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Transkript:

Einführung in die praktische Philosophie Vorlesung 6. Der Nutzen heiligt die Mittel. Der Handlungsutilitarismus Claus Beisbart TU Dortmund Sommersemester 2009

Thema Eine Handlung ist genau dann moralisch richtig, wenn sie den Nutzen maximiert. Das ist die Hauptaussage des Handlungsutilitarismus.

Erläuterungen Mit dem Nutzen ist der Gesamtnutzen gemeint. Der Gesamtnutzen ergibt sich, indem man den Nutzen für alle Beteiligten aufsummiert. Dabei wird unterstellt, dass man Nutzen quantitativ bemessen kann. 2. Das Prinzip ist so zu verstehen, dass von allen Handlungsalternativen, die zur Wahl stehen, diejenige zu wählen ist, die den Gesamtnutzen maximiert. Wenn es mehrere Handlungsalternativen gibt, die den Gesamtnutzen maximieren, dann ist eine beliebige von diesen zu wählen.

Beispiel 1 Handlungssituation: Eine Studentin fragt mich nach der vierten Vorlesungswoche, ob sie noch an der Vorlesung teilnehmen kann. Handlungsalternativen: Der Bitte stattgeben (H1) oder nicht (H2). Utilitaristische Überlegung: Mir schadet es geringfügig (Nutzen H1 für mich: -1), wenn die Studentin teilnimmt, weil ich dann noch einen Essay mehr korrigieren muss. Bei H2 entsteht für mich kein Nutzen (Nutzen H2 für mich: 0). Für die anderen Studierenden im Kurs haben beide Alternativen den gleichen nämlich keinen Nutzen (Nutzen für sie: H1: 0, H2: 0). Die Studentin profitiert sehr stark, wenn ich ihrer Bitte nachkomme, es schadet ihr, wenn ich sie nicht zulasse (Nutzen für sie H1: 30, H2: -20).

Beispiel 1 Nutzen H1 Gesamtnutzen H2 Ich andere Studentin gesamt Ich andere Studentin gesamt Ergebnis: Es ist moralisch richtig, der Bitte der Studentin nachzukommen (Gesamtnutzenbilanz).

Beispiel 2 Fragestellung: Ein grundlegendes Problem in der Moralphilosophie betrifft die Frage, ob und wann eine Strafe moralisch gerechtfertigt ist. Der Utilitarist empfiehlt immer dann eine Strafe, wenn der Gesamtnutzen dadurch maximiert wird, zum Beispiel weil die Gesellschaft vor eventuellen Straftaten geschützt wird. Aus der Sicht des Utilitaristen ist eine Strafe dann nicht richtig, wenn sie niemandem nützt.

Gliederung der Vorlesung 1. Was soll der Utilitarismus? 3. Zur Interpretation des Utilitarismus. a. Was ist Nutzen? b. Wie gehen wir mit Unwissen um? c. Um wessen Nutzen geht es? 4. Argumente für den Utilitarismus a. Die Attraktivität des Utilitarismus b. Mills Argument für den Utilitarismus c. Harsanyis Überlegungen

1. Was soll der Utilitarismus? Wir waren in der ersten Vorlesung von Stellungnahmen und Bewertungen ausgegangen. Einige Stellungnahmen und Bewertungen qualifizieren wir als moralisch. Beispiele aus der Alltagssprache: Ich halte es für moralisch bedenklich, wenn Behinderte ausgegrenzt werden. Es ist Deine moralische Pflicht, jetzt nicht davonzurennen. Häufig qualifizieren wir auch die Überlegungen, die die Grundlage einer Stellungnahme oder Bewertung bilden, als moralisch: Ich verurteile Folter aus moralischen Gründen.

Moral Nicht alle Bewertungen, Stellungnahmen oder Überlegungen hinter Stellungnahmen kann man als moralisch qualifizieren. Mein Auto kann nicht moralisch richtig oder gut sein. Anschlussfrage: In welchem Zusammenhang kann eine Bewertung, Stellungnahme moralisch sein? Antwort: Moralische Stellungnahmen geben wir in der Regel zu - Handlungen - Handlungsmotiven - Personen und ihren Charakteren ab.

