Wirkungsbericht HEKS Ausland. Zürich / Lausanne, 18. März HEKS Wirkungsbericht

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1 Wirkungsbericht 2010 HEKS Ausland Zürich / Lausanne, 18. März 2011 HEKS Wirkungsbericht

2 Inhaltsverzeichnis Abkürzungen Vorwort Programmtätigkeiten von HEKS Arbeitsfelder von HEKS Interventionsstrategie von HEKS Der Beitrag von HEKS zu Wandel erwünschte Resultate Zunehmende Komplexität Umfassende Komplexität Das Change Monitoring System von HEKS und seine Instrumente Wirkungsbericht Schlüsseldaten Lessons learned von der Evaluation von Landesprogrammen Vier wiederkehrende Muster Immer wieder neue Herausforderungen Schlusswort Ausblick Anhang: Literaturverzeichnis HEKS Wirkungsbericht

3 Abkürzungen ACT CBO CMS DNH ESCR FFPG HHQ HIV-AIDS HRBA ID IDP M&E NGO NREGS ToR UN Action of Churches Together Community-based Organisation (Zivilgesellschaftliche Organisationen) Change Monitoring System Do No Harm Economic Social and Cultural Rights (WSK; wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) Field Financial and Programmatic Guidelines (Finanzielle und programmatische Richtlinien) HEKS Headquarters (HEKS Geschäftsstelle Schweiz) Human immunodeficiency virus - Acquired immune deficiency syndrome Human rights-based approach (Arbeitsansatz basierend auf den Menschenrechten) International Division (Bereich Ausland) Internally Displaced Persons (Intern vertriebene Personen) Monitoring and Evaluation Non-Governmental Organisation (Nicht-Regierungs-Organisationen) National Rural Employment Guarantee Scheme Terms of Reference (Pflichtenheft) United Nations (Vereinte Nationen) HEKS Wirkungsbericht

4 1 Vorwort Erstmals legt HEKS einen Wirkungsbericht vor. Er bezieht sich auf die Aktivitäten des Jahres Wir sind uns bewusst, dass der Versuch, einen solchen Bericht zu verfassen, mit Risiken behaftet ist, weil die Wirkung unserer Arbeit aus ganz unterschiedlichen Perspektiven angegangen und gemessen werden kann. Wirksamkeit kann in Zahlen gemessen werden. Auf Output (Resultate) ausgerichtete Kennzahlen sind einfach zu erfassen: So können etwa Personen gezählt werden, welche eine Ausbildung besucht oder mit einer bestimmten neuen Technik Pflanzen gepflanzt haben. Das Messen auf der Ebene des Outcomes (mögliche Auswirkungen) stellt hingegen bereits eine grössere Herausforderung dar. Ohne genaue Daten zur Ausgangslage (Baseline - Studie) können keine Leistungen festgestellt werden, wie beispielsweise die Einkommensveränderungen von Begünstigten, die Anzahl Schulkinder oder der Anstieg der Jahre, in denen Kinder zur Schule gehen. Solche Kennzahlen können in den Programmevaluationen erhoben werden einige von ihnen sind in diesem Bericht kurz zusammengefasst. Die Resultate jedoch hängen nicht immer nur von unseren Anstrengungen in der Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Begünstigten ab, sondern sie werden auch durch externe Faktoren beeinflusst wie die Effizienz der Regierungen und gute Regierungsführung, konfliktive Machtbeziehungen oder der Klimawandel. Zukünftig werden Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit immer öfters eine reine «Facilitatoren-Rolle» (Vermittlerrolle) übernehmen. Das macht das Messen von Wirksamkeit noch komplexer, und die direkt ausgelösten Auswirkungen sind noch schwieriger zu erfassen. Dennoch sind diese Auswertungen vor allem langfristig von grosser Bedeutung. Leider sind Spender kaum daran interessiert, Post-Evaluationen zu finanzieren, während gleichzeitig grössere und dringendere Bedürfnisse abgedeckt werden sollten. Wenn auch die Wirkung von Facilitation wegen ihrer Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren schwer messbar ist, so dürfen sie Entwicklungs organisationen dennoch nicht vernachlässigen. Die Frage nach der Wirkung kann wesentlich dazu beitragen, dass