auch der GRW- Koordinierungsrahmen durch die einzelnen Bundesländer individuell ausgestaltet. 7 Quelle: Möglichkeiten der Breitbandförderung ein Leitfaden, BMWi 2009 sowie Internetrecherchen. 8 Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung Agrarstruktur und Küstenschutz. 9 Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. 10 Ob die Leerrohrverlegung nach GAK gefördert werden kann, steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der EU-Kommission. 15

Neben GAK und GRW nutzen acht Bundesländer (NRW, NI, RP, BW, BY, Sachsen- Anhalt, TH, SH) zudem die Möglichkeit, Breitbandausbau aus Mitteln des Zukunftsinvestitionsgesetzes (ZuInvG) zu fördern. Schwerpunkte der Förderung nach ZuInvG sind Leerrohrverlegung, Förderung von Modellprojekten, Modellvorhaben zum Aufbau passiver Glasfaserinfrastruktur, Ausbau von Infrastruktur in Gewerbegebieten und landesbezogene Initiativen. Bayern und Baden-Württemberg haben zudem in Verbindung mit dem ZuInvG eigene Landesprogramme eingerichtet. Die Höhe der Fördermittel je Bundesland ist unterschiedlich. Beispielsweise stehen in Baden-Württemberg 53 Mio. Euro, in Bayern 38 Mio. Euro, in Niedersachsen 80 Mio. Euro, in Thüringen 2,7 Mio. Euro und in Hessen 2,3 Mio. Euro für die Breitbandförderung bereit. Die Struktur und Zahl der Informations- und Antragsstellen sind unterschiedlich. Die Bundesländer unterstützen ihre Gemeinden i.d.r. mit Hinweisen, Formularen, Musteranschreiben und konkreten Durchführungsempfehlungen beim Auswahlverfahren. Vergleichbare spezifische Informationsangebote für Netzbetreiber gibt es demgegenüber nicht. Der Ablauf der Breitbandförderung bei der Erschließung von Versorgungslücken folgt i.d.r. folgendem Schema: Erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme und eine Bedarfserhebung, um die Versorgungslücke nachzuweisen. Im zweiten Schritt wird ein Interessenbekundung- bzw. Markterkundungsverfahren durchgeführt. Wenn sich hier kein Anbieter findet, der ohne Zuschuss ausbaut, folgt ein Auswahlverfahren. Nach Abschluss des Auswahlverfahrens stellt die Gemeinde den Förderantrag bei der jeweiligen Landesstelle. Dieses ist offen und transparent durchzuführen. Anbieter- und Technologieneutralität sind einzuhalten. Um die Möglichkeiten der Förderung zu nutzen, müssen sich die Unternehmen intensiv mit den Förderbedingungen in den Bundesländern befassen, in denen sie tätig sind. Hierfür ist ein gewisser Aufwand erforderlich. Entscheidend bei der Breitbandförderung für die Unternehmen ist das Auswahlverfahren. Die wichtigsten Bewertungskriterien sind die Höhe der Endkundenpreise, die Höhe des Zuschusses, die angebotene Datenrate im Downstream und Upload, die Verfügbarkeit des Netzes, das technische Konzept sowie die Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit im Hinblick auf wachsenden Bandbreitenbedarf. Im Detail unterscheiden sich die Bewertungskriterien und deren Gewichtung von Bundesland zu Bundesland. Unternehmen sollten sich deshalb nach Möglichkeit bei den Gemeinden und Landesstellen zu den Bewertungskriterien genau informieren. Zudem bieten die landesspezifischen Programme gute Möglichkeiten, gemeinsam mit Gemeinden Projektansätze zu entwickeln. Hierbei handelt es sich jedoch häufig um Projekte auf Basis von Glasfaser oder um Leerrohrverlegung. 16