Moral Inhaltlich zeichnen sich moralische Stellungnahmen/ Überlegungen dadurch aus, dass sie die Perspektive der einzelnen Person übersteigen und alle Betroffenen berücksichtigen. Moralische Bewertungen sind in diesem Sinne unparteilich. Die moralischen Stellungnahmen, die in einer Gesellschaft akzeptiert werden, nennen wir die Moral der Gesellschaft. Zu diesen Stellungnahmen gehören auch die moralischen Normen, die allgemein für bestimmte Umstände ein bestimmtes Handeln fordern.

Moral Moralische Normen lauten etwa: Man muss Versprechen halten. Man darf nicht stehlen oder das Eigentum anderer beschädigen. Moralische Normen sind von Rechtsnormen und gesellschaftlichen Normen zu unterscheiden. Im Zusammenhang von moralischen Normen spricht man oft auch von moralischen Pflichten.

Moral Ein wichtiger moralischer Begriff ist der der moralischen Richtigkeit/Falschheit. Er wird vor allem auf einzelne Handlungen angewandt. Fragen: 1. Welche Handlungen sind moralisch richtig? Eine besonders befriedigende Antwort auf diese Frage wäre ein Entscheidungskriterium, anhand dessen wir eindeutig entscheiden können, wann eine Handlung moralisch richtig ist. 2. Was macht eine Handlung moralisch richtig?

Utilitarismus Der Utilitarismus gibt ein Entscheidungskriterium an, mithilfe dessen man feststellen kann, welche Handlung in einer bestimmten Situation richtig ist: Aus den vorhandenen Handlungen ist diejenige auszuwählen, die den Gesamtnutzen maximiert. Dabei erhebt der Utilitarismus auch den Anspruch, Frage 2 zu beantworten. Was ein Handeln für den Utilitaristen richtig macht, ist dessen maximaler Nutzen.

Moralische Theorien Wir können den Utilitarismus als eine moralische Theorie auffassen. Eine moralische Theorie versucht die eben genannten Fragen in systematischer Weise zu beantworten. Der Utilitarismus ist eine besonders einfache moralische Theorie, weil die Richtigkeit einer Handlung nur auf den maximalen Nutzen zurückgeführt wird.

Geschichte Vorgeschichte: Der Nutzen spielt eine wichtige Rolle in der Ethik/Moralphilosophie von D. Hume. Hume beobachtet, dass wir häufig Charaktereigenschaften loben, die in der einen oder anderen Weise nützlich sind.

Geschichte Jeremy Bentham gilt als der klassische Begründer des Utilitarismus. Wichtiges Werk: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation (1789, verbesserte Neuauflage 1823)

Geschichte J. St. Mill verfeinert den Utilitarismus weiter und verteidigt ihn. Werk: Utilitarianism (1863)

Geschichte H. Sidgwick verteidigt ebenfalls den Utilitarismus. Werk: Methods of Ethics (1874, viele Auflagen) Der Utilitarismus ist die dominierende moralische Theorie im angelsächsischen Sprachraum. Bilder von en.wikipedia.org

2. Zur Interpretation des Utilitarismus Das Prinzip des Utilitarismus: J. Bentham Unter dem Prinzip der Nützlichkeit ist jenes Prinzip zu verstehen, das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder mißbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern, oder das gleiche mit anderen Worten gesagt dieses Glück zu befördern oder zu verhindern. Ich sagte: schlechthin jede Handlung, also nicht nur jede Handlung einer Privatperson, sondern auch jede Maßnahme der Regierung. Introduction, I.1 (zitiert nach Höffe, 35 f.)

