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1 Renten Rentenanlagen in Schwellenländern Wir gehen davon aus, dass uns die finanzielle Repression noch auf Jahre hinaus begleiten wird. Inzwischen wird es immer schwieriger, adäquate Renditen mit Investment Grade- und Hochzinsanleihen aus entwickelten Staaten zu erzielen. AUTOREN: GREG SAICHIN, BEATRIX ANTON-GRÖNEMEYER & THOMAS KNIGGE 24

2 An Anleihen aus Schwellenländern führt kaum noch ein Weg vorbei: Die Emerging Markets erbringen 42 % der globalen Wirtschaftsleistung kaufkraftbereinigt sind es sogar 50 % und in Zukunft werden sie weiter an Gewicht gewinnen. Das gilt umso mehr, als sich Emerging Market-Bonds zu einer reifen Anlageklasse entwickelt haben und seit 2012 im Durchschnitt Investment Grade- Status aufweisen. Nachdem die Straffung der US-Geldpolitik an den Kapitalmärkten für Turbulenzen gesorgt hat, sehen Anleihen aus Schwellenländern zum ersten Mal seit Langem im Vergleich zu anderen Anleihegattungen wieder attraktiv aus. Mit einem Renditeaufschlag von durchschnittlich rund 140 Basispunkten gegenüber vergleichbaren US-Dollar-Anleihen mit Investment Grade- Ratings bieten Emerging Market-Bonds eine mehr als ausreichende Risikoprämie auch im Hinblick auf die notwendigen Anpassungsprozesse in den Schwellenländern im Umfeld einer sich normalisierenden US-Zinslandschaft. Mit anderen Worten: Die Anlageklasse erscheint nicht nur relativ gesehen attraktiv, sondern auch mit Blick auf das absolute Bewertungsniveau von momentan über 6 % Rendite für Staatsanleihen (EMBIG, Stand ). Veränderte Rahmenbedingungen erfordern neuen Blick auf die Assetklasse Schwellenländer Bei der Anlage in Emerging Market-Bonds geht es aber nicht mehr bloß um die Ausnutzung allgemeiner Bewertungsvorteile. Viel- 25

3 RENTEN Aktives Management ist damit eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Anlagen in diesem verän derten heterogenen Umfeld. mehr wird es in den nächsten Jahren entscheidend darauf ankommen, die länderspezifischen Risiken zu verstehen (Grafik 01). Der Zinsanstieg in den USA hat deutlich gemacht, welche Schwellenländer in schwacher fundamentaler Verfassung sind oder über einen unzureichenden Politikmix verfügen. Gleichzeitig hat sich die Liquiditätssituation an den Anleihemärkten grundlegend verändert, was Anlagen aus Schwellenländern in einer Phase erhöhter systemischer Risiken belastete. Da die Notenbanken in den Emerging Markets versuchen, ausländisches Kapital zu halten und wieder anzuziehen, um ihre Zahlungsbilanzen und unter Abwertungsdruck stehenden Währungen zu stabilisieren, kann das Zinsniveau in den Schwellenländern noch weiter steigen. Somit bieten zwar die Renditen und Währungen in den Emerging Markets bereits jetzt attraktive Bewertungsvorteile, jedoch können anhaltende Kapitalabflüsse aus einzelnen Schwellenländern weiteren technischen Druck auf die dortigen Renditen und Wechselkurse ausüben. Aktives Management ist damit eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Anlagen in diesem veränderten heterogenen Umfeld. Management von Emerging Market-Bonds bei Allianz Global Investors Investitionen in Schwellenländer erfordern ein tiefes Verständnis der globalen und lokalen Verflechtungen und Abhängigkeiten. Ziel unseres Hause war es daher, die besten Ressourcen für das Management von Schwellenlandanleihen einzusetzen, um den heutigen Anforderungen der Assetklasse gerecht zu werden. Das Team von Allianz Global Investors unter der Leitung von Greg Saichin verfügt über 50 Jahre Erfahrung in diesem Segment Greg Saichin allein hat das Auf und Ab der Emerging Markets-Zyklen der letzten 30 Jahre als Fondsmanager verfolgt. Unser Team setzt dabei sowohl auf einen strategischen als auch auf einen taktischen Ansatz und nutzt gezielt Erkenntnisse, die auf re gionaler Ebene gewonnen werden. Die globale Aufstellung mit lokaler Präsenz in New York (lateinamerikanische Märkte), London (Osteuropa, Naher Osten, Afrika) und Hongkong (asiatische Märkte) ermöglicht uns ein Portfoliomanagement rund um die Uhr und erlaubt ein optimales Verständnis von Risiken und Kapitalströmen sowie Marktanalysen vor Ort. Zudem ist die lokale Präsenz eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme an Neuemissionen. In unserem einzigartigen Matrixansatz kombinieren wir traditionelles indexorientiertes Management mit von Spezialisten verwalteten Alpha Baskets. Auf dieser Grundlage setzen wir aktive, überzeugungsbasierte Strategien in allen Segmenten des Markts für Schwellenlandanleihen um, mit denen wir nachhaltige risikoadjustierte Erträge erzielen können. 26

