Basale Förderung in der Schule Grundlagen der Basalen Stimulation: Andreas Fröhlich: Basale Stimulation. (das Konzept) Andreas Fröhlich beschreibt in seinem Buch Basale Stimulation das Grundkonzept der basalen Förderung. Im Bereich der S Klassen finden wir immer häufiger auch basale Klassen, in denen schwer mehrfachbehinderte Kinder unterrichtet werden. Kinder, von denen hier die Rede ist, leben unter der Bedingung einer komplexen Beeinträchtigung. Erheblich eingeschränkt oder verändert sind in der Regel alle Erlebens- und Ausdrucksmöglichkeiten. Eine Zuordnung zu einem so genannten Leitsymptom im Sinne einer klassischen Behinderung wie körperbehindert, geistigbehindert, sinnesgeschädigt wird nicht vorgenommen, weil dies den Charakter der Komplexität der Beeinträchtigung einerseits und die Ganzheitlichkeit des Individuums andererseits ignoriert. Es handelt sich also um eine Beeinträchtigung des ganzen Kindes, die so schwer ist, dass das Kind in den meisten Bereichen an die Grenzen, dessen stößt, was in unserem zwischenmenschlichen Umgang noch als normal gilt. Entstehungsbedingungen: Derzeit ist es noch nicht möglich eine genaue Übersicht über die Entstehungsbedingungen schwerster Behinderung zu geben. Man orientiert sich an den allgemein bekannten Ursachen von Behinderung. Dabei ist die gesamte Breite von genetischen, chromosomalen, metabolischen, neurologischen und traumatischen Ursachen einzubeziehen. Dies gilt für die Pränatalzeit, Perinatalzeit und die nachgeburtliche Periode. Darüber hinaus können schädigende Einflüsse in jedem Lebensalter zu Formen schwerster Behinderung führen.
Ansatz der Förderung: Diese Kinder haben aufgrund ihrer erlittenen Schädigung und der erlebten Beeinträchtigungen ganz besondere Bedürfnisse für ihre eigene Entwicklung und für den Umgang mit anderen Menschen: Sie brauchen viel körperliche Nähe, um direkte Erfahrungen machen zu können. Sie brauchen körperliche Nähe, um andere Menschen wahrnehmen zu können. Sie brauchen andere Menschen, die ihnen die Umwelt auf einfachste Weise nahe bringen. Sie brauchen andere Menschen, die ihnen Fortbewegung und Lageveränderung ermöglichen. Sie brauchen jemanden, der sie auch ohne Sprache versteht und sie zuverlässig versorgt und pflegt. Die Welt schwerstbehinderter Menschen ist meist reduziert oder konzentriert auf die unmittelbare Körpersphäre und ein ganzheitliches körperlich-seelisches Erleben. Dies ist eine Lebensform, die wir alle im Säuglingsalter durchlaufen haben; wir haben mit dieser Lebensform Erfahrung gesammelt, mit unseren Sinnen, unserer Wahrnehmung und können diese Erfahrungen auch wieder aktivieren, um sie nutzbar zu machen.
Wahrnehmung Jedes Lebewesen hat bestimmte Fähigkeiten sich Informationen aus der Umwelt zu beschaffen, sie mit dem eigenen Körper in Verbindung zu bringen und daraus Vorstellungen zu entwickeln, die seine weiteren Aktivitäten beeinflussen. Wahrnehmung ist ohne spezifische Wahrnehmungsorgane (Augen Ohren Nase, Mund und Haut...) nicht denkbar. Mit diesen nehmen wir Reizinformationen auf, die unser Gehirn dann verarbeitet und speichert. Andreas Fröhlich weist in seinem Buch darauf hin, dass sich Verhaltensweisen die auf Wahrnehmungsaktivität und Wahrnehmungsfähigkeit schließen lassen, bereits in frühen Phasen des vorgeburtlichen intrauterinen Lebens zeigen. Bereits ab dem 4. Schwangerschaftsmonat werden komplexe Antworten auf äußere Veränderungen beobachtet. Beispiele: Das Kind reagiert mit kodierten Bewegungen auf Lageveränderungen der Mutter. Kinder beruhigen sich, wenn die Mutter ein Lied singt, oder geraten in hohe Erregung, wenn von außen Geräusche oder laute Musik auf sie eindringen. Auch Berührungen werden wahrgenommen. Diese Beispiele illustrieren die These von der Grundlegung der Wahrnehmungserfahrung im vestibulären, vibratorischen und somatischen Bereich.
Basale Fördermöglichkeiten im Unterricht: Vestibulärer Bereich: Die vestibuläre Anregung knüpft an frühe Bewegungserfahrungen im Mutterleib an, durch Auf- und Abbewegungen, Schaukelbewegungen, sowie Drehbewegungen. Materialien, die diese Erfahrungen ermöglichen sind: Schaukelwannen Hängematten Hängeschaukeln Rollen Hängesessel Rollbretter Schaukelstuhl Vibratorischer Bereich: Auch hier knüpfen wir bei sehr frühen kindlichen Hörerfahrungen im Mutterleib an. Kinder erleben Vibrationen von Instrumenten, Gebrauchsgegenständen,... Materialien, die Erfahrungen in diesem Bereich ermöglichen sind: Instrumente wie Gitarre Schiltztrommeln Mixer elektrische Zahnbürste Massagegeräte
Somatischer Bereich: Propriozeptorischer Bereich: Hier geht es darum den eigenen Körper wahrzunehmen, ein Körpergefühl zu entwickeln. Tätigkeiten und Materialien, die diese Erfahrungen ermöglichen sind: Massagen mit unterschiedlichen Materialien: Selbstgemachte Massagerollen: Malerwalzen wurden mit unterschiedlichen Materialien überzogen, und ermöglichen dadurch eine Vielzahl von taktilen und propriozeptorischen Erfahrungen. Massagehandschuh: Auf dem unterschiedliche Materialien befestigt werden können. Diese ermöglichen wiederum eine Vielzahl von Empfindungen.
Tuttis: (Materialsäckchen die an unterschiedlichen Körperstellen aufgelegt werden) Tuttis: Mit Kunststoffgranulat gefüllte Säckchen, die sich in der Förderung vielseitig einsetzen lassen. Verschiedene Lagerung des Körpers: Diese kann durch Rollen und Kissen unterstützt werden. Taktiler Bereich: Dieser Bereich ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien. Auch in der Textilen Werkerziehung gibt es unzählige Möglichkeiten der Förderung Materialien, die diese Erfahrungen fördern sind: Materialerfahrungen mit Stoffen, Naturmaterialien, Fasern, Fäden, Schnüren, Steinen,... Beispiele: Taststraße oder Tastdecke: Unterschiedliche Stoffe werden auf einem Streifen einer Decke befestigt. Die Kinder können draufgelegt werden oder krabbeln. Dabei nehmen sie unterschiedliche Reize wahr.
Spürschlauch: In den doppelt genähten Schlauch werden unterschiedliche Materialien eingefüllt. Der Schlauch wird auf die Hand / das Bein des kindes gesteckt und durch bewegen und massieren werden unterschiedliche Reize spürbar. Kinästhetischer Bereich: Hier geht es darum Bewegungen des eigenen Körpers wahrzumehmen, zu erleben oder sie sogar selbst steuern. Dem Kind werden Angebote gemacht, die es anregen Bewegungen auszuführen. Bewegungen des Kindes werden durch Hilfestellung unterstützt. Trockendusche Labyrinthspiel: Heidi Schoeller