2. Zur Interpretation des Utilitarismus Kurzformel: J. Bentham the greatest happiness of the greatest number Introduction, I, Zusatz 1822

Das Prinzip des Utilitarismus Mill: Die Auffassung, für die die Nützlichkeit oder das Prinzip des größten Glücks die Grundlage der Moral ist, besagt, daß Handlungen insoweit und in dem Maße moralisch richtig sind, als sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit moralisch falsch, als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken. S. 13

Das Prinzip des Utilitarismus Sidgwick: By Utilitarianism is here meant the ethical theory, that the conduct which, under any given circumstances, is objectively right, is that which will produce the greatest amount of happiness on the whole; that is, taking into account all whose happiness is affected by the conduct. Methods of Ethics

Das Prinzip des Utilitarismus 3. Unsere Version: Eine Handlung ist genau dann moralisch richtig, wenn sie (innerhalb aller möglichen Handlungsalternativen) den Gesamtnutzen maximiert. Anmerkungen: Bentham und Mill setzen statt Nutzen Glück. Dabei handelt es sich um eine bestimmte Konkretion von Nutzen. Eine Handlung kann nur richtig oder nicht richtig sein, unterschiedliche Maße von Richtigkeit gibt es nicht. Daher ist die Formulierung von Sidgwick am besten.

a. Was ist Nutzen? Mills Warnung: Alltagssprachlich wird der Nutzen oft dem Selbstwert, dem Schönen, dem Angenehmen entgegengesetzt. (Beispiel: Bildung mag keinen Nutzen haben, ist aber höchst wichtig) Mill: Mit Nutzen ist gerade das gemeint, was Selbstwert hat, was angenehm ist etc.

Formale Anforderungen Wie immer Nutzen präzisiert wird, die Präzisierung muss bestimmten Anforderungen genügen, wenn der Utilitarismus Sinn machen soll: 1. Nutzen muss quantitativ bestimmbar sein 2. Der Nutzen für unterschiedliche Beteiligte muss aufaddierbar sein (andernfalls lässt sich kein Gesamtnutzen berechnen)

i.hedonistischer Utilitarismus Nutzen ist Lust (Wortherkunft: von gr. hedone = Lust) Schaden ist Schmerz. Der Utilitarismus wird damit zu einem Lustkalkül Zu den Forderungen: 1. Lust und Schmerz scheinen quantitativ bestimmbar hinsichtlich ihrer Intensität und Dauer 2. Vielleicht können wir die Intensität einer Lust für unterschiedliche Personen bestimmen und dann aufaddieren.

Benthams Lustkalkül Bentham: Berechnung des Nutzens richtet sich nach folgenden Eigenschaften einer Lust: - Intensität - Dauer - Sicherheit - Entfernung - Fruchtbarkeit (Wahrscheinlichkeit, dass der Freude weitere Freuden folgen) - Reinheit (Wahrscheinlichkeit, dass der Freude kein Schmerz folgt) - Reichweite, was die betroffenen Personen angeht. Ähnlich für Schmerz/Unlust

Mill Unter Glück [happiness] ist dabei [beim Prinzip des Utilitarismus] Lust [pleasure] und das Freisein von Unlust [pain], unter Unglück Unlust und das Fehlen von Lust zu verstehen S. 13

Zur Begründung [die Lebensauffassung, auf der der Utilitarismus beruht, besagt:] daß Lust und das Freisein von Unlust die einzigen Dinge sind, die als Endzwecke wünschenswert sind, und daß alle anderen wünschenswerten Dinge (die nach utilitaristischer Auffassung ebenso vielfältig sind wie nach jeder anderen) entweder deshalb wünschenswert sind, weil sie selbst slustoll sind oder weil sie Mittel sind zur Beförderung von Lust und zur Vermeidung von Unlust. S. 13

Probleme des hedonistischen Utilitarismus 1. Wie sind das Freisein von Schmerz und die Lust zu gewichten? Beispiel: Was ist besser, A.ein Schmerz der Stärke x und eine Lust der Stärke x oder B.Kein Schmerz und keine Lust Mögliche Antwort: Letztlich gibt es eine Skala, auf der sich Lust und Schmerz messen lassen. Idee: Positive Werte für Lust und negative Werte für Schmerz

