Making healing possible Larventherapie Eine Informationsbroschüre für Pflegende und Patienten
Eine Informationsbroschüre für Pflegende und Patienten Die Larventherapie Entstehung einer chronischen Wunde Mit dem Begriff Larventherapie wird die Verwendung von Larven, genauer von Larven der Fliegenart Lucilia sericata, zur Entfernung von abgestorbenem Gewebe und (fibrinösen) Belägen von Wundoberflächen beschrieben. Von Naturvölkern wurden Larven dieser Spezies schon vor Urzeiten zur Reinigung schwer heilender Wunden verwendet, um den Heilungsprozess in Gang zu setzen. Bereits Napoleons Feldarzt D. J. Larrey sowie dann, im Ersten Weltkrieg, Dr. William S. Bear erkannten den Nutzen dieser Therapie, die bis zum Beginn der Antibiotika-Ära in den 1920er Jahren eine immer weitere Verbreitung fand. Heutzutage wird die Larventherapie auch zunehmend als Antwort auf die wachsenden Herausforderungen durch multiresistente, häufig in chronischen Wunden vorkommende Bakterien eingesetzt 16,6. Eine normale Wundheilung folgt einem geordneten Ablauf zellulärer und biochemischer Vorgänge, die den Wundverschluss innerhalb weniger Wochen ermöglichen. Die drei wesentlichen Phasen der Wundheilung sind die Entzündungs-, Proliferationsund Reparationsphase. In chronischen Wunden ist dieser Vorgang gestört. Mögliche Gründe dafür können Beläge oder abgestorbenes Gewebe auf der Wundoberfläche, eine Infektion, eine anhaltende Entzündung, ein Zuviel oder Zuwenig von Wundflüssigkeit oder eine falsche Zusammensetzung der Wundflüssigkeit darstellen.
Anwendung verschiedener Applikationsformen Vorteile der Larventherapie und Bedeutung in der Praxis Reduktion der Keimbelastung als Teil des Débridements Eine Larventherapie kann mit freien Larven (sogenannten Freiläufern) oder mit Larven in einer teebeutelähnlichen Verpackung durchgeführt werden. Die Larven können bis zu vier Tage in der Wunde verbleiben. Abhängig von der Menge des zu beseitigenden, den Heilungsprozess störenden Belags, sollte die Wunde erfahrungsgemäß nach 1 bis 3 Anwendungen sauber sein. Bei der Verwendung von freien Larven muss der Verband so angelegt werden, dass ein Entweichen der Larven verhindert wird. Die Verwendung von bereits verpackten Larven erleichtert wiederum das Aufbringen und die Entfernung erheblich. Die Larvenbeutel sind in verschiedenen Größen erhältlich. Sie werden einfach auf die zu reinigenden Wundbereiche aufgebracht und mit einem geeigneten Verband versehen. Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe, fibrinösen und bakteriellen Belägen sowie Fremdkörpern vom Wundbett (auch bezeichnet als Débridement) ist der erste Schritt zur Wundheilung 14 und zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Die Larventherapie beruht auf der Wirkung von eiweißauflösenden Enzymen (Proteasen), die im Speichel der Larven enthalten sind. Dadurch wird das tote Gewebe verflüssigt und anschließend von den Larven als Nahrung aufgesaugt (extrakorporale Verdauung) 6. Die dafür verantwortlichen Enzyme sind zu einem großen Teil bekannt und identifiziert 1,3,15. Auf Grund klinischer Beobachtungen kann man davon ausgehen, dass nur abgestorbenes Gewebe entfernt und das durchblutete, gesunde Gewebe nicht beeinträchtigt wird. In der Literatur wird für die Larventherapie auch häufig der Begriff Biochirurgie verwendet 7,14,16. Die wundreinigende Wirkung der Larventherapie ist durch prospektive, kontrollierte klinische Studien belegt 5,9,10. Die Reduktion der Keimbelastung ist nicht durch prospektive, kontrollierte klinische Studien belegt, wird aber durch die klinische Beobachtung und entsprechende Laboruntersuchungen gestützt 13. Mit dem toten Gewebe werden generell auch Bakterien und bakterielle Biofilme entfernt und so die Keimbelastung deutlich reduziert 8,17. Außerdem wurden in den Larvensekreten ein antibakteriell wirkendes Peptid (Lucifensin) 2 und ein antimykotisch wirkendes Peptid (Lucimycin) 11 nachgewiesen. Diese Defensine werden von Lucilia sericata als natürliche Abwehrstoffe produziert. Sie reagieren keimspezifisch auf vorhandene Erreger, denen die Larven in einem hoch-kontaminierten Lebensraum ständig begegnen 2. Larven konnten im experimentellen Modell bakterielle Biofilme effizient und im Vergleich zu anderen antibakteriellen Maßnahmen in kürzester Zeit entfernen 4.
