Persönliche Vorstellung Alkoholprobleme ohne Selbsthilfegruppen wäre alles noch viel schlimmer 15 Jahre Kreuzbund-Gruppe Verl 13. Januar 212 Autor:, 68Jahre alt 18 Jahre Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ist der Dachverband der bundesweit in der Suchtkrankenhilfe und Suchtprävention tätigen Verbände und wird als Fachstelle für alle Fragen, die mit Suchtproblemen zusammenhängen, vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Im Ruhestand, persönliche Schwerpunkte Alkohol und Selbsthilfe. Vorstandsmitglied IOGT International Kuratoriumsmitglied Synanon Praxis für Kommunikation und PolitikBeratung Seite 2 Alkoholprobleme Umfang des Problems Alkoholabhängigkeit Alkoholbedingte Probleme und Schäden Selbsthilfe im Suchtbereich Was hilft? Das Beispiel zeigt Wirkung Nüchternheit als Vorbild Selbsthilfe wird gebraucht Das Wunder in der Gruppe erleben Seite 3 Titel der Präsentation Seite.Januar 2 Ägyptische Inschrift, die auf das Jahr 15 vor Chr. datiert wird: Mach dich nicht selber hilflos durch Trinken in der Kneipe, damit sich die Worte deiner Rede nicht wiederholen und aus deinem Mund herausquellen, ohne dass du weißt, dass du sie geäußert hast. Du fällst hin, brichst dir die Knochen, und keiner deiner Saufkumpane gibt dir die Hand, um dir zu helfen. Sie werden sagen: Raus mit dem Trunkenbold! Jedes Land hat andere Probleme Beispiel Russland: 1 Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr: 1,5 Milliarden Alkohol Alle Wodka-Flaschen hintereinander: 17 x um den Erdball Seite 5 6 1
Noch ein Umfrage-Ergebnis: Alkoholverbrauch je Einwohner an reinem Alkohol Eine Umfrage des Instituts YouGov hat ergeben hat, dass 33 % der Engländer und 3 % der Dänen davon ausgehen, irgendwann während des Weihnachtsfestes betrunken zu sein. In Deutschland sind es zwar nur 17 % der Befragten, die davon ausgehen, dass Weihnachten in erster Linie ein Fest ist, um viel Alkohol zu trinken. Doch 17 % sind knapp 15 Millionen Menschen. Männer und Frauen, die irgendwann die Feiertage nur noch sehr eingeschränkt erleben. 199 1995 2 25 27 21 12,1 11,1 1,5 1, (Quelle: Meyer, Christian, eigene Berechnungen) 9,9 9,6 7 Seite 8 Grenzwertberechnung auf der Basis des Epidemiologischen Suchtsurveys 26 (IFT im Auftrag des BMG) Problematischer Alkoholkonsum in Deutschland (Angaben in Tausend) 18 69 Jahre 49 Grenzwerte 2 gr (Frauen) und 3 gr (Männer) 5 84,4 1,6 51 Anteil der Konsumenten Mind. riskanter Konsum risikoarmer Konsum Abstinent 1 9 8 7 6 5 4 3 2 1 93 27 Davon: 17 in Tausend 45 Menge des Konsums riskanter Konsum schädl. Konsum Abhängigkeit ehemalige Abh. Seite 9 Seite 1 Quelle: Repräsentativerhebung 23 Trunksucht als Krankheit Benjamin Rush 1774: Trunksucht als schleichende Krankheit des Willens, als krankhafter Zwang Die wirkungslosen Kanonenkugeln (nach Joh. Lindenmeier) Steht zwischen einem Gewohnheitstrinker und einem Fass Rum ein Geschütz, das ununterbrochen Kanonenkugeln abschießt, so geht der Trinker zu dem Rumfass, auch wenn er es nicht überleben wird. (B. Rush) 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 11 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 12 2
Warum müssen Veränderungen gemanagt werden? Im 15. Jahrhundert tötete Skorbut bis zu 6% derjenigen, die eine lange Schiffsreise antraten. 161 entdeckte ein englischer Kapitän, James Lancaster, dass drei Teelöffel Zitronensaft täglich das Auftreten der Krankheit verhüten. Erst 1795 übernahm die englische Marine diese Maßnahme 194 Jahren später! Die Verfügbarkeit einer Lösung führt nicht zwangsläufig zur Anwendung der Lösungsstrategie 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 13 Seite 14 Urteil des Bundessozialgerichtes 1968 Auch Trunksucht ist eine Krankheit. Dabei ist der Kern des Suchtbegriffs die lang andauernde, zwanghafte Abhängigkeit von dem Suchtmittel, dies gilt insbesondere auch für die Trunksucht. So (wird in der medizinischen Wissenschaft) die Meinung vertreten, die Trunksucht, d. h. das