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Transkript:

VS PLUS Zusatzinformationen zu Medien des VS Verlags Statistik I Deskriptive und Explorative Datenanalyse 2010 Übungsaufgaben und Lösungen Erkenntn nisgewinnung und Datenerhebung in der Psychologie [Übungsaufgaben und Lösungenn Erkenntnisgewinnung und Datenerhebung in der Psychologie]

ÜBUNGSAUFGABEN ZU ERKENNTNISGEWINNUNG UND DATENERHEBUNG IN DER PSYCHOLOGIE 1.1 Geben Sie bitte an, bei welchen der folgenden Sätze es sich nicht um wissenschaftliche Hypothesen handelt und warum. a) Brillenträger lesen genauso viel wie Nichtbrillenträger. b) Samstags gibt es auf der Kreuzung Kurfürstendamm Ecke Hardenbergstraße mehr Verkehrsunfälle als sonntags. c) Übungsaufgaben sind überflüssig. d) Schulbildung, Berufserfahrung und Geschlecht beeinflussen das Risiko, arbeitslos zu werden. e) Im 17. Jahrhundert waren die Menschen glücklicher als heutzutage. 1.2 Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen der wissenschaftlichen Psychologie und der Alltagspsychologie? 2.1 Charakterisieren Sie die folgenden Merkmale (Variablen) nach der Art ihrer Ausprägungen (dichotom, kategorial, kontinuierlich), ihrer Messbarkeit (manifest oder latent) sowie ihrer möglichen Rolle in einem Forschungsprozess (AV und/oder UV). a) Lebensalter b) Geschwindigkeit (km/h) c) soziale Kompetenz d) Klausurnote e) Staatsangehörigkeit f) Geschlecht 2.2 Welche Ausprägungen könnten folgende Merkmale haben? Nennen Sie mindestens 2 Ausprägungen. Handelt es sich dabei um dichotome, kategoriale oder kontinuierliche Variablen? a) Gewicht b) Geschlecht c) Beruf d) Wohnort e) Geld 2.3 Bestimmen und diskutieren Sie für die nachfolgenden Fälle das Skalenniveau: a) Postleitzahlen b) Anzahl der Personen im Statistikkurs zu einem bestimmten Veranstaltungstermin c) Gewicht (in kg), das ein Junge hochheben kann d) Telefonnummern e) Metrisches System zur Entfernungsmessung f) Anzahl der Fragen, die jemand in der Klausur richtig beantwortet hat g) Schulnoten 2.4 Gesunde (codiert mit einer 1), Neurotiker (codiert mit einer 2), Psychotiker (codiert mit einer 3): um welche Skala handelt es sich? 2.5 Kann man bei einer Intervallskala sagen, dass eine Person A, die auf dieser Skala einen Werte von 20 aufweist, doppelt so viel von dem gemessenen Merkmal hat wie eine Person B, deren Wert 10 beträgt?

2.6 Die Temperaturskala nach Celsius ist eine Intervallskala. Zu welchem Skalenniveau gehört die Fahrenheitskala? 2.7 In einer Untersuchung wurde folgende Hypothese untersucht: Hintergrundmusik führt zu besseren Leistungen in einem Vokabeltest. Erläutern Sie kurz, worin unabhängige und abhängige Variable bestehen. 2.8 Geben Sie für die folgenden Begriffe jeweils an, ob es sich um Bezeichnungen für Variablen oder Variablenausprägungen, um manifeste oder latente Merkmale, um dichotome, kategoriale oder kontinuierliche Merkmale handelt: grün, Alter, geringes Selbstwertgefühl, schlechtes Gewissen, schlechtes Wetter, Haarfarbe, Belastbarkeit, Deutschnote 2, Porschefahrerin. 3.1 Nehmen Sie an, Sie hätten in einer Untersuchung zum Einfluss von Musik auf Lernen beobachtet, dass die Teilnehmer im Mittel 38 von 40 Aufgaben in einem Vokabeltest korrekt lösen, wenn sie während der Lernphase Musik hören. Was können Sie aus dieser Beobachtung schließen? Warum? 3.2 Warum gelten Untersuchungen, in denen keine Randomisierung vorgenommen wurde, nicht als echte Experimente? 3.3 Wie unterscheiden sich interne und externe Validität? 3.4 Was ist das zentrale Merkmal eines Quasi Experiments? 3.5 Sie wollen die Effektivität zweier Methoden zum Lesen lernen miteinander vergleichen (Ganzwortmethode und Buchstabenmethode). Sie haben zwei Grundschulklassen zur Verfügung und bestimmen zufällig, welche Klasse nach welcher Methode unterrichtet wird. Ist das ein Experiment oder ein Quasi Experiment? 3.6 Wie lässt sich das Problem der Reaktivität in Beobachtungsstudien vermindern? 3.7 Sie möchten die Hypothese untersuchen, dass man Gelerntes besser wiedergeben kann, wenn die Situation beim Abruf des Gelernten der Lernsituation entspricht. Wie könnte ein entsprechendes Experiment aussehen?

