Methoden der Schulprogrammentwicklung. Formulierung eines Textes

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Ruhr-Universität-Bochum Institut für Pädagogik und ihre Didaktik Hautseminar: Schulprogrammarbeit Dozent: Dr. Bauer SS: 2003 Referent: Sebastian Kruse Methoden der Schulprogrammentwicklung Formulierung eines Textes Das Formulieren eines Schulprogramms dürfte wohl einer der schwersten und nervenaufreibendsten Arbeitsschritte sein, wenn man bedenkt wie kompliziert es manchmal schon ist in einer 3er Gruppe einen Konsens über die Formulierungen zu finden, so muss es in einer Gruppe von 50 und mehr Personen schier unmöglich sein. PHILIPP und ROLF stellen daher in ihrem Buch fünf verschieden Ansätze da, um dieses Problem zu lösen. Hier möchte ich nun diese 5 Ansätze in verkürzter Form wiedergeben. Zur Verdeutlichung habe ich anschließen noch ein Diagramm entwickelt, auf dem diese 5 Ansätze nochmals erläutert werden. 1) Steuergruppe als Redaktionsgruppe Die Steuergruppe (STG) entwirft einen Kerntext (ca. 2 Seiten) und stellt ihn jeder Lehrperson zu, die den Text dann bearbeitet und an die STG zurück gibt. Diese erarbeitet dann einen Basistext, der in der Lehrerkonferenz / Schulkonferenz diskutiert und verabschiedet wird. Problem: keine direkte Interaktion; keine integrierte Realisierungsarbeit 2) Umfragenorientierte Redaktionsarbeit STG stellt jeder Lehrkraft einen Fragebogen mit folgenden Themen zu: - Welches sind meine drei wichtigsten Wünsche für die Entwicklung unserer Schule (auf 1-2 Jahre bezogen)? - Welche Ideen haben Sie für ein Leitbild / Schulprogramm? - Wenn wir zusätzliche Mittel bekamen, wofür sollten wir sie ausgeben? Die STG wertet diese Fragebögen aus, entwirft einen Basistext und es geht weiter wie unter 1). 3) Übung "Gute Schule" und "Guter Unterricht" als Ausgangspunkt Hierbei wird das Kollegium in Gruppen von 4-9 Personen aufgeteilt und sammeln Ideen zu dem o.g. Thema: Die Auswertung erfolgt in 3 Schritten. a) Ergebnisse die allen Gruppen gemeinsam sind werden herausgesucht. b) In den Gruppen wird dann auf rechteckige Karten notiert was heute schon auf die Schule zutrifft und auf ovale Karten diejenigen Themen, die sich in den nächsten 1-2 Jahre entwickeln sollen. c) Nun wird ein Kerntext entwickelt und es geht weiter wie bei 1). 4) Clustern oder Klumpen Nach einer gemeinsamen Diagnose formulieren Arbeitsgruppen erste Ideen für Leitsätze und notieren diese auf Karten. Im Plenum werden die Karten dann auf einer Pinwand sortiert und es werden Obertitel hinzugefügt. weiter wie bei 1) 5) Schneeball - Redaktion Dieses Verfahren funktioniert so, dass die STG einen Kerntext erstellt, der dann klausurähnlich von jedem Lehrer bearbeitet wird. Anschließend finden sich die Lehrer zu Zweiergruppen zusammen, und passen ihre Vorschlägen aneinander an. Danach setzten sich zwei Zweiergruppen zu einer Vierergruppen zusammen, u.s.w. In größeren Kollegien kann auch direkt mit einer Dreiergruppe begonnen werden. Vorteil dieses Verfahren ist, dass jeder Lehrer aktiv an der Entstehung des Text beteiligt ist.

