Elektromobilität Deutschland als Leitmarkt und Leitanbieter

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Transkript:

Elektromobilität Deutschland als Leitmarkt und Leitanbieter

2 INHALTSVERZEICHNIS VORWORT 3 Grußwort Inhaltsverzeichnis Vorwort Elektromobilität Mobilität der Zukunft 4 Die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung 8 Zwei alternative Techno logien: Batterie und Wasserstoff/Brennstoffzelle 10 Elektromobilität mit Batterie im Praxistest: die Modellregionen 19 Fahren mit Wasserstoff die Brennstoffzelle im Test 26 Fazit, Ausblick 36 Impressum 40 3 In unserer modernen Gesellschaft ist Mobilität Grundlage für Wohlstand und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir fahren mit dem Auto zur Arbeit, zum Sport oder ins Theater, bringen die Kinder in die Schule oder fahren in den Urlaub. Auch Waren und Güter müssen transportiert werden, damit unsere Wirtschaft funktioniert und weiter wachsen kann. Angesichts des Klimawandels sowie endlicher Ressourcen muss unsere Mobilität umwelt- und klimafreundlicher werden. Nur dann können wir auch in Zukunft eine bezahlbare und umweltverträgliche Mobilität garantieren. Neue Technologien wie etwa alternative Antriebe sind hier ein Schlüssel zum Erfolg. Insbesondere in der Elektromobilität liegt eine große Chance, die wir zum Wohle der Menschen, unseres Klimas und unserer Industrie nutzen müssen. Wir wollen Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden. Das ist für unsere globale Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Mit dem vom Bundeskabinett beschlossenen Regierungsprogramm Elektromobilität und dem eigens eingerichteten Energie- und Klimafonds intensivieren wir unsere Unterstützung für diesen Bereich: Durch Forschungsförderung auf hohem Niveau, steuerliche Anreize, Privilegierung von Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr und durch die Förderung von Schaufensterprojekten, die diese Form der Fortbewegung erfahrbar und alltagstauglich machen. Die Bundesregierung verfolgt hierbei einen technologieoffenen Ansatz. Neben der Batterie spielen Wasserstoff und Brennstoffzelle eine zentrale Rolle für die Mobilität und Energieversorgung von morgen. Gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft arbeiten wir weiter daran, die Elektromobilität zur Marktreife zu führen. Damit innovative Produkte alltagstauglich werden und die Menschen überzeugen. Dr. Peter Ramsauer, MdB Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Dr. Peter Ramsauer

4 ELEKTROMOBILITÄT MOBILITÄT DER ZUKUNFT ELEKTROMOBILITÄT MOBILITÄT DER ZUKUNFT 5 Elektromobilität Mobilität der Zukunft Alle wissen es: Die Erdölvorräte schwinden, die För - derung wird zunehmend aufwendiger. Die Folge erleben die Autofahrerinnen und Autofahrer regelmäßig an den Tankstellen: Die Preise für Benzin und Diesel steigen stetig. Gleichzeitig belasten unsere Abgas emissionen Umwelt und Klima. Die Bundesregierung verfolgt daher die Strategie: Weg vom Öl. Weg vom Öl das bedeutet zum einen, dass wir über andere Kraftstoffe nachdenken. Biokraftstoffe zum Beispiel. Zum anderen wird über alternative Antriebe nachgedacht. Die Elektromobilität ist hier ein zentraler Baustein. Eine Elektrifizierung des Fahrzeugantriebs ist nicht nur sehr effizient, sie bietet auch die Möglichkeit, Energie aus erneuerbaren Quellen im Verkehr zu nutzen. Die Bundesregierung will Mobilität nicht verhindern, sondern ermöglichen. Denn dies ist eine wesentliche Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft und die individuelle Freiheit. Der Antrieb mit elektrischem Strom ist die Alter native, mit der gerade wir in Deutschland eine lange Erfahrung haben. Länger als alle anderen. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland die klassische E-Lok und die Elek trische, wie elektrische Straßenbahnen in ihren Gründerjahren genannt wurden. Sogar Automobile wurden im 19. Jahrhundert schon elektrisch betrieben. Durchgesetzt hat sich die Elektromobilität am Markt jedoch bislang noch nicht. Einer der Gründe: Fahrzeuge mit Batterien und Wasserstoff-/Brennstoffzellenantrieb sind noch zu teuer. Auch bei der Reichweite, der Alltagstauglichkeit und der Akzeptanz sind noch Fortschritte nötig. 1821 1860 Gustave Trouvé stellt das dreirädrige Automobil vor. 1881 Die erste konstante Wiederaufladbare Rotation durch Bleiakkumulatoren Elektromagnetis mus werden erfunden. (Michael Faraday) Werner von Siemens stellt den elektrisch betriebenen Kutschenwagen vor. 1882 La Jamais Contente von Camile Jenatzy fährt 106 km. Erste Hochphase Deshalb hat die Bundes regierung beschlossen, die Elektromobilität gemeinsam mit der Industrie nicht nur zur Marktreife zu führen, sondern Leitmarkt und Leitanbieter für Elektro mobilität zu werden. Dazu fördert sie die Forschung und Entwicklung sowie Praxistests. Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Zu diesem ehrgeizigen Ziel der Bundesregierung gesellt sich ein zweites. Mobilität auf der Basis von Strom ist bereits im Rahmen des heutigen Energiemixes energieeffizienter als Verbrennungsmotoren. Und die Elektromobilität ermöglicht sogar CO2-freie Fort bewegung, wenn die Fahrzeuge mit Strom aus erneuerbarer Energie geladen werden. Mittel- bis langfristig kann die Elektromobilität auch dabei helfen, im Rahmen der Energiewende den Ein stieg in die erneuerbaren Energien umzusetzen. 1899 In den USA werden 40 % aller Autos mit Dampf betrieben, 38 % elektrisch und 22 % mit Benzin. Der Lohner-Porsche kommt auf den Markt. 1900 Detroit Electric baut 12 348 elektrische PKW und 535 elektrische LKW. Der Höhepunkt: 1912 produzieren 20 Hersteller fast 34 000 Elektroautos. 1907 1939 Die erste Tour de Sol sorgt weltweit für Aufsehen. 1985 Volkswagen baut den Golf CitySTROMer. 1992 1996 Nischendasein Ölkrise durch den Golfkrieg; Clean Air Act in den USA zur Eindämmung der Emissionen General Motors stellt den EV1 her. 1996 1999 PSAPeugeot Citroën baut 10 000 Elektroautos. 1995 2005 Die Produktion des Tesla Roadster (Sportwagen) beginnt. 2008 Marktreifeprozess EU verbietet Nickel-Cadmium Akkumulatoren. Weitere Kleinserien großer Hersteller folgen. 2010 Lithium-Ionen Akkumulatoren werden immer besser.

