Allgemeine Pathologie



Ähnliche Dokumente
Dr. Chiara Noli, DVM, Dip ECVD

Mikroskopische Anatomie

Entzündung. Teil 24.

Kompendium Basiswissen Haut. Aufbau Funktionen Größe

Haut Dermis Hypodermis Anhangsgebilde der Haut Haare Nägel Drüsen 316

Schattauer Schattauer Schattauer. Schattauer. Schattauer. 15 Allgemeine Körperdecke.

Berufsdermatologie Funktion und Aufbau der Haut

Katzenschnupfen. - gemeinsam ist eine Entzündung im oberen Respirationstrakt

Allgemeine Pathologie. Anpassungsreaktionen. Metaplasie

mehrschichtiges Plattenepithel mit einer

Therapiebegleitende Hautpflege bei onkologischen Erkrankungen. Fachinformationen

Allgemeine Pathologie Zelltod

Duale Reihe Dermatologie Wissen ist für alle für alle! A2K Free Access to Knowledge

Allgemeines Grundsätzlicher Aufbau einer Epithelzelle Es gibt einige grundsätzliche Strukturelemente, die allen Epithelverbänden gemein sind.

Lernziele der Vorlesung Histologie. Die Studierenden sollen

Einteilung der Histokurse

Porcine Intestinale Adenomatose PIA

DIE HAUT. Synonym: Cutis, Derma. 2 Aufgaben : Schutzfunktion. Sinnesfunktion

Die Haut ist eine wunderbare Verpackung des Lebens, widerstandsfähig und hochsensibel zugleich

Dermatologie derma logos δερµα λογος

Entzündung. Teil 12.

2 Die menschliche Haut

Epi Histopathologische Untersuchung auf metastatische Aktivität

Allgemeine Pathologie. Störungen im Eiweißstoffwechsel

1 Anatomische und funktionelle Grundlagen

Immundefizienz-Virus bei Mensch bzw. Katze. - der Infektion mit einem Immundefizienz-Virus (HIV, SIV, FIV, BIF) und

Entzündung. Teil 15.

Histologie Kurs Spezielle Pathologie für Zahnmediziner. Kurz-Skript. 56 / Fokale fibröse Hyperplasie / Rhagade

Paul Scheidegger, Brugg allergieundhaut.ch

B. Epithelgewebe : E. Niere (Mensch), Goldner : - Darstellung der Grenze zwischen Rinde (Cortex) und Mark (Medulla) : 1.

Matthias Birnstiel. Haut. Modul. Medizinisch wissenschaftlicher Lehrgang CHRISANA. Wissenschaftliche Lehrmittel, Medien, Aus- und Weiterbildung

Spezielle Pathologie des Atmungstraktes. Teil 2

Schuppen und Krusten. Christine Löwenstein, Hofheim

Inhaltsverzeichnis. 01. Aufbau der Haut 02. Funktion der Haut

Einführung in die Mikrodermabrasion mit DMS - KOKO - Produkten

Allgemeine Pathologie. Störungen im Kupfer- Stoffwechsel

Krankheiten mit Hauptsitz Darmtrakt:

Histopathologie. Fall 30

Einleitung zu Pathologie des Atmungstraktes. Teil 2

Kenntnis der Ossifikation eines Röhrenknochens und der Strukturen eines Fingers

Pathologie des Ösophagus

Parvovirus Infektion Katze - Hund

Entzündung. Teil 18.

14 11 lle Ze a b c d e f g h 15

Fette und ihre Funktionen. Müssen Fette sein?

1.1 Eine komplexe Architektur Ein Organ mit zahlreichen Funktionen Ein Kommunikationsmodell 2

Das Zytoskelett. Struktur der Intermediärfilamente. Polymerisation/ Depolymerisation. Einteilung der Intermediärfilamente

Nichtneoplastische Veränderungen, die nicht vom Gewebe der Mamma ausgehen

ANALYSEPROTOKOLL NAHRUNG SONSTIGE EINFLÜSSE UMFELD KÖRPER REGULATION GIFTE PSYCHE ENERGIE

3. Signaltransduktion und Genaktivierung 29

Welche Form der Knochenverbindungen sehen wir bei diesem Knochen?

DIE WEISSE LINIE MEERWASSER KOSMETIK FRANZISKA TEEBKEN

Immunmediierte Hauterkrankungen des Pferdes ein Ausschnitt

Thematik der molekularen Zellbiologie Studienjahr 2004/05. I. Semester

Haut Anatomie und Funktion. Haut Anatomie und Funktion. Haut Anatomie und Funktion. Haut Anatomie und Funktion. Haut Anatomie und Funktion

Therapie mit Acitretin-haltigen Arzneimitteln: Was Sie wissen müssen

Allgemeine Tumorlehre I.

