Mikroökonomik B 5. Informationsökonomik

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Transkript:

Mikroökonomik B 5. Informationsökonomik Paul Schweinzer 16. Juni 2009. 1 / 11

Literaturangaben Jehle, G. und P. Reny (2001), Kapitel 8.1 Varian, H. (2007), Kapitel 36 Bolton, P. & M. Dewatripont (2005), Contract Theory, MIT Press Bester, H. (2007), Vorlesungsnotizen zur Informationsökonomie, FU Berlin. 2 / 11

Themen So die Zeit ausreicht, werden wir folgende Themen behandeln 7.1 Adverse Selektion a b Signalisierungsspiele c Aussiebespiele Da für jedes Kapitel in diesem Kurs zumindest ein Nobelpreis vergeben wurde, hier die Referenz bezüglich des aktuellen Kapitels: 2001: George Akerlof, Michael Spence und Joseph Stiglitz for their analyses of markets with asymmetric information. 3 / 11

Def. Eine Situation, in der alle Spieler die gleiche Information besitzen, ist gekennzeichnet durch symmetrische Information. Def. Eine Situation, in der die einzelnen Spieler voneinander verschiedene Information besitzen, ist gekennzeichnet durch asymmetrische Information. Es geht also um die Info-Verteilung in einer Situation, symmetrische Information impliziert nicht notwendigerweise vollkommene Information: in Situationen in der alle Spieler der gleichen Info-Unvollkommenheit ausgesetzt sind, herrscht symmetrische Information, asymmetrische Information inkludiert aber notwendigerweise Info-Unvollkommenheiten. 4 / 11

Einige Konsequenzen von asymmetrischer Information Das erste Wohlfahrtstheorem ( jedes Wettbewerbs-Gw führt zu einer (Pareto-)effizienten Ressourcen-Allokation ) bricht zusammen, weil nicht mehr alle separaten Märkte beobachtbar sind. Es treten Rationierungsphänomene auf, dh Märkte räumen nicht notwendigerweise da Preisanpassungen zum markträumenden Preis für unbeobachtbare Qualitäten nicht stattfinden können. Neoklassische Institutionen (Modigliani-Miller-Theorem): Die Kapitalstruktur eines Unternehmens (Eigenkapital vs Fremdkapital) ist irrelevant. Dh die Form von Finanzinstitutionen wie zb Banken ist irrelevant. Unter asymmetrischer Information sind verschiedene Institutionen sinnvoll (Monitoring). 5 / 11

Beispiele asymmetrischer Information Wenn eine Firma einen Arbeiter einstellt, dann ist dieser üblicherweise besser über seine Fähigkeiten informiert als die Firma. Wenn eine Versicherungsgesellschaft eine Person krankenversichert, dann weiß die betreffende Person gewöhnlich mehr über ihren Gesundheitszustand als die Versicherung. Am Markt für gebrauchte Fahrzeuge ist der Verkäufer eines Gebrauchtwagens üblicherweise besser über die Qualität des Wagens informiert als der Käufer. 6 / 11

(Beschränkte) Effizienz Die übliche Definition von Pareto-Effizienz verlangt vollkommene Information und besagt, daß eine Situation dann effizient ist, wenn es nicht möglich ist eine Person besser zu stellen ohne eine andere schlechter zu stellen. Wenn die Information asymmetrisch verteilt ist (denken sie an private Typen), dann ist dieses Kriterium generell nicht mehr erfüllbar. Zudem ist es relativ intuitiv, daß auch ein Sozialer Planer die private Information der Spieler nicht kennt. Unter asymmetrischer Information benutzen wir folgende Idee: Def. Wir nennen eine Allokation beschränkt Pareto-effizient (später: Second-Best), wenn eine zentrale Instanz, welche die private Information der Spieler nicht kennt, keine Pareto- Verbesserung über diese Allokation erzielen kann. 7 / 11

Anreizmechanismen Beispiel: Eine Gruppe von Individuen kann durch Kooperation einen gemeinsamen Überschuss erwirtschaften. Die Höhe dieses Überschusses hängt von den Anstrengungen (oder der Information) der einzelnen Mitglieder ( Agenten ) der Gruppe positiv ab. Diese Handlungen sind aber nicht beobachtbar (verifizierbar). Die Agenten haben einen Anreiz zu opportunistischem Verhalten: die individuell optimale Aktion stimmt nicht mit dem für die Gesamtgruppe optimalen Verhalten überein. Ein Mechanismus, der für die einzelnen Agenten Anreize setzt, eine für die Gruppe (oder einen Prinzipal ) bessere Anstrengung als die individuell optimale zu leisten, heißt Anreizmechanismus. 8 / 11

Vertragstheorie Das ökonomische Teilgebiet der Vertragstheorie beschäftigt sich mit der Analyse von Anreizmechanismen. Ein Vertrag ist eine Allokation von Ressourcen mit zugehörigen Auszahlungen. Unter asymmetrischer Information ist ein Vertrag bedingt auf die verfügbare Information. Praktisch besteht ein Vertrag oft aus geforderten Anstrengungen (bzw dem Erreichen bestimmter Kriterien) und dafür getätigten Zahlungen. Anreizprobleme treten unter asymmetrischer Information dann auf, wenn es nicht möglich ist, einen vollständig bedingten Vertrag zu verfassen, der die (effizienten) Aktionen aller beteiligten Parteien für jeden möglichen Zustand der Welt festlegt. 9 / 11

Adverse Selektion Def. Adverse Selektion tritt auf, wenn die Handelsentscheidungen eines Individuums von dessen privater Information auf eine Art und Weise abhängen, welche sich negativ auf andere Marktteilnehmer auswirkt. Def. Der Pareto-effiziente Vertrag unter vollkommener und symmetrischer Information heißt First-Best Vertrag. Def. Der beschränkt Pareto-effiziente Vertrag unter asymmetrischer Information heißt Second-Best Vertrag. Bem. Adverse Selektion schließt First-Best Ergebnisse aus. 10 / 11

Taxonomie asymmetrischer Information Modelle in denen Spieler privat informiert sind und die asymmetrische Information vor dem Unterschreiben des Vertrages auftritt, heißen Modelle mit adverser Selektion. Modelle in denen die asymmetrische Information nach dem Unterschreiben des Vertrages auftritt, heißen Modelle mit Moralischem Risiko (Prinzipal-Agenten Modelle). Ein Spieler, der ein Vertragsangebot macht, heißt Prinzipal, ein Spieler, an den ein Vertragsangebot gemacht wird, heißt Agent. Weiters unterscheiden wir zwei Typen von adverser Selektion: Signalisierungsmodelle: der informierte Spieler ist der Prinzipal und dieser macht das Vertragsangebot, Aussiebemodelle (screening): der uninformierte Spieler ist der Prinzipal und dieser macht das Vertragsangebot. 11 / 11