Molekulare Evolution

Ähnliche Dokumente
Organisation und Evolution des Genoms

Genetische Variabilität

Modul Biologische Grundlagen Kapitel I.2 Grundbegriffe der Genetik

Evolution II. Molekulare Variabilität. Bachelorkurs Evolutionsbiolgie II WS 2013/14

Bei Einbeziehung von neun Allelen in den Vergleich ergibt sich eine Mutation in 38 Generationen (350:9); das entspricht ca. 770 Jahren.

erläutern Eigenschaften des genetischen Codes und charakterisieren mit dessen Hilfe Experimentelle Entschlüsselung (SF)

Evolution und Entwicklung

Vorlesungsthemen Mikrobiologie

1 In Kürze die geschichtliche Entwicklung der Evolutionsforschung...1

II. GENOMIK: GLEICHZEITIGE UNTERSUCHUNG VON MEHREREN MAKROMOLEKÜLEN

DNA-Fingerprint. (Syn. DNA Profiling)

Personalisierte Medizin

Vorlesung Molekulare Humangenetik

Das humane Genom. Alle Genome sind individuell, selbst jene eineiiger Zwillinge! Molekulare Diagnostik. satellites and single repeats

molekularen Rinderzucht

Evolution & Genetik (Beispiel Hämoglobin) Prof. Dr. Antje Krause FH Bingen / akrause@fh-bingen.de

Ausbildung zum Bienenwirtschaftsmeister Mai 2012 Christian Boigenzahn

Begleittext zum Foliensatz Erbgänge beim Menschen

6. DNA -Bakteriengenetik

Merkmal "Amelogenin" ist geschlechtsspezifisch, für eine zusätzliche Kontrolle des Ergebnisses.

Die Erbinformation ist in Form von Chromosomen = Kopplungsgruppen organisiert

Arten der Intronen. Spliceosome Struktur des snrnp U1. Spliceosome. Vorlesung 3: Evolution des eukaryotischen Genoms 4/20/11

Forensische Genetik. Universitätsklinikum Essen. Institut für Rechtsmedizin. Forensische Spurenanalytik und Abstammungsbegutachtung

Chromosomen & Populationsgenetik (1)

-Generation sehen alle gleich aus (Uniformitätsregel). In der F 2. -Generation treten unterschiedliche Phänotypen auf (Spaltungsregel).

Das Human-Genom und seine sich abzeichnende Dynamik

Biologie I/B: Klassische und molekulare Genetik, molekulare Grundlagen der Entwicklung Theoretische Übungen SS 2016

2. Übung: Chromosomentheorie

Labortechniken (2) Amplifikationskurve (linear linear) Realtime-PCR

Grundlagen der Molekulargenetik

ÜBERSICHTSRASTER ZU DEN UNTERRICHTSVORHABEN IN BIOLOGIE IN DER EINFÜHRUNGSPHASE (EP)

Biologie I/B: Klassische und molekulare Genetik, molekulare Grundlagen der Entwicklung Theoretische Übungen SS 2016

Erbmerkmalsysteme müssen eine Reihe von Kriterien erfüllen, bevor sie in der Vaterschaftsbegutachtung eingesetzt werden können:

Winterschool Obergurgl. Molekulare Typisierung CF-relevanter Erreger

Biologie I/B: Klassische und molekulare Genetik, molekulare Grundlagen der Entwicklung Tutorium SS 2016

Anlage zur Akkreditierungsurkunde D-PL nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005

Molekulare Spurenanalytik und Abstammungsbegutachtung. Dr. rer. nat. Micaela Poetsch, Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Essen

5.Epigenetische Regulierung

Evolution, Genetik und Erfahrung

Klausur zur Genetik Name, Stud.- Sem. Punkte Vorname gang

Einblicke in das menschliche Erbgut (Genom) am Computer

27 Funktionelle Genomanalysen Sachverzeichnis

ID-Labor GmbH. Der genetische Fingerabdruck und Abstammungsuntersuchungen

PCR basierte- Detektionstechniken

Übungsblatt Molekularbiologie und Genetik für Studierende der Bioinformatik II 1. Übung