angestossene Aktivitäten auch zum Tragen kommen. Die Schwierigkeit liegt in der Art und Weise, wie Resultate gemessen oder zumindest aufgezeigt werden können. HEKS macht mit diesem Bericht den mutigen Versuch, Resultate in Form von sich verändernden Strukturen zu beschreiben. Der Bericht ist eine Momentaufnahme von HEKS und daher ein «Work in Progress», ein erster Schritt einer langen Reise. In einer weiterführenden Auseinandersetzung mit dem Thema Komplexität wird HEKS seine Erkenntnisse vertiefen und hofft, die Resultate seiner Arbeit künftig noch besser beschreiben zu können. 2 Programmtätigkeiten von HEKS 2.1 Arbeitsfelder von HEKS HEKS ist in 21 Schwerpunktländern in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen tätig. Das Ziel von HEKS ist es, einen Beitrag zum Aufbau von gerechten Strukturen und zu friedlichem Zusammenleben und damit zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensgrundlagen zu leisten. Im Einklang mit der Organisationsstrategie arbeitet HEKS prioritär in ländlichen Gebieten und fokussiert zwei Schwerpunktthemen: Entwicklung ländlicher Gemeinschaften sowie Friedensförderung und Konflikttransformation. HEKS ist überzeugt, dass diese beiden Themen gerade HEKS Wirkungsbericht

5 in ihrer Kombination entscheidend sind, um nachhaltig positive Veränderungen des Verhaltens von Gemeinschaften und des persönlichen Lebens der Mitglieder herbeizuführen. HEKS betrachtet solche Veränderungen als Wirkung. Soziale und strukturelle Veränderungen können in den folgenden Bereichen beobachtet werden: Lebensstandard ländlicher Gemeinschaften Rolle marginalisierter Gruppen innerhalb von gesellschaftlichen Machtstrukturen Umsetzungsgrad von Recht und Schutz vor Menschenrechtsverletzungen Partizipation marginalisierter Gruppen in der Entscheidungsfindung Diese Bereiche dienen HEKS und seinen Partnerorganisationen als Beobachtungsfelder bei der Sammlung von Schlüsseldaten (siehe Kapitel 5). 2.2 Interventionsstrategie von HEKS Um das übergeordnete Ziel zu erreichen, analysiert HEKS in einem ersten Schritt den Kontext in einem jeweiligen Schwerpunktland. In diesem Prozess versucht HEKS, die Ursachen von Problemen zu identifizieren und so zu verhindern, dass lediglich Symptome bekämpft werden. Basierend auf der Kontextanalyse stellt HEKS zusammen mit den Betroffenen Hypothesen auf, wie der Wandel hin zu grösserer Gerechtigkeit und verbesserten Lebensgrundlagen herbeigeführt werden kann. Daraus lassen sich entsprechende Projektziele ableiten. Die Kombination von Aktivitäten, welche die verschiedenen Situationen und Akteure mit einbezieht, definiert schliesslich den Weg, der zur Erreichung der gewünschten Ziele führen soll. Der Einfluss der HEKS-Projekte findet da Grenzen, wo externe, das Umfeld verändernde Faktoren wirksam werden. Trotz ganzheitlicher Betrachtungsweise sind die Möglichkeiten von HEKS, Probleme anzugehen, in einer globalisierten Welt beschränkt. Die gewünschten - oder notwendigen - Veränderungen gehen meist über den direkten Einfluss hinaus. HEKS kann deshalb nur Prozesse initiieren, die den Fortschritt und den Wandel unterstützen und dabei den eigenen Lernprozess stetig verbessern. 3 Der Beitrag von HEKS zu Wandel erwünschte Resultate 3.1 Zunehmende Komplexität Die Welt von heute wird zunehmend komplexer. Durch die Globalisierung verschwinden frühere Grenzen. Die Menschen sehen sich mit einer beispiellosen Flut von Informationen konfrontiert. Internet und Mobiltelefone bieten noch nie dagewesene Möglichkeiten, um an Informationen zu gelangen, sich zu vernetzen und vernetzt zusammenzuarbeiten. Das Internet spielte beispielsweise eine unterstützende Rolle bei den Massendemonstrationen, welche anfangs 2011 zum Sturz der Regime in Tunesien und Ägypten geführt. Auch die Unruhen in der arabischen Welt, die während des Verfassens dieses Berichts noch anhalten, bekommen durch das Internet eine besondere Dynamik. Die hohe Vernetzung ermöglicht sozialen Bewegungen und Netzwerken die Bildung von neuen Allianzen, um sich für sozialen Wandel und Demokratie stark zu machen. Umgekehrt können in der globalisierten Welt wenige Länder mit ihrer Wirtschaftspolitik einen verheerenden Einfluss haben oder terroristischen Netzwerken gelingt es, die Sicherheit in bisher unbekannter Weise zu bedrohen. HEKS Wirkungsbericht

