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Transkript:

Schülerzirkel Mathematik Fakultät für Mathematik. Universität Regensburg Ganz schön voll hier! Das Schubfachprinzip Wir sind auf einer Geburstagsparty und es wird Reise nach Jerusalem gespielt. Die Gäste rennen um die Stühle, die Musik tönt und plötzlich wird es still, alle stürmen sofort auf einen Platz. Fritzchen bemerkt, dass er keinen freien Stuhl mehr findet, aber will auch sich nicht geschlagen geben. Er drängt sich auf einen Stuhl zusammen mit Mark. Dies nennt man in der Mathematik Schubfachprinzip. Wir werden es genauer vorstellen und zeigen, dass sich damit sehr trickreich Aufgaben lösen lassen. So wie zum Beispiel die folgende: Knobelaufgabe. Wir betrachten einen Tennisball, auf dem jemand mit einem schwarzen Filzstift fünf Punkte gemalt hat. Kann man den Tennisball immer so drehen, dass ich auf eine Seite schaue, wo höchstens ein Punkt zu sehen ist? Thema vom 27. November 2015. Einsenden der Lösungen bis 22. Januar 2016. Schülerzirkel Mathematik, Fakultät für Mathematik, 93040 Regensburg http://www.mathematik.uni-r.de/schuelerzirkel, schueler.zirkel@mathematik.uni-regensburg.de

1 Das Schubfachprinzip Bevor wir die formale Definition geben, schauen wir auf ein weiteres Beispiel, aus dem sich der Name herleitet. Wir haben zehn Briefe und wollen diese auf vier Schubladen (früher Schubfach) verteilen. Es gibt dann eine Schublade, in der mindestens zwei Briefe landen. In der mathematischen Sprache etwas präziser formuliert erhalten wir: Schubfachprinzip. Gegeben seien n Objekte, die auf m Kategorien verteilt werden. Wenn n > m, dann gibt es eine Kategorie, in der mindestens zwei Objekte sind. Wir wollen das Schubfachprinzip so offensichtlich die Aussage auch sei, beweisen. Beweis. Angenommen in jeder Kategorie sei höchstens ein Objekt. Dann ist die Anzahl aller Objekte: m 1 n Dies ist offensichtlich ein Widerspruch zu n > m. In der kleinen Geschichte am Anfang waren die Objekte die Personen und die Kategorien die Stühle. Da mehr Personen als Stühle da waren, musste ein Stuhl zwei Personen aufnehmen. Einmal das simple Muster durchschaut lassen sich sehr schnell viele Beispiele finden. Probiert es einfach mal aus! Ein Beispiel zur Anregung: In eurer Klasse gibt es zwei Schüler, deren Vornamen mit dem selben Buchstaben beginnen (vorausgesetzt ihr seid mehr als 26 Schüler). In allen bisherigen Beispielen war es klar, wie das Schubfachprinzip zur Anwendung kommt. Doch wie sieht es mit der Knobbelaufgabe aus? Lösung. Um die Lösung nachzuvollziehen, solltet ihr wirklich einen Tennisball in die Hand nehmen. Aber zunächst einmal wollen wir identifizieren, was die Objekte und was die Kategorien sind. Die Objekte sind relativ klar, dass werden wohl unsere fünf Punkte sein. Doch was sind die Kategorien? Wir stellen fest, dass wenn wir auf unseren Ball gucken, wir nie eine ganze Hälfte sehen können. Wie im folgenden Bild skizziert: 2