Anlage zur Akkreditierungsurkunde D PL

Das Humangenomprojekt (HGP)

ERBKRANKHEITEN (mit den Beispielen Albinismus, Chorea Huntington, Bluterkrankheit u. Mitochondriopathie)

2. Übung: Chromosomentheorie

Sinnvoller Umgang mit DNA-Tests

TreeTOPS. Ein Phylogenetik-Icebreaker Spiel. Lehrer- Handbuch. ELLS Europäisches Lernlabor für die Lebenswissenschaften

Grundlagen Genetik. Dipl.- Psych. Silja Bellingrath

Dynamik und Schicksal von mutanten Allelen in Populationen

Einstieg: Fortpflanzung

Stammzüchtung. Selektion von natürlichen Varianten. Ungerichtete genetische Veränderungen zufallsverteilte induzierte Mutagenese

Genome Editing beim Menschen

Biologie. Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Bonn schulinternes Curriculum. Unterrichtsvorhaben: Materialhinweise:

Seminar zur Grundvorlesung Genetik

Abiturprüfung Biologie, Leistungskurs

Humangenetik 3. 1 Sexuelle Fortpflanzung

2.) Wie lautet in der Genomforschung das Fachwort für Vielgestaltigkeit? a) Polytheismus b) Polymerisation c) Polymorphismus d) Polygamismus

Institut für Biochemie und Molekulare Medizin. Lecture 1 Translational components. Michael Altmann FS 2011

Eine wunderbare Reise durch die Laborwelten.

In unseren Beispielen bilden Valeria und Arnold ein theoretisches Paar - und geben wir zu, ein Paar das viel Pech im Leben hat das selber und auch

Methoden der Gentechnik

Stammbaum der Photorezeptoren

B-Zellentwicklung. Grundlagen der Immunologie 5. Semester - Dienstags Uhr Ruhr-Universität Bochum, HMA 20 HEV.

Grundlagen der biologischen Evolution

Biologie:= Aber: Was ist eigentlich Leben?

Hämophilie Symposium, März , Reitter Sylvia

Genetik, Evolution, Intelligenz und anthropologische Diversität: Was wissen wir daru ber?

Neue DNA Sequenzierungstechnologien im Überblick

Klausur zum Modul Molekularbiologie ILS, SS 2010 Freitag 6. August 10:00 Uhr

Grundlagen der Vererbungslehre

Teil I (Fischbach): Drosophila als Modellsystem der Entwicklungsgenetik

Inhaltsverzeichnis. 1. Lebensformen: Zellen mit und ohne Kern DNA: Träger der genetischen Information... 9

DNA-Replikation. Konrad Beyreuther. Stefan Kins

Was sagen mir meine Gene? Individuelle Gendiagnostik Pro und Contra

SNPs, Indels, VNTRs. Gründe für ein Interesse an der genetischen Diversität

1. Mendelsche Vererbung, Stammbäume:

Expressionskontrolle in Eukaryonten

Die Evolution. Molekularer Netzwerke. Sarah A. Teichmann

Vögel sehen die Welt bunter

Inhalt. Entdeckung und allgemeine Informationen. Klassifizierung. Genom Viren untypische Gene Tyrosyl-tRNA Synthetase. Ursprung von grossen DNA Viren

F2 aus der Kreuzung mit der ersten Mutante: 602 normal, 198 keine Blatthaare

Autosomal-rezessiver Erbgang

Module der AG Molekulare Zoologie für Biologie

Welche Themen werden behandelt?