4 Update I/ INVESTMENT-PROZESS 1. Länderanalyse 2. Strategien / Alpha-Baskets 3. Portfoliokonstruktion TOP-DOWN-MAKROANALYSE Bonitätsanalyse Wirtschaftsdaten Maßgebliche Faktoren: Weltwirtschaft, Wachstum in China, Rohstoffzyklus SCORE CARD STAATSANLEIHEN/ QUASI-STAATSANLEIHEN UNTERNEHMEN SPREAD-KONVERGENZ RELATIVE VALUE WÄHRUNG / LOKALE ZINSMÄRKTE RISIKOBUDGET-PROZESS Strategische Allokation Taktische Allokation PROAKTIVES LIQUIDITÄTSMANAGEMENT STRUKTURELLES RISIKO-OVERLAY PORTFOLIO MOMENTUM BOTTOM-UP-ANSATZ Politikmix, rechtliche Rahmenbedingungen Markttechnik Corporate Governance Quelle: AllianzGI, Q

5 RENTEN 02 LÄNDERAUSWAHL Analyse der Zahlungsfähigkeit des Staates Leistungsbilanz Devisenreserven Zahlungsbilanz Finanzierungsbedarf Wirtschaftsdaten Inflation Zinszyklus Industrieproduktion Rohstoff-Abhängigkeit Abhängigkeit von Güterproduktion TOP-DOWN Ländereinschätzung: Übergewichtung / Untergewichtung Politische Trends Zentralbankpolitik Wahlkalender Konsistenz und Nachhaltigkeit der Politik Gesetzesinitiativen Verschuldungsprofil Haushaltslage Staatliche Schuldenaufnahme Erwartetes Emissionsvolumen Währung Ausländische Kapitalgeber BOTTOM-UP Politikmix, Rechtsstaatlichkeit, Corporate Governance Markttechnik Quelle: AllianzGI, Q

