Labmagenverlagerung beim Rind

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Transkript:

Labmagenverlagerung beim Rind Laparaskopische Operation Vorstellung einer neuen Operationsmethode unter Sichtkontrolle 1

Diese tierärztlichen Informationen wurden zusammengestellt von: 2

Labmagenverlagerung eine ökonomisch bedeutungsvolle Erkrankung von Hochleistungsrindern Bei der Labmagenverlagerung des Rindes handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, in deren Folge der Labmagen erschlafft, sich mit Gas füllt und sich anschließend vollständig oder teilweise verlagert. Je länger die Verlagerung des Labmagens dauert, desto größer ist die Gefahr von Schädigungen des Labmagens durch Strangulation, von Verwachsungen mit anderen Organen und von zunehmenden Entzündungen in der Bauchhöhle. Bei chronischem Verlauf erfolgt neben einem dramatischen Abfall der Milchleistung auch eine zunehmende Verschlechterung des Allgemeinzustandes, die letztlich zum Verenden der Kuh oder zu deren Notschlachtung führt. 3

hoher wirtschaftlicher Schaden in Hochleistungsbetrieben: hohe Tierarztkosten durch gehäuftes Auftreten hohe Rate der erkrankten Kühe, die verenden oder notgeschlachtet werden müssen meist erkranken gerade die besten Kühe in der Herde: in Hochleistungsbetrieben können bis zu 20 % der Herde erkranken Labmagenverlagerung als Preis einer maximalen Milchleistung dadurch empfindliche Senkung der Ertrags, da durch Verlust der besten Kühe die Milchleistung deutlich sinkt 4

nur durch eine rechtzeitige Operation können befriedigende Ergebnisse erzielt werden! wird eine Labmagenverlagerung nicht rechtzeitig erkannt und nicht rechtzeitig operiert, wird eine erkrankte Kuh in der Regel mehrfach mit Injektionen und Infusionen behandelt. so entstehen in der Summe erhebliche Kosten trotzdem kann dauerhaft kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden. Trotz zwischenzeitlicher Besserung nimmt die Milchleistung weiter ab, der körperliche Zerfall nimmt weiter zu und am Ende steht oft trotzdem der Verlust der Kuh 5

fütterungsbedingte Faktoren bei der Entstehung von Labmagenverlagerungen: reduzierte Futteraufnahme durch saisonal unterschiedliche Futterqualität zu abrupter Rationswechsel in der Trockenstehperiode und zum Abkalbezeitpunkt zu wenig Aufnahme von strukturierter Rohfaser zu leistungsorientierte Rationsgestaltung bei Hochleistungskühen, die von der Stoffwechsellage her anfälliger sind deshalb bei Problembetrieben Fütterungsberatung!!!!!! 6

weitere begünstigende Faktoren für die Entstehung von Labmagenverlagerungen: Verfettung in der Trockenstehphase bis zum Abkalbetermin Schwergeburt Nachgeburtsverhaltung, Puerperalstörungen Festliegen Ketose Mastitis weitere Erkrankungen wie z.b. Klauenprobleme sämtliche Faktoren, die zu einer reduzierten Futteraufnahme führen 7

Symptome der Labmagenverlagerung: in 80-90% im 1. Monat nach dem Abkalben plötzliches Absinken der Milchleistung reduzierte Futteraufnahme pappiger Kot, z.t. grünlich, z.t. dünnflüssig-schwarz typische metallischklingelnde Geräusche bei der Schwingauskultation 8

Schwingauskultation bei Labmagenverlagerungen Auskultation (Abhören) bei gleichzeitiger Perkussion (Beklopfen) typisches hellklingendes metallisches Klingeln bei Verlagerung nach links: an der linken Bauchseite vor der Hungergrube und im letzten Zwischenrippenraum bei Verlagerung nach rechts: an der rechten Bauchseite in der Flanke und hinter den Rippen 9

Labmagenverlagerungen rechtzeitig operieren! gute Chancen bei rechtzeitiger Operation (v.a. bei Verlagerung nach links) dauerhafter Erfolg durch Fixation des Labmagens an der optimalen Stelle unter laparaskopischer Sichtkontrolle i.d.r. nur einmalige Kosten minimale Nachbehandlung schnelle Heilungszeit schnelle Wiedererlangung der normalen Milchleistung dadurch nur geringe Milchverluste Erhalt der besten Kühe in der Herde 10

Ablauf der laparaskopischen Labmagenoperation oberes Bild: nach links verlagerter Labmagen zwischen Milz und Pansen, kurz vor Punktion mit dem Trokar unteres Bild: teilweise zurückverlagerter Labmagen nach Entgasung und Positionierung des Toggles und Fixationsfadens 11

