Kurzbericht: Arbeitslose über 50 Jahre

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1 Kanton Zürich Volkswirtschaftsdirektion Amt für Wirtschaft und Arbeit Edgar Spieler Martin Brügger Nicolas Aerni Thomas Bauer Dr. Aniela Wirz Bereich Arbeitsmarkt Abteilung Finanzen & Controlling Fachstelle Volkswirtschaft Oktober Kurzbericht: Arbeitslose über 5 Jahre Personen über 5 Jahre weisen verglichen mit anderen Alterskategorien insgesamt ein tieferes Risiko auf, arbeitslos zu werden. Eher hoch ist das Risiko innerhalb der Alterserbe, Industrie und gruppe der über 5-Jährigen in den Wirtschaftszweigen Gastgewerbe, Baugewerbe sowie für geringqualifizierte Personen. Die geringere Erwerbstätigkeit, hohe Invaliditätsquoten und zunehmende Sozialhilfequoten bei Personen über 5 Jahren zei- gen aber auch, dass sich deren Schwierigkeiten nicht primär in den Arbeitslosenzahlen wiederspiegeln. Es kann deshalb folgender Schluss gezogen werden: Personen über 5 Jahre weisen, sofern sie in den Arbeitsmarkt integriert sind, eine gute Arbeitsmarktper- formance auf. Verlieren sie jedoch einmal den Anschluss, so ist eine Reintegration in den Arbeitsmarkt umso schwieriger. Das grösste Risiko dieser Altersgruppe ist deshalb der unfreiwillige Rückzug vom Arbeitsmarkt. Personen aus der Altersgruppe 5plus weisen allgemein tiefere Arbeitslosenquoten auf als unter 5-Jährige. Das Risiko arbeitslos zu werden ist einzig im Wirtschaftszeig Verarbeitendes Gewerbe/Energieversorgung höher. - - Unterschied in den Arbeitslosenquoten nach Wirtschaftszweigen zwischen den unter 5 Jährigen und den 5plus-Jährigen, (Erwerbstätige) A Land- und Forstwirtschaft B-E Verarbeitendes Gewerbe/Energieversorgung F Baugewerbe G Handel, Reparaturgewerbe 5 H Verkehr und Lagerei 6 Gastgewerbe J Information und Kommunikation K Kredit- und Versicherungsgewerbe 9 L/N Immobilien, sonst. wirtschaftliche DL M Freiberufliche, wiss. und techn. DL O/U Öff.Verwaltung, exterr. Körperschaften P Erziehung und Unterricht Q Gesundheits- u. Sozialwesen R/S/T Kunst, Unterhalt., priv. HH, sonst. DL 9

2 /5 Eher hohe Arbeitslosenquoten (rote schmale Balken) weisen in der Alterskategorie 5plus vor allem Personen aus den Wirtschaftszweigen Gastgewerbe, Baugewerbe und verarbeitendes Gewerbe auf. Eine grosse Anzahl an Arbeitslosen (hellgrüne breite Balken) weist der Kanton Zürich vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Sozialweaus dem Bereich sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen dazu gezählt sen und im Baugewerbe auf, sofern hier auch die temporär Beschäftigten werden. Arbeitslosenquote und Anzahl Arbeitslose nach Wirtschaftszweig, Alterskategorie 5plus, 6 5 A Land- und Forstwirtschaft B-E Verarbeitendes Gewerbe/Energieversor F Baugewerbe G Handel, Reparaturgewerbe H Verkehr und Lagerei Gastgewerbe J Information und Kommunikation K Kredit- und Versicherungsgewerbe L/N Immobilien, sonst. wirtschaftliche DL M Freiberufliche, wiss. und techn. DL O/U Öff.Verwaltung, exterr. Körperschaften P Erziehung und Unterricht Q Gesundheits- u. Sozialwesen R/S/T Kunst, Unterhalt., priv. HH, sonst. DL 6 5 Arbeitslosenquote 5plus (linke Skala) Arbeitslose absolut 5plus (rechte Skala)

3 /5 Das Risiko arbeitslos zu werden ist in allen Alterskategorien vor allem für geringqualifizierte Arbeitnehmer hoch. Das Arbeitslosigkeitsrisiko sinkt bei allen Qualifikationsniveaus aber tendenziell mit zunehmendem Alter. 9 Arbeitslosenquote nach Qualifikation und Alter, 6 5 Geringqualifizierte Sekundarstufe II und höhere Berufsausbildungen Hochqualifizierte Total -9 Jahre -9 Jahre -9 Jahre 5-59 Jahre 6-69 Jahre Gesamt Aus diesen Resultaten darf aber nicht der Schluss gezogen werden, dass Personen im Alter 5plus eine bessere Arbeitsmarktperformance aufweisen. Die nachfolgend aufgeführten Entwicklungen zeigen vielmehr noch eine andere Seite. So sinkt die Erwerbstätigkeit mit zunehmendem Alter vor allem bei geringqualifizierten Erwerbstätigen deutlich Erwerbstätigenquote nach Qualifikation und Alter, Geringqualifizierte Sekundarstufe II und höhere Berufsausbildungen Hochqualifizierte Gesamt