Also könnte unsere Kategorie bestehen aus der Seite, die wir gerade sehen, und die Seite, die wir nicht sehen. Doch hilft uns das Schubfachprinzip nicht weiter, da es nur sagt, dass auf einer Seite mindestens zwei Punkte sind. Aber die Aufteilung drei Punkte auf der einen Seite und zwei Punkte auf der anderen Seite ist durchaus möglich. Wir brauchen also einen zusätzlichen Trick. Für diesen Trick formt ihr mit eurem Daumen und dem Zeigefinger ein U. Haltet den Tennisball damit genau auf der Hälfte fest. Nun dreht ihr den Ball, dass zwei der Punkte unter Daumen und Zeigefinger sind. Zwei Punkten liegen somit genau so auf der Kante, dass man sie nicht sehen kann. Es verbleiben drei Punkte. Jetzt können wir das Schubfachprinzip auf die verbleibenden drei Punkte anwenden. Dann sind also auf einer Seite mindestens zwei Punkte und auf der gegenüberliegenden Seite somit höchstens ein Punkt. Wir drehen dann die Seite zu uns mit höchstens einem Punkt. 2 Weitere Beispiele Beispielaufgabe. Wir haben vor uns verdeckt einen Stapel an Schafkopfkarten. 1. Wie viele Karten muss man ziehen, bis man sicher zwei von der selben Farbe hat? 2. Wie viele Karten muss man ziehen, bis man sicher zwei Schellen hat? Lösung. Die Objekte sind hier die Spielkarten. Es gibt 32 Karten, wobei wir jeweils acht Karten von Eichel, Gras, Herz und Schelle haben. Bei der ersten Frage sind unsere Kategorien die vier Farben. Also müssen wir fünf Karten ziehen! Bei der zweiten Frage suchen wir nach einer bestimmten Farbe. Die Kategorien sind hier Schelle und die 24 verbleibenden Karten. Wir haben insgesamt 25 Kategorien und müssen deshalb 26 Karten ziehen, um sicher zu sein. Eine weitere Aufgabe die zeigt, dass das Schubfachprinzip unerwartet zur Anwendung kommen kann. Beispielaufgabe. Gegeben ist ein Quadrat mit Seitenlänge 2 cm. Zeige, dass unter je fünf Punkten zwei Punkte den Abstand kleiner als 1, 42 cm haben. Ist fünf die kleinste Anzahl, für die die Aussage wahr ist? Lösung. Wir teilen unser Quadrat in vier kleinere Quadrate ein. Diese haben nun jeweils eine Seitenlänge von 1cm. Nach dem Satz von Pythagoras haben die Eckpunkte, die sich schräg gegenüberliegen, einen Abstand von 1 2 + 1 2 cm = 2 cm 1, 4142... cm 3

Nach dem Schubfachprinzip liegen nun zwei der fünf Punkte im selben Quadrat. Damit haben sie maximal den Abstand 2 cm, was kleiner ist als 1, 42 cm. 2 In der Tat ist fünf die kleinste solche Zahl, da wir vier Punkte jeweils auf den Ecken verteilen können. Damit ist deren minimaler Abstand untereinander jeweils 2 cm, was größer als 1, 42 cm ist. In der letzten Aufgabe haben wir gesehen, dass das Schubfachprinzip oft verwendet werden kann, um Fragen zu beantworten: Wie viele Elemente brauche ich mindestens, damit ich eine bestimmte Struktur erhalte? Wir werden darauf später unter dem Namen Ramsey-Theorie nochmal genauer eingehen. Wichtig ist für den Mathematiker, dass er gerne die kleinste solche Zahl hätte. Hat man einen Kandidaten dafür gefunden, muss man nun beweisen, dass es keinen kleineren gibt. Das haben wir im zweiten Teil des Beweises gemacht. 3 Verallgemeinerungen Hier werden wir nun zwei Verallgemeinerungen des Schubfachprinzips betrachten. Die erste gibt eine bessere Abschätzung an, wie viele Elemente wir zu erwarten haben. r-schubfachprinzip. Sollen m Objekte in n Kategorien eingeteilt werden und es gilt m > r n für ein r N. Dann gibt es eine Kategorie, in der es r + 1 Objekte gibt. Schauen wir nochmals auf das namengebende Beispiel mit 10 Briefen und 4 Schubladen. Dann ist in diesem Fall r = 2 und wir wissen: In einer Schublade sind also mindestens drei Briefe. Betrachten wir ein weiteres Beispiel. In einer Klasse mit 31 Schülern gibt es die Deutschschulaufsatz zurück. Der Lehrer ist ganz glücklich, denn keiner hat eine 6. Er schreibt den Notenspiegel an. Nun ist sofort klar, dass es eine Note gibt, die mindestens 7 Schüler haben. Das Schubfachprinzip lässt auch auf unendliche Mengen erweitern. 4

