Masarykova univerzita

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1 Masarykova univerzita Filozofická fakulta Katedra germanistiky, nordistiky a nederlandistiky Bakalářská diplomová práce 2014 Blanka Datinská

2 Masaryk Universität Philosophische Fakultät Institut für Germanistik, Nordistik und Nederlandistik Deutsche Sprache und Literatur Blanka Datinská Movierung und Geschlechtsspezifikation von Berufsbezeichnungen in der deutschen Gegenwartssprache Bachelorarbeit Betreuerin: prof. PhDr. Ivana Kratochvílová, Ph.D. 2014

3 Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Bachelorarbeit selbständig ausgearbeitet und nur die angeführte Literatur und die genannten Quellen zusammen mit dem Untersuchungsmaterial verwendet habe. 3. Blanka Datinská

4 An dieser Stelle möchte ich mich bei der Betreuerin meiner Arbeit, Frau prof. PhDr. Ivana Kratochvílová, Ph.D., für ihre Empfehlungen und Unterstützung, bei Christine Ott, M.A. für ihre Hilfe und bei meiner Familie bedanken. 4

5 Inhaltsverzeichnis I. THEORETISCHER TEIL EINLEITUNG PERSONENBEZEICHNUNGEN IM DEUTSCHEN AUS SOZIOLINGUISTISCHER SICHT Feministische Sprachkritik als Initiator des Sprachwandels im Deutschen Deutsch als asymmetrische und patriarchalische Sprache Deutsch als androzentrische Sprache mit dem generischen Maskulinum Sexismus und sexistischer Sprachgebrauch im Deutschen PERSONENBEZEICHNUNGEN UND MOVIERUNG IM DEUTSCHEN AUS GRAMMATISCHER PERSPEKTIVE Exkurs I: Personenbezeichnungen und Wortbildung Explizite Derivation von Substantiven Suffigierung Die sexusspezifizierten Personenbezeichnungen Die geschlechtsneutralen Personenbezeichnungen Die Movierung Die Movierung in der DUDEN Grammatik (1995) Die Movierung nach Fleischer/Barz (1995) Die Movierung nach Lohde (2006) Die Movierung nach Donalies (2007) SPRACHLICHE BEHANDLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN IN DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE Sprachwandel und sprachliche Symmetrie im Deutschen Gender Mainstreaming und Politische Korrektheit Richtlinien, Leitfäden und andere Empfehlungen im Deutschen Die Feminisierung Das generische Femininum Textbeispiele von Bierbach/Hellinger (1993) Drei Formulierungsbeispiele aus ausgewählten Leitfäden Gesetzliche Maßnahmen in Deutschland Differenzen im Sprachgebrauch in der DDR und in der BRD Gesetzliche Maßnahmen in Österreich Entwicklung der gesetzlichen Maßnahmen in der Schweiz EXKURS II: MOVIERUNG UND GESCHLECHTSSPEZIFIKATION BEI WEIBLICHEN BERUFSBEZEICHNUNGEN AUS HISTORISCHER SICHT Morphologische Entwicklung der Movierung Bedeutungsentwicklung des Suffixes -in im Deutschen Geschlechtsspezifikation in Geschichte des Deutschen Beispiele von weiblichen Berufsbezeichnungen im Jh II. ANALYTISCHER TEIL EINLEITUNG Auswahlkriterien für die Analyse

6 6.2. Ergebnisse der Untersuchung: Stellenanzeigen in deutschen Internet-Jobbörsen Ergebnisse der Untersuchung: Stellenanzeigen in österreichischen Internet-Jobbörsen ANALYSE DER UNTERSUCHTEN STELLENANZEIGEN Stellenanzeigen, die nur für Männer ausgeschrieben sind Stellenanzeigen, die nur für Frauen ausgeschrieben sind Splitting Neutrale Berufsbezeichnungen Fremdwörter und fremdsprachige Stellenanzeigen Nicht spezifizierte und generisch formulierte Stellenanzeigen Spezielle Stellenanzeigen Graphische Zusammenfassung der Analyse AUSWERTUNG DER UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE Zusammenfassung LITERATUR UND QUELLEN ANHANG

7 I. Theoretischer Teil 1. Einleitung Die Fähigkeit des Menschen, mit Hilfe der Sprache Gedanken auszudrücken, ist eines der wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale, mit dem die Menschheit begabt wurde. Die Sprache gibt unseren Ideen eine konkrete lautliche Gestalt und bei deren Realisierungen wird sie sehr oft zu einem wichtigen, manchmal nützlichen, manchmal auch gefährlichen Instrument. Ohne Zweifel kann man mit dem Zitat von Ralph Waldo Emerson einverstanden sein: Sprachen sind die Archive der Geschichte. Da sich jede Sprache zusammen mit der Sprachgemeinschaft entwickelt und stets an die verändernden Situationen in der Gesellschaft und in den geschichtlichen Etappen angepasst wird, ist es kein Wunder, dass die Soziolinguistik und ihre Untersuchungen einen bedeutenden Platz innerhalb der Sprachwissenschaft einnehmen. Es gibt bestimmte Bereiche im Sprachsystem und Sprachgebrauch, die auf die Veränderungen mit Verspätung reagieren. Die Sprache verhält sich dann nach den archivierten Regeln und deswegen entstehen auch neue linguistische Richtungen, die sich bemühen, diese Verspätung zu überbrücken und gesellschaftliche Veränderungen auch auf Ebene der Sprache voranzutreiben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich in der ersten Reihe mit dem Thema, das man in den Forschungsbereich sowohl der Morphologie als auch der neueren linguistischen Richtung, der Soziolinguistik, einordnen kann und zwar mit Personenbezeichnungen und ihrer Movierung im Berufsbereich in der deutschen Gegenwartssprache. Die Movierung steht in enger Verbindung mit der sprachlichen Geschlechtsspezifikation und mit dem geschlechtergerechten Deutsch, das zum grundlegenden Ziel und Untersuchungsgegenstand der verhältnismäßig jungen Disziplin, der feministischen Sprachwissenschaft, wurde. Die Arbeit besteht aus dem theoretischen und praktischen Teil. Die Theorie sieht die Movierung einerseits aus morphologischer, andererseits aus soziolinguistischer Sicht an und aufgrund der ausgewählten Grammatiken und Quellen wird der Leser nicht nur in die Wortbildung und Movierungsregeln, sondern auch in die Problematik der Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der deutschen Sprache eingeweiht. Im Weiteren wird die Aufmerksamkeit auf Movierung und Geschlechtsspezifikation aus historischer Sicht gerichtet. Der praktische Teil wendet sich der eigentlichen Untersuchung zu und anhand des zusammengetragenen Materials werden die Hauptfragen dieser Arbeit beantwortet. Als Ziel wurde bereits am Anfang die Aufgabe festgestellt, zu untersuchen, in welchem Maße die Movierung als geschlechtsspezifizierendes Wortbildungsmittel tätig ist, inwieweit die 7

8 Movierung in Stellenanzeigen vorkommt und welche andere Mittel die deutsche Gegenwartssprache zur Geschlechtsspezifikation bei Berufsbezeichnungen benutzt. 8

9 2. Personenbezeichnungen im Deutschen aus soziolinguistischer Perspektive Das Thema dieser Arbeit, die Bildung von Berufsbezeichnungen, sollte nicht nur aus der morphologischen, sondern auch aus der soziolinguistischen Perspektive betrachtet werden. Die Movierung als ein möglicher Weg zur geschlechtergerechten Sprache und die sprachliche Geschlechtsspezifikation allgemein wurden zum Forschungsthema der innerhalb der Linguistik neu entstandenen feministischen Sprachwissenschaft, bzw. feministischen Linguistik (vgl. Samel 1995: 9). Die feministische Sprachwissenschaft in Deutschland kam zum Durchbruch vor allem dank der neuen Frauenbewegung in 70er Jahren (vgl. Samel 1995: 13) und wurde von den bekannten feministischen Sprachwissenschaftlerinnen Ingrid Guentherodt, Luise F. Pusch oder Senta Trömel-Plötz mitbegründet. Wie schon mit dem Titel dieser Disziplin explizit ausgedrückt wird, kam es bei ihrer Entstehung zu einer Verbindung von Sprachwissenschaft und Feminismus (vgl. Samel 1995: 42). Diese neue Linguistik lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Sprache und begann sich sowohl der Kritik als auch der Betrachtung des kommunikativen Sprachverhaltens von Frauen und Männern widmen. (Vgl. Samel 1995: 10) 2.1. Feministische Sprachkritik als Initiator des Sprachwandels im Deutschen Von Bedeutung für den Inhalt dieser Arbeit ist besonders die Feministische Sprachkritik, deren Kritisieren des Sprachgebrauchs und Sprachsystems die Movierung und Geschlechtsspezifikation bei Personenbezeichnungen und natürlich auch bei Berufsbezeichnungen betrifft. Die feministische Kritik konzentriert sich also auf Sprachsystem und Sprachgebrauch (vgl. Samel 1995: 53), wobei diese seitens der LinguistInnen mit Begriffen asymmetrisch, patriarchalisch, androzentrisch und sexistisch bewertet sind. Im Grunde hängen alle diese Begriffe, mit denen die deutsche Sprache beschrieben wird, sehr eng zusammen und haben eine ähnliche Bedeutung. Dennoch werden sie anschließend einzeln kurz eingegangen. Es ist auch wichtig zu bemerken, dass beide Gegenstände der Kritik in manchen Punkten voneinander getrennt werden müssen, weil das Sprachsystem nicht unbedingt mit dem Sprachgebrauch übereinstimmen muss. Während im Sprachgebrauch z.b. die lange Zeit nur selten vorkommende Beidbenennung in der Anrede eines gemischten Publikums (vgl. Samel 1995: 54) 1 kritisiert wird, betrifft die Kritik am Sprachsystem morphologisch-syntaktische oder lexikalische Bereiche der Sprache, z.b. Fehlen des Pronomens frau. (Vgl. Samel 1995: 55) Zu den Kritikpunkten, die sowohl den Sprachgebrauch als auch das Sprachsystem betreffen, und die 1 Mehr dazu Kapitel

10 für diese Arbeit am interessantesten sind, lässt sich die Kritik am Ignorieren von abgeleiteten movierten Frauenbezeichnungen zählen. Als Sprachnorm gelten im heutigen Deutsch noch immer maskuline Personenbezeichnungen, die im Unterschied zu sprachsystemgerechten femininen Bezeichnungen als Standardform verbreitet sind. (Vgl. Samel 1995: 55) Es ist möglich, diese Sprachkritik auch als eine Kritik der Gesellschaft und den Sprachwandel, für den sich die feministische Linguistik einsetzt, als einen Weg zum Wandel auch im Denken der Sprachgemeinschaft anzuschauen Deutsch als asymmetrische und patriarchalische Sprache Die Bezeichnung asymmetrisch ist im Grunde eine Antwort auf die Frage, wie ist die Sprache, in der Frauen nicht so oft wie Männer gemeint oder genannt werden, wenn es über sie gesprochen wird. (Vgl. Samel 1995: 49) Die feministische Sprachkritik bemüht sich das a zu beseitigen und vor allem im Bereich von Berufsbezeichnungen und Titeln die Antwort symmetrisch zu erreichen. Die Symmetrie als Ziel der Sprachkritik steht im engen Zusammenhang mit den gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien und deshalb wird sie noch im Kapitel 4 behandelt. Samel (1995) erklärt die Asymmetrie im Deutschen am Beispiel von femininen Berufsbezeichnungen, von denen die männlichen Varianten nicht abgeleitet, sondern ganz neu geschaffen wurden. Die neu entstandenen männlichen Pendants dienen nämlich wieder zu weiblichen Ableitungen (z.b. Kindergärtnerin x Erzieher aber Erzieher x Erzieherin). Eine movierte Form stellt damit eine sekundäre Bildung im Vergleich zur männlichen Ausgangsbezeichnung dar und zeigt eine formale Unterordnung in Bezug auf die Geschlechter an. Die maskulinen Personenbezeichnungen werden also für eine Norm, die femininen für eine Abweichung gehalten. (Vgl. Samel 1995: 50) Die feministische Systemlinguistik weist auch auf die Asymmetrien bei festen Wendungen hin, in welchen die stereotypische Rollenverteilung in einigen Fällen verwurzelt ist, und untersucht sowohl die Asymmetrie bei der syntaktischen Verwendung von Personenbezeichnungen als auch Pronomen und Kongruenzen im Satz. (Vgl. Samel 1995: 51) Eine andere Ursache für die Asymmetrie im Deutschen sind die sogenannten Patriarchalismen. (Vgl. Samel 1995: 50) Die deutsche Sprache verfügt über das Genussystem und gehört somit zu den patriarchalischen Genussprachen, welche die Geschlechtsspezifikation zwar problemlos realisieren können, welche aber trotzdem zur Verwendung vom generischen Maskulinum neigen und so eine sprachliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern bilden (vgl. Samel 1995: 46). Unter den feministischen SprachwissenschaftlerInnen, die für eine 10

11 radikale Reform der Sprache kämpfen, herrschen auch solche Ansichten, dass eine Entmännlichung oder Entpatrifizierung innerhalb der Sprache nötig ist (vgl. Hellinger 2000: 5) Deutsch als androzentrische Sprache mit dem generischen Maskulinum Das Wort androzentrisch lässt sich mit männerzentriert ersetzen. In einer androzentrischen Sprache werden die maskulinen Personenbezeichnungen als neutral aufgefasst und damit können sie unter anderem auch für die Frauenbezeichnung und für die Bezeichnung einer gemischtgeschlechtlichen Personengruppe gebraucht werden. (Vgl. Samel 1995: 57) Movierte Frauenbezeichnungen lassen sich dagegen in der Regel nicht entsprechend verwenden. Die sprachliche Konvention des generischen Maskulinums, wonach Maskulina auch mit geschlechtsübergreifender Referenz benutzt werden, berechtigt uns, die deutsche Sprache für androzentrisch zu erklären. Die Verwendung vom generischen Maskulinum regt in der Gesellschaft schon bestimmte Zeit eine lebhafte Diskussion über Genus und Sexus an. (Vgl. Samel 1955: 64) Im Deutschen als einer Genussprache ist nämlich nötig, zwischen Genus und Sexus zu unterscheiden. Das Genus-Sexus-Problem, wie es oft in vielen Quellen benannt ist, entsteht in der ersten Reihe bei Personenbezeichnungen, obwohl in diesem Fall das grammatische Geschlecht (Genus) gewöhnlich dem biologischen Geschlecht (Sexus) entspricht. Wie schon geschrieben, ist die Ursache des Problems das generisch verwendbare, d.h. beide Geschlechter stellvertretende, Maskulinum. Das generische Maskulinum ist also ein maskuliner Ausdruck, der die gemischten Personengruppen bezeichnet oder Personen, deren Geschlecht unbekannt bzw. gleichgültig ist. (Vgl. Díaz 2003: 19) Die feministische Sprachkritik behauptet, dass generisches Maskulinum keinesfalls semantisch neutral angesehen werden kann, sondern dass es mit Männern assoziiert ist. (Vgl. Díaz 2003: 17) Dazu steht die Sprachkritik der Zweideutigkeit (Ambiguität) 2 des generischen Maskulinums gegenüber und kritisiert, dass obwohl auch Frauen ein Teil der bezeichneten Personengruppe bilden, werden sie nicht erwähnt. (Vgl. Samel 1995: 66) Viele feministische SprachwissenschaftlerInnen schlagen die Möglichkeiten vor, wie dem generischen Maskulinum seine Zweideutigkeit abzunehmen, weil es den Zielen der feministischen Sprachkritik, der Sichtbarmachung und Gleichbehandlung von Frauen, im Wege steht. Zu diesen Vorschlägen, wie z.b. Beidbenennung und partielle Feminisierung, und zu den Problemen mit Interrogativ- und Possessivpronomen, bzw. mit der syntaktischen Kongruenz, gibt es mehr Informationen im Kapitel 4. Den Gegenpol zur 2 Die Ambiguität besteht darin, dass ein Maskulinum zwei Lesarten hat, d.h. es ist nicht klar, ob ein Maskulinum nur Männer oder beide Geschlechter bezeichnet. (Vgl. Samel 1995: 67) 11

12 feministischen Sprachkritik bilden jene KritikerInnen, die das generische Maskulinum als eine allgemeine Übereinkunft noch immer auffassen und es mit Berufung auf die Geschichte und Tradition verteidigen. (Vgl. Hellinger 2000: 7) 3 Innerhalb der Berufsbezeichnungen sollte heute die Möglichkeit, Frauenberufe mit dem Maskulinum zu benennen, schon keine Geltung haben, und zur Bildung von weiblichen Berufsbezeichnungen sollte die Movierung benutzt werden. Inwieweit sich aber die movierten Personenbezeichnungen im Deutschen wirklich durchsetzen, ist die Frage der in dieser Arbeit vorgelegten Untersuchung Sexismus und sexistischer Sprachgebrauch im Deutschen Zu einem der zentralen Begriffe innerhalb der feministischen Linguistik wurde der Sexismus in der Sprache. Der Sexismus wird für eine bestimmte Art von Gewalt gehalten und mit dem Attribut sprachlicher wird darauf hingewiesen, dass die Sprache ein häufiges Mittel zur sprachlichen Diskriminierung und Nichtbeachtung ist. (Vgl. Kegyesné 2005: 26) Einige feministische SprachwissenschaftlerInnen wie z.b. Senta Trömel-Plötz, die zu den ersten deutschen VorkämpferInnen für die Änderung des sexistischen Sprachsystems gehört, vergleichen den Sprachsexismus mit dem Rassismus oder sogar mit der Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen. Bei vielen AutorInnen, die sich den Begriff sexistische Sprache näherzubringen bemühen, werden die Sätze von Bierbach/Hellinger (1993) zitiert. Nach dieser so zusagen Definition ist die Sprache sexistisch, wenn sie Frauen und ihre Leistungen ignoriert; wenn sie Frauen in Abhängigkeit von oder Unterordnung zu Männern beschreibt und wenn sie Frauen nur in stereotypen Rollen zeigt. Als sexistisch wird die Sprache auch dann angesehen, wenn die sprachlichen Ausdrücke zur Demütigung von Frauen führen. (Vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 1) Im Deutschen handelt es sich nicht nur um einen sexistischen Sprachgebrauch, sondern auch um ein sexistisches Sprachsystem, denn sexistisch können sowohl das Sprechen als auch die grammatischen Normen sein. (Vgl. Samel 1995: 128) Gisela Schoenthal (1989) sagt genau, dass die deutsche Sprache in ihrer Struktur und ihrem Lexikon sexistisch ist. Ein passendes Beispiel ist das generische Maskulinum (siehe oben) und eine gewisse Bevorzugung von maskulinen Ausdrücken (vgl. Samel 1995: 130). Auch die Movierung und andere Wortbildungsmittel, die zur Geschlechtsspezifikation und damit zum geschlechtergerechten Deutsch dienen, werden manchmal besonders bei Berufsbezeichnungen hinweggesehen und die Tatsache, dass die Sprache auf die Veränderungen in der Gesellschaft, bzw. in der Berufs- und 3 Mit dieser Einstellung befasst sich auch Jochen A. Bär: Genus und Sexus. Beobachtungen zur sprachlichen Kategorie»Geschlecht«. In: Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung. Hrsg. V. Karin M. Eichhoff-Cyrus. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, 2004, S

13 Frauenwelt, oftmals nicht reagiert, könnte auch als eine Ignoranz von Frauenleistungen und als eine Stereotypisierung von Frauenrollen wahrgenommen werden. Der Sexismus bei der Movierung von Personenbezeichnungen (z.b. bei Berufen und Titeln) und im Pronominalsystem, in dem mit maskulinen Pronomen beide Geschlechter bezeichnet und gemeint werden können, wird als strukturelle Gewalt benannt. 4 (Vgl. Samel 1995: 129) Den sexistischen Sprachgebrauch im Deutschen bewirkt aber nicht nur das Problem des generischen Maskulinums. Wie bereits geschrieben, erscheint die Asymmetrie auch bei Redewendungen und dasselbe gilt für den Sexismus, der sehr oft in festen Wortverbindungen als Nebenbedeutung umfasst ist. In der Lexik und Phraseologie kommt der sexistische Gebrauch z.b. bei Ableitungen von Mann (z.b. man, jedermann), bei zusammengesetzten Personenbezeichnungen (z.b. Kaufmann als Bezeichnung für Mann und zugleich auch für Frau), bei der Erstnennung von Männern (z.b. Liebe Kollegen und Kolleginnen) oder beim Ignorieren von Frauen (z.b. bei Anreden) vor. Samel (1995) schreibt auch über sexistische Ausdrucksweise in Grammatiken, Schulbüchern und Wörterbüchern, die mittels Beispielsätze bestimmte Geschlechtsrollenstereotypen bilden und an diesen sehr oft festhalten. (Vgl. Samel 1995: ) Auf den sexistischen Sprachgebrauch und vor allem auf seine Beseitigung aus der Sprache verlegt sich die feministische Sprachpolitik. Diese reformpolitische Richtung der feministischen Sprachwissenschaft sieht in der Sprache ein Protestinstrument (vgl. Hellinger 2000: 6), mit dem es real ist, zusammen mit den strukturellen Problemen im Deutschen (Wortbildungsprozesse, Pronominalisierung) auch die Probleme der Diskrimination in der Gesellschaft zu beseitigen und die gesellschaftlichen Veränderungen zu erreichen. Die Tätigkeit der feministischen Sprachpolitik stützt sich auf den Begriff Politische Korrektheit und manifestiert sich in Gestalt von vielen sprachpolitischen Maßnahmen, d.h. Richtlinien, Empfehlungen und Leitfäden, welche die Sprachgemeinschaft zu einem alternativen, nicht diskriminierenden Sprachgebrauch anhalten. Darüber wird später mehr im Kapitel 4 geschrieben. Die Movierung ist einerseits eine der Möglichkeiten zur Geschlechtsspezifikation und Beseitigung des sexistischen Sprachgebrauchs, andererseits wird sie im Vergleich mit der Neutralisation auch als diskriminierend bezeichnet. Einige SprachwissenschaftlerInnen (z.b. Luise F. Pusch (1984)) behaupten, dass das Movierungssuffix -in zu einer einseitigen und deshalb diskriminierenden Geschlechtsspezifikation dient (vgl. Samel 1995: 73), andere halten diesen verrückten Pusch-Vorschlag, die Geschlechtsspezifikation durch Abschaffung vom in- Suffix, also nur lexeminhärent (Tochter x Bruder) oder mit Attribut (weibliche Lehrer x 4 Neben der strukturellen Gewalt werden bei Samel (1995), die aus Werk von Homberger (1993) schöpft, noch personale, psychische und sublime Gewalt angegeben und behandelt. 13

14 männliche Lehrer) zu verwirklichen, für einen Unsinn, und beharren auf der Verwendung des -in als klassischen geschlechtsspezifizierenden Mittels, besonders bei Berufsbezeichnungen oder Titeln. (Vgl. Samel 1995: 74) Die soziolinguistische Perspektive bietet an, die Movierung und die Geschlechtsspezifikation im Zusammenhang mit Genderrollen zu verstehen, deren Entwicklung und Umwandlung sich sowohl in der äußeren, als auch in der sprachlichen Welt wiederspiegeln. 3. Personenbezeichnungen und Movierung im Deutschen aus grammatischer Perspektive Seit der Zeit, wann der Mensch von der Natur mit der Sprache begabt wurde, gibt es in jeder Sprache die Möglichkeit, alles in der Welt mit Hilfe von Wörtern zu bezeichnen und zugleich auch die Tendenz, den Menschen wegen seiner Intelligenz als einen Herrn der Schöpfung anzusehen. Deshalb nehmen die Personenbezeichnungen eine zentrale Stellung innerhalb der Sprache ein. Sowohl der Mensch entwickelte sich auch die Sprache und ihre Ausdrucksmittel. Was die Personenbezeichnungen betrifft, ist damit vor allem die sprachliche Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Bezeichnungen verbunden. In den meisten Fällen entstehen die Personenbezeichnungen durch Derivation, d.h. werden von einem Verb oder von einem Substantiv abgeleitet. Beim Studium jeder Sprache lohnt es sich, die Aufmerksamkeit auf die Wortbildung, bzw. Wortbildungslehre, zu lenken, weil diese ein wichtiger untrennbarer Bestandteil jedes sprachlichen Systems ist. Bei der Erforschung der Movierung von Berufsbezeichnungen lohnt es sich doppelt so viel, die deutsche Wortbildung zu verstehen, denn die Movierung gehört zu einer der bedeutenden Wortbildungsmöglichkeiten Exkurs I: Personenbezeichnungen und Wortbildung Die Wortbildung im Deutschen verfügt über verschiedene Wortbildungsarten. Für eine Übersicht können vier allgemeine Wortbildungsarten genannt werden: 1) kombinierende Wortbildungsarten 2) intern verändernde Wortbildungsarten 3) reduzierende Wortbildungsarten 4) assoziative Wortbildungsarten. (Vgl. Donalies 2007: 35) 14

15 Zu den kombinierenden Arten gehören die Komposition und die explizite Derivation, zu den intern verändernden die Konversion und die implizite Derivation. Unter den reduzierenden Wortbildungsarten versteht man die Kurzwortbildung und zu den assoziativen zählt man die Neumotivierung und das Wortspiel. Es gibt noch besondere Arten der Wortbildung wie z.b. Reduplikation und Kontamination. 5 Vereinfacht können die Wortbildungsarten nur mit drei Wörtern zusammengefasst werden: Kombination, Konversion und Kürzung. 6 Was die Wortbildungsmöglichkeiten betrifft, lenkt dieses Kapitel sein Augenmerk vor allem auf die explizite Derivation von Substantiven und auf die Wortbildungsmittel, konkret wortbildungsspezifische Einheiten wie Suffixe, die in der deutschen Sprache sowohl aktiv als auch produktiv sind. Aktiv bedeutet in der Sprache angewandt werden, mit produktiven Mitteln dagegen wird z.b. ein Präfix gemeint, das noch in der Sprache zur Bildung neuer Wörter dient. Die Anzahl der produktiven Mittel ist im Deutschen so groß, dass viele von neuen immerfort entstandenen Wörtern in Wörterbüchern nicht verzeichnet werden. (Vgl. Duden : 400) Inwieweit aktiv und zugleich produktiv sind die Movierungssuffixe im Gegenwartsdeutschen, ist eine der Fragen, die diese Arbeit stellt. Das Substantiv ist ein Grundstein zum Wortschatz jeder Sprache und die Wortbildung des Substantivs stellt ein wichtiges Kapitel innerhalb der Wortbildungslehre dar. Für die Bildung von Substantiven gibt es eine große Menge von Bildungsmustern, die keine andere Wortart zur Verfügung hat. Die meist vorkommende Wortbildungsart bei Substantiven ist zweifellos die Komposition. Die Reduplikation, eine besondere Art der Komposition, bei der ein Kompositum durch Doppelung eines Wortes entsteht, erscheint meistens bei Substantiven, sowie die Kurzwortbildung, die bei anderen Wortarten fast nicht realisierbar ist. Die explizite Derivation, der in dieser Arbeit ein selbständiges Unterkapitel gewidmet ist, und vor allem die Suffigierung überwiegen gerade bei Substantiven. Eine bestimmte Ausnahmestellung der Substantive bestätigt unter anderem der Fakt, dass die Konversion und implizite Derivation fast ganz auf die Substantive konzentriert sind, wobei zum Beispiel die Konversion von Sätzen nur zu Substantiven möglich ist. Die Produktivität sowie die Wortbildungsaktivität der Substantive sind ganz hoch. Die Onomasiologie, deren Untersuchungsgegenstand die Bezeichnungen sind, beschäftigt sich vor allem mit den Substantiven, weil die Mehrheit von Bezeichnungen gerade aus den Nomen entsteht. Produkte der Modifikation/semantischen Abwandlung (Diminutiva, Augmentativa, Movierungen u.a.), d.h. Personen-, Ortsbezeichnungen u.a., sind meistens auf 5 Beide sind Untertypen der Komposition. Aus: Institut für Deutsche Sprache (IDS). Grammis 2.0. Grammatische Fachbegriffe [online]. IDS Mannheim, [zit ]. Verfügbar unter: 6 Eingeteilt nach Donalies (2007). 15

16 Substantive beschränkt, obwohl sie auch Adjektive und Verben betreffen. So entstehen innerhalb der Wortbildung bestimmte Wortbildungsgruppen (Personen-, Tier-, Stoffbezeichnungen), die durch ihre gleichen Wortbildungsstrukturen kennzeichnend sind. Die Movierung von Berufsbezeichnungen als das Hauptthema dieser Arbeit geht ausschließlich die Substantive an. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 84 87) Explizite Derivation von Substantiven Die explizite Derivation stellt neben der Komposition (konkret Determinativkomposition) eine der häufigsten Wortbildungsarten dar und man nennt diese Derivationsart als Ableitung. Im Unterschied zur impliziten Derivation, bei der ein Derivat durch einen Stammvokalwechsel ohne Affixe gebildet wird, benutzt die explizite Derivation bei der Wortbildung eine Vielfalt von Wortbildungsaffixen. Und während die implizite Derivation in der deutschen Gegenwartssprache fast unproduktiv ist, gehört die explizite, wie bereits erwähnt, zu den am meisten verwendeten Formen der Wortschatzerweiterung. Im Rahmen der expliziten Derivation unterscheidet man zwei Verfahrensweisen: Präfigierung und Suffigierung. In die Gruppe der Wortbildungsaffixe werden zusammen mit Präfixen und Suffixen auch die Zirkumfixe einbezogen und demnach werden sowohl Präfix- und Suffixnomina, als auch Zirkumfixnomina gebildet. (Vgl. Donalies 2007: 70) Im Grunde gibt es also drei Hauptarten der expliziten Derivation von Substantiven (vgl. Donalies 2007: 70), obwohl zum Beispiel nach Fleischer/Barz (1995) die Bildung der Zirkumfixnomina als keine Zirkumfigierung, sondern als kombinatorische Derivation angesehen wird (vgl. Fleischer/Barz 1995: 207). Bei der expliziten Derivation von Substantiven stehen die Suffixe im Vordergrund und die Suffigierung ist damit mehr produktiv. Präfixnomen: die Untreue Suffixnomen: die Verliebtheit Zirkumfixnomen: der Gefährte Aus der semantischen Perspektive gehört die explizite Derivation zu den transponierenden Wortbildungsarten. Die Transposition 7 ist möglich nur bei der Suffigierung und Zirkumfigierung. Der Gegensatz der Transposition ist die Determination 8, die der Derivation und Komposition gemeinsam ist. Determinierend und determiniert werden in der Regel die 7 ist ein Wortbildungsverfahren, bei dem ein Wort aus einer Wortart in eine andere Wortart transponiert wird, wobei die kategorielle Bedeutung nicht verändert wird. (Vgl. Donalies 2007: 69) 8 ist ein Wortbildungsverfahren, bei dem eine Worteinheit von einer anderen semantisch determiniert (d.h. näher bestimmt) wird. (Vgl. Donalies 2007: 69) 16

