Kräftig Steuern sparen im Nebenjob

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1 Kräftig Steuern sparen im Nebenjob Autor: Ottfried Weiss Machen Sie es wie die Großen. Laden Sie Ihren Geschäftspartner zum Essen ins Restaurant ein und setzen Sie die Rechnung ganz legal von der Steuer ab. Das alles ist ganz legal! Der eine tritt nach Feierabend als Discjockey auf. Der andere packt spätnachmittags seine Aktentasche und verkauft Versicherungen. Der Dritte arbeitet an Wochenenden als Segellehrer. Und jeder der drei genießt viele Vorteile. Neben dem Zusatzeinkommen nutzt er Talente, die im Hauptberuf vielleicht nicht so gefragt sind. Und er kann viele Dinge von der Steuer absetzen, die das Finanzamt bei einem Arbeitnehmer ohne Nebenerwerb nicht akzeptieren würde. Egal ob eine selbstständige Tätigkeit als Haupt- oder Nebenberuf ausgeübt wird, in beiden Fällen gelten steuerlich dieselben Spielregeln. Das hat natürlich auch eine Kehrseite: Nebenberuflich Selbstständige müssen ebenso wie Fulltime-Unternehmer ihren Gewinn ermitteln, eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen und Steuern für ihren Nebenjob bezahlen. Zumindest so lange, wie sie Gewinne erwirtschaften. Stichwort: Verluste Erzielen Sie mit Ihrem Nebenjob dagegen Verluste, muss das Finanzamt diese steuersparend mit Ihren übrigen Einkünften, beispielsweise dem Gehalt, verrechnen. Aber Vorsicht: Werden über Jahre hinweg Verluste erzielt, versteht das Finanzamt keinen Spaß und unterstellt, dass Sie lediglich ein Hobby ausüben. In diesem Fall werden Ihre Verluste vom Fiskus ganz einfach ignoriert. Guter Rat In aller Regel wird der Finanzbeamte im zweiten Verlustjahr im Kleingedruckten einen Vermerk machen, dass der Steuerbescheid hinsichtlich der Gewinnerzielungsabsicht vorläufig ist. Das kann fatale Folgen haben. Werden weiterhin Verluste erzielt, kann das Finanzamt diese Verluste sogar rückwirkend für vergangene Jahre kippen. Ausweg: Merken Sie selbst, dass Sie in absehbarer Zeit nicht in die schwarzen Zahlen kommen, beenden Sie Ihre Tätigkeit und sagen das dem Finanzamt auch ganz offen. In diesem Fall bleiben Ihnen Ihre steuersparenden Verluste erhalten.

2 1. Phase: Vorbereitung auf den Nebenjob Vorlauf Selbst wenn Sie noch keine selbstständige Tätigkeit ausüben, können Sie dem Finanzamt schon Ihre ersten Ausgaben präsentieren. Haben Sie sich beispielsweise im Oktober 2010 dazu entschieden, sich Anfang 2011 nebenberuflich selbstständig zu machen, können Sie dem Finanzamt bereits für 2010 die dafür angefallenen Kosten auflisten. Im Fachjargon spricht man von vorweggenommenen Betriebsausgaben. Dadurch entstehen Verluste, die das Finanzamt mit Ihren anderen Einkünften verrechnet. Typische Kosten Dem Finanzamt können Sie sämtliche Kosten erklären, die im Zusammenhang mit der geplanten Nebenberufsselbstständigkeit angefallen sind, zum Beispiel die Ausgaben für Gründerseminare, Literatur, Fahrten, Telefonate und Arbeitsmittel (PC, Regal, Schreibtisch etc.). So geht s Normalerweise müssen Selbstständige dem Finanzamt keine Belege vorlegen. Sie erklären lediglich ihren Gewinn (Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben). Bei vorweggenommenen Betriebsausgaben macht es Sinn, die vorhandenen Belege mit der Anlage G (Gewerbetreibende) oder S (Freiberufler) zur Einkommensteuererklärung beizufügen. Beispiel

3 Herr Huber ist verheiratet und hat ein zu versteuerndes Einkommen von Euro. Für 2010 präsentiert er dem Finanzamt vorweggenommene Betriebsausgaben in Höhe von 800 Euro für eine in 2011 beginnende selbstständige Tätigkeit. Dafür bekommt er 228 Euro Steuern erstattet. Die vorweggenommenen Betriebsausgaben können Sie nur in dem Jahr erklären, in dem diese angefallen sind. Machen Sie solche Kosten erst im Jahr des Beginns der selbstständigen Tätigkeit, setzt das Finanzamt den Rotstift an. 2. Phase: Gewerbe anmelden... Anmeldung Bevor Sie mit Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit beginnen, müssen Sie diese anzeigen. Wollen Sie ein Gewerbe betreiben, müssen Sie zum Beispiel Ihr Schreibbüro bei der Gemeinde anmelden, die dann das für Sie zuständige Finanzamt informiert. Möchten Sie dagegen als Freiberufler arbeiten, als Journalist oder Künstler, müssen Sie Ihre Nebenberufsselbstständigkeit direkt beim Finanzamt anzeigen. Fragebogen Daraufhin schickt Ihnen das Finanzamt einen Gründerfragebogen. Bei Frage nach dem voraussichtlichen Gewinn sollten Sie kräftig auf die Euphoriebremse treten. Klar hoffen Sie selbst auf das große Geschäft. Dennoch sollten Sie bei dieser Frage im ersten Jahr besser ein ausgeglichenes Ergebnis schätzen (null Euro). Denn kalkulieren Sie mit einem hohen Gewinn, wird das Finanzamt vierteljährige Steuer-Vorauszahlungen festsetzen, bevor Sie überhaupt einen Euro verdient haben. Vermeiden Sie unnötige Vorauszahlungen für einen kalkulierten Gewinn, der vielleicht gar nicht erzielt wird. 3. Phase: Um diese Steuern geht es Gewerbesteuer Bei einer gewerblichen Tätigkeit wird zusätzlich Gewerbesteuer fällig. Zwei Ausnahmen sind zu beachten. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften bleiben bis zu Euro gewerbesteuerfrei. Doch selbst wenn dieser Freibetrag überschritten wird, können Sie davonkommen. Das Finanzamt rechnet nämlich einen Teil der Gewerbesteuer auf Ihre persönliche Steuerschuld an. Faustformel: Bei einem Gewerbesteuer-Hebesatz einer Gemeinde von höchstens 380 Prozent führt die Anrechnung dazu, dass sich die Gewerbesteuer neutralisiert. Beispiel: Sie erzielen aus Ihrer Nebenberufsselbstständigkeit Euro Gewinn. Dafür müssen Sie zwar Einkommensteuer zahlen, Gewerbesteuer wegen Unterschreitung des Freibetrags von Euro dagegen nicht. Umsatzsteuer Ab einem Jahresumsatz von Euro im laufenden Jahr und voraussichtlich mehr als Euro im nächsten Jahr sind Sie umsatzsteuerpflichtig. Wenn es weniger ist, können Sie einen Antrag stellen, dass Sie in Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen müssen. Im Gegenzug dürfen Sie Ihre berufsbedingten Ausgaben mehrwertsteuerfrei einkaufen. Beispiel:

4 Sie arbeiten nebenbei als Handwerker. Dafür stellen Sie Ihren Kunden in einem Jahr 7000 Euro plus 1330 Euro Umsatzsteuer in Rechnung. Für Investitionen geben Sie jedoch Euro plus 1900 Euro Umsatzsteuer aus. Folge: Sie erhalten vom Finanzamt 570 Euro Vorsteuer erstattet. Haben Sie keine Lust auf Papierkram, können Sie beim Finanzamt auch einen Antrag stellen, als Kleinunternehmer nach 19 Umsatzsteuergesetz (UStG) erfasst zu werden. Das funktioniert dann, wenn Ihr Umsatz nicht höher als Euro ist. Dann müssen Sie in Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen, können aber auch keine Vorsteuer geltend machen. 4. Phase: So wird der Gewinn berechnet Vorgaben Bei der Gewinnermittlung gibt es für nebenberuflich Selbstständige nur wenige Vorgaben. Erstens: Von den Betriebseinnahmen sind nur die Betriebsausgaben abzuziehen, die in einem Jahr zu- und abgeflossen sind. Zweitens: Es muss nicht gebucht werden. Es genügt, wenn die Rechnungen zu Betriebseinnahmen und -ausgaben grob untergliedert in einem Aktenordner abgeheftet werden. Diese Unterlagen sind dann zehn Jahre aufzubewahren. Der Gewinn ist in der Steuererklärung in der Anlage G für Gewerbetreibende bzw. in der Anlage S für Freiberufler einzutragen. Software Wer es aber ganz korrekt machen will, kann dafür auch eine Buchführungs-Software verwenden. Für Anfänger bietet Buhl Data mit seinem»wiso mein Büro 2011«ein Programm, das für den Laien unter anderem die Bildung von Buchungssätzen übernimmt (Preis 99,99 Euro, Laufzeit 365 Tage). Die Akademische Arbeitsgemeinschaft hat dagegen in ihre»steuer-spar-erklärung 2011 für Selbstständige«(Preis 79,95 Euro) einen Einnahme- /Überschussrechner integriert. Wer dagegen in Sachen Buchführung sattelfest ist, kann auch von Lexware den»buchhalter 2011«(Preis 159,90 Euro) einsetzen. Achtung: Bei Bewirtungsrechnungen und Ausgaben fürs Arbeitszimmer gilt, dass diese Ausgaben getrennt von allen übrigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden müssen. Umsatzsteuer-ABC Bewirtung Bewirten Sie Geschäftsfreunde für 100 Euro plus 19 Euro Umsatzsteuer, dürfen Sie zwar nur 70 Euro (70 Prozent der Netto-Rechnung) als Betriebsausgaben abziehen. Sie erhalten jedoch die kompletten 19 Euro als Vorsteuer zurück. Rechnung Damit Ihnen das Finanzamt die Vorsteuer erstattet, sollten Sie darauf achten, dass die Rechnung Namen und Anschrift von Ihnen und die des Rechnungsausstellers enthält. Außerdem muss sie die Steuernummer des Rechnungsausstellers, den Rechnungsbetrag, den Steuerbetrag, den Steuersatz, die Leistung und den Tag der Leistung enthalten. Fehlt eine dieser Angaben, setzt das Finanzamt den Rotstift an.

5 Bagatellgrenze Bei Rechnungen bis 150 Euro zeigt sich das Finanzamt großzügig und erstattet die Vorsteuer auch dann, wenn der Steuerbetrag oder Ihr Name als Empfänger der Rechnung nicht extra ausgewiesen ist. So wird gerechnet Sie kaufen sich für Ihr Arbeitszimmer einen Schreibtisch (1000 Euro plus 190 Euro Umsatzsteuer), laden Geschäftspartner zum Essen ein (Vorsteuer 70 Euro). Für Hotelübernachtungen und Flüge anlässlich einer Geschäftsreise im Zusammenhang mit Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit fallen 220 Euro Vorsteuern an. Selbst wenn Sie in diesem Monat keine Umsätze haben, können Sie die Erstattung der Vorsteuer in Höhe von 480 Euro verlangen. Erstellt /zuletzt aktualisiert: Ottfried Weiss 2011 Guter Rat.de

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