6 ELEKTROMOBILITÄT MOBILITÄT DER ZUKUNFT ELEKTROMOBILITÄT MOBILITÄT DER ZUKUNFT 7 Durch die Verwendung von Strom als Energieträger können die unterschiedlichsten regenerativen Energie - quellen Wind, Sonne oder Wasserkraft für die Mobilität genutzt werden. Zudem können die Fahr zeuge als mobile Speicher dienen, um Strom aus er neuer barer Energie zu speichern und im Bedarfsfall wieder ins Netz ab zugeben. Sie leisten damit in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität. Elektromobilität ist damit auch ein zentrales Hand lungsfeld für die Energiewende. Lissabon Paris Dieselauto Berlin 2700 km Lissabon Paris Berlin Minsk Elektroauto Moskau 4500 km Lissabon Paris Berlin Minsk Moskau Reichweite mit 1 Barrel Rohöl: Dieselfahrzeug 2 700 km, Elektrofahrzeug 4 500 km - 9 % Raffinerie Abgase/CO 2 17,5 kwh/100 km - 36 % Kraf t werk 1,8 l/100 km 6 g CO 2 /km* * Produktionsmix Schweiz 2005-5 % Stromnet z - 8 % Bat terie - 2 % Elektromotor 100 % Energie 40 % Nutzenergie Elektroauto Bei einem Elektroauto werden 40 Prozent der Primärenergie (Energie aus natürlich vorkommenden Quellen wie zum Beispiel Kohle, Gas, Erdöl) umgesetzt... - 12 % Raffinerie - 73 % Automotor 64 kwh/100 km 6,5 l/100 km 170 g CO 2 /km Abgase/CO 2 100 % Energie 15 % Nutzenergie Dieselauto... bei einem Dieselauto nur 15 Prozent.

8 DIE ZIELE UND MASSNAHMEN DER BUNDESREGIERUNG DIE ZIELE UND MASSNAHMEN DER BUNDESREGIERUNG 9 6 Mio. 1 Mio. 2020 2030 angestrebte Anzahl der Elektroautos auf deutschen Straßen Die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung Die Förderung des Innovations- und Handlungsschwerpunkts Elektromobilität soll dazu beitragen, nachfolgende Ziele zu erreichen: Klimaschutz: Verringerung von Treibhausgasen gegenüber 1990 um 40 Prozent bis 2020 und um 80 Prozent bis 2050. Versorgungssicherheit: größere Unabhängig keit von Erdölimporten.Technologische Inno vation: die nachhaltige Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland auf dem Gebiet alternativer Mobilität. Deutschland soll Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität werden. Bis 2020 sollen 1 Million, bis 2030 sollen 6 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Bis 2050 soll der urbane Straßenverkehr überwiegend mit regenerativen Energieträgern realisiert werden. Da Elektrofahrzeuge sehr leise sind, können sie auch dazu beitragen, die Ziele des Nationalen Verkehrslärmschutzpakets II zu erreichen. Zur Unterstützung ihrer Aktivitäten hat die Bundesregierung im Mai 2010 u. a. die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) gegründet. Das Ziel: Politik, Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten gemeinsam an der Lösung noch offener Fragen. Bundesregierung und NPE werden von der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität (GGEMO) unterstützt. Die GGEMO wird vom BMVBS geleitet und von den vier zuständigen Bundesministerien getragen. Neben den federführenden Ministerien für Verkehr (BMVBS) und Wirtschaft (BMWi) sind dies das Umwelt- (BMU) und das Forschungsministerium (BMBF). Bei der Steuerung und Umsetzung der Förder pro gramme zur Elektromobilität kann das BMVBS zusätzlich auf die Expertise der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie NOW GmbH zurückgreifen. Die NOW GmbH wurde ursprünglich zur Koordinierung der Maßnahmen im Bereich Wasserstoffund Brennstoffzellen technologie gegründet, befasst sich aber mittlerweile mit Batterie und Brennstoffzelle gleichermaßen. Die NOW GmbH ist für die Bewertung konkreter Förder vorhaben zuständig. Darüber hinaus bündelt sie die Ergebnisse und Erfahrungen aus den einzelnen Projekten und schafft so Synergien. Sie koordiniert unterschiedliche Programmpartner und Programmaufgaben. Durch diese Vernetzung trägt sie zur schnellen und effizienten Technologieentwicklung und Marktvorbereitung bei.

10 BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE 11 Materialforschung im Zentrum für Sonnenenergieund Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg Zwei alternative Techno logien: Batterie und Wasserstoff/Brennstoffzelle Grundsätzlich ist unter Elektromobilität die Nutzung elektrischer Energie für den Fahrzeugantrieb zu verstehen. Hierbei gibt es rein elektrische Antriebe, die ihre Energie im Fahrzeug entweder durch eine Batterie oder durch eine mit Wasserstoff gespeiste Brennstoffzelle erhalten. Dazu kommen etliche Mischformen in Kombination mit einer anderen, zumeist mechanischen Antriebsquelle. Solche sogenannte Hybridfahrzeuge sind bereits seit mehreren Jahren im Handel. Die Batterie Speichermedium für erneuerbare Energien Bei batteriebetriebenen Elektroautos bezieht der Motor den notwendigen Strom aus der Batterie. Und wenn die Batterie leer ist, muss sie entweder aufgeladen oder ausgetauscht werden. Das kennt jeder von seinem MP3- Player oder Reisewecker. Im Moment wird weiter intensiv an der Verbesserung dieser Schlüsselkomponente geforscht. Ziel ist u. a.: Die Batterien müssen preiswerter werden. Denn sie sind noch der teuerste Bestandteil eines Elek trofahrzeugs. Weiterhin muss die Energiedichte von Batterien die Ladekapazität gemessen am Volumen noch gesteigert werden. Gegenwärtig kann eine Batterie viel weniger Energie speichern als ein gefüllter Benzin- oder Dieseltank. Die Reichweite von Elektrofahrzeugen ist daher noch deutlich geringer als die heutiger Autos mit Verbrennungs motor. Auch an der Ladetechnik wird weiter gearbeitet. Die Ladeströme zum Aufladen einer Batterie sind noch begrenzt, sodass selbst eine Schnellladung im Moment noch erheblich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als wir es vom Auftanken herkömmlicher Fahrzeuge gewohnt sind. Doch bereits heute gibt es sinnvolle Einsatzgebiete für Batteriefahrzeuge. Hauptsächlich dort, wo die begrenzte Reichweite keine große Rolle spielt oder viele Zwischenladepausen möglich sind, können sie herkömmliche Fahrzeuge ersetzen. Das gilt zum Beispiel für den städtischen Lieferverkehr. Darstellung einer Lithium- Ionen Batterie innerhalb eines Elektrofahrzeugs

