Streitschlichterprogramm der GGS Rösrath



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Transkript:

Streitschlichterprogramm der GGS Rösrath 1. Zielsetzung des Streitschlichterprogramms Langfristiges Ziel der Etablierung und Erhaltung des Streitschlichterprogramms an der GGS Rösrath ist es, dass die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des ritualisierten Streitschlichterverfahrens lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Dadurch wiederum soll eine verstärkte Übernahme von Eigenverantwortung und eine Steigerung der Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit erfolgen. 2. Auswahl der Streitschlichterinnen und -schlichter Zu Beginn eines jeden Schulhalbjahres wird durch die Klassenlehrerin und den Klassenlehrer der Stufen 3 und 4 ermittelt, wer Interesse an einer Streitschlichterausbildung hat. Gemeinsam mit der Ausbilderin werden anschließend geeignete Streitschlichterinnen und schlichter nach folgenden Kriterien ausgewählt: vorhandene Basis sozialer Kompetenzen Heterogenität durch ein ausgeglichenes Verhältnis von Mädchen und Jungen und ihren verschiedenen Kulturen Fähigkeit zur Verschwiegenheit und Neutralität Die Streitschlichtergruppe umfasst nicht mehr als 20 Schülerinnen und Schüler. Nach Benennung der neuen Streitschlichterinnen und schlichter wird ihnen eine Schnupperphase gewährt, in der ihre Funktion und ihre Aufgaben transparent gemacht werden. Anschließend müssen sich die Kinder entscheiden, ob sie die Ausbildung antreten möchten. Stimmen sie dieser zu, werden ihre Eltern in einem Mitteilungsbrief über das Verfahren der Streitschlichtung informiert und eine verbindliche Anmeldung wird eingeholt. 3. Ausbildung der Streitschlichterinnen und schlichter Die Streitschlichterausbildung findet im Rahmen einer AG einmal in der Woche für eine Schulstunde statt und dehnt sich auf ein Schulhalbjahr aus. Insgesamt umfasst die Ausbildung ca. 20 Schulstunden. Dabei folgt sie im Wesentlichen dem Programm 1

von Marina Götzinger und Dieter Kirsch Grundschulkinder werden Streitschlichter. 1 Durch Variierung der Einheiten werden die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Auszubildenden berücksichtigt. Die Ausbildungsinhalte bestehen grundsätzlich aus folgenden Elementen: Funktion und Aufgaben von Streitschlichterinnen und schlichtern Definition und methodischer Ablauf der Streitschlichtung Konfliktverständnis und verlauf Konfliktanalysen Erarbeitung von Konfliktlösungsstrategien Selbst- und Fremdwahrnehmung Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen (Empathievermögen) Förderung der Kommunikationskompetenz (Nonverbale und verbale Kommunikation/ Aktives Zuhören/ Spiegeln) Gesprächsführungstechniken als Grundlage für Schlichtungsgespräche Behandlung konkreter Fallbeispiele Dabei wird sich unterschiedlicher Methoden wie Brainstorming, Mindmap, Interaktionsübungen, Rollenspielen, Beobachtungsaufträgen, Fallbesprechungen etc. bedient. Alle ausgebildeten Streitschlichterinnen und schlichter können ihre Funktion bis zum Ende ihrer Grundschulzeit ausführen. Die erfolgreiche Teilnahme an der Streitschlichterausbildung wird im Zeugnis unter Bemerkungen aufgeführt. 4. Anlässe für und Grenzen von Schüler-Streitschlichtungen Schülerinnen und Schüler, die auf dem Schulhof in einen Konflikt geraten, haben die Möglichkeit, die Streitschlichterinnen und schlichter in der Pause auf dem Schulhof aufzusuchen. Dies können Konflikte sein, in denen sich Kinder verbal um etwas streiten. Umgekehrt haben die Streitschlichterinnen und schlichter die Aufgabe, das Geschehen auf dem Schulhof zu überblicken und bei beobachteten Konflikten zu reagieren, indem sie entweder ihre Hilfe anbieten oder Hilfe durch die Aufsicht anfordern. Bei Handgreiflichkeiten und Körperverletzung setzen die Handlungsgrenzen der Streitschlichterinnen und schlichter ein. In diesen Fällen sind die Lehrpersonen gefordert. 1 Vgl. Götzinger /Kirsch 2004 2