17 Affixe. Die Determination bei Derivaten bezeichnet man sehr oft als Modifikation. Die expliziten Derivate sind, ähnlich wie die Determinativkomposita, binär und über die grammatischen Eigenschaften wird in der Regel durch die rechte Einheit entschieden. Während bei den Determinativkomposita die rechte Einheit von der linken semantisch näher bestimmt wird (die Bedeutung des Kompositums bestimmt aber die rechte Einheit), kann bei den expliziten Derivaten der semantische Kern des Derivats manchmal durch die linke und manchmal durch die rechte Einheit ausgedrückt werden. (Vgl. Donalies 2007: 69) Es ist nötig, zwischen der Basis (dem primären Wort) und dem Derivat (dem abgeleiteten Wort) zu unterscheiden. Wird über explizite Derivate gesprochen, die von den Substantiven abgeleitet sind, so benutzt man die Bezeichnung Desubstantive. Wenn die Derivate von den anderen Wortarten abgeleitet sind, dann sind passend die Bezeichnungen wie z.b.: Deadjektive, Deverbative u.a. (Vgl. Donalies 2007: 70) Suffigierung Die Suffixe spielen in der expliziten Derivation eine wichtige Rolle. Mit Hilfe von Suffixen kann determiniert und transponiert werden. Dazu können die Suffixe selbst determiniert werden. (Vgl. Donalies 2007: 73) Mit einem Suffix wird die Wortklasse des Derivats bestimmt und besonders bei Substantiven wirken die Suffixe als Angabe des Artikels (des Genus). Im Unterschied zu den Präfixen sind die Suffixe immer unbetont und verwandeln die Basis in eine andere Kategorie von Bezeichnungen. Die Suffigierung ist grundlegend bei der Bildung von Personenbezeichnungen und bei der Realisierung der Sexusdifferenzierung (Movierung) und Verkleinerungsbildung (Diminuierung). Die Suffixe haben Anteil an der Wortschatzerweiterung auch durch die Neubildungen Okkasionalismen. 9 Ähnlich wie bei den Präfixen macht die Sprache auch bei der Gliederung von Wortbildungssuffixen einen Unterschied zwischen heimischen Suffixen und Fremdsuffixen. a) Heimische Suffixe Suffix Derivationsbasis (Bezeichnung) Genus -e Ort, Gegenstand, Eigenschaft, Feminina, Maskulina Abstraktum, maskuline Personen, Bewohnernahmen (deonymische) 10 9 sind Produkte der Wortbildung, die nur für eine bestimmte Gelegenheit gebildet werden und deren Verständlichkeit vom Kontext abhängig ist. Aus: Institut für Deutsche Sprache (IDS). Grammis 2.0. Grammatische Fachbegriffe [online]. IDS Mannheim, [zit ]. Verfügbar unter: 10 Deonymische Suffixe entstanden im Bereich der Eigennamen. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 192) 17

18 -ei Sachen, Gegenstand, Kollektiva, Feminina Handlung, Prozess, pejorative Konnotation -el Gerät, Personen (Nomina agentis) Maskulina, Neutra -er Gerät, Tätigkeit, Berufe, Maskulina Bewohnernamen, Personen -ler/-ner Personen nach Wohnort, Maskulina Eigenschaften, Berufe -heit, -keit, -igkeit Eigenschaften, Kollektiva, Handlung Feminina -icht Kollektiva, Pflanzen Neutra -ling Personen, Tiere, Pflanzen, pejorative Maskulina Konnotation -nis Abstrakta, Sachen, Zustand Feminina, Neutra -s Personen, Gegenstand Maskulina, Neutra -schaft Kollektiva, Personen, Eigenschaften, Feminina Verhaltensweise -sel pejorative Konnotation, Sachen Neutra, Maskulina -tel Bruchzahlen Neutra -tum Personen, Verhaltensweise, Neutra, Maskulina Völkernamen -ung Handlung, Vorgang, Sachen, Feminina Gegenstand, Personen, Kollektiva -werk Pflanzen, Stoffe, Gegenstand, Neutra Abstrakta -wesen Abstrakta, Gegenstand, Personen, Kollektiva, Oberbegriffe Neutra (nach Fleischer/Barz 1995: ) Nach Fleischer/Barz (1995) erscheint unter den heimischen Suffixen auch das Suffix -rich. Zu weiteren Suffixen, die wenig oder mehr in der Gegenwartsprache schon unproduktiv sind, können -t, -de oder -sal gerechnet werden. 18

19 b) Fremdsuffixe Feminina: -ade, -age, -aille, -alien, -ante/-ente, -anz,/-enz, -erie, -esse, -ie, -iere, -ik, -ion, -ität, -ose, u.a. Maskulina: -an, -and, -ant, -ent, -är, -ast, -eur, -ier, -ismus/-asmus, -ist, -or, u.a. Maskulina und Neutra: -al, -ar, -at, -it, u.a. Feminina und Neutra: -ee. Neutra: -a-ment, -ar- ium, -ing. 11 Es wurden bereits die deonymischen Suffixe erwähnt. Neben diesen gibt es noch die sogenannten onymischen Suffixe, die ausschließlich an der Bildung von Eigennamen teilnehmen. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 192) Eine Ausnahmestelle im Bereich der Suffigierung nehmen die Diminutivsuffixe ein. Diese Suffixe sind heimisch und obwohl das Deutsche neben der Diminution auch über die Augmentation verfügt, wurde ein System der Suffixe nur für die Diminution ausgebaut. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 178) Die Diminution wird hier angegeben, weil sie die Personenbezeichnungen betrifft. Im Unterschied zum Tschechischen ist aber die Diminution im Deutschen weniger produktiv. Deutsche Diminutiva werden in den meisten Fällen mit Hilfe von heimischen Suffixen gebildet. Diese sind -chen und -lein, beziehungsweise -le, -li, -ke. Die Diminution ist von phonologischen und regionalen Unterschieden beeinflusst. Im norddeutschen Territorium überwiegt die Verwendung von -chen, im süddeutschen von -lein. (Vgl. Donalies 2007: 76) Die Frequenz von -chen ist größer als Vorkommen von -lein und was die semantischen Unterschiede betrifft, wird es angegeben, dass sich -chen auf Tiere und Pflanzen, wohingegen -lein auf Menschen bezieht. Die Fremdsuffixe, wie -ine, -ette, usw. können auch benutzt werden, aber nur in Verbindung mit Fremdwörtern. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 180) Als die Funktion der Präfix- und Suffixbildungen wird unter anderem die semantische Abwandlung/Modifikation angesehen, die nicht nur die Diminutiv-, Augmentativ-, sondern auch Kollektiv-, Soziativ-, Negations-, Rollenbildungen und dazu noch fachsprachliche Bildungen mit spezifischer Bedeutung umfasst. (Siehe weiter) (Vgl. Duden : ) Ein wesentliches Forschungsgebiet in der Wortbildung stellt die Movierung dar. Sowohl die Suffixe, die bei der Movierung verwendet werden, als auch die Movierung allgemein werden auf den nächsten Seiten behandelt. 11 Nach Fleischer/Barz 1995:

20 Im Rückblick auf die oben beschriebene Suffigierung bietet sich an, eine kurze Gesamtübersicht aufzustellen. Das häufigste Suffix bei der Bildung von Personenbezeichnungen ist -er, das sehr oft als eine männliche Endung interpretiert wird. 12 Mit -er, das vor allem als Suffix bei Nomina agentis tätig ist, bilden die lange Reihe von Suffixen z.b. -an, -and, -ant, -är, -aut, -e, -ent, -ler, -ling, -ner, -or, -ist, -at, -ier u.a. (siehe oben). Im Deutschen gibt es aber noch weitere Substantivgruppen, die zugleich Personenbezeichnungen sind, und die dank bestimmten Präfixen und Suffixen der semantischen Modifikation entstehen. In den meisten Fällen geht es genau um Halbpräfixe und Halbsuffixe. (Vgl. DUDEN : 489) Diminutivbildungen (Verkleinerungsbildungen) Suffixe: -chen, -lein, -ette Präfix: Mini- Augmentativbildungen Präfixe: Un-, Spitzen-, Pracht-, Erz-, Mega-, Traum-, u.a. Kollektivbildungen Suffixe: -tum, -schaft, -leute, -volk Soziativbildungen 13 Präfixe: Ko-, Mit- Rollenbezeichnungen Präfixe: Alt-, Ex-, Vize-, Ehren-, Haupt-, Hilfs-, Chef-, Star- u.a. Suffixe: -papst, -zar Interessant ist es aber, nicht nur die linguistische, sondern auch die von der Gesellschaft beeinflusste Richtung der deutschen Sprache zu betrachten, weil sie während ihrer Existenz vielen Veränderungen entgegenkam, vor allem im Bereich der Geschlechtsspezifikation. Heutzutage könnte man sogar sagen, besonders wenn man die veränderten Statusrollen in der Gesellschaft und die damit verbundenen sprachlichen Änderungen in Kauf nimmt, dass aus einer patriarchalischen eine ganz gleichberechtigte Sprache wird. Die deutsche Sprache verfügt seit eher über die Mittel, mit denen der Sexus spezifiziert werden kann. Einerseits gab es schon im Althochdeutschen konkrete Wörter für Bezeichnung 12 MARTIN Hans-Jürgen. Rechtschreibung und Rechtsschreibreform: Sprach-Feminismus [online]. 1997/ /09 [zit ]. Verfügbar unter: 13 Soziativbildungen bezeichnen eine Person, die in Partnerschaft mit jemandem ist. (Vgl. Duden : 493) 20

21 von Männer- und Frauenrollen (Bsp.: fater - muoter 14 ), andererseits wurden die weiblichen und männlichen Personen durch eigene Genus-Morpheme (Bsp.: hērro hērra, Herrscher Herrscherin 15 oder durch das Movierungssuffix -in (-inna) (Bsp.: kuning kuningin, König Königin) 16 unterschieden. Die Übereinstimmung findet man auch bei der Ableitung einer männlichen Bezeichnung von einer weiblichen Form, obwohl dieser Fall eher bei Tierbezeichnungen häufiger war. In der althochdeutschen Sprache wurden sogar die Mittel benutzt, die zur sprachlichen Geschlechtsneutralisierung auch heute beitragen (Kollektiva) Die sexusspezifizierten Personenbezeichnungen In der Gegenwartssprache zeigt sich der Sexusunterschied durch grammatische, lexikalische und morphologische Mittel (vgl. Díaz 2003: 21) und die Sexusspezifikation geschieht, wie folgend gesehen wird, sehr ähnlich wie etwa vor tausend Jahren. Außer der Movierung gibt es im Deutschen auch andere Möglichkeiten der Sexusspezifikation (vgl. Ljungerud 1973: 145). Obwohl sich dieses Kapitel besonders der Movierung widmet, lohnt es sich, auch die anderen Weisen der Sexusspezifikation kurz zu nennen. Die lexeminhärente Geschlechtsspezifikation 18 und die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Deutschen werden dann in Kapiteln 4, 5 und im praktischen Teil näher beschrieben. Eine der Sexusspezifikation ist die Sexusangabe mit Verwendung von Adjektiven, die Funktion eines Attributs haben (vgl. Ljungerud 1973: 145). Zu diesen gehören vor allem die Adjektive weiblich und männlich. Dieser Variante begegnet man im Deutschen nur sporadisch, aber z.b. im Englischen verwendet man die Attribute häufig (vgl. Nádeníček 2013: 106). Zum Sexusausdruck dienen neben den Adjektiven die Zusammensetzungen mit -frau, -mann, -dame, -männchen u. a. Die Komposition (d.h. auch lexeminhärente Markierung) wird in verschiedenen Grammatiken als Umsetzung der Movierung und zugleich als eine bestimmte Movierungsart betrachtet, obwohl sie keine expliziten Derivate, sondern die Zusammensetzungen produziert. (Vgl. Lohde 2006: 125) Die Komposition konkurriert der Movierung wenig und viele der durch die Komposition entstandenen Ausdrücke werden meistens für Frauenbezeichnungen benutzt. Im 14 KÖBLER, Gerhard. Althochdeutsches Wörterbuch [online]. Köbler, 2013 [zit ]. Verfügbar unter: 15 Ebd. 16 Ebd. 17 Vgl. Löffler 1992: Mehr zur historischen Entwicklung von Berufsbezeichnungen im Kapitel Die lexeminhärente Markierung (Geschlechtsspezifikation) bedeutet, dass die Geschlechtsspezifikation schon in der Wortbedeutung beschlossen ist, ohne dazu eine besondere formale Kennzeichnung (z.b. Movierungssuffix -in) benötigt wird. (Vgl. Stötzel/Wengeler 1995: 522) 21

22 Wortschatz der deutschen Sprache erscheinen spezielle Wörter für weibliche und für männliche Bezeichnungen. Es geht um die Wörter wie Mann, Frau, Schwester, Bruder usw., deren Zahl aber im Deutschen nicht so groß ist (vgl. Ljungerud 1973: 145). Diese Gruppe besteht vor allem aus Verwandtschaftsbezeichnungen. Normalerweise wird das Sexus bei Personenbezeichnungen morphologisch angegeben. In einigen Fällen übernimmt die Rolle des Sexus-Indikators der bestimmte Artikel und so ist auf den ersten Blick klar, dass die Reisende des weiblichen Geschlechts und der Reisende dagegen des männlichen Geschlechts sind (vgl. Ljungerud 1973: 156). Aus der semantischen Sicht ist auch die Nicht-Spezifikation möglich (vgl. Nádeníček 2013: 105). Damit werden die sogenannten Epicöna (=sexuslose Bezeichnungen) 19 gemeint. Diese Gruppe bilden z.b. die Tierbezeichnungen und das Hauptmerkmal ist, dass ein Substantiv sowohl eine Frau als auch einen Mann vertritt. Das grammatische Genus hat keine Verbindung mit dem natürlichen (z.b. der Mensch). Dazu trägt auch das generische Maskulinum bei. Das Sexus ist unspezifiziert, das Genus bleibt immer ein Maskulinum (vgl. Nádeníček 2013: 105). Wie bereits geschrieben, werden die generischen Personenbezeichnungen von der feministischen Sprachkritik abgelehnt und als androzentrisch verurteilt. Die sexuslosen Personenbezeichnungen können aber auch als eine Möglichkeit der Geschlechtsneutralisation angesehen werden, weil es keinem Geschlecht der Vorzug gegeben wird Die geschlechtsneutralen Personenbezeichnungen Wenn über Personenbezeichnungen gesprochen wird, muss man dabei nicht einzig und allein an die Geschlechtsspezifikation denken. In der Alltagssprache spielt die Unterscheidung zwischen dem weiblichen und männlichen Geschlecht sehr oft eine nicht so wichtige Rolle und viele von den Personenbezeichnungen sind ganz neutral (vgl. Löffler 1992: 43). Diese Neutralität bedeutet aber für viele SprecherInnen die Verwendung von generisch gebrauchten Bezeichnungsformen. Weil aber die Frage der geschlechtergerechten Sprache sehr aktuell ist, werden einige Personenbezeichnungen absichtlich neutralisiert, um die Geschlechtsdiskriminierung in der Sprache abzuschaffen. Zur Neutralisierung in der Gegenwartssprache tragen heutzutage die Erfordernisse bei, deren Erfüllung eine gewisse Gleichberechtigung innerhalb der deutschen Sprache zustande bringen soll. 19 Substantive, die ein Wesen mit natürlichem Geschlecht (ein Tier) bezeichnen, aber sowohl für das männliche wie auch das weibliche Tier mit demselben Genus gebraucht werden (z.b. der Affe). Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 22

23 Im Allgemeinen führen zur Geschlechtsneutralisierung zwei Wege: Der erste Weg umfasst geschlechtsneutrale Bezeichnungen, die sowohl im Singular als auch im Plural geschlechtsindifferent, d.h. geschlechtsneutral bleiben (vgl. Díaz 2003: 53): Komposita mit -hilfe, -kraft, -teil, -person, -mitglied, -seite, -kind u.a. Die Komposita wie z.b. Haushaltshilfe, Pflegefachkraft, Parteimitglied u.a. stehen für beide Geschlechter. In die Gruppe der beide Geschlechter vertretenden geschlechtsneutralen Ausdrücke gehören auch die Bezeichnungen das Individuum, die Geisel, das Opfer, der Gast oder der/das Mündel, der Mensch, der Star und die Person, die oftmals als Kompositionsteile zu sehen sind. Nicht in der letzten Reihe werden als neutral die Wörter auf -ling angesehen (Bsp.: der Ankömmling), wobei die movierten Formen mit Kombination -ling + -in, wie später besprochen wird, nur ausnahmsweise gebildet werden. Bei der Verwendung von dem neutralisierenden Wort Person wird manchmal eine Erweiterung durch Attribut beansprucht (Bsp.: der Schwimmer die schwimmende Person). (Vgl. Díaz 2003: 53) Kollektiva Die Kollektiva dienen zur Vermeidung von einer Sexusangabe, weil sie die Gruppen bezeichnen, also gleichzeitig weibliche und männliche Personen benennen. Was die Personenbezeichnungen betrifft, erscheint im Deutschen am häufigsten die Endsilbe -schaft (Bsp.: die Bewohnerschaft), bei der Neutralisierung trifft man dann noch Bezeichnungen wie das Publikum, das Personal oder die Delegation. (Vgl. Díaz 2003: 53) Der zweite Weg enthält geschlechtsneutrale Pluralformen, die im Singular ihre Neutralität verlieren (vgl. Díaz 2003: 53): substantivierte Adjektive und Partizipien Die substantivierten Adjektive und Partizipien kommen nicht nur als selbständige Bezeichnungen, sondern auch in Zusammensetzungen vor (Bsp. Arbeitslose, Medizinstudierende). die Bezeichnung Leute Gerundiv Gerundiv ist eine als Adjektiv fungierende Verbform mit passivischer Bedeutung, die eine Notwendigkeit ausdrückt. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 23

24 Zur Geschlechtsneutralisierung kann nur die Pluralform eines Gerundivs verwendet werden (Bsp.: die Auszubildenden) oder die Kombination Gerundiv + Person, wobei in diesem Fall auch Singular möglich ist (Bsp.: die zu lobende Person). (Vgl. Díaz 2003: 53 55) Sowie die Vermeidung von der Geschlechtsspezifikation ermöglicht die deutsche Sprache auch eine totale Vermeidung von Personenbezeichnungen (vgl. Díaz 2003: 55). Sehr oft wird die Satzumstrukturierung mithilfe von verschiedenen Vorgehensweisen wie z.b. Umschreibung mit dem Pronomen wer (Bsp.: Hörer wer hört) (vgl. Díaz 2003: 56) oder verbale Umschreibung und Bildung von Sätzen (Bsp.: Versammlungsleiter Die Versammlung wird geleitet von ) usw. benutzt (vgl. Díaz 2003: 55). Ähnliche Strategien werden in vielen Richtlinien und Leitfäden vorgelegt (siehe Kapitel 4) Die Movierung Das Deutsche gehört zu den Sprachen, bei denen die Movierung innerhalb der Wortbildung eine wichtige Position einnimmt. Die Definition der Movierung, die auch unter der Bezeichnung Motion bekannt ist, stimmt in den meisten Grammatiken überein. Die Movierung ist ein Derivationsprozess, bei dem das natürliche Geschlecht expliziert und verändert wird. Im Grunde handelt es sich um explizite Derivation eines femininen Substantivs von einem maskulinen. Die Bildung von männlichen Gegenstücken zu weiblichen Bezeichnungen ist nicht so häufig. Wie bereits erwähnt (Kapitel 2), muss beim Thema der Movierung zwischen Sexus und Genus unterschieden werden. Unter dem Sexus versteht man nämlich das explizierte natürliche Geschlecht, mit dessen Hilfe im Unterschied zum grammatischen Geschlecht, zum Genus, das biologische Merkmal erklärt wird. Die Tendenz, in der Sprache die Sexusmarkierung bei Personenbezeichnungen zu entwickeln, ist im Deutschen mehr als offensichtlich und obwohl die deutsche Sprache im Unterschied zu anderen Sprachen eine geringere Menge von Mitteln der Movierung zur Verfügung hat, legt sie auf diese Möglichkeit der Sexusspezifikation großen Wert. Wie bereits geschrieben, ist die Movierung eine Derivation, die mit Hilfe von Suffigierung verwirklicht wird. Obwohl die meisten Quellen nur die Movierungssuffixe anführen, gibt es im Deutschen theoretisch ein Movierungspräfix und zwar die Anrede Frau, bzw. Herr. (Vgl. Löffler 1992: 42) Die movierten Personenbezeichnungen werden im Deutschen einesteils in der gesprochenen, andernteils auch in der geschriebenen Ausdrucksform immer mehr durchgesetzt. Die Movierung entwickelt sich auch in Gestalt von graphischen Maßnahmen, die in der heutigen gleichberechtigten Gesellschaft betont werden (siehe Kapitel 4). 24

25 Auf folgenden Seiten sollte die Movierung bei Personenbezeichnungen anhand von vier Grammatiken noch mehr dargelegt werden. In den Unterkapiteln werden einige Informationen mehrmals wiederholt, weil diese Arbeit einen übersichtlichen Vergleich der Grammatiken anbieten soll und nicht nur eine einzige Zusammenfassung. Deshalb werden Inhalte aller Grammatikbücher dargestellt und so ist es möglich, einerseits die übereinstimmenden, andererseits die unterschiedlichen Angaben in den Inhalten der einzelnen Grammatiken zu beachten Die Movierung in der DUDEN Grammatik (1995) In der DUDEN Grammatik wird die Movierung auch als Motionsbildung bezeichnet und im Rahmen der Modifikation beschrieben. Die Modifikation, die semantische Abwandlung von Substantiven, besteht in der Übernahme der lexikalischen Bedeutung eines Wortes, die durch Bedeutung eines Affixes, im Fall der Movierung durch Bedeutung eines Suffixes, modifiziert wird. Die Motionsbildung ist so zugleich eine Modifikationsbildung, wie z.b. Diminutiva, Augmentativa, Kollektiva u.a. Als die Methode der Movierung nennt DUDEN in der ersten Reihe die Hinzufügung von dem femininen Suffix -in an maskuline Personenbezeichnungen. Bei diesem Prozess ist zuweilen der Umlaut des Stammvokals zu sehen. Bsp.: Arzt Ärztin, Lehrer Lehrerin Die in der Gesellschaft hervorgehobene Emanzipation von Frauen verursacht eine Zunahme von neuen Motionsbildungen im Berufsbereich, weil die ursprünglich echt männlichen Berufe heutzutage auch von Frauen ausgeübt werden. Bsp.: die Busfahrerin, die Automechanikerin, die Politikerin Was die Fremdwörter betrifft, lassen sich aus den männlichen Berufsbezeichnungen auf -eur die weiblichen Bezeichnungen auf -euse, -ine und selten auch auf -ice ableiten. Bsp.: der Kommandeur die Kommandeuse Bei der Bildung neuer Rollen- und Berufsbezeichnungen setzt sich im Deutschen auch die Komposition durch (wie bereits oben erwähnt). Bsp.: der Kaufmann die Kauffrau Wegen der im Deutschen verlangten sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und der allgemein erforderten Gleichberechtigung nimmt der Gebrauch von geschlechtsneutralen Bezeichnungen zu. 25

26 Bsp.: der Helfer/die Helferin die Hilfskraft Das Movierungssuffix -in ist nur selten bei den Tierbezeichnungen zu sehen, weil es im Deutschen eine große Anzahl von speziellen Bezeichnungen für weibliche und männliche Lebewesen gibt. (Vgl. Duden : 492) Bsp.: der Hund die Hündin Die Movierung nach Fleischer/Barz (1995) Die Movierung und die damit verbundene Problematik in der Gegenwartssprache werden im Buch von Fleischer/Barz detaillierter besprochen. Es werden vier Derivationsprozesse vorgelegt, welche die Movierung realisieren: 1. Bildung der weiblichen Entsprechung zu einem Substantiv männlichen Geschlechts. Bsp.: der Verkäufer die Verkäuferin 2. Bildung eines Substantivs, welchem der weibliche Sexus zugeschrieben wird, als einer Entsprechung zu einem sexusneutralen Substantiv mit maskulinem oder femininem Genus. Bsp.: die Giraffe die Giraffin 3. Bildung eines Substantivs, dessen Sexus als männlich markiert wird und das einem als weiblich markierten Substantiv entspricht. Bsp.: die Hexe der Hexer 4. Bildung eines Substantivs mit männlichem Sexus als einer Entsprechung zu einem sexusneutralen Substantiv mit femininem Genus. Bsp.: die Ente der Enterich Die Verwendung von Movierung bezieht sich vor allem auf Personenbezeichnungen und auf Grund der oben erwähnten Beispiele ist es ersichtlich, dass die Movierung auch bei Tierbezeichnungen möglich ist. Bei anderen Tierbezeichnungen geht es aber häufig um die okkasionell gebildeten Bezeichnungen, die zum Beispiel zum literarischen oder zu einem anderen bestimmten Zweck benutzt werden. Dazu stellen Fleischer/Barz nicht nur die Movierung von weiblichen Personenbezeichnungen, sondern auch die Bildung von männlichen Bezeichnungen dar. 26

27 Unter den Movierungssuffixen der deutschen Gegenwartssprache dominiert nach Fleischer/Barz eindeutig das Suffix -in, eventuell -inne. Dieses Suffix ist aber grammatisch, semantisch und pragmatisch beschränkt. Die grammatisch-strukturelle Beschränkung besteht in der Kombination von expliziten heimischen Derivaten mit -in, die unmöglich ist. Die einzige Ausnahme bildet -er (Lehrerin) und -ling (Flüchtlingin). Die zweite Ausnahme mit -ling gilt entweder als eine neutrale Personenbezeichnung oder häufig als eine okkasionelle Bildung. Die Fremdsuffixe haben demgegenüber diese Beschränkung nicht. Bezeichnungen, die aus Adjektiven oder Partizipien durch Konversion entstehen, werden auch nicht durch -in moviert und die Funktion eines Sexusindikators übernimmt der Artikel. Im Deutschen gibt es nur vier Ausnahmen: Beamtin, Gesandtin, Oberin und Freiin. Was die Semantik betrifft, geben Fleischer/Barz an, wie schon am Anfang dieses Kapitels erwähnt wurde, dass die Sexusspezifikation durch verschiedene, nicht movierte Wörter ausgedrückt werden kann. In diesem Fall gibt es kein moviertes Femininum. 21 Ein typisches Beispiel stellt die Mutter x der Vater dar. Pragmatische Beschränkung hängt mit den sogenannten Epicöna (siehe oben) zusammen. Eine gleiche Bezeichnung für beide Geschlechter betrifft vor allem die Tiere und die movierten Formen von Tierbezeichnungen beobachtet man im Deutschen nur bei menschennahen Tieren und Muttertier-Jungtier- und Paarungs-Interaktionen. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 183) Die meisten Verletzungen dieser Regeln und Beschränkungen bei der Movierung sind Abweichungen in Gestalt von speziellen Bildungen für Bedürfnisse der Literatur oder verschiedener Fachgebiete. Das Buch von Fleischer/Barz erwähnt kurz den historischen Hintergrund der Movierung und zwar die sogenannte matrimonielle 22 Movierung, die in der deutschen Gegenwartssprache als veraltet gilt und fast nicht mehr benutzt wird. Die matrimonielle oder auch matrimoniale/eheliche Movierung spielte eine Rolle bei Bezeichnungen von weiblichen Gegenstücken, von Ehefrauen. Es ging z.b. um Namen der historischen Frauengestalten und heute erscheinen diese movierten Formen noch im Zusammenhang mit Familiennamen. Die Gattinnen übernahmen die Namen ihrer Gatten, die durch -in abgewandelt wurden. Diese heute nur sporadisch vorkommende Movierung findet man noch in der Literatursprache und ab und zu auch in einer reduzierten Form in der Gegenwartssprache. Speziell im süddeutschen Sprachraum waren die movierten Familiennamen ganz üblich und nicht nur in der Literatur. Heute dienen sie eher den stilistischen Zwecken Es geht um die lexeminhärente Geschlechtsspezifikation. (Siehe oben) 22 matrimonielle- zur Ehe gehörende, eheliche, (Ehefrau spezifizierende). Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. (Mehr im Kapitel 5.) 23 Mehr dazu im Kapitel 5. 27

28 Bsp.: die Müllerin, die Generalin die reduzierte Form: die Müllerin die Müllern Ältere Movierungsbildungen wurden mit Umlaut gebildet. Der Umlaut tritt heute nicht mehr bei den Bildungen vor, die aus zweisilbigen Grundwörtern mit unbetontem -e- entstanden sowie bei den Fremdwörtern und neuen Bildungen, die noch nicht in den Wortschatz völlig hineingezogen sind. Bsp.: der Maler die Malerin, der Sklave die Sklavin Die Haplologie 24 passiert, wenn es beim Grundwort im Auslaut -erer gibt. In diesem Fall verschwindet ein -er. Bsp.: Hamsterer Hamsterin Nach Fleischer/Barz verdienen innerhalb der Movierung eine spezielle Beachtung die Berufsbezeichnungen. Es hängt mit der Geschichte zusammen, weil viele heutige Berufe, die früher ausschließlich von Frauen oder umgekehrt nur von Männern ausgeübt wurden, keine weiblichen oder männlichen Gegenstücke haben. Trotzdem verfügt die deutsche Sprache eher über die männlichen Gegenstücke, obwohl männliche Korrelate für einige weibliche Berufsbezeichnungen auf -in nur schwer gesucht werden. Die männliche Form bezeichnet im Deutschen nämlich nicht nur einen männlichen Angehörigen von einem Beruf, sondern auch eine Neutralisierung, was das Sexus betrifft: Neutralisierung der Opposition männlich: weiblich. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 184) 25 Bsp.: Minister bezeichnet einen Mann und auch den Beruf selbst. Heutzutage aber steigt nach Angaben von Fleischer/Barz die Zahl von weiblichen Berufsbezeichnungen auf -in. Erstens geht es um die erwähnte politische Korrektheit und Aufforderung der Gesellschaft, zweitens wird damit betont, dass der konkrete Beruf von einer Frau verrichtet ist. Außerdem gibt es heute fast keine traditionellen männlichen oder weiblichen Berufe. Es werden immer die ergebnislosen Diskussionen darüber geführt, ob die movierten oder unmovierten Formen gebraucht werden sollten. Die Steigerung von in-berufsbezeichnungen wird im praktischen Teil überprüft. 24 Haplologie ist die Auslassung und folgend die Verschmelzung zweier gleicher oder ähnlicher Silben. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 25 Siehe Kapitel 2: generisches Maskulinum. 28

29 Fleischer/Barz führen noch weitere Möglichkeiten an, wie das Sexus (die Opposition weiblich x männlich) ausgedrückt werden kann. Diese Möglichkeiten werden zugleich bereits am Anfang dieses Kapitels als Möglichkeiten der Sexusspezifikation beschrieben. Komposita als Personenbezeichnungen mit -mann, -frau Komposita als Tierbezeichnungen mit -männchen, -weibchen Adjektive männlich, weiblich als Attribute Die Komposita mit -frau sind in der Sprache immer häufiger zu sehen, einige auf diese Weise movierte Formen sind aber eher expressiv und gelten als Ausnahmen. Bsp.: Hintermann Hinterfrau Neben den Komposita mit -frau befinden sich im Deutschen auch Zusammensetzungen mit -dame, -schwester und -mädchen. Die von Fleischer/Barz erwähnte matrimonielle Movierung wird vor allem durch -frau realisiert, aber in den meisten Fällen bildet -frau das Synonym zu einer movierten Personenbezeichnung mit -in. Für einige Personenbezeichnungen im Berufsbereich setzen sich neutrale Formen durch. Deswegen bieten Fleischer/Barz, wie bereits beschrieben, auch die Möglichkeit an, sexusneutrale Komposita mit -hilfe und -kraft zu verwenden. Bsp.: Küchenhilfe, Arbeitskraft Die deutsche Gegenwartssprache lässt von der Verwendung einiger weiterer Movierungssuffixe ab, besonders von matrimoniellem Suffix -sche und Fremdsuffixen -ine, -ice, -euse, -isse und -esse, die entweder nur noch an den norddeutschen Sprachraum (-sche) oder an einzelne Lexeme (Fremdsuffixe) gebunden sind. Aus den Informationen auf den vorangehenden Seiten ergibt sich die Tatsache, dass die Movierung wenig oder mehr eher die Feminina betrifft. Die Maskulina werden moviert, wenn es sich um Tierbezeichnungen handelt. In vereinzelten Fällen ist es möglich, die männlichen Gegenstücke mit Hilfe von -er zu movieren. Bsp.: die Witwe der Witwer 29