6 Als Folge davon ist die Entwicklungszusammenarbeit von immer mehr externen Faktoren beeinflusst, die gravierende Auswirkungen auf ihre Resultate haben. So werden beispielsweise als Massnahme gegen den Klimawandel heute «Disaster Risk Reduction»-Massnahmen in alle Entwicklungsprogramme integriert. Die Ursachen und die Entwicklung des Klimawandels auf der globalen Ebene und ihre lokalen Auswirkungen bleiben aber umstritten und unvorhersehbar. Ketten von Ereignissen vorauszusagen ist schwieriger geworden, da die geographischen und zeitlichen Abstände zwischen Ursache und Wirkung immer grösser werden. Dies gilt in noch stärkerem Ausmass für die Entwicklungszusammenarbeit, wo Programme in Gebieten umgesetzt werden, in denen Konflikte, Naturkatastrophen und Armut herrschen. 3.2 Umfassende Komplexität Durch die Beobachtung der Natur hat die moderne Wissenschaft wie die Biologie oder die Quantenphysik herausgefunden, dass lebende Systeme wie Gruppen von Elektronen, Wolken oder Fischschwärme sich ihrer Umwelt stetig neu anpassen. Dies macht ihre Verhaltensweise kaum vorhersehbar. Konfrontiert mit einer neuen Situation, gehen sie in der Regel durch ein chaotisches Stadium, bevor sie sich auf immer wieder neue Weise reorganisieren. Trotzdem behalten sie dank eines starken Bewusstseins von Ziel, Identität und auf einzelne, einfache Regeln basierende Selbstorganisation, einen hohen Ordnungsgrad. Solche Prozesse können nur beobachtet werden, indem man die Beziehungen zwischen den Elementen des Systems anschaut. Die Herausforderung liegt darin, eine Übersicht über das Ganze zu gewinnen und nicht nur über einzelne Elemente. Weil aber komplexe Systeme in kontinuierlichem Austausch mit ihrer Umgebung stehen, können sie weder durch einzelne, isolierte Ereignisse noch durch umfassende Daten vollumfänglich erfasst werden. Sie zeigen sich viel mehr in Formen und Mustern als in Fakten und Zahlen 1. Eine solche Perspektive ist anspruchsvoll und verlangt ein anderes Verständnis von Ursache und Wirkung. Eng mit ihrer Umgebung verbunden, reagieren lebende Systeme nicht auf einzelne Befehlsketten, sondern auf eine Vielzahl von Einflüssen. Informationen oder Störungen können in einem System eine Reaktion auslösen, die weit über das ursprüngliche Signal hinausgeht. Aktivitäten in einem Teilaspekt können sich auf einen ganz anderen weit entfernten Teilaspekt, auswirken. In der Regel folgen lebende Systeme nicht einem linearen Pfad, sondern zeigen eher spiralförmige Bewegungen. Inspiriert von einer solchen ganzheitlichen Perspektive folgert HEKS: Entwicklungsprojekte von HEKS intervenieren durch die Zusammenarbeit mit Gemeinschaften und Partnerorganisationen in komplexe Lebenssysteme. Durch das Engagement von HEKS wird das Hilfswerk selber Teil des Systems, in dem die Projekte umgesetzt werden. HEKS und seine Partnerorganisationen beeinflussen das System, werden aber wiederum auch vom System und seiner Umgebung beeinflusst. Projekte bezwecken Veränderung, Projekte interagieren aber auch mit dem Umfeld, in dem sie durchgeführt werden und lösen dabei nicht unbedingt logische Konsequenzen aus. Solche Systeme sind durch Interdependenzen und schwer vorhersehbare Reaktionen gekennzeichnet. Auf dem Weg zu Veränderung müssen oft chaotische Phasen durchgestanden werden, bevor wieder neue Ordnung entstehen kann. Dies erschwert die Wirkungsbeobachtung, Absichten, Inputs und Beobachtungen können aber gleichwohl 1 Referenzliteratur ist im Anhang aufgeführt HEKS Wirkungsbericht