5. Betreuung des Streitschlichterteams Die Betreuung der Streitschlichterinnen und schlichter wird durch die Ausbilderin und zugleich Verantwortliche des Streitschlichterprogramms Frau Arbutina übernommen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Kinder auf ihre Rolle als Streitschlichterinnen und schlichter vorzubereiten und während der gesamten Ausbildung und anschließenden Arbeit auf dem Schulhof als Anlaufstelle zu fungieren. Regelmäßig erfolgt eine Begleitung der Streitschlichterinnen und -schlichter bei ihrer Arbeit auf dem Schulhof, um anschließend reale Konfliktsituationen aufgreifen und die Qualität der Schlichtung durch eine entsprechende Reflexion verbessern zu können. Dabei können auch Fragen, Zweifel und Probleme der Streitschlichterinnen und schlichter angesprochen und gemeinsam bearbeitet werden. 6. Einsatz der Streitschlichterinnen und -schlichter Gemeinsam mit den Streitschlichterinnen und schlichter wird ein Einsatzplan erstellt, der gewährleistet, dass täglich sowohl in der ersten als auch in der zweiten Pause jeweils zwei Streitschlichter-Paare auf dem Schulhof vertreten sind. Jedes Paar hat zweimal in der Woche Dienst. Zu erkennen ist das Streitschlichterteam für die anderen Kinder an ihren gelben Leuchtwesten. Beansprucht eine Streitschlichtung mehr als die Pausenzeit bzw. kommt es zu einem Konflikt am Ende der Pause, welcher dennoch gelöst werden sollte, haben sowohl die Konfliktparteien als auch das Streitschlichterteam die Möglichkeit, diesen in der sich anschließenden Frühstückspause und, in Ausnahmefällen, zu Beginn der nächsten Unterrichtsstunde zu bearbeiten. Für diese Zeit sind die Kinder vom Unterricht befreit. 7. Sensibilisierungstraining für ALLE Schülerinnen und Schüler Das Ziel hierbei ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler der GGS Rösrath das Sensibilisierungstraining durchlaufen, um ein Grundverständnis von konstruktiver Konfliktaustragung zu entwickeln und somit auch das Verfahren der Schüler- Streitschlichtung vermittelt zu bekommen. Dadurch sollen sie wiederum die Arbeit der Streitschlichterinnen und schlichter der Schule zum einen besser wahr- und annehmen und zum anderen diese erleichtern, indem soziale Kompetenzen wie das Erkennen und Benennen von eigenen und fremden Gefühlen, das Empathievermögen, das aktive Zuhören, das Verwenden von Ich-Botschaften etc. gefördert werden. 3

