Mehrgenerationenwohnen ULRIKE SCHALLER-SCHOLZ-KOENEN, DIPL. SOZIALARBEITERIN/ -PÄDAGOGIN SABINE SEIFERT, PFLEGEDIENSTLEITERIN, M.A.
Grundsätzliches Mehrgenerationenwohnen ist eine zukunftsfähige Wohnform die dem Bedürfnis nach sozialen Kontakten, gegenseitiger Fürsorge und günstigem Wohnraum entgegenkommt. Es ist ein solidarisches, inklusives, gemeinschaftliches Wohnen für Menschen verschiedenen Alters, die Wert darauf legen, in einer Gemeinschaft zu leben und trotzdem ihren privaten Rückzugsbereich haben in verschiedenen Lebensformen (Familien, Alleinstehende aller Altersgruppen, Alleinerziehende ) mit Behinderungen mit Pflegebedürftigkeit mit Offenheit für nachbarschaftliche Aktivitäten die sich gegenseitig ehrenamtlich unterstützen möchten (Einkaufsdienste, Arztbesuche miteinander koordinieren usw.) in abgeschlossenen eigenen Wohnungen, unterschiedlicher Größe. Alle Wohnungen sollten barrierefrei erreichbar sein.
Was sollten Menschen mitbringen, wenn sie gemeinschaftlich mit mehreren Generationen wohnen möchten? Menschen die gemeinschaftlich wohnen möchten sollten Spaß an der Gestaltung des Zusammenlebens und der Gemeinschaft in der Wohnanlage haben bereit sein Dienste für die Allgemeinheit zu übernehmen wie z.b. Besuchsdienste für die Pflegebedürftigen, Gartenarbeit, Angebote der Freizeitgestaltung, Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Botendienste, Bürodienste Interesse haben Gleichgesinnte zu finden bereit sein Erfahrungsraum über nachhaltige Gemeinschaftsbildung zu erleben die verschiedenen Lebensentwürfe anderer akzeptieren die Bereitschaft zur Lösung von Konflikten mitbringen den Wunsch nach Nähe und Distanz anderer respektieren bereits über gute soziale Kompetenzen verfügen
Gemeinschaftsräume Um die Gemeinschaft gezielt zu fördern, sollten großzügige gemeinschaftlich nutzbare Räumlichkeiten, sowie ein Außen- und Grünbereich zu Verfügung stehen. Denkbar sind: ein Gemeinschaftsraum mit Küche für gemeinsame Veranstaltungen und Aktivitäten sowie für Versammlungen oder Festlichkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner eine Werkstatt zum Reparieren vor Ort, alleine oder mit Experten aus der Wohnanlage ein Kreativraum für gemeinschaftliche Kunst- und Kulturprojekte aller Altersgruppen eine Gästewohnung in der die Bewohner/innen ihre Gäste unterbringen können, falls sie nicht genug Platz in der eigenen Wohnung haben eine Außenanlage mit der Möglichkeit des eigenen Gärtnerns, des gemeinsamen Grillens, des Spielens und der Begegnung im Allgemeinen ein Gartenhaus für die Gartengeräte Fahrradraum, Kellerraum, Wäschekeller mit Trockenraum
Spezielles Wohnangebot: Pflegewohnungen Für Pflegebedürftige jeden Alters und mit unterschiedlichem Assistenzbedarf sollten Wohnungen zur Verfügung stehen. Die Wohnungen sollten im Erdgeschoss zum begrünten Gemeinschaftsbereich hin gelegen sein. es muss eine sog. Rund um die Uhr-Betreuung durch eine Präsenzkraft sichergestellt werden, dieses könnte durch eine Angestellte der Sozialstation erfolgen die Präsenzkraft übernimmt alle Aufgaben im Haushalt, sowie leichte pflegerische und betreuerische Aufgaben die pflegebedürftigen Bewohner/innen zahlen einen Dienstleistungs- und Mietanteil fachpflegerische Aufgaben werden von Fachkräften der Sozialstation übernommen und sind in der Regel Leistungen der Pflege- und Krankenkasse eine feste Gruppe von den Mitbewohner/innen besucht die Pflegebedürftigen und erledigt ggf. Botengänge, Einkäufe u.ä. die Pflegebedürftigen sollten in Einzelzimmern untergebracht werden und zusätzlich einen Gemeinschaftsraum zur Verfügung haben es sollte in jeder Pflegewohnung ein Pflegebad zur Verfügung stehen