Wundheilungsfördernde Wirkung Im Rahmen der Larventherapie wird eine verstärkte Neubildung von Granulationsgewebe beobachtet 7,13. In experimentellen Untersuchungen konnten Hinweise gefunden werden, die diese klinische Beobachtung stützen 12. Einfache Handhabung Weitere Antworten auf häufig gestellte Fragen Woher kommen die für die Therapie verwendeten Larven? Die für die Wundbehandlung eingesetzten Larven der Goldfliege (Lucilia sericata) werden zum Beispiel in den modernen Produktionsstätten der BioMonde GmbH gezüchtet. Bei den medizinischen Fliegenlarven handelt es sich um zugelassene Arzneimittel, welche strengen Auflagen unterliegen und unter sterilen Bedingungen hergestellt werden. Larvenprodukte sind als Freiläufer oder eingeschweißt, in mehreren praktischen Formaten, erhältlich und verhältnismäßig einfach zu applizieren. Sie werden als nicht-invasive Maßnahme in der Regel sehr gut toleriert. Außerdem liegt dem gelieferten Produkt ein leicht verständlicher, bebilderter Anwendungsleitfaden bei.
Bei welchen Wunden findet die Larventherapie Anwendung? Die Larventherapie wird bei dem Débridement belegter chronischer oder schwer heilender Wunden eingesetzt, wenn eine instrumental-chirurgische Behandlung nicht erwünscht ist. Hierzu gehören zum Beispiel diabetische Wundheilungsstörungen (diabetisches Fußsyndrom), das chronische Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) oder das Druckgeschwür (Dekubitus). Wie groß sind die Larven? Die Larven, die zur Wundreinigung eingesetzt werden, sind anfangs nur 2-8mm lang und somit deutlich kleiner als ein Reiskorn. Während des Behandlungsverlaufs wachsen sie entsprechend dem Larvenstadium und der Aufnahme der Gewebeabbauprodukte auf bis zu 12mm. Wie lange dauert die Behandlung? Die Larven bleiben maximal vier Tage in der Wunde und werden dann bei Bedarf durch neue Larven ersetzt. Da der Prozess so effektiv ist, können Larven eine Wunde oftmals schon innerhalb weniger Tage reinigen. Sofern notwendig, kann die Therapie jedoch bedenkenlos über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Die Anzahl der Anwendung hängt vom Wundzustand ab, der Zeitpunkt des Therapie-Endes wird vom Arzt festgelegt, sollte jedoch nicht fünf Anwendungen überschreiten. Bohren sich Larven auch in gesundes Gewebe? Auf Grund klinischer Beobachtungen kann man davon ausgehen, dass nur abgestorbenes Gewebe entfernt und verdaut wird. Außerdem benötigen Larven, wie alle Lebewesen, Sauerstoff, sodass dies nicht zu erwarten ist. Können sich die Larven in einer Wunde vermehren? Nur ausgewachsene Fliegen können Eier legen, aus denen Larven schlüpfen; die Larven in der Wunde können sich aufgrund der Applikationsdauer nicht zu Fliegen entwickeln und somit auch nicht vermehren. Sie durchlaufen über mehrere Wochen, wie Schmetterlinge, eine Metamorphose mit Verpuppung. Worauf sollte ich während der Behandlung achten? In der Regel beeinträchtigen Larven das alltägliche Leben nicht. Dennoch sollten Sie idealerweise nicht baden oder die Wunde in Wasser tauchen. Des Weiteren ist es nicht ratsam, sich mit der Wunde zu nahe an einer Wärmequelle oder unter direktem Sonnenlicht aufzuhalten, da die Larven sonst austrocknen können. Beachten Sie bitte, dass Larven Lebewesen sind, die z.b. ersticken oder erdrückt werden können, weshalb Druck auf die Wunde zu vermeiden ist. Muss ich mit Komplikationen oder Nebenwirkungen rechnen? Wie bei allen Arzneimitteln kann auch die Behandlung mit lebenden Larven Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem Patienten auftreten müssen. Im Allgmeinen sind Nebenwirkungen bei der Larventherapie selten und haben in der Regel einen milden Verlauf. Ihr behandelnder Arzt oder Apotheker wird Sie auf Wunsch über mögliche Nebenwirkungen aufklären. Warum eine Larventherapie anstatt einer herkömmlichen Wundauflage? Die klinische Erfahrung mit Larven hat gezeigt, dass sie Wunden im Bruchteil der Zeit reinigen können, die herkömmliche Wundauflagen benötigen.
