Konzepte und Instrumente des Controllings Ethische Implikationen des Controllings WS 2012/2013
Gliederung: Legalität vs. Legitimität Ethical Management Grundüberlegungen Weltethos? Controlling und Ethik 2
Legalität vs. Legitimität Die unsichtbare Hand (Adam Smith) Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen-, sondern an ihre Eigenliebe, und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil. The social responsibility of business is to increase its profits Die unsichtbare Faust (Thomas Malthus) Theorie öffentlicher Güter Theorie externer Effekte Theorie sozialer Dilemmata 3
Legalität vs. Legitimität Die Legitimitätsvermutung des ökonomischen Prinzips ist erschüttert. Aufgrund der Unvollkommenheiten der Märkte führt eine Eigennutzmaximierung nicht automatisch auch zur Gemeinwohlmaximierung 4
Legalität vs. Legitimität Das Wirtschaftssystem ist Teil der Gesellschaft. Sein Ziel- und Wertsystem darf daher nicht in Widerspruch zu gesellschaftlichen Zielen und Werten stehen, sonst verliert das Wirtschaftssystem seine gesellschaftliche Legitimität. 5
Legalität vs. Legitimität Störung der Fremdversorgung des Wirtschaftssystems durch den Staat als Regelgeber Störung der Arbeitsteilung zwischen BWL und VWL Legitimationsverantwortung fällt an das Unternehmen und den Einzelnen zurück. Welche Rolle spielt das Controlling in diesem Zusammenhang? 6
Ethical Management Deutschland Skeptische Grundeinstellung Zunehmende Bedeutung Schleppende Entwicklung von Ethikprogrammen 7
Ethical Management Sustained competitive success Shareholder value creation Key value drivers Low costs Innovative strategies Loyal and profitable customers Ethical reporting Beyond Budgeting White Paper, June 2002 8
Ethical Management Ethical Accounting is a way for organisations to be accountable to their stakeholders, but is also a management tool to improve the performance of the organisation. The Institute of Social and Ethical AccountAbility 9
Ethical Management Standards of ethical conduct for IMA Members COMPETENCE Members have a responsibility to: CONFIDENTIALITY Members have a responsibility to: INTEGRITY Members have a responsibility to:.. Refuse any gift, favor, or hospitality that would influence or would appear to influence their actions... OBJECTIVITY Members have a responsibility to: 10
Ethical Management [C]orporate executives [do not] answer only to shareholders. There is a long list of interest groups that exercise influence in the head offices and boardrooms of the world. Employees and unions, customers and consumer advocates, bankers and creditors, environmentalists, governments and the public at large all have legitimate interests that you have to balance off against the shareholders desire to make money. (Bemmels, 2004) Die aus dieser Abwägung resultierende unterschiedliche Zielerfüllung der einzelnen Stakeholder muss auf Basis allgemein anerkannter Werte und Normen begründet sein, sonst birgt sie das Risiko des Legitimitätsverlustes. 11
Ethical Management Lessons learned: Überlebenskritische Notwendigkeit für das Management sich um Gesellschaftliche Akzeptanz zu kümmern! Insbesondere durch: Etablierung und konsequente Einhaltung von Normen (Siemens, ENRON) Integration ökologischer Aspekte (Shell, BP, Nestlé) Integration sozialer Aspekte (Nestlé, Schlecker) => Ökonomische, ökologische und soziale Konsequenzen von Entscheidungen abwägen! 12