12 BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE 13 Großes Potenzial bietet auch der Stadt- und Pendlerverkehr insgesamt. 95 Prozent aller Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer. Dies ist ein Indiz dafür, dass batterieelektrische Fahrzeuge trotz derzeitiger Reichweitenbeschränkung durchaus ihren Teil zur Gesamtmobilität beitragen können. Großer Vorteil der Batterie ist, dass sie an jeder Steckdose aufgeladen werden kann. Die Nationale Plattform Elektromobilität geht davon aus, dass kurzfristig vor allem zu Hause oder am Arbeitsplatz getankt wird. Das bedeutet: Für diese Form der Elektromobilität besteht bereits ein großer Teil der Infrastruktur. Eine Herausforderung stellt allerdings der Aufbau einer öffentlich zugäng lichen Stromladeinfrastruktur dar. Sie ist zum einen für die Nutzer erforderlich, denen keine eigene Garage zur Verfügung steht. Zum anderen wird sie zur Versorgung von Elektrofahrzeugen auf längeren Fahrten benötigt. Sie muss für alle Elektrofahrzeugnutzer zu kundenfreundlichen Bedingungen zugänglich sein. Was bedeutet eigentlich Plug-in oder BEV? Immer wieder liest man in Autozeitungen vom Plug-in- oder auch BEV-Fahrzeug. Was ist damit gemeint? Die Begriffe stammen aus dem Englischen und beschreiben Elektroautos mit Batteriespeichern. BEV steht für Battery Electric Vehicle, was nichts anderes heißt. als dass das Fahrzeug mit einer Batterie betrieben wird. Der Begriff plug-in (engl. für anschließen) bezeichnet die Tatsache, dass die Batterie durch Stecker und Kabel mit der Ladesäule verbunden und so aufgeladen wird. Es geht noch komplizierter: Ein sogenannter Plug-in-Hybrid (PHEV oder Plug-in Hybrid Electric Vehicle) ist ein Hybridauto, dessen Batterie zusätzlich auch extern über das Stromnetz geladen werden kann.

14 BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE 15 Die Wasserstoff-/Brennstoffzellentechnologie eine Alternative für lange Strecken Auch Fahrzeuge mit Brennstoffzelle werden durch einen Elektromotor angetrieben. Dieser erhält seine Energie zumeist von im Tank mitgeführtem Wasserstoff, der durch eine chemischen Reaktion in Brennstoffzellen im Fahrzeug in Strom umgewandelt wird. Brennstoffzellenfahrzeuge haben derzeit vor allem in der Reichweite einen Vorteil gegenüber Batterieautos, da man mit einer Tankfüllung in der Regel weiter kommt als mit einer Batterieladung. Versuchsfahrzeuge haben im alltäglichen Betrieb Reichweiten von über 400 Kilometern erreicht. Außerdem können die Fahrzeugtanks vergleichbar mit dem heute gewohnten Tankvorgang problemlos in wenigen Minuten nachgefüllt werden. Wasserstoff- und Brennstoffzellenfahrzeuge benötigen jedoch generell ein öffentlich zugängliches Netz von Wasserstofftankstellen. Dessen Aufbau ist sehr kostenintensiv. Ein Zusammenschluss von Herstellern und Energieversorgern arbeitet bereits an Geschäftsund Finanzierungsmodellen für den Aufbau einer solchen Infrastruktur. Erste Tankstellen existieren be reits im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Auch für große und schwere Fahrzeuge hat Wasserstoff als alternativer Kraftstoff ein hohes Potenzial. Das zeigen zum Beispiel diverse Wasserstoffbusse, die bereits im Linienbetrieb eingesetzt werden. Was bedeutet eigentlich Range Extender? Wie bei vielen Begriffen, die von neuen Technologien herrühren, stammt auch dieser aus dem Englischen. Als Range Extender (engl. wörtlich für Reichweitenver längerer ) bezeichnet man gemeinhin solche Elektroautos, die zusätzliche Technik einsetzen, um die Reichweite des Fahrzeugs zu erhöhen. Meistens werden dazu herkömmliche Verbrennungsmotoren benutzt, die einen Generator antreiben, um so die Batterie und den Elektromotor mit Strom zu versorgen. Auch Brennstoffzellen können als System zur Reichweitenverlängerung verwendet werden.

16 BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE BATTERIE UND WASSERSTOFF/BRENNSTOFFZELLE 17 Technologieoffene Förderung Die Bundesregierung kann nicht festlegen, welche Technik sich am Markt und in der Praxis durchsetzen wird. Die Technologie för derung und auch die Erprobung in der Praxis sind deshalb technologieoffen angelegt. Welche Technologie den Weg zur flächen deckenden Elektro mobilität ebnen wird Batterie, Brennstoffzelle oder eine Kombination aus beiden, alle Alternativen werden berücksichtigt. Dabei liegt der Förderschwerpunkt auf Forschung, Ent wicklung und Demonstration der Technologie. Hier beschränken wir uns nicht nur auf den Straßenverkehr, sondern binden alle Verkehrsträger mit ein. Ziel ist die Marktvorbereitung der Elektromobilität. Dafür brauchen wir alltagstaugliche Produkte, die sich in der Praxis bewähren und die Nutzer überzeugen. Auch das ist Elektromobilität Dieselhybridlok Das BMVBS fördert die Entwicklung eines der weltweit ersten Dieselhybridantriebe für Nahverkehrstriebwagen. Dabei wird der serienmäßige Dieselmotor eines Triebwagens durch einen dieselelektrischen Antrieb mit einer leistungsfähigen Batterie ersetzt. Beim Abbremsen wird Energie in Strom umgewandelt und dieser in der Batterie gespeichert. Beim Anfahren wird der Dieselmotor deutlich weniger benötigt, weil jetzt die in der Batterie gespeicherte Energie genutzt werden kann. Durch diesen neuen Antrieb wird eine Verminderung von Dieselverbrauch und CO 2 -Emissionen im Normalbetrieb um circa 20-30 Prozent erwartet. Ab Herbst 2011 soll das umgebaute Fahrzeug auf der Strecke Aschaffenburg - Miltenberg im Netz der Westfrankenbahn zum Einsatz kommen. Dieses Fahrzeug ist somit ein sehr gutes Beispiel für Elektromobilität auf nicht-elektrifizierten Eisenbahnstrecken und die praktischen Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung im Eisenbahnbetrieb. Hierfür hat das Bundesverkehrsministerium zwei erfolgreich laufende Programme auf den Weg gebracht: das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) mit einer Laufzeit von 2007 bis 2016 und das batterieelektrische Schwerpunktprogramm Elektromobilität in Modellregionen aus den Mitteln des Konjunktur pakets II mit der Laufzeit von 2009 bis 2011. Der zweite Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität hat im Mai 2011 erneut verdeutlicht, dass bis zur Marktreife noch erhebliche Anstrengungen im F&E-Sektor notwendig sind. Deshalb stellt die Bundesregierung über die bereitstehenden 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket hinaus noch einmal 1 Milliarde Euro bis Ende der Legislaturperiode 2013 bereit.