4 /5 Diese erklärt sich einerseits aus einem möglicherweise freiwilligen, sicher aber auch aus einem unfreiwilligen Rückzug vom Arbeitsmarkt. Für den unfreiwilligen Rückzug sprechen vor allem die relativ hohen Invaliditätsquoten und die zunehmende Sozialhilfequote. Die tiefen Arbeitslosenquoten zeigen deshalb vor allem die gute Arbeitsmarktperformance derjenigen Erwerbstätigen im Alter von 5plus, welche überhaupt noch arbeitsmarktfähig sind. Die Daten bestätigen somit Feststellungen aus dem Beratungsalltag der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren. Innerhalb der Altersgruppe 5plus bestehen grössere Unterschiede in der Leistungsfähigkeit als dies bei jüngeren Altersgruppen der Fall ist. Dies führt auf dem Arbeitsmarkt auf der einen Seite dazu, dass ein Teil der Erwerbstätigen im Alter 5plus sehr gut in den Arbeitsprozess integriert ist und seine gewachsenen und weiterentwickelten Fähigkeiten einsetzen kann. Auf der anderen Seite existiert eine Gruppe von Erwerbstätigen, die aufgrund von Mehrfachdefiziten nicht nur aus dem Arbeitsprozess fällt, sondern als Folge von Langzeitarbeitslosigkeit, Aussteuerung, Invalidität und Rückzug vom Arbeitsmarkt auch nicht mehr durch die Arbeitslosenversicherung registriert wird. Unter diesen Personen findet sich ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Geringqualifizierten über 5 Jahren. Was unternimmt der Kanton Zürich in der Thematik 5plus? Eine Arbeitsgruppe des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich mit Spezialisten aus dem Bereich Arbeitsmarkt reflektiert Chancen, Möglichkeiten und Unterstützungsbedarf von Stellensuchenden 5plus kontinuierlich. Das Alter alleine beeinträchtigt die Arbeitsmarktchancen von Stellensuchenden über 5 Jahren nicht. Für spezifische Problemstellungen wie mangelnde Jobmobilität, ungenügende oder veraltete Aus- und Weiterbildungen, emotionale Belastungen wie Befürchtungen den Wiedereinstieg nicht mehr zu schaffen oder mangelnde Offenheit für Neues stehen den Mitarbeitern der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren zahlreiche Massnahmen zur Verfügung. Zentral ist die Förderung der Bewerbungskompetenz von älteren Stellensuchenden. Mit einer geeigneten Suchstrategie öffnen sich Türen rascher. Ein speziell für die Altersgruppe der über 5-jährigen Arbeitslosen entwickeltes Argumentarium ermöglicht zudem eine bessere Identifikation und Kommunikation der eigenen Stärken. Damit kann möglichen Vorurteilen von Arbeitgebern gegenüber älteren Bewerberinnen und Bewerbern offensiver entgegen getreten werden. Die Personalberaterinnen und berater der RAV können mittels einer breiten Palette von Bildungs- und Beschäftigungsmassnahmen Know-how bis zu einem gewissen Grad aktualisieren. Zudem können bei Bedarf für die Einarbeitung von Stellensuchenden 5plus den Arbeitgebern bis zu Monaten Einarbeitungszuschüsse gewährt werden. Die Methode der Lösungsorientierten Kurzzeitberatung, welche die Personalberaterinnen und Personalberater der RAV anwenden, fokussiert auf Stärken, vergangene Erfolge und Problemlösungskompetenzen. Sie stärkt damit die Handlungskompetenz und die Regulation von emotionalen Belastungen. Schliesslich akquirieren die

5 5/5 RAV gezielt Stellen, um Arbeitslose erfolgreich zu vermitteln. Dabei hinterfragen sie allfällige Altersbeschränkungen kritisch und übernehmen wo immer möglich die Rolle von Türöffnern. Fazit: Die relativ tiefen Arbeitslosenquoten in der Alterskategorie 5plus können insgesamt nicht darüber hinweg täuschen, dass ein Teil dieser Altersgruppe mit wesentlichen Problemen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert ist. Diese widerspiegeln sich aber weniger in der Arbeitslosenquote, sondern vielmehr in einem teilweise definitiven Ausschluss oder einem unfreiwilligen Rückzug vom Arbeitsmarkt. Die Herausforderung besteht darin, Personen die davon betroffen sein könnten, frühzeitig zu erkennen und in ihren Stärken zu fördern. Der Arbeitslosenversicherung stehen dafür bereits heute sinnvolle Instrumente zur Verfügung, welche laufend optimiert und gezielt eingesetzt werden.

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