Zu 2. Wie verteilen sich die Fördermittel unter den Marktteilnehmern? Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurde eine Auswertung der bayerischen Breitbandförderung durchgeführt. Grundlage ist die Veröffentlichung der bayerischen Breitbandinitiative zu den geförderten Projekten in Bayern 11. Von 105 geförderten Projekten wurden 25 Projekte (24 Prozent) von KMU durchgeführt, wofür die KMU durchschnittlich 28 Prozent (1,58 Mio. Euro) der Fördermittel erhalten haben. Demgegenüber hat die Deutsche Telekom AG 71 Projekte durchgeführt und dafür rund 64 Prozent der Fördermittel erhalten. Weitere Projekte wurden in Kooperation zwischen KMU und großen Anbietern (2 Projekte), durch Eigenbetriebe (1 Projekt) und durch Vodafone durchgeführt (6 Projekte). Anzahl von Projekten mit Förderung nach Anbietern 105 Aufteilung der Fördermittel in % nach Begünstigten Sonstige 4% 71 KMU 28% 6 25 Vodafone 64% 4% DTAG 3 Geförderte Projekte DTAG Vodafone KMU Sonstige Abbildung 6: Breitbandförderung in Bayern Quelle: Roland Berger, Breitbandinitiative Bayern Bei der Zuweisung von Fördermitteln wird demnach die Deutsche Telekom AG absolut betrachtet häufiger berücksichtigt als die KMU. In der relativen Betrachtung und unter Berücksichtigung der Marktanteile der Deutschen Telekom AG und der KMU ist die Mittelverteilung als ausgewogen zu bewerten. Die Verteilung orientiert sich weitgehend an den Marktanteilen der Unternehmen. Zu 3. Welchen Einfluss hat die Breitbandförderung auf die Ausbauleistung der KMU? Hierzu wurde die Förderquote bei KMU-Projekten untersucht. Diese ergibt sich aus der Anzahl der geförderten Projekte mit KMU-Beteiligung im Verhältnis zur 11 Quelle http://breitband.bayern.de/win2/inhalte/weiterenavigation/foerderung/erschliessung/40- bewilligte-foerderantraege-fuer-breitband-investitionen-in-bayern.jsp; Stand 22.10.2009. 17

Gesamtzahl aller Projekte, die durch KMU durchgeführt wurden. Zudem wurde untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Förderung und eingesetzter Technologie bestehen. Die befragten 88 Breitband-KMU haben im Zeitraum von Anfang 2008 bis September 2009 insgesamt über 1.000 Ausbauprojekte durchgeführt. Fast 70 Prozent der Projekte basierten dabei auf Funktechnologien, ca. 20 Prozent basierten auf der Infrastruktur TV-Kabel und etwas mehr als 10 Prozent nutzten DSL/VDSL/Glasfaser. Dabei griffen die befragten KMU nur bei 33 Projekten auf Fördermittel zu. D. h., die Förderquote betrug nur etwa drei Prozent. Rund 97 Prozent der Projekte konnten also ohne staatliche Zuschüsse von den KMU realisiert werden. Es zeigt sich, dass der Anteil der geförderten Projekte in den einzelnen Technologien beträchtlich variiert: Bei DSL/VDSL/Glasfaser ist er mit 6 Prozent doppelt so hoch wie bei Kabelnetzbetreibern und bei Anbietern funkbasierter Lösungen. Zudem bestehen erhebliche Differenzen hinsichtlich des Förderanteils am Gesamtprojektvolumen bei den tatsächlich geförderten Projekten: Funkbasierte Projekte haben mit 28 Prozent den geringsten Förderanteil. Anzahl und Anteil der geförderten Ausbauprojekte der teilnehmenden KMU 3% Förderanteil am Gesamtprojektvolumen [%] Ø 31% DSL/VDSL/ Glasfaser 1.027 105 99 6% DSL/ VDSL/ FTTx 33% Kabel 218 212 3% Kabel 40% Funk 704 683 33 6 6 21 3% Funk 28% Projekte Davon nicht gefördert Davon gefördert Abbildung 7: Überblick Ausbauprojekte der befragten KMU und Förderanteil seit Anfang 2008 Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger In Zukunft ist davon auszugehen, dass der Anteil der geförderten Projekte steigt, da die verbleibenden Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf wirtschaftlich zunehmend 18

unattraktiver werden und die Anzahl der in einem Projekt zu erschließenden Haushalte geringer wird. 19