18 ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST 19 Elektromobilität mit Batterie im Praxistest: die Modellregionen Die breite Einführung elektrischer Antriebssysteme im Straßenverkehr ist nicht nur mit technologischen Heraus forderungen verbunden, sondern auch mit organisatorischen, strukturellen, städteplanerischen und rechtlichen Fragen. Um die Komplexität in vollem Umfang erfassen zu können, wurde 2009 das Förderprogramm Elektromobilität in Modellregionen aufgelegt. Es wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung mit 130 Millionen Euro aus Mitteln des Konjunkturpakets II gefördert. Im Zentrum des Projekts steht die Elektromobilität auf Batteriebasis und ihre unterschiedlichen Anwendungen in der Mobilitäts- und Stadtentwicklung. Aus über 130 Bewerbungen wurden acht Modell regionen ausgewählt, die sich in Struktur und Ausdehnung sinnvoll ergänzen. Deshalb gehören Großstädte, großräumige Gebiete mit städtischem und ländlichem Anteil und ländliche Regionen dazu. Überblick der Modellregionen Deutschland Datenquelle: NOW Damit wird das gesamte Spektrum der Elektromobilität abgebildet, und die besonderen Bedürfnisse unterschied licher Zielgruppen werden erfasst: zum Beispiel Berufspendler ebenso wie kleine und große Unternehmen, Zweiradfahrer und Lieferfahrzeuge. Im öffentlichen Personenverkehr setzen wir u. a. auf Elektro- und Hybridbusse sowie auf neue Mobilitätskonzepte. In den Regionen werden insgesamt über 200 Projekte gefördert, sodass ein vielseitiger Eindruck von Elektromobilität gewonnen werden kann. 500 Testfahrer erhielten ihre E-Bikes, um in der Modellregion Stuttgart über den Zeitraum eines Jahres die umweltschonende Mobilität zu testen.

20 ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST 21 1. Modellregion München Ein kommunales E-Mobilitätskonzept führt die Einzelthemen Hybridbusse, gewerbliche Elektrofahrzeuge und privater Individualverkehr zusammen. Anhand von Demonstrationsflotten sollen greifbare und verwert bare Erfahrungsdaten zu Betrieb, Nutzung und Be treuung von Elektrofahrzeugen im alltäglichen, privaten Nutzungsbereich gewonnen werden. Dazu gehören Ladeeinrichtungen auf sogenannten Park & Ride -Parkplätzen auf deutsch Pendlerparkplätze, sodass auch der Pendlerverkehr aus dem ländlichen Raum einbezogen werden kann. 2. Modellregion Hamburg Der Standort Hamburg ist stark von Industrie, Handel und Dienstleistungen geprägt. Der innerstädtische Wirtschaftsverkehr ist deshalb außerordentlich wichtig. Hier wird zukünftig ein bedeutendes Potenzial für den Einsatz von Elektrofahrzeugen und der nötigen Ladeinfrastruktur liegen. 3. Modellregion Rhein-Main Diese Modellregion erprobt mit Anwendungen in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden/Mainz und Kassel Elektromobilität in einem großen geografischen Umfeld. So zeigen Projekte vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Elektromobilität. Dazu gehören der Anschluss an die öffentlichen Ver kehrssysteme durch Pedelecs (Fahrrad mit unterstützendem Elektromotor), die Demonstration verschiedener Lade systeme, einschließlich der Schnellladung, die Nutzung von Elektrorädern für Dienstgänge und der Einsatz von batteriebetriebenen Lieferwagen für stadtgebundenen Zustellverkehr. Ein Paket- und Zustelldienst verwendet in der Modellregion Elektrofahrzeuge, um langfristig die Kundenakzeptanz zu erhöhen und um Zugang zu Gebieten zu erhalten, die möglicherweise für den Normalverkehr gesperrt sind. Dabei können Konzepte für die Tourenplanung getestet werden. In Hamburg erproben sowohl große und kleine Unternehmen unterschiedlicher Branchen als auch öffentliche Einrichtungen den Einsatz von Elektrofahrzeugen in ihren Flotten. Auch das ist Elektromobilität Tram mit kontaktloser Stromübertragung Bei der kontaktlosen induktiven Energieübertragung wird Energie über ein elektromag netisches Feld sicher übertragen. Unterirdische Induktionsschleifen zwischen den Schienen oder unter der Fahrbahn erzeugen ein magnetisches Feld unter dem Fahrzeug. Eine Spule am Fahrzeugboden wandelt dieses Magnetfeld wieder in elektrischen Strom um, der die Motoren des Fahrzeugs antreibt. Mit dieser Technologie können Elektrofahrzeuge sowohl im Stand als auch während der Fahrt auf mit Induktionsschleifen ausgerüsteten Straßen kabellos mit Energie versorgt werden. Dieses System könnte die Elektrifizierung von Bus- und Bahnstrecken einfacher, sicherer und robuster gestalten als mit der üblichen kosten- und wartungsaufwendigen Oberleitung. Damit können Nahverkehrssysteme auch dort elektrisch betrieben werden, wo dies bislang nicht möglich war. So können elektrische Fahrzeuge im Nahverkehr weitere Verbreitung finden und in noch stärkerem Maße regenerative Energien im Verkehr eingesetzt werden. In Augsburg entsteht mit Förderung des BMVBS die weltweit erste Versuchsstrecke mit kontaktloser Energieversorgung für Verkehrssysteme auf Schiene und Straße. Deutsche Firmen sind Technologie- und Innovationsführer auf diesem Gebiet.