D D D Bestimmung des Zytokeratinprofils

Schweinepest, Europäische (Klassische)

Allgemeine Pathologie Gewebetod

Porcines Dermatitis Nephropathie Syndrom. Postweaning Multisystemic Wasting Disease

Spezielle Pathologie des Atmungstraktes. Teil 8

Tierärztliche Hochschule Hannover Institut für Pathologie

Mikroskopischer Kurs Allgemeine Pathologie 3. Chronische Entzündungen. Lernziele / Agenda: Was ist heute für sie /euch drin?

Haut und Hautanhangsgebilde

Auch heute wird noch diskutiert, ob Fluor zu den

Immunschwäche durch Zinkmangel? MEIN KLUGER RAT: ZINK-ASPARTAT. gleicht Zinkmangel aus und stärkt so Ihr Immunsystem

Die Entwicklung von B Lymphozyten

1. Einleitung und Problemstellung Immunhistochemische Techniken finden seit mehr als 30 Jahren in der Dermatohistologie Anwendung.

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Medizin (Dr. med.)

Immunbiologie. Teil 4

Spezielle Pathologie des Harntraktes. 11. Teil

5 Zusammenfassung. Zusammenfassung 76

Milchschorf und Fischschuppen

Bovine Virus Diarrhoe Mucosal Disease

Aufbau. Die Haut unser grösstes Organ

Kein Hinweis für eine andere Ursache der Demenz

Zukunftsblicke in der Wundpflege

Studienbrief 12 Ernährungsberater Thema: Spurenelemente

10.2 Klinische Symptomatik

Vitamin D Vitamin D (Calciferol) Struktur und Dosierungsformen. Dosierungsformen 1µg Vitamin D = 1µg Cholecalciferol (Vitamin D 3

Haut. Funktion: Schutz Regulation (Temperatur, Elektrolyt-, Wasserhaushalt) Sinnesorgan. an Körperöffnungen Übergang in Schleimhäute

Die Tumorzelle. Heinz Regele Klinisches Institut für Pathologie

Blasenbildung - Pathogenese

Teilgebiete der Dermatologie

Allgemeine Pathologie

Es gibt zwei verschiedene Heilungsmechanismen des Körpers: Reparatur und Regeneration.

Entzündung. Teil 2.

Spezielle Pathologie des Atmungstraktes. 11. Teil

Spezielle Pathologie des Harntraktes. 14. Teil

Transkript:

Allgemeine Pathologie Störungen Eiweißstoffwechsel Störungen der Verhornung

Störungen der Verhornung Normale Histologie (1): - äußere Haut besteht aus der Epidermis (Epithel), die auf einer Basalmembran ruht, und der bindegewebigen Dermis - rd. 85 % der Epidermis bestehen aus den Keratinozyten - der Rest verteilt sich auf Melanozyten (Pigmentzellen, Abkömmlinge der Neuralleiste), Langhans-Zellen (Teil des Dendritischen Zellsystems) und Merkelzellen (Tastzellen) - die Epidermis besteht aus vier Schichten, in denen die Zellen jeweils im gleichen Stadium der Synthese bzw. des programmierten Zelltodes sind

Störungen der Verhornung Normale Histologie (2): Stratum basale - die Zellen sind mit Hemidesmosomen an der Basalmembran und untereinander durch Desmosomen verbunden - zwischen den Zellen des Str. basale finden sich die Stammzellen der Epidermis Stratum spinosum (Stachelzellschicht) - die Zellen (Akanthozyten) sind voluminöser, meist in mehreren Schichten angeordnet - die Zellen sind durch zahlreiche Desmosomen miteinander verbunden, bei der Fixation werden diese aufgrund der Zellschrumpfung zu den namensgebend Stacheln

Störungen der Verhornung Normale Histologie (3): in Str. basale und spinosum finden die Zellteilungen statt (Stratum germinativum) im Interzellularraum findet sich Hyaluronsäure als Füllmaterial Stratum granulosum (Körnerzellschicht) - kennzeichnend sind die basophilen Keratohyalingranula, die aus Keratinfilamenten und Profilaggrin bestehen - ferner weisen sie Lamellenkörperchen auf, die ausgeschleust werden und eine wasserabweisende Lipidschicht zwischen den Zellen bildet - im Str. granulosum sterben die Zellen ab