Laparaskopie: Operation ohne große Wunden (minimalinvasiv) und dennoch unter ständiger Sichtkontrolle 1. Schritt: Einführen der Instrumente und Aufsuchen des verlagerten Labmagens guter Operationsüberblick durch Beobachtung auf dem Monitor 2. Schritt: Punktion des Labmagens, Entgasung und Einführung des Toggles mit Fixationsfaden 12

Vorteil der laparaskopischen Operationsmethode gegenüber der Blindpunktion: Sichtkontrolle und Fixation an der optimalen Stelle letzter Schritt der Operation: kurzzeitiges Ablegen der Kuh in Rückenlage, laparaskopisches Aufsuchen des Fixationsfadens nach Zurückgleiten des entgasten Labmagens in seine richtige Position Festnähen des Fixationsfadens im Bereich des Nabels 13

weiterer Ablauf, Nachbehandlungen: ca. 1 bis 2 Stunden nach Beginn der Operation kann die Kuh wieder in die Herde verbracht werden Wartezeit Milch: 5 Tage rechtzeitig laparaskopisch operierte Kühe erholen sich relativ schnell die Futteraufnahme normalisiert sich bei normalem Verlauf binnen weniger Tage bereits nach wenigen Tagen nimmt die Milchleistung wieder deutlich zu, bis hin zum Normalmaß durch das Vernähen des Labmagens in seiner richtigen Position an der Bauchwand ist die Rezidivgefahr äußerst gering 14

entscheidend für den Erfolg der laparaskopischen Labmagenoperation ist das rechtzeitige Erkennen des Problems! Vorteile für den Milchbetrieb: Senkung der Tierarztkosten bei gleichzeitiger Verhinderung nennenswerter Milchverluste weniger Abgänge speziell der leistenden Kühe dadurch Erhöhung der durchschnittlichen Laktationszeit der Kühe des Betriebs durch längeren Verbleib im Betrieb dadurch Erhöhung der Milchleistung des Betriebes, da die melkenden Kühe erhalten bleiben 15

Beispiel eines Milchbetriebes mit hochleistungsbedingtem Auftreten von Labmagenverlagerungen Betriebsgröße: 150 ha Zahl der Milchkühe: 120 Rasse: Schwarzbunt Milchleistung: 9900 l Spitzenkühe bis 68 l / Tag 16

in den letzten Jahren wurden in diesem Betrieb 16 Labmagenverlagerungen laparaskopisch operiert sämtliche auf diese Art operierten Kühe konnten erhalten bleiben die Kühe erholten sich schnell und erlangten nach kurzer Zeit wieder hohe MLP-Werte nahezu alle betroffenen Kühe gehörten zur Spitzengruppe des Betriebs, so daß deren Erhalt besonders wichtig war Grundlage für die sehr hohe Erfolgsquote ist die Überzeugung des Betriebsleiters, die erkrankten Kühe schnellstmöglich operieren zu lassen 17

Zitate des Landwirts: früher hatte ich eine hohe Zahl von Abgängen durch Verendung oder Notschlachtung unbekannter Ursache. Seit ich Labmägen operieren lasse, ist dieses Problem gelöst seit 3 Jahren konnte ich die Tierarztkosten trotz gestiegender Zahl an Milchkühen und gestiegener Milchleistung deutlich senken wenn eine Kuh nicht frißt und mit der Milch abfällt, bin ich mittlerweile beruhigt, wenn es ein Labmagen ist es sind oft die besten Kühe die betroffen sind 18

Zitate des Landwirts: Kühe mit Labmagenverlagerung, die ich habe operieren lassen, kommen schon in der ersten Laktationsperiode nach der Operation beinahe an 10.000 l Milchleistung heran die erste Kuh, die ich habe operieren lassen, habe ich neulich schon wieder das dritte mal besamt die durchschnittliche Laktationszeit im Bestand ist, seit ich Labmägen operieren lasse, deutlich gestiegen, durch Erhaltung dieser Tiere Fazit für meinen Betrieb: eine der rentabelsten Maßnahmen 19

Beispiele von MLP-Werten von wegen Labmagenverlagerung operierten Kühen vor und nach der Operation: Nr. Laktationsleistung Laktationsleistung in Nächste Laktation vor Periode mit Labmagenoperation Labmagenoperation 1 7327 7127 9552 2 7876 9172 noch nicht beendet 8683 noch nicht beendet 3 4 9491 8912 noch nicht beendet 5 8670 8516 11773 6 9891 10587 11313 7 8771 8502 10730 8 12380 10380 14271 9 9002 11248 10 10677 noch nicht beendet 11071 13232 9447 Abgang 11 12022 12 13 9866 9363 noch nicht beendet 14 10744 8316 10780 20