Anforderungen an den Untersucher bei standardisierter Testdiagnostik

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1 Anforderungen an den Untersucher bei standardisierter Testdiagnostik Einladung zu einer Selbstüberprüfung Manfred Mickley SPZ Friedrichshain

2 Herkömmliches Test-Qualitäts- Indikatoren Erweiterung Untersucher- Qualitäts- Indikatoren: KIT-B Objektivität Validität Konstrukt- Test-theor. Reliabilität Qualität Normen Interaktion. Bescheidenheit

3 Konstrukt- KIT-B Zusammenhang zu Validität psychopathol. Wissen allgemein- und entw.psychol. Wissen Wissen über Konstrukt

4 Bsp. Konstrukt Intelligenz abstraktes Denken, Schlussfolgern, Problemlösefähigkeit Anpassung an Umwelt Kapazität, um Wissen zu erwerben; Fähigkeit zum Erwerb kulturell relevanter Zeichensysteme Gedächtnis; Allgemeinwissen mentale Geschwindigkeit Kreativität das, was der Test misst

5 Fortschritte in psychometrischen Theorie-Ansätzen zur Intelligenz Beispiele allgemeine Intelligenz g Spearman 1921 dichotome Fähigkeiten Gf-Gc multiple Faktoren (unvollst.) Thurstone PMAs multiple Faktoren ( vollständig ) Cattell-Horn Gf-Gc etc ganzheitlicheinzelheitlich Carroll Three Stratum Theorie-Praxis-Lücke CHC-Theorie Fortschritte in der standardisierten Intelligenzmessung - USA Stanford- Binet Wechsler (Rs) 1949: erste Untertests - WISC K-ABC WAIS-III WISC-III WJ-R KABC-II WJ-III WISC IV? CHC Cross-Battery Approach nach Flanagan 1970 bis bis heute

6 Grw Gq Gc Gkn Ga Go Gv Gh Gk Gp erworbenes Wissen sensorisch motorisch sensorisch-motorische domänen-spezifische Fähigkeiten Gf Gsm Glr Gs Gps Gt Gedächtnis allgemeine Geschwindigkeit nach: Schneider& McGrew, 2012 Parameter kognitiver Effizienz domänen-unabhängige allgemeine Fähigkeiten

7 was soll das Ganze? Vorteile einer CHC-orientierten Intelligenzdiagnostik Konstrukt- Klassifizierung, Interpretation von Untertests hypoth.geleitete Auswahl von Intelligenz(sub)- tests bessere Zshg.-Analyse Schulfertigkeiten mögliche Basis einer Profilinterpretation inhaltliche Analyse von Intelligenztests Interpretation von unterschiedl. Testergebnissen empirische Fundierung

8 Inhalts- Kriteriums- Konstrukt- Validität Validität Validität Konstrukt- Konstrukt-Relevanz: Cave: Name Cave: irrelevante Faktoren und Zugangsfertigkeiten Cave: Alter + Entwicklungsstand Konstrukt-Repräsentanz: Cave: viele Facetten Cave: nicht nur eine Aufgabenart oder ein Untertest

9 Selbst-Check I (nach Renner, 2012) übernehme ich automatisch die Begrifflichkeit der eingesetzten Testverfahren, oder denke ich darüber nach, welche Konstrukte noch in den Testverfahren repräsentiert sind? überlege ich, welche im Testmanual nicht benannten Konstrukte einen Einfluss auf das Testergebnis haben? lese ich in Testmanualen das Kapitel zur (Konstrukt-)Validität?

10 Selbst-Check II (nach Renner, 2012) lege ich bei der Auswahl und Interpretation diagnostischer Verfahren ein theoretisches Modell zugrunde? kann ich erklären, wie Testverfahren, die vorgeben, dasselbe Konstrukt zu erfassen, sich in ihrer inhaltlichen Zusammensetzung unterscheiden? kann ich erklären, welche Bedeutung solche unterschiedlichen inhaltlichen Zusammensetzungen von Testverfahren für das diagnostische Urteil haben?

11 Test-theoretische Zusammenhang zur Qualität Normen Boden- und Deckenffekte Item- Gradienten Altersdifferenzierung

12 Test-theoretische Item- Gradienten Abbildung feiner Unterschiede Berechnung: (SWItem 2 SWItem 1) / SD Faustregel nach Bracken: ein RW-Punkt- Zugewinn sollte nicht mehr als max. 1/3 SD verändern

13 Selbst-Check III (nach Renner, 2012) wie viel Zeit habe ich in den letzten 12 Monaten verbracht/werde ich in den nächsten 12 Monaten verbringen, mir Gedanken über die psychometrische Qualität von standardisierten Tests zu machen? lese ich überhaupt anderes im Testmanual außer Testdurchführung und auswertung? nehme ich mir Zeit für das Studium der Normtabellen? kann ich Boden-/Deckeneffekte oder ungünstige Itemgradienten erkennen und bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen?

14 interaktionelle Inhalt KIT-B! Sachinhalt Sender Selbstoffenbarung Botschaft Appell Empfänger Beziehungshinweis Körper Stimme

15 interaktionelle worum geht es? Merkmale des Untersuchten Merkmale, Fähigkeiten des Untersuchers Merkmale der Umgebung konstrukt-irrelevante Varianz Merkmale des Instruments

16 interaktionelle Merkmale, Fähigkeiten des Untersuchers angemessenen sprachlichen und körpersprachlichen Kontakt zu Kindern Balance zwischen freundlicher Aufgeschlossenheit und aufgabenbezogener Sachlichkeit Wahrung einer nötigen Autorität shepherding (Bracken, 2007)

17 interaktionelle Merkmale, Fähigkeiten des Untersuchers angemessen die Reihenfolge von Untersuchungsaufgaben zu ändern Tempo der Untersuchung maßgeschneidert zu variieren psychische Belastungen durch Testsituation klein zu halten routinisierte Testpraxis unter Verzicht von massivem Druck gegenüber dem Kind Untersuchungszeit vormittags, angemessene Pausen

18 Anzahl Kinder Bescheidenheit in Abhängigkeit Prävalenz auffällige Kinder in Abhängigkeit Sensitivität unauffällige Kinder in Abhängigkeit Spezifität richtig Positive falsch Negative richtig Negative falsch Positive Kinder mit positiven Testergebnis davon in % Anteil der falsch Positiven davon in % Anteil der falsch Negativen Kinder mit negativen Testergebnis

19 Auswirkungen Sensitivität und Spezifität in Abhängigkeit von Prävalenz Bsp. ELFRA-2 - Sensitivität 64%, Spezifität 85% Rosenfeld & Kiese-Himmel 2011

20 Bescheidenheit oft keine Daten zur Sensitivität und Spezifität vorhanden!! Testergebnisse ein Hinweis nicht die Welt oder die Wahrheit statistische Signifikanz = / klinische Signifikanz

21 Selbst-Check IV kenne ich Hinweise auf Sensitivität und Spezifität der von mir benutzten standardisierten Testverfahren? mache ich mir immer wieder mal die Implikationen des Zusammenhangs zwischen Prävalenzrate und psychometrischen Eigenschaften des von mir benutzten Testverfahrens klar? kenne ich den Unterschied zwischen statistischer Signifikanz und klinischer Signifikanz (insbesondere bei der Interpretation von Test-Profilen)? bin ich dementsprechend vorsichtig und bescheiden bei der Besprechung von Befundergebnissen im Team und mit den Eltern? Bescheidenheit

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