Störungen der Verhornung Normale Histologie (4): Stratum corneum (Hornschicht) - besteht aus mehreren Lagen abgestorbener, verhornter Keratinozyten - die Zellen verlieren bis 80 % ihres Wassers - sie bestehen überwiegend aus Keratinfilamenten, die fest in eine Matrix aus Filaggrin eingebettet sind - die Zellmembran wird innen durch das Anlagern des Proteins Involucrin verdickt - die schuppenförmigen Zellen sind weiterhin durch ihre Desmosomen miteinander verbunden - die Zwischenräume sind durch die Lipide aus den Lamellenkörperchen versiegelt

Störungen der Verhornung Normale Histologie (5):

Störungen der Verhornung Normale Histologie (6): - Proliferation und Absterben = Desquamation sind eng aufeinander abgestimmt - Wachstumstimulierende Faktoren sind: - mechanische Belastung der Epidermis - Wachstumsfaktoren (IL-1 und IL-6, EGF, TGF- u.a.) - von besonderem Einfluß auf eine regelhafte Proliferation und Differenzierung der Epidermis sind das Spurenelement Zink sowie Vitamin A

Störungen der Verhornung Definition (1): - Störungen, die sich am verhornenden Plattenepithel (äußere Haut) abspielen - nicht dazu gerechnet werden Metaplasien der kutanen Schleimhaut, die mit Verhornung einhergehen - klassische Phänomene sind Hyperkeratose und Parakeratose (heute auch als ortho- bzw. parakeratotische Hyperkeratose bezeichnet) - früher wurden beide Veränderungen unter dem Oberbegriff Dyskeratose zusammengefaßt - heute versteht man unter Dyskeratose etwas anders

Störungen der Verhornung Definition (2): Hyperkeratose - eine Zunahme der Hautdicke durch Vermehrung der normalen Zellen des Str. corneum - sie kann auch auf einer mangelhaften Abstoßung der Hornzellen beruhen, sog. Retentionshyperkeratosen - sie kann auf einer vermehrten Teilungsrate im Str. germinativum und einer Verkürzung des Zellzyklus beruhen (G1-Phase), sog. Proliferationshyperkeratosen

Störungen der Verhornung Definition (3): Parakeratose - die Parakeratose wird auf eine überstürzte Zellbildung bei mangelhafter "Ausreifung" der Zellen zurückgeführt - sie ist gekennzeichnet durch eine unvollständige oder fehlende Keratinisierung der Keratinozyten (Reifungsstörung) - die Zellkerne bleiben bis in die oberste Zellage erkennbar (normal in der kutanen Schleimhaut!) - das Str. granulosum ist meist magelhaft ausgebildet - die Anzahl der Zellagen ist meistens vermehrt

Störungen der Verhornung Definition (4): Dyskeratose - sie ist nur histologisch sicher zu erkennen - es kommt zu einer vorzeitigen Keratinisierung mit apoptotischem Absterben einzelner Zellen im bereits im Str. spinosum - das Phänomn stellt sich bei verschiedenen Dermatitis- Formen ein

Definition (5): Störungen der Verhornung

Hyperkeratose Hyperkeratose (1): Makroskopie: die Veränderungen bei der Hyperkeratose reichen von einer vermehrten Schuppenbildung bis zur Bildung von Schwielen Histologie: hochgradige Vermehrung der Schichten des Str. corneum

Hyperkeratose Hyperkeratose (2): Retentionshyperkeratosen typische Retentionshyperkeratosen finden sich am Hufoder Klauenhorn als Folge einer mangelhaften Abnutzung oder Pflege (sog. Stallklauen)

Hyperkeratose Hyperkeratose (3): Proliferationshyperkeratosen (1) - diese Hyperkeratosen können angeboren oder erworben sein angeborene Hyperkeratosen - ein typisches, wen auch seltenes Beispiel ist die Fischschuppen-Krankheit (Ichthyosis congenita) der Rinder - der genaue Defekt ist nicht bekannt, ähnliche Bilder gibt es auch beim Menschen

Hyperkeratose Hyperkeratose (4): Proliferationshyperkeratosen (2) erworbene Hyperkeratosen - die häufigste erworbene Proliferationshyperkeratose beruht auf einer vermehrten Druck- oder Scherbelastung der Haut - besonders an Lokalisationen, wo die Haut direkt dem Knochen aufliegt - es kommt zur Ausbildung von Schwielen (Tyloma, von gr. tylos = Schwiele oder Collosita, von lat. callosus = dickhäutig)