30 Die Movierung nach Lohde (2006) Michael Lohde leitet das der Movierung gewidmete Kapitel mit einer treffenden zweiten Bezeichnung Sexusdifferenzierung ein. Damit er direkt am Anfang die Rolle des Sexus erklärt, die bei der Movierung im Vordergrund steht. Als Movierung wird die Substantivderivation bezeichnet, deren Ziel eine Genusänderung ist. Für die Wortbildungsbasis bei dieser expliziten Derivation hält Lohde auch meistens Tier- und Personenbezeichnungen. Sowohl alle Grammatiken, als auch das Buch von Lohde nennt als das zentrale Movierungssuffix das Suffix -in. Mit Hilfe von dem Suffix -in werden immer nur Feminina gebildet und man könnte sagen, dass alle Maskulina zu Feminina eigentlich moviert werden können. Ähnlich wie bei Fleischer/Barz (1995) wurden auch bei Lohde Beschränkungen und Regeln erklärt, die für das Suffix -in und für die Movierung selbst gültig sind. Zu diesen gewöhnlichen, in einigen Fällen restriktiven, Regeln gehören nach Lohde: inkonsequente Umlautung des Stammvokals, die sehr oft bei zweisilbigen Wörtern mit schwachtonigem -e, Fremdwörtern und Bewohnernamen nicht vorkommt. Bsp.: Sklave Sklavin die Verbindung vom Suffix -in mit Derivaten, die ausschließlich nativen Ursprung aufweisen. Hier geht es um Ableitungen, die auf -er oder selten auf -ling enden. Dazu wird bei Derivaten auf -erer ein -er aufgelöst. Darüber wird vorher bei Fleischer/Barz (1995) als über die sogenannte Haplologie gesprochen. Eine gewisse Ausnahme bei der Anfügung von -in stellen auch die deadjektivischen und departizipialen Konversionen dar, deren weibliches/männliches Geschlecht durch den Artikel ausgedrückt wird. Bsp.: Lehrer Lehrerin, der Jugendliche die Jugendliche keine Einschränkung bei Personenbezeichnungen, die mit nichtnativen Suffixen gebildet werden. Zu solchen Personenbezeichnungen kann das Suffix -in immer angefügt werden und zwar immer ohne die Umlautung. Bsp.: der Doktorand die Doktorandin Anwendung von Konkurrenzsuffixen zu -in, zu denen vor allem Fremdsuffixe gehören. Bsp.: -euse starke Einschränkung bei den Tierbezeichnungen. 30

31 Die Theorie von Lohde stimmt mit allen dargelegten Grammatiken überein und auch nach seinen Regeln tritt die Movierung durch -in bei Tiernamen nur selten auf und wenn schon, dann vor allem zur Benennung von den Tieren, die im Kontakt mit Menschen leben. Das Deutsche verfügt weitaus mehr über die Bezeichnungen, die konkret für weibliche und für männliche Tierbenennungen festgestellt wurden. Bsp.: der Hund die Hündin, der Hahn die Henne, der Hengst die Stute Trotz aller Beschränkungen führt Lohde an, dass sich das Suffix -in markant bei Berufsbezeichnungen zeigt, deren movierte Formen unter dem Einfluss der Frauenemanzipation immer mehr verlangt werden. Dazu trägt die auch in anderen Grammatiken erwähnte Tatsache bei, dass viele von Berufen heute schon nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen ausgeübt werden. Also begegnet man in der deutschen Sprache neben dem General auch einer Generalin, neben dem Pilot einer Pilotin usw. 26 Einige Personenbezeichnungen bleiben aber neutral. Besonders bei Titeln tritt nach Lohde die Movierung in den Hintergrund zurück. Lohde erwähnt, dass zwei Formen in der Anrede möglich sind sowohl Frau Professor, als auch Frau Professorin. Ein Gegenbeispiel sind feminine Bezeichnungen, zu denen es keine männlichen Entsprechungen gibt, weil einige Berufe nur eine Frauensache sind (Bsp.: die Näherin). Die Bedeutung des Suffixes -in ist innerhalb der Movierung im Vergleich mit anderen Wortbildungssuffixen weitaus größer. Eine Erwähnung verdienen die Fremdsuffixe -euse, -esse, -ice, -ine und die Varianten -ess, -isse. Die Fremdsuffixe werden oft mit den fremdwörtlichen Basen verbunden. Interessant ist die Erkenntnis, dass die Vornamen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mit -ine gebildet wurden. Bsp.: die Direktrice, die Heroine, August Augustine In Betreff der heimischen Suffixe -se und -sche geht es nach Lohde um eine umgangssprachliche oder regionale Prägung. Durch das Suffix -se entstehen pejorative Konnotationen und das Suffix -sche dient im norddeutschen Sprachraum zur Bildung von weiblichen Familiennamen (Bsp.: die Meiersche). Bis zum 18. und 19. Jahrhundert erschienen neben den Familiennamen mit -sche auch Formen mit -in (siehe auch Fleischer/Barz). In der deutschen Gegenwartssprache sind noch ab und zu die reduzierten Formen zu sehen (Bsp.: die Schrödern), aber solche Ausdrücke sind sehr umgangssprachlich. 26 Die feministische Sprachwissenschaft bemüht sich darum, damit die Veränderungen in der Berufswelt auch in der Sprache abgebildet werden. 31

32 Lohde bietet ebenfalls eine weitere Möglichkeit zur Motionsbildung an die Komposition. Diese Variante umfasst kompositionelle Zweiglieder (-frau, -mann, -schwester und mädchen bei Menschen, -weibchen und -männchen bei Tieren). Ähnlich wie bei Fleischer/Barz wird es über Komposita auf -frau als über synonymische Bezeichnungen für -in-derivate gesprochen. Angegeben werden auch Paare wie z.b. Lehrersfrau Lehrerin, wobei das Kompositum eine Ehefrau und das Derivat eine Berufstätigkeit ausdrückt. Als Gegensatz dazu wird bei Lohde z.b. die Bezeichnung Majorin behandelt, weil in diesem Fall zwei Bedeutungen existieren der Dienstrang beim Militär und Ehefrau eines Majors. 27 Die deutsche Gegenwartssprache sucht nach der Sexusneutralisierung und wie bereits oben geschrieben wurde, benutzt sie zu diesem Zweck die geschlechtsneutralen Mittel wie -kraft, -hilfe u.a. Diese Zusammensetzungen finden nach Lohde in der Verwaltungssprache Verwendung, weil es nicht so wichtig ist, ob ein Mann oder eine Frau in diesem Beruf tätig ist. Bsp.: die Schreibkraft Mittels -(e)rich oder -er kommt es zur Ableitung maskuliner Substantive von Feminina. Die movierten Maskulina kommen nur ausnahmsweise bei Tierbezeichnungen und in besonderen Fällen vor. Bsp.: die Taube der Tauberich/Täuberich, die Pute der Puter Die Movierung nach Donalies (2007) Motiva werden bei Elke Donalies in einem selbständigen Teil des Kapitels Explizite Derivation behandelt. Das Wort Movierung wird von dem lateinischen movere abgeleitet, das,bewegen bedeutet. Bei der Movierung, auch Motion oder Mutation, bewegt sich, d.h. ändert sich, das Sexus, das biologische Geschlecht, das durch die Movierung expliziert wird. Im Deutschen also stehen nebeneinander sowohl die nicht sexusmarkierten als auch die sexusmarkierten Wörter. Donalies gibt als das einzige movierende heimische Suffix das -in an. Sie weist auf das Material von Ursula Doleschal hin, wo sich zu 90 % Motiva mit -in befinden. Die anderen Suffixe wie -erich und -er gelten nach Donalies auch als Movierungssuffixe, aber zur Bildung werden sie vor allem im Zusammenhang mit Nomina agentis 28 verwendet (Bsp.: Schwimmer). 27 Die Bezeichnung Majorin als,ehefrau eines Majors gilt heute als archaische Benennung. (Vgl. Lohde 2006: 126) 28 Nomina agentis sind Nomina, die mit Hilfe vom Suffix -er abgeleitet werden und zur Bezeichnung von handelnden Lebewesen dienen. (Vgl. Donalies 2007: 72) 32

33 Als unwesentlich werden bei der Movierung die Lehnsuffixe -esse (Bsp.: die Baronesse) und -ette (Bsp.: Bullette) betrachtet. Im Deutschen können theoretisch alle Substantive moviert werden, trotzdem kommt es bei der Movierung eher zur Bildung von Feminina als von Maskulina. Kurz gesagt: in der deutschen Sprache sucht man weitaus mehr nach den weiblichen Entsprechungen, die am häufigsten mit -in von Maskulina deriviert werden. Natürlich bietet sich die Möglichkeit an, aus Feminina männliche Bezeichnungen zu schaffen, dann geht es nach Donalies aber mehr oder wenig um etablierte, anachronistische oder scherzhafte Personenbezeichnungen (Bsp.: der Bulldogerich, der Kröterich). Unter den movierten Bezeichnungen findet man auch solche, die im Grunde in zwei Movierungsformen auftreten (Bsp. die Friseurin x die Friseuse). In diesem konkreten Fall ist noch weitere Movierung möglich, wobei zur schon sexusmarkierten Berufsbezeichnung Friseuse noch das Suffix -in angefügt wird (Bsp.: die Friseuse die Friseusin). Es ist aber nicht selbstverständlich, dass diese Derivate (Friseuse x Friseusin) dasselbe ausdrücken. Donalies beschreibt, wie sich z.b. eine Masseurin als medizinischer Beruf und eine Masseuse als,eine Frau aus der Umgebung von Prostituierten niederließen. Die Regeln und Beschränkungen bei der Movierung können im Deutschen verletzt werden. Die Verletzungen sind besonders in der Literatursprache oder bei Okkasionalismen bemerkbar und in den meisten Fällen werden sie zweckmäßig benutzt. Zu solchen Abweichungen rechnet man die Formen wie z.b. Flüchtlingin, Neulingin und andere, weil die Kombination Basis -ling + -in für Donalies sowie für viele Sprachforscher kaum möglich ist und Restriktionen aufweist. In der Sprache, egal ob es um das Deutsche oder andere geht, hängt die Movierung mit Bezeichnungen von Lebewesen zusammen. Moviert werden vor allem Personen- und Tierbezeichnungen, obwohl es im Deutschen auch movierte Benennungen für unbelebte Sachen gibt (Bsp.: der Wind die Windin). Nicht immer ist es notwendig, die movierten Tierbezeichnungen zu bilden, trotzdem erscheinen diese ungewöhnlichen Varianten im Deutschen und stellen gewisse Angelegenheitsbildungen dar (Bsp.: die Flöhin). Im Buch von Donalies liegt eine unterschiedliche Perspektive vor als in den meisten Grammatiken und Lehrbüchern. Diese soziolinguistische Perspektive erklärt die Movierung mit Rücksicht auf die Situation in der deutschen, bzw. schweizerischen und österreichischen, Gesellschaft, welche die Situation in der Sprache beeinflusst. Während die alten Bundesländer und die deutschsprachige Schweiz auf die Movierung wert legen, in den neuen Bundesländern und in Österreich hat diese Modifikation Donalies Meinung nach eine kleinere Bedeutung. 33

34 Heutzutage wird sie besonders in der feministischen Linguistik als ein Bestandteil des Gleichberechtigungsgesetzes 29 angesehen. Nach Donalies wird die deutsche Sprache im Vergleich mit anderen europäischen Sprachen (z.b. Englisch) in Bezug auf die movierten Formen zu den produktivsten gezählt. 4. Sprachliche Behandlung von Frauen und Männern in der deutschen Gegenwartssprache Um die sprachlichen Veränderungen im Deutschen machte sich verdient die feministische Sprachkritik, die im engen Zusammenhang mit der feministischen Sprachpolitik steht. Unter dem Einfluss der feministischen Sprachpolitik, deren Hauptziele die Gleichstellung von Frauen und Männern und Beseitigung von sexistischem Sprachgebrauch sind, kam es nicht nur im Deutschen, sondern auch in anderen Sprachen zu einem Sprachwandel (vgl. Díaz 2003: 38). Das Streben nach einer Sprache für beide Geschlechter regte die feministische Sprachkritik sowie die politische Szene zur Bildung von einer Reihe verschiedener gesetzlicher Maßnahmen und Empfehlungen an, die den Sprachwandel einleiten und unterstützen sollten. Die sprachliche Behandlung von Frauen und Männern entwickelte sich gleichzeitig mit der Sprech- und sozialen Situation in der Gesellschaft. Wenn man die heutige Behandlung von weiblichen und männlichen Personenbezeichnungen mit jener, die im Deutschen in früheren Zeiten herrschte, vergleichen will, muss man dabei die ehemalige gesellschaftliche Gliederung und die ehemalige Denkweise der Sprachgemeinschaft berücksichtigen. Daneben muss in Kauf genommen werden, dass die Entwicklung in der Gesellschaft auch die Wortbedeutungen beeinflusst, die nicht stabil sind. (Vgl. Hellinger 2000: 2) Auf folgenden Seiten werden die neuen sprachlichen Tendenzen im Deutschen dargelegt, die sich in bestimmten Punkten von den bereits beschriebenen grammatischen Gesetzmäßigkeiten zu entfernen beginnen Sprachwandel und sprachliche Symmetrie im Deutschen Der bereits erwähnte Sprachwandel sollte nicht nur als ein bestimmtes Ziel der feministischen Sprachwissenschaft wahrgenommen werden, sondern auch als ein historisches Phänomen (vgl. Samel 1995: 86). Das Sprachsystem und der Sprachgebrauch werden seit jeher von gesellschaftlichem, bzw. historischem, Geschehen beeinflusst und den Sprachwandel wäre es möglich, nur als eine Konsequenz anzusehen. Im Fall der feministischen Sprachkritik handelte 29 Bundesministerium für Justiz. Gesetze im Internet: Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts online. Juris GmbH, 2013 [zit ]. Verfügbar unter: (Dazu mehr im Kapitel 4) 34

35 es sich um eine unterschiedliche Situation, weil der Sprachwandel nicht nur eine Reaktion auf gesellschaftliche Änderungen war, sondern er selbst sollte gewisse gesellschaftliche Änderungen auslösen oder wenigstens unterstützen. Der Sprachwandel ist gekennzeichnet durch Neuprägungen, Anglizismen, Trendwörter und Ad-hoc-Bildungen (d.h. kurzlebige Prägungen) und alle diese Wortschatzerweiterungen können die Entwicklung einer Sprache bestimmen (vgl. Samel 1995: 86). Die Sprache dient zur Beschreibung der Welt und deshalb muss sie reagieren und neue Wörter zur Beschreibung neuer Erscheinungen vorlegen. Der seitens feministischer Sprachkritik hervorgerufene Sprachwandel betrifft besonders die Personenbezeichnungen, konkret Bereiche wie Politik, Berufe u.a., für welche im Deutschen neue Prägungen gebildet wurden, die zur sprachlichen und zugleich zu einer allgemeinen Gleichbehandlung von Frauen und Männern führen sollten. Vor allem die Bestrebung nach einer neuen geschlechtergerechten Verwendungsweise war der Hauptgrund, warum das generische Maskulinum und sexistischer Sprachgebrauch in den Hintergrund verdrängt und neue von diesen zwei Sprachmerkmalen befreite Neuerungen durchgesetzt werden sollten. Der Sprachwandel im Deutschen wird also durch Entstehung von zwei Varianten der Sprachverwendung (von geschlechtergerechter und generischer) charakterisiert (vgl. Samel 1995: 87). Nach Samel (1995) und anderen SprachkritikerInnen ist gerade diese Existenz von zwei Alternativen eine wichtige Voraussetzung für eine Revolution innerhalb der Sprache, wobei sie sowohl Lexik als auch Syntax betrifft. Die zweite, nicht weniger wichtige Bedingung ist dann die Einstellung von SprecherInnen, Gruppen, Organisationen und auch politischen Gremien, welche in der Rolle von Revolutionären auftreten, und natürlich auch die Einstellung von Medien. (Vgl. Samel 1995: 87) Die Autorin Beate Schräpel beschrieb im Jahre 1986 drei Typen des Sprachwandels und zwar den finalen (zielgerichteten), mit dem sich die Sprachpolitik beschäftigt, den nichtintendierten und den unbewussten. (Vgl. Samel 1995: 88) Der Sprachwandel wurde im Deutschen unter anderem durch Eingriffe politischer Organe in Gestalt von Erlassen, Empfehlungen und Gesetzen beschleunigt, wie weiter beschrieben wird. Trotzdem herrschen in der deutschen Gesellschaft gemischte Gefühle und obwohl der feministisch initiierte Sprachwandel in vielen Bereichen akzeptiert wird, bleibt für viele SprecherInnen stets unnatürlich, gesteuert und ungehörig. Der Sprachwandel zeigt sich vor allem durch Feminisierungstendenz und Wortneuprägungen. Diese führen zur Bildung der sogenannten Symmetrie oder symmetrischen Sprache, d.h. zur Beseitigung sexistischer Vorstellungen und Stereotypen (auch Patriarchalismen) aus dem Sprachsystem und Sprachgebrauch des Deutschen, sowie zur Bekämpfung von einer mittels der Sprache realisierten Diskriminierung (vgl. Samel 35

36 1995: 51). Die Lösung, wie die Symmetrie erzielt werden kann, stellt eindeutig das geschlechtergerechte Deutsch dar, mit dem die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der deutschen Sprache gewährleistet werden soll. (Vgl. Samel 1995: 52) 4.2. Gender Mainstreaming und Politische Korrektheit Das Thema der sprachlichen Gleichbehandlung fällt in den Bereich des sogenannten Gender Mainstreaming (vgl. Díaz 2003: 39). Gender Mainstreaming ist ein in Europa, bzw. in der Europäischen Union, verbreiteter Begriff für die (Re)-Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung grundsätzlicher Prozesse, mit dem Ziel, eine geschlechterspezifische Sichtweise in alle politischen Konzepte auf allen Ebenen und in allen Phasen durch alle an politischen Entscheidungsprozessen beteiligte Akteure einzubringen. (Vgl. Díaz 2003: 39) 30 Gender Mainstreaming kann als eine Strategie zur Gleichheit von Frauen und Männern angesehen werden und war neben der Frauenpolitik einer der wichtigsten Faktoren bei der Entwicklung von der Gleichstellung und Veränderung des Denkens in Politik und Gesellschaft, das vorwiegend männlich war. Damit hing der Kabinettbeschluss aus dem Jahre 1999 zusammen, mit dem die Gleichstellung von Frauen und Männern als Prinzip der Bundesregierung in Deutschland festgestellt wurde. (Vgl. Díaz 2003: 39) Gender Mainstreaming gilt auch heute als eine Verpflichtung der europäischen Staaten zur Gleichstellungspolitik. Eine entscheidende Rolle spielte bei dieser Anordnung der Amsterdamer Vertrag, in Deutschland wurden die Prinzipien der Gleichstellungspolitik sowohl im Grundgesetz als auch in anderen Bundesgesetzen festgelegt. 31 Die Bezeichnung politische Korrektheit erschien erstmals in den USA in den 1980er Jahren als Political Correctness. Damals handelte es sich um Durchsetzung liberaler Vorstellungen, die schrittweise zur Verteidigung der Theorie übergingen, dass die Sprache sowohl ein Mittel sozialer Diskriminierung als auch ein Instrument ist, das zur Abschaffung dieser Diskriminierung beitragen kann (vgl. Hellinger 2000: 12). Die politische Korrektheit kämpft gegen die sprachliche Diskriminierung von Minderheiten und bemüht sich um eine politisch korrekte Sprache, die zu einer sprachlichen Reform führen sollte. Die Hauptidee dieser Reform sollte durch die Beseitigung von diskriminierendem Sprachgebrauch wahr gemacht werden. Die politische Korrektheit wurde im Grunde zu einem wichtigen Mittel der 30 Übernommen aus den Internetseiten des Bundesverwaltungsamtes, April Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gleichstellung: Strategie Gender Mainstreaming [online] [zit ]. Verfügbar unter: 36

37 feministischen Sprachkritik, weil ein korrekter Sprachgebrauch bei der Änderung der sprachlichen Ausdrücke und zugleich der gesellschaftlichen Verhältnisse behilflich sein sollte. In Deutschland wirkte sich diese aus den USA gestammte sprachliche Strategie seit den 90er Jahren stark aus und die deutsche feministische Sprachkritik hatte an den Veränderungen, die im Rahmen der politischen Korrektheit eintraten, einen größeren Bedarf als der Gender-Bereich in den USA (vgl. Díaz 2008: 40). Um die Veränderungen zu verwirklichen, mussten bestimmte neue Regeln im Deutschen eingeführt werden, zu denen z.b. die Doppelnennung oder die Neutralisierung gehören (dazu mehr in folgenden Absätzen). Marlis Hellinger (2000) fasste die Ideologie der politischen Korrektheit zusammen und bestimmte drei Gegenstände, die für sie grundlegend sind: der Abbau von Diskriminierung am Arbeitsplatz, die universitäre Curriculumpolitik und Empfehlungen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch (vgl. Díaz 2003: 40). Ein unethischer Sprachgebrauch, Konzentration auf kollektive Personenbezeichnungen und Bezeichnungen für Gruppenspezifika wurden zu den wichtigsten Aspekten, die politisch korrekt behandelt werden sollen (vgl. Wirthgen 1999: 10). Zusammenfassend kann man sagen, dass der nicht-sexistische Sprachgebrauch eine wichtige Voraussetzung der politisch korrekten Sprache ist. Eine politisch korrekte Wortbildung, die dadurch praktiziert wird, ändert die deutsche Sprache, was einerseits erfordert, andererseits auch kritisiert wird Richtlinien, Leitfäden und andere Empfehlungen im Deutschen Wie gesagt, wurden die Änderungen im Deutschen, die vor allem deutsche Personenbezeichnungen betreffen, in Gestalt von verschiedenen Empfehlungen und Richtlinien veröffentlicht. Die Gleichstellung von Frauen und Männern wurde schon im Jahre 1945 zu einem wichtigen Mittelpunkt im Rahmen des Programms von Vereinten Nationen. Konkret die UNESCO setzte sich für die Forderung nach einem geschlechtsgerechten Sprachgebrauch ein, als sie im Jahre 1987 eine Resolution aufnahm, die für die sprachliche Sichtbarmachung von Frauen einen wichtigen Beitrag leistete. Im Jahre 1988 schloss sich auch der FISCA 32 diesen Schritten für die sprachliche Gleichbehandlung und Verbesserung der Situation von Frauen in internationalen Organisationen, bzw. für die Vermeidung von geschlechtsdiskriminierender Sprache, an (vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 1). Danach erfolgten UNESCO-Empfehlungen für die englische, französische und natürlich auch für die deutsche Sprache. Die UNESCO- Empfehlungen von Hellinger und Bierbach aus dem Jahre 1993 waren aber nicht die ersten Richtlinien im deutschsprachigen Raum. Erstmals erschienen die Richtlinien zur Vermeidung 32 Federation of International Civil Servants Association 37

38 sexistischen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1980 (vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 1), im Jahre 1989 entstand eine bearbeitete Version Empfehlungen zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs. Nach diesen Vorschriften, für deren Veröffentlichung eine Gruppe von Sprachwissenschaftlerinnen verantwortlich war, kam es in vielen anderen Ländern, einschließlich der Schweiz und Österreichs, seitens vieler Organisationen und politischer Organe zur Entstehung von weiteren Richtlinien, die sich sehr oft besonders den Amts-, Funktions- und Berufsbezeichnungen, den Anredeformen und Titeln widmeten. Als Beispiele werden bei Bierbach/Hellinger (1993) Leitfaden zur geschlechtergerechten Formulierung (von der schleswig-holsteinischen Landesregierung 1991), die von der niedersächsischen Landesregierung gebilligten Grundsätze für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Rechtssprache (1991) und andere angegeben. In Österreich wurden die ersten Empfehlungen in 1987 von Ruth Wodak veröffentlicht (vgl. Doleys 2008: 38), in der Schweiz gilt als wichtiges Werk der Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung von der Schweizerischen Bundeskanzlei aus dem Jahre Zu den aktuellen Leitfäden gehört eine große Menge von Richtlinien verschiedener Institutionen, politischer Gremien und Autoren, die eher Empfehlungen als Vorschriften sind. Man kann sagen, dass fast alle dieser Broschüren Informationen aus den Werken von den bekannten Sprachwissenschaftlerinnen gewinnen (Guentherodt, Hellinger, Kremer, Pusch, Schräpel, Trömel-Plötz), die erstmals die deutschen Richtlinien zum Ausdruck brachten. (Vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 1) Die Autorinnen der ersten Richtlinien erwarteten neben einem sprachlichen auch einen gesellschaftlichen Wandel und obwohl die ersten Empfehlungen vor allem an die öffentliche Sprache (d.h. an die Sprache in Gesetztexten, Verordnungen, Formularen, Lehrbüchern, Medien usw.) gerichtet wurden, versprachen sich die Bahnbrecherinnen des Sprachwandels einen gewissen Erfolg auch im privaten Sprachgebrauch. Die wichtigsten Begriffe wurden ganz klar vorgelegt Sichtbarkeit von Frauen und Symmetrie der Bezeichnungsart (vgl. Samel 1995: 139). Jetzt sollte der Inhalt von Richtlinien mit Hilfe von Empfehlungen von Bierbach/Hellinger (1993) präsentiert werden. Eine Sprache für beide Geschlechter Richtlinien für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch erarbeiteten diese Autorinnen auf Ersuchen der UNESCO im Jahre Im Hinblick auf das Erscheinungsjahr ist es aber vorteilhaft, auch andere neuere Empfehlungen einzusehen, weil es im Deutschen einige Änderungen gibt, die erst im Laufe der Jahre zu diesen sprachlichen Alternativen geschrieben wurden. Für die Beschreibung von empfohlenen Methoden, die in einer richtigen geschlechtergerechten Sprache 38

39 gebraucht werden sollten, dienen in diesem Kapitel noch weitere, im Literaturverzeichnis angegebene Materialien. Im Allgemeinen beschäftigen sich alle dieser Richtlinien mit lexikalischen und grammatischen Regeln und ihre Forschungsgebiete sind Wortbildungsregeln (vor allem bei weiblichen Personenbezeichnungen), Auswahlregeln (von Formen für korrekte und gleichgerechte Sprache), Kongruenzregeln (vor allem bei Pronomen und Substantiven, die als Personenbezeichnungen auftreten) und stilistische Regeln (für Beseitigung der Asymmetrie in der Sprache) (vgl. Díaz 2003: 44). Wie bereits mehrmals erwähnt, besteht das Vorhaben darin, die sexistische Sprache in eine geschlechtergerechte (bzw. neutrale) Sprache umzuwandeln. Die größte Aufmerksamkeit wird auf die Personenbezeichnungen gelenkt. Im Vergleich mit anderen Sprachen, z.b. mit dem Englischen, die eher der Geschlechtsneutralisierung zuneigen, strebt die deutsche Sprache die Geschlechtsspezifikation weitaus mehr an. Während sich die Neutralisation im Englischen an der ersten Stelle befindet, stehen im Deutschen die Sichtbarmachung und das Prinzip der Symmetrie im Vordergrund (vgl. Díaz 2003: 45) Die Feminisierung In den Richtlinien wird vor allem dazu erfordert, die Frauenbezeichnungen in der Sprache gründlich und sichtbar zu benutzen. Zu diesem Ziel dient die Feminisierung. Die sprachliche Feminisierung umfasst eine ganze Reihe von Maßnahmen und sprachlichen Veränderungen. Gerade daher ist die Feminisierung einer der Untersuchungsgegenstände dieser Arbeit, weil sie sich mit der Movierung und mit den movierten Berufsbezeichnungen befasst. Als feminisiert können nicht nur die movierten Formen wie z.b. Priesterin angesehen werden, sondern auch die Neubildungen, die vermöge stilistischer Korrekturen im Deutschen vorhanden sind. (Vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 2) Hauptsächlich bei den Titeln ist es möglich, die Konsequenzen von der Feminisierung zu sehen und es ist nichts Neues, dass die Formen wie z.b. DR.in für Doktorin oder Doz.in für Dozentin im Text verwendet werden (vgl. Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren und eine diskriminierungsfreie Bildsprache 2011: 8). Samel (1995) stellt drei Vorschläge zur Gleichberechtigung im Deutschen zur Verfügung und zwar den Ersatz des generischen Maskulinums durch Splitting, Totale Feminisierung 33 und Neutralisation. 33 Der Begriff Totale Feminisierung wurde von Luise F. Pusch verwendet. (Vgl. Samel 1995: 71) 39

40 Splitting Eine der Möglichkeiten, die zur Verwirklichung der sprachlichen Symmetrie beitragen sollen, ist das Splitting, auch Beidbenennung oder partielle Feminisierung genannt. In der deutschen Gegenwartssprache geht es um die zweifellos eindeutigste Ausdrucksweise (vgl. Eickhoff 1999). Diese Doppelnennung findet besonders bei Anredeformen, Titeln, Berufs- und Funktionsbezeichnungen Verwendung. Bei der Paarform ist es nach einigen Leitfäden nötig, das sogenannte Titanic-Prinzip einzuhalten (vgl. Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren und eine diskriminierungsfreie Bildsprache 2011: 5). Nach diesem Prinzip sollen die weiblichen Bezeichnungen an der ersten Stelle angegeben werden. Obwohl einige movierte weibliche Personenbezeichnungen sehr oft von den männlichen abgeleitet werden und es also verständlich wäre, sie erst auf die zweite Position zu verschieben, empfiehlt es sich, diese Verschiebung zugunsten der geschlechtergerechten Äußerung zu vermeiden. Bsp.: Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Schülerinnen und Schüler In Praxis verursachen die Paarnennungen gewisse Schwierigkeiten und viele KritikerInnen bezeichnen die Beidbenennung und die geschlechtergerechte Sprache selbst als unökonomisch (vgl. Samel 1995: 72). Als eine Lösung der unökonomischen Ausdrücke bietet sich die von Haß-Zumkehr, der Professorin für germanistische Linguistik an der Universität Duisburg-Essen, vorgeschlagene Geschlechtsneutralität signalisierende Exemplarizität an, die eine natürliche Verwendungsweise darstellt. Die weiblichen Bezeichnungen tauchen im Text exemplarisch, d.h. als Muster, aber nicht unaufhörlich auf (vgl. Eickhoff 1999). Der Verzicht auf Doppelnennung ist möglich durch bestimmte Ausweichmöglichkeiten wie Partizipien und Sachbezeichnungen. Weitaus mehr aber begegnet man in Texten den mit graphischen Zeichen gebildeten Kurzformen. Schrägstrich Obwohl z.b. Bierbach/Hellinger noch im Jahre 1993 keinen Auslassungsstrich benutzen, ist es bei dieser Variante nötig, jenen Auslassungsstrich hinter dem Schrägstrich zu schreiben, sonst gilt die Kurzform heute nach vielen AutorInnen als inkorrekt (vgl. Eickhoff 1999). Ein Problem tritt in den Fällen ein, wenn der Umlaut für die Geschlechtsspezifikation nötig ist oder wenn sich die Endungen unterscheiden (z.b. maskuline Berufsbezeichnung auf -e). Dann wird empfohlen, lieber die Langformen zu bevorzugen, sowie wenn die Pluralformen mehr als einen Schrägstich verlangen (vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 5). Der Ausdruck Kaufmann/-frau könnte 40

