Marblum Berg-Wehrli Silberstiftzeichnung von Ernst Wehrli

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1 Marblum Berg-Wehrli Silberstiftzeichnung von Ernst Wehrli Als einziges Kind zweier Titanen wurde ich 1933 in Zürich geboren. Die Lebensplanung meiner Eltern war ihrer Zeit etwa drei Generationen voraus. Wir wohnten während meiner ganzen Jugend in sehr grossen Wohnungen, in denen unser ganzes Leben seinen Platz fand. Als visionärer Kunstmaler und Grafiker schuf mein Vater Bilder und Zeichnungen, die mit märchenhafter Schönheit nicht nur für meine Kindheit, sondern für mein ganzes Leben gleichsam als meine geistigen Geschwister Fenster zum Paradies öffneten und mich durch die Fährnisse des Daseins stärkten und beschützten. In Vaters Kunstschule gingen viele junge Leute ein und aus. Sie lernten nicht nur zeichnen und malen, sondern Lebensweisheit nach den Schaffensgesetzen des PANIDEALS. Sie wohnten teilweise bei uns und gehörten zum äusseren Kreis meiner Familie. Einen weiteren Kreis bildeten die Patienten meiner Mutter, deren zahnärztliche Praxis ebenfalls in unserer Wohnung eingerichtet war. Die Berufstätigkeit meiner Mutter machte die Zeit, in der sie frei hatte, immer zu einem eigentlichen Fest für mich, und besonders innig entfaltete sich die Beziehung zwischen uns beiden. Die Freunde meiner Eltern, die oft bei uns verkehrten, waren grossenteils kluge, interessante Leute aus der Internationalen Panidealistischen Vereinigung (IPV). In

2 ernsten Gesprächen über weltanschauliche Fragen schufen sie zusammen mit meinen Eltern eine kulturell differenzierte Atmosphäre auf hohem Niveau. Natürlich war mein Verstand noch unentwickelt; doch nahm ich gleichsam mit der Luft vieles auf, was mir eine offene Weltsicht und eine grosse Freiheit des selbständigen Betrachtens und Nachdenkens ermöglichte. Sehr erpicht auf Geschichten aller Art, lernte ich aus eigenem Antrieb mit fünf Jahren lesen. Dies bedeutete einen eigenen Zugang zu Büchern, der mir so wichtig wurde, dass man mir in den unteren Schulklassen die Bücher rationieren musste, um mich von meinen Träumen auf den zu lernenden Schulstoff zu lenken. Leider entpuppte sich die Schule als trockener, als erhofft, und mein Typ: (langsam, verträumt und unsportlich) war nicht sonderlich gefragt. So gehörte ich nie zum Gros der Klasse. Der Lehrer war eine machtvolle Respektsperson, von der man sich möglichst fern im wenig beachteten Bereich hielt. Früh empfand ich die Umwelt ausserhalb meiner Familie als Dschungel, in dem man danach streben musste, möglichst überlebenstüchtig zu werden. Obwohl ich meine liebevollen Eltern als Riesen erlebte, fühlte ich gleichzeitig zunehmend, dass ihre überragende Grösse noch nicht von dieser Welt sei und dass ich sie beschützen müsse. Die Schule war mir nach der 6. Klasse so verleidet, dass ich nicht einmal in die Sekundarschule wollte. Man bestand aber darauf, dass ich mir durch meinen pubertären Minimalismus nicht spätere Berufsmöglichkeiten verbaue, und so ging ich denn ohne allzu tiefe Einsicht meinen Eltern zuliebe drei Jahre lang in die Sekundarschule. Dann aber wünschte ich mir ein Jahr Ferien! Die Eltern hatten den Mut, mir diese Aus-Zeit zu gewähren, mit der Auflage, dass ich in dieser Zeit die obligatorische Haushaltschule absolviere, und da ich Ungarisch lernen wollte, wurden mir auch diese Stunden erlaubt, wenn ich dafür gleichzeitig englische und französische Stunden besuche. Dazwischen war ich frei, nähte Puppenkleider, las viele Bücher und hing meinen Träumen nach. Das Jahr der Aus-Zeit dauerte nur vier Monate, denn als alle gleichaltrigen Freundinnen irgendeine Karriere begonnen hatten, begann mich dies zu stören, und plötzlich erklärte ich, wohl wissend, dass dies meinen Eltern Freude bereiten würde, ich wolle nun die Matura machen

