Intelligenzminderung
Intelligenzminderung ist eine sich in der Entwicklung manifestierende, stehen gebliebene oder unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeiten, mit besonderer Beeinträchtigung von Fertigkeiten, die zum Intelligenzniveau beitragen, z. B. Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten (Dilling et al. 2005). Insofern ist sie eine Eigenschaft von Lernfähigkeit, die aber nicht unabhängig von den von der jeweiligen Person gestellten Anforderungen und nicht unabhängig von gesellschaftlichen Normierungen gesehen werden kann.
Definition! Mehrdimensional! Nicht nur eigenschaftsorientiert, sondern interaktional! Entwicklungsabhängig! Keine psychische Krankheit, aber Prävalenzrate für psychische Störungen 3 bis 4mal erhöht.
Intelligenzminderung ist eine deutlich unterdurchschnittliche Ausbildung der geistigen Leistungsfähigkeit, sodass Anpassungs- und Verständigungsfähigkeit, zwischenmenschliche Interaktion, eigenständige Versorgung, sprachliche, emotionale, motorische und lebenspraktische Fähigkeiten, Selbstbestimmtheit, schulische Fertigkeiten des Lesens, des schriftlichen Ausdrucks, des Rechnens und anderer kognitiver Funktionen und somit auch die Anpassungsfähigkeit bei Anforderungen der beruflichen Arbeit, Freizeit, Erziehungsfähigkeit, Gesundheit und auch Sicherheit wesentlich beeinträchtigt sind (ICD-10: F 70; DSM-IV:317)
! Frühkindliche Veranlagung! Besteht lebenslang! Für die Diagnose müssen sowohl eine Minderung des Intelligenzniveaus als auch eine Anpassungsstörung bei Anforderungen des täglichen Lebens vorliegen.
Der Intelligenzquotient ist als eine Richtlinie zur Einschätzung der allgemeinen intellektuellen Leistungsfähigkeit zu verstehen. Der Intelligenzquotient wird durch individuell durchgeführte standardisierte Intelligenztests bestimmt, die auf die jeweiligen kulturellen Gegebenheiten angepasst sein sollten und deren Auswahl das individuelle Leistungsniveau und zusätzliche spezifische Behinderungen (Sprachprobleme, Hörminderung, Sehbehinderung, körperliche Beeinträchtigung) zu berücksichtigen hat. IQ zwei SD unter dem Mittelwert unter ca. 70
Problematik Messfehler Je jünger das Kind, desto geringer die prognostische Validität des Tests Testabhängigkeit der IQ Werte Motivationale Aspekte Kulturabhängigkeit. Intelligenzniveau nicht allein bestimmend für Betätigung (Activity) und Teilhabe (Participation).
Epidemiologie, Komorbidität Gesamtprävalenz IQ<50 0,3-0,49% Bei IQ bis 70 0,39-5,76% 5,4 Jungen und 2,9 Mädchen auf 1000 Personen. Komorbidität mit organischen (Hör-Sehstörung) und psychischen Erkrankungen. Dissoziationen Sprache vs. allgemeine intellektuelle Entwicklung (z.b. Williams Syndrom)
Ätiologie, Pathogenese Schwere geistige Behinderung: Pränatale Defekte Leichte gb: Korrelationen familiär. Soziale Einflüsse.
Standardwerte (IQ-Scores) der sehr früh Geborenen und Kontrollen in Kaufmann- ABC mit 81/2 Jahren nach Sozialschicht aufgespalten (SIF = Skala intellektueller Fähigkeiten; FS = Fertigkeitenskala; mod. Nach Wolke u. Meyer 1999)
Intelligenzentwicklung perinataler Risikokinder (BRI = Anzahl der für jedes Kind zutreffenden biologischen Risiken [ 4 in Abhängigkeit vom familiären Milieu]; SRI = sozialer Risikoindex, Anzahl der für jedes Kind zutreffenden psychosozialen Risiken; mod. Nach Meyer-Probst u. Reis 1999)
Prä- und perinatale Ursachen Pränatal: Genetisch, chromsomale Anomalien, mütterliche Infektionen, toxische Einwirkungen in der Schwangerschaft, strukturelle und funktionelle Entwicklungsstörungen des Gehirns. Perinatal: intrapartale Versorgungsstörungen, Hypoxie, Hirnblutungen, extrem unreife Frühgeburt. Postnatal: Apnoe, bakterielle Hirnhautentzündung, Hirntumoren, Impfschäden.
Diagnose HAWIK, HAWIVA K-ABC Non-verbale Intelligenztests TBGB Testbatterie für geistig behinderte Kinder Vineland Social Maturity Scale, Münchner funktionelle Entwicklungsdiagnostik
Intelligenzminderung Äußert sich durch eine verzögerte motorische und sprachliche Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren. Leichtere Formen werden oft erst im Schulalter erkannt. Bedeutung der Frühförderung.