6 Update I/2014 Unser Investmentprozess vereint einen quantitativen und einen fundamentalen Ansatz, um für jedes Land in der jeweiligen Benchmark das risikoadjustierte Ertragspotenzial zu identifizieren. Investmentprozess Unser Investmentprozess vereint einen quantitativen und einen fundamentalen Ansatz, um für jedes Land in der jeweiligen Benchmark das risikoadjustierte Ertragspotenzial zu identifizieren (Grafik 02). Der quantitative Ansatz liefert für jedes Schwellenland eine statische und eine dynamische Bewertung von Makroindikatoren sowie ergänzende Analysen der Anfälligkeit für wirtschaftliche Schocks und des Bewertungsniveaus der Anleihen. Auf dieser Basis wird die Attraktivität einzelner staatlicher Schuldner für eine Anlage ermittelt. Im Rahmen des fundamentalen Ansatzes analysieren wir für jedes Land die Makrosituation mit Blick auf den Politikmix, die regulatorischen Rahmenbedingungen, die politischen Risiken sowie die Corporate Governance, das Investitionsklima und die Markt technik. Die Resultate unterziehen wir einem Stresstest, der mög liche Veränderungen von Einflussfaktoren berücksichtigt, die für die Schwellenländer systemische Risiken bergen und zwar insbesondere den globalen Konjunkturzyklus, die Rohstoffpreise und das Wachstum in China. unsere Core-Allokation. Diese strategischen Abweichungen von den Ländergewichtungen der Benchmark werden für einen längeren Zeithorizont, der typischerweise 18 Monate umfasst, getroffen. Im Rahmen der taktischen Allokation können die Gewichtungen der Emittenten temporär heraufgesetzt oder gesenkt werden. Damit können Chancen auf Zusatzerträge im Vorfeld bestimmter Ereignisse genutzt werden beispielsweise im Hinblick auf Notenbankentscheidungen, die Neuemission von Staatsanleihen oder die Verabschiedung neuer Gesetze. Solche taktischen Allokationen werden anschließend typischerweise wieder neutralisiert, sodass die strategischen Positionen langfristig unverändert bleiben. Diese aktiven Positionierungen im Kernbestand (Core) der Benchmark erfolgen in jeder Strategie im Rahmen von festgelegten Risikobudgets. Dabei bleibt ein Teil des Budgets explizit für das ergänzende PLUS-Element der Gesamtstrategie reserviert, also für die Generierung von zusätzlichem Alpha. Die Ergebnisse der beiden Ansätze bilden die Grundlage der Meinungsbildung im Managementteam. Das Team legt anschließend für jede gemanagte Strategie die strategische Allokation in staat lichen und quasistaatlichen Emittenten gegenüber der Benchmark fest, also PLUS-Management erfolgt hauptsächlich in fünf definierten Alpha Baskets: 1) Corporate Bond-Strategien typischerweise in den Ausprägungen Short Duration, Roll down und Carry. 29

7 RENTEN In der neuen Realität an den Finanzmärkten, die von phasenweise verringerter Liquidität geprägt ist, ist die Umschichtung bestehender Allokationen komplexer und zeitaufwendiger geworden. 2) Credit Arbitrage: Ausnutzung der Konvergenz/Divergenz von Renditespreadsabweichungen zu den durchschnittlichen Spreads zwischen staatlichen und quasistaatlichen Emittenten, ausschließlich auf technischer Grundlage. 3) Relative Value: Paarbildung in Bezug auf Staatsanleihen/ Corporate Bonds, Staatsanleihen/Staatsanleihen, Versteilerung/ Abflachung der Zinskurven bei Staatsanleihen und quasistaatlichen Anleihen. 4) EM Rates und FX Arbitrage: Erzielung von Zusatzanträgen mittels Steepening/Flattening-Trades in Bezug auf lokale Staatsanleihenkurven sowie Maximierung der Erträge von Volatilitäts-Trades in Bezug auf Währungen von Schwellenländern. 5) Momentum Selection konzentriert sich auf die Vereinnahmung von Zinsaufschlägen bei Neuemissionen am Primärmarkt. Während die Portfoliomanager die Gesamtstrategie steuern und das Risikobudget auf Core- und PLUS-Strategien verteilen, sind für das Management der PLUS Baskets jeweils Spezialisten zuständig. Dies bedeutet, dass die PLUS Baskets nicht zwingend individuell auf jeden einzelnen Fonds ausgerichtet werden. Lediglich die Höhe des Anlagevolumens, das an jeden PLUS Basket übertragen wird, entscheidet darüber, wie sich das Risikoprofil des Fonds im Ergebnis darstellt. VERSTEHEN. HANDELN. Schwellenlandanleihen bieten im Niedrigzinsumfeld langfristige Ertragschancen. Durch die Turbulenzen der letzten Monate hat sich die relative Attraktivität der Assetklasse verbessert. Aber die Auswahl der einzelnen Investments ist entscheidend. Daher gilt es, überzeugungsbasierte aktive Strategien umzusetzen, um das Potenzial in Einklang mit den Anlagezielen der Investoren zu erschließen. Ergänzt wird dieser Investmentprozess durch unser Overlay zur Absicherung systemischer und spezieller Risiken (u. a. Länder, Währung, Duration). Dieses Overlay wird an jede unserer Strategien individuell angepasst. In der neuen Realität an den Finanzmärkten, die von phasenweise verringerter Liquidität geprägt ist, ist die Umschichtung bestehender Allokationen komplexer und zeitaufwendiger geworden. Da es bei systemischen oder spezifischen Ereignissen auf schnelles Handeln ankommt, erfordern solche Absicherungsinstrumente viel Erfahrung. Sie ermöglichen es dem Managementteam, einen vordefinierten Risikoanteil im Hinblick auf die Gesamtstrategie (Index Hedging) oder in Bezug auf einzelne Länder (CDS, Währungen, Zinsen) abzusichern. 30

