4 Wasser, Wasserdampf Theorie

Ähnliche Dokumente
3.4 Änderung des Aggregatzustandes

Thema 2.2. Kondensationsfeuchte. bauphsikalische Grundlagen

A.2 Feuchteschutz und Tauwasservermeidung

SCHREINER LERN-APP: « SCHUTZFUNKTIONEN, TEMPERATUR, LUFTFEUCHTIGKEIT»

BAUPHYSIKALISCHES BERECHNUNGSBLATT

ENERGIE - BAUPHYSIK - TGA

BAUPHYSIKALISCHES BERECHNUNGSBLATT

Der Gesamtdruck eines Gasgemisches ist gleich der Summe der Partialdrücke. p [mbar, hpa] = p N2 + p O2 + p Ar +...

Absolute Luftfeuchtigkeit Ist die in einem bestimmten Luftvolumen V enthaltene Wasserdampfmasse m W. Übliche Einheit: g/m 3.

Institut für Baustoffuntersuchung und Sanierungsplanung GmbH

Vorlesungsskripte zur Bauphysik Bachelorstudium. Bauklimatik

Physikalische Aspekte der Respiration

8.4.5 Wasser sieden bei Zimmertemperatur ******

1. Aufgabe (Wärmeschutz)

Inhaltsverzeichnis. Schreiner Fachkunde. Eigenverlag: Bildungsnetz Schweizer Schreiner Keine Haftung für eventuelle Fehler im Inhalt

Antrieb und Wärmebilanz bei Phasenübergängen. Speyer, März 2007

Skript zur Vorlesung

Dipl.- Geol. Martin Sauder / Ö. b. u. v. Sachverständiger für mineralische Baustoffe / Institut für Baustoffuntersuchung und

Luftfeuchtigkeit im Campingfahrzeug

Wärmeschutz. Gründe. Hygiene, Behaglichkeit Wirtschaftlichkeit

Technische Thermodynamik. FB Maschinenwesen. Übungsfragen Technische Thermodynamik II. University of Applied Sciences

Das h-x-diagramm: Aufbau und Anwendungen

1. Thema Ziel des Versuches ist es mit vier unterschiedlichen Verfahren die Luftfeuchtigkeit zu bestimmen.

Dämmen aber richtig, vom gesunden und schimmelfreien Wohnen

Versuch 22. Luftfeuchtigkeit

Temperatur. Temperaturmessung. Grundgleichung der Kalorik. 2 ² 3 2 T - absolute Temperatur / ºC T / K

HYGROMETRIE. Im Folgenden werden vier unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung der relativen Luftfeuchtigkeit vorgestellt. 1.

ENERGIE BAUPHYSIK TGA

Die Atmosphäre der Erde (2)

Das sind vielleicht Zustände!

1. Welches sind die wesentlichen Schutzziele des Brandschutzes? Nennen Sie mindestens 3!

Raumklima - Schimmel - Feuchteabgabe

Physikalisches Praktikum I

Alles was uns umgibt!

Wie kann man die - für das Trocknen wesentlichen - Eigenschaften feuchter Luft quantitativ beschreiben?

Grundwissen Physik (8. Klasse)

Thermodynamik I. Sommersemester 2012 Kapitel 2, Teil 2. Prof. Dr. Ing. Heinz Pitsch

Klausur zur Vorlesung Thermodynamik

Molzahl: n = N/N A [n] = mol N ist die Anzahl der Atome oder Moleküle des Stoffes. Molmasse oder Molekularmasse: M [M ]= kg/kmol

Übungsblatt 2 ( )

Physikalisches Grundpraktikum Taupunktmessung. Taupunktmessung

1. Wärmelehre 1.1. Temperatur. Physikalische Grundeinheiten : Die Internationalen Basiseinheiten SI (frz. Système international d unités)

1. Aufgabe (Energieeinsparverordnung 2009):

Bauphysik & Akustik im Hallenbad

Kein Tauwasser (Feuchteschutz)