7 transparent gemacht werden. Daneben gibt es aber Projektkomponenten, die sich besser steuern lassen. Meist richten sie sich auf Probleme mit direkter Ursache- und Folgewirkung (z. B. im Bereich der Bewässerung oder Siedlungshygiene). 4 Das Change Monitoring System von HEKS und seine Instrumente Die vorhergehenden Erläuterungen zu Komplexität und zum Zusammenhang von Ursache und Wirkung müssen also bei der Beurteilung der erreichten Resultate von HEKS beachtet werden. HEKS entwickelt derzeit ein System, das die gesammelten Daten der verschiedenen Ebenen eines Projektes zusammenfassen und interpretieren kann. Dabei zielt HEKS insbesondere auf Veränderungen, die von den verschiedenen Akteuren auf den unterschiedlichen Ebenen des Projekts beobachtet und erlebt werden. Indem der Fokus mehr auf der Signifikanz der Veränderung für die betroffenen Leute als auf der Quantifizierung liegt, wählt HEKS hier bewusst einen anderen Weg als jenen des Sammelns und Messens von harten Daten. Ziel ist es, die Auslöser und die Dynamik von Veränderungen innerhalb des Systems zu erfassen und zu verstehen. Dieser spezifische Blickwinkel widerspiegelt den Slogan von HEKS in seinen öffentlichen Kampagnen: «Im Kleinen Grosses bewirken»; für HEKS ist die Frage zentral, wie die in das Projekt involvierten Menschen Veränderungen erleben. HEKS benutzt für seine Projekte konsequent einen Selbst-Evaluations-Ansatz, um Systemänderungen zu beurteilen. Mit dem Ansatz der Selbst-Evaluation wird versucht, die verschiedenen Facetten eines Projekts und seinen Kontext aus einer Vogelperspektive zu erfassen und zu reflektieren, ohne zu stark in die Details zu gehen. Durch den Vergleich von verschiedenen Daten (siehe unten) können möglicherweise wiederkehrende Muster heraus gefiltert werden. Dabei sind folgende Fragen entscheidend: Wie können die festgestellten Veränderungen im System interpretiert werden? Welchen Nutzen und welche Bedeutung haben sie für die involvierten Akteure? Zeigen sich wiederkehrende Eigenschaften und/oder Besonderheiten? Interpretationen von beobachteten Veränderungen und neuen Mustern entstehen durch den Vergleich verschiedener - teilweise auch partieller Perspektiven, sie sind also nicht Resultat von exakter Forschung. Das massgebliche Ziel von CMS ist daher, das Bewusstsein und das auf Erfahrung basierende Wissen von HEKS zu verbessern, um so die Arbeitsmethoden und ansätze zu optimieren. Erst in zweiter Linie geht es darum, Resultate aufzuzeigen. Im CMS werden Projekte aus folgenden drei Perspektiven betrachtet: Beobachtungsebene Individualebene Projektebene Beobachteter, reflektierter Wandel Veränderungen, die von den Begünstigten in ihrem Alltag beobachtet werden und die von den Partnerorganisationen kommentiert werden. Erfolge, Herausforderungen und Lessons learned in Portfolios, wie sie von HEKS Mitarbeitenden und Partnern wahrgenommen wurden. Datensammlung Gesammelt in: Einzel- und Panel-Interviews, durchgeführt von HEKS- Mitarbeitenden während ihres Feldaufenthalts. Die Interviews basieren auf der Methode «Most Significant Change». Dabei werden Leute nach festgestellten Veränderungen gefragt wurden 30 solcher Interviews in 7 Pilotländern durchgeführt. Gesammelt in: - 21 Jahresberichte der HEKS Landesbüros Berichte/ Geschichten aus den 12 monatlichen Newslettern, die vom HEKS-Auslandbereich herausgegeben werden. HEKS Wirkungsbericht