4.2 Finanzierung Ein weiteres wichtiges Thema für KMU ist die Finanzierung der Ausbauprojekte. Um eine Einschätzung der Finanzsituation der KMU zu erhalten, wurden für eine Stichprobe von fünf Unternehmen Ratingberichte untersucht. Die betreffenden Unternehmen wurden dazu zufällig aus der Longlist ausgewählt. Es wurden das Eigenkapital, Ausfallrisiko und die Kreditempfehlungen betrachtet. Alle KMU weisen ein tendenziell geringes Eigenkapital aus. Bei drei der Unternehmen ist das Eigenkapital geringer als 50.000 Euro. Ein Unternehmen weist ein negatives Eigenkapital auf. Nur ein Unternehmen hat mehr als 400.000 Euro Eigenkapital. Das Ausfallrisiko für kurzfristige Kredite in den nächsten zwölf Monaten wird bei zwei der Unternehmen als Ausfallrisiko tendenziell zu hoch, bei zwei weiteren als sehr hoch eingeschätzt. Kreditempfehlungen erhalten nur drei der Unternehmen. Bei zwei der Unternehmen wird empfohlen, von einer Kreditvergabe ohne Sicherheiten abzusehen. Diese exemplarische Betrachtung zeigt, dass die Finanzierung der Ausbauprojekte besonders kleinste und kleine Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Deshalb wurden im Rahmen der Studie Angebote und Voraussetzungen zur Finanzierung von Breitband-KMU betrachtet. Von zentraler Bedeutung bei einer Finanzierung ist die Bonität eines Unternehmens. Dabei wird die Bonität im Rahmen eines sogenannten Ratings ermittelt. Grundlage eines Ratings sind statistische und mathematische Modelle. Die relevanten Merkmale und Faktoren eines Unternehmens werden systematisch ausgewertet. Im Ergebnis wird das Unternehmen einer Ratingklasse zugeordnet. Faktoren, Prozess und Ratingklassen unterscheiden sich teilweise zwischen den Banken. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist ein wichtiger Finanzpartner des deutschen Mittelstands und häufig Hausbank von kleinen und mittleren Unternehmen. Deshalb wird hier am Beispiel des Ratings der Sparkassen-Finanzgruppe gezeigt, anhand welcher Kriterien die Bonität eines Unternehmens geprüft und bewertet wird. In der Sparkassen-Finanzgruppe werden Finanzierungsentscheidungen auf der Grundlage eines einheitlichen Ratings getroffen 12. Das Rating erfolgt in vier Schritten: 1. Finanzrating 2. Qualitatives Rating 3. Ratingabstufung auf Grund von Warnsignalen 4. Berücksichtigung von Haftungsverbünden Im ersten Schritt, dem Finanzrating, werden Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage des Unternehmens bewertet. Für die Finanzlage werden Eigenkapitalquote, Kapitalstruktur und Kreditorenlaufzeit betrachtet. Die Ertragslage wird anhand von Rentabilität, Ertrag und Cash-Flow, Zinsaufwands- und Mietaufwandsquote beurteilt. 12 Quelle: Rating Herausforderung und Chance zugleich; Ratgeber für Firmenkunden; Hrsg. Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH, 2007. 20