22 ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST 23 4. Modellregion Stuttgart Ziel dieser Modellregion ist es, in einem ganzheitlichen Ansatz Schlüsselfragen zur Markt- und Technologievorbereitung der Elektromobilität in Deutschland zu beantworten. Die Gegebenheiten der Region lassen speziell Rückschlüsse auf das Fahrzeugverhalten in bergigen Landschaften zu. Neben einer Vielzahl an Lieferfahrzeugen sind über 500 Elektroroller im Einsatz. Das Lade- und Fahrverhalten der Nutzer wird in Studien beobachtet, sodass Erkenntnisse über die künftigen Ein satzmöglichkeiten von Elektrorollern gewonnen werden. Dabei muss das Ziel sein, dass Elektrozwei räder nicht Fahrräder, sondern herkömmliche Kraftfahrzeuge ersetzen, um den gesamten Umweltvorteil nutzen zu können. 5. Modellregion Bremen/Oldenburg Charakteristisch für diese Region ist das Zusammenwirken der Metropolen Bremen und Oldenburg, eingebettet in ein eher ländlich geprägtes Umland. Hieraus resultieren besondere Mobilitätsbedürfnisse, die sich aus dem Verkehr zwischen den Städten und hohem Aufkommen an Berufspendlern ergeben. Dabei wird insbesondere auch die Einbindung von regenerativ erzeugtem Strom aus den in Norddeutschland in großer Zahl vorhandenen Windkraftanlagen untersucht. In Bremen und Oldenburg ist zudem die Wissenschaft stark vertreten. Schlüsseltechnologien der Elektromobilität wie Leichtbau und neue Fahrzeugkonzepte, das Fahren mit Wind- und Sonnenenergie und die Entwicklung effizienter Batterien werden hier erforscht. Um die größtmögliche Energieeffizienz der Fahrzeuge sicherzustellen und mit den verfügbaren Batterien möglichst lange Strecken fahren zu können, ist es wich tig, dass das Fahrzeug kein zu großes Eigengewicht hat. Materialien und Prozesse, die zu einer leichteren Bauweise führen, sind daher bedeutend für das Potenzial von Elektromobilität.

24 ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST ELEKTROMOBILITÄT MIT BATTERIE IM PRAXISTEST 25 6. Modellregion Berlin/Potsdam Eine wichtige Aktivität der Region ist die Integration der verschiedenen Arten von Elektrofahrzeugen in den öffentlichen Personennahverkehr. Hierzu wird eine elektromobile Flotte zur spontanen An schlussnutzung in der Stadt und im Umland betrieben, und die erforderlichen Informations- und Kommunikations systeme werden bereit gestellt. In einem weiteren Projekt wird die Stadtlogistik mit Elektrofahrzeugen untersucht. Einzelhandelsfilialen werden dabei mit den bislang größten in Deutschland eingesetzten Batterie-LKWs beliefert. Logistikunternehmen setzen Elektro trans porter zur Verteilung von Paketen ein. Gerade zu Ruhezeiten bieten elek trisch betriebene Lieferfahr zeuge den zusätzlichen Vorteil, dass sie trotz ihrer Größe lautlos fahren. Neben der erwarteten Emissionssenkung Luftschadstoffe und Lärm ist es insbesondere das Ziel, durch angepasste Logistikkonzepte die Wirtschaftlichkeit elektrischer Nutzfahrzeuge zu erhöhen. 7. Modellregion Rhein-Ruhr Die Region Rhein-Ruhr ist mit ihrer dichten Siedlungsstruktur, einer breit aufgestellten Forschungslandschaft und den ansässigen Automobilherstellern und Zulieferern geeignet, die gesamte Wertschöpfungskette der Elektromobilität darzustellen. Schwerpunkte liegen u. a. in der Untersuchung von Nutzerverhalten und Fahrzeugakzeptanz sowie der Aus- und Weiterbildung des Fachhandwerks. In der Modellregion werden weitere Anwendungsgebiete von Elektromobilität erprobt. Dazu gehört ein elektrisch betriebenes Fahrzeug für die Müllabfuhr, sodass gerade bei dem vielfachen An- und Abfahren weder Lärm noch Abgase auf Kosten der Anwohner und Mitarbeiter entstehen. Ein weiteres Projekt ist der Einsatz einer großen Flotte von Hybridbussen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. In diesem Projekt werden 21 Hybridbusse von fünf Bus herstellern im öffentlichen Nahverkehr des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (zehn Verkehrsunternehmen) eingesetzt und im Hinblick auf Geräusch- und Schad stoff emissionen sowie Kraftstoffverbrauch bewertet. 8. Modellregion Sachsen Die Zukunft elektrischer Busse wird in Sachsen erforscht. Je zehn Hybridbusse kommen im Linienbetrieb der Städte Dresden und Leipzig zum Einsatz. Diese Busse verfügen über einen Energiespeicher, der im Endausbau des Systems durch Ladepunkte an den Bushaltestellen über Kontakte oder berührungslos mittels Induktion auf geladen werden soll. Damit muss der zusätzliche Dieselmotor des Busses immer weniger eingesetzt werden. Weiterhin sollen der Flottenbetrieb von Elektro fahrzeugen getestet und die entsprechende Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht errichtet werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Netzanschluss, dem öffentlichen Zugang, der Ladestrom messung und -abrechnung und der Kommunikation. Was bedeutet eigentlich HEV? HEV steht für Hybrid Electrical Vehicle, was übersetzt einfach ein Hybridfahrzeug ist.

26 FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE 27 Fahren mit Wasserstoff die Brennstoffzelle im Test Eine elektromobile Alternative zur Batterie ist die Wasserstoff-/Brennstoffzellentechnologie. Forschung und Entwicklung werden auf diesem Gebiet ebenso vorangetrieben und großflächig erprobt. Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie Bereits 2006 wurde das Nationale Innovations programm Wasserstoff- und Brennstoffzellen technologie (NIP) aufgelegt. Damit stellen Bundesregierung und Industrie bis 2016 ins gesamt 1,4 Milliarden Euro zur Techno logie förderung und für Demonstrationsprojekte bereit, um die Marktvorbereitung der betreffenden Technologien zu beschleunigen. Was bedeutet eigentlich Brennstoffzelle? Eine Brennstoffzelle verbrennt nichts, wie dies der Name eigentlich vermuten lässt. Während Batterien Strom in chemische Energie umwandeln können und diesen nach Bedarf wieder abgeben, nutzen Brennstoffzellen die in Wasserstoff enthaltene chemische Energie. Wasserstoff verbindet sich mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft zu Wasser. Dabei wird Energie frei, die sich über Elektroden direkt in Strom umwandeln lässt. Dieser wird in Brennstoffzellenautos zum Antreiben des Elektromotors verwendet. Der Wasserstoff wird im Fahrzeug in Tanks mitgeführt. Neben Wasserstoff können auch Methanol oder Erdgas in Brennstoffzellen in Strom umgewandelt werden.