8 Programmebene Trends und Strukturen, welche in verschiedenen Schwerpunktländern von HEKS beobachtet wurden Schlüsselindikatoren, gesammelt in 20 Ländern - Geschichten und Beispiele aus Programmevaluationsberichten: 2010 wurden total 7 Landesprogrammevaluationen durchgeführt. - Zweitägige Analyse-Workshops, durchgeführt von den Mitarbeitenden des Bereichs Ausland. Herausgefiltert in zweitägigen Analyse-Workshops, die von den Mitarbeitenden des Bereichs Ausland durchgeführt werden. Um von den Erfahrungen des CMS zu lernen und dessen Ansatz weiterzuentwickeln, hat HEKS 2010 seine Aktivitäten in vier lateinamerikanischen und drei asiatischen Ländern untersucht. Die gesammelten Daten wurden in einem zweitägigen Workshop diskutiert und Schlüsse daraus gezogen. Die dabei erarbeiteten Muster werden in den nachfolgenden Kapiteln detailliert beschrieben. 5 Wirkungsbericht 5.1 Schlüsseldaten Im Rahmen des CMS sammelt HEKS Schlüsseldaten aus den wichtigen Beobachtungs- und Arbeitsfeldern quer durch alle Programme hindurch (siehe Kapitel 1). Die gesammelten Daten in diesem Kapitel geben Indikationen über die erreichten Resultate auf Outputebene. Kapitel 5.3. liefert eine Übersicht auf Outcome-Ebene. Beobachtungsfeld Schlüsseldaten Erklärung Zahl der Begünstigten direkt Begünstigte Gruppen, Vereine und Gemeinschaften Es muss zwischen Individuen/Gruppen oder Vereinen/Dörfer unterschieden werden. Lebensstandard ländlicher Gemeinschaften Personen verfügen über ein höheres Einkommen Personen haben höhere Ernteerträge erzielt Personen profitierten von neuen Arbeitsmöglichkeiten Personen erfreuen sich einer verbesserte Lebensqualität durch erhöhte Sicherheit, verbesserte Widerstandsfähigkeit oder vertieftes Verständnis der Ursachen und dadurch verminderte Konflikte. Erhöhung durch Projektaktivitäten (Produktion, Schaffung von Arbeitsplätzen, etc.) Der exakte Betrag der Erhöhung wurde nicht betrachtet. Erhöhung durch Projektaktivitäten (für den Verkauf oder Eigenkonsum) Anstellung oder Selbständigkeit dank Projektaktivitäten Es muss zwischen Individuen und Gemeinschaften unterschieden werden. Projekte wie Vergangenheitsbewältigung (Dealing with the Past), Friedenscamps, Sensibilisierungskampagnen etc. Soziale Integration marginalisierter Gruppen Personen haben dank den Projekten einen erleichterten Zugang zu öffentlichen Diensten. Dieser Indikator gilt nur für Roma, indigene Gruppen, Dalits, IDPs, körperlich und geistig Behinderte und ältere Personen. Dienstleistungen: Schule, Gesundheit, HEKS Wirkungsbericht

9 Grad der Umsetzung von Rechten Partizipation von Gemeinschaften an Entscheidungsprozessen Personen haben durch die Projekte Zugang zu Land erhalten Personen haben durch die Projekte erleichterten Zugang zu Wasser erhalten Personen haben durch die Projekte erleichterten Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen erhalten (ländliche) Basisorganisationen wurden durch Projekte unterstützt. Altersversicherungen, Staatliche Programme, etc. Begünstigt durch den Bau oder die Verbesserung von Brunnen, Zapfstellen, Bewässerungssystemen im Rahmen eines Projektes. Gleicher Indikator wie 5, beinhaltet aber auch die Gesamtbevölkerung (über die eigentlichen Zielgruppen hinaus). Aufbau, Coaching und Capacity building von Basisorganisationen, Kleinkooperativen. Gruppen müssen Strukturen aufbauen und ihre Interessen in Entscheidungsfindungsprozessen verteidigen auf politischer Ebene oder bei wirtschaftlichen Anliegen. Anmerkung: Die Zahlen können noch höher sein, da Familienmitglieder indirekt von Projekten profitieren. 5.2 Lessons learned von der Evaluation von Landesprogrammen 2010 wurden sieben Länderprogramme evaluiert. Alle Evaluationen wurden gegen Ende der Programmphase mit dem Ziel durchgeführt, relevante Informationen für die Definition der Folgephase und das Programmmanagement zu liefern. Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Ergebnisse dieser Evaluationen. Die spezifischen Veränderungen, welche durch die Evaluationen erkennbar wurden, werden in Kapitel 5.3 vorgestellt. Landesprogramm Simbabwe Art der Evaluation und Ansatz: Es wurde eine externe Evaluation durch zwei lokale Evaluationsexperten durchgeführt. Insgesamt wurden 126 Personen, davon 61 Männer und 65 Frauen, befragt. Angewandte Methode: Dokumentenanalyse; halbstrukturierte Einzel- und Gruppeninterviews; Diskussionen von Fokusgruppen; Beobachtung und «Stories of change». Hauptziel: Beurteilung des Programmansatzes und der durch die drei Programmkomponenten erzielten Wirkung als Information für die Neudefinition der nächsten Programmphase. Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Der Programmansatz war weitgehend erfolgreich; die strenge Partnerauswahl ermöglichte effektive Partnerschaften. Über 500 Haushalte erzielten eine Verbesserung ihrer Nahrungsmittelproduktion für den Eigenverbrauch oder ein höheres Einkommen durch Vermarktung ihrer Produkte. Ernährungssicherheit und das Wissen darüber, wie die Situation weiter verbessert werden kann, müssen gemeinsam angepackt werden. Resultate sind verbesserte Beziehungen und verbesserte soziale Gerechtigkeit, die Reduktion von Konflikten sowie die Fähigkeit, durch höhere Produktion Einkommen zu generieren. HEKS Wirkungsbericht

10 Nächste Schritte: Durch die Einführung von neuen Ansätzen, Themen und Akteuren (Einführung von «Do No Harm-Prinzipien») kann das Programm weiter gestärkt werden: Projekte zur Einkommensgenerierung von jungen Leuten; der bewusste Einbezug von relevanten Regierungsstellen; der Einbau von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel. Zur Stärkung der Zusammenarbeit mit den Partnern empfehlen die Evaluatoren den Ausbau eines vollwertigen HEKS Landesbüros. Ausserdem müssen die Kapazitäten der Partner gestärkt werden, um die Begünstigten bei der Generierung von Einkommen, unter anderem durch Marketing-Aktivitäten, besser unterstützen zu können. Landesprogramm Südafrika Art der Evaluation und Ansatz: Es wurde eine externe Evaluation mit zwei lokalen Evaluationsexperten auf der Basis eines iterativen, formativen, reflektierenden und partizipativen Ansatzes durchgeführt. Die wesentlichen verwendeten Instrumente: Verarbeitung von Berichten; die Sammlung zusätzlicher Daten in Form von Interviews; ein Prozess von kritischer Reflexion und Analyse; die Erarbeitung des Berichts. Hauptziel: HEKS hatte bereits 2009 entschieden, die Länderzahl zu reduzieren und sein Südafrika-Landesprogramm mit einer Konsolidierungsphase im Jahr 2012 zu beenden. Aufgabe der Evaluation war es, eine optimale Exit-Strategie zu entwickeln, den Dialog mit den Partnern zu unterstützen und gemeinsam weitere mögliche Vorgehensweisen zu diskutieren, um die erreichten Resultate auch über den Rückzug von HEKS hinaus zu erhalten. Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Die Arbeiten zur Verbesserung der Ernährungssicherheit und der Lebensgrundlagen haben das Leben von Frauen in ländlichen Gebieten positiv verändert. Heute produzieren sie verschiedene frische Produkte und durch die Vermarktung des Überschusses erwirtschaften sie ein kleines Einkommen. Frauen haben sich in Gruppen organisiert und dadurch Zugang zu Land und Wasser erhalten; zudem bekamen Bauernkooperativen staatliche Gelder für Wasserbohrungen und Landwirtschaftsgeräte zugesprochen. Nächste Schritte: Die Partnerorganisationen werden von HEKS mit Know-how für die Mittelbeschaffung unterstützt. Die Ausstiegphase soll genutzt werden, um die Partner auf dem Gebiet der Konfliktbearbeitung zu stärken. Auch sollen gemeinsam neue Ansätze zur Förderung der Agrarreform entwickelt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Kooperativen sowie dem Zusammenspiel von Ernährungssicherheit, der Verbesserung der Lebensgrundlagen im Umfeld von ländlicher Entwicklung und Agrarreform. Ferner sollen Weiterbildungen für partizipative Ansätze in Capacity Building, Monitoring und