Zur Beurteilung der Vermögenslage werden Liquidität, Lagerdauer und Kapitalbindung herangezogen. Im zweiten Schritt werden die Eigenschaften des Unternehmens und der Unternehmensführung sowie die Leistungen, die Produkte und die Branche des Unternehmens bewertet. Faktoren und Umfang des qualitativen Ratings sind abhängig vom Jahresnettoumsatz. Mit zunehmender Größe des Unternehmens nehmen auch der Umfang des qualitativen Ratings und die Zahl der betrachteten Faktoren zu. Im dritten Schritt des Ratings erfolgen Abstufungen, wenn entsprechende Warnsignale vorliegen. Dies sind beispielsweise Scheckrückgaben, nicht bezahlte Darlehensraten oder zugestellte Pfändungsbeschlüsse. Die in den ersten beiden Schritten ermittelte Ratingnote wird beim Vorliegen von Warnsignalen nach unten korrigiert. Der vierte Schritt des Ratings ist für die Unternehmen relevant, die sich in einer Konzernstruktur befinden, und wenn Haftungsverbünde bestehen. Dabei werden Verflechtungen des Unternehmens innerhalb einer Konzernstruktur bewertet und in das Rating einbezogen. Im Ergebnis des Ratings werden die Unternehmen einer von 18 Ratingklassen zugeordnet. Die Ratingklasse 1 steht für die beste Bonität bzw. die geringste Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Ratingklasse 18 steht dagegen für insolvente Unternehmen. Es wird deutlich, dass Finanzierungsentscheidungen, besonders bei kleinsten und kleinen Unternehmen, von der Finanzsituation des Unternehmens abhängig sind. Eigenkapital, Kapitalstruktur, Umsatz- und Ertragssituation, Aufwand für Mieten und Zinsen sowie die Kapitaldienstfähigkeit sind dabei wichtige Faktoren. Es ist somit möglich, dass eine Finanzierung auch für ein wirtschaftlich attraktives Ausbauprojekt nicht angeboten wird, weil die Finanzlage des Unternehmens dem entgegensteht. Diese Einschätzung wurde auch durch die Experteninterviews im Rahmen der Studie bestätigt. Neben den Finanzierungsangeboten der Banken wurden auch die Angebote der KfW-Bankengruppe betrachtet. Die KfW-Bankengruppe als Förderbank des Bundes und der Länder unterstützt mittelständische Unternehmen mit einer Vielzahl von Produkten. KfW-Darlehen haben bessere Konditionen und werden in der Regel über die Hausbanken gewährt. Die Hausbank ist dabei die durchleitende Bank. Die KfW- Bankengruppe bietet kein spezielles Produkt für die Förderung des Breitbandausbaus an, gewährt jedoch Unternehmenskredite für mittelständische Unternehmen zur Finanzierung von Vorhaben in Deutschland. Das "Sonderprogramm Mittelständische Unternehmen" beinhaltet die Möglichkeit einer Haftungsfreistellung. Die KfW nimmt damit den durchleitenden Banken einen erheblichen Teil des Kreditrisikos ab und erleichtert die Kreditvergabe. In den 21