8 Update I/

9 RENTEN 32

10 Update I/2014 Greg Saichin ist Leiter Global Emerging Market Debt bei Allianz Global Investors. Der neue Bereich Globale Schwellenländeranleihen komplettiert das bislang aus starken regionalen Kapazitäten in Europa, den USA und Asien bestehende Rentenfondsmanagement bei Allianz Global Investors. Zuvor verantwortete Greg Saichin als Leiter des Bereichs Emerging Markets & Leveraged Finance Fixed Income Funds bei Pioneer Investments in Dublin und London. Er hat einen Abschluss als Bachelor of Business Administration und einen MBA-Abschluss der Wharton School, University of Pennsylvania. Unsere Produktpalette Die Zinskurven von US-Dollar-Staats- und Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets werden steiler. Allianz Global Investors hat vor die sem Hintergrund rasch auf den Bedarf an ertragsstarken Schwellenlandanlagen reagiert und wird in Kürze eine flexible Strategie mit kurzer Duration auflegen. Für institutionelle Anleger, die bewusst Wert auf höhere Bonität legen oder engen regulatorischen Vorgaben unterliegen, werden wir darüber hinaus eine konservative Strategie anbieten. Sie schließt ausdrücklich Schwellenländer mit niedrigem Bonitätsrating (unter B ) aus. Auf diese Weise wird das Risiko der Gesamt strategie spürbar reduziert, da die Länder mit den höchsten spezifischen Risiken und Ausfallwahrscheinlichkeiten außen vor bleiben. Beatrix Anton-Grönemeyer leitet das Produktspezialisten-Team im Bereich Fixed Income in Europa für Allianz Global Investors. Ihre berufliche Karriere in der Finanzbranche begann bei der Dresdner Bank als Investmentberaterin für internationale institutionelle Kunden im Bereich deutscher Anleihen und Aktien. Bevor Beatrix Anton- Grönemeyer im Jahre 2002 zu Allianz Global Investors wechselte, war sie in diversen Management-Positionen verantwortlich für unter anderem die Geschäftsentwicklung, die Bereiche Marketing und Sales sowie die Vertriebskoordination. Beatrix Anton-Grönemeyer ist Juristin. Sie absolvierte ihr Studium der Rechtswissenschaft an der Universität des Saar landes in Saar brücken und war anschließend als Anwältin tätig. Schließlich werden wir weitere Lösungen wie Core PLUS-Strategien in US-Dollar und lokalen Währungen sowie breit basierte und flexible Strategien, die Absolute Return-Ziele verfolgen, anbieten. Fazit Rentenanlagen in Schwellenländern bieten attraktive Renditechancen. Die veränderten Rahmenbedingungen eröffnen hervorragende Investitionsmöglichkeiten im gesamten Spektrum der Emerging Markets, nicht nur in Anleihen von Ländern, sondern auch von Unternehmen, Hochzinspapieren und Währungen. Aktive und dynamische auf tiefem Marktverständnis und Überzeugung basierende Anlageentscheidungen sind dabei der Schlüssel für nachhaltige Anlageerfolge in den Schwellenländern. Thomas Knigge ist Produktspezialist für Fixed Income. Er begann seine berufliche Karriere als Portfolio Manager für Gemischte Mandate bei der Dresdner Bank. Anschließend wechselte er zur dresdnerbank investment management (dbi) in das Client Portfolio Management für Gemischte Fonds und spezialisierte sich später auf Rentenmandate. Thomas Knigge studierte an der Universität Hamburg Wirtschaftsmathematik und ist Certified European Financial Analyst. 33

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