Zentralkommission für die Lehrabschlussprüfungen der kaufmännischen und der Büroangestellten Betriebs- und Rechtskunde Lehrabschlussprüfungen für kaufmännische Angestellte 001 Serie 1/ 6 Kandidatennummer: Name: Vorname: Punktzahl: Note: Die Experten: Diese Prüfungsaufgabe darf 001 nicht im Unterricht verwendet werden. Die Zentralkommission hat das uneingeschränkte Recht, diese Aufgabe für Prüfungs- und für Übungszwecke zu verwenden. Eine kommerzielle Verwendung bedarf der Bewilligung des Autors, des Inhabers des Urheberrechtes. HAG 0 7000
1. Aufgabe (10 Punkte) Wie heisst der Fachausdruck für die folgenden Umschreibungen? a) Der Vermieter eines Motorboots verlangt vom Kunden Fr. 100.- als Sicherheitsleistung. Nach Rückgabe des Motorboots werden, dem Kunden die Fr. 100.- wieder ausbezahlt. Kaution (Mietzinsdepot) b) Diese Bankgeschäfte haben einen direkten Einfluss auf die Bankbilanz und bestehen darin, dass die Bank Kundengelder entgegennimmt. Passive Kreditgeschäfte c) Eine Stelle innerhalb der Organisationsstruktur einer Unternehmung, die vor allem eine beratende oder unterstützende Funktion und keine Weisungsbefugnis hat. Stabsstelle d) Das System der Prämiengestaltung, das bei der Motorfahrzeughaftpflichtversicherung angewendet wird. Dabei kommt der Versicherungsnehmer bei unfallfreiem Fahren in den Genuss einer Prämienverbilligung. Muss die Versicherungsgesellschaft nach einem Unfall Leistungen erbringen, steigt die Prämie. Bonus- Malus System e) Das Anlageinstrument, mit dem der Käufer das Wahlrecht erwirbt, eine bestimmte Menge eines Basiswertes (z.b. Aktien) zu einem vereinbarten Preis bis zu einem festgelegten Zeitpunkt zu kaufen. Call Option. Aufgabe (6 Punkte) Ordnen Sie nachfolgende Sachverhalte dem öffentlichen Recht (ÖR)oder dem privaten Recht (PR) zu: ÖR PR a) Bei Verletzung eines Konkurrenzverbotes muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber die vereinbarte Konventionalstrafe von Fr. 10 000.- bezahlen. 6 b) Frau Etter wird von der Kantonspolizei wegen Geschwindigkeits- überschreitung mit Fr. 00.- gebüsst. c1) Der 15-jährige Tobias Baumann hat die Hauswand des Nachbarhauses mit Farbe besprayt. Die Hausbesitzerin hat ihn deshalb auf dem örtlichen Polizeiposten wegen Sachbeschädigung angezeigt... c)... und verlangt von ihm 5 Wochen später gemäss der Rechnung des Fassadenreinigers Fr. 800.- als Schadenersatz für die Beseitigung der Schmierereien. c) Herr Petermann ficht den Entscheid der Steuerrekurskommission beim Verwaltungsgericht an. e) Durch Beschluss der Vereinsversammlung wird Frau Enderli wegen vereinsschädigendem Verhalten aus dem Trachtenverein ausgeschlossen.