28 FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST 29 Die Mehrzahl der mittlerweile über 200 Einzelprojekte des NIP liegt im Bereich Verkehr und Wasserstoffinfrastruktur. Wasserstoff/Brennstoffzelle im Praxistest unsere Wasserstofffamilie, die Clean Energy Partnership (CEP) NIP-Leuchttürme Ziele des NIP sind die Marktvorbereitung und Weiter - entwicklung der Wasserstoff- und Brenn stoff zellentechnologie zu Markt- und Serienreife. Die deutsche Industrie ist auf diesem Gebiet weltweit führend. Mit dem NIP soll dieser Wettbewerbsvorteil bewahrt und ausgebaut werden. Neben Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sollen umfangreiche Demonstrationsprojekte die Technologie im Alltag sichtbar machen und deren Funktionieren unter realen Bedingungen beweisen. Das NIP setzt bei den Demonstrationsvorhaben auf so genannte Leuchttürme. Leuchtturmprojekte schlagen eine Brücke zwischen Forschung/Entwicklung und den späteren Märkten. Sie sind Keimzellen für eine an schließende breite Vermarktung und sollen diese vorbereiten. Sie teilen sich inhaltlich auf die drei Handlungsfelder des NIP auf: Verkehr und Wasserstoffinfrastruktur Stationäre Energieversorgung Spezielle Märkte Die CEP wurde 2002 ins Leben gerufen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Alltagstauglichkeit des Energieträgers Wasserstoff als Kraftstoff in Fahrzeugen zu de monstrieren und die Infrastruktur zur Betankung der Fahrzeuge zu erproben. Auf diese Weise soll der umfassende Nachweis erbracht werden, dass Wasserstoff bereits heute sicher durch normale Anwender im Straßenverkehr genutzt werden kann und dass zur Bereitstellung von Wasserstoff die derzeit verfügbaren regenerativen Energien verwendet werden können. Gegenwärtig sind etwa 50 wasserstoffbetriebene PKW und Busflotten in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg im Einsatz. Für die nächste Phase der CEP ist eine zusätzliche Aus - weitung auf andere Bundesländer geplant. Ziel ist es, die Infrastruktur weiter in der Fläche auszubauen. Gleichzeitig sollen die Fahrzeugkosten durch gesteigerten Fahrzeugeinsatz bis hin zur Klein serienproduktion spürbar gesenkt werden. Bis Ende 2012 sollen allein in der CEP an die 100 Fahrzeuge im Einsatz sein. Doch nicht nur im Straßenverkehr werden Wasserstoffund Brennstoffzellenanwendungen erprobt. In einem Leuchtturmprojekt des NIP wird untersucht, wie damit die Energieversorgung an Bord großer Schiffe deutlich verbessert werden kann. Die Vorteile der Energieerzeugung mit Brennstoffzellen liegen hier in der Reduzierung klima- und gesundheitsschädlicher Schadstoffe durch den verminderten Einsatz der Dieselmotoren.

30 FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST 31 Im Bodenseeprojekt werden die Bordstromver sorgung von Campingfahrzeugen, wie Wohnmobile und Wohnwagen, und der Antrieb von Freizeitfahrzeugen, wie zum Beispiel Boote, durch Brennstoffzellensysteme erprobt. Auch im Bereich der Luftfahrt wird getestet: Vom Einsatz zur Bordstromversorgung, um so den Kerosinverbrauch zu senken, bis hin zum Flugzeugantrieb mit Wasserstoff und Brennstoffzellen. Auch das ist Elektromobilität Bei Elektromobilität denken die meisten an das Auto. Aber auch in der Luft kann die Technologie ihre Vorteile ausspielen. Ein gutes Beispiel: die Antares DLR-H3. Das bislang größte Brennstoffzellenflugzeug Antares H3 soll in Flugdauer und Reichweite neue Maßstäbe setzen. Technisch wird das neue Flugzeug auf dem Elektromotorsegler Antares 20E sowie auf dem Brennstoffzellenflugzeug Antares DLR-H2 aufbauen, aber wesen tlich größer als diese Flugzeuge sein: Die Entwickler wollen eine Reichweite von bis zu 6000 Kilometern und eine Flugdauer von mehr als 50 Stunden ermöglichen. Die Antares H3 soll Lasten von bis zu 200 Kilogramm befördern können. Das Flugzeug wird eine Spannweite von 23 Metern haben und ein Abfluggewicht von 1,25 Tonnen. In vier Außenbehältern unter den Tragflügeln werden das Brennstoffzellen system und die Tanks untergebracht. Aufgrund der optimierten Flugeigenschaften und der einfachen Steuerung kann die Antares H3 sowohl im Pilotenbetrieb als auch in einer zweiten Ausbaustufe als unbemanntes System fliegen. Auf diese Weise könnte sie so beispielsweise Aufgaben der Erdbeobachtung und der Fernerkundung übernehmen. Die Antares H3 soll im Herbst 2011 erstmals fliegen. Das NIP umfasst darüber hinaus weitere Programme, die die Anwendung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie auch in Gebäuden oder in der In dus trie erproben. Mehr dazu: www.now-gmbh.de Wir denken weiter Über überregionale Plattformen werden nicht nur die Erfahrungen der Modellregionen miteinander vernetzt und der Austausch unter den Projektpartnern ermöglicht. So wird auch Doppelarbeit vermieden und eine Grundlage für die weiteren Aktivitäten geschaffen. Durch die gebündelte Steuerung sowohl der Batterie als auch der Wasserstoff-/Brennstoffzellenthematik durch die NOW GmbH erfolgt eine Verzahnung dieser Optionen von Elektromobilität. Grenzüberschreitende Kooperationen Mittlerweile wird in vielen Ländern weltweit an Elektromobilität geforscht und diese weiterentwickelt. Deshalb ist es wichtig, dass man sich miteinander verständigt. Zum einen, damit in einem vorkommer ziellen Stadium Erfahrungen ausgetauscht werden können. Zum anderen, damit nicht die gleichen Fehler wie bei anderen Technologien gemacht werden und jedes Land unterschiedliche Standards einführt.

