Hilde Wagner, Funktionsbereich Tarifpolitik Lebensphasengerechte Arbeitszeit Betriebsrätekonferenz Baden-Württemberg Arbeit sicher und fair, Pforzheim 23. Oktober 2012
Inhalt 1. Arbeitszeitpolitische Trends 2. Beschlüsse des Gewerkschaftstags 3. Lebensphasengerechte Arbeitszeit Rechtliche Rahmenbedingungen Tarifpolitische Ausgangslage Handlungsoptionen 4. Arbeitszeitpolitische Initiativen der IG Metall 2
1. Arbeitszeitpolitische Trends Dauer und Entgrenzung der Arbeitszeit Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten, Metall- und Elektroindustrie und Gesamtwirtschaft, Deutschland, Quartalsdaten, Q1/2008-Q1/2011 42 Durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit (Std.) 41 40 39 38 37 36 Q1/08 Q2/08 Q3/08 Q4/08 Q1/09 Q2/09 Q3/09 Q4/09 Q1/10 Q2/10 Q3/10 Q4/10 Q1/11 Gesamtwirtschaft M+E Quelle: IAQ, 2012 IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 3
1. Arbeitszeitpolitische Trends Teilzeit in der M+E Industrie 30 Teilzeitquote, Metall- und Elektroindustrie, 2000/2010, Männer und Frauen 25 27,2 23,6 Anteil Teilzeitbeschäftigter (%) 20 15 10 5 6,4 7,7 0 1,4 Gesamt Männer Frauen 2,3 2000 2010 Quelle: Mikrozensus, IAQ 2012 IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 4
1. Arbeitszeitpolitische Trends Arbeitszeitdauer von Männern und Frauen mit/ohne Kinder 2006* (* hierzu keine aktuellere Datenlage vorhanden) - 2001-2006* (* hierzu keine aktuellere Datenlage vorhanden) Männer ohne Kinder 39,6 Männer mit 1 Kind 40,7 Männer mit 2 Kindern 41,5 Frauen ohne Kinder 32,8 6,7 6,8 Frauen mit 1 Kind 27,6 11,2 13,1 Frauen mit 2 Kindern 23,0 15,9 18,5 Quelle: Mikrozensus / alle Erwerbstätigen/ Berechnungen IAQ 2009 IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 5
1. Arbeitszeitpolitische Trends Wünsche der Beschäftigten IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 6
1. Arbeitszeitpolitische Trends Gewöhnliche Arbeitszeiten nach Art der Qualifikation Vollzeit M+E, Ost und West 2010 42,0 41,5 41,0 40,5 40,0 39,5 39,0 38,5 38,0 37,5 37,0 36,5 36,0 35,5 35,0 38,3 39,0 niedrig mittel hoch Quelle: Mikrozensus, IAQ 2009 und 2012 M+E 41,2 42 41 40 39 38 37 36 35 Vollzeit M+E, Westdeutschland 41,4 40,5 38,9 38,6 37,2 37,6 gering mittel hohe 2003 2006 IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 7
1. Arbeitszeitpolitische Trends Entgrenzung Arbeit / Privatleben - ständige Verfügbarkeit Erreichbarkeit der Beschäftigten außerhalb der regulären Arbeitszeit Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit stört sehr wenig / überhaupt nicht 84 % 66 % 51 % 41 % 26 % erreichbar jederzeit erreichbar Erwartete Erreichbarkeit Der freiwillig Erreichbaren Derjenigen mit erwarteter Erreichbarkeit Qelle: Umfrage des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (2010), eigene Darstellung IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 8
2. Beschlüsse des Gewerkschaftstags Thematische Schwerpunkt Arbeitszeitpolitischer Handlungsdruck spiegelt sich in den Anträgen an den Gewerkschaftstag 2011: Ca. 30 Anträge zu Arbeitszeit- und Leistungspolitik Davon 21 Anträge zu Arbeitszeitpolitik 6 Anträge zu Leistungspolitik/ Gute Arbeit 4 Anträge zur Verbindung Arbeitszeit- und Leistungspolitik Schwerpunkte der beschlossenen Anträge: Mehr Zeitsouveränität durch Stärkung der individuellen Wahl- und kollektiven Mitbestimmungsrechte (4060 Stuttgart, 4065 Bremen) Bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und familienfreundliche Arbeitszeiten (4067 und 4074 Aschaffenburg, 4070 Frauenausschuss beim, 4073 Wiesbaden-Limburg, 4075 und 4076 Region Hamburg) IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 9