. Aufgabe (8 Punkte) Sachverhalt: In einem bestimmten Absatzgebiet gibt es Millionen Haushalte, wovon 75000 über einen Internet-Anschluss verfügen. Aufgrund einer Marktuntersuchung weiss man, dass 0% aller Haushalte aus Kaufkraftgründen, weitere 1% aus grundsätzlichen Überlegungen nie über einen Internet-Anschluss verfügen werden. Die Firma «Sunshine» bedient 1 500 Internet-Kunden, die Firma " Website " 16800 Internet-Kunden (1 Haushalt = 1 Internet-Kunde). a) Bestimmen Sie: das Marktpotenzial das Marktvolumen den Marktanteil von «Sunshine» 00 000 Haushalte ( = 68% von Mio. Haushalten ) 75 000 Haushalte 66 % ( = 1 500 / 75 000 x 100 ) b) Unter welcher Voraussetzung könnte man im oben beschriebenen Fall von einem gesättigten Markt sprechen? Wenn das Marktvolumen nahezu dem Marktpotenzial entsprechen würde, d. h. wenn 00 000 Haushalte über einen Internet Anschluss verfügen würden.. Aufgabe (5 Punkte) Sachverhalt: Die Firma «Rolf Wettstein Werkzeugmaschinen AG» in Bassersdorf verfügt über ein Aktienkapital von Fr. 800000.-, das eingeteilt ist in 700 Inhaberaktien zu nominell Fr. 1000.- und 1000 Namenaktien zu nominell Fr. 100.-. Gemäss Statuten hat an der Generalversammlung jede Aktie eine Stimme. Beantworten Sie die folgenden Fragen zu diesem Sachverhalt. a) Ist der Zusatz AG bei dieser Aktiengesellschaft zwingend vorgeschrieben? Begründen Sie Ihren Entscheid, und geben Sie den Gesetzesartikel an. Ja, weil ein Familienname Bestandteil der Firma ist ; Art. 950 (Abs. ) OR. b) Warum wäre als Firma «AG Rolf Wettstein Werkzeugmaschinen» rechtlich nicht zulässig? Wenn der Zusatz AG einem Familiennamen vorangestellt wird, muss er ausgeschrieben werden ( Art. 950 Abs. OR ). c) Obwohl die Namenaktien der Gesellschaft nur einen Nennwert Fr. 100.- aufweisen, verleihen sie die gleiche Stimmkraft wie eine Inhaberaktie mit zehnmal höherem Nennwert. Wie werden solche Namenaktien bezeichnet, und welcher Zweck wird mit ihrer Ausgabe erfolgt? Bezeichnung: Verfolgter Zweck: Stimmrechtsaktien ( privilegierte Aktien ) Mit relativ wenig Kapitaleinsatz will man eine grosse Stimmkraft ausüben bzw. die Stimmenmehrheit besitzen. d) Nennen Sie je zwei Mitgliedschafts- und Vermögensrechte, welche sowohl in einer Inhaber- als auch in einer Namenaktie verkörpert sind. Mitgliedschaftsrechte Vermögensrechte Recht auf Teilnahme an der GV Recht auf Dividende Stimm und Wahlrecht Recht auf Anteil a, Liquidationsüberschuss Einsichts und Auskunftsrechte, usw. Bezugsrecht
e) Kreuzen Sie sämtliche Aussagen an, die zutreffen. Die Statuten einer AG dürfen vorschreiben, dass die Aktionäre neben der Liberierung der gezeichneten Aktien auch noch jährlich eine bestimmte Menge der von der AG hergestellten Produkte abnehmen müssen. Die Mitgliedschaftsrechte können nur jene Namenaktionäre ausüben, die im Aktienbuch (Aktienregister) eingetragen sind. An der Börse kotierte Inhaberaktien sind immer voll einbezahlt. Eine Beschränkung der Übertragbarkeit (= Vinkulierung) ist nur bei Namenaktien, nicht aber bei Inhaberaktien möglich. Sachverhalt: An der Generalversammlung vom 7. März sind die Stimmen von 50 Inhaberaktien und 790 Namenaktien vertreten. Bei der Frage, ob der 8-jährige Rolf Wettstein junior in den Verwaltungsrat gewählt werden soll, ergibt sich folgendes Abstimmungsergebnis: Ja- Stimmen 10 Inhaberaktien- Stimmen 59 Namenaktien- Stimmen Nein- Stimmen 90 Inhaberaktien- Stimmen 1 Namenaktien- Stimmen Enthaltungen 8 Inhaberaktien- Stimmen 108 