Evaluation organisiert werden. Landesprogramm Honduras Art der Evaluation und Ansatz: Es wurde eine externe Evaluation mit zwei lokalen Evaluationsexperten durchgeführt. Die angewandten Methoden beinhalteten die Befragung von 54 Bauern aus 11 ausgewählten Gemeinschaften; Gruppeninterviews mit Basis- und Partnerorganisationen; die Teilnahme an Veranstaltungen; informelle Diskussionen mit Angestellten der Partnerorganisationen sowie die Analyse von Dokumenten. Hauptziel: Beurteilung des aus drei thematischen Programmen bestehenden Landesprogramms für die Vorbereitung der Programmphase HEKS Wirkungsbericht

11 Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Die verbesserte Lebensgrundlage von Kleinbauern; die Fokussierung auf die Arbeit mit Frauen hat ihre Rolle in den Dörfern gestärkt; es wurde eine höhere Partizipation der Frauen bei Entscheidungsfindungen beobachtet; Frauen haben besseren Zugang zu Bildung. Zudem wurden sie von einigen ihrer Pflichten wie Wasserholen, Holzhacken entlastet, so dass sie nun mehr Zeit für die Kinder und für die Gemeinschaft zur Verfügung haben. Die verstärkten Kompetenzen in Advocacy werden vor allem langfristige Wirkung zeigen. Die Kenntnis der lokalen Regierungen für die Anliegen der Gemeinschaften ist gewachsen, sie übernehmen zudem mehr Verantwortung und leisten finanzielle Unterstützung im Bereich der Bildung und Beratung. Die Bildung von Allianzen zwischen verschiedenen Organisationen zahlt sich aus, so zum Beispiel die «Alianza Sara», ein Netzwerk bestehend aus 30 Organisationen, das sich für die Landreform und den Zugang zu Land für landlose Bauern einsetzt. Nächste Schritte: Die Evaluation empfiehlt, die geografische und thematische Ausrichtung weiter zu verfolgen und das Netz innerhalb unserer Partner zu verstärken, um die Wirkung des Programmes noch zu verbessern. Die biologische Landwirtschaft soll weiterentwickelt und auf zusätzliche Regionen ausgedehnt werden. Die lokale Vermarktung von Überschüssen soll systematisch gestärkt werden. Landesprogramm Guatemala Art der Evaluation und Ansatz: HEKS Guatemala führte anhand verschiedener Workshops, Interviews und Besuchen bei Partnerorganisationen eine Selbst-Evaluation durch als Vorbereitung zur Formulierung der nächsten Phase des Landesprogramms. Hauptziel: Beurteilung des bisherigen thematischen und regionalen Fokus. Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Die Partner schätzten die angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten. Der kombinierte Einsatz von lokalen, regionalen und nationalen Partnern schafft Synergien, dank denen Zeit zur Überwindung grosser Distanzen eingespart werden kann. Die Evaluation hat zudem ergeben, dass es HEKS Guatemala an Wissen und an technischer Unterstützung für Aktivitäten im Bereich der Ernährungssicherheit fehlt. Ebenso zeigte sich, dass die Vergangenheitsbewältigung («Dealing with the Past») für die Entwicklungszusammenarbeit wichtig ist. Für die Zusammenarbeit mit ACT wurden noch ungenutzte Potenziale identifiziert. Nächste Schritte: Die Evaluation unterstützt die Konzentration des Landesprogramms auf maximal drei Schwerpunktregionen San Marcos, Jalapa und Ixcán und legt einen stärkeren Fokus auf lokale, nationale und internationale Advocacy-Arbeit. Im Bereich der Agroökologie gilt es die Kompetenz von HEKS zu verbessern. Bei der Konfliktbearbeitung muss mit neuen Herausforderungen gerechnet werden; die Prioritäten sollten dabei auf der Ausbeutung von Rohstoffen und dem Zugang zu Wasser und Land in unseren Projektgebieten liegen. Israel/Palästina: Evaluation eines Teilprogramms Art der Evaluation und Ansatz: Es wurde eine externe Evaluation durch zwei lokale Evaluationsexperten durchgeführt. Die angewandten Methoden: Analyse von Dokumenten; Interviews mit Partnerorganisationen; partizipative Partner-Workshops; gemeinsamer Workshop von Landesprogrammverantwortlichen Ausland- und Bereichsleitung, Auswertung der Ergebnisse mit Hilfe schweizerischer Evaluationsexperten. HEKS Wirkungsbericht