LÖSUNGEN 1.1 Keine wissenschaftlichen Hypothesen sind die Aussagen c) und e). Bei Aussage c) handelt es sich lediglich um ein Werturteil. Eine empirisch prüfbare Hypothese könnte z.b. lauten: Studierende empfinden Übungsaufgaben als überflüssig. Die Aussage e) ist zwar eine Hypothese, sie ist aber nicht wirklich wissenschaftlich, denn sie lässt sich empirisch nicht nachprüfen, da entsprechende Daten über die Befindlichkeit der Bevölkerung im 17. Jahrhundert nicht vorhanden sind. 1.2 In der wissenschaftlichen Psychologie versucht man, mithilfe von Forschungsmethoden empirische Belege für zu überprüfende Annahmen zu finden. In der Alltagspsychologie werden Annahmen meist nicht nachgeprüft; damit kommt es zu einer größeren Anzahl an falschen Annahmen. Der Unterschied liegt vor allem in den Methoden, mit denen kritisch und fortlaufend Behauptungen sowie Annahmen untersucht werden. 2.1 Merkmal Art ihrer Ausprägungen Messbarkeit Rolle im Forschungsprozess Lebensalter kontinuierlich manifest meist unabhängig Geschwindigkeit (km/h) kontinuierlich manifest unabhängig und abhängig Soziale Kompetenz kontinuierlich latent unabhängig und abhängig Klausurnote kontinuierlich manifest unabhängig und abhängig Staatsangehörigkeit kategorial manifest unabhängig Geschlecht dichotom manifest unabhängig Anmerkung zur Rolle im Forschungsprozess: Eine Variable kann sehr oft als unabhängige oder abhängige Variable im Forschungsprozess fungieren. Dabei kommt es ausschließlich auf die Untersuchungshypothese und die damit verbundene gezielte Versuchsanordnung an. Beispielsweise kann soziale Kompetenz als unabhängige Variable variiert werden, um Unterschiede hinsichtlich einer beliebigen anderen (abhängigen) Variable zwischen unterschiedlich sozial kompetenten Personen zu messen. Andererseits könnte soziale Kompetenz auch die Position der abhängigen Variable einnehmen, anhand derer man erkennen möchte, ob eine mögliche variierte (manipulierte) unabhängige Variable (z.b. Geschlecht) Unterschiede verursacht. 2.2 Merkmal Ausprägungen Art ihrer Ausprägungen Gewicht 50, 78, 90 kg kontinuierlich Geschlecht männlich, weiblich dichotom Berufsstatus Student, Arbeiter, Angestellter kategorial Wohnort Dortmund, Bremen, Leipzig kategorial Geld 0, 2000, 30000 Euro kontinuierlich

2.3 Merkmal Skalenniveau Begründung Postleitzahl Nominalskala Weist nur jedem Ort(steil) eine eindeutige Kennzeichnung zu. Anzahl der Personen im Statistikkurs zu einem bestimmten Veranstaltungstermin Gewicht (in kg), das ein Junge hochheben kann Verhältnisskala Verhältnisskala Anzahl, natürliche Einheit Es existiert ein natürlicher Nullpunkt. Telefonnummer Nominalskala Weist jedem Anschluss eine eindeutige Kennzeichnung zu. Metrisches System zur Entfernungsmessung Anzahl der Fragen, die jemand in der Klausur richtig beantwortet hat Verhältnisskala Verhältnisskala Es existiert ein natürlicher Nullpunkt. Anzahl, natürliche Einheit Schulnoten Ordinalskala/ Intervallskala Je nachdem, ob die Noten die Unterschiede in den fachlichen Kenntnissen tatsächlich widerspiegeln (also Differenzen inhaltlich interpretierbar sind) oder nur eine Rangfolge angeben. 2.4 Das hängt davon ab, was die Zahlen ausdrücken sollen. Geht es nur um die numerische Kennzeichnung der Gruppen, sind die Zahlen wie nominalskalierte Werte zu behandeln. Sollen Sie hingegen den Grad der psychischen Störung ausdrücken, so können sie als ordinalskalierte Werte behandelt werden. 2.5 Nein, da man auf Intervallskalenniveau den Nullpunkt beliebig verschieben kann. Damit ist eine Aussage über Verhältnisse nicht möglich. 2.6 Die Fahrenheitskala ist ebenfalls eine Intervallskala. Sie lässt sich mittels der linearen 9 Transformation F = C + 32 aus der Celsiusskala erstellen. 5 2.7 Hintergrundmusik könnte die unabhängige Variable sein. Sie wird variiert (z.b. über 2 Gruppen, in denen Hintergrundmusik während dem Lernen der Vokabeln zu hören ist oder nicht). Leistungen in einem Vokabeltest könnte die abhängige Variable sein. Sie wird gemessen und soll mögliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen der unabhängigen Variablen erkennbar machen.