32 FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST 33 Smart Grid Die Kraftwerkslandschaft hat sich verändert. Waren Kraftwerke früher meist große Fabriken, die den Strombedarf ganzer Städte deckten, so haben sich heute viele kleine Stromlieferanten dazu gesellt: Der Hausbesitzer mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach, der Landwirt, der mit einer Biogasanlage Strom erzeugt, oder der Betreiber einer privaten Windkraftanlage. Stromlieferanten und Verbraucher sind in einem europäischen Verbundnetz zusammengeschaltet. Einem Stromnetz, das zunehmend intelligenter auf die tageszeitlich schwankende Nachfrage- und Angebotssituation reagiert: das Smart Grid. In Zukunft könnte das Smart Grid durch Millionen von Elektro fahrzeugen erweitert werden. Dazu könnten die Batterien geparkter Elek trofahrzeuge als Stromspeicher genutzt werden. Aus der Ladeeinrichtung wird eine Zwei-Wege-Verbindung. Sinkt der Stromverbrauch, werden die Batterien der angeschlossenen Elektrofahrzeuge aufgeladen, in Spitzenzeiten können die Fahrzeugbatterien dagegen Strom abgeben. Damit kann das Leitungsnetz gleichmäßiger genutzt und die Bereitstellung von elektrischer Energie optimiert werden. Voraussetzung dafür sind u. a. Stellflächen, auf denen geparkte Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum mit dem Stromnetz verbunden sind, und eine leistungsfähige Steuerung, die Ladung und Entladung präzise regelt und abrechnet. Wer mit einem Elektrofahrzeug unterwegs ist, will sicher nicht an der Grenze Halt machen müssen, weil die Ladestecker oder der Wasserstofftankstutzen im Ausland nicht ans eigene Fahrzeug passen. Internationale Zusammenarbeit und Normung ist daher von Anfang an wichtig. In einem grenzüberschreitenden gesamteuropäischen Straßenverkehr wäre eine rein deutsche Lösung wenig hilfreich. Ein Flottenversuch mit Industriepartnern in Deutschland und Frankreich wird beispielsweise von BMVBS, BMWi und der französischen Regierung gefördert. Auch mit anderen Staaten, wie beispiels weise China und Japan, sowie in internationalen Gremien findet ein reger Austausch zu diversen Fachfragen statt. Sicher unterwegs Eine wesentliche Komponente in allen Elektroautos ist die Batterie. Die Serienfertigung der Batteriepakete für Elektrofahrzeuge steht heute noch aus. Schon bald aber könnten verschiedene Bauarten und Systeme unterschiedlicher Hersteller am Markt angeboten werden. Sie alle müssen nach einheitlichen Kriterien getestet, ver glichen und auf Sicherheit und Qualität geprüft werden. Gefördert vom BMVBS wird am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Ulm (ZSW) ein Batterietestzentrum errichtet. Damit werden die Batteriekompetenzen am Standort Deutschland erweitert. Ganz wichtig ist: Die Sicherheit geht vor. Um dies zu gewährleisten, müssen die für die Genehmigung und Zulassung von Kraftfahrzeugen geltenden Regelungen auch für Elektroautos stetig angepasst werden. Dies gilt ebenfalls für die Beförderung von Batterien für Elektrofahrzeuge. Aus Gründen der Sicherheit und der Vermeidung von Brand- und Explosionsgefahren unterliegen diese den Anforderungen für die Beförderung gefährlicher Güter. Bedingt durch die rasche Technologieentwicklung besteht die Notwendigkeit zur kontinuierlichen Fortschreibung auch dieser Vorschriften. Das Bundesverkehrsministerium wirkt deshalb in den internationalen und europäischen Gremien aktiv mit. Elektromobiler Indivi dualverkehr bringt nicht nur neue Betankungs systeme, sondern auch neue Bezahlund Abrechnungsverfahren mit sich.

34 FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST FAHREN MIT WASSERSTOFF DIE BRENNSTOFFZELLE IM TEST 35 Elektrofahrzeuge sind im Straßenverkehr weitgehend lautlos. Die geringeren Lärmemissionen stellen zunächst einen Vorteil dar. Allerdings entstehen dadurch gleichzeitig auch Gefahren, weil die Fahrzeuge von Fußgängern und insbesondere von sehbehinderten Menschen schlechter wahr genommen werden könnten. Das BMVBS hat sich mit den damit verbundenen Sicherheitsfragen frühzeitig auf nationaler wie internationaler Ebene befasst. Gefordert sind intelligente Lösungen, die nicht die Ziele im Bereich des Lärmschutzes beeinträchtigen. In den Modell regionen werden dazu wichtige Erkenntnisse aus der Praxis gesammelt. Auch das ist Elektromobilität Energie -Plus -Haus Das BMVBS erprobt bereits im Rahmen der Bauforschung Energie-Plus-Häuser, die mehr Energie produzieren als ihre Nutzer verbrauchen. Dieses Potenzial wollen wir nun auch für die Elektromobilität nutzen. Unter dem Motto: Mein Haus meine Tankstelle! wird noch im Herbst 2011 in Berlin-Charlottenburg ein erster Prototyp für ein sogenanntes Energie-Plus- Haus errichtet, das fast doppelt so viel Energie produziert, wie es verbraucht. Die Idee: Die überschüssige Energie, die das Haus erzeugt, wird in passenden Hochleistungsbatterien gespeichert und tankt Elektrofahrzeuge (Auto, Motorrad, Fahrrad) auf. Das Haus versorgt sozusagen das Fahrzeug vor der Tür gleich mit. Das Forschungsprojekt wird als circa 130 Quadratmeter großes Einfamilienhaus gebaut und rund drei Jahre unter realen Bedingungen genutzt, wissenschaftlich getestet und öffentlich gezeigt. Nach einer ersten Testphase soll das Gebäude ab 2012 von einer vierköpfigen Familie für ein Jahr bewohnt werden. Dieses neue Konzept wird kein Prototyp bleiben. Anbieter aus dem Fertighausbereich kommen bereits mit ersten Angeboten auf den Markt. Dabei wollen wir sie auch in Zukunft unterstützen. Wir gehen davon aus, dass in zwei bis vier Jahren zeitgleich zum Markthochlauf der Elektrofahrzeuge auch private Bauherren den hierfür erforderlichen Strom in ihrem Energie-Plus-Haus selbst erzeugen können. Das Versuchshaus in Berlin ist somit ein Leuchtturm in die Energiezukunft. Damit wollen wir zeigen, dass die Technologien für eine vollständig regenerative Energieversorgung schon heute existieren und alltagstauglich sind.