Experteninterviews haben Hausbanken dazu angegeben, dass eine Haftungsfreistellung durch die KfW eine Finanzentscheidung positiv beeinflusst, jedoch nicht begründet. KMU sollten bei Finanzierungsfragen mit ihrer Hausbank auch die Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten durch die KfW prüfen. Abschließend wird anhand eines Fallbeispiels die Finanzierungsproblematik nochmals verdeutlicht. Fallbeispiel zur Finanzierungsproblematik eines Kleinstunternehmens Ein KMU (GmbH, Kleinstunternehmen mit weniger als zwei Millionen Euro Jahresumsatz) bietet Breitbandausbau durch Richtfunk, Kabel und Glasfaser mit zukunftsfähigen Bandbreiten für Kommunen an. Das Unternehmen setzt auf hochwertige Komponenten zur Erreichung von Übertragungsgeschwindigkeiten von mehr als 25 Megabit pro Sekunde und hat bereits mehrere Gemeinden mit Breitband erschlossen. Diese kleineren Projekte wurden mit Eigenmitteln und teilweise mit Fördermitteln finanziert. Für den weiteren Breitbandausbau zur Erschließung mehrerer tausend Haushalte hat das Unternehmen erneut eine Ausschreibung gewonnen und zur Finanzierung der Wirtschaftlichkeitslücke weitere Fördergelder aus dem Breitbandförderprogramm bewilligt bekommen. Die Projektplanung ist bereits abgeschlossen. Da das Unternehmen das Projekt nicht aus Eigenmitteln finanzieren kann kann, bedarf es eines Kredites. Die Hausbank fordert von dem KMU Sicherheiten, um das Darlehen zu gewähren. Die zu legende Infrastruktur wird seitens der Hausbank nicht anerkannt, da ungewiss bleibt, ob im Zweifelsfall das Netz durch Dritte weiternutzbar ist. Da das Unternehmen somit selbst nicht über ausreichende Sicherheiten verfügt, wendet es sich an die Gemeinde mit der Bitte um Ausstellung einer öffentlichen Bürgschaft über das gesamte Investitionsvolumen. Die Gemeinde kann eine Bürgschaft in dieser Höhe nicht ausstellen und verweist auf das Landratsamt, welches eine Bürgschaftsausstellung auf Grund von ungerechtfertigter Wirtschaftsförderung ablehnt. Das Unternehmen wendet sich nun an die Förderbank des Landes, welche das Kreditrisiko der Hausbank bis zu 90 Prozent übernehmen kann. Das verbleibende Ausfallrisiko ist durch die Hausbank zu tragen. Die Förderbank leitet den Antrag erneut weiter an die Hausbank, wo die Finanzierung geprüft wird. Seitens der Hausbank wird bemängelt, dass keine Referenzprojekte bestünden, an welchen das konkrete Vorhaben beurteilt werden könne und dass sich das Unternehmenskonzept eventuell als nicht ausreichend tragfähig darstelle. Die Verzögerung der Mittelgewährung behindert das Ausbauvorhaben. Das Ausbauprojekt kann nicht begonnen werden, solange die Finanzierung nicht steht. Bei einer weiteren Verzögerung besteht die Gefahr, dass die Gemeinde das Ausbauprojekt mit einem anderen Anbieter durchführt. Das Unternehmen führt nun lediglich kleinere Projekte durch, die aus Eigenmitteln finanziert werden können. 22

C. Ausbauleistung der Breitband-KMU 1. Status quo Ausbaubedarf In dieser Studie werden Gemeinden, in denen weniger als 95 Prozent der Haushalte mit Breitbandanschlüssen mit einer Bandbreite von mindestens 1 Mbit/s erschlossen sind und in denen insgesamt mindestens 15 Haushalte nicht erschlossen sind, als Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf bezeichnet. Diese Definition lehnt sich an die Definition aus den Ausschreibungsbedingungen zur Versteigerung der sogenannten "Digitalen Dividende" an, weicht jedoch von der Definition sogenannter "Weißer Flecken" im Breitbandatlas ab. Nach dieser Definition lagen Anfang 2009 rund drei Millionen Haushalte (von insgesamt fast 39 Millionen Haushalten) in etwa 9.600 Gemeinden (von insgesamt 12.544 Gemeinden) in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf. Gemeinden 12.544 242 2.699 9.603 5.083 3.646 411 463 Gebiete mit Ausbaubedarf Haushalte (Tsd.) 38.730 0 35.643 3.087 1.666 1.148 153 120 Summe Unbewohnt Versorgte Gemeinden ( 95%) Versorgung <95% (<95%) Versorgung >75% Versorgung >50% Versorgung >25% Versorgung <25% Abbildung 8: Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf betroffene Haushalte und Gemeinden nach Abdeckungsgrad Quelle: Roland Berger, Breitbandatlas, Statistisches Bundesamt Mehr als die Hälfte der betroffenen Gemeinden verfügt über mehr als 75 Prozent Breitbandabdeckung. Nur weniger als 500 Gemeinden mit insgesamt etwa 120.000 Haushalten haben einen Erschließungsgrad mit Breitbandanschlüssen von unter 25 Prozent. Die meisten Haushalte in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf absolut liegen in Bayern; relativ, d. h. bezogen auf die Einwohnerzahl, ist Sachsen-Anhalt am schlechtesten versorgt. 23