-aus theoretischen Ansätzen - Approximationen

Beispiel AW KFW gedaemmt 140mm Neopor

Verflüssigung von Gasen / Joule-Thomson-Effekt

O. Sternal, V. Hankele. 5. Thermodynamik

Physik für Bauingenieure

Grundlagen der Allgemeinen und Anorganischen Chemie. Atome

SORTEN VON DAMPF / DAMPF UND DRUCK / VAKUUM

Thermodynamik I. Sommersemester 2012 Kapitel 2, Teil 1. Prof. Dr. Ing. Heinz Pitsch

Feuchteschutz- Grundlagen

Bundesverband Flachglas Großhandel Isolierglasherstellung Veredlung e.v. Tipps zum Lüften ist das notwendig? Richtig lüften

1. Welches sind die vier Hauptaufgaben des Feuchteschutzes?

oder 10 = 1bar = = 10 Pa Für viele Zwecke wird die Umrechnung 1bar = 10 verwendet.

Erstklassige Abwicklung Bauphysik Tauwasserbildung

Technische Gebäudeausrüstung

Frische Luft in den Keller sobald die Sonne scheint ist Pflicht.

Kondensation, Tauwasser. φ = W / Ws * 100

Schimmel: Physikalische Hintergründe

Thermodynamik 2. Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik. Entropie. Die statistische Definition der Entropie.

Unterrichtsmaterialien in digitaler und in gedruckter Form. Auszug aus: Meine eigene Physik-Fibel - Grundbegriffe der Physik

Kein Tauwasser (Feuchteschutz) sd-wert: 5.1 m. Temperaturverlauf

BAUPHYSIK Feuchteschutz 1

Übungen zur Vorlesung Physikalische Chemie 1 (B. Sc.) Lösungsvorschlag zu Blatt 11

Zwischensparrendämmung

Pumpen Fördern Flüssigkeiten

p = Druck R* = universale Gaskonstante n = Stoffmenge V = Volumen R = R*/M spez. Gaskontante T = absolute Temperatur M = molare Masse m = Masse

Thermodynamik I. Sommersemester 2012 Kapitel 3, Teil 3. Prof. Dr.-Ing. Heinz Pitsch

1. Aufgaben der Klimaanlage

Dipl.- Geol. Martin Sauder / Ö. b. u. v. Sachverständiger für mineralische Baustoffe / Institut für Baustoffuntersuchung und

Schimmelpilzbildung in Wohnräumen

Kein Tauwasser (Feuchteschutz) sd-wert: 2.5 m. Temperatur Taupunkt. Außen. 4 Mineralwolle (200 mm) 7 Windpapier Ampack (0,15 mm)

Flüssigkeitsthermometer Bimetallthermometer Gasthermometer Celsius Fahrenheit

Die Heizungsanlage eines Hauses wird auf Ölfeuerung umgestellt. Gleichzeitig wird mit dieser Anlage Warmwasser aufbereitet.

2.3 Stoffmodelle für Reinstoffe Die Dampftabelle ... MPa C m 3 /kg m 3 /kg ... 0, ,23 0, ,

Die 4 Phasen des Carnot-Prozesses

Feuchteschutz. Ziegel, 1800 kg/m3, 1952 (MZ, HLz) DIN 4108 U=0,2. 3-Liter-Haus U=0,15

PCG Grundpraktikum Versuch 5 Lösungswärme Multiple Choice Test

THEMA Wie entsteht Regen, Schnee, Hagel, Eisregen? Warum ist Schnee weiß und Eis durchsichtig? Warum stürzen im Winter die Dächer ein?

Thermodynamik 1. Typen der thermodynamischen Systeme. Intensive und extensive Zustandsgröße. Phasenübergänge. Ausdehnung bei Erwärmung.