Hyperkeratose Hyperkeratose (5): Proliferationshyperkeratosen (3) - wahrscheinlich beruhen auch die seltenen Hauthörner (Cornu cutaneum), die bei Rind und kleinen Wiederkäuern im Kopfbereich auftreten, auf einer mechanischen Irritation der äußeren Haut - von der Schwielenbildung muß der Keloid abgegrenzt werden, das sich gelegentlich im Bereich von Narben ausbildet und überwiegend auf der Zubildung von Bindegewebe in der Dermis beruht

Hyperkeratose Hyperkeratose (6): Proliferationshyperkeratosen (4) Vitamin A-Mangel - die Unterversorgung mit Vitamin A bzw. dessen Provitamin ( -Carotin) kann bei Rind und Schwein u.a. zu Störungen der Verhornung führen (Epithelschutz-Vitamin) - Vergiftungen mit chlorierten Naphtholverbindungen (in den 50iger Jahren), die u.a. als Holzschutzmittel eingesetzt worden waren, führten gehäuft beim Rind (xdisease) durch Hemmung der Umwandlung von Carotin in Vitamin A zu entsprechenden Bildern

Hyperkeratose Hyperkeratose (7): Proliferationshyperkeratosen (5) Staupevirus-Infektion - bei einem Teil der Fälle kommt es zur hochgradigen Hyperkeratose der Sohlenballen (hard pad disease) - Staupevirus ist über eine lange Zeit in zellen des Str. spinosum nachzuweisen - der genaue Mechanismus der Wachstumsstimulation ist bislang trotz umfangreicher in-vitro Untersuchungen unbekannt

Parakeratose Parakeratose (1): Zinkmangel - das Spurenelement Zink ist Bestandteil und Cofaktor von rund 300 Enzymen und von genregulatorischen Transkriptionsfaktoren (Zinkfinger-Proteine) - ein Mangel an Zink führt, neben der Beeinträchtigung des Immunsystems, zu Störungen der Keratinisierung - der Zinkmangel kann angeboren oder erworben sein

Parakeratose Parakeratose (2): Erbliches Zink-Malabsorptions-Syndrom beim Rind - Ursache ist eine Mutation in einem Gen für ein Transportprotein, das für die Aufnahme von Zink im Darm verantwortlich ist (SLC 39A4-Gen; aus der Gen-Familie der solute-linked carrier) - der Defekt ist seit langem als autosomal-rezessiv vererbter Letalfaktor A 46 bei verschiedenen Rinderrassen bekannt (geht zurück auf den Holland-Frisien Bullen Adema 21) - die Tiere zeigen ferner eine Immunschwäche infolge einer Zinkmangel-bedingten Thymushypoplasie

Parakeratose Parakeratose (3): Makroskopie: - die parakeratotische Haut ist hochgradig verdickt - in frühen Stadien ist die Haut feucht und schmierig - später trocknet sie ab und seit borkige Auflagerungen - behaarte Hautpartien verlieren ihre Haare

Parakeratose Parakeratose (4): Histologie: - entscheidende Veränderung in der verdickten Epidermis sollen erhaltene Zellkerne sein - in vielen Fällen findet sich eine hochgradige eitrige Dermatitis infolge einer bakteriellen Besiedlung der abwehrgeschwächten Epidermis - der genaue Mechanismus der Krankheit bei der Rasse Fleckvieh ist bislang unbekannt

Parakeratose Parakeratose (5): erblicher Zinkmangel - ein ähnliches Leiden ist bei bestimmten Hunderassen (Sibirischer Husky, aber auch Malamute und Samoyede) als "Zink-responsive Dermatose Typ I" beschrieben

Parakeratose Parakeratose (6): erworbener Zinkmangel - beim Schwein liegt meist eine mangelhafte Verfügbarkeit von Zink infolge eines hohen Calcium- bzw. Phytatgehaltes (bindet Zn ++ ) in der Nahrung zugrunde - ein sekundärer Zinkmangel ist auch bei schnellwüchsigen Hunderassen wie Dogge und Schäferhund bekannt (Zink-responsive Dermatose Zyp II), insbesondere bei Überversorgung mit Calcium und Vitamin D

Dyskeratose Dyskeratose: Histologie - die vorzeitige Keratinisierung zeigt sich an einzelnen Zellen im Str. spinosum - sie runden sich ab, treten aus dem Zellverband aus - ihr Zytoplasma ist deutlich eosinophil (rot), der Zellkern zeigt Kernpyknose (Hinweis auf Apoptose)