41 als Diskriminierung betrachtet werden, weil die Frauenbezeichnung erst an der zweiten Stelle angegeben wird. Also ist es günstig, die Form Kaufmann/Kauffrau zu benutzen. Bsp.: Tänzer/-in, aber Koch/Köchin, Psychologe/Psychologin, Lehrbuchautor/inn/en, eine/n erfahrene/n Finanzexperten/in 34 Das Große Binnen-I Das große Binnen-I gehört zu den meist kritisierten Empfehlungen. Einerseits kommt diese Kurzform ganz häufig vor, andererseits wird sie manchmal nicht nur kritisiert, sondern sogar verboten. Der einzige Fall, in dem das Binnen-I passend angewendet werden kann, ist im Text, dessen Lesbarkeit und Verständlichkeit durch die Abkürzungszeichen nicht gestört werden (vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 5). Also betrifft diese Möglichkeit eher Kurztexte wie z.b. Anzeigen, Werbeanzeigen oder Werbeslogans, Formulare u.a. Bsp.: die ArbeiterInnen Zu den neueren geschlechtsspezifizierenden und rechten Doppelnennungen wird die Großschreibung am Wortende gerechnet. In den meisten Leitfäden wird diese Beidbenennungsart im Rahmen des Großen Binnen-I vorgestellt. Diese ungewöhnliche Neuigkeit wird bei Personenbezeichnungen gebraucht, deren weibliche Formen im Singular auf -e und männliche Varianten auf -r oder -n enden. Die geschlechtsspezifischen Endungen werden in Gestalt von einem Großbuchstaben hervorgehoben und dienen als Mittel zur Sichtbarmachung von beiden Geschlechtern. 35 Bsp.: KeineR möchte ins Kino gehen. Eine Firma sucht AngestellteN. Klammern Die Klammern können an der Stelle eines Schrägstriches verwendet werden, weil sie im Wortinnern vorkommen können. Einige Leitfäden empfehlen diese rechtschreibliche Variante nicht. Vor allem aus feministischer Sicht wirkt die weibliche Form in Klammern, als wenn sie eine sekundäre und daher minderwertige Bezeichnung wäre. (Vgl. Eickhoff 1999) Bsp.: die Kolleg(inn)en 34 Übernommen von Bierbach/Hellinger (1993). 35 Vgl. Kurz und bündig. Vorschläge zum geschlechtergerechten Formulieren (2000). 41

42 Gender Gap Variante Sowie das Große Binnen-I übertritt die Rechtschreibregeln auch die Gender Gap Variante, die als eine alternative Möglichkeit der Sichtbarmachung präsentiert wird. Die Geschlechtsbezeichnungen werden mit einem Unterstrich oder einem Stern getrennt, deshalb findet man in einigen Quellen auch die Benennung Unterstrichvariante. 36 Das Gender Gap wird sowohl in geschriebener als auch in gesprochener Sprache geltend gemacht, wobei der Gender- Gap, bzw. das Gender-Sternchen, in gesprochener Form mit einer Pause oder einer Handbewegung ausgedrückt wird. 37 Bsp.: Jede_r Schriftsteller_in, Schrifsteller*innen Personenbezogene Pronomen Die Pronomen, die als Stellvertreter von Personenbezeichnungen auftreten, unterliegen heutzutage auch dem Sprachwandel. Die feministische Sprachkritik findet viele Pronomen maskulin und in den meisten Fällen werden diese Bezeichnungen mit den Vorstellungen des Männlichen verbunden (vgl. Samel 1995: 89). Die feministische Einstellung zu den personenbezogenen Pronomen trieb mit der Bildung von neuen Pronomen und mit dem Einsatz von anderen möglichen Varianten den Sprachwandel voran. Das Indefinitpronomen man Das Indefinitpronomen man wird in den meisten Grammatiken als Stellvertreter für eine oder mehrere, nicht näher bestimmte Personen behandelt. Nach der Duden Grammatik (1995) ist es möglich, mit man sowohl ein Ich als auch die ganze Menschheit auszudrücken. In der Vergangenheit gab es keine Diskussionen darüber, welches Geschlecht damit gemeint wird, und keinesfalls wurde man mit einer Sexusangabe verglichen. Nach der feministischen Gesinnung steht aber man in der semantischen und etymologischen Nähe zum Substantiv Mann oder Mensch, weil es seinen Ursprung gerade in diesen Substantiven hat (vgl. Samel 1995: 89). In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. wurde sogar eine Theorie entwickelt, dass die Definitionen von 36 Vgl. Koordinationsbüro für Chancengleichheit. Leitfaden zur Anwendung einer geschlechtergerechten Sprache. Universität Potsdam, Vgl. PRETTENTHALE-ZIEGERHOFER A.; SCHERKE K; SCHUSTACZEK U. Ein gendergerechtes Formulieren. Ein Leitfaden- Informationen, Tipps und Empfehlungen. Universität Graz, Verfügbar auch unter: [Stand ] 42

43 Menschen die Frauen nicht einbeziehen (vgl. Samel 1995: 90). Es wird noch immer polemisiert, ob man die Bedeutung,neutral oder,männlich trägt. Trotzdem ziehen die Richtlinien in Erwägung, dass die Verwendung von diesem problematischen Pronomen zum sexistischen Sprachgebrauch beitragen könnte, und beschäftigen sich also auch mit neuen Umformulierungen, d.h. mit der Vermeidung von man. Die Richtlinien von Bierbach/Hellinger (1993) verbieten den Gebrauch von diesem unbestimmten Pronomen nicht, aber sie empfehlen, es lieber einfach mit ich, wir, Du, Sie, Passiv oder lassen zu ersetzen. Bsp.: Man sollte die Nachricht ernst nehmen. Wir sollten die Nachricht ernst nehmen/ Die Nachricht sollte ernst genommen werden. Die neuen Indefinitpronomen Wie bereits erwähnt, erschienen im Wortschatz des Deutschen im Verlauf des aufgrund der feministischen Sprachkritik hervorgerufenen Sprachwandelprozesses neue Indefinitpronomen. In der geschlechtergerechten Sprache wurde das Pronomen frau als weibliches Gegenstück zu man eingeführt. Die Verwendungsweise beider Pronomen ist gleich und der einzige Unterschied ist grammatisch. Während man im nachfolgenden Satz mit keinem anderen Pronomen ersetzt werden kann, lässt sich an der Stelle des Pronomens frau auch sie oder eine verwenden. Das neue Pronomen setzt sich in der Sprache nicht so viel durch, weil viele Menschen stattdessen direkt das Substantiv Frau benutzen (vgl. Samel 1995: 92). (Siehe unten Unterkapitel ) Bsp.: Wie kann frau sich so verhalten? Wie kann sich eine Frau so verhalten? Zu den neuen Pronomen rechnet man auch die kleingeschriebenen Substantive mensch, mann oder die vollkommen neuen Wörter jedefrau, jefraud, niefraud, deren Verwendung aber sehr vereinzelt bleibt. Feminisierung von wer/jemand Die Pronomen wer und jemand werden seitens der feministischen Sprachkritik als geschlechtsabstrahierend betrachtet, weil sie grammatisch nur mit den maskulinen Pronomen der und sein ersetzbar sind. Wenn aber anstelle maskuliner Pronomen weibliche Pronomen benutzt werden, kommt es zur Verletzung der grammatischen Kongruenzregeln. In solchem Fall spricht man von den Pronomen, die zwar grammatisch unrichtig, aber feministisch kongruent sind (vgl. 43

44 Samel 1995: 93). Diese feministische Kongruenz genügt aber nicht, um diese für die deutsche Grammatik radikalen Veränderungen von der breiten Öffentlichkeit aufgenommen zu werden. Bsp.: Wer könnte ihren guten Freund betrügen? Kennst du jemand, die mir helfen könnte? In den Richtlinien von Bierbach/Hellinger (1993) befinden sich die umformulierten Sätze: Wir suchen jemand, der uns hilft. Wir suchen eine Person Wir suchen jemand, die oder der Wer das nicht akzeptiert, der muss selbst einen Vorschlag machen. Wird das nicht akzeptiert, muss selbst einen Vorschlag machen. 38 Das gleiche Problem wird bei Pronomen jeder, keiner, mancher gelöst. Bei jeder steht der neutrale Plural alle zur Verfügung, sowie bei mancher die Pluralform manche. Eine geschlechtergerechte Lösung des Pronomens keiner ist dann möglich mit dem neutralen Pronomen niemand. Im Deutschen sind auch Sätze zu sehen wie z.b.: Jede von uns, wobei diese Phrase gewöhnlich in einem Frauenkreis entsteht und verwendet werden kann (vgl. Díaz 2003: 51). Anredeformen, Namen, Titel Diese Gruppe von Personenbezeichnungen wird in den Richtlinien besonders betont, weil man den Anredeformen und Namen auch in der Alltagssprache sehr oft begegnet. Bei Anreden und Namen wird der symmetrische Sprachgebrauch hervorgehoben, bei Titeln werden neben den Abkürzungen (Dr., Prof. u.a.) die vollkommen ausgeschriebenen Formen empfohlen (Doktorin, Professorin u.a.). Es ist interessant, dass die Richtlinien von Bierbach/Hellinger (1993) die Möglichkeit einer maskulinen Form für Frauenbezeichnungen zulassen, aber nur wenn sie zusammen mit einer Anredeform verbunden ist (z.b.: Frau Doktor). Die Anredeformen wurden zwischen 1937 und 1972 zu einem der am meisten diskutierten Punkte der sprachlichen Reform in Deutschland (vgl. Wesian 2007: 28). Es handelte sich unter anderem um die Anrede Fräulein, welche die erforderte Symmetrie und Gleichbehandlung im Deutschen störte. Die Frauen, die mit Fräulein tituliert wurden, galten entweder als unverheiratet und unerwachsen oder als berufstätig mit schlechtem Lohn. Vor allem in der Vergangenheit herrschte in der deutschen 38 Übernommen von Bierbach/Hellinger 1993:

45 Gesellschaft eine häufige Vorstellung von Fräuleins als von Sekretärinnen. Außerdem berief sich die feministische Sprachkritik, die in den 70er Jahren zu Wort kam, auf die Absenz einer männlichen Variante Herrlein. 39 Aufgrund zahlreicher Anforderungen besonders seitens der Frauenverbände in der BRD wurde die Bezeichnung Fräulein aus dem Behördendeutschen schrittweise verdrängt. Nach dem ersten Erlass des Bundesinnenministers im Jahre 1955, der im amtlichen Verkehr die Verwendung von der Anredeform Frau verstärken sollte, kam es im Jahre 1972 zum zweiten entscheidenden Erlass, der diesmal vorschrieb, alle weiblichen Erwachsenen im Schriftverkehr mit Frau anzureden (vgl. Wesian 2007: 28). Damit wurde die bisher normalerweise benutzte Anredeform Fräulein aus der deutschen Behördensprache endgültig abgeschafft. Diese Veränderung bedeutete innerhalb der deutschen Sprache und der deutschen Gesellschaft einen weiteren Schritt zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Personenbezogene Ableitungen und Zusammensetzungen Wie auf den vorhergehenden Seiten dargestellt, werden die Empfehlungen auf die Personenbezeichnungen gerichtet. Trotzdem müssen im Deutschen auch die Wörter berücksichtigt werden, die zwar keine Personenbezeichnungen sind, aber trotzdem zur Personenbenennung dienen. In den meisten Fällen gehören zu dieser Reihe von Zusammensetzungen und Ableitungen abstrakte und kollektive Nomina oder Adjektive (vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 8). Bsp.: Schwimmerbecken, Fischerverein Nicht immer sind die Veränderungen nötig. Zur sprachlichen Gleichbehandlung bieten die Richtlinien in der Regel die Feminisierung (Nichtschwimmerinnenbecken), sehr oft das Splitting (Becken für Schwimmer/innen, SchwimmerInnenbecken). Speziell bei der Feminisierung im ersten Beispiel wird aber betont, dass es um ein Becken geht, das ausschließlich den Frauen zur Verfügung steht. 39 Vgl. WDR. 16. Februar BRD schafft Anrede "Fräulein" im Amtsdeutsch ab: Von Fräuleins, die keine mehr sein wollen [online]. WDR, [zit ]. Verfügbar unter: 45

46 Das generische Femininum Die deutsche Sprache wird durch das generische Maskulinum charakterisiert und dadurch in den letzten Jahrzehnten als geschlechterungerecht kritisiert. Neben der partiellen Feminisierung, zu der z.b. das Splitting gehört (siehe oben), ergibt sich noch eine Variante, wie sich die deutsche Sprache von dem sexistischen Sprachgebrauch entfernen könnte und nämlich die Totale Feminisierung, die durch Einführung des generischen Femininums realisiert wird. Dieser Begriff stammt, wie schon geschrieben, von der Sprachwissenschaftlerin Louise F. Push (vgl. Samel 1995: 71) und rief in der deutschen Laien- und Fachöffentlichkeit unterschiedliche Reaktionen hervor. Das generische Maskulinum wird von der feministischen Sprachkritik für eine pseudoneutrale Personenbezeichnung gehalten, die das angeeignete Patriarchat hervorhebt (vgl. Samel 1995: 76). Das generische Femininum übernimmt also die Funktion des üblichen generischen Maskulinums und damit kann es einerseits nur Frauen, andererseits Frauen und zugleich Männer bezeichnen (vgl. Samel 1995: 75). Die Theorie eines generisch verwendeten Femininums stellt einen umwälzenden Gedanken vor, dass auch das Femininum im deutschen Sprachsystem eine doppelte Bedeutung haben könnte. Nach Push wird das generische Femininum als das beide Geschlechter umfassende Femininum benannt (vgl. Samel 1995: 75). Das mögliche generische Femininum wurde teilweise als ein sprachpolitischer Schritt seitens der SprachkritikerInnen wahrgenommen, weil diese Veränderung eventuell bedeuten würde, dass die traditionell überwiegende Vertretung von Männern in der Politik am Ende sein könnte (vgl. Samel 1995: 75). Die Situation in der heutigen Gesellschaft beweist, dass die konservativen Vorstellungen über die Rollenverteilung auch ohne Hilfe des generischen Femininums allmählich verschwinden. Bsp.: Die Präsidentin als Bezeichnung für einen Mann oder eine Frau. So gesehen kann die sprachliche Gleichbehandlung auch durch Verwendung von geschlechtsneutralen Personenbezeichnungen erzielt werden. 40 Bei der Untersuchung von verschiedenen Richtlinien fällt es auf, dass vor allem in der Rechtssprache gerade die sprachliche Geschlechtsneutralität bevorzugt wird, was auch in einigen konkreten Maßnahmen erwähnt wurde Mehr dazu im Kapitel Mehr dazu im Unterkapitel

47 Textbeispiele von Bierbach/Hellinger (1993) Die anschaulichen Beispiele aus den Richtlinien von Bierbach/Hellinger (1993) stellen die Vorgehensweise bei der geschlechtergerechten Formulierung dar und verdeutlichen, wie die geschlechtergerechten sprachlichen Maßnahmen in Praxis umgesetzt werden sollen. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden auf zwei Jahre gewählt. Ärzte und Krankenschwestern protestierten gegen die geplanten Einsparungen. alle Studenten jeder Arbeitslose Die Kursleiter arbeiten mit Experten, Ausbildern und Betreuern zusammen. Der oder die Vorsitzende wird auf zwei Jahre gewählt. Das gleiche gilt für den Stellvertreter oder die Stellvertreterin. Medizinische Leitung und Pflegepersonal/ Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal protestierten gegen die geplanten Einsparungen. alle Studentinnen und Studenten/ alle Studierende jede arbeitslose Person/ alle Arbeitslosen Die Kursleiterinnen und -leiter arbeiten mit Sachverständigen und dem Ausbildungs- und Betreuungspersonal zusammen Drei Formulierungsbeispiele aus ausgewählten Leitfäden In der folgenden Tabelle befinden sich sowohl die generisch als auch die geschlechtergerecht formulierten Textabschnitte, die in den ausgewählten Leitfäden als Musterbeispiele angeführt werden. Zeichnen und Malen für Anfänger und Fortgeschrittene. Dieser Kurs ist ein Angebot für Interessenten, die die Grundlagen zeichnerischer Bildgestaltung vertiefen wollen. Die Arbeit umfasst u. a. Naturstudien und farbanalytische Übung en. Der Kurs ist insbesondere für Schüler, Studenten und Auszubildende geeignet. Die Benutzer, bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zusätzlich die gesetzlichen Vertreter, erkennen die Bestimmungen über die Benutzung der Bücherei bei der Anmeldung durch eigene Unterschrift an. Zeichnen und Malen für Anfängerinnen und Anfänger sowie Fortgeschrittene. Dieser Kurs ist ein Angebot für Interessierte, die die Grundlagen zeichnerischer Bildgestaltung vertiefen wollen. Die Arbeit umfasst u. a. Naturstudien und farbanalytische Übungen. Der Kurs ist insbesondere für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende geeignet. 42 Die Benutzerinnen und Benutzer erkennen die Bestimmungen über die Benutzung der Bücherei bei Anmeldung durch eigene Unterschrift an. Bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gilt dies auch für gesetzliche Vertreterinnen oder Vertreter Aus: Anregungen für die geschlechtergerechte Verwendung von Personenbezeichnungen. Erstellt von Dr. Marion Buhl. und Dr. Birgit Gabler, Gender-Projekt des Volkshochschulverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V., Verfügbar auch unter: [Stand ] 43 Übernommen von Braun (2000). 47

48 Frauen finden sich immer häufiger in wichtigen Schulfunktionen (Direktor, Schulsprecher, Abteilungsvorstand). Frauen finden sich immer häufiger in wichtigen Schulfunktionen (Direktorin, Schulsprecherin, Abteilungsvorständin). 44 In dieser Arbeit erfüllen die angegebenen Beispiele dieselbe Funktion wie in den vorhandenen Richtlinien und Leitfäden. Sie sollen ihren Inhalt verständlicher darstellen und durch eine bestimmte Gebrauchsanweisung von geschlechtergerechten Veränderungen einen problemlosen Übergang zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Deutschen ermöglichen Gesetzliche Maßnahmen in Deutschland Die meisten Richtlinien betreffen vor allem die öffentliche Schriftsprache, genau die Verwaltungs- und Vorschriftensprache, die Sprache in Medien oder in Ausbildungsanstalten. (Vgl. Bierbach/Hellinger 1993: 1) Diese Richtlinien, wie bereits angeführt, erfüllen eher eine Funktion von Empfehlungen. Der erforderte Sprachwandel als das wichtigste Mittel zur Gleichbehandlung in der deutschen Sprache fand aber eine Unterstützung auch direkt bei Gesetzgebern und verwurzelte langsam nicht nur in der deutschen Sprachgemeinschaft, sondern auch in Gesetzen der deutschsprachigen Länder. Besonders der öffentliche Sprachgebrauch wurde seit 80er Jahren in Ministerien und Parlamenten diskutiert, weil die Rechtssprache, die als ein Oberbegriff für die Amts-, Verwaltungs- und Vorschriftensprache angesehen werden kann, den sexistischen Sprachgebrauch vermeiden sollte. Die Debatte in 80er Jahren konzentrierte sich auf die Amts-, Funktions- und Behördenbezeichnungen und als Folge könnte z.b. die Form Amtmännin angegeben werden, die als symmetrische Variante zu Amtmann geschaffen wurde (vgl. Díaz 2003: 58). In den Texten der öffentlichen Sprache sollten Eindeutigkeit, Verständlichkeit und Lesbarkeit für die wichtigsten gehalten werden. Einige Vorschläge empfahlen keine große Abweichung vom normalen Sprachgebrauch und betonten die Abhängigkeit von der Textsorte (vgl. Díaz 2003: 59). Was die Gesetzestexte betrifft, unterschieden sich die Meinungen, ob die Verwendung von einigen graphischen Bearbeitungen (Große-I, Klammer, Schrägstrich) geeignet ist. Von Bedeutung war die Tat von Rita Süssmuth, von der ersten Frauenministerin auf Bundesebene und später auch Präsidentin des Deutschen Bundestages, die sich gegen die sexistische Sprache in den Gesetzestexten äußerte (vgl. Wesian 2007: 26). 44 Übernommen von Wetschanow (2010). 48

49 Schon im Jahre 1987 beeinflusste die Rechtssprache in Deutschland der Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der FDP sowie der Antrag von anderen Abgeordneten, auf den später im Jahre 1988 die Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses reagierten. Dieser Schritt sollte zur Vermeidung von geschlechtsbezogenen Formulierungen in Gesetzen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften führen. 45 Kurz nach einer Aufforderung des Ministerkomitees Europarats, die nicht-sexistische Sprache in Rechtstexten, öffentlichen Verwaltungen und im Unterricht zu verwenden, und nach einigen Diskussionen in BRD billigte der Bundestag die Empfehlungen einer interministeriellen Arbeitsgruppe Rechtssprache über Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache (vgl. Samel 1995: 142). Der Bericht dieser Arbeitsgruppe Rechtssprache wurde vom Bundestag begrüßt und ein Jahr später wurde von der Bundesregierung in der Sitzung des Bundeskabinetts gefordert, die im Bericht angegebenen Empfehlungen in allen Resorts zu berücksichtigen. Das Bundeskabinett hat in seiner Sitzung vom 24. Juli 1991 den folgenden Beschluß gefaßt: l. Der Deutsche Bundestag hat folgenden Beschluß gefaßt: Die Bundesregierung wird aufgefordert, ab sofort in allen Gesetzentwürfen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften geschlechtsspezifische Benennungen/Bezeichnungen zu vermeiden und entweder geschlechtsneutrale Formulierungen zu wählen oder solche zu verwenden, die beide Geschlechter benennen, soweit dies sachlich gerechtfertigt ist und Lesbarkeit und Verständlichkeit des Gesetzestextes nicht beeinträchtigt werden. Darüber hinaus wird die Bundesregierung aufgefordert, bei grundlegenden Änderungen von Gesetzen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften diese auf ihre geschlechtsspezifischen Formulierungen hin zu überprüfen und entsprechend den in Absatz 1 genannten Grundsätzen in angemessener Zeit zu ändern. Dieser Beschluß des Bundestages vom 11. Mai 1990 geht zurück auf einen Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und 4. November 1987 (Drucksache 11/1043)." 46 Eine geschlechtsneutrale Ausdrucksweise setzte sich weitaus mehr im Vergleich mit der Beidbenennung (Schrägstrich, Binnen-I u.a.) durch, die teilweise abgelehnt wurde. (Vgl. Samel 1995: 142) Der Grund war die in der Rechtssprache nötige Lesbarkeit. Trotzdem fand auch die Beidbenennung ihre Anwendung und zwar in Formularen. Was die Berufsbezeichnungen betrifft, die als Hauptthema dieser Arbeit behandelt werden, sollten nach den Empfehlungen aus dem Jahre 1990 feminine Berufsbezeichnungen zugleich mit maskulinen genannt werden und die 45 Deutscher Bundestag. Beschlußempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses [online]. Deutscher Bundestag, 2013 [zit ]. Verfügbar unter: 46 Deutscher Bundestag. Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache. Bericht der Arbeitsgruppe Rechtssprache vom 17. Januar 1990 [online]. Deutscher Bundestag, 2013 [zit ]. Verfügbar unter: 49

50 Berufslisten und Stellenausschreibungen sollten diese Regel der Beidbenennung einhalten. 47 (Vgl. Samel 1995: 143) Die 1990er Jahre brachten viele verschiedene Beschlüsse zur sprachlichen Gleichbehandlung mit, die mit der Unterstützung von den vorher erwähnten Richtlinien gebildet wurden. Die große Anzahl von gesetzlichen Regelungen verursachte aber ein sprachliches Chaos, weil die Maßnahmen in einzelnen Bundesländern in einigen Punkten verschieden waren (vgl. Díaz 2003: 60). Obwohl im Jahre 1993 ein Antrag der SPD zur Umformulierung des Grundgesetzes zugunsten der nicht sexistischen Neuformulierung abgewiesen wurde 48 (vgl. Samel 1995: 141), erschienen im Jahre 2001 zwei wichtige Gesetze, die unter anderem die sprachliche Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und in den Gerichten bestimmten. Durch das Bundesgleichstellungsgesetz (Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und in Gerichten) und das Gleichstellungsdurchsetzungsgesetz (Gesetz zur Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern) wurde schließlich die sprachliche Gleichbehandlung im Rahmen des ganzen Bundes reguliert (vgl. Díaz 2003: 61). Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes sollen die Gleichstellung von Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen. Dies gilt auch für den dienstlichen Schriftverkehr. 49 In diesen zwei Gesetzen wird, wie in den früheren Empfehlungen, gefordert, die Rechtstexte nach bestimmten Regeln zu bilden. Jeder Text muss eindeutig, übersichtlich und vom allgemeinen Sprachgebrauch nicht so viel abweichend sein. Die sprachlichen Veränderungen müssen nur so realisiert werden, damit der Text laut vorgelesen werden könnte (vgl. Díaz 2003: 61). Neben allen Bemühungen um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Gesellschaft, d.h. in der Arbeitswelt und anderen Fachgebieten, sowie im Denken aller Menschen, das öfters von Stereotypen beeinflusst wird, stellte die sprachliche Gleichbehandlung immer einen untrennbaren Bestandteil dieser Bestrebung nach einer nicht-diskriminierenden Welt dar. Die Vorstellung, dass die Sprache zur Gleichstellung beider Geschlechter helfen könnte, bleibt weiterhin eine Triebkraft für die feministische Linguistik. Der Einfluss der Rechtssprache und der öffentlichen Schriftsprache allgemein ist zweifellos groß und die 47 Dazu mehr im praktischen Teil. 48 Z.B.: jeder Deutsche alle Deutschen, durch den Richter durch richterliche Entscheidung. (Übernommen von Samel 1995: 142) 49 Bundesministerium für Justiz. Gesetze im Internet: Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und in den Gerichten des Bundes (Bundesgleichstellungsgesetz- BGleiG) online. Juris GmbH, 2013 zit Verfügbar unter: 50

51 beschriebenen Maßnahmen haben an der Gleichberechtigung einen bedeutenden Anteil. Trotz aller dieser Maßnahmen wird das generische Maskulinum im Deutschen, besonders in der Rechtssprache, ständig als neutrale Variante dargeboten und teilweise verwendet (vgl. Díaz 2003: 63), obwohl das BGleiG erklärt, dass anstehende Änderungen für die Anpassung des geltenden Rechts genutzt werden sollen, um veraltete Ausdrucksweisen und die herkömmliche Verwendung sogenannter generischer Maskulina abzulösen Differenzen im Sprachgebrauch in der DDR und in der BRD Beide deutschen Staaten unterschieden sich in der Zeit der Zweistaatlichkeit in vielen Hinsichten und es ist kein Wunder, dass auch der Sprachwandel eine unterschiedliche Gestalt in DDR als in BRD hatte. Der Hauptunterschied bestand vor allem in den gesellschaftlichen Verhältnissen beider Staaten und überdauert in bestimmter Weise noch bis heute, vierzehn Jahre nach der Vereinigung. Die gegenläufigen Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache haben ihren Ursprung sowohl in DDR als auch in BRD und werden in Bezug auf die Movierung auch z.b. bei Donalies (2007) kurz diskutiert. In der ehemaligen DDR war die gesellschaftliche Stellung der Frau ganz gleichberechtigt und die Frauenemanzipation, die in DDR durchgesetzt wurde, legte weitaus größeren Wert auf die berufliche als auf die sprachliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Deshalb spielten der Sprachwandel und die sprachlichen Veränderungen für viele Frauen in DDR eine nicht so wichtige Rolle. In DDR wurden geschlechtsneutrale Bezeichnungen eher aus ökonomischen Gründen bevorzugt. Die durch den feministischen Sprachwandel entstandenen Sprachveränderungen, die ein bisschen radikaler waren, wurden dagegen zurückgewiesen (vgl. Díaz 2003: 36). Eine dieser entworfenen und erfolglosen Veränderungen war die gleichzeitige Verwendung von frau und man, die bis zur Vereinigung nur in westlichen Ländern kleinernteils angenommen wurde (vgl. Samel 1995: 93). Die femininen Formen wurden in DDR fast nicht zur Anwendung gebracht, weil die schon gleichberechtigte Frauenposition nach Meinung der DDR-Regierung keine sprachliche Emanzipation in der öffentlichen Sprache brauchte (vgl. Samel 1995: 123). Viele Frauen aus der ehemaligen DDR benutzten zur Berufs- oder Funktionsbezeichnung ständig das Maskulinum und nahmen das nicht als eine diskriminierende Ausdrucksweise wahr, weil sie eigentlich stolz darauf waren, dass sie die früher ausschließlich männlichen Prestigeberufe ausüben. Das 50 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesverwaltung und in den Gerichten des Bundes (BGleiG): Einführungsrundschreiben mit ersten Durchführungshinweisen online zit Verfügbar unter: 51

52 generische Maskulinum im Osten und die Beidbenennung im Westen stellen die noch immer aktuelle Differenz im deutschen Sprachgebrauch dar, wobei es gesagt werden kann, dass der Sprachgebrauch der damaligen DDR noch heute dem vollkommen feminisierten Sprachgebrauch entgegensteht (vgl. Samel 1995: 123) Gesetzliche Maßnahmen in Österreich Die Gleichstellung von Frauen und Männern wurde im Jahre 1867 in Gestalt vom Gleichheitssatz im Staatsgrundgesetz als Verfassungsgebot eingeleitet (vgl. Doleys 2008: 30). Sowie in Deutschland wurde in Österreich im Jahre 1979 das Gleichbehandlungsgesetz ausgearbeitet. Genau ging es um zwei Gesetze, und zwar um ein für die Privatwirtschaft und ein für den Bund. Was aber für diese Arbeit wichtig ist, beschäftigten sich diese Gesetze ursprünglich vor allem mit der Gleichheit und geschlechtergerechter Sprache im Arbeitsleben und, also betrafen sie auch die Stellenausschreibungen, hauptsächlich ihre erste Novellierung 1985 (vgl. Doleys 2008: 32). Seit dem Jahre 1993 hat die Geltung nur eines dieser Gesetze das Bundes-Gleichheitsgesetz (vgl. Doleys 2008: 32). Der Inhalt des österreichischen GIBG 51 unterscheidet sich fast nicht von dem deutschen in beiden steht an der ersten Stelle das Ziel, die Diskriminierung aus der Gesellschaft, und natürlich auch aus der Sprache, zu beseitigen. Wie angedeutet, wurde die Aufmerksamkeit, sowie in dieser Arbeit, besonders den Stellenausschreibungen zugewandt, deshalb werden diese zusammen mit Berufsbezeichnungen mehr in einem selbständigen Kapitel erörtert. Im Fall der Stellenanzeigen steht im Mittelpunkt aber nicht nur der sexistische Sprachgebrauch, sondern auch die Diskriminierung von ethnischen und anderen benachteiligten Gruppen (vgl. Doleys 2008: 32). Was die anderen Personenbezeichnungen betrifft, verdienen die Aufmerksamkeit Titel, Funktions- und Amtsbezeichnungen, deren Verwendung von rechtlichen Grundlagen ebenfalls beeinflusst wurde. Im Jahre 1986 kam es zu einer Veränderung im Arbeitsverfassungsgesetz anstelle der Funktionsbezeichnung Obmann wurde seit dieser Bearbeitung die Bezeichnung der/die Vorsitzende gebraucht. Die nächste Änderung bezog sich auf das Namensrecht, wobei die Aufnahme vom Namen eines Ehemannes seither für die Frauen nicht mehr automatisch war. Diese Änderung war aber eine Frage von neun Jahren und kam vollkommen erst im Jahre 1995 zur Geltung. (Vgl. Doleys 2008: 35) Bis zum Jahre 1988, als eine Bearbeitung in der Verfassungsgesetz-Novelle und in der Beamten-Dienstrechts-Novelle geschah, waren für die Amtsbezeichnungen und Titel in Österreich nur männliche Formen vorhanden. Erst in 90er 51 Abkürzung für Gleichbehandlungsgesetz 52