Formelsammlung Abfallwirtschaft Seite 1/6 Wärmekapazität Prof. Dr. Werner Bidlingmaier & Dr.-Ing. Christian Springer

Grundlagen der Wärmelehre

Bauphysik Ⅱ ( )

1. Klausur ist am 5.12.! Jetzt lernen! Klausuranmeldung: Bitte heute in Listen eintragen!

Niederschläge verschiedener Art

Versuch 14: Dampfdruckkurve - Messung der Dampfdruckkurven leicht verdampfbarer Flüssigkeiten -

HYGROMETRIE. Im folgenden werden vier unterschiedliche Verfahren zur Bestimmung der relativen Luftfeuchtigkeit vorgestellt. 1.

Betrachtungen zur Dampfdiffusion. in Baustoffen und Bauteilen

Wohlfühlklima. In welchem Raumklima fühlt sich der Mensch am wohlsten?

Zum Beispiel: Außenluft: 1500 m³/h Umluft: 3000 m³/h Daraus ergibt sich eine Gesamtluftmenge von 4500 m³/h.

0,13. 0,015 x 0,01 0,145 0,145 0,02 1,0 1,0 0,18. Konventionelle Wärmeübergangswiderstände (Bemessungswerte) nach DIN EN ISO 6946, Tabelle 1 0,04

Aber sicher! Steinwolle-Dämmung für Kälteleitungen. Berlin, Andreas Nowoczin

Kein Tauwasser (Feuchteschutz) sd-wert: 10.7 m. Temperatur Taupunkt. Außen. 5 DWD Agepan (16 mm)

Venta-Luftwäscher. Warum Luftbefeuchtung. Auswirkungen trockener Luft

Feuchteschutz. 1 3 Hartschaum, PUR (140 mm) 4 Beton armiert (70 mm)

Transkript:

4 Wasser, Wasserdampf Theorie 4.1 Der Partial- und Sättigungsdruck (Gesetz von Dalton) In einem Gasgemisch (Volumen V, Temperatur T) übt jede Gaskomponente einen Teildruck (Partialdruck) p i aus, der genau so gross ist, wie wenn alle restlichen Gase nicht vorhanden wären. Der Gesamtdruck ist die Summe aller Partialdrücke. In der Bauphysik spielt der Partialdruck von Wasserdampf eine zentrale Rolle! Der Sättigungsdruck Die Erfahrung zeigt, dass der Partialdruck von Wasserdampf bei einer bestimmten Temperatur nicht grösser sein kann als ein gewisser Grenz- oder Sättigungswert. Versucht man diesen Sättigungsdruck p s durch Zuführen von Wasser (Befeuchtung) zu erhöhen, so steigt der Partialdruck nicht weiter an, sondern der überschüssige Wasserdampf wird in Form von flüssigem Wasser ausgeschieden. Man spricht dann von Kondensat (Schwitzwasser, Tau, Kondenswasser). Für die Beziehung zwischen der Temperatur und dem Sättigungsdruck existiert keine einfache physikalische Formel, weshalb der Zusammenhang entweder grafisch oder tabellarisch wiedergegeben wird (Sättigungsdrucktabelle oder Sättigungsdruckkurve): 1

1 bar = 1.0 x 10 5 Pascal Der Sättigungsdruck nimmt mit zunehmender Temperatur stark zu. Bei 0 C beträgt er 611 Pa, bei 20 C bereits 2338 Pa. Analog wie Partialdruck und Partialdichte, lassen sich auch Sättigungsdruck und Sättigungsdichte mit Hilfe der Gasgleichung ineinander umrechnen: 2