12 Hauptziel: Primäres Ziel der Evaluation war es, durch ein gezieltes Set an Fragen, das Programm zu analysieren und wichtige Informationen für die nächste Programmphase zusammenzutragen. Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Das Open Forum (ein Netzwerk von Organisationen) leistet einen wichtigen Beitrag für den Aufbau von neuen Arbeitsbeziehungen, indem es Lernprozesse und den Zugang zu neuen Denkweisen unterstützt. Es scheint, dass sich die Partner wohl über die Ziele ihrer Organisationen im Klaren sind, jedoch nicht bezüglich möglicher gemeinsamer Aktionen im Rahmen des Open Forum als Beitrag zu Lösungsansätzen im breiteren Rahmen des israelisch-palästinensischen Konflikts. Für die Partner gilt es nun, gemeinsame Visionen aufbauen, wie sie ihre verschiedenen Programme aufeinander abstimmen und so einen Beitrag zur Konfliktbearbeitung leisten können. Nächste Schritte: Das Programm soll auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen und so einen Wandel herbeiführen. Die Evaluatoren ratenden Partnern des Open Forums als Ziel der nächsten Phase kulturelle Differenzen untereinander aktiv angehen und unter Einbezug einer erweiterten Anzahl ihrer Mitarbeitenden eine gemeinsame Identität entwickeln. Die «Normalisierung» der Beziehungen stellt eine wichtige Herausforderung in der Entwicklung des Programms dar, die nur mit einer proaktiven Haltung gemeistert werden kann. Landesprogramm Äthiopien Art der Evaluation und Ansatz: Die Programmevaluation wurde auf partizipativer Ebene von zwei externen Evaluationsexperten durchgeführt. Die angewandten Methoden: Studium der Dokumente; Interviews und Diskussionen mit Fokusgruppen bestehend aus Mitarbeitenden von HEKS Äthiopien, den Partnerorganisationen, den Distriktbehörden und den begünstigten Gemeinschaften, ferner Beobachtungen und Fallstudien; Programm-Evaluations- Workshop mit den Partnerorganisationen. Hauptziel: Die Beurteilung des Programmansatzes und der Programmleistung, um die nächste Länderprogrammphase auszuarbeiten. Wichtigste Erkenntnisse der Evaluation: Trotz guter Eignung des gewählten geographischen Gebiets zeigt das Programm nur begrenzten Einfluss auf die Ernährungssicherheit auf Gemeindeebene, da nur wenigen Gruppen von den Interventionen profitieren. Die Arbeit mit der Zivilgesellschaft im Bereich der Friedensförderung ist durch staatliche Einschränkungen behindert und kann deshalb nur indirekt angegangen werden. Dennoch ist es gelungen, ein gutes Umfeld für die soziale Koexistenz von verschiedenen ethnischen Gruppen aufzubauen. Viehzüchter wurden im Vorbeugen von Notsituationen unterstützt, das geplante Frühwarnsystem greift aber noch zu kurz. Nächste Schritte: Aufgrund der Evaluation empfiehlt sich die Teilung des Programms in drei Schwerpunktbereiche: Sicherung der Lebensbedingungen, Wasserversorgung und Hygiene und Notfallbereitschaft. Das Konzept der Sicherung lokaler Lebensbedingungen bietet mehr Möglichkeiten für Aktivitäten als der Begriff der Ernährungssicherheit. Interventionen wie die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, der Aufbau von Vermarktung und die Reduktion des Risikos von Katastrophen werden als Interventionsstrategien in Erwägung gezogen. Wasser- und Siedlungshygiene-Projekte sind zu zentral, als dass sie lediglich als Komponenten von Livelihood betrachtet werden sollten. Deshalb soll ein eigener Schwerpunkt mit klaren Zielvorgaben und Überprüfungsmöglichkeiten entwickelt werden. Die Notfallbereitschaft soll auf bestehende Frühwarnsysteme aufbauen, Um gemeinsam mit HEKS Wirkungsbericht

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