Probleme des hedonistischen Utilitarismus 2. Kann man die Lust, die unterschiedliche Menschen empfinden, überhaupt miteinander vergleichen? 3. Gibt es nicht viele Arten von Lust? Wenn ja, wie kann man unterschiedlichen Arten von Lust in ein Verhältnis bringen? 4. Ist das Lebensideal hinter dem Utilitarismus nicht einfach völlig implausibel? Sollte sich wirklich alles um die Lust drehen? Wie ist es etwa mit der Lust sich zu kratzen?

Mills qualitativer Utilitarismus Mills Antwort auf die Frage 4. Wir müssen zwischen wertvollen und weniger wertvollen Lüsten unterscheiden. Erstere sind im utilitaristischen Kalkül höher zu werten. Beispiel: Geistige Lust ist wertvoller. Qualitativer hedonistischer Utilitarismus: Es kommt nicht nur auf Intensität und Dauer der Lust (und damit ihre Quantität) an, sondern auch auf deren Qualität (S. 15). Was heißt es, dass eine Lust wertvoller ist als eine andere? Menschen, die beide Arten von Lust kennen, wählen die erste Lust (ibid.).

Mills qualitativer Utilitarismus Kritik: Damit hat Mill den Utilitarismus im Kern aufgegeben. Es wird ein Bewertungskriterium eingeführt, das nichts mehr mit der Quantität von Lust zu tun hat. Damit geht die Eindimensionalität des Utilitarismus verloren. Problem auch: Wie genauer sind höher stehende Lüste mit anderen Lüsten zu verrechnen?

Präferenzutilitarismus Neue Version des Utilitarismus im zwanzigsten Jahrhundert: Präferenzutilitarismus. Grobe Idee: Der Nutzen ist der Grad, in dem die Wünsche der beteiligten Personen erfüllt werden. Grob also: Der Präferenzutilitarismus zeichnet diejenige Handlung aus, die es den Beteiligten so weit wie möglich recht macht. Details: Siehe unten.

b. Der Umgang mit Unwissen Problem: Normalerweise lässt sich nicht genau vorhersagen, welche Handlung welchen Nutzen bringt. Ausweg: Oft lässt sich wenigstens eine Wahrscheinlichkeit angeben, mit der eine Handlung einen bestimmten Nutzen bewirkt.

Beispiel Fortsetzung des Beispiels oben: Wenn ich die Studentin in das Seminar lasse, dann gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Die Studentin macht noch den Schein, daher großer Nutzen für sie und insgesamt (wie oben) 2. Die Studentin schafft es nicht, den Schein in dieser Veranstaltung zu machen, und sitzt umsonst darin, weil sie die Veranstaltung im nächsten Semester nochmal machen muss.

H1 Beispiel H2 oder

Verfahren für H1 H1 29 Wahrscheinlichkeit P= 0,6 oder -21 Wahrscheinlichkeit P= 0,4 Erwartungswert des Gesamtnutzens E[U]: 0,6*29 + 0,4*(-21) = 9

H1 Ergebnis H2 Erwartungsnutzen E[U] = 9 Erwartungsnutzen E[U] = -20 oder H1 ist moralisch richtig, da es den größeren Errwartungsnutzen hat

Also Entscheidungsbaum Was maximiert werden soll, ist nicht der Nutzen, sondern der Erwartungswert des Nutzens. U 1,1 U 1,2 U 1,3 U 2,1 U 2,2 U 2,3 P 1,1 P 1,2 P 1,3 P 2,1 P 2,2 P 2,3 H1 H2 E [U H1]= P 1,i U 1,i E [U H2 ]= P 2,i U 2,i