Clustern oder Klumpen nach Diagnose werden Ideen für Leitsätze auf Karten notiert Karten werden an der Pinwand sortiert Obertitel werden hinzugefügt Übung Gute Schule/Unterricht Gruppenarbeit zum Thema Gute Schule, Guter Unterricht Überschneidungen der Gruppen hervorheben Ergebnisse werden unterteilt in Ist und Soll Situationen Umfragenorientierte Redaktionsarbeit Fragebogen Lehrer bearbeiten Fragebogen STG wertet Fragebogen aus Steuergruppe als Redaktionsgruppe Kerntext jeder Lehrer bearbeitet Kerntext Basistext Verabschiedung in Konferenz Schneeball-Redaktion Lehrer tun sich zu Zweiergruppen zusammen Lehrer tun sich zu Vierergruppen zusammen u.s.w. Projektmanagment Projektmanagement ist ein die Tagesaufgabe überschreitendes, klar definiertes, innovatives Vorhaben, das von besonderer Bedeutung und besonderer Dauer ist, und mit fest definierter Ressourcenausstattung und Ergebnissverantwortung durchgeführt wird. Die alles entscheidende Frage hierbei lautet: Wie kann gewährleistet werden, dass das, was vorher an großartigen Ideen und Konzepten, an weit greifenden Visionen und Vorstellungen entwickelt wurde, auch konkret umgesetzt wird? (Implementationsfrage) 3 Phasenmodell des Projektmanagements Phase I: Projektplanung - Ziele und Aufgaben formulieren Um eine möglichst hohe Implementation zu erreichen ist es wichtig alle an der Planung zu beteiligen. Wichtig hierbei sind eine klare Projektplanung, das Beachten der schulischen Rahmenbedingungen, sich Teilziele (Meilensteine) zu setzten und ein Vergleich zwischen dem zu erbringenden Aufwand und den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Hilfreich hierbei ist das:

W - Planungsmuster - Was ist Gegenstand bzw. Thema des Projekts? - Welches Ziel verfolgt das Projekt? Was nützt es uns? - Welche Mittel haben wir zur Realisierung? - Wo soll das Projekt stattfinden? - Wann werden welche Schritte gemacht? - Wer macht was? Phase II: Projektdurchführung - Vorbereitung der Realisierung In dieser Phase wird aus der Planung die Arbeit an Details und die Entwicklung von Alternativen. Schritt 1: Analyse Hier soll die Vorplanung konkretisiert werden und ein detaillierter Projektplan mit einer Auflistung künftiger Handlungsschwerpunkt entstehen. Schritt 2: Erarbeitung von Lösungsansätzen Nun geht es um Alternativen zur bisherigen Planung. Ein besonderes Kriterium ist hierbei der Zeitfaktor (Dauer bis zur Umsetzung). Die Entscheidungsmatrix kann hier helfen. Zeitfaktor Langfristig 2 4 Kurzfristig 1 3 Selbst Andere Beeinflussbarfaktor Um möglichst viel Motivation zu schaffen und zu bündeln, sollten Veränderungsprojekte in den Feldern 1 und 2 angesiedelt sein. Großformatige Projekte die auch von Aussenstehenden abhängen sollten erst dann in Angriff genommen werden, wenn die ersten Projekte erfolgreich durchgeführt wurden. Phase III: Implementation Sorgfältige Planung der Umsetzung Ein gutes Instrument für die Arbeit an der Umsetzung ist das Implementationsfenster

Implementationsfenster Schwerpunkt / Maßnahme / Projekt: Was wollen Sie Machen? Soll Wunschsituation Was können Sie machen? Lösungsvorschläge Widerstände bezüglich der Lösungsvorschläge Kräfte dafür 4. In der Seminarsitzung gab es eine Gruppenarbeit zu dem W Planungsmuster. Es sollte ein Umzug geplant werden. Hauptsächlich ging es bei dieser Übung darum, sich mit diesem Thema vertraut zu machen und das Modell schon einmal praktisch auszuprobieren. Hier nun die gesammelten Ergebnisse:

Literatur: Philipp, E./ Rolff, H.G.: Schulprogramme und Leitbilder entwickeln. Ein Handbuch. Weinheim u.a. 1999: Beltz