Namenaktien- Stimmen Ob die Wahl von Wettstein junior in den Verwaltungsrat erfolgt ist, ist aufgrund des Artikels 70 OR zu entscheiden. f1) Welche Stimmenzahl muss Wettstein junior für die Wahl in den Verwaltungsrat erreichen? (Eine übersichtliche Ausrechnung in kommentierter Form wird verlangt.) Das absolute Mehr von 656 Aktienstimmen. Vertretene Aktienstimmen 110 ( 50 Inhaber- + 790 Namenaktien Stimmen ) : +1 f) Ist bei diesem Abstimmungsergebnis Wettstein junior gewählt worden? Begründen Sie Ihren Entscheid. Nein. Er vereinigt nur 61 Ja- Stimmen auf sich und hat somit das erforderliche Mehr nicht erreicht. ( Die Enthaltungen wirken sich wie Nein Stimmen aus. ) Sachverhalt: An der gleichen Generalversammlung wurde beschlossen, das Aktienkapital durch Ausgabe von 00 neuen Inhaberaktien zu erhöhen. Dabei handelt es sich um eine ordentliche Kapitalerhöhung gemäss Art. 650 Abs. 1 OR. Nach Durchführung der vom Gesetz für diese Art Kapitalerhöhung vorgeschriebenen Formalitäten zahlen die Aktionäre ihre gezeichneten Aktien auf das Bankkonto der Gesellschaft ein. Dieser Vorgang bewirkt im Prinzip in der Buchhaltung der Gesellschaft den Buchungssatz «Liquide Mittel an Aktienkapital». g) Entscheiden und begründen Sie, ob für diesen Beschluss einer ordentlichen Kapitalerhöhung der Art. 70 oder Art. 70 OR zur Anwendung kommt. Art. 70 OR, da kein wichtiger Beschluss im Sinne von Art. 70 OR vorliegt. ( Nur die genehmigte oder bedingte Kapitalerhöhung werden in Art. 70 OR als wichtige Beschlüsse erwähnt. Durch Umkehrschluss ergibt sich, dass eine ordentliche Kapitalerhöhung kein wichtiger Beschluss im Sinne dieser Bestimmung ist. Wenn die Statuten nichts anderes vorsehen, kommt deshalb Art. 70 OR zur Anwendung. )
Wie verändern sich die folgenden Kennzahlen unmittelbar durch diese Kapitalerhöhung? Entscheiden Sie durch Ankreuzen, ob die Kennzahl zunimmt, abnimmt oder unverändert bleibt, und begründen Sie Ihre Antwort stichwortartig. h1) Fremdfinanzierungsgrad (Fremdkapital in % des Gesamtkapitals) nimmt zu nimmt ab bleibt gleich weil... das Gesamtkapital bei gleichem Fremdkapital grösser wird. h) Liquiditätsgrad (Umlaufvermögen in % des kurzfristigen Fremdkapitals) nimmt zu nimmt ab wird. bleibt gleich weil... das Umlaufvermögen bei gleichem kurzfristigem Fremdkapital grösser h) Rendite des Eigenkapitals (Reingewinn in % des Eigenkapitals) nimmt zu nimmt ab bleibt gleich weil... der gleiche Reingewinn zu einem vergrösserten Eigenkapital in Relation gesetzt wird. 5. Aufgabe ( Punkte) Die folgenden Aussagen sind durch Ankreuzen richtig zuzuordnen. Aussage Marktziel Produktziel a) Wir wollen auch in den nächsten Jahren an der erfolgreichen Nischenpolitik festhalten. b) Unser Warenhaus führt ein breites, aber eher flaches Sortiment. c) Zu unserer Kundschaft zählen ältere und vollschlanke Leute. d) In den nächsten vier Jahren wird ein Umsatzwachstum von je 10 % angestrebt. 6. Aufgabe (6 Punkte) Nachfolgend werden Aussagen zum Einzelarbeitsvertrag gemacht. Entscheiden Sie durch Ankreuzen, welche Satzkombination zutrifft. a) Der erste Monat eines Arbeitsverhältnisses gilt von Gesetzes wegen als Probezeit. Bei dieser Gesetzesvorschrift handelt es sich um zwingendes Recht. Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist richtig. Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist falsch. ( OR 5 b ) Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist richtig. Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist falsch.
