Migration - Ängste, Sorgen, Wut

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Transkript:

Ulrich Wagner Fachbereich Psychologie & Zentrum für Konfliktforschung wagner1@uni-marburg.de http://www.sozialpsychologie-marburg.de http://www.uni-marburg.de/konfliktforschung Migration - Ängste, Sorgen, Wut Kriminalitätsfurcht Angst vor Fremden Integration = Prävention Vortrag im Rahmen der "Mainzer Universitätsgespräche" zum Thema "Das neue Unbehagen? Sorgen, Ängste, Nöte in der Gegenwart" 1

Ängste der Deutschen 2017 R+V Versicherung 2017 https://www.ruv.de/s taticfiles/ruvde/download s/presse/aengste der deutschen 2017/grafiken/StaticF iles_auto/ruv aengste 2017 uebersicht platz 1 10.JPG

Ursachen von Kriminalitätsfurcht Kriminalitätsbelastung - polizeirelevant Kriminalitätsfurcht - vor Orten (Angstorte)

Kriminalitätsfurcht und Kriminalitätsbelastung Kriminalitätsfurcht: Wie sicher fühlen Sie sich oder würden Sie sich fühlen, wenn Sie nach Einbruch der Dunkelheit alleine zu Fuß in Ihrer Wohngegend unterwegs sind oder wären? Kriminalitätsbelastung: Polizeiliche Kriminalitätsstatistik Bug, M., Kroh, M., & Meier, K. (2015). Regionale Kriminalitätsbelastung und Kriminalitätsfurcht: Befunde der WISIND-Studie. DIW- 4 Wochenbericht, 82(12), 259-269.

Ursachen von Kriminalitätsfurcht Kriminalitätsbelastung - polizeirelevant - nicht strafrechtlich Gerede - Politik - Presse - Netzwerke Kriminalitätsfurcht - vor Orten (Angstorte)

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Kriminalitätsfurcht und Bedrohungslage Jugendkriminalität Pfeiffer, C., Baier, D., & Kliem, S. (2018). Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland. Schwerpunkte: Jugendliche und Flüchtlinge als Täter. Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaft.

Ursachen von Kriminalitätsfurcht Kriminalitätsbelastung - polizeirelevant - nicht strafrechtlich Gerede - Politik - Presse - Netzwerke Kriminalitätsfurcht - vor Orten (Angstorte) - vor Gruppen

Migration - Ängste, Sorgen, Wut Kriminalitätsfurcht Angst vor Fremden Integration = Prävention

Kategorisierung, Gruppenbildung und Stereotypisierung Untersuchungen mit "minimalen Gruppen" Geldverteilung zwischen einem Mitglied der Eigen- und der Fremdgruppe Ingroup Mitglied 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Outgroup Mitglied 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 O O O O O O O O O O O Tajfel, H., Billig, M.G., Bundy, R.O., & Flament, C. (1971). Social categorization and intergroup behaviour. European Journal of Social Psychology, 1, 149 178.

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Kategorisierung, Gruppenbildung und Stereotypisierung Untersuchungen mit "minimalen Gruppen" Geldverteilung zwischen einem Mitglied der Eigen- und der Fremdgruppe Ingroup Mitglied 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Outgroup Mitglied 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 Ingroup Mitglied 10 40 60 Outgroup Mitglied 40 10 50 O O O O O O O O O O O O O O Tajfel, H., Billig, M.G., Bundy, R.O., & Flament, C. (1971). Social categorization and intergroup behaviour. European Journal of Social Psychology, 1, 149 178.

Kategorisierung, Gruppenbildung und Stereotypisierung Untersuchungen mit "minimalen Gruppen" Geldverteilung zwischen einem Mitglied der Eigen- und der Fremdgruppe Ingroup Mitglied 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Outgroup Mitglied 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 O O O O O O O O O O O Ingroup Mitglied 10 40 60 Outgroup Mitglied 40 10 50 O O O Tajfel, H., Billig, M.G., Bundy, R.O., & Flament, C. (1971). Social categorization and intergroup behaviour. European Journal of Social Psychology, 1, 149 178. Theorie der sozialen Identität 1. Kategorien /Gruppenzugehörigkeiten sind identitätsrelevant. 2. Streben nach positiver Identität Einflussfaktoren: Identifikation, Salienz. Konflikte Tajfel., H. (1978). Differentiation between social groups. London: Academic Press.

Die Erinnerung positiven und negativen Verhaltens Prozentsatz korrekter Zuschreibungen og ig positives negatives Verhalten Howard, J.W. & Rothbart, M. (1980). Social categorization and memory for in-group and out-group behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 38, 301-310.

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Was sind die klassischen Vorurteile gegen Juden in Deutschland? Was sind die klassischen Vorurteile gegen Sinti und Roma?

Was sind die klassischen Vorurteile gegen Juden in Deutschland? Was sind die klassischen Vorurteile gegen Sinti und Roma? Gesellschaftliche Stereotype und persönliche Vorurteile Menschen mit vielen und wenigen Vorurteilen kennen die Stereotypen, die es in ihrer Gesellschaft über verschiedene Gruppen gibt. Menschen mit niedrigen Vorurteile unterdrücken das Aufkommen dieser Stereotype. Aber: Wenn keine Kontrollmöglichkeit besteht, können auch Menschen mit wenig Vorurteilen von gesellschaftlichen Stereotypen beeinflusst werden. Devine, P.G. (1989). Stereotypes and prejudice: Their automatic and controlled response. Journal of Personality and Social Psychology, 56. 5-18.