Weiterführende Informationen zu dieser Thematik erhalten Sie von Ihrem Arzt oder Apotheker sowie auf der Informationsseite der Initiative Chronische Wunden e.v. www.icwunden.de Referenzen: 1. Britland S.T. et al. (2011): Recombinant Lucilia sericata chymotrypsin in a topical hydrogel formulation degrades human wound eschar ex vivo. Biotechnology Progress 27(3): 870-874. 2. Cerovski V. und Bem R. (2014): Lucifensins, the insect defensins of biomedical importance: The story behind maggot therapy. Pharmaceuticals 7, 251-264. 3. Chambers L. et al. (2003): Degradation of extracellular matrix components by defined proteases from the greenbottle larva Lucilia sericata used for the clinical debridement of nonhealing wounds. Br J Dermatol 148, 14-23. 4. Cowen L.J. et al. (2013): Antibiofilm strategies and antiseptics. In: Antiseptics in surgery update 2013. Willy C, ed. Lindquist Book Publishing, ISBN 978-3-9811925-0-6. 5. Dumville J.C. et al. (2009): Larval therapy for leg ulcers (VenUS II): Randomized controlled trial. British Medical Journal 338, 1047-1063. 6. Fleischmann W. et al. (2004): Maggot Therapy. A handbook of maggot-assisted wound healing. Thieme Verlag. ISBN 3-13-136811-X 7. Gottrup F. und Jøregensen B. (2011): Maggot debridement: An alternative method for debridement. Open Access Journal of Plastic Surgery. www.eplasty.com http:// www.eplasty.com/ index.php?option=com_content&view=artic le&id=564&catid=172:volume-11-eplasty-2011 8. Leaper D.J. et al. (2012): Extending the TIME concept: What have we learned in the past 10 years? International Wound Journal 9 (suppl. 2): 1-19. 9. Mudge E. et al. (2013): A randomised controlled trial of larval therapy for the debridement of leg ulcers: Results of a multicentre, randomised, controlled, open, observer blind, parallel group study. Wound Rep Reg DOI:10.1111/wrr.12127 10. Oplatelova C. et al. (2011): Maggot therapy for wound debridement. A randomized multicentre trial. Arch Dermatol 148: 432-438. doi:10.1001/archdermatol.2011.1895 11. Pöppel A.-K. et al. (2013): Lucimycin, an antifungal peptide from the therapeutic maggot of the common green bottle fly Lucilia sericata. Biological Chemistry, DOI: 10.1515/ hsz-2013-0263 12. Pritchard D.I. und Nigam Y. (2013): Maximising the secondary beneficial effects of larval debridement therapy. J Wound Care 22(11), 610-616. 13. Sherman R.A. (2014): Mechanisms of maggot-induced wound healing: What do we know, and where do we go from here? Evidence-based Complementary Medicine. http://dx.doi. org/ 10.1155/2014/592419 14. Strohal R. et al. (2013): EWMA document: Debridement. An updated overview and clarification of the principle role of debridement. Journal of Wound Care 22(1): S1 S49. 15. Telford G. et al. (2010): Maggot chymotrypsin I from Lucilia sericata is resistant to endogenous wound protease inhibitors. British Journal of Dermatology 164: 192-196. 16. Thomas S. (2010): Surgical dressings and wound management. Medetec Publications Cardiff. ISBN-10: 1-84426- 834-9. ISBN-13: 978-1-84426-834-4 17. Wolcott R.D. (2009): Regular debridement is the main tool for maintaining a healthy wound bed in most chronic. Journal of Wound Care 18(2): 54-56
Making healing possible BioMonde GmbH Kiebitzhörn 33-35 D-22885 Barsbüttel Germany Telefon: +49 (0) 40 6710 57-0 Telefax: +49 (0) 40 6710 57-10 Email: info@biomonde.de www.biomonde.com BM53_DE_02_0715