Die UN-Behindertenrechtskonvention

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Transkript:

Die UN-Behindertenrechtskonvention Das Recht auf inklusive Bildung Dr. Marianne Hirschberg Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention Deutsches Institut für Menschenrechte 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 1

Gliederung 1. Einleitung 2. UN-Behindertenrechtskonvention 3. Das Recht auf inklusive Bildung 4. Notwendige Veränderungen in Deutschland 5. Schlussfolgerungen 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 2

Hintergrund Entstehungszusammenhang - Menschenrechte als Antwort auf strukturelle Unrechtserfahrungen - UN-BRK: spezifische Erfahrungen und Perspektiven von Menschen mit Behinderungen UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland seit 26.03.2009 verbindlich Menschenwürde als Leitprinzip Schlüsselbereich: Bildung und Bildungssystem 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 3

Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte für alle Menschen mit Behinderungen zu erreichen und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern (vgl. BRK, Artikel 1). 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 4

Was ist Behinderung? Eine Behinderung entsteht in der Wechselwirkung zwischen Menschen mit langfristigen Beeinträchtigungen und Barrieren (Umwelt oder Einstellungen, Vorurteilen). (vgl. UN-BRK Präambel) 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 5

Bewusstseinswandel Beachtung von Behinderung als einem Bestandteil menschlichen Lebens und der menschlichen Gesellschaft - Als Merkmal kultureller Vielfalt wertschätzen - Nicht generell negativ bewertet - Einschränkungen beeinträchtigen das Leben von Menschen mit Behinderungen Förderung des Bewusstsein für die Rechte und die Würde behinderter Menschen und ihre soziale Wertschätzung (Art. 8) - Achtung und Selbstachtung behinderter Menschen - Gesellschaftliche Aufklärung 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 6

Grundsätze (Art. 3) Assistierte Selbstbestimmung Nichtdiskriminierung Respekt der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und Akzeptanz als Teil der menschlichen Vielfalt und Menschheit Volle und effektive Partizipation und Inklusion in der Gesellschaft Chancengleichheit Barrierefreiheit 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 7

Die BRK: Keine Spezialkonvention Fortentwicklung des internationalen Menschenrechtsschutzes Sie konkretisiert und präzisiert die bestehenden menschenrechtlichen Übereinkommen - U.a.: den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (1966) Bsp.: Das Recht auf Meinungsfreiheit, Freiheit und Sicherheit der Person - den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1966) Bsp.: das Recht auf Bildung und auf Arbeit 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 8

Recht auf Bildung Anerkennung des Rechts auf Bildung als Menschenrecht - UN-Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, Art. 13 - Kinderrechtskonvention 1989, Art. 28 Diskriminierungsfreier Zugang zu kostenfreier Grundbildung für alle (Art. 5, UN-BRK) Konkretisierung des Rechts auf inklusive Bildung nach der UN-BRK - Verbindliche Zielstellung: Aufbau eines inklusiven Bildungssystems - Zugang zum allgemeinen Schulsystem für behinderte Menschen 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 9

Artikel 24: Bildung Verpflichtung: Aufbau eines inklusiven Bildungssystems Anspruch auf inklusive Beschulung gesetzlich verankern Schaffung eines gesetzlichen Rechts des einzelnen Menschen, eingeschlossen angemessene Vorkehrungen Konsequenzen: Staat hat Beweis- und Argumentationslast 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 10

Sonderschule: Ja oder nein?! UN-Behindertenrechtskonvention: Keine generelle Pflicht zur Abschaffung des Sonderschulwesens Gesonderte Orte zur Beschulung und Förderung als Ausnahme! Staatliche Schutzpflicht besteht immer! Die staatliche Entscheidung für die Aufrechterhaltung der Sonderschule ist erklärungsbedürftig Sicherstellen, dass kein Mensch vom Regelschulsystem ausgeschlossen wird Vorrang der inklusiven Beschulung 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 11

Aufbau eines inklusiven Systems Geeignete Maßnahmen für die rechtlichen, institutionellen, personellen und päd. Voraussetzungen der inklusiven Schule Politische Maßnahmen: Organisation von gemeinsamem Unterricht Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung Qualitätssicherung / wissenschaftliche Begleitung Rechtliche Maßnahmen: Schaffung eines gesetzlichen Rechts des Einzelnen, eingeschlossen angemessene Vorkehrungen Lehrkräfte: Ausbildung zur inklusiven Pädagogik Staatliche Angebote zur Fort- und Weiterbildung Professionelles Selbstverständnis Würdigung der Kompetenzen aller Fachkräfte 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 12

Aktionsplan Strategie: Planmäßiges Vorgehen des Aufbaus eines inklusiven Bildungssystems in den Bundesländern Anforderungen: Ziele, Maßnahmen, Ressourcenzuteilung Einbindung aller bildungsrelevanten Akteure und Fachkräfte Rechtliche Anforderungen an Umsetzungsprozesse: Partizipation und Transparenz Koordination: Zwischen den Bundesländern (Kultusministerkonferenz) Zwischen Bund und Ländern (Aktionsplan der Bundesregierung) 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 13

System der Überwachung UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen Nationaler unabhängiger Mechanismus ( Monitoring-Stelle ) Zivilgesellschaft, besonders behinderte Menschen und Organisationen 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 14

Ressourcen UN-BRK, Artikel 4 Absatz 2: unter Ausschöpfung der verfügbaren Mittel - Ressourcenbegriff weit gefasst Einhaltung und Umsetzung von Menschenrechten ist auch in Zeiten knapper Kassen Priorität: - Gewährleistung der Menschenrechte kostet immer Ressourcen! Bereitstellung bzw. Umschichtung der erforderlichen Ressourcen 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 15

Abschließende Bemerkungen Behinderung verbunden mit menschenrechtlichem Anliegen Konvention als verbindliche Grundlage für - Behindertenpolitik - staatliche Schulpolitik; - wichtige Orientierung auch für nichtstaatliche Akteure Das inklusive Bildungssystem ist ein gesamtgesellschaftliches Projekt, - aller kompetenten Fachkräfte - die gesamte Gesellschaft in ihrem Selbstverständnis betreffend Ziel: eine gute Umsetzung der UN-Konvention und Verwirklichung des Rechts auf Bildung 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 16

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! 08.03.2010 VdS-Hessen Inklusion 17