süchtige Trinken als besondere Form des Alkoholismus, sei auch unabhängig von körperlichen oder psychischen Folgeerscheinungen oder chronischer Alkoholintoxikation wie jede andere Sucht ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand und bedürfe der ärztlichen Behandlung. Die Regelwidrigkeit bestehe in der körperlichen wie auch psychischen Abhängigkeit vom Alkohol, welche es dem süchtigen Trinker in den meisten Fällen nicht mehr erlaube, mit eigener Willensanstrengung vom Alkohol loszukommen. Definition von Abhängigkeit Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums. Prof. Dr. med. Klaus Wanke 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 15 Seite 16 Kriterien Alkoholabhängigkeit Starker Wunsch / Zwang Alkohol zu trinken Verminderte Kontrolle Körperliches Entzugssyndrom Toleranz Vernachlässigung von Aktivitäten / Interessen Anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen Nach weiteren 1 Jahren. Suchtvereinbarung vom 2. 11. 1978 Fortschreibung auf Drogen Suchthilfe in der öffentlichen Diskussion: Drogenhilfe 3 Kriterien innerhalb der letzten 12 Monate Seite 17 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 18 3
Körperfunktionen und Körperstrukturen Abhängigkeitserkrankungen (unter Bezugnahme auf die ICF) Aktivitäten Teilhabe an Lebensbereichen Alkoholbedingte Probleme und Schäden Number of persons Individuals who get problems in wet cultures only Gestört können z.b. sein: der Stoffwechsel innere Organe das Denken das Gedächtnis die emotionale Stabilität das Selbstwertgefühl die Wahrnehmung die Urteilsfähigkeit die Selbsteinschätzung (Ich-Strukturen) Beeinträchtigt können z.b. sein: Aktivitäten im Zusammenhang mit -Schule, Ausbildung und Arbeit -dem täglichen Leben (Selbstversorgung, Körperund Kleiderpflege) -der Kommunikation und interpersonelle Aktivitäten (Aufnahme und Pflege sozialer Kontakte) -zur Nutzung medizinischer, sozialer, kultureller Angebote Person- und umweltbezogene Kontextfaktoren Beeinträchtigt kann z.b. sein: die Teilhabe -an sozialen Beziehungen (Familie, Freunde, Bekannte, Gleichaltrige) -an Ausbildung, entlohnter oder unbezahlter Arbeit -an Wohnen und Unterkunft -an Erholung, Freizeit, Kultur -am wirtschaftlichen Leben 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 19 Individuals who get problems in dry and wet cultures Low Medium High Disposition Skog O-J et al. 1991 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 2 Es sind drei Dinge, die Suchtprobleme reduzieren Verhaltens- bzw. Verhältnisprävention Therapie bzw. Hilfe Gesetzliche Maßnahmen Alkoholpolitische Maßnahmen, die Alkoholkonsum und alkoholbezogene Probleme reduzieren können Einschränkung der Verfügbarkeit Gesetzliches Mindestalter für den Konsum und Kauf von Alkohol +++ Begrenzung der Öffnungszeiten von Lokalen und Geschäften ++ Beschränkung der Verkaufsdichte von Lokalen und Geschäften ++ Staatliches Einzelhandelsmonopol auf alkoholische Getränke +++ Alkohol im Straßenverkehr Senkung der Grenzwerte der Blutalkoholkonzentration +++ Zufällige und verdachtsfreie Blutalkoholkontrollen +++ Führerscheinentzug bei Verstößen gegen Alkoholbestimmungen im Straßenverkehr ++ Stufenfahrerlaubnis für Fahranfänger ++ Steuern Besteuerung alkoholischer Getränke +++ Kurzinterventionen Bei Personen mit riskantem Alkoholkonsum ++ 21 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 22 Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums von Jugendlichen Veränderung der Preise und notwendigen Arbeitszeit Es wird ja über verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie man den Alkoholkonsum von Jugendlichen reduzieren könnte. Einige davon lese ich Ihnen jetzt vor. Sagen Sie mir bitte jeweils, ob sie diese Maßnahmen für erfolgreich halten oder nicht: Lebensmittel 196 26 Preis Arbeitszeit Preis Arbeitszeit Mischbrot 1 Kilo,41 2 Min. 2,28 1 Min. Gefahrenhinweise auf Dosen und Flaschen 47 Markenbutter 25 g,83 39 Min.,93 4 Min. Steuern auf Alkohol erhöhen Alkoholwerbung verbieten 49 59 Eier 1 Stück 1,7 51 Min. 1,53 7 Min. Alkoholkonsum auf öffentli. Plätzen verbieten 65 Weinbrand,7 l 6,38 31 Min. 7,82 35 Min. Kampagnen gegen Alkohol mit Jugendidolen Null-Promille im Straßenverkehr einführen ganz allgemein mehr über Gefahren aufklären 75 84 87 1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 Bier,5 l,32 15 Min.,65 3 Min. Seite 23 17.1.213 Alkoholprobleme in Deutschland 24 4
