Risikofaktoren von LRS Individuelle Lernvoraussetzungen (visuell-auditiv-menstisch ) Familiäre Interaktion Lese- und Schreibstörungen (Herausbildung von LRS) Weiterer Verlauf Biologischgenetische Faktoren Abb. 1: Interaktives Modell der Entwicklung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten. Eigene Darstellung in Anlehnung an Klipcera (2010, 172) S. 1
1. Multipler Bedingungsansatz 1.1.Genetische Faktoren bedingen eine gewisse Vulnerabilität der Informationsverarbeitung, die durch Umwelteinflüsse (soziale und individuelle Faktoren) verändert werden kann. haben einen größeren Einfluss auf die notwendigen Aspekte des Lesens (phonologische Informationsverarbeitung) als auf die Rechtschreibung (orthographisches Wissen) (Klicpera 2010, 168 f.) 1.2 Neuropsychologische Faktoren (Umwelteinflüsse) Je mehr Anomalien der mündlichen Kommunikation (Volumenreduktion der 1./2. Querwindung des Heschl'schen Gyrus sowie des Vorderlappens des Kleinhirns) auftreten, desto wahrscheinlicher ist eine allgemeinere Lesestörung (50 % der Eltern sowie der Geschwistern auch LRS; Klicpera 2010, 174) Übungsabhängige Plastizität des Gehirn = strukturelle Veränderung, Neuronendichte der rezeptiven Felder (visuell, auditiv und mnestisch) S. 2
2. LRS und visuell-auditiven-mnestischen Faktoren Zeitstruktur Kapazität Formantenübergänge Lese- Rechtschreib störung Rekodieren Genauigkeit Raum-Lage- Instabilität Magnozell.- Sakkaden Differenziertes Sehen S. 3
2.1.Visuelle Wahrnehmungsschwäche Unzureichende Steuerung der Blickbewegungen Kürzere Sakkaden (Fischer & Biscaldi, 1999) Defizit im magnozellulären visuellen System Verarbeitung von zeitlichem Aspekt und Bewegung 300ms auf ein Wort 4-5 Buchstaben) kleine Bewegungen werden bei LRS Kinder nicht kompensiert Beeinträchtigung der gerichteten Aufmerksamkeit Visuelle Orientierungsschwäche ( Raumlage-Labilität ) Reversionsfehler (Verwechslung b und d oder w und m) bei leseschwachen Kindern S. 4
2.2. Auditive Wahrnehmungsschwächen 2.2.1. Phonologische Fähigkeiten Frequenz- und Formantenübergänge Wahrnehmung von zeitlicher Struktur Lautdifferenzierung Stimmhaft und stimmlos (VOT /g/k/, /t/d/, /b//p/ lediglich 20 Millisekunden (Spitzer 2009, S. 190, Wahrnehmung von Frequenz Frequenzübergängen Lautdifferenzierung von Lauten betonen labern S. 5
Tempus (Kürze und Länge) Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche haben häufig eine verlang-samte kortikale akustische Signalverarbeitung S. 6
2.2.2 Prosodische Sensitivität (Goswami et al., 2010) Sprechrhythmus und Leseschwierigkeiten Im Gegensatz zu einem geschriebenen Wort besteht ein phonologisches Wort aus stark und schwach akzentuierten Silben Betont-unbetont: Trochäus: Hose. Jambus Signal, Daktylus Risiko, Anapest Elefant, Bereits mit 5 LM ( Weber 2004 zitiert nach Jentschke & koelsch 20011) unterscheiden sie zwischen betonten und unbetonten und zwischen langen und kurzen Silben. Sie erkennen verschiedene Betonungsmuster ihrer Muttersprache sowie Grenzen zwischen Wörtern, verschiedenen Satzgliedern sowie zwischen Haupt- und Nebensätzen (Penner, 2006, S. 26). vgl babytalk S. 7
Die grundlegende Wortordnung der deutschen Sprache (grammatikalische Struktur) bestimmt eine rhythmischprosodische Struktur (Verb und dessen Objekt (VO) Gervain & Werker, 2013) In VO Sprachen stehen Artikel bzw. Präpositionen vor dem Nomen (to London, nach Berlin.schwach-stark-schwach (vgl KonLAB) S. 8
3. Phonologisches Arbeitsgedächtnis Verarbeitung int.repräsentation Dekodierung Abhängigkeit der Speicherkapazität Verarbeitungsgeschwindigkeit auditiver Inputs - Erleichterung durch Wissen um phonologische Merkmale (Phon.B.) - Trennwahrnehmung (O,5 sec) Artikulationsgeschwindigkeit (Sprechrate Quantität:1,5-2 sec) Abhängigkeit der Speichergenauigkeit Verarbeitungsexaktheit auditiver Inputs Abhängigkeit der Abrufkapazität Benennungsgeschwindigkeit (stabile Diagnose- Prognosekomponente für Lesegeschwindigkeit) S. 9
Benennungsgeschwindigkeit Geschwindigkeit des Benennens visueller Symbole (= Lesegeschwindigkeit) Buchstaben, Zahlen, schneller als Farben, Objekte S. 10
4.1.Verstärkung: Soziale Faktoren Lebensbedingungen in der Familie Wohnbedingungen: Verfügbarkeit eines regelmäßigen Arbeitsplatzes Häufigkeit von Störungen während der Hausaufgaben Interaktionen in der Familie Fördernde Elemente der Eltern-Kind-Interaktion seltener beobachtet Sprache und sprachliche Interaktionen Lernklima, Soziales und emotionales Klima wichtiger als soziale Schicht + Einkommen Familiengröße und Geschwisterposition Negativer Zusammenhang zwischen Geschwisteranzahl und Lese- und Schreibfähigkeit. Je später Kinder in der Geschwisterreihe geboren wurden, desto häufiger sind sie von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten betroffen Assoziierte Faktoren der sozioökonomischen Verhältnisse Begrenztheit der zeitlichen / personellen Ressourcen: Zeit für Vorlesen von Geschichte Schulbildung der Eltern: Differenzierterer sprachlicher Ausdruck und höhere Reflexionsfähigkeit Gebrauch von schriftlicher & gedruckter Sprache (Anzahl an Büchern) S. 11
4.2. Verstärkung: Matthäuseffekt Auswirkungen auf den Zuwachs an Lesefertigkeiten Schüler die lesen können, beschäftigen sich in ihrer Freizeit auch mehr damit und werden dann besser, weil sie sich einen immer größeren Wort- schatz aneignen und damit ihre Lesefertigkeit verbessern 5. Klässler: Durchschnittlich: 13 Minuten/ täglich Sehr große Streuung: Eifrige Leser: 90 Minuten/täglich, Schwache Leser: nicht einmal 1 Minute/täglich Steigerung der( außer-)schulischen Lesezeit Verbesserung des Lesefertigkeit und des Leseverständnisses S. 12
5. Literatur Klicpera, Christian, Schabmann, Alfred & Gasteiger-Klicpera, Barbara (2010): Legasthenie LRS. Modelle, Diagnose, Therapie und Förderung (3.aktualisierte Auflage), Ernst Reinhardt Verlag) München & Basel. Steinbrink, Claudia, Lachmann Thomas (2014): Lese- Rechtschreibstörung, Springer Verlag Weingarten, Rüdiger (2015): Phonem-Graphem-Korrespon denzen, http://www.ruediger-weingarten.de/orthographie/ PGK.htm, Stand: 29.11.2015. S. 13