Von Jägern, Sammlern und echten Ernährungsproblemen

FWU Schule und Unterricht. Der genetische Fingerabdruck. FWU das Medieninstitut der Länder

Evolution von Genexpression

4. ERGEBNISSE Untersuchung des umgelagerten IgH Gens in Hodgkinzelllinien

Untersuchungen zur differenziellen Genexpression im ZNS von Noradrenalintransporter-Knockout- und Wildtyp-Mäusen

Transkript:

Molekulare Evolution 1. Grundprinzip: Die Evolution arbeitet aus gegebenen Materialien neue Strukturen (Gene, Organe, usw.) enstehen nur aus schon existierenden

Technische vs. Biologische 1. Technische Evolution: -Wir entwickeln die Geräte, alte Geräte werden wegwerfen Evolution Biologische Evolution: Alte Gene, Organe werden nicht wegwerfen können Evolúció Diese werden weiterentwickelt? Grundprinzip: Die Evolution arbeitet aus gegebenen Materialien neue Strukturen (Gene, Organe, usw.) enstehen nur aus schon existierenden

2. Entstehung neuer Gene 1. Exon Duplikation 2. Exon Vermischung 3. Genduplikation 4. de novo (neu)entstehung: 5. Duplikation von Genom und Genomteile

3. Exon Duplikation Gen E1 E2 E3 E = exon

3. Exon Duplikation Gen E1 E2 E2 E3 E = exon

4. Exon Vermischung Gen 1 E1 E2 E3 E4 Gen 2 E1 E2 E3 E = exon

4. Exon Vermischung Gen 1 E1 E2 E3 E4 Gen 2 E1 E2 E3 E4 E = exon

4. Exon Vermischung Fibronektin Plasminogen Gewebe-Plasminogen Aktivator Epidermales Wachstumsfaktor (EGF)

5. Genduplikation Chromosom Gen 12

6.., und später auch funktionelle Separation Chromosom Gen1 Gen 2 - Die durch die Duplikation entstandene, funktionsfähige Gene nennen wir Paraloge. - Die homologen (d.h. funktionell identischen) Gene verschiedener Spezien sind Ortologen.

Schicksal des neuen Gens 7. ein Pseudogen entsteht Mutation in der kodierenden Region ein Pseudogen entsteht X eine neue Funktion entsteht (neu-funktionalisation) Mutation in der kodierenden Region neue Funktion Alte Funktion, andere Expression (sub-funktionalisation) Mutationen in den Regulationsregionen Gewebespezifische Genexpression

1 Kette Evolution der Globin-Superfamilie 2 Kette Ur-Globin ~800M Jahre Hem 8. 1 Kette 2 Kette Fe Hem ~500M Jahre ~550M Jahre ~450M Jahre ~200M Jahre ~150M Jahre Neuroglobin Zytoglobin Myoglobin Hemoglobine (HB)

de novo Genentstehung 9. Dissostichus sehr seltener Prozess Tripsinogen AFGP (anti-freeze glycoprotein) Thr-Ala-Ala Triplets de novo: neu (hier: nicht aus dem Wandeln eines anderen Gens)

Duplikation grösserer genetischen Einheiten 1. Chromosom Segment Duplikation 2. Duplikation eines Chromosoms(Aneuploidie) 3. Duplikation des ganzen Genoms(Poliploidie) Unregelmässige Meiose 10. Totale oder partielle Ploidie Andere Wirbeltiere Fische Kopfchordaten Urochordata Insekten Einzeller Eukaryoten 2. Duplikation 1. Duplikation Urvorfahre: 6 Chromosomen rezente Genomduplikationen: - Fische, Frösche, Cerealien

Totale Genomduplikation 11. Totale Genomduplikation Diploid Tetraploid Genverlust und Diploidisation Diploid Totale Genomduplikation Tetraploid Genverlust und Diploidisation Diploid

Die Hox Gene 12. Fruchtfliege Maus

Tausch von Chromosomsegmenten 13. Maus Mensch

14. Evolution der genetischen Regelung (evo-devo Evolutions-Entwicklungsbilogie) 1. Evolution der Regelungsregionen Sean B. Carroll Funktion der Gene verändert sich selbst in grossen evolutionären Distanzen nicht - viele Fruchtfliegen und Maus Gene können umgetauscht werden Die Evolution verändert nicht die Gene, sondern die genetische Regulation - dieselben Gene werden in verschiedenen Zeitpunkten eingeschaltet, werden in verschiedenen Geweben in unterschiedlicher Menge produziert. 2. Evolution der Transkriptionsfaktoren Harry Garner und John W. Fondon Die Veränderung im Aminosäurenzusammensatz der Transkriptionsfaktoren welche die Ontogenese koordinieren erfolgt eine morfologische Veränderung. Die Länge der Ala + Gln Wiederholungen Verändert sich.