-Schubfachprinzip. Sollen unendlich viele Objekte in n Kategorien eingeteilt werden, so gibt es eine Kategorie, in der unendlich viele Objekte sind. Beispielaufgabe. Angenommen die Menschheit existiert ewig. Dann lebt heute eine Frau, die eine Tochter kriegt, und diese Tochter kriegt wieder eine Tochter, diese dann wiederum eine Tochter usw. Lösung. Unsere Objekte sind alle Menschen, auch die, die noch geboren werden. Da die Menschheit ewig existiert gibt es unendliche viele. Die Kategorien sind alle Frauen, die im Moment leben. Nun wie verteilen wir die Objekte auf die Kategorien? Wird man jetzt seiner Mutter zugeordnet? Oder seiner Großmutter? Dieses Problem beheben wir einfach, indem wir die ältere Person nehmen. Doch Vorsicht! Wir haben ja zwei Großmütter. Welche Großmutter sollte man dann zugeordnet werden? Damit die Zuordnung in die Kategorien eindeutig wird, gehen wir immer über die Mutter. Nun haben wir eine Einteilung von unendlich vielen Objekten in endlich viele Kategorien (es leben zur Zeit ungefähr 3,6 Millarden Frauen auf der Welt). Nach dem unendlichen Schubfachprinzip gibt es nun eine Frau, der nun Unendlich viele Menschen zugeordnet sind. Da wir bei unserer Zuordnung immer über die Mutter gehen, und wir ausschließen, dass ein Mensch unendliche viele Kinder hat, gibt es in ihrem Familienzweig immer eine Tochter! 4 Ramsey-Theorie Wir hatten am Bespiel der Spielkarten oder der Steine im Quadrat gesehen, dass wenn wir genügend Elemente haben das Schubfachprinzip uns sagt, dass wir eine gewisse Struktur erhalten. Philosophisch ausgedrückt: Ramsey Theorie. In einer genügend großen Menge gibt es kein völliges Chaos. Sollten eure Eltern das nächste mal euch bitten eure Zimmer aufzuräumen, da es so chaotisch aussieht, schleppt ihr einfach noch mehr Sachen an! Es wird dann eine gewisse Struktur aufweisen (aber vielleicht nicht die, die sich eure Eltern wünschen). Knobelaufgabe. Gibt es eine Anzahl an Personen, ab der man sicher ist, dass sich drei Personen darunter gegenseitig kennen, oder drei Personen gibt, die sich gar nicht kennen? Bevor wir den Satz von Ramsey beschreiben können brauchen wir noch die Definition eines Graphen. Graphen dienen uns dazu, die Situation zu veranschaulichen. Definition. Ein Graph ist eine endliche Menge von Punkten und Kanten, sodass zwischen je zwei Punkten höchstens eine Kante verläuft. 5

Beispiel 1. Wir wollen nun einer Gruppe von Personen einen Graphen zuordnen. Dabei ist unsere Menge an Punkten, die Menge der Personen in der Gruppe. Nun fügen wir zwischen den Punkten Kanten ein, wenn sich die Personen kennen. Sollten sich die zwei Personen nicht kennen, dann gibt es auch keine Kante. Beispiel 2. Fritzchen ist mit seinem Freund Mark verabredet. Der bringt seine Freundin Sarah mit. Fritzchen kennt Sarah nicht. Also erhalten wir folgenden Graph: Mark Sarah Fritzchen Nun kommt Fritzchens Schwester Franzi zur Gruppe hinzu. Natürlich kennt Frizchen seine Schwester und da Mark und Fritzchen lange befreundet waren, kennt auch Mark Fritzchen Schwester. Aber Sarah und Franzi kennen sich nicht. Wir erhalten den folgenden Graphen: Mark Sarah Fritzchen Franzi Betrachten wir nur die drei Personen Fritzchen, Mark und Franzi. Dann kennen sich alle gegenseitig untereinander. Sie bilden einen sogenannten vollständigen Graphen, da zwischen je zwei Punkten eine Kante liegt. Betrachten wir hingegen nur Fritzchen und Sarah, dann erhalten wir einen Graphen, der nur aus einzelnen Punkten besteht. So einen Graphen nennt man auch unabhängige Menge. Satz von Ramsey. Sei k N. Es gilt für jeden Graphen mit mindestens 2 2k 2 Punkten, dass er einen vollständigen Teilgraph mit k Elementen enthält oder eine unabhängige Menge mit k Elementen. Den Beweis wollen wir hier nicht ausführen. Er basiert im wesentlichen darauf wiederholt das Schubfachprinzip anzuwenden. Es sei hier nur angemerkt, dass 2 2k 2 nicht die kleinste Zahl mit dieser Eigenschaft ist, was wir auch in den Aufgaben sehen werden. Es ist eine nicht triviale Frage, was das kleinste n zu einem gegeben k ist, sodass jeder Graph mit mindestens n Punkten einen vollständigen Teilgraphen 6