Art der letzten Behandlung Befragung Selbsthilfeverbände 24 Alkoholprobleme Umfang des Problems Alkoholabhängigkeit Alkoholbedingte Probleme und Schäden Selbsthilfe im Suchtbereich Was hilft? Das Beispiel zeigt Wirkung 25 2 15 1 5 658 16978 23558 Frauen Männer Gesamt ambulante Behandlung stationäre Behandlung Entgiftungsbehandlung ohne prof. Behandlung ohne Angabe Seite 25 17.1.213 Die Zeit in der Sucht-Selbsthilfegruppe 26 Wo sind die Menschen, die wir willkommen heißen dürfen? Rückfall Befragung Selbsthilfeverbände 24 Statistik der Verbände: Die Menschen kommen zu uns Ambulante Reha Stationäre Reha Entgiftung Ohne professionelle Intervention Angehörige 6 5 4 3 2 1 599 939 77 Gruppenbesucher Rückfall stabilisiert 23 17.1.213 Die Zeit in der Sucht-Selbsthilfegruppe 28 Sozialmedizinischer Verlauf 2 Jahre nach Sucht-Rehabilitation 1999 (BfA, Reha-Verlaufsstatistik 22) 8% 6% 4% 2% % 7% 61% 2 Jahre erwerbst. 27% 22% lückenhaft erwerbst. BfA ambulant, n=2.292, Alter = 44 Jahre BfA stationär, n=6.881, Alter = 42 Jahre 7% 4% 2% 2% 2% 3% BU/EU- Rente Altersrente Tod Alkoholprobleme Umfang des Problems Alkoholabhängigkeit Alkoholbedingte Probleme und Schäden Selbsthilfe im Suchtbereich Was hilft? Das Beispiel zeigt Wirkung Nüchternheit als Vorbild Freiheit erleben 17.1.213 Die Zeit in der Sucht-Selbsthilfegruppe 29 Seite 3 5
Alkoholfrei leben Selbsthilfe Vorbild für andere Menschen Hilfestellung für ehemals Abhängige Punkt-Nüchternheit umsetzen Wirksame Prävention zur Reduzierung des Konsums 1. Selbsthilfe- bzw. Selbstheilungskräfte 2. Selbsthilfegruppen Starthilfe Lebensabschnittsgemeinschaft Lebensgemeinschaft Hilfe bei der Sinnsuche persönliche Entwicklung neue Horizonte aktiv in der Hilfe für andere Menschen Seite 31 Seite 32 Untersuchung von 7. ambulant behandelten alkoholkranken Menschen in Hamburg In den Schlussfolgerungen für die Praxis wird empfohlen: Bei Klienten der ambulanten Suchthilfe, die zusätzlich Selbsthilfegruppen besuchen, können bezüglich des Trinkverhaltens sowie der psychischen und körperlichen Gesundheit günstigere Behandlungsverläufe festgestellt werden. Alkoholabhängige Klienten der professionellen Suchthilfe sollten ermutigt werden, wenn möglich über einen längeren Zeitraum eine (für sie passende) Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Selbsthilfeangebote sollten so ausgebaut werden, dass sie auch für bisher nicht erfasste Gruppen zugänglich werden. Es zeigt sich, dass professionelle Suchthilfe durch den Besuch von Selbsthilfegruppen sinnvoll ergänzt werden kann. Vor der Behandlung und nach der Behandlung in der ambulanten Behandlung in Hamburg, Quelle: BADO)» Beginn der Behandlung aktuell Weder zuvor noch aktuell: 3,4 17, Bereits zuvor und aktuell: 11,1 1,7 Aktuell, aber nicht zuvor: 12, 3,2 Zuvor, aber nicht aktuell: 13,6 5, Alle Werte haben sich verbessert, aber mit aktuellem Besuch von Selbsthilfegruppen sind sie einfach am besten. 33 34 Offenheit für neues Denken Zusammenfassung Signatur der Gegenwart: Globalisierung Technisierung Bessere Bildung Größere soziale Unterschiede Umweltbewusstsein Wille zum Mitmachen bei notwendigen Veränderungen Das Wunder in der Gruppe erleben: Die Gruppe hilft, ich verändere mich, mein Umfeld verändert sich. Auf den Teppich holen und dort bleiben 6
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Praxis für Kommunikation und PolitikBeratung Loheide 29 b D-3369 Bielefeld +49 521 81535 +49 172 2743213 rolf@huellinghorst.info www.huellinghorst.info Skype: RolfHuellinghorst Netzwerke: Facebook, XING 7