Illustration Welche Lotterie würden Sie wählen? (Der Einsatz ist in beiden 0 Euro): Gewinne in Euro 100 0 1000 1 P 1,1 =0,1 P 1,2 =0,9 P 2,1 =0,02 P 2,2 =0,98 L1 L2

Einwand In unserem Beispiel ist der Erwartungsnutzen für H1 größer als für H2. Nehmen wir an, ich habe den Erwartungsnutzen nach bestem Wissen abgeschätzt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass H1 richtig ist. Ich lasse die Studentin in die Vorlesung, aber dann tritt doch der Fall ein, dass die Studentin umsonst in der Vorlesung sitzt, d.h. es entsteht ein Schaden. Sollten wir in diesem Fall nicht sagen, es war letztlich doch falsch, die Studentin zuzulassen? Analog: Was ist, wenn sich eine Person aufgrund von Unwissen bei der Berechnung des Nutzens vertut und letztlich durch ihr Handeln Schaden verursacht?

Antwort Wir unterscheiden objektive und subjektive Richtigkeit. Wir können dann sagen: Ich habe subjektiv (d.h. vor dem Hintergrund meines Wissens/meiner Überzeugungen) richtig gehandelt. Aber ich habe objektiv (d.h. wenn man alles, was geschieht, miteinbezieht) nicht richtig gehandelt. Weil ich subjektiv richtig gehandelt habe, kann man mir keinen moralischen Vorwurf machen, aber man kann natürlich bedauern, was geschehen ist.

Insgesamt Die Folgen unseres Handelns können wir oft nicht genau vorhersehen. Aber vielleicht können wir sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Handlung diese oder jene Folgen hat. In diesem Fall sollten wir in der Praxis versuchen, den Erwartungsnutzen zu maximieren. Problem: Auch dazu brauche ich immer noch viel Information: Woher bekomme ich zum Beispiel die Wahrscheinlichkeiten?

Entscheidungstheorie Entscheidungsbäume sind auch aus der Entscheidungstheorie bekannt. Dort spielt auch der Nutzenbegriff eine große Rolle. Genau dieser Nutzenbegriff ist für den Präferenzutilitarismus sehr wichtig. Basis der Entscheidungstheorie: Präferenzen über Optionen. Beispiel: Ich esse ein Schnitzel. Ich esse eine Torte Ich esse eine Pizza Ich ziehe das Schnitzel der Pizza und diese der Torte vor.

Rationalitätsforderungen Terminologie: a > p b heißt: Ich ziehe a gegen b vor Hier: Schnitzel > p Pizza, Pizza > p Torte Nicht alle Zusammenstellungen von Präferenzen sind rational: Beispiel: Schnitzel > p Pizza Pizza > p Torte Torte > p Schnitzel Ausschluss durch Transititätsforderung: Wenn a > p b und b > p c, dann a > p c.

Utilities Idee: Wir wollen meine Präferenzen beschreiben, indem wir den Optionen i Zahlen u(i) (utilities, Nutzenfunktionen) zuordnen. Dabei soll gelten: u(a) > u(b), falls a > p b (größere Zahlen beschreiben Optionen, die ich anderen Optionen vorziehe) Im Beispiel: Schnitzel > p Pizza > p Torte u(schnitzel) = 3, u(pizza) = 2, u(torte) = 1. Keine Eindeutigkeit: u(schnitzel) = 12, u(pizza) = 4, u(torte) = 2 ginge auch. Bemerkung: Das funktioniert nur, wenn bestimmte Rationalitätsforderungen erfüllt sind.

Utilities Bisher haben wir keine Eindeutigkeit der utilities. Idee: Vielleicht ziehe ich die Pizza der Torte weniger vor als ich das Schnitzel der Pizza vorziehe. Wenn wir beschreiben können, um wieviel, dann können wir etwas Willkür bei der Zuordnung der Utilities vermeiden. Bild: Schnitzel Pizza Torte Alltagssprachlich Erst kommt für mich das Schnitzel und dann lange nichts. Ob ich eine Pizza oder eine Torte bekomme, ist mir fast egal. Intuitiv gibt es also so etwas wie Abstände zwischen den Optionen. Wenn wir die messen, dann erhalten wir eindeutigere utilities.