Insgesamt liegt mit über einer halben Millionen Haushalten mehr als ein Sechstel aller Haushalte in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf in Bayern, obwohl das Bundesland für einen Flächenstaat relativ, d. h. bezogen auf die Einwohnerzahl, vergleichsweise gute Werte ausweist. In Sachsen-Anhalt hingegen sind zwar absolut weniger als eine Viertel Millionen Haushalte betroffen, allerdings liegt damit mehr als jeder fünfte Haushalt in Sachsen-Anhalt in einem Gebiet mit zusätzlichem Breitbandausbaubedarf. Die fünf Bundesländer mit dem, gemessen an der Bevölkerungsgröße, höchsten relativen Ausbaubedarf sind Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Keine Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf 13 haben lediglich die drei dicht besiedelten Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg aufzuweisen. Bundesland Unerschlossene Haushalte in Gebieten mit zusätzl. Ausbaubedarf (Tsd.) Bayern 527,3 Baden-Württemberg 450,5 Niedersachsen 315,5 Nordrhein-Westfalen 286,2 Sachsen 245,1 Sachsen-Anhalt 242,4 Hessen 214,4 Rheinland-Pfalz 210,1 Brandenburg 194,7 Thüringen Mecklenburg-Vorpommern 162,6 133,3 Schleswig-Holstein 76,8 Saarland 27,9 Berlin 0,0 Hamburg 0,0 Bremen 0,0 Unerschlossene Haushalte in Gebieten mit zusätzl. Ausbaubedarf (%) 0,0% 0,0% 0,0% 5,7% 5,6% 9,3% 9,3% 8,5% 11,3% 16,2% 15,0% 16,7% Abbildung 9: Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf Betroffene Haushalte nach Bundesland Quelle: Roland Berger, Breitbandatlas, Statistisches Bundesamt, 2009 Differenziert man die Verteilung der Haushalte in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf nach Gemeindegröße, zeigt sich, dass kleine Gemeinden deutlich überrepräsentiert sind: 20,6% Je kleiner die Gemeinden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, in ein Gebiet mit zusätzlichem Ausbaubedarf zu fallen. Wesentlicher Grund ist hier die oftmals mangelhafte Wirtschaftlichkeit des Breitbandausbaus in kleinen Gemeinden, welche zudem häufig in dünner besiedelten Regionen liegen. 3,4% 7,6% 11,6% 3.087 Ø 8,0% 13 Die drei Stadtstaaten haben lediglich bezogen auf die eingangs formulierte Definition von "Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf" d. h. die Versorgung liegt unter 95 Prozent der Haushalte keinen zusätzlichen Ausbaubedarf. Unerschlossene Haushalte sind jedoch in allen drei Stadtstaaten zu finden. 24

100,0% 3,3% 100,0% 1,0 11,5% 3,5 3,9% 8,9% 10,7% 13,6% 16,7% 8,5% 10,7% 21,1% 19,6% 16,5% 12,9% 3,6% 2,8 2,4 1,8 1,2 0,8 0,4 34,4% 4,2% 0,1 Abbildung 10: Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf betroffene Haushalte je Gemeindegrößenklasse in Haushalten Quelle: Roland Berger, Breitbandatlas, Statistisches Bundesamt 25