Grundüberlegungen Moral: Bestand an faktisch herrschenden Normen eines abgegrenzten Kulturkreises Ethos: Innere Grundhaltung, die sich nach bestimmten Normen und Maßstäben richtet (Moralität, Tugend) Ethik: Lehre / Wissenschaft von Moral und Ethos normativ: Suche nach Maßstab für das Gute deskriptiv: Untersuchung von Moral und Ethos 13
Grundüberlegungen Wer handelt moralisch? A. will Arbeitsplätze erhalten, sagt die Wahrheit, Unternehmen überlebt B. will Arbeitsplätze erhalten, sagt die Wahrheit, Unternehmen insolvent C. will Arbeitsplätze erhalten, lügt, Unternehmen überlebt D. will Arbeitsplätze erhalten, lügt, Unternehmen insolvent E. will Karriere machen, sagt die Wahrheit, Unternehmen überlebt F. will Karriere machen, sagt die Wahrheit, Unternehmen insolvent G. will Karriere machen, lügt, Unternehmen überlebt H. will Karriere machen, lügt, Unternehmen insolvent 14
Grundüberlegungen 15 Typen ethischer Argumentation Bewertungsgrundlage: Moralisch ist, das Gute zu wollen (Gesinnungsethik) tun (Handlungsethik / Pfllichtenethik) erreichen (Folgenethik) Ort der Moral: Individuum Institution Öffentlichkeit Entscheidungsmethoden (Formale / prozedurale Ethik): Monologische Ethik Diskursethik Implementation von Moral: Persönliches Ethos Äußere Moral / Anreize
Grundüberlegungen Begründbarkeit von Normen: Münchhausen-Trilemma (H. Albert) Infiniter Regress Zirkelschluss Dogma ABER: Die Unbedingtheit eines ethischen Anspruchs lässt sich nur von einem Unbedingten her begründen 16
Weltethos? Gibt es allgemein akzeptierte universelle Normen ( Weltethos )? das Prinzip Menschlichkeit (Humanität), die»goldene Regel«der Gegenseitigkeit (Reziprozität), die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau. Weltethos.org 17
Controlling und Ethik Controlling hat immer auch eine ethische Dimension: Situationsabhängig müssen Controller ethisches Handeln begrenzen oder unterstützen. Weber / Schäffer 2011, S. 51.. kann (und muss) Controlling.. ethisch orientiertes Handeln begrenzen, wenn sich dieses nicht rechnet Weber / Schäffer 2011, S. 52 18
Controlling und Ethik Gerechtes Anreizsystem Marktgerechtigkeit Anforderungsgerechtigkeit Leistungsgerechtigkeit Sozialgerechtigkeit Anreizgerechtigkeit Bedarfsgerechtigkeit Erfolgsgerechtigkeit Verteilungsgerechtigkeit 19 Qualifikationsgerechtigkeit Nach Kößler 2001, S. 133
Controlling und Ethik Unterstützungspotenzial des Anreizsystems für das normative Management Menschenbild: Bounded Opportunism "Es gilt die Anreizstrukturen durchgängig so zu gestalten, dass ethisch verantwortungsvolles Handeln belohnt und rücksichtsloses, allein an persönlichen Bereicherungs- oder Karrierezielen orientiertes Verhalten demotiviert wird statt umgekehrt" Ulrich 2001, S. 457 Was honoriert wird, wird auch gemacht. Göbel 2010, S. 243 20
Controlling und Ethik Compliance Integrität Zielsetzung Steuerungsphilosophie Verhaltensannahme, Menschenbild Maßnahmen Konformität mit externen Verhaltensstandards, speziell mit Gesetzen herstellen Begrenzung diskretionärer Handlungsspielräume, um kriminelles Handeln zu verhindern Vom materiellen Eigeninteresse geprägtes Wesen; muss extrinsisch motiviert werden Schulungen, Einschränkung von Handlungsspielräumen, Überwachung und Kontrolle, Strafen Moralische "Selbststeuerung" des Mitarbeiters erreichen Ermöglichung moralischen Handeins Soziales Wesen, welches von Eigeninteresse, aber auch von Idealen, Werten und Vorbildern beeinflusst wird Schulungen, Vorbild der Führungskräfte, Freiräume für persönliche Verantwortung, Maßnahmen bei der Organisation und bei den Entscheidungsprozessen, Überwachung und Kontrolle, Strafen 21
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