Eine neue Option Lösung: Lotterie Schnitzel Torte P 1 P Anschaulich: Wenn ich diese Lotterie auf der Speisekarte wähle, dann wirft der Wirt eine Münze. Mit Wahrscheinlichkeit P (Kopf) erhalte ich dann das Schnitzel, mit der Wahrscheinlichkeit 1 P (Zahl) die Torte.

Optionen Eine neue Wahl Schnitzel Torte Pizza P 1 P Die Lotterie ist eine Mischung aus Torte und Pizza. Der Wert, den ich ihr zubillige, sollte zwischen dem Wert von Torte und Schnitzel liegen. Für großes P ist er ganz nah an dem Wert des Schnitzels (und dann ziehe ich die Lotterie der Pizza vor, weil mir das Schnitzel so wichtig ist); für ganz kleines P ist der Wert ganz nah an dem der Torte (und dann ziehe ich die Pizza der Lotterie vor, weil ich ja Pizza Torte vorziehe). Frage: Ab welchem P wähle ich die Pizza gegenüber der Lotterie?

Eine neue Wahl Optionen Schnitzel Torte Pizza P 1 P Wenn ich das Schnitzel der Pizza viel stärker vorziehe als die Pizza der Torte vorziehe, dann werde ich selbst für kleines P die Lotterie der Pizza vorziehen.

Utilities Idee: Mit Hilfe von Lotterien kann ich genau bestimmen, um wie viel ich das Schnitzel der Pizza vorziehe im Vergleich, um wie viel ich die Pizza der Torte vorziehe. Damit erhalte ich im wesentlichen eine eindeutige Zuordnung einer Zahl (utility) zu einer Option. Beispiel: u(schnitzel) = 12, u(pizza) = 4, u(torte) = 2 Damit kann ich quantitativ angeben, wie wichtig mit eine Präferenz ist. Bemerkung: An dieser Stelle gehen weitere Annahmen an, die man durchaus bestreiten kann. Außerdem braucht man etwas Mathematik, um die utilities zu bekommen. Siehe etwa Resnik (1987)

Repräsentationstheorem v. Neumann und Morgenstern: Beginne mit Optionen und Lotterien, die man aus diesen Optionen bilden kann. Nimm eine Präferenzordnung über Optionen an. Nimm Rationalitätsforderungen für die Präferenzordnung an. Es folgt: Die Optionen lassen sich fast eindeutig mit utilities beschreiben. Der Wert, der einer Lotterie zugebilligt wird, ist deren Erwartungsnutzen. Die Option, die in der Präferenzordnung die höchste Präferenz ist, hat den höchsten Erwartungsnutzen.

Folgerungen 1. Ein quantitativer Nutzenbegriff lässt sich auf der Basis von rationalen Präferenzen einführen. 2. Hinsichtlich dieses Nutzenbegriffs erweist es sich als rational, den Erwartungsnutzen zu maximieren. Dieser Nutzenbegriff ist die Basis für den Präferenzutilitarismus. Probleme: Die formalen Ergebnisse beziehen sich auf eine Entscheidung. Die formalen Ergebnisse sind rein intrapersonal, es wird also nicht zwischen verschiedenen Personen verglichen.

c. Wessen Nutzen? Zurück zum Handlungsutilitarismus und seinem Entscheidungskriterium. Bisher haben wir vom Nutzen aller Betroffenen gesprochen. Aber wer ist gemeint? Um wessen Nutzen geht es letztlich? Standardantwort: Im Prinzip muss der Einfluss meines Handelns auf alle Menschen miteinbezogen werden. De facto sind natürlich viele Handlungssituation so, dass es nur wenige Betroffene gibt. Beispiel: Peter überlegt sich, ob er im nächsten Semester ein Seminar zu Hegel oder zu Kant belegt. Diese Wahl dürfte kaum einen Einfluss auf die Menschen in Afrika haben.