2. Beschlüsse des Gewerkschaftstags Thematische Schwerpunkte - Schlussfolgerung Alter(n)sgerechte und gesundheitsförderliche Arbeitszeiten (4062 Aschaffenburg; 4069 Salzgitter-Peine, 4080 und 4086 Bremen, 4072 Fürth, 4087 Duisburg-Dinslaken) Leistungspolitische Ansätze und Verbindung von Arbeitszeit- und Leistungspolitik (4060 Stuttgart, 4061 Jena-Saalfeld, 4062 Aschaffenburg, 4063 Bremen, 4066 Bamberg, 4069 Salzgitter-Peine) Angleichung der tariflichen Arbeitszeiten in Ost und West (teileweise unter Berücksichtigung von Belastung und Alter (4009 Leipzig, 4077 Ost-Brandenburg, 4083 Zwickau) Schlussfolgerung: IG Metall hat den Handlungsdruck aufgegriffen im Sinne von Aufträgen für eine neue Initiative und neue Ansätze in der Arbeitszeitpolitik IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 10
3. Arbeitszeit - Rechtliche Rahmenbedingungen Rechtlicher Gestaltungsrahmen für Arbeitszeit 1 Arbeitszeitgesetz, 2 Teilzeit-und Befristungsgesetz, 3 Mutterschutzgesetz, 4 Jugendarbeitsschutzgesetz, 5 Flexi II -Gesetz Europarecht: Europäische Arbeitszeit- Richtlinie, etc. Gesetze: ArbZG 1 TzBfG 2 MuSchG 3 JArbSchG 4, Flexi II 5 etc. Tarifverträge Mitbestimmung des BR, Betriebsvereinbarungen Arbeitsvertrag IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 11
3. Lebensphasengerechte Arbeitszeit Tarifpolitische Ausgangslage TVs der Metall- und Elektroindustrie, u.a. Wöchentliche Arbeitszeit 35 Std (West) und 38 Std (Ost) Quotenregelung für 13 bzw. 18 Prozent im Betrieb bis zu 40 Std und erweiterte Möglichkeit, wenn mehr als 50 Prozent in EG 14 und höher Ungleichmäßige Verteilung der indiv. regelmäß. wöchent. AZ (irza) Arbeitszeitkonten in FlächenTVs der M+E-Industrie: In Baden- Württemberg Metall- und Elektroindustrie: Langzeitkonto (2005) Flexi-Konto (2005) Nordrhein-Westfalen Metall- und Elektroindustrie: Langzeitkonto (2005) Stahlindustrie Langzeitkonto (2001) Und in anderen Org.bereichen.: Z.B. IG BCE TV Lebensarbeitszeit und Demografie. IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 12
3. Baden-Württemberg: Die aktuellen Werkzeuge betrieblich verlangte Flexibilität; fair geregelt durch Mitbestimmung Individuelle, gesicherte Ansparmöglichkeit für die eigene Lebensplanung Individuelle tägliche Arbeitszeitgestaltung im Rahmen einer betrieblichen Regelung IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 13
3. Abgrenzung Flexi-/Lang-/Lebens- AZ Konto 150 130 110 90 70 50 30 10-10 -30 Flexi Lang Lebens Zeit IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 14
3. Nach Flexi II Gesetz : Wertguthaben Früher: Lang-/Lebensarbeitszeitkonten, jetzt: Wertguthaben Jetzt ( 7 Abs. 1a SGB IV und 7b SGB IV seit Dezember 2008) Beschäftigungsverhältnis auch während einer Freistellung von mehr als einem Monat, wenn Arbeitsentgelt aus einem Wertguthaben fällig ist Eine Wertguthabenvereinbarung liegt vor, wenn NICHT das Ziel der flexiblen Gestaltung der werktäglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit oder der Ausgleich betrieblicher Produktions- und Arbeitszeitzyklen verfolgt wird Arbeitszeit oder -entgelt in das Wertguthaben eingebracht wird, um letzteres in Zeiten der Freistellung von der Arbeitsleistung zu entnehmen Ergebnisse der Evaluation (für BMAS 2012) : Noch selten echte Langzeitkonten im Sinne Flexi II (mit längerfrist. Freistellung): Nur in 2 % der Betriebe insgesamt, in 13 % der Betriebe mit mehr als 500 Besch. Wichtigste Verwendungszwecke: 1. Vorzeitiger Übergang in Ruhestand 2. schwankende Auslastung im Betrieb (dafür nicht vorgesehen) Übertragbarkeit: noch mangelhaft (mögl. an Deutsche Rentenversicherung Bund) Insolvenzsicherung: gesetzliche Anforderung mit Mängeln in der Praxis (Problem: Bei Flexi-Konten keine Pflicht) IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 15