53 Jahren gelang es, in österreichischen Gesetznovellen weibliche Berufstitel einzuführen. Im Jahre 1990 wurde die Entschließung des Bundespräsidenten betreffend die Schaffung von Berufstiteln veröffentlicht und bereits im Jahre 1993 wurden die akademischen Grade in weiblichen Formen (Bsp.: Magistra) benutzt. (Vgl. Doleys 2008: 36) Das österreichische Gleichbehandlungsgesetz durchlief einige Änderungen, die z.b und 2012 als Erweiterungen hinzugefügt wurden. Die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern wird im Bundes-Verfassungsgesetz festgestellt und unterstützt: (2) Bund, Länder und Gemeinden bekennen sich zur tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten sind zulässig. (3) Amtsbezeichnungen können in der Form verwendet werden, die das Geschlecht des Amtsinhabers oder der Amtsinhaberin zum Ausdruck bringt. Gleiches gilt für Titel, akademische Grade und Berufsbezeichnungen. 52 Die feministische Sprachpolitik in Österreich spiegelte sich im öffentlichen Sprachgebrauch wider. Die Situation war ganz ähnlich wie in Deutschland und anderen Ländern, weil gerade die öffentliche Sprache und der öffentliche Sprachgebrauch die Mehrheit der Gesellschaft beeinflussen kann. Die Umsetzung der Sprache selbst stellte aber in der Praxis viele Probleme dar. (Vgl. Doleys 2008: 38) Bis zum Jahre 1988 gab es in Österreich verschiedene Maßregeln und Verordnungen, die aber nur als Novellen oder Erweiterungen an bereits vorhandene Gesetze angeschlossen wurden. In diesem Jahr wurden die geschlechtergerechte Sprache und ihre Verwendung zum Zentralthema eines ministerialen Rundschreibens, das die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Sport Hilde Hawlicek mit einem Hinweis auf die Empfehlungen von Ruth Wodak verlautbarte (vgl. Doleys 2008: 38). In demselben Jahr (1990), als der deutsche Bundestag die Empfehlungen über maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache (siehe oben) billigte, begann die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in Österreich das Handbuch der Rechtsetzungstechnik regeln. (Vgl. Samel 1995: 143) Im ersten Teil dieses Handbuchs, in den legistischen Richtlinien 1990, gibt es das Kapitel Sprachliche Gleichbehandlung von Frau und Mann, das zur Vermeidung von unsachlichen Differenzierungen zwischen Frauen und Männern und zur auf beide Geschlechter gleiche Rücksicht nehmenden Formulierung auffordert. Geschlechtsneutral sollen z.b. Organ- und Funktionsbezeichnungen, 52 Bundeskanzleramt Rechtsinformationssystem RIS. Gesamte Rechtsvorschrift für Bundes Verfassungsgesetz, Fassung vom online. Bundeskanzleramt Österreich, 2013 zit Verfügbar unter: VG%2c%20Fassung%20vom% pdf 53

54 Unterrichtsfächer und Lehrziele im Schul- und Berufsausbildungsrecht, Rechtsvorschriften über personenstandsrelevante Angelegenheiten u.a. formuliert werden. 53 Nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (1993) und dem ArbeiterInnenschutzgesetz (1994), in denen die geschlechtergerechte Sprechweise in Gesetzen durch Splitting und Großes Binnen-I öffentlich bestätigt wurde, schloss sich diesen jetzt schon konkreten gesetzlichen Maßnahmen im Jahre 1997 Kreatives Formulieren. Anleitungen zu geschlechtergerechtem Sprachgebrauch, das Werk von Maria Kargl, Karin Wetschanow, Ruth Wodak und Néla Perle, an (vgl. Doleys 2008: 39). Im Vergleich mit anderen österreichischen Leitfäden fanden diese Anleitungen bei der Veröffentlichung eine Minister-Unterstützung und behandelte überdies die wesentlichen Ziele und Phänomene der feministischen Sprachkritik wissenschaftlich (vgl. Doleys 2008: 40). Im Zusammenhang mit den gesetzlichen Maßnahmen sollte noch auf das Rundschreiben aus dem Jahre 2002 eingegangen werden, das seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur unter dem Titel Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Bereich des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur initiiert wurde und das, wie aus dem Titel klar ist, vorrangig die Angestellten des Bundesministeriums, sondern auch z.b. alle Ämter der Landesregierungen betrifft. Eine Bedeutung hatte dieses Rundschreiben für die Sprache in Verwaltungs- und Rechtstexten, bzw. in Formularen, Webseiten, öffentlichen Briefen, Zeugnissen usw. (Vgl. Doleys 2008: 40) 4.6. Entwicklung der gesetzlichen Maßnahmen in der Schweiz Neben Deutschland und Österreich sollte die Rede auf die sprachliche Situation in der Schweiz gebracht werden. Obwohl sich diese Arbeit auf die sprachliche Gleichbehandlung und speziell auf die Movierung in der Berufswelt in Deutschland und Österreich spezialisiert, wird folgend kurz die Entwicklung der geschlechtergerechten Sprache in der Schweiz beschrieben. Der Anfang feministischer Aktivität datiert seit den 70er Jahren. In 80er Jahren erwarb die feministische Kritik eine starke Unterstützung in Gestalt von verschiedenen Gleichstellungsbüros, die sich für sprachliche Gleichstellung einsetzten (vgl. Díaz 2003: 38). Der Gleichstellungsartikel erschien in der schweizerischen Verfassung im Jahre 1986 und berührte erstmals auch die sprachliche Gleichstellung. Im Jahre 1988 wurde das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann vom Bundesrat gegründet und nahm sich die Zusammenarbeit mit anderen auf dasselbe Ziel gerichteten Organisationen vor. Diese Institution 53 Bundeskanzleramt Österreich. Handbuch der Rechtsetzungstechnik. Legistische Richtlinien 1990 [online]. Bundeskanzleramt, [zit ]. Verfügbar unter: 54

55 fordert die Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen, d.h. Beseitigung jeglicher Form direkter und indirekter Diskriminierung. 54 Die Tätigkeit dieser Arbeitsgruppe bestand darin, die Vorschläge für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache zu bilden, welche im Jahre 1991 als Sprachliche Gleichbehandlung von Frau und Mann in der Gesetzes- und Verwaltungssprache zur Verfügung gestellt wurden (vgl. Solís 2011: 172) wurde zu den Vorschlägen die kreative Lösung hinzugefügt, die durch Paarformulierungen, Geschlechtsneutralisation und Geschlechtsabstraktion die sprachliche Umsetzung realisieren sollte und seitens der Bundeskanzlei propagiert wurde (vgl. Samel 1995: 143). Aufgrund der Richtlinien des Kantons Bern, die sich mit der Gesetzessprache beschäftigten, kam es im Jahre 1992 zu einem Beschluss von eidgenössischen Räten, der eine Reihe von Gesetzen verursachte (vgl. Albrecht 1993: 75). a) Im Deutschen kann die Gleichbehandlung von Frau und Mann in der Gesetzessprache nach den Grundsätzen der kreativen Lösung schrittweise verwirklicht werden (jedoch ohne Verwendung des grossen I im Wortinnern); 55 Die spezifische Sprachsituation in der Schweiz, die durch Existenz von vier Amtssprachen kennzeichnend ist, wurde im Zusammenhang mit geschlechtergerechter Ausdrucksweise im Jahre 1993 mit dem Bundesratsbeschluss gelöst. Natürlich mussten unterschiedliche sprachliche Möglichkeiten im Französischen und Italienischen berücksichtigt werden (vgl. Albrecht 1993: 76). Viele von den Formularen und anderen administrativen Dokumenten wurden dann in zwei Fassungen geschaffen, um die komplizierten Formulierungen mit Schrägstrich, Klammern, Binnen-I zu vermeiden (vgl. Albrecht 1993: 77). 1. Bei Amts-, Funktions- und Berufsbezeichnungen sowie in Texten der Verwaltung, die sich nicht an Einzelpersonen richten (Berichte, Informationsschriften usw.), werden die Grundsätze der sprachlichen Gleichbehandlung mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden Sprachmittel in allen drei Amtssprachen umgesetzt. 56 Die nächsten Schritte, die unter dem Einfluss von feministischer Sprachkritik unternommen wurden, sind mit der Entwicklung in Deutschland und Österreich vergleichbar. Im Laufe der 90er Jahre wurde einerseits eine Vielzahl von Empfehlungen und Leitfäden zur sprachlichen Gleichbehandlung veröffentlicht, andererseits tauchten auch in einigen Kantonen gewisse Missbilligungen auf. Auf der kantonalen und städtischen Ebene haben alle Maßnahmen 54 Schweizerische Eidgenossenschaft. Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG online. EBG zit Verfügbar unter: 55 Übernommen von Albrecht (1993). 56 Übernommen von Albrecht (1993). 55

56 eher einen Charakter von Empfehlungen als von Verordnungen. (Vgl. Solís 2011: 173) Eine der Anleitungen, die für viele als Nachschlagewerke bezeichnete zukünftige Empfehlungen einen wichtigen Ausgangspunkt bedeutete, war der Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung im Deutschen von der Bundeskanzlei (1996). (Vgl. Solís 2011: 173) Im Zusammenhang mit dem geschlechtergerechten Sprech- und Schreibstil in der Schweiz sollte das oft diskutierte Werk Die Bibel in gerechter Sprache aus dem Jahre 2006 genannt werden, die als ein Kämpfer gegen die diskriminierende Sprache beurteilt wird. Die feministische Sprachkritik begegnete auch in der Schweiz einer Kritik seitens der Öffentlichkeit und der SprachwissenschaftlerInnen. Die Funktionsbezeichnungen und Titel werden beispielweise zwar schon längst geschlechtsspezifisch verwendet, aber z.b. das neue Pronomen frau erreichte dagegen in der Schweiz die Akzeptanz nur kaum (vgl. Samel 1995: 144). Trotz aller betretenen Reaktionen entwickelte sich der geschlechtergerechte Sprachgebrauch in der Schweiz ein bisschen anders und wesentlich schneller als in beiden anderen deutschsprachigen Ländern und zwar nicht nur in der Gesetzes- und Verwaltungssprache, sondern auch in der Öffentlichkeit und im Alltag (vgl. Solís 2011: 164). Alle gesetzlichen Maßnahmen in der Schweiz, sowie in Deutschland und in Österreich gehen Arm in Arm mit allen Richtlinien und Leitfäden, die ständig aktualisiert werden und die sich im Zusammenhang mit der neuen deutschen Rechtschreibung zum Sprachwandel in bestimmter Weise stellen müssen. 56

57 5. Exkurs II: Movierung und Geschlechtsspezifikation bei weiblichen Berufsbezeichnungen aus historischer Sicht Wie bereits in vorigen Kapiteln beschrieben, stellen die Berufsbezeichnungen eine spezielle Gruppe von Personenbezeichnungen dar, die bei den SprachwissenschaftlerInnen Interesse hervorrufen. Vorzugsweise für die feministische Sprachkritik wurden die Berufsbezeichnungen und ihre Movierung zusammen mit Titeln und Graden zu einem Hauptpunkt (vgl. Díaz 2003: 36). Diese Arbeit sollte die gegenwärtige Form von Berufsbezeichnungen und damit selbstverständlich auch die Ergebnisse feministischer Sprachkritik und verschiedener Bemühungen um die sprachliche Gleichstellung im Deutschen untersuchen. Es ist aber nötig, einen kurzen Rückblick in die Geschichte zu machen, um die sprachlichen und gesellschaftlichen Veränderungen besser kennen zu lernen. Da die Berufsbezeichnungen seit jeher als ein Abbild, das die sozialen Geschlechtsrollen (vgl. Díaz 2003: 36), d.h. die Rollenverteilung dokumentiert, dienen, ist es notwendig, die sprachliche und gesellschaftliche Situation als eng verknüpft zu betrachten. Das Kapitel behandelt natürlich vor allem die Berufsbezeichnungen für Frauen, weil das Zentralthema die Movierung und andere Möglichkeiten der Geschlechtsspezifikation besonders an den femininen Personenbezeichnungen sichtbar werden. Im Kapitel 3 gibt es eine kurze Erwähnung über die Movierungs- und Suffigierungsmöglichkeiten im Althochdeutschen. Auf den folgenden Seiten sollte die historische Entwicklung der Movierung und der Geschlechtsspezifikation noch einmal nahegebracht werden. Die nächste kurze Übersicht, welche nicht nur die früheren Wortbildungs-, konkret Suffigierungs- und Kompositionsmittel, des Deutschen bei den femininen Personenbezeichnungen wiedergibt, sondern auch über die damals vorkommenden Berufsbezeichnungen im Zeitraum Jh. berichtet, stützt sich auf Eisermann (2004), die sich einer Untersuchung aufgrund von Grammatiken und Belegen aus Wörterbüchern, Sterberegistern und literarischen Schriften widmet Morphologische Entwicklung der Movierung Bereits im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen dominierte unter den Suffigierungsmöglichkeiten nachweislich die Verwendung vom Derivationssuffix -in, bzw. -inn, -in(na), -in(ne), obwohl ihm bis zum 17. Jh. keine wortbildende Funktion zugeschrieben wurde. Das Suffix -in wurde lange Zeit nur als eine Geschlechtsendung angesehen. Die ersten Grammatiken der deutschen Sprache, die im 16. Jh. entstanden (Albertus 1573, Oelinger 1574, Claius 1578 u.a.), beschreiben schon einige Veränderungen, die bei der Movierung zustande 57

58 kommen (z.b. Umlaut, Endung -rin oder unregelmäßige Bildungen mit zwei Varianten). Die Frage nach der Bedeutung des Suffixes -in, die später auch im Rahmen dieses Kapitels gestellt wird, verdiente in den Grammatiken des 16. Jhs. noch keine große Aufmerksamkeit. (Vgl. Eisermann 2004: 32) Im 17. Jh. wurden die ersten in deutscher Sprache verfassten Grammatiken veröffentlicht (Schottelius 1663, Stieler 1691 u.a.) (vgl. Doleschal 2002: 45). In der Grammatik von Schottelius wird das Suffix -in schließlich als Ableitungsmorphem benannt (vgl. Eisermann 2004: 32), wobei die weiblichen Personenbezeichnungen, in die auch Berufsbezeichnungen einbezogen werden, von der Hauptendung -er abgeleitet werden. Doleschal (2002) gibt ein paar Beispiele von Schottelius an: Beklagtinn, Unholdinn, Waisinn. Eisermann (2004) gibt dazu noch Wörter, die eventuell Berufstätigkeit von Frauen bezeichnet können: Richterinn, Lehrerinn, Spielerinn, Künstlerinn u.a. Neben dem Suffix -in kommt im 17. Jh. das Suffix -sche vor, das aber in vielen Fällen (z.b. von Stieler) abgelehnt wurde. Über die Movierung schreibt ausführlich Bödiker (1698). Er nennt die Movierung als Geschlechts-Abwandelung, die im Deutschen mittels -inn und häufiger als in anderen Sprachen realisiert wird. An dieser Äußerung und an den beigefügten Beispielen zeigt sich, wie hoch die Verwendungsfrequenz von dem in-suffix war. (Vgl. Doleschal 2002: 46) Die Grammatiken des 18. Jhs. (Gottsched 1762, Adelung 1782 u.a.) legen der Polyfunktionalität des in-suffixes einen größeren Wert als die früheren Autoren bei. (Vgl. Eisermann 2004: 34) Gottsched macht Unterschiede zwischen berufstätigen Frauen und Ehefrauen, wobei die weibliche Endung -in zur Bezeichnung von verheirateten Frauen verwendet wird. Die Ausnahme bestätigt aber die Regel, also werden auch bei Gottsched Oberhofmeisterin und Hofmeisterin als zwei Beispiele genannt, die wirklich weibliche Bedienung bezeichnen. (Vgl. Eisermann 2004: 35) Im Unterschied zu Gottsched gibt Adelung dem in-suffix keine klare Bedeutung und beschreibt die klassische Ableitung von weiblichen Bezeichnungen durch das Suffix -inn, das an die auf -er endenden männlichen Bezeichnungen angehängt werden sollte. Trotzdem erscheint auch in der Grammatik von Adelung diese doppelte Bedeutung des Derivationssuffixes. Die Bezeichnung für eine Ehefrau entsteht durch den Anschluss der Endung -in an die substantivierten Adjektive, die nach Adelung normalerweise mit -in nicht gebildet werden können. (Vgl. Eisermann 2004: 36) Es kann gesagt werden, dass im 18. Jh. ein Vorläufer der heutigen Richtlinien zur sprachlichen Behandlung von Frauen und Männern in Erscheinung trat und zwar Grammatisches Wörterbuch der deutschen Sprache von Moritz (1794). In diesem wird beschrieben, welche sprachlichen Mittel bei der Geschlechtsspezifikation angewendet werden sollen. Das Suffix -in wird nach der Verwendung 58

59 von zwei Substantiven unterschiedlichen Geschlechts (Vater x Mutter) und geschlechtsneutralen Bezeichnungen (Gatte für Frauen und zugleich auch für Männer) als dritte Möglichkeit angeboten. (Vgl. Eisermann 2004: 37) So wurde eine gewisse Auswahlmöglichkeit bei der Geschlechtsmarkierung gewährt. Eine sozusagen Monopolstellung des Derivationssuffixes -in in der deutschen Sprache dauerte im 19. Jh. fort. Die Grammatiken (Becker 1824, Grimm 1822, Schötensack 1856 u.a.) brachten nur ein paar Veränderungen mit, die meistens mit dem semantischen Wandel des Movierungssuffixes zusammenhingen. Bei Schötensack sind die substantivierten Adjektive mit dem in-suffix, die früher der Bestimmung einer Ehefrau zustatten kamen, nicht mehr zu sehen. Die Familiennamen, deren weibliche Formen früher das Suffix -in erhielten, gelten in dieser Zeit für ungewöhnlich und werden größerenteils abgelehnt. (Vgl. Eisermann 2004: 38) Obwohl der Begriff das generische Maskulinum in den Grammatiken des 19. Jahrhunderts noch nicht erörtert wurde (vgl. Eisermann 2004: 41), wird Jakob Grimm für den Ersten gehalten, der offen die Möglichkeit bedachte, auch weibliche Personenbezeichnungen mit dem Maskulinum auszudrücken. (Vgl. Doleschal 2002: 53) In Grimms Deutscher Grammatik wird die Movierung durch Zusammensetzung behandelt und die Bezeichnungen auf -frau und -mann stehen auf dem gleichen Niveau wie die durch -in movierten Formen. Die hohe Produktivität des Derivationssuffixes -in bei der Bildung von weiblichen (Berufs)bezeichnungen ist kennzeichnend für alle vier Jahrhunderte, obwohl es nicht immer klar ist, welche Bedeutung die Personenbezeichnung trägt. Aus den vorigen Kapiteln ist es offensichtlich, dass die Frage der Movierung, die Asymmetrie und sexistischer Sprachgebrauch in der deutschen Sprache erst im 20. Jh. zu einem heiklen Thema wurden Bedeutungsentwicklung des Suffixes -in im Deutschen Das Derivationssuffix -in war zwar immer das häufigste Wortbildungsmittel für weibliche Personenbezeichnungen, aber die Bedeutung von abgeleiteten movierten in-bezeichnungen war ebenso häufig nicht eindeutig. Zu den Bedeutungsmöglichkeiten gehörte im Gotischen die Zugehörigkeit von Frauen zu Stämmen, im Spätalthochdeutschen dann die Zugehörigkeit zu einem Mann (vgl. Eisermann 2004: 51). Im Zeitraum Jh. stieg zusammen mit der Verwendungsfrequenz dieses Suffixes auch die Zahl von möglichen Bedeutungen. Insgesamt konnten dem in-suffix 31 Bedeutungsmöglichkeiten zugeordnet werden (vgl. Eisermann 2004: 51). Zu diesen wurden vor allem folgende gezählt: weibliche Person, weibliche Berufstätige, Ehefrau, Tochter, Familienname und Witwe. Eisermann (2004) 59

60 beschreibt aufgrund von anderen Quellen, dass zur Erkennung der Bedeutung eine Sachkenntnis sehr oft erforderlich ist. Die zwei grundlegenden Bedeutungen, die im Prinzip am meisten unterschieden und in vorigen Absätzen dargelegt wurden, sind Ehefrau und berufstätige Frau, d.h. matrimonielle 57 und funktionelle Funktion der in-movierung (vgl. Eisermann 2004: 41). Während in der Vergangenheit besondere Schwierigkeiten durch diese Polyfunktionalität des Movierungssuffixes -in entstehen konnten, begegnet man jetzt in der deutschen Gegenwartssprache nur den Bedeutungen,weibliche Person oder,weibliche (Berufs)tätige, d.h. der funktionellen Movierung Geschlechtsspezifikation in Geschichte des Deutschen Die Geschlechtsspezifikation im Deutschen wurde nicht nur durch das Derivationssuffix -in, sondern auch durch weitere Suffixe und durch die lexeminhärente Markierung realisiert. Obwohl die weiteren Suffigierungsmöglichkeiten überwiegend durch das in-suffix aus der Sprache verdrängt wurden, fanden einige doch Verwendung. An den Beispielen aus verschiedenen Perioden der deutschen Sprache (vor allem seit dem Althochdeutschen) ist aber das Übergewicht dieses geschlechterspezifizierenden Suffixes zu sehen und die Varianten mit -in bilden die absolute Mehrheit von belegten Frauenbezeichnungen. Im Gotischen gab es Suffixe wie -o, -i, -jo, -ini u.a., im Althochdeutschen -a, -ara oder -in und -inna. (Vgl. Eisermann 2004: 46 47) Das Mittelhochdeutsch verfügte über die femininen Endungen -in, -yn, -inn, -ine, -inne, - ern, -ersin, -enen, -irsen-, -irn, u.a. und die Grammatiken, die sich auf Mittelhochdeutsch orientieren, erwähnen sehr oft nur -in und -inne/-inna. (Vgl. Eisermann 2004: 47) In Wörterbüchern aus dem Jh., die Eisermann (2004) als Belege für die Untersuchung benutzte, erscheinen die Endungen -inn, -iss(in), -männ-in, -e, -ersche, -lin u.a., die unter anderem auch zur Bildung von Berufsbezeichnungen dienten. Um diese kurze Übersicht komplett zu machen, sollte noch die Reihe von Suffixen um weitere Suffixe aus dem Neuhochdeutschen erweitert werden und zwar z.b. um die Suffixe -in(n), -iss + -in, iss+ -e, -männ-in, -herr-in, -a, -ante, -es(s)a, -ess, -eß, -esse, -ette, -euse, -iere, -trice, -quin, -üre, -ess+ -in, -ierge u.a. (Vgl. Eisermann 2004: 48) Trotz aller dieser Suffigierungsmöglichkeiten setzte sich bei den Personen- und Berufsbezeichnungen bis ins 20. Jh. sowieso hauptsächlich das in-suffix durch. 57 matrimonielle- zur Ehe gehörende, eheliche, (Ehefrau spezifizierende). Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 58 Vgl. Fleischer/Barz (1995). 60

61 Ein häufiges Mittel zu der in den früheren deutschen Grammatiken nicht so oft erwähnten lexeminhärenten Markierung ist die Komposition. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhren auch die Zusammensetzungen mit -frau eine Bedeutungsveränderung. Während im Althochdeutschen die Frauenbezeichnung Frouwa sowohl eine verheiratete als auch eine unverheiratete, häufig auch eine aus dem vornehmen Stand stammende Frau bezeichnete oder als Titel vor Namen vorkam, erschienen die zusammengesetzten Personenbezeichnungen mit -frouwa nur selten. (vgl. Eisermann 2004: 54) Erst im Frühneuhochdeutschen veränderte sich diese sozial hochstehende Bedeutung und -frau (Frau) wurde für alle erwachsenen Frauen verwendet. Infolgedessen wurde -frau erst in dieser Zeit zu einem Lexem zur Bildung von weiblichen Personen- und speziell Berufsbezeichnungen, weil Frauen aus vornehmer Gesellschaft bis zu dieser Zeit nicht berufstätig waren. Eisermann (2004) führt einige Beispiele von Stieler (1691) an: Amtsfrau, Bürgermeisterfrau, Kauffrau, Waschfrau u.a. (Vgl. Eisermann 2004: 55) Im Gotischen und Althochdeutschen ist fast keine Rede über die Wortbildungslexeme, die zur Geschlechtsspezifikation gebraucht werden könnten. Es sollten nur ein paar Beispiele angegeben werden wie -magad, -magatin,- hure, usw. Im Mittelhochdeutschen sind erwähnenswert die weiblichen Berufsbezeichnungen, die durch folgende wortbildende Lexeme im Mittealter gebildet wurden: -amme, -dirne, -bekine, -hure, -dochter, -mennen, -motter, -nunne, -magd, -fräulein, -mutter, -mädchen, -weib, -aushilfe, -töchter, -nonne u.a. (Vgl. Eisermann 2004: 49) Die unten ausgeschriebenen Beispiele von Berufsbezeichnungen in Wörterbüchern des Jhs. dokumentieren Berufsbezeichnungen auf -amme, -begine, -dame, -dirne, -frau, -jungfer, -mädchen, -magd, -metze, -möhme (muhme), -pranger, -schwerster oder -weib u.a. (Vgl. Eisermann 2004: 49) 5.4. Beispiele von weiblichen Berufsbezeichnungen im Jh. Folgende Berufsbezeichnungen stammen aus den ausgewählten Wörterbüchern, welche von Eisermann (2004) als Unterlagen ausgenutzt wurden. Das Wörterbuch vom Humanisten Josua Maaler (1561) wird als das erste richtige deutsche Wörterbuch der Neueren Zeit bezeichnet, das vom Deutschen wirklich ausgeht. (Vgl. Eisermann 2004: 14) Die Sprachwissenschaftler Kaspar Stieler (1691) und Leonhard Frisch (1741) schöpfen aus dem Werk von Maaler (vgl. Eisermann 2004: 17), wobei Stieler über konkrete Informationen verfügt und unterscheidet, ob die Berufsbezeichnung eine berufstätige Frau oder eine Ehefrau benennt. Ähnlich beschreibt die sprachliche Realität auch das Wörterbuch von Frisch und es wird vermutet, dass seine Darstellung des Wortschatzes weitaus mehr den allgemeinen Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts spiegelt. Zu dieser Vermutung führt Frischs große Auswahl 61

62 an hochwertigen Quellen. (Vgl. Eisermann 2004: 18 19) Das 19. Jh. repräsentiert das Wörterbuch vom Lexikografen Daniel Sanders ( ), das als Konkurrenz zum Wörterbuch von J. und W. Grimm entstand und anstatt etymologischer Methoden einen Aufbau nach onomasiologischen und semasiologischen Kriterien anwendet. Die sprachliche Situation in Bezug auf Berufsbezeichnungen wird auf diese Weise ganz anders beschrieben als in den übrigen drei Wörterbüchern. (Vgl. Eisermann 2004: 20) Alle vier Wörterbücher werden im Rahmen der deutschen Lexikographie als bedeutende Werke wahrgenommen. Es wurde für die Wörterbücher entschieden, weil sie eine sprachdeskriptive und normative Funktion erfüllen sollten. Eisermann (2004) selbst aber gibt zu, dass alle vorkommenden Berufsbezeichnungen, d.h. die Verwendung von movierten Formen oder die Sichtbarmachung von Frauen, von gesellschaftlichen Stereotypen und persönlichen Einstellungen der Autoren beeinflusst werden können. Dazu kommt auch das oben beschriebene Problem der Bedeutungsvielfalt, also ist es nicht immer klar, ob die Berufsbezeichnung wirklich eine berufstätige Frau beschreibt. Es werden immer Beispiele aus den 5, bzw. 6, am meisten vertretenen Berufsbereichen angegeben. Tab. 1.: Weibliche Berufsbezeichnungen bei Josua Maaler (Die Teütsch Spraach, Zürich 1561) Schriftwerkschaffende, schriftwerkordnende und künstlerische Berufe Ordnungs - und Sicherheitsberufe Hauswirtschaftliche Berufe Politik Übrige Fertigungsberufe Aufmützerin Befriderin Dienerin Fürerin Betterin Däntzerin Gaumerin Dienstlin / Dienstmägtlin Fürstin Brotbeckin Erfinderin Hüterin Dienstmagt Gwalthaberin Bützerin Gaucklerin Mittlerin Erneererin Keyserin Flickerin Leyrerin Portnerin Hauszfrauw Künigin Kolerin Pfeyfferin Richterin Hausmagt Leiterin Krantzmacherin Reymendichtere Schiedmännin Hausmuter Ratgeberin Meisterin Sängerin Schiesserin Nachgengerin Regiererin Müllerin Schwäglerin Wächterin Säugam Sengerin Zuchtmeisterin Schliesserin (nach Eisermann 2004: ) 62

63 Tab. 2.: Weibliche Berufsbezeichnungen bei Kaspar Stieler (Teutsche Sprache Stammbaum und Fortwachs ( ), Nürnberg 1691) Übrige Fertigungsberufe Hauswirtschaftliche Berufe Landwirtschaftliche Berufe Schriftwerkschaffende, schriftwerkordnende und künstlerische Berufe Ordnungs- und Sicherheitsberufe Arbeiterin Bettfrau Beuerin, Beüwrin Aufmutzerinn Bergerinn Beckerin Hausschalterinn Drescherin Buchdruckerin Hüterinn Flechterin Kellerin Fischerin Dichterin Kämpferinn Helferinn Küchenmagd Forstfrau Flöterin Rechterinn Klemperinn Köchin Fütterin Geigerin Schützerinn Sattlerinn Kinderträgerin Jägerinn Harfenschlägerin Straferinn Schusterinn Kinderwärterin Mäherinn Leirerinn Urteilerinn Tagelöhnerin Pfarrmagd Milchmagd Malerinn Wächterinn Tischerinn Schlieszerinn Pflanzerinn Schmückerin Werferinn Zimmerinn Wärterin Weiderinn Spielerinn Zollerinn (nach Eisermann 2004: ) Tab. 3.: Weibliche Berufsbezeichnungen bei Leonhard Frisch (Teutsch-Lateinisches Wörterbuch, Berlin 1741) Hauswirtschaftliche Berufe Geistliche und seelsorgerische Berufe Standesbezeichnu -ngen Warenkaufleute Gesundheits- und Körperpflegeberufe, allgemeine Reinigungsberufe Dienerin Äbtissin Canonissin Bankfrau Baderin Dienstbote Begyne Doctorin Backmagd Bademagd Hausfrau Closterjungfer Edeldame Fischerweib Bademöme Haushalterin Hausmutter Freyfrau Gremperin Balbierin Kammerjungfer Nonne Fuhrmännin Lehenfrau Hebamme Kindermutter Ober=Schultinne Hofdame Käuflerin Korbwäscherin Küchenmagd Ober=Schulzin Hofmeisterin Mäklerin Pflegmutter Spühlmagd Priesterin Landmännin Marketenderin Pflegerin Säugamme Priorin Landsmutter Pranger Wäscherin Zuspringerin Regel=Meisterin Zimmer Täntlerin Wehmutter (nach Eisermann 2004: ) 63