Was ist uns sonst noch wichtig? Eine zentrale Lage im Quartier ist eine sehr wichtige Voraussetzung! Gleichzeitig sollten folgende Faktoren bei der Auswahl des Standortes berücksichtigt werden: eine sehr gute Verkehrsanbindung an den öffentlichen Nahverkehr eine Stadtmobilstation in unmittelbarer Nähe oder ein eigenes Carsharing-Modell nahe Wege zu Bildungseinrichtungen, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Apotheke, Ärzten Eine gute Vernetzung mit öffentlichen und privaten Einrichtungen z.b. Vereinen, religiöse Gemeinschaften, Beratungsstellen eine gute Vernetzung mit den angrenzenden Stadtteilen und der Innenstadt Autos sollten idealer Weise in einer Tiefgarage unter der Anlage untergebracht werden, damit ausreichend Grün- und Begegnungsfläche zur Verfügung steht positive Wechselwirkungen mit dem Quartier: kleine und mittelständische Betriebe, z.b. kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf, kleine Handwerksbetriebe u.ä. Unverträglichkeit mit dem Quartier: Gewerbeeinheiten mit Schwerlastverkehr, hoher Lärmbelastung und extremer Umweltbelastung
Platzbedarf (Beispiel Generationenhof Landau) Bei 36 Wohnungen unterschiedlicher Größe: 3000 qm Wohnfläche 3000 qm Grundstücksfläche 250 qm Gemeinschaftsräume davon 70 qm Gemeinschaftsraum/Küche 30 qm Gästewohnung sonstige Gemeinschaftsräume 150 qm (Kinderspielzimmer, Werkstatt, Büro, Kellerräume, Trockenraum, Fahrradraum) Weitere Beispiele finden sich in den einzelnen Projektbeschreibungen unter Kontakte/Internetadressen
Kosten Genossenschaftliches Modell z.b. in Landau bei ca. 36 Wohnungen: Ca. 7,5 Mio. Investitionsvolumen Gründung der Genossenschaft La WOGE, die das gemeinschaftliche Wohnprojekt Generationenhof Landau betreibt 25% des Wohnungswertes muss als Einlage in die Genossenschaft gezahlt werden, die monatliche Nutzungsgebühr beträgt ca. 1000 für eine 100 qm große Wohnung es gab keine öffentliche Förderung, Finanzierung über KfW, private Darlehen, andere Darlehensmittel Andere Modelle: Häufig Genossenschaftsmodelle, jedoch mit teilweise gefördertem Wohnungsbau so z.b. bei Amaryllis eg in Bonn: 400 Einlage pro qm bei einer freifinanzierten Wohnung und 300 pro qm bei gefördertem Wohnungsbau sowie 8,70/5,20 Miete pro qm und 2,00 pro qm für Nebenkosten und Unterhalt der Gemeinschaftseinrichtungen
Kontakte/Internetadressen www.amaryllis-bonn.de/projekt.htmlstadtmobilstation www.lawoge.de www.neue-wohnformen.de www.mehrgenerationenhaus-heidelberg.de http://www.pwg1956.de/aktuelles/74-das-franzsische-quartier.html http://www.bgw-bielefeld.de/bielefelder-modell.html http://www.sos-kinderdorf.de/portal/ueber-sos-kinderdorf/sos-in-deutschland/sos-- mehrgenerationenhaeuser http://www.blauekarawane.de/pdf/konzept_blauhaus_30.05.2012.pdf
Anhang: Fotos vom Generationenhof Landau Rechte: Ulrike Schaller-Scholz-Koenen