Verhalten in Stresssituationen Sadler, M.S., Correll, J., Park B., & Judd, C.M. (2012). The world is not black and white: Racial bias in the direction to soot in a multiethnic context. Journal of Social Issues, 68, 286-313.

Furcht vor "den Fremden" oder Hass Wagner, U. & Christ, O. (2007). Intergroup aggression and emotions: A framework and first data. In G. Steffgen & M. Gollwitzer, M. (eds.), Emotions and aggressive behavior. Göttingen: Hogrefe

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Stereotype Threat und intellektuelle Testleistungen Wenn ein Mitglied einer stereotypisierten Gruppe eine Aufgabe durchführen soll, die für das entsprechende Stereotyp relevant ist, fürchtet die Person, dieses negative Stereotyp zu bestätigen. Diese wahrgenommene Selbstgefährdung kann die (intellektuelle) Funktionsweise beeinträchtigen. Stanford Studierende Vorlage einer Aufgabe als diagnostisch ( Die Studie hängt mit verbalen Denkfähigkeiten zusammen ) vs. nicht diagnostisch (kein Bezug zur verbalen Fähigkeit) Studie 2: N = 40 Steele, C.M. & Aronson, J. (1995). Stereotype threat and the intellectual test performance of African Americans. Journal of Personality and Social Psychology, 69, 797-811.

Labelling N = 181 Heranwachsende in Kursen zum nachgeholten Hauptschulabschluss Societal disintegration T1.53*** Societal disintegration T2.44***. 22*.46***.30** Negative Metastereotypes T1.36*** Negative Metastereotypes T2.00.22**. 25***.14 Aggressive conflicts T1.67*** Aggression in conflicts T2 Issmer, C. & Wagner, U. (2015). Perceived marginalization and aggression: A longitudinal study with low-educated adolescents. British Journal of Social Psychology, 54, 1-18. χ² (68) = 101.854 CFI:.983 RMSEA: 23.052 SRMR:.062

Gewaltentwicklung Pfeiffer, C., Baier, D., & Kliem, S. (2018). Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland. Schwerpunkte: Jugendliche und Flüchtlinge als Täter. Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaft.

Das "Klima" in der Nachbarschaft und Akkulturationspräferenzen von Einwanderern N1 = 317 immigrants from non-western cultures and N2 = 3496 Germans without migration background nested in districts. Data sampling 2007 and 2011. Christ, O., Asbrock, F., Dhont, K., Pettigrew, T.F., & Wagner, U. (2013). The effects of intergroup climate on immigrants' acculturation preferences. Zeitschrift für Psychologie, 221, 252-257.

(Religiöse motivierte) Extremistische Gewalttaten in Deutschland 2016 26.02.2016 Messerattacke auf Polizisten in Hannover 16.04.2016 Sprengstoffanschlag auf Sikh Gebetshaus in Essen 18.07.2016 Axtangriff in Regionalbahn bei Würzburg 24.07.2016 Sprengstoffanschlag in Ansbach 19.12.2016 Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt afghanischer oder pakistanischer Geflüchteter syrischer Geflüchteter tunesischer Kleinkrimineller 15 jähriges Mädchen Migrationshintergrund Deutsch Marokkanerin 16 Jahre in Deutschland geboren Migrationshintergrund minderjährig seit 1 Jahr in Deutschland, bei einer Pflegefamilie 27 Jahre seit 2 Jahren in Deutschland 24 Jahre seit 2010 in Europa auf der Flucht siehe https://de.wikipedia.org/wiki/liste_von_terroranschl%c3%a4gen

(Religiös) terroristische Karriere individuelle Unsicherheit / Krise Eigengruppen-Fremdgruppen-Einteilung Gefühle von (kollektiver) Benachteiligung (religiöse) Ideologie der Legitimation Radikalisierung Gewalt Dehumanisierung der Fremdgruppe

(Religiös) terroristische Karriere individuelle Unsicherheit / Krise Eigengruppen-Fremdgruppen-Einteilung Gefühle von (kollektiver) Benachteiligung (religiöse) Ideologie der Legitimation Radikalisierung Gewalt Dehumanisierung der Fremdgruppe Prävention Verfolgungsdruck Strafandrohung Integrations- und Inklusionsangebote Kontakt Ausweisung Poller

Akkulturationsstrategien Wird es als sinnvoll angesehen, die eigene kulturelle Identität beizubehalten? ja nein Wird es als sinnvoll angesehen, Beziehungen zur anderen Kultur aufzunehmen? ja nein Berry, J.W., Kim, U., Power, S., Young, M., & Bujaki, M. (1989). Acculturation attitudes in plural societies. Applied Psychology: An International Journal, 38, 185-206. 29

Akkulturationsstrategien Wird es als sinnvoll angesehen, die eigene kulturelle Identität beizubehalten? ja nein ja Integration Assimilation Wird es als sinnvoll angesehen, Beziehungen zur anderen Kultur aufzunehmen? nein Separation Exklusion Berry, J.W., Kim, U., Power, S., Young, M., & Bujaki, M. (1989). Acculturation attitudes in plural societies. Applied Psychology: An International Journal, 38, 185-206. 30

Politik, tu was: Fluchtursachen bekämpfen Umweltschutz Konfliktprävention Entwicklungszusammenarbeit Einreisen sichern Asylanträge in Herkunftsregionen Einwanderungsgesetz Integration Verständigung über Zugehörigkeit und Integrationsziele bedürfnis-, entwickungsstand- und prozessorientierte Einbindungsangebote Familiennachzug erschwinglicher Wohnraum angemessene Beschäftigungen und Entlohnung