64 Tab. 4.: Weibliche Berufsbezeichnungen bei Daniel Sanders (Deutscher Sprachschatz, Hamburg ) Hauswirtschaftliche Berufe Schriftwerkschaffende, schriftwerkordnende und künstlerische Berufe Sozial- und Erziehungsdienstberufe einschließl. (Hoch- )Schulwesen Gesundheits- und Körperpflegeberu -fe, allgemeine Reinigungsberufe Amme Aktrice Directrice Accoucheuse Äbtissin Beschließerin Ballerina Dirigentin Diakonisse/-in Kanonissin Bonne Bogenfängerin Kindergärtnerin Frisiermamsell Nonne Dienstbote Choristin Kindermutter Geburtshelferin Oberin Erzieherin Einbläserin Kleinkinderlehrerin Pflegerin Priesterin Haushalterin Harfenistin Lehrerin Scheuerweib Klosterfrau Geistliche und seelsorgerische Berufe/Prostituiertenge -werbe Kameristin Kneipensängerin Pensionsvorsteheri Todtenwäscherin Ordensschwester n Kochfrau Opernsängerin Pensionsmutter Wäscherin Gassenhirne Küchenmädchen Souffleuse Todtenfrau Wärterin Gassenhure Küchenmagd Tänzerinn Trauerweib Wehefrau Gelegenheitsmacherin (nach Eisermann 2004: ) Kommentar zu den ausgewählten Beispielen Die oben angeführten Beispiele stellen nur ein kleines Bruchstück aus den in Wörterbüchern vorhandenen Wortlisten mit weiblichen Berufsbezeichnungen dar. Trotzdem ermöglichen diese Beispiele sowohl die morphologischen als auch die gesellschaftlichen Veränderungen zu erkennen. Es ist aber nötig zu berücksichtigen, dass in allen vier Wörterbüchern bestimmte Unsicherheit über die wirkliche Bedeutung von weiblichen Berufsbezeichnungen entsteht (siehe oben 5.2.). Aus den Tabellen ist es deutlich, dass das Derivationsmorphem -in in allen Wörterbüchern eine dominierende Rolle spielt. Während im 16. und 17. Jh. die Verwendung von in-derivation bei der Bildung von weiblichen Berufsbezeichnungen bei 80 % lag (vgl. Eisermann 2004: 178), erfuhr die lexeminhärente Feminin-Markierung im 18. und 19. Jh. eine Steigerung und der Anteil beider geschlechtsspezifizierenden Möglichkeiten wurde fast ausgeglichen. Das lässt sich auch an den Beispielen ablesen. Das überwiegende in-suffix aus dem 16. und 17. Jh. wurde in folgenden Jahrhunderten bei vielen Bezeichnungen durch andere Lexeme ersetzt. Im 16. Jh. tauchte die Variante -männ-in und Suffixe -e, -lin auf, zu den weiteren Lexemen gehörte z.b. -frauw, -am, -magt, -mutter u.a. Im Wörterbuch aus dem 17. Jh. diente zur Ableitung von weiblichen Berufsbezeichnungen ausschließlich das in-suffix, wobei die Variante -inn im Vergleich mit weiteren Wörterbüchern sehr häufig vorkam. Die lexeminhärente Feminin-Markierung durch 64

65 -magd und -frau wurde sowohl im 16. als auch im 17. Jh. besonders im Bereich der hauswirtschaftlichen, landwirtschaftlichen oder geistlichen Berufe und Gesundheitsberufe verwendet. Es ist vermutlich, dass das in-suffix überwiegend bei Ableitungen von männlichen Berufsbezeichnungen eine Anwendung fand, während die geschlechtsspezifizierenden Lexeme wie -frau, -magd, -hure, -amme usw. die typischen Frauentätigkeiten bezeichneten, zu denen auch z.b. das Prostituiertengewerbe gerechnet werden kann. Obwohl das an Beispielen von Maaler (1561) nicht direkt offensichtlich ist, wurden die weiblichen von den männlichen Berufsbezeichnungen nur durch die Endung unterschieden, das Stammmorphem änderte sich in dieser Zeit noch nicht. (Vgl. Eisermann 2004: 76) Erst bei Stieler (1691) ist die Köchin zu finden. Das Wörterbuch von Frisch (1741) kennzeichnet sich, wie vorher erwähnt, durch die größere Anzahl von den lexeminhärenten Möglichkeiten der Geschlechtsspezifikation. Obwohl das in-suffix noch ein wesentliches Übergewicht behauptete, erschienen neben den bereits früher besprochenen Lexemen noch weitere: z.b. -begyne, -weib, -mutter, -nonne, -schwester, -pranger, -dame und interessant ist auch die Geschlechtsmarkierung Dienstbote, die erst in diesem Wörterbuch angeführt wurde. Im 19. Jh. gab es natürlich auch mehrere Suffigierungsmöglichkeiten wie z.b. -euse, -ice, -ante u.a. Die Situation im Wörterbuch von Sanders ( ) ist mit derjenigen im Wörterbuch von Frisch vergleichbar, d.h. die Position des Suffixes -in als des Hauptmittels und die Position der lexeminhärenten Markierung als einer an Bedeutung zunehmenden Möglichkeit bei der Bildung von weiblichen Berufsbezeichnungen bleibt ähnlich. Unter den Lexemen ist zweifellos interessant die Bezeichnung mit -mamsell, die eine Herkunft im französischen Mademoiselle hat. 59 Bei Sanders erregen die Aufmerksamkeit noch weitere Berufsbezeichnungen, die auch aus dem Französischen stammen, z.b.: Directrice, 60 Aktrice, 61 Souffleuse oder Accoucheuse 62. In den Tabellen befinden sich noch weitere Berufsbezeichnungen, die von der Rechtsschreibung der deutschen Gegenwartssprache abweichen (z.b. Keyserin, Begyne, Reymendichtere, Pfeyfferin u.a.), und auch solche, die im Deutschen heutzutage kaum zu sehen sind (z.b. Weisemutter, Scheuerweib, u.a.). Interessant ist auch die Tatsache, dass die feministische Sprachkritik einige Berufsbezeichnungen für Frauen im heutigen Deutsch vermisst und movieren möchte, die ehemals in Wörterbüchern der vergangenen Jahrhunderte in movierten 59 Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 60 leitende Angestellte in der Bekleidungsindustrie, die als ausgebildete Schneiderin Modelle entwirft. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 61 Schauspielerin. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 62 Geburtshelferin. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 65

66 Formen verzeichnet wurden. Auf einer Seite könnte die Bemühung um die neue Rollenverteilung und sprachliche Veränderungen mit Hinweis auf die älteren Quellen verteidigt werden, auf der anderen Seite bietet sich die Frage an, ob die Frauen im 17. Jh. wirklich im Beruf Kämpferinn oder Schusterinn tätig waren. Das fällt aber in ein anderes Forschungsgebiet. 66

67 II. Analytischer Teil 6. Einleitung Die Wandlung der deutschen Gegenwartssprache ist eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen, denn jede Sprache muss passende Ausdrücke zur Beschreibung der stets verändernden Welt seit jeher suchen. Auf den vorangehenden Seiten wurde auf die Berufsbezeichnungen im heutigen Deutsch schon eingegangen, vor allem im Zusammenhang mit der feministischen Sprachkritik, bzw. mit der sprachlichen Gleichbehandlung und den gesetzlichen Maßnahmen, welche einen Kurs auf die geschlechtergerechte Sprache halten. Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit wurde auch mehrmals mitgeteilt und zwar die Movierung und die Geschlechtsspezifikation im Berufsbereich. Als Untersuchungsmaterialien wurden die Stellenanzeigen gewählt. Im Rahmen der feministischen Sprachwissenschaft wurden die Stellenanzeigen zu einem speziellen Bereich, in dem gegen sexistischen Sprachgebrauch gekämpft wird. Die Bedingungen für Frauen in der Arbeitswelt werden noch heute manchmal mit Wörtern erwerbstätig, arbeitslos oder teilzeitbeschäftigt gefasst und die KritikerInnen mit allen Richtlinien werben für Frauenbezeichnungen, die an der ersten Stelle explizit angegeben werden sollen. (Vgl. Samel 1995: 139) Die Berufs-, Amts- und Funktionsbezeichnungen fügen sich in eine große Kategorie zusammen, der im Rahmen der staatlichen Gesetzgebung eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es gibt bestimmte Normen für diejenigen Berufe, die staatlich anerkannt sind (vgl. Díaz 2003: 52), und diesen direkt auf Stellenanzeigen und Berufsbenennungen gezielten Maßnahmen wenden sich jetzt kurz die folgenden Zeilen zu. Einer der ersten bedeutsamen Schritte, der bestimmte Veränderungen bei Stellenausschreibungen in Deutschland hervorrief, war die europäische Richtlinie zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Arbeitsleben im Jahre (Vgl. Samel 1995: 94) Seit dem Jahre 1979 mussten sowohl männliche als auch weibliche Berufsbezeichnungen in Ausbildungsanordnungen genannt werden (vgl. Samel 1995: 94) und seit dem Jahre 1980 betraf das Bürgerliche Gesetzbuch nicht nur geschlechtsbezogenes Benachteiligungsverbot ( 611a), sondern auch die Arbeitsplatzausschreibung ( 611b), wobei der Arbeitgeber einen Arbeitsplatz weder öffentlich noch innerhalb des Betriebs nur für Männer oder nur für Frauen ausschreiben darf. (Vgl. Greve/Iding/Schmusch 2002: 106) 1998 wurde aufgrund des Rechtsspruchs des Europäischen Gerichtshofes ein Gesetz zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Arbeitsgerichtsgesetzes aufgenommen und die Frage der Arbeitsstellen wurde neu gelöst. (Vgl. Greve/Iding/Schmusch 2002: 107) Zur Realisierung dieser Regelung waren natürlich auch die 67

68 Veränderungen in der Sprache nötig, weil es noch für einige Frauenberufe keine entsprechenden Benennungen gab. Das war die Folge der Verwendung von maskulinen Formen als Archilexemen (Gesamtbezeichnungen). (Vgl. Samel 1995: 96) Die Movierung als eine der häufigsten geschlechtsspezifizierenden Mittel wurde aber in einigen Fällen durch andere Formen der Sexusangabe ersetzt und nicht selten als Unterscheidungsmittel zwischen älteren (typischen und movierten) und neueren Frauenberufen angesehen. (Vgl. Oksaar 1976: 85) In dieser Hinsicht spielten eine wichtige Rolle verschiedene Richtlinien (siehe Kapitel 4). Wichtig ist, dass bis heute eine Norm für Stellenausschreibungen im Bürgerlichen Gesetzbuch stark verankert ist. Nach dem Paragraph 611b müssen alle Stellenausschreibungen grundsätzlich neutral formuliert werden. 63 Die Gleichstellungspolitik spiegelt sich nicht nur im Bürgerlichen Gesetzbuch wider, sondern auch im Bundesgleichstellungsgesetz, und fällt heute vor allem in die Kompetenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Jugend und Frauen. Im Gesetz zur Gleichstellung in der Bundesverwaltung und in den Gerichten des Bundes vom 30. November 2001 befindet sich 6, der die Arbeitsausschreibungen behandelt: Die Dienststelle darf einen Arbeitsplatz weder öffentlich noch innerhalb der Dienststelle nur für Männer oder nur für Frauen ausschreiben. Der gesamte Ausschreibungstext muss so ausgestaltet sein, dass er nicht nur auf Personen eines Geschlechts zugeschnitten ist. 64 Auf der Bundesebene war für die nichtsexistischen Stellenangebote wichtig auch der Bericht der Arbeitsgruppe Rechtssprache vom 17. Januar 1990, der bereits erwähnt wurde und in dem es Empfehlungen eher für die Verwaltungssprache als für die Ausdrucksweise in Stellenanzeigen gab. Trotzdem wurde in diesem Bericht klar festgestellt, dass die Bezeichnungen für Frauen normativ festgelegt werden müssen und dass zugleich mit der ausdrücklichen Angabe der femininen Berufsbezeichnung verdeutlicht werden sollte, dass dieser Beruf Frauen offensteht ], und dass die Vorstellung, die maskulin umschriebenen Berufe 63 HERMANN, Jens. Diskriminierung im arbeitsrechtlichen Alltag und die möglichen Folgen online. MAGOLD, WALTER & HERMANN Rechtsanwaltspartnerschaft, 2013 zit Verfügbar unter: 64 Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugend und Frauen. Erster Erfahrungsberichtder Bundesregierung zum Bundesgleichstellungsgesetz. Osnabrück: KIWI GmbH, S. 78. Verfügbar auch unter: Anlagen/Erfahrungsbericht_20der_20Bundesregierung_20zum_20Bundesgleichstellungsgesetz,property=pdf,bereic h=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf [Stand: ] 68

69 seien nur oder vorwiegend Männerberufe 65, irrtümlich ist. Solche sprachliche Sichtbarmachung sollte auf dieser Weise auch die Chancen von Frauen im Berufsbereich sichtbar machen. In der österreichischen Arbeitswelt herrscht eine vergleichbare Situation wie in Deutschland. Maßgebend ist in Österreich das Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung, das erst im Jahre 1985 zum Teil des Gleichbehandlungsgesetzes wurde. Nach einer Novellierung 1990 wurde dieses Gebot als 2c schließlich festgelegt. 66 2c GIBG besagt, dass der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin einen Arbeitsplatz weder öffentlich noch innerhalb des Betriebes (Unternehmens) nur für Männer oder nur für Frauen ausschreiben oder durch Dritte ausschreiben lassen darf, es sei denn, ein bestimmtes Geschlecht ist unverzichtbare Voraussetzung für die Ausübung der vorgesehenen Tätigkeit. Die Ausschreibung darf auch keine zusätzlichen Anmerkungen enthalten, die auf ein bestimmtes Geschlecht schließen lassen. 67 Im Bundesverfassungsgesetz wird dann festgesetzt, dass neben den Amtsbezeichnungen, Titeln und akademischen Graden auch die Berufsbezeichnungen beide Geschlechter in Betracht ziehen müssen. In den Jahren wurden weibliche Berufsbezeichnungen in einer Reihe von Novellen und Verordnungen gelöst. (Vgl. Doleys 2008: 36) Das Gutachten von Petra Smutny (2000), in dem wichtige Informationen für diese Arbeit ausgesucht wurden, wird heute für ein grundlegendes Material gehalten, das zur Bewertung von Stellenanzeigen dient. Seit dem Jahre 2004 bildet das Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung einen Bestandteil des GlBG für die Privatschaft im Paragraph 9. Eine geschlechtsspezifische Ausschreibung ist natürlich möglich, aber, wie im Gleichbehandlungsgesetz erklärt, nur in der Situation, wenn die bestimmte Tätigkeit ausschließlich nur von einem der Geschlechter ausgeübt werden kann oder muss. 68 Die Regeln beim Erstatten von Stellenanzeigen betreffen nicht nur die Überschrift, sondern den ganzen Inhalt eines Stellenangebots und als rechtswidrig können auch z.b. 65 Deutscher Bundestag. Drucksache 12/1041.Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht der Arbeitsgruppe Rechtssprache vom 17. Januar Bonn: Verlag Dr. Hans Heger, 1991, S ISSN zit Verfügbar auch unter: [Stand: ] 66 Bundeskanzleramt Österreich. Der Bericht der Gleichbehandlungsanwalt is 3 Abs 5 GBK/GAW-Gesetz: Geschlechtergerechte Stellenausschreibung. Wien, 2009, S SMUTNY, Petra. Gutachten gemäß 5 Abs 1 Gleichbehandlungsgesetz zum Gebot der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung ( 2c GlBG). Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, 2000, S. 4. Verfügbar auch unter: [Stand: ] 68 FEIGL, Susanne. Geschlechtergerechte Stellenausschreibung: unabhängiger Bericht der Gleichbehandlungsanwaltschaft is 3, Abs. 5 GBK/GAW-Gesetz. Bundeskanzleramt Österreich, Gleichbehandlungsanwaltschaft bei der Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen: Wien, 2009, S. 25. ISBN Verfügbar auch unter: 69

70 fremdsprachige Berufsbezeichnungen bezeichnet werden, bei denen unsicher ist, ob sie auf Frauen oder auf Männer gerichtet sind. 69 Im Jahre 2008 wurde an eine Ergänzung des Bundes- Gleichbehandlungsgesetzes um 10a Gebot der sprachlichen Gleichbehandlung angegangen und im Jahre 2013 legte die Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes die Ausweitung der Verpflichtung zur Entgeltangabe in Stellenanzeigen fest. 70 Gegenüber den vergangenen Jahrzehnten könnte gesagt werden, dass es im 20. und 21. Jh. infolge des schnellen Wachstums zu einer radikaleren funktionalen Neustrukturierung im Arbeitsleben (vgl. Oksaar 1976: 74) und damit auch innerhalb der Berufsbezeichnungen kam. Die für die Frauen früher begrenzten Arbeitsmöglichkeiten werden schrittweise breit, obwohl unsere Arbeitswelt noch von den Stereotypen in bestimmter Hinsicht beeinflusst wird. Aufgrund der in vorigen Kapiteln beschriebenen Neuerungen im Bereich der sprachlichen Geschlechtergerechtigkeit scheint es, dass sich für Frauen zusammen mit der Arbeitswelt auch das sprachliche Tor in die deutsche Gegenwartssprache eröffnet, die dem Sprachwandel entgegengeht. Die folgende Untersuchung stellt einen Versuch dar, die geschlechtergerechte Entwicklung der deutschen Gegenwartssprache, besonders im Berufsbereich, nachzuweisen und die Gebrauchshäufigkeit der Movierung, bzw. anderer sprachlicher Maßnahmen zur Geschlechtsspezifikation, an Stellenanzeigen festzustellen. Zugleich bietet sich auch die Möglichkeit zu überprüfen, ob die gesetzlichen Maßnahmen zur diskriminierungsfreien sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Berufsbereich eingehalten werden. 69 Ebd., Gleichbehandlungsanwaltschaft Österreich. Novelle des Gleichbehandlungsgesetzes veröffentlicht online. Bundeskanzleramt Gleichbehandlungsanwaltschaft, [zit ]. Verfügbar unter: /6880/default.aspx 70

71 6.1. Auswahlkriterien für die Analyse Wie bereits angedeutet, bilden die Unterlagen für den praktischen Teil dieser Arbeit die Stellenanzeigen. Gesammelt und untersucht wurden die Stellenanzeigen im Internet im Zeitraum vom Oktober 2013 bis Februar Das Untersuchungsmaterial wurde aus 16 deutschen und österreichischen Webseiten gewonnen, die zu den größten deutschen und österreichischen Jobbörsen im Internet gehören. Für Zwecke der Untersuchung wurden folgende deutsche Webseiten ausgewählt: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: Unter den österreichischen Internetseiten wurden folgende untersucht: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: online Letzter Zugriff am: In den meisten Fällen handelt es sich um Internetseiten, die sich auf Stellenangebote in den verschiedensten Tätigkeitsbereichen konzentrieren. Die einzige Ausnahme stellt die österreichische Webseite dar, die sich auf Jobs in Handwerk, Handel, Gastronomie und Tourismus spezialisiert. Sowohl unter den deutschen als auch unter den österreichischen untersuchten Seiten finden sich auch drei Internetbörsen, die als Stellenmärkte und Karriereberatung im Rahmen der jeweiligen Qualitätsmedien (Die Süddeutsche Zeitung, Der Standard, Die Presse) betrieben werden. Zunächst wurden alle Stellenanzeigen nach bestimmten Berufskategorien geordnet. Diese Einteilung verschiedener 71

72 Berufe könnte eventuell ermöglichen, die mehr oder wenig movierten, unmovierten und geschlechtergerechten Kategorien, bzw. den Frauen- und Männeranteil an konkreten Berufen, zu bestimmen. Der zweite Gesichtspunkt fällt aber in einen anderen Untersuchungsbereich und fordert eine noch größere Menge von Unterlagen an. Die Stellenanzeigen wurden in die folgenden Berufsfelder eingeteilt: 1. Verwaltung, Administration 2. Finanzen und Bankwesen 3. Chemie und Lebensmittelindustrie 4. Bauwesen 5. Handel 6. Schulwesen, Bildung 7. Dienstleitungen 8. Gesundheitswesen, Medizin 9. Handwerk 10. Politik, Schutz, Rechtswesen und Justiz 11. Wissenschaft, Forschung Es ist erforderlich, die Kategorie Dienstleistungen näher zu bringen, weil es um eine relativ problematische Kategorie geht. In diese Kategorie lassen sich nämlich auch bestimmte Berufe aus anderen ausgewählten Berufsfeldern einordnen. Deshalb gehören hierher vor allem Berufe aus dem Bereich des Tourismus, des Hotelwesens oder Berufe, die nicht direkt zu den anderen Kategorien gezählt werden können. Der weitere Schritt bestand darin, dass für die einzelnen Stellenanzeigen eine neue Aufteilungsart gebildet wurde und zwar Aufteilung nach den Typen der gesammelten Anzeigen, d.h. nach den sprachlichen Kriterien, z.b. nach dem Typ der sprachlichen (graphischen) Geschlechtsspezifikation: 1. Stellenanzeigen mit den für Männer ausgeschriebenen Stellen 2. Stellenanzeigen mit den für Frauen ausgeschriebenen Stellen 3. Splitting (Beidbenennung, graphische Geschlechtsspezifikation) a) Schrägstrich: /in, /-in, /e, /er, /r, /n, /innen, u.a. b) Schrägstrich: lexeminhärente Geschlechtsspezifikation /mann, /frau, /bursche, /mädchen, /pfleger, /schwester, u.a. c) Schrägstrich: beide Formen werden vollkommen ausgeschrieben d) Das Große Binnen-I 72

73 e) Klammern f) Gender Gap g) Großschreibung am Wortende h) Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten i) m/w 4. Neutrale Berufsbezeichnungen 5. Fremdwörter und fremdsprachige Stellenanzeigen 6. Nicht spezifizierte Stellenanzeigen, generische Form von Berufsbezeichnungen 7. Spezielle Stellenanzeigen Bei diesem Verfahren diente als eine bestimmte Inspiration die bereits publizierte Untersuchung von Melanie Greve, Marion Iding und Bärbel Schmusch Geschlechtsspezifische Formulierungen in Stellenangeboten aus dem Jahre 2002, die auch auf den vorstehenden Seiten zitiert wurde. Einige Kategorien werden zwar nicht besetzt, trotzdem werden sie aber als selbständige Gruppen angeführt, weil sie zu den heutigen Mitteln der geschlechtergerechten Sprache gleichermaßen gehören. Im Laufe der Sortierung erschienen einige Berufsbezeichnungen, deren Einordnung wesentliche Schwierigkeiten machte, weil es sich um unklare, zu keiner konkreten Kategorie gehörende Grenzfälle handelte. Dadurch entstanden Kategorien mit Stellenanzeigen, die als nicht spezifizierte oder spezielle bezeichnet werden müssen, denn einige Personenbezeichnungen weisen uneinheitliche oder selten vorkommende Merkmale auf. In solche Gruppen fällt auch die Kategorie Kombinationen von Splitting- Möglichkeiten. Die m/w-kategorie muss dann anschließend auch ausführlicher besprochen werden, weil sie im Grunde fast alle Unterscheidungsmerkmale der festgelegten Kategorien einschließt. Das gesamte Untersuchungsmaterial umfasst 4984 Stellenanzeigen, 2482 aus den deutschen und 2502 aus den österreichischen Webseiten. Die deutschen und österreichischen Webseiten wurden absichtlich getrennt analysiert, um die sprachliche Situation in beiden Ländern besser vergleichen zu können. 73

74 6.2. Ergebnisse der Untersuchung: Stellenanzeigen in deutschen Internet-Jobbörsen Die Tabelle präsentiert in Zahlen, wie viele Stellenanzeigen versammelt wurden und wie viele von ihnen die jeweiligen festgelegten Kategorien umfassen. Von einer übersichtlichen Darstellung der Ergebnisse kann man bereits auf den ersten Blick die sprachlichen Tendenzen auf deutschem Internetstellenmarkt ablesen. 1. Stellenanzeigen mit den für Männer ausgeschriebenen Stellen Stellenanzeigen mit den für Frauenausgeschriebenen Stellen Splitting (Beidbenennung, graphische Geschlechtsspezifikation) a) Schrägstrich: /in, /-in, /e, /er, /r, /n, /innen, u.a. 703 b) Schrägstrich: lexeminhärente Geschlechtsspezifikation /mann, /frau, /bursche, 49 /mädchen, /pfleger, /schwester, u.a. c)schrägstrich: beide Formen werden vollkommen ausgeschrieben 195 d) Das Große Binnen-I 14 e) Klammern 17 f) Gender Gap 0 g) Großschreibung am Wortende 0 h) m/w 1134 i) Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten Neutrale Berufsbezeichnungen Fremdwörter und fremdsprachige Stellenanzeigen Nicht spezifizierte Stellenanzeigen, generische Form von Berufsbezeichnungen Spezielle Stellenanzeigen 15 Total 2482 Tab.5: Anzahl von Stellenanzeigen Kommentar: Die Besetzung einzelner Kategorien spricht zugunsten der feministischen Sprachkritik und der gesetzlichen Maßnahmen, weil die Stellenanzeigen, die beide Geschlechter auf einmal ansprechen, im Vergleich mit den nicht spezifizierten und dadurch diskriminierenden Stellenanzeigen dominieren. Die Kategorie m/w ist den übrigen zahlenmäßig überlegen. Danach folgen die weiteren Subkategorien des Splittings, mit dessen Hilfe insgesamt 2248 Berufsbezeichnungen (ca. 91 %) gebildet werden. Dennoch gibt es in der Splitting-Gruppe auch zwei graphische Gestaltungen, Gender Gap und Großschreibung am Wortende, die auf den deutschen Internetseiten offensichtlich noch keine Anwendung fanden. Kein häufiges Vorkommen wurde auch bei Großem Binnen-I und Klammern registriert. Besonders das Große Binnen-I wurde bei der Einführung von geschlechtergerechten Veränderungen der Sprache 74

75 negativ als ein grammatischer Verstoß wahrgenommen. 14 Stellenanzeigen zeigen leider keine radikale Wende in der Nutzung von I bei Berufsbezeichnungen. Die Anzahl 55 in der Kategorie von ausschließlich auf Frauen gerichteten Stellenanzeigen und die Anzahl von den Schrägstrich-Stellenanzeigen weisen darauf hin, dass der Gebrauch vom generischen Maskulinum im Rahmen der Berufsbezeichnungen langsam schwindet. Es ist aber nötig zu berücksichtigen, dass der generische Gebrauch noch in weiteren Kategorien (6, m/w) erscheint und besprochen wird Ergebnisse der Untersuchung: Stellenanzeigen in österreichischen Internet-Jobbörsen Folgende Angaben haben die Aufgabe, die numerischen Ergebnisse vorzulegen, die in dem österreichischen Raum von Internet-Stellenangeboten gewonnen wurden. Vor der Detailanalyse auf den nächsten Seiten ist es möglich, sich nicht nur ein Bild von den charakteristischen Merkmalen der Internet-Stellenanzeigen in Österreich zu machen, sondern auch diese Merkmale mit den Ergebnissen in Deutschland zu vergleichen. 1. Stellenanzeigen mit den für Männer ausgeschriebenen Stellen Stellenanzeigen mit den für Frauen ausgeschriebenen Stellen Splitting (Beidbenennung, graphische Geschlechtsspezifikation) a) Schrägstrich: /in, /-in, /e, /er, /r, /n, /innen, u.a. 705 b) Schrägstrich: lexeminhärente Geschlechtsspezifikation /mann, /frau, /bursche, 37 /mädchen, /pfleger, /schwester, u.a. c) Schrägstrich: beide Formen werden vollkommen ausgeschrieben 88 d) Das Große Binnen-I 349 e) Klammern 30 f) Gender Gap 0 g) Großschreibung am Wortende 3 h) m/w 1019 i) Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten Neutrale Berufsbezeichnungen Fremdwörter und fremdsprachige Stellenanzeigen Nicht spezifizierte Stellenanzeigen, generische Form von Berufsbezeichnungen Spezielle Stellenanzeigen 18 Total 2502 Tab.6.: Anzahl von Stellenanzeigen 75

76 Kommentar: Was die österreichischen Stellenanzeigen anbelangt, befindet sich in der Tabelle nur eine Kategorie, der keine Berufsbezeichnungen zugeordnet wurden. Gender Gap stellt eine Einzelerscheinung dar, die nur zweimal im Rahmen der Kombinationen von Splitting- Möglichkeiten erschien, wobei es sich aber um ein unklares Beispiel handelt. Zu den am wenigsten besetzten Gruppen gehört Großschreibung am Wortende, die im heutigen Deutsch ebenfalls selten zu sehen ist. Das Große Binnen-I wird in den österreichischen Stellenanzeigen reichlich vertreten (349). Beim Vergleich mit den vollkommen formulierten Berufsbenennungen (88) könnte gesagt werden, dass das Streben nach einem geschlechtergerechten und zugleich sprachökonomischen Formulieren einen wesentlichen Einfluss bei der Stellenausschreibung hat. Während der Prozentanteil der Splitting-Stellenanzeigen ca. 92 % (2292) ist, partizipieren an den übrigen 8 % vor allem neutrale Berufsbezeichnungen und nicht spezifizierte oder generische Formen von Stellenanzeigen. Obwohl die für Frauen und für Männer ausgeschriebenen Stellenanzeigen im Verhältnis 33:13 stehen, weisen die generisch formulierten Stellenanzeigen und die Tabelle selbst darauf hin, dass die österreichische Berufswelt einerseits das generische Maskulinum in bestimmten Fällen noch immer gebraucht, andererseits aber den Neuigkeiten und graphischer Gleichbehandlung in der Gegenwartssprache entgegenkommt. Trotz der unwesentlich größeren Anzahl von österreichischen Stellenanzeigen lassen sich die Ergebnisse in beiden Ländern miteinander vergleichen. In einigen Kategorien werden sehr ähnliche Angaben beobachtet. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gibt es mehr als doppelt so viele Stellenanzeigen, die speziell Frauen anreden, als Stellenanzeigen mit Referenz auf Männer. Fast identisch ist das Ergebnis der Kategorie Schrägstrich: /in, /-in (D. 703, Ö. 705). Die neutralen Berufsbezeichnungen werden in Österreich den Untersuchungsergebnissen gemäß mehr bevorzugt. Das Splitting bietet eine interessante Einsicht an und mit Ausnahme von dem oben genannten Schrägstrich /in ( ) gibt es in diesen zwei Ländern bemerkenswerte Unterschiede, die verdienen, erwähnt zu werden. Der markante Unterschied lässt sich in der Kategorie Das Große Binnen-I sehen. In den deutschen Anzeigen wurden 14 solche Berufsbezeichnungen gefunden, in den österreichischen machen die Benennungen mit I die Zahl 349 aus. Was die vollkommen ausgeschriebenen Stellenanzeigen betrifft, gewinnt eindeutig Deutschland mit 195 im Vergleich zu 88 österreichischen vollständigen Stellenannoncen. In den österreichischen Stellenanzeigen ist die Gebrauchshäufigkeit von den nicht so gewohnten Splitting-Varianten ein bisschen höher als in Deutschland und das zeigt sich auch an Beispielen in Kategorien Klammern und Großschreibung am Wortende. Die Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten befinden sich zwar in größerem Maße in deutschen Belegen, aber 76

77 trotzdem kann festgestellt werden, dass das österreichische Deutsch viel mehr zu dem Sprachwandel und zu den mit ihm zusammenhängenden sprachlichen Neuerungen tendiert. 7. Analyse der untersuchten Stellenanzeigen Die nächsten Unterkapitel befassen sich kurz mit der Beschreibung von den einzelnen Kategorien und bieten einen Blick in die Berufsbezeichnungen der deutschen Gegenwartssprache an. Obwohl die Untersuchung in erster Linie großen Wert auf die Movierung legt, werden Schritt für Schritt alle Typen der erforschten Stellenanzeigen und weitere Möglichkeiten der sprachlichen Geschlechtsspezifikation besprochen. Aufgrund der vorausgehenden Einteilung von Stellenanzeigen werden verständlicherweise auch die nachfolgenden Kapitel immer zunächst den Untersuchungsergebnissen in Deutschland und anschließend in Österreich gewidmet. Zu jeder Kategorie werden konkrete ausgewählte Beispiele hinzugefügt, die aus technischen Gründen mit Ziffern x bezeichnet und erst im Anhang ordentlich zitiert werden. Die angeführten Beispiele sind in den meisten Fällen nur Fragmente, denn die Stellenanzeigen im Internet haben sehr oft eine längere Form als die Zeitungsanzeigen. Es wurden diejenigen Teile ausgewählt, die als anschauliche Beispiele angeführt werden können und an denen sich die konkreten Erscheinungen demonstrieren lassen Stellenanzeigen, die nur für Männer ausgeschrieben sind Diese Gruppe, in die nur männliche Formen von Berufsbezeichnungen eingestuft wurden, enthält Stellenangebote, die im Unterschied zu den weiteren Anzeigen in vollem Umfang gelesen und nachgesucht werden mussten. Viele von den männlichen Stellenanzeigen wurden nach einer ausführlichen Durchsuchung der Kategorie generische Form oder nicht spezifiziert zugeordnet, weil es sich nicht direkt um die nur für Männer ausgeschriebenen Stellen handelte, sondern um Stellenangebote, die nur einen männlich formulierten Titel hatten und im weiteren Text der Stellenanzeige beide Geschlechter nicht explizit aber trotzdem ansprachen. (Siehe nächste Unterkapitel ) Deutschland Die Anzahl von den für Männer ausgeschriebenen Stellen auf den deutschen Webseiten ist 27. Die meisten gehören in die Berufsfelder Handwerk und Gesundheitswesen wie z.b. Schmied, Zimmermann, Heizungsmonteur, Mediziner/Arzt oder Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger. 77