15. Horizontaler Gentransfer - Bakterien, Viren: riesiger Genaustauschmarkt - Eukaryoten: kein horizontaler Genaustausch Vertikaler Gentransfer: Eltern Nachfolger Horizontaler Gentransfer : zwischen nichtverwandten Exemplaren

Der molekulare Stammbaum 16. nukleare DNS 1. Gene - Veränderungen an stummen Stellen - Veränderungen an nicht-stummen Stellen 2. Nichtkodierende DNS Mitokondriale und Y Chromosom DNS

Die molekulare Uhr 17. Vermutung: Die Veränderungsgeschwindigkeit des untersuchten DNS-Abschnittes ist in einem grösseren Zeitintervall gleich.

Vererbungstypen 18a. Urgrossvater Urgrossmutter Grossvater Grossmutter Vater Mutter Somatische Chromosomen Y Chromosom Sohn mitochondriale DNS Tochter

Vererbungstypen 18b. Urgrossvater Urgrossmutter Grossvater Grossmutter Vater Mutter Somatische Chromosomen Y Chromosom Sohn mitochondriale DNS Tochter

Die mitochondriale DNS 19. Hiper-variable Region Citochrom b Gen 16,569 Nukleotide Sequenz-Vergleich

Y Chromosom 20. Gene STRs genetische Marker am Y Chromosom Mikrosatelliten - Enthalten 1-4 bp-ige wiederholende Elemente (Zahl der wiederholungen wird verglichen): STR (VNTR) Analyse Ein-Nukleotid Polimorfismus (SNP; single nucleotide polymorphism ) - Varianz in einem Nukleotid der DNS-Sequenzen zwischen den Individien Molekulare Uhr - Sequenzvergleich STR (short tandem repeats ): kurze tandem Wiederholungen VNTR (variable number of tandem repeats ): tandem Wiederholungen mit verschiedener Zahl

VNTR Analyse 21. A und B Allele Primer 1 PCR Gelelektrophorese Genotyp Primer 1 Primer 2 Primer 2

Mitochondriale Eva Die Frau, dessen Mitochondrium von jedem heutlebenden Menschen geerbt wurde 22. Vor 120-150 Tausend Jahren in Ost-Afrika nicht alle Völkergruppen wurden untersucht: es kann sein, dass sie früher gelebt hat Wie ist das möglich? 1. Die Kopfzahl der menschlichen Population wurde beschränkt 2. Es lebten viele Menschen, aber langfristig überlebte nur eine Population - Die Mitochondrien der Mitglider der überlebten Population gingen durch zufällige Prozeduren verloren (die Information der genomialen DNS nicht!) KRITIK: manchmal können auch wenn auch in geringer Masse - die Mitochondrien des Spermiums zu das mitochondriale Genom des Nachfolgers beitragen sie können rekombiniert werden

Y Chromosom Adam Der Mann dessen Y Chromosom von jedem heutlebenden Mann geerbt wurde Er lebte vor 60 90 Tausend Jahren - Aufgrund molekularer Uhr und Untersuchungen genetischer Marker Er lebte nicht in der selben Zeit wie mitochondriale Eva (mindestens 30,000 Jahre Unterschied!) 23.

DIE INSEL Beispiel: nur Männer gezeigt 24. 7 4 4 9 1 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher

DIE INSEL 24. 9 2 5 8 0 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher

DIE INSEL 42. 12 0 1 12 0 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher

DIE INSEL 24. 6 0 0 17 0 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher

DIE INSEL 24. 2 0 0 21 0 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher

DIE INSEL: 24. KOVÁCS-LAND 0 0 0 23 0 Kis Nagy Szabó Kovács Steinbacher