2.8 Variablen: Alter, Haarfarbe, Belastbarkeit Variablenausprägungen: grün, geringes Selbstwertgefühl, schlechtes Gewissen, schlechtes Wetter, Deutschnote 2, Porschefahrerin Manifest: grün, Alter, schlechtes Wetter, Deutschnote 2, Porschefahrerin Latent: geringes Selbstwertgefühl, schlechtes Gewissen, Belastbarkeit Dichotom: Kategorial: grün, Haarfarbe, Porschefahrerin Kontinuierlich: Alter, geringes Selbstwertgefühl, schlechtes Gewissen, schlechtes Wetter, Belastbarkeit, Deutschnote 2 3.1 Aus diesem Ergebnis lässt sich nichts schließen, da eine zur systematischen Überprüfung des Einflusses der Variation der unabhängigen Variable Hintergrundmusik auf die abhängige Variable Lernleistung in einem Vokabeltest benötigte Kontrollgruppe fehlt. Ohne diese Kontrollgruppe fehlen Informationen darüber, wie viel überhaupt ohne Hintergrundmusik gelernt wird. Diese Versuchsanordnung stellt also kein Experiment dar. 3.2 Echte Experimente zeichnen sich dadurch aus, dass man die Unterschiede in einer abhängigen Variable eindeutig auf die Wirkung der unabhängigen Variable zurückführen kann. Ohne eine zufällige Aufteilung der Personen auf die Bedingungen der unabhängigen Variable (= Randomisierung) kann der Einfluss von Störvariablen (andere Variablen, in denen sich die Gruppen unbemerkt unterscheiden, z.b. Alter, Geschlecht, Intelligenz etc.) nicht ausgeschlossen werden. Demnach kann man nicht mit Sicherheit sagen, dass nicht eine andere Variable die Unterschiede in der abhängigen Variable verursacht hat. Die interne Validität ist damit nicht gesichert. 3.3 Interne und externe Validität beziehen sich jeweils auf andere Aspekte des Untersuchungsergebnisses. Während die interne Validität ausdrückt, ob die in einer abhängigen Variable gemessenen Unterschiede eindeutig auf die Wirkung einer unabhängigen Variable zurückgeführt werden können oder aber alternative Erklärungen eine Rolle spielen (bspw. wenn keine Randomisierung vorgenommen wurde), beantwortet die externe Validität die Frage nach der Generalisierbarkeit (Übertragbarkeit) der Ergebnisse einer Studie auf andere Personen, Zeiten und Situationen (bspw. wird durch das Ziehen einer repräsentativen Zufallsstichprobe eine größere Generalisierbarkeit gesichert). 3.4 Bei Quasiexperimenten kann keine Randomisierung (d.h. zufällige Aufteilung der Personen auf die Bedingungen der unabhängigen Variable) vorgenommen werden, da die zu untersuchenden Gruppen bereits existieren (z.b. durch festgelegte Variablen wie Geschlecht, Krankheitsbilder, Berufsgruppen etc.). 3.5 Man kann zwar zufällig bestimmen, in welcher Klasse welche Methode (Ganzwort vs. Buchstaben) gelernt wird, aber das alleine ist nicht ausreichend. Entscheidend ist, dass alle Schüler durch ihre Angehörigkeit zu einer Klasse automatisch in einer der Bedingungen sind. Man kann demnach die Schüler nicht zufällig auf die Bedingungen verteilen, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass es noch andere Variablen gibt, in denen sich die Klassen systematisch unterscheiden und die damit den Unterschied in der abhängigen Variable beeinflussen (z.b. könnten die Schüler der Klasse A in der Vergangenheit von einem besseren

Deutschlehrer unterrichtet worden sein als die Schüler der Klasse B, sodass sich von vornherein Unterschiede in der Lesefähigkeit der Schüler also Klasse A besser lesend als Klasse B ergeben). Es handelt sich demnach um ein Quasiexperiment. 3.6 Das Problem, dass Personen ihr Verhalten ändern, wenn sie wissen, dass sie beobachtet werden, nennt man Reaktivität. Reaktivität kann zur Verfälschung der Beobachtungsergebnisse führen, da kein gewohntes, sondern viel mehr ein aufgrund von äußeren Faktoren beeinflusstes Verhalten gezeigt wird. Eine Möglichkeit, um diesem Problem entgegenzuwirken, ist die Methode der verdeckten Beobachtung. Dabei wird beispielsweise über eine Videokamera das Erleben und Verhalten von Personen indirekt beobachtet. 3.7 Zuerst wird eine Zufallsstichprobe gezogen, in der alle Personen inhaltslose Zahlenfolgen lernen müssen. Die unabhängige Variable des Experiments stellt die Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung von Lern und Reproduktionssituation dar. Die Zuteilung der Personen auf die zwei Gruppen der unabhängigen Variable (Übereinstimmung von Lern und Reproduktionssituation vs. Nicht Übereinstimmung von Lern und Reproduktionssituation) erfolgt durch Randomisierung. Die Güte der Lernleistung (in Form der Anzahl von richtig erinnerten Wörtern) fungiert hierbei als abhängige Variable. Alle Störfaktoren (z.b. durch die Umgebung, durch die Erwartung der Versuchspersonen und des Versuchsleiters usw.) werden kontrolliert. Damit handelt sich um ein Experiment mit einfaktoriellem, univariatem between subjects Design. (andere Designs sind natürlich auch möglich).

http://www.springer.com/978-3-531-16939-2