78 1 Wir suchen für einen familiären und sehr erfolgreichen Heizungs-/Sanitärbetrieb, einen kundenfreundlichen und gewissenhaften Heizungsmonteur Die oben genannten Beispiele von Stellenanzeigen enthalten neben den heimischen Suffixen (bzw. Lexemen) -er, -mann auch das Fremdsuffix -eur. Im Laufe der Untersuchungsbeschreibung werden im Rahmen einzelner Subkategorien noch weitere maskuline Suffixe dargestellt. Österreich Bei der Analyse der österreichischen Webseiten wurden insgesamt nur 13 rein männliche Arbeitnehmer suchende Stellenanzeigen aufgefunden. Was die österreichischen Stellenangebote betrifft, überwiegen die Stellen aus dem Bereich Handwerk, konkret Gastronomie. Bsp.: junger Küchenchef, Schankbursch, Pizzakoch, Konditor/Zuckerbäcker. Bis auf ein paar Ausnahmen geht es in den meisten Fällen um Zusammensetzungen mit Lexemen, die später noch besprochen werden, z.b. -bursch. In den übrigen Stellenanzeigen ist sowohl das heimische Suffix -er als auch die Fremdsuffixe -or, -eur oder -ant zu sehen. 2 Konstrukteur Fassadenbau gesucht Wir suchen für unseren Kunden, einem innovativen Hersteller von individuellen Fassaden aus Beton, einen Konstrukteur. Sie erstellen Schalungspläne, Montagepläne und Übersichtpläne selbstständig und unterstützen die AVOR. Zudem sind sie in stetigem Kontakt mit Kunden, Bauherren, Architekten, Bauingenieuren und Baumeistern. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung via oder geben telefonisch gerne nähere Informationen. 78

79 7.2. Stellenanzeigen, die nur für Frauen ausgeschrieben sind Für die Problematik der Movierung stellt diese Kategorie einen der wichtigsten Belege über den jetzigen Zustand der movierten Berufsbezeichnungen im Deutschen dar. Trotz der geringen Zahl von rein weiblichen Exemplaren lässt sich an konkreten Beispielen feststellen, welche Position die Movierung innerhalb der deutschen Gegenwartssprache einnimmt und welche Movierungssuffixe bei den weiblichen Berufsbezeichnungen vorkommen. Der niedrige Anteil von Stellenanzeigen solcher Art weist darauf hin, dass die Movierung nur selten als einziges Mittel zur sprachlichen Gleichbehandlung beider Geschlechter angewendet wird und mehr in Kombination mit anderen neueren, grafischen Möglichkeiten der Geschlechtsspezifikation in den Vordergrund tritt. Im Fall der Stellenanzeigen hängt es auch mit den bestimmten Regeln zusammen, die aufgrund gesetzlicher Maßnahmen (siehe oben Stellenausschreibung für beide Geschlechter) beachtet werden müssen. Deutschland 55 Stellenanzeigen reden im Titel nur die potenziellen weiblichen Arbeitssucher an. 46 (ungefähr 84 %) von diesen Berufsbezeichnungen werden mit Hilfe des Suffixes -in, bzw. -innen, gebildet. Die am meisten vertretenen Berufsbereiche sind eindeutig Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Schulwesen und Handwerk. Als interessantes Beispiel kann die Berufsbezeichnung Groomerin 71 genannt werden. Das Suffix -in wird in diesem Fall einem Fremdwort hinzugefügt. Bei der graphischen Geschlechtsspezifikation, die auf den nächsten Seiten besprochen wird, begegnet man auch ähnlichen Personenbezeichnungen. In beiden Kategorien entspricht die Anfügung des in-suffixes an nicht heimische Suffixe den Regeln und Beschränkungen, die mit der Movierung zusammenhängen. In den Stellenanzeigen mit graphischer Darstellung ist diese Kombination Fremdwort + Suffix -in im Vergleich mit den voll ausgeschriebenen weiblichen movierten Formen etwas häufiger. Was die anderen Suffixe betrifft, verdient eine Erwähnung das Fremdsuffix -ess im Wort Hostess, das sehr oft auch im Plural Hostessen auftritt. Die Personenbezeichnung Hostess hat mehrere Bedeutungen und es ist bemerkenswert, dass es im Deutschen kein männliches Korrelat Host mit derselben Bedeutung wie Hostess gibt. 72 In den deutschen Stellenanzeigen wurden aber ein paar Beispiele entdeckt, in denen die Bezeichnung Host unter dem Einfluss der englischen Sprache auch als männliche 71 Berufsbezeichnung aus dem Englischen, die eine Hundefriseurin benennt. 72 Hostess- junge weibliche Person, die auf Messen, in Hotels u.a. zur Betreuung, Begleitung oder Beratung der Gäste, Besucher u.a. angestellt ist; Angestellte einer Fluggesellschaft zur Betreuung der Reisenden, verhüllend auch Prostituierte (besonders in Anzeigen). Host- (in einem System von Computern oder Terminals) Zentralrechner mit permanenter Zugriffsmöglichkeit. Zitiert nach DUDEN online. zit

80 Entsprechung zur Hostess angegeben wird. 73 Weitere Berufsbezeichnungen innerhalb dieser Gruppe weisen die lexeminhärente Geschlechtsspezifikation auf, z.b.: Tagesmutter für U3- Kinder 74, Krankenschwester, Kinderfrau. Die Erscheinungsformen der lexeminhärenten Geschlechtsspezifikation werden später noch im Rahmen des Splittings behandelt. Beachtung findet auch das Wort Hebamme. In der Vergangenheit war dieser Beruf ausschließlich eine Frauentätigkeit und die Berufsbezeichnung war selbstverständlich nur auf Frauen gerichtet. An diesem Beispiel ist es zu sehen, dass die Sprache nicht nur weibliche, sondern auch männliche Personenbenennungen suchen muss, denn die Veränderungen in der Rolleneinteilung betreffen auch männliche Berufsbezeichnungen. Die männlichen Varianten zur Hebamme, z.b. der Entbindungspfleger, kommen später in weiteren Kategorien vor. Unter den deutschen weiblichen Berufen sollten noch z.b. die Anzeigen weibliches Personal (Spielcasino) oder Masseurin w in Grünenbach angeführt werden. Das zweite Beispiel könnte in der Kategorie spezielle einen Platz nehmen, weil die Bezeichnung w als Abkürzung des Adjektivs weiblich ein spezieller Einzelfall der graphischen Sichtbarmachung von Frauen ist. Die Bezeichnung w wird immer zugleich mit m gebraucht. In keiner anderen Kategorie befindet sich die movierte Berufsbezeichnung aus dem Bereich Schutz. Die Stellenanzeige Soldatinnen verdient so, erwähnt zu werden. 3 Für unsere Therapeutischen Wohngruppen im Therapienetz Essstörung suchen wir laufend: Studentinnen der Sozialpädagogik (FH), Erzieherinnen, Psychologinnen und Pädagoginnen i.a., erfahrene (Kinder-) Krankenschwestern für den Nachtdienst und Wochenendtagdienst Wir suchen engagierte Kolleginnen: * Studentin der Sozialpädagogik mit abgeschlossenem Grundstudium * Studentin der Psychologie/Pädagogik mit abgeschlossenem Grundstudium oder * erfahrene (Kinder-) Krankenschwestern * mit der Fähigkeit zur klaren Grenzsetzung bei gleichzeitiger Sensibilität im Umgang mit den Patientinnen * mit Interesse an der Zusammenarbeit in einem kollegialen, multidisziplinären Team 73 Mehr dazu im Unterkapitel a) Schrägstrich /in. 74 Die sprachökonomische Abkürzung U3-Kinder bedeutet,kinder unter 3 Jahren. 80

81 Österreich Auf den österreichischen Jobseiten wurden 33 Stellenanzeigen gefunden, die den Kriterien dieser Kategorie entsprechen. 23 mit -in movierte Berufsbezeichnungen machen den Prozentanteil ungefähr 70 %. Die Anzahl ist im Vergleich mit dem Ergebnis im deutschen Internet-Raum niedriger, aber sowohl die Stellenanzeigen als auch die Berufskategorien sind den deutschen sehr ähnlich. In einer starken Überzahl sind die Berufsbezeichnungen aus dem Bereich der Dienstleistungen, diesen folgen die Kategorien Handwerk und Schulwesen nach. Neben dem oben besprochenen Suffix -ess, das sich auch in dieser Gruppe befindet, und neben der weiblichen Variante mit -frau, stellt das häufigste Mittel zur Bildung von weiblichen Berufsbezeichnungen das Lexem -mädchen dar, z.b.: Stubenmädchen in Saalbach, Kindermädchen in Rennweg, Hausmädchen (Housekeeping) u.a. Angegeben werden soll ebenfalls die lexeminhärente Möglichkeit -dame. Es sollte auch Aufmerksamkeit auf die Berufsbezeichnung Gouvernante gelenkt werden. Gouvernante steht nämlich keine männliche Form gegenüber. Das Suffix -in ist bei den meisten Personenbenennungen, die ähnlich wie Gouvernante aus dem Französischen stammen, nicht zu sehen. Das Online-Wörterbuch DUDEN bietet eine Bedeutungserklärung an. Die frühere Bezeichnung für eine Erzieherin oder Hauslehrerin bekam infolge des Bedeutungswandels und der Pejoration eine ein bisschen unterschiedliche Bedeutung. 75 Das Vorkommen dieser Berufsbezeichnung in Stellenanzeigen ist ein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Bedeutung in der deutschen Sprache noch vorhanden ist. 4 Stubenmädchen Teilzeit Bad Hofgastein Gästehaus Pfarrhof ab sofort Suchen für unser Gästehaus Pfarrhof in Bad Hofgastein ein Stubenmädchen für 20 bis 25 h ab sofort. Bitte melden Sie sich bei Frau Angerer 0676/ oder im Pfarrhof. Wir freuen uns auf ein Kennenlernen 75 weibliche, ein wenig altjüngferlich wirkende Person, die dazu neigt, andere zu belehren und zu bevormunden. Zitiert nach DUDEN [online]. [zit ]. 81

82 7.3. Splitting Das Splitting stellt im heutigen Deutsch eine häufige Methode der geschlechtergerechten Formulierung dar, die in der Doppelnennung, d.h. Nennung beider Geschlechter, besteht. Die Beidbenennung wird in den Stellenanzeigen besonders mit Hilfe von graphischen Mitteln verwirklicht. Die zahlenmäßig größte Kategorie musste während der Untersuchung weiter untergegliedert werden, damit die konkreten Arten dieser häufigsten Möglichkeit der Geschlechtsspezifikation gesondert betrachtet werden können. Solche Herangehensweise macht zwar möglich, die große Menge von Stellenanzeigen besser zu analysieren, aber trotzdem wurde diese Gruppe nicht nur als die zahlreichste sondern auch als die am meisten problematische ausgewertet. Aus den folgenden Angaben lässt sich unschwer erkennen, dass die Geschlechtsspezifikation in Stellenanzeigen vor allem graphisch erfolgt. Wahrscheinlich gründet sich die Häufigkeit des Splittings (der Beidbenennung) auf dem Bedarf an Berufsbezeichnungen, die den gesetzlichen und zugleich sprachökonomischen Anforderungen einer geschlechtergerechten Sprache genügen. a) Schrägstrich: /in, /-in, /e, /er, /r, /n, /innen, u.a. Für diese Schrägstrich-Variante wurde eine eigenständige Kategorie gebildet, weil sie als eine besondere Form der Movierung bezeichnet und als grundlegendes Material für die Schlussbewertung der Untersuchung benutzt werden kann. Neben dem häufigsten Movierungssuffix -in werden zu dieser Gruppe auch /e, /er, /r, /n, /-en oder unvollkommen ausgeschriebene Bezeichnungen auf -in (/ärztin, /-köchin, /-pädagogin u.a.) gerechnet. Deutschland Die Anzahl 703 aus 2248 mit Splitting geschriebenen Anzeigen spricht für sich selbst. Nach der Variante m/w nimmt diese Möglichkeit der Beidbenennung den zweiten Platz ein. Die absolute Mehrheit von Stellenanzeigen spricht die Jobsuchenden mit gleichberechtigten Berufsbezeichnungen auf /in, /IN, /-in, /innen an. Bei einigen Bezeichnungen gibt es zwischen dem Schrägstrich und dem in-suffix eine Leerstelle. Nach bestimmten Empfehlungen sollte diese Leerstelle mit einem Auslassungsstrich immer ausgefüllt werden (Vgl. Eickhoff 1999). Der Schrägstrich stellt in der ersten Reihe einen wesentlichen sprachökonomischen Gebrauch innerhalb der Stellenanzeigen dar, mit dem theoretisch alle Berufsbezeichnungen mit dem in- Suffix moviert werden könnten. Obwohl diese Stellenangebote beide Geschlechter in Kauf nehmen, findet man in diesen geschlechtergerecht korrekten Bezeichnungen auch bestimmte grammatische Verstöße. Bsp.: Koch/-in ohne Umlaut u.a. Auch bei solchen Berufen wie 82

83 Grundschulpädagoge/ in wäre es besser, das ganze Wort auszuschreiben (/-pädagogin). Eine längere Form empfehlen in den Richtlinien auch Bierbach/Hellinger 1993 immer, wenn in den Stellenanzeigen mehr als ein Schrägstrich wegen Kasus- und Numerusendungen benötigt wird. Das Suffix -in wird auf diese Weise auch den Fremdwörtern beigelegt, z.b. Copilot E-Aviation Copilot/in. Den Internet-Anzeigen mit /e, /en, /r begegnet man vorwiegend in den Fällen, wenn die Berufsbezeichnung um ein Adjektiv, bzw. um einen Artikel, erweitert wird oder wenn es sich um substantivierte Adjektive handelt. Bsp.: Pädagogische/-r Mitarbeiter/-in, wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in (Doktorand/in) der Fachrichtung Chemie, Freie/r Journalist/in, Ausbildung zum/r Fleischer/-in, eine/n Redakteur/in für die Online- und Terminredaktion, Rechtsanwaltsfachangestellte/r u.a. Was die substantivierten Adjektive betrifft, wurde bereits im theoretischen Teil kurz besprochen, dass der einzige Sexusindikator der Artikel (hier die betreffende Endung) ist, und dass die aus Adjektiven oder Partizipien durch Konversion entstandenen Berufsbezeichnungen mit -in nicht moviert werden. Im Deutschen gibt es nur vier Ausnahmen: Beamtin, Gesandtin, Oberin und Freiin (vgl. Fleischer/Barz 1995: 183). Bsp.: Beamter/in/ Verwaltungsangestellte/r. Es sollte auch nicht das Suffix /ess ausgelassen werden, z.b. Cabin Steward/ess, Tennishost/hostess. Aus der Sicht der feministischen Sprachkritik könnte eingewendet werden, dass die weibliche Form unvollständig und meistens erst an der zweiten Stelle, hinter dem Schrägstrich, untergebracht wird. Die Stellenanzeigen wie Laboratoriums-Assistentin/-en oder die oben angeführten Beispiele von substantivierten Adjektiven repräsentieren eine zwar sporadische aber dennoch vorkommende Bevorzugung der weiblichen Bezeichnung. 5 Bauklempner/in gesucht (Ref. ID: 80945) Stellenbeschreibung Wir suchen für ein Unternehmen eine/n Bauklempner/in. Ein großes Immobilienunternehmen sucht mehrere Bauklempner. Das Unternehmen betreut mehrere Wohnobjekte. Sie sollten eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen oder mehrjährige Erfahrung als Bauklempner aufweisen. Der Führerschein der Klasse B ist wünschenswert. Kenntnisse bei der Dach- und Fassadenblecharbeiten, Blechschweißen und Blitzableiter- und Blitzschutzanlagenbau sollten gegeben sein. Sie werden in der Wohnungssanierung bzw. der Wohnungsmodernisierung eingesetzt. 83

84 Österreich Unter den österreichischen Stellenanzeigen wurde fast übereinstimmende Anzahl von diesen Schrägstrich-Berufsbezeichnungen wie in den deutschen Jobbörsen gefunden 705 aus Die analysierten Anzeigen sind mit den deutschen gleichartig. Auch im Rahmen dieser Kategorie ist die Gebrauchshäufigkeit vom Suffix -in am höchsten und auch an Beispielen aus den untersuchten Webseiten lassen sich bestimmte Unstimmigkeiten entdecken. Bsp.: organisationsstarke/r Sekretärin/in Rechtsabteilung, wobei in diesem Fall unsicher ist, ob das in hinter dem Schrägstrich zur Sekretärin oder zur Rechtsabteilung gehört. Dazu fehlt in der Stellenanzeige die männliche Entsprechung. Beim Stellenangebot Kindergartenpädagogin/en kann, wie bei allen männlichen Berufsbezeichnungen mit der Endung -e, ein Verständigungsproblem bei der Lesbarkeit entstehen. Das erste Stellenangebot wird absichtlich als Beispiel genannt, weil die Berufsbezeichnung Sekretärin eine besondere Aufmerksamkeit verdient und später noch zur Sprache kommt. Zu der Gruppe /e, /en, /ess, /r kommt noch das Suffix -e, das aber nicht die Funktion einer Adjektivendung sondern eines Movierungssuffixes ausübt. Bsp.: Sommelier/e für unsere Vinothek - Abteilungsleitung Getränke. 76 Mit Ausnahme von ein paar Stellenanzeigen (mit adjektivischen Substantiven und /ess, /e als Movierungssuffixen) könnte diese Kategorie aufgrund der offensichtlichen Überlegenheit des Suffixes -in als IN-Kategorie bezeichnet werden. 6 Backen wir s gemeinsam an! Die Linauer & Wagner Backstube vereint zwei traditionelle Familienbetriebe im Bereich Bäckerei, Café und Konditorei. Mit mehr als 400 Mitarbeitern werden die Marktkanäle Filialen, Handel, Resch & Frisch bedient. Für unseren Standort Wiener Neustadt suchen wir eine/n Konditormeister/in 76 Die Berufsbezeichnung Sommeliére ist ein typisches Beispiel, wann die weibliche Form aus dem Französischen übernommen und nicht mit dem Suffix -in von der männlichen Form Sommelier abgeleitet wurde. Informationen aus DUDEN online. zit

85 b) Schrägstrich: lexeminhärente Geschlechtsspezifikation Die lexeminhärente Markierung spielt bei der Geschlechtsspezifikation eine ebenfalls wichtige Rolle und entsteht durch Komposition. Die gewöhnlichen Lexeme wurden bereits in den Kapiteln des theoretischen Teils behandelt und die untersuchten Stellenanzeigen haben die Aufgabe vorzuzeigen, welche von den in solcher Weise entstandenen Zusammensetzungen im Berufsbereich am häufigsten vorkommen. Weitere Informationen über dem Gebrauch von lexeminhärenter Geschlechtsspezifikation lassen sich dann ebenso gut aus den nächsten Kategorien (z.b. Schrägstrich: beide Formen, m/w) gewinnen. Deutschland Eindeutiger Gewinner unter den geschlechtsspezifischen Lexemen ist die Kombination -mann/-frau. Aus 49 lexeminhärenten Berufsbezeichnungen weisen 40 Stellenanzeigen die Lexeme -frau und -mann, bzw. -frauen und -männer, auf und was das Berufsfeld betrifft, sollte nur am Rande bemerkt werden, dass es sich in den meisten Fällen um die Berufsbezeichnung Kauffrau/mann und ihre Abwandlungen (z.b. Bürokauffrau/ mann, Reiseverkehrskauffrau/ mann) handelt. Die Zweitstellung von -frau nach dem Schrägstrich ist häufig, nicht aber regelmäßig. Die oben genannten Beispiele in Klammern gehören zu den wenigen entdeckten Ausnahmen, welche durch ihre geringe Stärke die ungeschriebene Regel, Frauenbezeichnungen erst an der zweiten Stelle zu nennen, bestätigen. Die Position des betreffenden Lexems muss nicht unbedingt als sprachliche Diskrimination sondern beispielsweise als Konkretisierung von Anforderungen des Arbeitsgebers oder Arbeitsbedingungen wahrgenommen werden. Manchmal werden die Stellenanzeigen, in denen die Frauenbezeichnung an der zweiten Stelle steht, wegen einer leichteren Schreibweise so aufgestellt. Das betrifft aber eher z.b. die männlichen Berufsbezeichnungen auf -er. Die übrigen Lexeme dieser Art Markierung sind -mutter/-vater, -dame/-herr, -schwester/-pfleger. Eine besondere Stellung nimmt innerhalb dieser Gruppe das männliche Korrelat zur Krankenschwester Krankenpfleger. Diese Berufsbezeichnung ist das weitere Beispiel, dass die deutsche Gegenwartssprache einen männlichen Täter dieser ursprünglich weiblichen Tätigkeit benennen musste. In dieser Hinsicht ist das weibliche Geschlecht nach sprachlicher Seite begünstigt, weil sich im heutigen Deutsch nicht nur Krankenschwester sondern auch Krankenpflegerin findet, einen männlichen Krankenschwester oder Krankenbruder gibt es aber nicht. 77 Der schon erwähnte Beruf Hebamme sollte auch in 77 Informationen aus DUDEN [online]. [zit ]. (Ähnlich Greve/Iding/Schmusch 2002.) 85

86 dieser Kategorie besprochen werden, denn diesem Lexem stehen genauso gewisse männliche Gegenstücke gegenüber. Bsp.: Beleghebamme/-geburtshelfer. 7 Fachkrankenschwester/-pfleger - Psychiatrie ( ) Wir suchen im Auftrag eines renommierten und namenhaften Pflegedienst weitere Fachkrankenpfleger und -pflegerinnen für die Betreuung von psychisch kranken älteren Menschen. Sie als examinierte Pflegefachkraft, müssen natürlich neben einer 3jährigen Ausbildung ebenfalls die Fachweiterbildung in der Psychiatrie absolviert haben. ( ) Österreich 37 österreichische Stellenanzeigen mit der lexeminhärenten Geschlechtsspezifikation zeigen ähnliche Merkmale wie die deutschen Berufsbezeichnungen dieser Art auf und unterscheiden sich von diesen nur durch eine geringere Anzahl von Varianten mit -frau/-mann (23). Andere Möglichkeiten der Beidbenennung entsprechen den Bezeichnungen, von denen oben geredet wurde: -mutter/-vater und -schwester/-pfleger. Was aber in dieser Kategorie neuerlich auftaucht, ist die geschlechtergerechte Zusammensetzung mit -bursche/-frau und -bursch/-mädchen. Bsp.: Stubenfrau/-bursche, Zimmermädchen/-bursch. 8 Als Niederösterreichs größter Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Soziales bieten wir ein breites Angebot zur Unterstützung in der Pflege von älteren und kranken Menschen sowie in der Betreuung von Kindern und Familien. Zur Verstärkung unserer Teams suchen wir in Tulln eine/n Tagesmutter/-vater ( ) c) Schrägstrich: vollkommen ausgeschriebene Stellenanzeigen Die Stellenanzeigen, die für beide Geschlechter in vollem Umfang ausgeschrieben werden, erfüllen die Vorstellungen von einer idealen geschlechtergerechten Ausdrucksweise, die nicht nur den Regeln der sprachlichen Gleichbehandlung, sondern auch den Regeln der deutschen Rechtschreibung ganz genügt. Für die verhältnismäßig niedrigere Frequenz solcher nicht diskriminierenden Anzeigen im Vergleich mit anderen graphischen Splitting-Maßnahmen 86

87 (m/w u.a.) könnte die Sprachökonomie verantwortlich sein. Entsprechend verschiedenen Richtlinien sollten in diese Gruppe vorzugsweise alle Personenbezeichnungen gehören, deren männliche Form die Endung -e hat oder deren weibliche Variante neben einem Movierungssuffix zusätzlich einen Umlaut fordert. Deutschland 195 deutsche Stellenanzeigen nennen auf diese Art zugleich männliche und weibliche Personen. Diese Subkategorie der Splitting-Anzeigen legt einerseits die Movierungsmöglichkeiten vor, andererseits enthält sie ein paar Exemplare, die ganz unterschiedliche männliche und weibliche Personenbezeichnung für denselben Beruf präsentieren. Die meisten Berufsbezeichnungen für Frauen werden mit -in gebildet. 170 in- Formen beantworten teilweise die Hauptfrage dieser Arbeit, weil sie wichtige Nachweise für die noch immer verwendete Movierung im Berufsbereich darstellen. Den Großteil bilden die Berufsbezeichnungen, die bei der Movierung einen Umlaut bekommen. Bsp.: Rechtsanwältin / Rechtsanwalt, Akademische Rätin/ Akademischer Rat auf Zeit, Oberärztin/ Oberarzt, Koch/Köchin (Teilzeit: 25 h/woche) u.a. Die vollkommen ausgeschriebenen Stellenangebote erlauben, übersichtlich auch Pluralformen anzugeben, z.b.: Apothekerinnen/ Apotheker oder Ärztinnen/Ärzte, Hochschulabsolventen/Hochschulabsolventinnen, Pharmazeuten/Pharmazeutinnen u.a. Den Empfehlungen von Richtlinien folgen die Stellenanzeigen, in denen die männlichen Bezeichnungen auf -e enden, z.b. Pflegepädagogin/ Pflegepädagoge, Diplom Psychologe / Diplom Psychologin/ M. Sc. Psychologie 100%, Anlagestrategin/Anlagestratege Abteilung Anlagenmanagement, Gentechnologin/Gentechnologe u.a. Zu den weiteren vorkommenden Erscheinungsformen gehören weibliche Berufsbezeichnungen mit dem Suffix -e (z.b. Croupier/Croupiére), substantivierte Adjektive und die lexeminhärente Geschlechtsspezifikation mit -frau/-mann, -mutter/-vater oder -schwester/-pfleger. Beachtenswert ist die Anzeige Hostess / Promoter (Hostess), in dem nicht die männliche Form aus dem Englischen Host verwendet wird. Damit kann die Vermutung unterstützt werden, dass die Bezeichnung Promoter als männliches Korrelat zur Hostess im Deutschen vor Host bevorzugt wird. Ein Interesse erweckendes Beispiel ist dann die Stellenausschreibung Zimmermädchen/ Roomboy, in welcher der weiblichen Personenbezeichnung das Fremdwort gegenübersteht. Im Bereich des Tourismus handelt es sich um kein Unikum. 87

88 Obwohl mit dieser Schreibweise die Unklarheit beseitigt wird, kommt es auch in diesen vollkommenen Stellenanzeigen zu einer unvollkommenen Schreibweise, z.b.: wissenschaftlichen Laborleiterin/ wissenschaftlichen Laborleiters Geotechnologien. Bei der Detailanalyse wurde festgestellt, dass die weiblichen Berufsbezeichnungen aus dieser Gruppe weitaus häufiger als in den anderen Kategorien an der ersten Stelle vor dem Schrägstrich platziert sind. Es geht nicht nur um die Berufe aus Administrative, Schulwesen oder Gesundheitswesen, sondern auch um Berufe, die in sich bis heute die Bedeutung typisch männlich tragen. Z.B.: Bauingenieurin / Bauingenieur Abteilung Bautechnische Anlagen U- und Straßenbahn. Die Reihenfolge von Berufsbezeichnungen kann einerseits zufällig sein, andererseits kann sie von den Präferenzen der Arbeitsgeber oder von der graphischen Gestaltung abhängen. Das sogenannte Titanic-Prinzip, d.h. die Erstnennung von Frauen bei Berufsbezeichnungen oder Anreden und Titeln, wird zwar empfohlen, nicht aber hundertprozentig eingehalten. 9 Zum nächstmöglichen Zeitpunkt ist bei der Stadt Viersen die Stelle einer/eines Beigeordneten als Stadtkämmerin/Stadtkämmerer ( ) Die/Der Beigeordnete ist Mitglied des Verwaltungsvorstands. Die Einstellung erfolgt als kommunale Wahlbeamtin/kommunaler Wahlbeamter mit einer Wahlzeit von acht Jahren. Die Stelle ist nach Besoldungsgruppe B 3 ÜBesG NRW ausgewiesen. Daneben wird eine Aufwandsentschädigung nach der Eingruppierungsverordnung NRW gewährt. ( ) Österreich Im Vergleich zu den deutschen Webseiten wurden in diese Kategorie nur 88 von den untersuchten Stellenanzeigen eingestuft. Die Anzahl von analysierten Unterlagen ist aber der einzige markante Unterschied gegenüber den deutschen Ergebnissen. Die Häufigkeit des Suffixes -in lässt sich mit 73 Beispielen belegen, bei denen die weibliche Personenbezeichnung durch Movierung entsteht. Bsp.: Ausschreibung der Funktion des Vizerektors/ der Vizerektorin an der PH NÖ, Volljuristin/ Volljurist, Diplomingenieurin/ Diplomingenieur für Vermessung und Geoinformation u.a. Häufig besetzt werden die Berufsfelder Gesundheitswesen, Schulwesen, Handwerk, aber auch weitere Berufskategorien wie z.b. Rechtswesen und Dienstleistungen. In 88

89 Österreich sowie in Deutschland befinden sich unter den komplett ausgeschriebenen Bezeichnungen überwiegend diejenigen, die in ihrer männlichen Form über die Endung -e verfügen oder bei der Movierung ohne Umlaut nicht auskommen. Bsp.: Vier Stellen einer Staatsanwältin / eines Staatsanwalts bei der Staatsanwalt Stuttgart, Amtstierärztin / Amtstierarzt, Logopädin / Logopäde, Lehrling Koch/Köchin u.a. Das letzte Beispiel zeigt, dass die Kombination des Suffixes -in mit explizit heimischen Suffixen (hier -ling), mit Ausnahme von -er, fast nicht im Gebrauch ist. Nur selten begegnet man den als okkasionell bezeichneten Personenbenennungen wie z.b. Lehrlingin oder Flüchtlingin. (Vgl. Fleischer/Barz 1995: 183) Diese Varianten wurden aber in dem gesamten Untersuchungsmaterial nicht gefunden und Lehrling kann daher zusammen mit anderen Komposita mit -ling für neutral erklärt werden. (Vgl. auch Díaz 2003: 53) Die übrigen 15 Berufsbezeichnungen sind adjektivische Substantive und lexeminhärent markierte Benennungen mit -frau/-mann oder -schwester/-pfleger, -frau/-bursche u.a. Bsp.: Bardame/ Barman 78, Stubenfrau/ Stubenbursche u.a. Eine Stellenanzeige präsentiert das Vorhandensein zweier unterschiedlicher Bezeichnungen für Frau und Mann: Hausdame/Objektleiter. Als männliche Bezeichnung für die Hausdame erscheint in den Stellenanzeigen viel häufiger die Berufsbezeichnung aus dem Englischen Housekeeper. 10 Vorsitzende Richterin / Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht bei dem Verwaltungsgericht Stuttgart d) Das Große Binnen-I Das Große Binnen-I gehört zu den interessantesten und meist diskutierten Formen des Splittings. Diese spezifische Schreibweise wurde in den ersten Richtlinien (1980) als eine geschlechtsspezifizierende Möglichkeit noch nicht vorgeschlagen. Die Verwendung des Großen Binnen-I, die auch als Emantipations-I bezeichnet wird, wurde seit dem Jahre 1981 stark registriert (vgl. Samel 1995: 77) und von großem Teil der Gesellschaft als eine Verletzung der Rechtschreibregeln angesehen. Zum Beispiel die Dudenredaktion lehnte diese Art sprachlicher Geschlechtsspezifikation ab und obwohl das Binnen-I eine sprachökonomische und kreative Beidbenennung anbietet, wurde von der Sprachgemeinschaft nicht völlig aufgenommen, sondern häufig als ungrammatisch nicht empfohlen oder sogar verboten. (Vgl. Eickhoff 1999) Die Gebrauchshäufigkeit, die anhand der Untersuchungsergebnisse bewiesen wird, weist darauf hin, 78 In dieser Stellenanzeige kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, ob es um einen Fehler oder um ein aus dem Englischen übernommenes Fremdwort Barman geht. 89