oder eine unabhänige Menge mit k Elementen enthält. Dieses n nennt man Ramsey- Zahl zu k. Die Ramsey-Zahl für k = 5 ist bis heute unbekannt. Man weiß nur, dass sie zwischen 43 und 49 liegt. Beim Schubfachprinzip können wir nicht sagen, welche Kategorie mehr als ein Objekt enthält. Genauso können wir beim Satz von Ramsey nicht sagen, ob wir einen vollständigen Graphen oder eine unabhängige Teilmenge erhalten. Aber oft ist es nur wichtig, dass eine der beiden Strukturen existiert. Das wollen wir anhand des unaufgeräumten Zimmers verdeutlichen. Beispielaufgabe. Eure Eltern gehen auf euer Angebot ein und schlagen folgenden Kompromiss vor: Ihr müsst das Zimmer nicht gänzlich aufräumen. Sie geben euch eine Kiste und sagen, wenn diese Kiste mit fünf Gegenständen gefüllt ist, seid ihr fertig. Ihr sollt aber nicht wahllos Gegenstände hineinwerfen. Jeder Gegenstand soll zu jedem anderen in der Kiste passen oder ihr macht eine Kiste Sonstiges, in die ihr Sachen werfen dürft, die alle nichts miteinander zu tun haben. Gibt es eine Zahl an Sachen die herumliegen, damit Ihr euch sicher sein könnt, dass die Kiste voll wird? Lösung. Wir werden nun mit dem Satz von Ramsey zeigen, dass wir bei genügend Gegenständen unsere Kiste immer vollkriegen. Dazu brauchen wir zunächst mal einen Graphen. Den wollen wir nun konstruieren. Für jeden Gegenstand erstellen wir eine Liste von Kategorien zu der er gehört (ähnlich wie Tags bei Youtube oder Twitter). Die Anzahl der Kategorien kann dabei von Gegenstand zu Gegenstand variieren. Ein paar Beispiele: Gegenstände Badehose Tennisball Konsole Cowboyhut DVD Kategorien Kleidung, Sommer, Sport Spielzeug, Sport Fernseher, Spielzeug Spielzeug, Kleidung Fernseher Der Graph hat als Punktmenge alle Gegenstände, die so rumliegen. Wir malen zwischen je zwei Punkte eine Kante, wenn die Gegenstände in einer Kategorie übereinstimmen. Unser Beispiel oben ergibt: DVD Konsole Tennisball Cowboy Hut Badehose Nun ist ein vollständiger Teilgraph eine Liste von Gegenstände, die paarweise einen Bereich gemeinsam haben. Eine unabhängige Menge entspricht den Voraussetzungen 7

in die Kiste Sonstiges zu dürfen. Der Satz von Ramsey besagt nun, dass man die Kiste mit fünf Dingen füllen kann, wenn genügend Gegenstände rumliegen. 5 Aufgaben Aufgabe 1 ( ). Zeige, dass unter je n + 1 Elementen zwei Elemente sind, die den selben Rest beim Teilen durch n lassen. Aufgabe 2 ( ). Beweise beide Verallgemeinerungen des Schubfachprinzips. Aufgabe 3 ( ). Wir haben drei natürliche Zahlen a, b, c. Zeige, wenn die Summe a + b + c nicht durch 3 teilbar ist, dann gibt es zwei Zahlen aus a, b, c die den selben Rest beim Teilen durch 3 haben. Aufgabe 4 ( ). Wir betrachten ein Quadrat mit der Seitenlänge 3 cm. Wie viele Steine kann ich darauf maximal verteilen, sodass der Abstand zwischen jeweils zwei Steinen stets größer als 2 ist? Denke daran, dass man hier zwei Dinge zeigen muss. Obere Schranke und untere Schranke! Aufgabe 5 ( ). Zeige, dass auf einer Party mit mindestens sechs Personen, es jeweils drei Personen gibt, die sich alle untereinander kennen oder die sich alle völlig fremd sind. Was ist mit Partys, auf denen fünf Personen sind? Aufgabe 6 ( ). Zeigt, dass die Ramsey-Zahl zu 4 größer als 17 ist. Weiterführende Links Allgemeine Hinweise zum Lösen von Aufgaben: http://www.mathematik.uni-r.de/schuelerzirkel Extremalprinzip: Thema 1 des Schuljahres 2015/2016 Graphentheorie: Thema 2 des Schuljahres 2012/2013 Informationen zum sehr interessanten Leben von Ramsey: https://de.wikipedia.org/wiki/frank Plumpton Ramsey 8