3. Lebensphasengerechte Arbeitszeit Handlungsoptionen Ausbau flankierender sozialpolitischer Maßnahmen... Mehr Zeitautonomie (für alle) Individuelle Anspruchs- und Verfügungsrechte stärken und verbindlich verankern Bei Arbeitszeitkonten: individuelle Entnahmerechte absichern, d.h. bei Langzeitkonten die Möglichkeit der Arbeitszeitentnahme während der Erwerbsarbeit erleichtern (kein Vorrang für Altersausstieg über LZK) Bei atypischen Arbeitszeiten: Beteiligung der Beschäftigten bei der Schicht- und Freischichtplanung Wahlmöglichkeiten zwischen Arbeitszeitmodellen stärken Innerhalb des tariflichen Regelungsrahmens Wahlmöglichkeiten für Arbeitszeithöhe stärken Keine Vertrauensarbeitszeit Arbeitszeiterfassung ist Voraussetzung für eigenes Zeitmanagement IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 16
3. Lebensphasengerechte Arbeitszeit - Handlungsoptionen Für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben Für betreuende Eltern größere Flexibilitätsspielräume schaffen z.b. durch größere Gleitzeitspannen, Wahlarbeitszeitmodelle (Rückkehr)Rechte bei Teilzeit verbessern Debatte um kürzere Vollzeit für beide (Beachten: Verknüpfung mit Entgeltfrage, Umfeld der Metall- und Elektroindustrie ) Eindämmung der Wochenend- und Feiertagsarbeit Arbeitszeitregulierung auch bei Telearbeit Für alter(n)sgerechte Arbeitszeiten Belastungsnahe Erholungs- und Regenerationszeiten thematisieren und verankern Für besonders belastete Beschäftigte (und ggf. für ältere Beschäftigte) zusätzlich freie Arbeitszeitvolumen, z. B in Form von bezahlten Freischichten oder zusätzlich freier Tage Ausstiegsoptionen für ältere Beschäftigte aus der Nacht- und Schichtarbeit IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 17
3. Lebensphasengerechte Arbeitszeit Handlungsoptionen Erweiterte Regelungen zu Qualifizierungszeiten, Teilzeit-Quali verblockte Quali nach TV KQB (Forum 1) Verbesserung der Möglichkeiten des Altersausstiegs (Forum 8) Vorzeitiger Altersausstieg gegenwärtig in der MuE-Industrie über - Langzeitkonten (geregelt durch Flexi II und einzelne TVs) - Altersteilzeit - seit 2009 TV FlexÜ (Laufzeit bis 2016) mit zwei Zugangsmöglichkeiten a) für Schichtarbeiter ab 57 ein 6jähriges Altersteilzeitverhältnis b) für alle übrigen Beschäftigten ein vierjähriges direkt vor der ungekürzten Altersrente Kampagne Gute Arbeit gut in Rente - Ausstiegsoptionen: Neue Altersteilzeit und abschlagsfreier Ausstieg für langjährig Versicherte (nach 45 Versicherungsjahren und nach 40 VJ und dem vollendeten 60. Lebensjahr) und Erwerbsgeminderte TKs sollten über weitere mögliche demografieorientierte Bausteine beraten IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 18
3. Altersstruktur M+E (2/2012) IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 19
4. Arbeitszeitpolitische Initiative(n) der IG Metall In den letzten Jahren partielle Arbeitszeitinitiativen (BaWü gegen Verfall von AZ, Gute Arbeit Arbeitszeit-TÜV, FB Tarifpolitik Vorarbeiten für eine arbeitszeit- und leistungspolitische Initiative, für bessere Vereinbarkeit ) - unterbrochen durch Krise 2008/2009, Perspektiven 2012/2013. Neu: Arbeitszeit- und Leistungspolitik als optionale Themen in den beschlossenen Kampagnen Arbeit sicher und fair und Gute Arbeit gut in Rente Initiativen bündeln, eine gemeinsame Initiative entwickeln, die an gemeinsamen Interessenlagen (über alle Arbeitszeitkonstellationen hinweg) anknüpft Gemeinsame Orientierung: Stärkung der individuellen Anspruchs- und Verfügungsrechte der Beschäftigten auf der Basis kollektiver Mitbestimmung und tariflicher Regelungen Es ist Zeit, dass wir was drehen! IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 20
Danke für Eure Aufmerksamkeit! IG Metall, Funktionsbereich Tarifpolitik, Hilde Wagner 21