8. Schulinterne Öffentlichkeitsarbeit Eine gute Öffentlichkeitsarbeit hilft, das Projekt ( ) in der Schülerschaft attraktiv zu machen. 2 Erst wenn den Kindern der Schule die Streitschlichtung durch ihre Mitschülerinnen und schüler bekannt ist und sinnvoll erscheint, kann eine zunehmende Inanspruchnahme des Angebots erfolgen. 8.1 Vorstellen aller Streitschlichterinnen und schlichter in der Schülerschaft Mit dem Beginn der Ausbildung neuer Streitschlichterinnen und schlichter zu jedem neuen Halbjahr liegt der Schwerpunkt auf der Information der gesamten Schülerschaft. So erfolgt halbjährlich eine Vorstellung des gesamten Streitschlichterteams in allen Klassen der Schule. Dabei erhalten die potenziellen Kunden Antworten auf folgende Fragen: Wer sind die neuen Streitschlichterinnen und schlichter? Wie können uns die Streitschlichterinnen und schlichter helfen? Was haben wir davon? Wann können wir zu den Streitschlichterinnen und schlichtern gehen? Wie können wir das Streitschlichterteam auf dem Schulhof erkennen? Woher wissen wir, wer wann im Dienst ist? Es soll außerdem deutlich gemacht werden, dass Streitschlichtung eine freiwillige Sache ist, sie streng vertraulich ist und keinerlei Sanktionen zu erwarten sind. Weiterhin soll die Vorstellungsrunde das Interesse der anderen Kinder für die Funktion und Arbeit der Streitschlichterinnen und schlichter wecken, damit diese sich anschließend vielleicht auch dazu entschließen, sich im kommenden Schulhalbjahr ausbilden zu lassen. 8.2 Information der Schülerschaft über das Streitschlichterprogramm durch die Schülerzeitung HELLES KÖPFCHEN Zusätzlich zu der Vorstellungsrunde in den Klassen verfassen die Streitschlichterinnen und schlichter halbjährlich einen Artikel für die Schülerzeitung, die für die Kinder der Schule herausgebracht wird. Dadurch hat das Streitschlichterteam nochmals die Gelegenheit, möglichst viele Schülerinnen und Schüler direkt anzusprechen. In ihren Artikeln berichten die Streitschlichterinnen und -schlichter ausführlich darüber, welche Funktion sie ausüben, wie eine 2 Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg 2004, S. 23 4

Streitschlichtung abläuft und welche Regeln dabei sowohl von den Konfliktparteien als auch von ihnen selbst beachtet werden müssen, damit man zu einer gemeinsamen Lösung gelangen kann. Weiterhin führen die Streitschlichterinnen und -schlichter auf, wie ihre Ausbildung aussieht, woran man sie erkennen kann, wo die Einsatzzeiten abzulesen sind und was man tun muss, um sich auch als Streitschlichterin und -schlichter ausbilden zu lassen. Außerdem kann das Streitschlichterteam im Zuge dessen auch die Aspekte ansprechen, die eine Streitschlichtung auf dem Schulhof für sie oftmals schwierig oder gar unmöglich macht und was sie sich für die Zukunft von den Kindern wünschen. 8.3 Fotowand und Einsatzplan Damit die Schülerinnen und Schüler einen Überblick darüber erhalten, welche Kinder als Streitschlichterinnen und schlichter fungieren und wann diese im Einsatz sind, hängt eine für alle Kinder gut sichtbare Fotowand am Spielehäuschen auf dem Schulhof aus. Die Fotowand lehnt sich an die Struktur des Einsatzplans an, der in jeder Klasse ausgehängt. Auf dem Einsatzplan können die Kinder ablesen, in welcher Pause an den einzelnen Wochentagen welche Streitschlichterinnen und schlichter Dienst haben, an wen sie sich somit in Konfliktsituationen wenden können. Auf der Fotowand sind zusätzlich Fotos der einzelnen Streitschlichterinnen und schlichter angebracht, damit die Kinder die auf dem Einsatzplan aufgeführten Namen einem Gesicht zuordnen können und wissen, wer diese sind. Auf die Fotowand und den Einsatzplan werden die Kinder der Schule sowohl bei der Vorstellungsrunde in den Klassen als auch in dem Schülerzeitungsartikel und innerhalb des Sensibilisierungstrainings gezielt hingewiesen. 9. Einbeziehung der Eltern Zu Beginn eines jeden neuen Schuljahres erhalten die Eltern der neu eingeschulten Kinder einen Informationsbrief, damit sie unverzüglich über das an der Schule bestehende Streitschlichterprogramm informiert werden und ihre Kinder dafür sensibilisieren können. Zusätzlich haben die Eltern aber auch andere Personen und Einrichtungen die Möglichkeit, sich über die schuleigene Homepage über dieses Konzept zu informieren. 10. Evaluation Am Ende jeder Ausbildung zum Halbjahresende erfolgt eine Evaluation mittels einer schriftlichen Befragung der Streitschlichterinnen und schlichter, um Ansatzpunkte für die Verbesserung der Streitschlichterausbildung transparent zu machen und umzusetzen. 5