4.2 Die Feuchtigkeit Die relative Luftfeuchtigkeit Die relative Luftfeuchtigkeit φ ist definiert als der Quotient aus Partialdruck und Sättigungsdruck bei der betreffenden Temperatur. Sie wird meistens in % angegeben. p φ = = ps Partialdruck Sättigungsdruck Beispiel: Für unser Beispiel mit p = 1353 Pa Partialdruck beträgt somit die relative Feuchtigkeit bei 20 C: φ = = = % Merke: Die Sättigungskurve erstreckt sich physikalisch auch in den Bereich negativer Temperaturen. Eis kann ohne zu schmelzen direkt in den Gaszustand übergehen. Man nennt diesen Vorgang Sublimation. Im Winter kann somit Schnee verschwinden, auch wenn die Temperatur nie über 0 C steigt. Ebenso kann Wasserdampf bei tiefen Temperaturen direkt durch Sublimation in den gefrorenen Zustand übergehen (Raureif, Graupeln). Liegt bei einer bestimmten Temperatur ungesättigter Wasserdampf vor (zum Beispiel φ = 50% bei 20 C), so kann man die Sättigung statt durch Zuführen von Wasserdampf bis auf 17.3 g/m 3 auch durch Abkühlen der Luft bei konstanter absoluter Feuchtigkeit erreichen. Die Temperatur, bei der dies geschieht, heisst Taupunkttemperatur. Unterschreitet irgendeine Oberfläche die Taupunkttemperatur, so entsteht Oberflächenkondensat. 3

4.3 Diffusion von Wasserdampf Lässt man Tintentropfen ins Wasser fallen, so werden sich Farbmoleküle im Laufe der Zeit gleichmässig im Wasser verteilen und es homogen einfärben. Der Grund für dieses Verhalten liegt im Bestreben der Teilchen, den zur Verfügung stehenden Raum einzunehmen und voll zu beanspruchen. Den Vorgang selbst nennt man Diffusion. In Gasen ist der Antrieb für die Diffusionsbewegung ein Konzentrationsunterschied, welcher in der Bauphysik durch eine Partialdruckdifferenz von Wasserdampf beschrieben werden kann. Als Wasserdampfdiffusion bezeichnet man die Eigenbewegung des Wasserdampfes durch Bau- und Dämmstoffe hindurch. Triebkraft hierfür sind unterschiedliche Wasserdampfdrücke auf den beiden Seiten eines Bauteils. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf wandert von der Seite des höheren Dampfpartialdrucks in Richtung des Druckgefälles. Der Wasserdampfpartialdruck ist von der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit abhängig. Die folgende Abbildung zeigt die Wasserdampfdiffusion bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Im Winter ist in der kalten Aussenluft weniger Dampf enthalten als in der warmen Innenluft - trotz gleicher relativer Luftfeuchte. Der Wasserdampf wandert dann von der warmen zur kalten Seite nach außen. Dabei kann ein Teil des Wasserdampfes im Bauteil kondensieren. Im Sommer kann wegen der umgekehrten Temperaturverhältnisse eine Dampfdiffusion von außen nach innen stattfinden; auch wenn die relative Luftfeuchte gleich ist. Eine Wasserdampfwanderung tritt aber auch bei gleichen Temperaturen ein, wenn Unterschiede in der relativen Luftfeuchtigkeit vorhanden sind. 4

Wichtig: Der Stofftransport von Wasserdampf kann z.b. durch eine Dampfsperre (z.b. Metallfolien) vollständig unterbunden werden, der Wärmetransport dagegen nicht! 4.4 Wasserdampfwiderstand Zur Berechnung des Wasserdampfdiffusionsdurchlasswiderstandes, der den Widerstand kennzeichnet den ein komplettes Bauteil der Diffusion entgegensetzt, wird die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke herzangezogen. Beispiel: In der folgenden Tabelle ist die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke für verschiedene Baustoffe ermittelt worden. So bringt z.b. ein 0.24 m starker Kalksandstein dem Wasserdampf den gleichen Diffusionswiderstand wie eine 3.6 m starke Luftschicht entgegen. Baustoff Wasserdampf- Bauteildicke Wasserdampfdiffusions- Diffusionswider- s in m äquivalente Luftschichtstandszahl dicke sd in m Stahlbeton 100 0,20 20,0 Kalksandstein 15 0,24 3,6 Mineralfaser 1 0,10 0,1 PE-Folie 100.000 0,0002 20,0 Die Wasserdampfdiffusionsstromdichte i gibt an, welche Wasserdampfmenge in kg/h durch 1 m 2 eines Bauteils diffundiert. 5