b) Will ein Arbeitnehmer vom Arbeitgeber eine Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung fordern, muss er innerhalb von 0 Tagen nach Erhalt der Kündigung Einsprache erheben. Die Einsprache kann schriftlich oder mündlich erfolgen. Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist richtig. Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist falsch. Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist richtig. Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist falsch. ( OR 6 b ) c) Wird einer schwangeren Arbeitnehmerin nach Ablauf der Probezeit gekündigt, ist die Kündigung nichtig, weil sie zur Unzeit erfolgt ist. Nicht nur während der Schwangerschaft, sondern noch 16 Wochen nach der Geburt geniesst eine Arbeitnehmerin Kündigungsschutz. Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist richtig. (OR 6 c ) Der erste Satz ist richtig, und der zweite Satz ist falsch. Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist richtig. Der erste Satz ist falsch, und der zweite Satz ist falsch. 7. Aufgabe (15 Punkte) Sachverhalt: Ines Koller hat sich vor einiger Zeit mit ihrer Schwester Rita zerstritten und möchte sie vom Erben ausschliessen. Die Familienverhältnisse von Ines Koller sehen gegenwärtig wie folgt aus: Die Ehe mit Ehemann Rolf ist kinderlos geblieben. Jedoch hat Ehemann Rolf aus der ersten Ehe die Tochter Sandra. Die Mutter von Ines Koller ist vorverstorben. Rita ist das einzige Geschwister. Mutter Vater Ehemann Rolf Ines Koller Schwester Rita Stieftochter Sandra a) Ines Koller hat noch kein Testament errichtet und fragt sich nun, wie bei ihrem allfälligen plötzlichen Tod ihr Nachlass verteilt würde. Nennen Sie die in diesem Fall erbberechtigte(n) Person(en) sowie ihren Anteil. / Ehemann ( Art. 6 Ziff. ZGB ) 1 / 8 Vater ( = die Hälfte eines Viertels ) 1 / 8 Schwester Rita ( = Anteil der verstorbenen Mutter ) b) Um ihre Schwester zu ärgern, verfügt Ines Koller in ihrem Testament, dass ihre Schwester nichts erben soll. Ist das rechtlich zulässig? Begründen Sie Ihre Antwort. Das ist rechtlich zulässig. Die Schwester geniesst keinen Pflichtteilsschutz.
(Art. 71 ZGB ) c) Ines Koller beabsichtigt, von ihrem Vermögen einen möglichst grossen Anteil testamentarisch dem Schweizerischen Roten Kreuz zukommen zu lassen. Wie müsste Ines Koller, aus heutiger Sicht, ihr Testament formulieren, damit sie dieses Ziel erreichen kann? Vervollständigen Sie das folgende eigenhändige Testament mit den dazu notwendigen Formulierungen.. Juni 000 Testam ent Ich, Ines K oller, geboren am 5. Septem ber 198,w ohnhaft in E r- lenbach, treffe die folgenden letztw illigen V erfügungen: 1. M eine Schw ester R ita soll aus m einem N achlass nichts erhalten. 5. M einem E hem ann Rolf und m einem V ater setze ich auf den Pflichtanteil.. D en frei w erdenden Teil verm ache ich dem Schw eizerischen Roten K reuz. Ines K oller d) Leidet dieses Testament an einem Formfehler, weil es Ines Koller unterlassen hat, den Ort der Errichtung des Testaments zu erwähnen? Als Begründung genügt die Angabe des massgebenden Gesetzesartikels. Ja Nein Art. 505 ZGB 8. Aufgabe ( Punkte) Kreuzen Sie sämtliche Aussagen zu den Steuern an, die zutreffen. Bei den direkten Steuern werden alle Gesellschaften gleich behandelt. Steuerguthaben des Staates werden im Konkurs einer Unternehmung privilegiert behandelt. Die auf Investitionen bezahlte Mehrwertsteuer kann von all jenen Unternehmungen als Vorsteuer zurückgefordert werden, die Mehrwertsteuer-abrechnungspflichtig sind. Die Verrechnungssteuer ist eine Bundessteuer und soll die Steuerhinterziehung unattraktiv machen bzw. verhindern. Ein Merkmal der direkten Bundessteuer für natürliche Personen ist die Steuerprogression.
Der Mehrwertsteuer unterliegt der Verbrauch von sämtlichen Dienstleistungen und Gütern in der Schweiz. 9. Aufgabe (1 Punkte) Ordnen Sie die Aussagen durch Ankreuzen richtig zu. Es sind Mehrfachzuordnungen erforderlich. fester Kreditbedarf schwankender Kreditbedarf ungedeckter Kredit gedeckter Kredit Kredit mit Realsicherheit Kredit mit Personalsicherheit Produktivkredit Konsumtivkredit a) Eine Privatperson benötigt Fr. 10000.-, um den Kauf einer Wohnungseinrichtung zu finanzieren. Sie bietet keine direkten Sicherheiten. c) Um saisonale Liquiditätsschwankungen aufzufangen, benötigt ein Sportartikelhändler von seiner Bank für sein Kontokorrentkonto eine Kreditlimite von Fr. 100000.-. Als Sicherheit werden Kundenguthaben abgetreten. d) Herr Müller beabsichtigt eine Lagerhalle zu kaufen und benötigt dazu von der Bank Fr. 650000.-. Er erhält diesen Betrag gegen Sicherstellung durch einen Schuldbrief.