2. Struktur des Ausbaubedarfs und Verortung der Breitband-KMU Im Bundesdurchschnitt existieren rund neun Breitband-KMU pro 100.000 nicht erschlossenen Haushalten und etwas mehr als drei Breitband-KMU pro eine Million Einwohner. Dabei zeigen sich erheblich regionale Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. Baden-W. Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen Mecklenb.-V. Niedersachsen Nordrhein-W. Rheinland-Pf. Saarland Sachsen Sachsen-A. Schleswig-H. Thüringen Durchschnitt 2,7 4,5 0,9 4,7 1,5 2,3 3,6 4,7 2,6 2,0 4,7 3,8 5,2 5,3 5,4 4,2 2,2 3,1 3,2 6,4 6,2 6,0 6,7 9,0 9,0 8,6 10,6 10,3 KMU/1.000.000 Einw. 12,6 KMU/100.000 nicht erschlossene HH 14,3 15,6 Abbildung 11: KMU-Dichte pro Einwohner und pro nicht erschlossenen Haushalt Quelle: Roland Berger (Basis: KMU, Longlist, Breitbandatlas, Statistisches Bundesamt) Von den drei Bundesländern mit dem höchsten absoluten Ausbaubedarf (Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen) weist lediglich Bayern eine überdurchschnittliche KMU-Abdeckung auf. In Baden-Württemberg und Niedersachsen hingegen liegt jeweils sowohl die Anzahl der Breitband-KMU pro nicht erschlossenen Haushalt als auch pro Einwohner deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Von den fünf Bundesländern mit dem höchsten relativen Ausbaubedarf bezogen auf die Bevölkerungsgröße (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen), weist lediglich Sachsen eine überdurchschnittliche KMU- Abdeckung auf. Die anderen vier Bundesländer liegen bezogen auf die Anzahl der Breitband-KMU pro nicht erschlossenen Haushalt deutlich unter dem Mittel. 26

Die zumeist geringe KMU-Abdeckung in den Gebieten mit dem höchsten relativen und absoluten Ausbaubedarf könnte einerseits ein Hinweis darauf sein, dass geringer Ausbau durch KMU in der Vergangenheit z. T. mitverantwortlich für den Ausbaustand ist. Anderseits liegt hier auch ein geringeres regionales Potenzial zum Schließen der Breitbandversorgungslücken durch KMU. Tabelle 1 schlüsselt den Ausbaubedarf und die KMU-Abdeckung detailliert auf die Bundesländer auf und differenziert zudem nach der Anzahl der nicht erschlossenen Haushalte pro betroffene Gemeinde. Bundesländer Anzahl nicht erschl. Haushalte (Tsd.) Anzahl Gemeinden mit nicht erschl. HH Davon Gemeinden mit nicht erschlossenen Haushalten <25 25-50- 100-200- 50 100 200 500 >500 Anzahl KMU Baden-W. 451 849 9 33 94 155 267 291 29 Bayern 527 1.622 4 41 206 437 627 307 56 Berlin 0 0 3 Brandenburg 195 376 3 22 62 86 88 115 12 Bremen 0 0 1 Hamburg 0 0 4 Hessen 214 286 5 28 83 170 22 Mecklenb.-V. 133 777 53 170 210 177 116 51 8 Niedersachsen 316 854 12 87 199 173 203 180 21 Nordrhein-W. 286 233 4 39 190 36 Rheinland-Pf. 210 1.728 216 421 495 353 198 45 19 Saarland 28 25 6 19 4 Sachsen 245 408 1 7 47 79 133 141 22 Sachsen-A. 242 902 72 155 231 219 145 80 13 Schleswig-H. 77 726 100 203 211 125 69 18 12 Thüringen 163 817 89 152 204 173 145 54 5 Summe 3.087 9.603 559 1.291 1.964 2.009 2.119 1.661 267 Tabelle 1: Detaillierung Ausbaubedarf und KMU nach Bundesländern Quelle: Roland Berger (Basis: KMU, Longlist, Breitbandatlas, Statistisches Bundesamt) 27

Die Karte stellt den Ausbaubedarf und die Lage der KMU zusätzlich in der Übersicht dar. KMU-Standorte > 95% Verfügbarkeit > 75% > 50% > 25% < 25% keine Daten verfügbar Abbildung 12: Gebiete mit zusätzlichem Ausbaubedarf und Lage der KMU Quelle: Roland Berger 28