Dabei Jeder Betroffe zählt genau einmal (Unparteilichkeit!) Bentham (nach Mill): Everyone counts as one and none as the more for one Aber: Gerade der hedonistische Utiltarismus legt nahe, dass wir alle fühlenden Wesen, insbesondere auch Tiere in den Nutzenkalkül aufnehmen.

Eine Subtilität Gesamtnutzen vs. Durchschnittsnutzen. Der Gesamtnutzen ist die Summe der Nutzen aller Betroffenen. Der Durchschnittsnutzen ergibt sich, wenn man den Gesamtnutzen durch die Anzahl aller Betroffenen teilt. Was soll man maximieren, den Gesamtnutzen oder den Durchschnittsnutzen? In der Regel macht das keinen Unterschied, aber

Beispiel Eine Handlung kann einen Einfluss auf die Bevölkerungszahl haben. Dann muss man zwischen Gesamtnutzen und Durchschnittsnutzen unterscheiden. Beispiel: Ein Regierungschef hat die Option, das Kindergeld zu erhöhen oder nicht zu erhöhen. Wenn das Kindergeld erhöht wird, dann gibt es eine größere Bevölkerung. Zahlenwerte: Kein Kindergeld Kindergeld Restbevölkerung Zusätzliche Kinder

Beispiel Der Gesamtnutzen steigt hier beim Kindergeld. Nicht aber der Durchschnittsnutzen Unterschiedliche Antworten seitens der Utilitaristen. Restbevölkerung Zusätzliche Kinder

3. Argumente für den Utilitarismus a. Die Attraktivität des Utilitarismus i. Einfaches Theorieformat. Die Theorie ist monistisch, weil letztlich nur eine Größe zählt, nämlich der Nutzen. Die gesamte Moral reduziert sich damit auf einen Nutzenkalkül. Im Prinzip sind daher alle moralischen Fragen auflösbar.

Attraktivität ii. Der Utilitarismus hat eine interessante Kombination von Situationsabhängigkeit und Prinzipientreue. Auf der einen Seite: Welches Handeln moralisch richtig ist, hängt oft von der Situation ab. Allerdings: Wenn man immer nur sagt: Es hängt von der Situation ab, dann droht die Moral beliebig zu werden. Es sollte auch angegeben werden, wie man bestimmt, was moralisch richtig ist. Dem Utilitarismus zufolge hängt, was richtig ist, signifikant von den Umständen ab (welche Alternative hat welchen Nutzen etc.). Aber: Der Utilitarist hat aber auch ein Prinzip, mit dem er die richtige Handlung bestimmen kann.

Attraktivität iii. Anbindbarkeit an die empirischen Wissenschaften. In der Ökonomie wird häufig mit Nutzen und mit Entscheidungstheorie gearbeitet. iv. Einige Utilitaristen behaupten, dass man mit dem Utilitarismus große Teile der Alltagsmoral rekonstruieren kann. Also: Der Utilitarismus würde dann in vielen Situationen genau auf die Handlungsempfehlung führen wie die Alltagsmoral

b. Mills Beweis für den Utilitarismus Bei Mills Beweis des Utilitarismus geht letztlich nur um die Wertvorstellungen, auf denen der Utilitarismus aufbaut. Mill will zeigen, dass nur das Glück im Sinne von Lust wünschenswert ist. Mill: 1. Alle streben nach dem Glück (im Sinne von Lust). 2. Alles, was wir erstreben, erstreben wir um des Glücks willen oder als Teil des Glücks. 3. Daher hat letztlich nur das Glück intrinsischen Wert, ist nur das Glück wünschenswert.