36 FAZIT, AUSBLICK FAZIT, AUSBLICK 37 Fazit, Ausblick Noch steckt die Elektromobilität in den Kinderschuhen, und bis zur Marktreife sind weitere Entwicklungsschritte notwendig. Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektro autos auf Deutschlands Straßen fahren. Deshalb ar beiten alle beteiligten Akteure Politik, Industrie und Wissenschaft derzeit mit Hochdruck an noch offenen Fragen. Auch weiterhin müssen der Alltags gebrauch von Elektrofahrzeugen untersucht und wichtige Er kenntnisse für bürger- und kundenfreundliche elek tromobile Produkte gewonnen werden. Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) schlägt dazu u. a. vor, Schaufenster- und Leuchtturmprojekte als innovative Instrumente der Forschungsförderung zu entwickeln. Leuchttürme fokussieren sich auf einzelne Technologie- und Anwendungsbereiche der Forschung. Hier sollen Ressourcen aus Industrie und Wissenschaft thematisch gebündelt werden. Durch den Aufbau weniger, großer Schaufenster sollen offene Fragen beispielsweise zum Nutzerverhalten im Alltag untersucht und Elek tro mobilität öffentlichkeitswirksam demonstriert werden. Die neuen Schaufenster werden dank ihrer Größe Rückschlüsse auf die Massentauglichkeit der getesteten Elektromobilitätslösungen liefern. Schaufenster sollen auch dazu dienen, die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie international sichtbar und erlebbar zu machen und bei den Bürgern Akzeptanz für diese Zukunftstechnologie zu schaffen. Hier können wir auf die guten Erfahrungen in unseren Modellregionen zurückgreifen und auf diese aufbauen. Die Schaufenster sollen im Jahr 2011 in einem offenen Bewerbungsverfahren ausgeschrieben werden. Einige der bestehenden acht Modellregionen könnten zum Beispiel in die aufzubauenden Schaufensterprojekte überführt werden. Zur Umsetzung des Schaufensterprogramms wird die Bundesregierung einen gemeinsamen Projektträger beauftragen. Die weitere Förderung der batteriebetriebenen Elektromobilität wird gegenüber den Mitteln aus dem Konjunkturpaket II nahezu verdoppelt. Die Bundesregierung wird bis Ende 2013 rund 1 Milliarde Euro zusätzlich in Elektromobilität investieren. Der Grossteil dieser Mittel wird ab dem nächsten Jahr aus dem Energie- und Klimafonds zur Verfügung gestellt. Der Schwerpunkt liegt bei Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus sollen ordnungsrechtliche und fiskalische Maß nahmen helfen, Elektromobilität künftig auch von der Nachfrageseite voranzutreiben. Neben steuerlichen Vorteilen bei der Kfz- und Dienstwagenbesteuerung werden das vor allem nicht-monetäre Nutzeranreize meist im Straßenverkehrsrecht sein. Das sind zum Beispiel Sonderparkplätze für Elektrofahrzeuge. Dafür hat das BMVBS bereits ein neues Verkehrszeichen eingeführt. Ein Anreiz könnte aber auch die Aufhebung von Zufahrtsverboten für Elektrofahrzeuge sein, um den sauberen Lieferverkehr in den Städten zu fördern. Ein Fahrgastschiff der Alster- Touristik GmbH, angetrieben über Brennstoffzellen

38 FAZIT, AUSBLICK FAZIT, AUSBLICK 39 Bereits 1899 entwickelte Ferdinand Porsche für die Hofwagen fabrik Ludwig Lohner & Co. das Lohner- Porsche-Elektro mobil. Im Jahr darauf wurde es auf der Pariser Weltausstellung unter dem Namen Semper Vivus vorgestellt. Auch die Freigabe von Busspuren oder die Ausweisung von Sonder- oder Ladespuren wollen wir prüfen. Um Erkenntnisse über mögliche Nutzungskonflikte zu sammeln, wird das BMVBS diese Anreize zunächst in den Schaufenstern erproben. Damit sollen auch mögliche Auswirkungen auf den öffentlichen Personennahverkehr so gering wie möglich gehalten werden. Dies hat die Bundesregierung im Mai 2011 in ihrem Regierungsprogramm beschlossen. Auch hier gilt es, weitere Schritte zur Marktreife zu unter stützen. Denn keine der technologischen Optio - nen wird die zukünftigen Mobilitätsan for der un gen alleine bewältigen können. Sowohl die Batterie- als auch die Wasserstoff-/Brennstoff zellen technologie müssen als komplementäre Säulen der Elektromobilität ins Visier genommen und fort ent wickelt werden. Technologieoffenheit ist eine zen trale Bedingung für den Erfolg der Elektromobilität. Das Pilotprojekt MUTE der Technischen Universität München soll zeigen, dass durch ein kostengünstiges und innovatives Fahrzeugkonzept Elektromobilität in naher Zukunft auch für die Massenanwendung geeignet ist. Mehr Informationen über das Regierungsprogramm Elektromobilität finden Sie unter: www.bmvbs.de Die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms (NIP) planmäßig bis zum Jahr 2016 gefördert. Neben diesen Forschungs-, Entwicklungs- und Demons trationsvorhaben können auch in diesem Bereich weitere Anreize und Maßnahmen helfen, Elek tromobilität attraktiver zu machen und ihre Einführung positiv zu flankieren. Letztendlich muss Elektromobilität für den Kunden attraktiv und erschwinglich werden.

40 ÖPP-STRASSENBAUPROJEKTE IN PLANUNG Impressum Herausgeber und Druck: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Bezugsquelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Referat Bürgerservice und Besucherdienst 11030 Berlin E-Mail: buergerinfo@bmvbs.bund.de www.bmvbs.de Telefon +49 30 2008 3060 Fax +49 30 2008 1942 Gestaltung: der springende punkt kommunikation gmbh, Köln Bildnachweise: Titel, S. 9 der springende punkt kommunikation gmbh, S. 3, 6, 14-15, 29, 35 Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadt entwicklung, S. 7 BKW 1to1energy, S. 10 Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, S. 11, 27 unten, 33 Adam Opel AG, S. 4, 13 Bundesanstalt für Straßenwesen, S. 17 DB RegioNetz Verkehrs GmbH, S. 18, 22 Modellregion-Elektromobilität Region Stuttgart, S. 20 BMW AG, S. 21 riese und müller gmbh, S. 23 Modellregion-Elektromobilität Region Bremen/Oldenburg, S. 24 TSB Technologiestiftung Berlin, S. 27 oben Chevrolet, S. 28 Volkswagen AG, S. 31 Lange Aviation GmbH, S. 37 Hamburger Hochbahn AG, S. 38 Historisches Archiv Porsche AG, S. 39 Technische Universität München Stand: Juni 2011