Über die Hälfte der teilnehmenden KMU ist lokal, d. h. im eigenen oder umliegenden Landkreis tätig, immerhin ein Fünftel der KMU agiert bundesweit. 100% 22% 33% 5% 20% 20% 19 29 88 4 18 18 Alle Eigener Landkreis Weitere Landkreise Eigenes Bundesland Weitere Bundesländer Bundesgebiet Lokal Überregional Abbildung 13: Regionale Reichweite der teilnehmenden KMU (Anzahl Nennungen) Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger Vor dem Hintergrund, dass Gemeinden in Gebieten mit zusätzlichem Ausbaubedarf eine zunehmend geringere Anzahl von Haushalten aufweisen, stellt sich die Frage, mit welchen Technologien diese wirtschaftlich erschlossen werden können. Generell wird die Gewinnschwelle bei funkbasierten Lösungen deutlich früher als bei leitungsgebundenenen Technologien erreicht. Bei Ausbauprojekten unter 100 zu erschließenden Haushalten sind laut Aussage der Teilnehmer der Onlinebefragung meist nur Funklösungen realistisch. Diese Angaben decken sich mit den Einschätzungen der in Einzelgesprächen befragten Experten sowie den Erfahrungen von Roland Berger. 29

Leitungsgebunden 1 4 5 11 8 Funk 9 Weniger als 25 Haushalte Kleinstprojekte 24 Zwischen 25 und 50 Haushalten Abbildung 14: Break-even von Ausbauprojekten nach Projektgröße und Technologien (Anzahl Nennungen) Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger 13 Zwischen 50 und 100 Haushalten 3 Zwischen 100 und 200 Haushalten Mehr als 200 Haushalte Größere Projekte 30

3. Ausbaubeitrag der KMU seit Anfang 2008 und bis Ende 2010 Die Auswertung der Ausbauleistung der Breitband-KMU zeigt, dass diese einen erheblichen Beitrag zur Überwindung von Breitbandversorgungslücken geleistet haben und bis Ende 2010 leisten werden. Von insgesamt 57 der 88 Teilnehmer der Onlinebefragung liegen verwertbare Angaben zur Ausbauleistung vor. Insgesamt geben diese an, seit Anfang 2008 insgesamt über 700 Projekte in mehr als 600 Gemeinden abgeschlossen zu haben. Dabei wurden seit Anfang 2008 bis September 2009 etwa 193.000 Haushalte erschlossen. Fast 70 Prozent (rund 133.000 HH) der angegeben Ausbauleistung der teilnehmenden KMU wurden dabei über funkbasierte Technologien realisiert, weitere jeweils rund 30.000 Haushalte durch Kabelnetzbetreiber und durch DSL/VDSL/Glasfaser. 14 DSL/ VDSL/ FTTx Kabel 704 73 24 613 101 22 DSL/ VDSL/ FTTx Kabel 193 32 28 Funk 607 490 Funk 133 51 11 13 27 Anzahl Projekte Anzahl Gemeinden Abbildung 15: Ausbaubeitrag der KMU zur Überwindung von Breitbandversorgungslücken seit Anfang 2008 Quelle: Onlinebefragung KMU, Roland Berger Erschlossene Angeschlossene Haushalte (Tsd.) Haushalte (Tsd.) Je nach Technologie variieren die durchschnittlichen Projektgrößen erheblich. Die Ausbauprojekte mit leitungsgebundenen Technologien sind meist größer als die funkbasierten, was sich auch aus den obengenannten Fakten zur Wirtschaftlichkeit ergibt. Die Einschätzung, dass kleinere Projekte nur durch Funkanbieter wirtschaftlich tragfähig zu bewerkstelligen sind, wird so nochmals bestätigt. Die Projektvolumina 14 Rechnerisch ergibt sich eine durchschnittliche Ausbauleistung von rund 3.400 Haushalten je Unternehmen im Zeitraum von Januar 2008 bis September 2009. Eine Hochrechnung auf alle 267 Unternehmen wurde jedoch nicht vorgenommen. Es ist nicht möglich, die Ausbauleistung der Unternehmen, die an der Befragung nicht teilgenommen haben, anhand der verfügbaren Daten valide zu schätzen. Rechnet man die durchschnittliche Leistung für alle 267 Unternehmen, ergibt sich eine theoretische Zahl von 904.000 erschlossenen Haushalten. 31