Einführung in die Politische Soziologie Prof. Dr. Walter Eberlei Fachhochschule Düsseldorf Definition Soziologie / Weber Max Weber (1864-1920) Soziologie soll heißen: Eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. Handeln soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei, ob äußeres, innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist. Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie (1920), Tübingen 1956, S. 1-2. 1
Politische Soziologie Politische Soziologie... eine Wissenschaft, die den gesellschaftlichen Entstehungs- und Durchsetzungsprozess von sich politisch artikulierenden Interessen erklärt, spezifische institutionelle und rechtliche Formen dieses Prozesses kritisiert und an ihrer Veränderung mitwirkt. Kurz: Politische Soziologie hat politische Macht und Herrschaft sowie deren gesellschaftliche Legitimation zum Gegenstand. (Uni Marburg, Institut für Soziologie 2005) Die Aufgaben der Soziologie Nach Abels (2004) haben SoziologInnen folgende Aufgaben: 1. Gesellschaftliche Phänomene beobachten, 2.... beschreiben, 3.... (verstehen und) erklären, 4. soziales Handeln und/oder gesellschaftliche Verhältnisse im Lichte einer Theorie beurteilen, sowie (als umstrittene Möglichkeit:) 5....in gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen eingreifen. (Abels 2004, S.76-80) 2
Ungleichheitsforschung (nach Korte 2004: 145, 150, 154) Marx (1848) Weber (1905/10) Geiger (1925) Schelsky (ca. 1955) Bolte, Dahrendorf (ca. 1965) Beck (ca. 1985) Hradil (ca. 1998) Klassen Klassen (Erwerb, Besitz), Stände Soziallagen Nivellierte Mittelstandsgesellschaft Soziale Schichtung Lebenlagen jenseits von Klasse /Schicht Soziale Lagen / soz. Milieus Stellung im Produktionsprozess Einkommen, Vermögen Mehrdimensionale Ungleichheiten Schulausbildung, Einkommen, Status im Beruf Schulausbildung, Einkommen, Status im Beruf Mix von Schulbild., Einkommen, Status + individuellen Milieus, Bastelbiographie. Handlungschancen, Lebenziele, neue Zuweisungsmerkmale / Dimensionen Soziale Ungleichheit - Übersicht Vertikale (soziale) Ungleichheit Horizontale soz. U. Theorien der Sozialen Ungleichheit Sozialstruktur -analysen Individualisierung, Differenzierung Klassen Stände Schichten Lagen, Milieus, Lebensstile Hradil: Sozialgeschichte: Stände Klassen Schichten Lagen Marx, Weber Kreckel Bourdieu Weber Geiger, Bolte, Schelsky Beck, Hradil,... Es geht darum, Sozialstrukturanalyse und Theorien sozialer Ungleichheit wieder enger miteinander zu verzahnen. (Barlösius 2004: 26) 3
Defn. Soziale Ungleichheit Soziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den wertvollen Gütern einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten. (Hradil 2001: 30) Soziale Ungleichheit i.w.s. liegt überall dort vor, wo die Möglichkeiten des Zugangs zu allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und/oder zu sozialen Positionen, die mit ungleichen Macht- und/ oder Interaktionsmöglichkeiten ausgestattet sind, dauerhafte Einschränkungen erfahren und dadurch die Lebenschancen der betroffenen Individuen, Gruppen oder Gesellschaften beeinträchtigt bzw. begünstigt werden. (Kreckel 2004: 17) Soziale Ungleichheit: gesellschaftlicher Zustand, in dem die Zugangschancen zu wichtigen Sozialbereichen (...) für einzelne Personen oder Sozialgruppen erschwert ist und die ungleiche Verteilung von ökonomischen und sonstigen Ressourcen, von sozialen Positionen und Rängen als ein soziales Problem angesehen wird. (Schäfers 2003: 401) Hradil: Soz. Ungleichheit in D. 1. Erscheinungsformen u. Bestimmungsgründe soz.u. haben sich ausdifferenziert. 2. Soz.U. ist immer weniger sichtbar. 3. Gefüge soz.u. wird immer internationaler. 4. Trennung von äußeren Lebensbedingungen und bestimmten inneren Haltungen. 5. Milieuzugehörigkeit / Lebensstil prägen Selbstdefinition u. Alltagshandeln 6. Von pluraler Wohlfahrtsgesellschaft zur Gesellschaft des prekären Wohlstands. Hradil 2001: 485-490 4
Soziale Ungleichheit (Differenzierung nach Hradil 2001: 31-37) Stände Klassen Schichten Lagen Gefüge Soz. U. Dimensionen Status Determinanten Bildung Wohlstand Prestige Macht... Empirische Zusammenhänge Erklärung z.b. Geschlecht, Ethnische Z. Hradil: Erklärung kausaler Zusammenhänge (Ursachen) ist nur auf der Basis von Theorien der soz. U. möglich. Schichtung: Die Bolte Zwiebel Hochformat 5
Beck: Risikogesellschaft (1986) Individualisierung als Folge der Moderne / drei Dimensionen: Freisetzung Herauslösung aus Klassen / Ständen Frauen: aus Eheversorgung... freigesetzt Flexibilisierung der Erwerbsarbeitszeit Dezentralisierung des Arbeitsortes Entzauberung Kontrolle bzw. Reintegration Institutionenabhängige Individuallagen (bes. Arbeitsmarkt, Bildungssystem) Milieus (in Westdeutschland, 1997) Hradil 2001: 428 6