3 Ich besuchte also dieselbe private Maturitätsschule, die fast 30 Jahre zuvor meine Mutter schon durchlaufen hatte. Plötzlich ging ich gern zur Schule, denn in dieser Schule wurde man viel höflicher und respektvoller behandelt als in den vorher erlebten Lehrgängen. 1952, zweieinhalb Jahre später, legte ich mit etwas Glück in Bern die externe Maturitätsprüfung für Erwachsene ab. Danach folgte an der Universität Zürich das Studium der Zahnmedizin, in welchem Berufe mich, wie es das Beispiel meiner Mutter zeigte, zwar harte Arbeit, aber eine existenzsichernde Unabhängigkeit erwarteten folgte das Staatsexamen in Zahnmedizin in Zürich und 1958 ein Doktorat über die Aesthetik bei der Vollprothese in Düsseldorf war ich verheiratet mit Pali Berg, Glasmaler aus Ungarn Geburt des Sohnes Balint. Er wurde Linienpilot und ist seit dem Jahr 2000 verheiratet mit Merran Matthews, Botanikerin. Ab 1960 arbeitete ich nach einigen Assistentenstellen in Mutters Praxis, was mir einen stufenweisen Einstieg in die Selbständigkeit und ihr ebenso die Möglichkeit zum allmählichen Rückzug bedeuteten. Der grossen Liebe und Solidarität meiner Mutter verdankten mein kleiner Sohn und ich Harmonie und Stabilität für dessen Kindheit Umzug der Praxis und der Eltern in ein Hochhaus im Triemli. Dort war mein Arbeitsplatz bis zu meiner Pensionierung im März starb mein Vater, und ich bemühte mich, was ich schon früher begonnen hatte, fortan hobbymässig um sein Werk. Diese Tätigkeit bot mir immer mehr Einsicht in Panideal und Welterlebnis, nach deren Weltsicht meine Eltern ihr Leben aufgebaut hatten traf ich Roberto Sigrist, meinen lieben, verständnisvollen späteren Lebenspartner. Er hatte den Mut, meine selbständigen, eigenwilligen Lebenspläne mitzutragen. Verschiedene Ferienreisen nach Ungarn, Spanien, Italien, Deutschland, Australien erweiterten unseren Horizont. In der Internationalen Panidealistischen Vereinigung (IPV) später Gesellschaft für eine Gesamtkultur (GfGK) war ich sozusagen automatisch Mitglied und sass, da ich mehr darüber lernen wollte, was meinem Vater so wichtig war, schon früh im Vorstand. Dort hörte ich erst mal zu, verstand wenig, empfand aber die herrschende At

4 mosphäre als meine Heimat. Vorwürfe an die GfGK über gesteigerten Intellektualismus und dergleichen nahm ich nicht sonderlich ernst, zumal ich durch meinen Studiengang zunehmend eigene Kenntnisse über den Elfenbeinturm erworben hatte. 1989, für mich sozusagen aus heiterem Himmel, trug man mir die Präsidentschaft der GfGK an. Trotz allerlei Unkenrufen über die düstere Zukunft dieses Vereins beschloss ich, diesen Posten anzunehmen; zum einen, weil ich zunehmend zur Einsicht gekommen war, dass man, um Ernst Wehrli zu verstehen, an Holzapfel nicht vorbeikomme, und nicht zuletzt auch, weil ich die Freunde meines Vaters nicht im Stich lassen wollte. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, denn mein Vorgänger, Otto Burri, übergab mir die ganzen Unterlagen des Vereins in einem Ordner und liess mir im Weiteren völlig freie Hand, den gefassten Auftrag zu gestalten, wie ich wollte. Im gleichen Jahr 1989 verlor ich meine über alles geliebte Mutter, und um das Wesentliche meines eigenen Lebens festzuhalten, schrieb ich ihre Lebensgeschichte. Das Büchlein Quita konnte 1995 zu ihrem hundertsten Geburtstag aufgelegt werden. Zuvor war es mir auch ein wichtiges Anliegen, den hundertsten Geburtstag meines Vaters irgendwie zu ehren. Ich nahm mit Pali Berg Kontakt auf und bat ihn, über Ernst Wehrli eine Tonbildschau zu gestalten. Pali Berg war als ehemaliger Wehrli- Schüler nach wie vor von dessen Werk zutiefst überzeugt und hatte vordem schon mehrere sehr schöne Tonbildschauen über verschiedene Themen realisiert. Ab 1990 bereiteten mir Patchworkarbeiten zur Pflege meiner eigenen kreativen Bedürfnisse viel Freude durfte ich Grossmutter meiner wunderbaren Enkelin Ginger werden. Sie verbringt regelmässig 1-2 Tage pro Woche mit mir und bringt mir das Paradies der frühen Kindheit wieder nahe. Mit der Entwicklung der Computertechnik und deren Möglichkeiten für die GfGK sowie für das Werk meines Vaters beschloss ich, je eine Website zu veröffentlichen, um für beide Werke einen besseren Bekanntheitsgrad zu erreichen. So wurde 2005 die Website und 2006 die Website aufgeschaltet

5 Das Präsidium der GfGK werde ich ab 2011 in jüngere Hände übergeben und mich einerseits im Hintergrund weiter für das Panideal und andererseits für das Werk Ernst Wehrlis einsetzen. Roberto, meinem lieben Partner und Lebensgefährten, bin ich dankbar für seine Toleranz und Unterstützung in allen meinen Aktivitäten. Eine wertvolle Hilfe bedeutet mir auch unsere immer sehr ernst genommene Familiensolidarität. Auch dafür sei an dieser Stelle mein tiefer Dank ausgesprochen. Marblum Berg-Wehrli Mai

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