Probleme mit Mills Beweis 1. Darf man von dem, was die Menschen erstreben, auf das schließen, was wünschenswert und wertvoll ist? 2. Erstreben die Menschen wirklich nur Lust? 3. Folgt, dass ich mit jeder richtigen Handlung das gesamte Glück der Menschheit im Auge behalten muss?

c. Die Überlegungen von Harsanyi Illustration: Handlungsalternativen: Sozialismus oder Kapitalismus (wir können uns etwa vorstellen, dass es eine Person in ihrer Macht hat, einen Soz. oder einen Kap. zu implementieren) Jede einzelne Person hat ihre Präferenzordnung über die beiden Alternativen. Diese Präferenzordnung wird im allgemeinen vom Eigeninteresse bestimmt sein (muss sie aber nicht).

Bild Person 1 Person 2 Person 3.. S K S K S K

Die Überlegungen von Harsanyi Ziel: Konstruktion einer moralischen Präferenzordnung. Intuition: Moral heißt, die eigene Perspektive zu überschreiten und die Interessen der anderen zu berücksichtigen. Dabei muss man Unparteilichkeit walten lassen. Idee: Damit die eigene Perspektive aus dem Blick gerät, nehmen wir folgendes Szenario an: Für die Konstruktion der moralischen Präferenzordnung weiß ich nicht, welche Person ich sein werde. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine bestimmte Person bin, ist 1/n, wobei n die Bevölkerungszahl ist.

Bild 1 2 3 S K S K S K P =1/n S K

Folgerung Idee: Wende nun Entscheidungstheorie an. Die Entscheidungstheorie sagt, dass wir den Erwartungsnutzen maximieren sollen. In unserem Szenario ist nun aber der Erwartungsnutzen der Durchschnittsnutzen in der Bevölkerung (das liegt einfach daran, dass ich nicht weiß, wer ich sein werde und dass über die Personen gemittelt wird). Also muss die moralische Präferenzordnung dem Durchschnittsnutzen folgen und die höchste moralische Präferenz maximiert den Durchschnittsnutzen. Daher ist die richtige moralische Wahl diejenige Option, die den Durchschnittsnutzen maximiert. Das ist aber genau das, was der Präferenzutilitarismus sagt. Daher: Der Präferenzutilitarismus liefert die einzige rationale moralische Präferenzordnung.

Probleme 1. Die Überlegung von Harsanyi setzt die interpersonelle Vergleichbarkeit von Nutzenfunktionen voraus. Das ist jedoch problematisch. 2. Rawls: In der Situation, die Harsanyi angibt, ist es nicht richtig, die Wahrscheinlichkeiten 1/n zu setzen. 3. Rawls: In der Situation, die Harsanyi angibt, ist es rational, das Risiko zu minimieren, und nicht, den Erwartungsnutzen zu maximieren. 4. Sollte man nicht unsoziale und irrationale Präferenzen von vornherein ausschließen?

Bemerkung Beim Moralphilosophen R. M. Hare finden sich der Sache nach ähnliche Überlegungen wie bei Harsanyi. Hare: Das moralische Urteil ist universalisierbar. Das heißt, ich muss ein moralisches Urteil aus jeder Rolle heraus akzeptieren können. Das Urteil Ich sollte jetzt von A das Geld zurückfordern, das er mir geliehen hat muss ich auch aus der Rolle von H heraus akzeptieren können. Folgerung bei Hare: Ich muss alle Präferenzen gleichermaßen berücksichtigen. Verteidigung des Präferenzutilitarismus

Literatur Originalliteratur: Mill, J. St., Utilitarianism, deutsch: Der Utilitarismus, zitiert nach Stuttgart 1976 Höffe, O. (Hrsg.), Einführung in die utilitaristische Ethik. Klassische und zeitgenössische Texte, München 1975 (es gibt neuere Auflagen) Empfohlene Sekundärliteratur: Darwall, S., Philosophical Ethics, Boulder 1998, Kapitel 13 und 14. Slote, M., Mill on Utilitarianism, London 1997 Zur Entscheidungstheorie: Resnik, M., Choices. An Introduction to Decision Theory, Minneapolis 1987