Öffentliche Güter: Definitionen

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Transkript:

Ökonomische Theorie der Politik B.1.1 Öffentliche Güter: Definitionen Ein Gut ist nichtrival in der Nutzung, wenn seine Nutzung durch einen Nutzer die Nutzungsmöglichkeiten aller anderen (potentiellen) Nutzer nicht beeinträchtigt Güter, die nichtrival in der Nutzung sind, nennt man auch öffentliche Güter Nichtausschließbarkeit liegt bei denjenigen Gütern vor, von deren Nutzung einzelne Wirtschaftssubjekte nicht wirksam ausgeschlossen werden können Güter, die nichtrival in der Nutzung sind und von deren Nutzung niemand wirksam ausgeschlossen werden kann, nennt man reine öffentliche Güter

Ökonomische Theorie der Politik B.1.2 Öffentliche Güter: partialanalytische Effizienz /ME MZ 1 + MZ 2 GK MZ 2 MZ 1 Menge Q optimal Die Bereitstellung eines öffentlichen Gutes sollte so lange ausgedehnt werden, bis die Kosten einer weiteren Einheit (GK) der von allen Nachfragern zusammen beigemessenen marginalen Zahlungsbereitschaft für diese weitere Einheit (MZ 1 + MZ 2 ) gleich ist allokativ effiziente Bereitstellungsmenge: Q optimal

Ökonomische Theorie der Politik B.1.3 Nichtrivalität und unzureichende private Bereitstellung /ME MZ 1 + MZ 2 GK + GK MZ 2 MZ 1 Menge Q 1 Q 2 Q optimal Auf privaten Märkten kommt es zu einem ineffizient geringen Niveau der Bereitstellung öffentlicher Güter (Q 2 < Q optimal ) Gegebenenfalls (z.b. bei GK + ) kommt es sogar zu gar keiner Bereitstellung, obwohl eine positive Bereitstellungsmenge gesellschaftlich wünschenswert wäre

Ökonomische Theorie der Politik B.1.4 Nichtausschließbarkeit und Trittbrettfahrerproblem HH 2 HH 1 beitragen nicht beitragen beitragen nicht beitragen 1 2-1 1-1 0 2 0 Gefangenendilemma : keiner der beiden Haushalte trägt zur Bereitstellung des öffentlichen Gutes bei, obwohl beide sich besser stellen würden, wenn jeder von ihnen zur Bereitstellung des öffentlichen Gutes beitragen würde

Ökonomische Theorie der Politik B.1.5 Staatliche Bereitstellung öffentlicher Güter: Einstimmigkeit im Lindahl-Modell O Steueranteil von B (S B ) S * D B Steueranteil von A (S A ) O G * D A Menge des öffentlichen Gutes die Nachfragemenge von A nach dem (öffentlichen) Gut nimmt mit steigendem persönlichen Steueranteil, S A, ab gleichzeitig steigt die Nachfragemenge von B nach dem (öffentlichen) Gut mit steigendem S A an im Gleichgewicht stimmen A und B für die selbe Menge an öffentlichen Gütern: G *

Ökonomische Theorie der Politik B.1.6 Staatliche Bereitstellung öffentlicher Güter: Medianwähler und Effizienz Effizientes Bereitstellungsniveau für ein öffentliches Gut: die Menge, für die die vertikale Summe der individuellen marginalen Zahlungsbereitschaften (Nachfrage) für das Gut gerade gleich den Grenzkosten der Produktion ist: Menge Q *, bei der D = GK Medianwählergleichgewicht: D M = T M Q M, d.h. die in einer Demokratie nachgefragte Menge an öffentlichen Gütern entspricht nicht systematisch der allokativ effizienten Menge Das Medianwählergleichgewicht führt nur dann zu einer effizienten Bereitstellungsmenge öffentlicher Güter, wenn der Anteil des Medianwählers an der Gesamtnachfrage dem Anteil des Medianwählers an den Gesamtkosten entspricht: Q M = Q *, wenn D M / D =T M /GK für die Realität vorstellbar: eine Abgabenerhebung, die zumindest näherungsweise dazu führt, dass die Steuer- und Abgabenanteile der einzelnen Bürger ihrem jeweiligen Anteil an der Nachfrage nach öffentlichen Gütern entspricht: Abgaben nach Äquivalenzprinzip (z.b. Zweckbindung der Einnahmen aus der Mineralölsteuer an den Ausbau des Straßennetzes) In einem Lindahl-Gleichgewicht wird die vom Medianwähler gewünschte Menge eines öffentlichen Gutes effizient sein

Medianwähler und Effizienz: Graphische Analyse Ökonomische Theorie der Politik B.1.7 P D GK D M T M Q M Q * Q Effizientes Bereitstellungsniveau für ein öffentliches Gut: Menge Q *, bei der D = GK Medianwählergleichgewicht: D M = T M Q M, d.h. die in einer Demokratie nachgefragte Menge an öffentlichen Gütern entspricht nicht systematisch der allokativ effizienten Menge