90 dass die Schreibung des Binnen-I im Bereich der Internetstellenanzeigen trotz aller Für und Wider verbreitet wird. Deutschland Im Laufe der Zeit fand das Große Binnen-I in vielen Kommunikationsbereichen Anwendung, besonders im Internet. Trotzdem wurde das Binnen-I nur an 14 deutschen Stellenanzeigen bemerkt. Die Mehrheit von diesen untersuchten Berufsbezeichnungen bilden Berufe aus der Kategorie Schulwesen. Obwohl das Große Binnen-I noch in der Kategorie Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten vertreten ist, erbringt das Ergebnis in den deutschen Webseiten keinen Beweis für einen häufigen Gebrauch. Bestimmte Probleme könnten die Berufsbezeichnungen mit Großem Binnen-I machen, die um ein Adjektiv ergänzt werden oder in männlicher Form die Endung -e haben. Bsp.: motivierte PädagogIn (Erz., Päd. FH/ Uni). Die weibliche Endung beim Adjektiv wendet sich direkt an eine Frau, nicht an beide Geschlechter und dadurch wird in dieser Stellenanzeige keine geschlechtergerechte Beidbenennung erreicht. 11 ÜbungsleiterIn/ FörderlehrerIn/ GrundschullehrerIn/ ErzieherIn auf Honorarbasis (Grundschule) Nachhilfe/Stützunterricht Stellenbezeichnung ÜbungsleiterIn/ FörderlehrerIn/ GrundschullehrerIn/ ErzieherIn auf Honorarbasis (Grundschule) Nachhilfe/Stützunterricht Jobbeschreibung Wir suchen zum oder später engagierte Menschen (mit pädagogischer Vorbildung) zum Einsatz als Übungsleiter für ein Lern- und Förderprogramm der Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik an verschiedenen Berliner Grundschulen. ( ) Österreich Mit der Anzahl der deutschen Berufsbezeichnungen, die mit Großem Binnen-I geschrieben werden, kontrastiert das Untersuchungsergebnis im Bereich der österreichischen Internetstellenmärkte. 349 Stellenausschreibungen nutzen die sprachökonomische Doppelnennung aus und betreffen thematisch fast alle Berufsfelder. Bsp.: MathematikerIn oder PhysikerIn, IncomingmitarbeiterIn, Traumberuf FahrschullehrerIn, Visual MerchandiserIn, 90

91 SchweißerInnen, BehindertenbetreuerIn, PrüferIn Prävention von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung u.a. Auf der Liste von Stellenanzeigen aus dieser Gruppe lassen sich ebenfalls Beispiele finden, die nur teilweise nach geschlechtergerechten Regeln gebildet werden, z.b. StaatsanwältIn. Die maskuline Bezeichnung enthält keinen Umlaut. Demgegenüber steht das Stellenangebot KöcheInnen für Cateringeinsätze, das beide Geschlechter ohne Unstimmigkeiten sprachlich berücksichtigt. Ungeachtet der genannten Schwierigkeiten (z.b. Maskulina mit der Endung -e) bietet sich bei der Beobachtung der ausgesuchten Stellenanzeigen die Frage an, ob es einige Personenbezeichnungen gibt, die nicht mit dem Binnen-I geschlechtergerecht formuliert werden können. Die Komplikationen werden manchmal durch einen Einsatz einer weiteren Splitting-Variante gelöst. Die Doppelnennung mit dem Binnen-I könnte als eine neuzeitliche Art der Movierung angesehen werden. In solchem Fall bestätigt sich die Annahme, dass die Movierung mit dem Suffix -in, auch wenn in einer modernisierten Form, im heutigen Deutsch eine nicht unterschätzende Rolle hat. 12 Das IMAS-Institut sucht InterviewerInnen! Sie können die persönlichen Befragungen in Ihrer direkten Wohnumgebung durchführen und sich die Zeit frei einteilen. Sie sind kontaktfreudig, zuverlässig und sprechen fließend Deutsch, dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. e) Klammern Die gesplitteten Berufsbezeichnungen können auch mit Klammern gestaltet werden. Ohne Rücksicht auf die offensichtliche Seltenheit dieser Splitting-Variante auf den ausgewählten Webseiten, wurde für solche Stellenanzeigen eine selbständige Kategorie eingeführt, denn die Verwendung von Klammern wird als eine der geschlechtergerechten orthographischen Neuerungen wahrgenommen. Von Seiten der feministischen SprachkritikerInnen hingegen tauchen die Gegenmeinungen auf, dass die Frauen auf diese Weise sozusagen in Klammern abgestellt und damit in der Sprache zurückgesetzt werden. 91

92 Deutschland Es ist evident, dass die Klammern im Vergleich mit anderen graphischen Darstellungen im Bereich der Stellenanzeigen wenig produktiv sind. Bei 17 Beispielen wird die sprachliche Gleichbehandlung durch Anfügung von (in), bzw. (-in), (n) oder (en) realisiert. Obwohl die Klammern auch ins Wortinnern eingebettet werden können, sind sie nicht in allen Fällen anwendbar. Man muss auf eine Einschränkung z.b. bei den Personenbezeichnungen mit Umlaut Rücksicht nehmen. In dem Jobangebot Architekten(in) kommt es beispielweise zu einer erschwerten Lesbarkeit. 13 Für die Betreuung von Anlegern geschlossener Fonds suchen wir zur Festanstellung eine(n) Anlegerbetreuer(in) ( ) Am häufigsten werden die Klammern den maskulinen Berufsbezeichnungen auf -er beigeschrieben und bis auf zwei Ausnahmen wird bei der Movierung das Suffix -in gebraucht. Österreich Die Anzahl von Stellenanzeigen mit Klammern ist auf den untersuchten Webseiten des österreichischen Internetstellenmarkts zwar höher als in Deutschland, aber 30 Berufsbezeichnungen zeugen von keinem markanten Unterschied und von keiner größeren Produktivität. Die Belege aus den österreichischen Webseiten umfassen kreative Beispiele mit Klammern im Wortinnern, z.b.: Technisch(er)e Zeichner(in), Chemielaborant(en)innen, Köch(e)innen u.a. Was die Suffixe dieser Kategorie betrifft, kommt in der Klammer in den meisten Fällen das in-suffix vor. Eine der Ausnahmen bildet die Stellenanzeige Patissier(e) für Tirol mit dem Suffix -e, das hier die Funktion eines weiblichen Suffixes erfüllt. 14 Psycholog(en)innen Firma Formel D Region N19 BAYERN Vertragsart Vollzeit Jobinfo Mit 65 Standorten sind wir zu jeder Zeit überall auf der Welt einsatzbereit. So beschäftigt Formel D Mitarbeiter aus 45 Nationalitäten, die 38 Sprachen sprechen. ( ) 92

93 f) Gender Gap Weder in den deutschen noch in den österreichischen Untersuchungsmaterialien befinden sich Beispiele, die in diese Kategorie eingeordnet werden könnten. Vom Gesichtspunkt der deutschen Rechtschreibung stellt Gender Gap, d.h. die mit einem Unterstrich oder Sternchen ausgefüllte Leerstelle zwischen der maskulinen und femininen Personenbezeichnung, eine unakzeptable Erscheinungsweise der geschlechtergerechten Sprache dar. Diese Kategorie wurde während der Untersuchung mit der Absicht gegründet, auf diese neue Möglichkeit aufmerksam zu machen. Dazu wird Gender Gap im Rahmen der Kombinationen von Splitting- Möglichkeiten besprochen, weil zwei fragwürdige Stellenanzeigen recherchiert wurden, die Gender-Gap-Merkmale aufweisen. 79 g) Großschreibung am Wortende Während der theoretische Teil die Großschreibung am Wortende im Rahmen des Großen Binnen-I darlegt, wurde dieser Splitting-Möglichkeit im praktischen Teil eine eigene Kategorie zugeteilt. Aus der gesamten Menge von vorhandenen Stellenangeboten wurden dieserart nur 3 Stellenanzeigen auf 3 österreichischen Webseiten veröffentlicht: Hauptberuflich LehrendeR Orthoptik, SachbearbeiterIN, ProduktionsmitarbeiterIN in Lamprechtshausen. Dieser experimentelle Splitting-Typ bleibt im Berufsbereich stets fast unproduktiv. h) m/w Die Internetjobbörsen in beiden Ländern dominiert der in dieser Subkategorie beschriebene Typ von Stellenanzeigen. Die gewonnenen Zahlenangaben sind hinreichende Beweise dafür und zugleich Gründe für eine spezielle Aufmerksamkeit, die dieser Art der Geschlechtsspezifikation im Berufsbereich gewidmet wird. Im theoretischen Teil wurde diese geschlechtsunterscheidende Sparform nicht behandelt, weil sie in den zugrunde liegenden Leitfäden und Richtlinien nicht im Rahmen der geschlechtergerechten Formulierung erfasst wird. Diese Abkürzung von,männlich/weiblich, von Adjektiven, deren Verwendung bei der Gleichbehandlung gleichfalls vorgeschlagen wird, aber nur sporadisch vorkommt, stellt im Vergleich mit den anderen Varianten vielmehr eine sprachökonomische als eine sprachliche Sichtbarmachung von Frauen und Männern dar. Anhand von analysierten Materialien wurde unter anderem untersucht, inwieweit die Movierung durch die auf diese Weise ausgeschriebenen 79 Siehe Unterkapitel i). 93

94 Stellenanzeigen verdrängt wird und in welchem Maße solche Stellenanzeigen das generische Maskulinum in Anwendung bringen. Deutschland Etwa 46 % aller deutschen Stellenanzeigen (1134) werden entsprechend den Regeln der sprachlichen Gleichbehandlung mit Hilfe vom Kennzeichen m/w (bzw. (m/w), m w u.a.) ausgeschrieben. Bei der Analyse wurden unter 1134 m/w-anzeigen nur 50 Beispiele festgestellt, die weiblich formuliert sind, wobei das Suffix -in bei 34 Stellenanzeigen vorhanden ist. Damit lässt sich mit Sicherheit behaupten, dass die Bezeichnung m/w ermöglicht, die Movierung bei der Geschlechtsspezifikation zu vermeiden. Da die maskulinen Berufsbezeichnungen sehr oft generisch, d.h. als Bezeichnung für beide Geschlechter, verwendet werden, hat die Anfügung von m/w bei den movierten weiblichen Benennungen eher die Funktion einer Pflichtangabe. Bsp.: Reiseverkehrskauffrau (m/w), Frühstücksdame (m/w), Haushälterin/Kinderfrau (m/w), Kinderpflegerinnen (m/w), Hebamme (m/w), Kinderkrankenschwester (m/w), Ärztin (w/m) u.a. Die genannten Beispiele repräsentieren die Berufsfelder, in denen sich die weiblichen Berufsbezeichnungen befinden. Es geht vor allem um Gesundheitswesen, Schulwesen und Dienstleistungen. Sehr frequentiert ist die Berufskategorie Administrative. Im Zusammenhang damit liegt es nahe, die Berufsbezeichnung Sekretär/Sekretärin anzuführen. In diesem Fall handelt es sich um einen früher typisch weiblichen Beruf und lange Zeit wurden die Männer in den Stellenanzeigen mit solchem Stellenangebot nicht explizit angesprochen. 80 Mit verschiedenen Richtlinien wurde also nicht nur die Sichtbarmachung von Frauen sondern auch von Männern erzielt. Trotzdem ist das diesmal die Berufsbezeichnung Sekretärin, die noch immer sehr häufig in der weiblichen Form generisch gebraucht wird. Bsp.: Sekretärin (w/m) in der Steuerberatung, Fremdsprachensekretärin (m/w) für Springertätigkeit u.a. Insgesamt erscheint die Berufsbezeichnung Sekretärin in 14 deutschen Stellenanzeigen. Bereits an den oben genannten Einzelfällen ist es zu bemerken, dass einigen Berufsbezeichnungen manchmal neben dem Zeichen m/w auch seine umgekehrte Variante w/m beigelegt wird. Die Bezeichnung w geht m nur im Fall von ungefähr 9 % der Stelleanzeigen voraus. Die Reihenfolge m/w oder w/m lässt sich unterschiedlich begründen. In Erwägung kann man sowohl die alphabethische als auch zufällige Reihenfolge ziehen. Eine Rolle kann auch die konkrete 80 Im DUDEN Wörterbuch online findet man zunächst die veraltete Bezeichnung Sekretarius mit der Bedeutung,Sekretär und während Sekretär in der ersten Reihe mit Synonyme Protokollant, Protokollantin, Protokollführer, Protokollführerin, Schriftführer, Schriftführerin nahegebracht wird, stehen bei der Bedeutungserklärung von Sekretärin noch Ausdrücke Assistent, Assistentin, Büroangestellter, Büroangestellte, Bürokaufmann, Bürokauffrau, Bürokraft oder Büromensch zur Verfügung. Sekretär wird auch als Bezeichnung eines Möbelstücks benutzt. DUDEN [online]. [zit ]. 94

95 Anforderung des Stellenausschreibers, d.h. des Arbeitsgebers, zusammen mit Arbeitsvoraussetzungen spielen. Keinesfalls gilt die Regel, dass w/m vorwiegend mit typisch weiblichen Berufsbezeichnungen zusammengeschrieben wird. Bsp.: Elektroinstallateur (w/m), Oberbauleiter (w/m), Einkaufsprofi Automotive (w/m) u.a. Die Bezeichnung mit m an der ersten Stelle kann man hingegen auch bei movierten weiblichen Berufsbenennungen beobachten (siehe Bsp. oben). In den meisten Fällen kommen das generische Maskulinum (z.b.: Logopäde (m/w), Segellehrer (m/w), Juristischer Sachbearbeiter (m/w), Koch für Großküche (m/w), Arzt (m/w) mit Deutsch und Türkischkenntnissen (m/w), Meteorologen (w/m) u.a.) und anschließend die neutralen Berufsbezeichnungen vor (z.b.: Hotelfachkraft m/w, Allroundtalent (m/w) Haushalt, Pflegedienstleitung (m/w), Person (m/w) u.a.). In diese Kategorie gehören auch die fremdsprachigen Stellenanzeigen wie z.b.: Coiffeur (m/w), Underwriter Liability (m/w) u.a. In der vielfältigen Auswahl an Berufsbezeichnungen findet sich noch ein interessantes Beispiel, das eher in die kombinierten Stellenanzeigen eingeordnet werden sollte: Schnittdirektrice/ Modellmacher (m/w) list stellenlogo. Es geht um das einzige Beispiel mit dem Suffix -trice, das heutzutage vereinzelt zu finden ist. 15 Im Auftrag unseres Mandanten suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt am Standort Gießen oder im Home Office einen Wertpapierberater/Baufinanzierungsberater (m/w) auf selbstständiger Basis (Kennziffer GI475) Ihre Aufgaben * Sie kümmern sich um die ganzheitliche, individuelle Beratung und langfristige Betreuung von Bestandskunden * Sie gewinnen Neukunden in den oben genannten Zielgruppen ( ) Aufgrund der häufigen Verwendung von generisch gebrauchten Stellenanzeigen sollte die Frage gestellt werden, ob die Hinzufügung von m/w den Anforderungen der feministischen Sprachkritik genügt. Österreich Das Untersuchungsmaterial aus den österreichischen Webseiten weist nach, dass die Stellenanzeigen mit der Bezeichnung m/w in zunehmendem Maße zum Bestandteil von 95

96 Maßnahmen zur geschlechtergerechten Stellenausschreibung wurden. Sowohl der prozentuale Anteil der m/w-berufsbezeichnungen (ungefähr 41 %) als auch die Gebrauchshäufigkeit der Movierung innerhalb der Stellenausschreibungen dieser Art sind ähnlich wie in den deutschen Stellenanzeigen. 48 explizit weiblich ausgedrückte Berufsbezeichnungen werden zusätzlich mit m/w markiert. Trotz der geringfügigen Menge movierte Stellenanzeigen hat das Movierungssuffix -in innerhalb der movierten Frauenbezeichnungen eine Führungsposition und mit seiner Hilfe werden 32 Berufsbezeichnungen gebildet. Bsp.: Teamassistentin (m/w) für den Bereich IT, Bereichsleiterin (w/m) Schule, Montage-/Inbetriebnahmetechnikerin (w/m), Klinische Psychologin (m/w), Sozialpädagogin (m/w) u.a. Im Weiteren kommen das Suffix -ess und die lexeminhärente Geschlechtsspezifikation vor. Bsp.: Cabin Stewardess/ Zimmermädchen (w/m), Hauptberuflich Lehrende Hebamme (m/w), Dipl. Nachtschwester m/w, Hausdame/Gouvernante m/w u.a. Was die Berufsbezeichnung Sekretärin betrifft, haben die österreichischen mit den deutschen Stellenanzeigen auch eine Ähnlichkeit. In dieser Kategorie gibt es 11 Stellenanzeigen, die eine Sekretärin m/w suchen. Die von der Movierung am meisten betroffenen Berufsfelder sind mit den Berufskategorien im Kapitel von den deutschen Ergebnissen vergleichbar, d.h. Gesundheitswesen, Schulwesen, Dienstleistungen und Administrative. In den analysierten Stellenanzeigen wurden in erster Linie die maskulinen Berufsbezeichnungen gefunden, deren generische Form durch die Bezeichnung m/w ergänzt wird. Bsp.: Architekt (m/w), Pächter (m/w) Schiffsrestaurant, Diplomierter Krankenpfleger (m/w), Kellner (m./w.) 81, Turnusarzt (m/w), Skimonteur (m/w), Sozialpädagoge (m/w), ambitionierte Grafiker (m/w), Kosmetiker (w/m) in Weltweit u.a. Keine Ausnahme bilden im Rahmen dieser Kategorie die neutralen Berufsbezeichnungen und Fremdwörter, z.b.: Führungsperson (m/w) im Weiterbildungsbereich, Länderleitung (m/w), 1 geringfügige Reinigungskraft /m/w) in Wien, Verkaufsprofi (m/w), Vertriebspersönlichkeit Finanz- und Leasingbereich (w/m), Technician (m/w), Head oft Food & Beverage m/w, Graphic Artist (w/m) u.a. In bestimmten Fällen wird keine Personenbezeichnung, sondern nur das Arbeitsgebiet genannt, z.b.: Kosmetik/ Massage (m/w). Die Abkürzung w befindet sich an unterschiedlicher Stelle, aber die Stellung von w vor m wurde nur bei 13 % der österreichischen Stellenanzeigen bemerkt. Auch in diesen Beispielen fehlen bei der Ordnung feste Regeln, z.b.: Butler w/m, Service LKW-Fahrer (w/m), Trumpf Abkanter/ Schlosser (w/m) u.a. Im österreichischen Berufsbereich erscheinen den Untersuchungsergebnissen nach viel mehr diejenigen Berufsbezeichnungen, zu deren Geschlechtsspezifikation anstatt des Suffixes -in die 81 In den österreichischen Stellenanzeigen wurde mehrmals im Vergleich zu den deutschen eine neue Variante der Bezeichnung m/w mit Punkten gefunden. 96

97 Bezeichnung w/m benutzt werden muss. Es geht vor allem um die Berufe aus Gastronomie, namentlich um Berufsbezeichnungen mit französischer Herkunft. Diese werden fast in keinen Stellenangeboten moviert, weil das in-suffix, wie bereits erwähnt, zu diesen Berufsbezeichnungen nicht hinzugefügt werden kann. Bsp.: Maitre d Hotel w/m, Chef de Partie w/m, Bikeguide w/m, Patissier w/m u.a. Ein originelles Beispiel, dem wahrscheinlich kein Suffix -in zugeschrieben werden kann, ist Nikolaus (m/w). 16 Zur Verstärkung unseres Empfangsteams suchen wir längerfristig einen Mitarbeiter als Zu Ihren Hauptaufgaben zählen: Hotelpage / Bellboy (m/w) Empfang der Gäste Das Begleiten der Gäste auf Ihre Zimmer Gepäck Service Parkieren der Gästefahrzeuge ( ) i) Kombinationen von Splitting-Möglichkeiten In die Kategorie von kombinierten Stellenanzeigen wurden alle Berufsbezeichnungen gruppiert, die mittels bisher besprochener Splitting-Formen gebildet und geschrieben werden. Es geht um verschiedene Kombinationen des Schrägstrichs und Verbindungen des Schrägstrichs mit weiteren graphischen Schritten zur sprachlichen Gleichbehandlung. Hierher gehören also diejenigen Stellenanzeigen, bei deren Einordnung bestimmte Probleme wegen ihrer Mannigfaltigkeit entstanden. Deutschland Auf den deutschen Webseiten wird am meisten der Schrägstrich mit der Variante m/w kombiniert. Sehr oft erscheinen Stellenanzeigen, die in der anschließenden Klammer konkretisiert oder erweitert sind. Bsp.: arbeitsmedizinische Assistenz (m/w) für Dortmund gesucht (Arbeitsmedizinische/r Assistent/in), Feuerwehrleute (m/w) Vollzeit (Werkfeuerwehrmann/-frau), Bootsbauer m/w (Bootsbauer/in - Neu-, Aus- und Umbau) u.a. Die Bezeichnung m/w ist kombinierbar mit allen anderen Splitting-Möglichkeiten. Als eine Kombination wird auch die Verwendung von m/w im Fall von vollkommen ausgeschriebenen Berufsbezeichnungen angesehen. Bsp.: Hebamme/Entbindungspfleger (m/w), 97

98 Hebamme/Geburtshelfer (m/w). Bei solchen Beispielen wirkt das Zeichen m/w als eine Redundanz. Obwohl die deutsche Kategorie Das Große Binnen-I nur 14 Beispiele enthält, findet das Binnen-I in der Kombination mit dem Schrägstrich eine größere Anwendung. Bsp.: Integrationshelfer/ In. In den Anzeigen setzt sich ebenfalls die Kombination aus Schrägstrich und Klammern durch, z.b. Beamt(er/in) - Kommunalverwaltung (mitt. Dienst), Technische(r) Zeichner/in u.a. 17 Neue Herausforderung! Wir suchen in Direktvermittlung für unsere international tätigen Kunden in München... SekretärIn / AssistentIn (m/w) Insgesamt wurden in diese Gruppe 136 Stellenanzeigen eingeordnet und obwohl der überwiegende Teil der Berufsbenennungen auch ohne m/w geschlechtergerecht formuliert wird, ist diese Beifügung bei vielen Stellenangeboten als ein geschlechtergerechtes Element tätig. Österreich Die österreichische Kategorie von kombinierten Anzeigen ist zahlenmäßig kleiner als die deutsche. An Kreativität sind aber die österreichischen Stellenanzeigen den deutschen überlegen und unter 61 Beispielen finden sich viele Kombinationen, die eine Erwähnung verdienen. Außer der Stellenanzeigen, in denen m/w mit den übrigen Splitting-Formen verbunden wird (Bsp.: Dipl. Physiker/in (w/m)), werden in dieser Kategorie in hohem Maße die Stellenanzeigen mit großem Binnen-I vertreten, die zusätzlich eine der weiteren Beidbenennung-Möglichkeiten enthalten. Bsp.: Biomedizinische/n AnalytikerIn / Vollzeit, Erfahrene/n BauleiterIn - Hoch-/Holzbau. Am häufigsten wiederholt sich das Große Binnen-I in Verbindung mit dem Schrägstrich. Bsp.: Deutschlehrer/In (Gymnasium-Oberstufe), Bodenleger/Innen, Dolmetscher/In Slowenisch- Deutsch Deutsch-Slowenisch gesucht! u.a. Nicht weniger interessant ist die Verknüpfung von der Großschreibung am Wortende mit dem Binnen-I, die zu den originellsten Neuerscheinungen im Bereich der Doppelnennung, und auch in den analysierten Stellenanzeigen, gehört. Bsp.: PolitischeR GeschäftsführerIn, BautechnischeR ZeichnerIn. Präsentiert werden sollten auch zwei bereits erwähnte Berufsbezeichnungen, die auf den ersten Blick dem Gender Gap ähnlich sind: Selbständige(r) Manager In, Unternehmer In (m/w). An Stelle eines Unterstrichs oder Sternchens gibt es eine Leerstelle. Ob es um eine spezielle Variante des Gender Gaps, um einen Tippfehler oder um eine ganz andere Splitting-Form geht, bleibt unklar. 98

99 18 Pädagogische/r MitarbeiterIn Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen - Kitzbühel, T Das Diakoniewerk ist ein modernes Sozialunternehmen mit mehr als MitarbeiterInnen in Österreich. Für das Kulinarium Kitzbühel und Kulinarium Eurotours, zwei Gastronomieprojekte für Menschen mit Beeinträchtigungen, suchen wir ab Jänner 2014 eine/n Pädagogische/n MitarbeiterIn im Beschäftigungsausmaß von Wochenstunden als Karenzvertretung Neutrale Berufsbezeichnungen Als neutral bezeichnet und dieser Kategorie zugerechnet wurden alle Stellenanzeigen, die in keiner Weise geschlechtsspezifiziert sind. Damit sind neben den klassischen Komposita, Kollektiva und substantivierten Adjektiven oder Partizipien auch Stellenanzeigen gemeint, die im Titel anstatt einer Personenbezeichnung direkt nur die betreffende Arbeitstätigkeit inserieren. Deutschland Die neutralen Berufsbezeichnungen haben im Rahmen des Untersuchungsmaterials keine wichtige Stellung inne, obwohl sie als einer der Wege zum geschlechtergerechten Deutsch betrachtet werden. 27 deutsche Stellenanzeigen sind größtenteils Komposita mit -kraft (Bsp.: Grundschullehrkraft, Schreibkraft, Thekenkräfte für Padeborn Glühweinstand u.a. Die anderen Zusammensetzungen bestehen aus Teilen wie -hilfe, -leute, -person und -personal. Bsp.: Bürohilfe, Fahrpersonal für Betonmischer, Kindertagespflegeperson u.a. Wie bereits erwähnt, beschreiben bestimmte Stellenanzeigen nur die Berufsaufgaben, z.b.: Kinderbetreuung, oder auch einen konkreten Arbeitsplatz, z.b.: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kulturminister der Länder in der Bunderepublik Deutschland. 19 Stellenbezeichnung Servicekräfte, Restaurantfachleute, Hotelfachleute, Fachkräfte im Gastgewerbe ( ) Wir suchen: Teamorientiertes, zuverlässiges Personal mit gepflegtem Äußeren und einem freundlichen Auftreten. Belastbarkeit und t Flexibilität setzen wir voraus. ( ) 99

100 Österreich Die Liste von österreichischen neutralen Berufsbezeichnungen ist umfangreicher als die deutsche und enthält 56 neutrale Stellenanzeigen. In den analysierten Stellenanzeigen sind die Komposita mit -hilfe, -leitung, -leute, -kraft, -person und -personal vorhanden, z.b.: Schankkraft in Hinterglemm, Kombikraft MASSAGE/KOSMETIK in Bad Gestein, Dipl. Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Stellvertretende Stationsleitung, Sachkundige Person Clinical Development, Hilfe für Verwaltung gesucht, Lehrstellen als Restaurantfachleute u.a. Zusammen mit der Liste ist auch das Angebot an neutralen Lexemen bunter als in den deutschen Materialien und so stehen auf dieser Liste auch zusammengesetzte Bezeichnungen mit -nachwuchs, -profi oder -dienst, z.b.: Managementnachwuchs Einkauf Obst/Gemüse Top-Karrierechance im Lebensmittelhandel, Frühstücksdienst/Reinigung Appartment, Vertriebsprofi Labor u.a. Die neutralen Stellenanzeigen, die ohne Angabe einer Berufsbezeichnung ausgeschrieben werden, sind in dieser Kategorie ebenfalls vertreten. Bsp.: Örtliche Bauaufsicht (ÖBA), Universitätsprofessur für Organisationskommunikation, Empfang-Büro, Unterstützung an der Bar in Bad Gastein, Administrative Assistenz, Kosmetik- und Fußpflege in Bad Gastein u.a. Der Einfluss der Sprachökonomie bei Stellenausschreibungen zeigt sich an dem Beispiel MA Verwaltung. MA als Abkürzung für,mitarbeiter erlaubt, diese Stellenanzeige als neutral aufzufassen, weil es im Titel keinen Hinweis auf irgendeine Geschlechtsspezifikation gibt. 20 Wir sind einer der größten sozialen Dienstleistungsanbieter in Niederösterreich für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Unser Ziel ist es Menschen mit Behinderung ein selbst bestimmtes Leben in jedem Alter und jeder Lebensphase zu ermöglichen. Wir suchen ab sofort für unser Wohnhaus Matzen (Bezirk Gänserndorf) Behinderten-Fachkraft (38h/Wo) 100

101 7.5. Fremdwörter und fremdsprachige Stellenanzeigen In der heutigen Welt und besonders im europäischen Sprachraum treffen sich verschiedene Sprachen miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Auf die deutsche Gegenwartssprache hat den größten Einfluss das Englische und diese Tatsache spielgelt sich im Sprachgebrauch und damit auch in den Internetjobbörsen wider. Es ist gerade das Internet, das einen Platz für alle Menschen und alle Sprachen bildet und deshalb ist es nicht überraschend, dass auf den untersuchten Internetseiten fremdsprachige Stellenanzeigen gesammelt wurden. Eine bestimmte Rolle spielen auch ausländische Firmen, welche die Position als Arbeitgeber in Deutschland einnehmen und Stellenanzeigen in einer Fremdsprache ausschreiben. In diese Kategorie fallen also alle Stellenanzeigen, die in einer anderen als in der deutschen Sprache verfasst sind, und alle Berufsbezeichnungen, die entweder Fremdwörter oder mit der Bezeichnung m/f bzw. f/m gekennzeichnet sind. Deutschland Einige Stellenanzeigen, die ein Fremdwort im Titel enthalten, wurden bereits in der Kategorie m/w erwähnt, weil sie durch die deutsche Bezeichnung m/w zur Gruppe von deutschsprachigen Anzeigen gehören. Viele Wörter, die auf den ersten Blick Fremdwörter zu sein scheinen, wurden im Laufe der Zeit zu Lehnwörtern. Auf dem deutschen Internet- Stellenmarkt wurden 21 fremdsprachige Stellenanzeigen aufgesucht. Das überwiegende Unterscheidungsmerkmal ist erstens die Schreibweise, zweitens die englische Version der Bezeichnung (m/w) m/f. Bsp.: Doormen, Lecturer, Toxicologist (m/f), Creative Designer Interior (m/f), Retail Manager (f/m) Global Marketing, Scientist/ Project Leader Microbiology (m/f), Polysaccharide Chemist (m/f), Expert in Histopathology/ Immunhohistochemistry (m/f) u.a. Viele von den fremdsprachigen Berufsbenennungen betreffen die Berufsbranchen wie Chemie, Forschung oder Marketing. Zusammen mit der englischen Sprache nimmt auf die Berufsbezeichnungen auch das Französische einen Einfluss, was sich mit dem Beispiel Responsable de Magazin Undiz Stuttgart- Allemagne (h/f) vorzeigen lässt. Die meisten Berufsbezeichnungen französischer Herkunft, die bereits in vorigen Kapiteln dargestellt wurden, sind heutzutage Bestandteil des deutschen Wortschatzes. In den gesammelten Belegen ist die Berufsbezeichnung Nanny zu finden, z.b.: Tutor/Nanny (m/f). In diesem konkreten Fall handelt es sich um ein fremdsprachiges Stellenangebot, aber im DUDEN Wörterbuch wird Nanny genau als Lehnwort mit der Bedeutung englische Bezeichnung für: Kindermädchen 82 erklärt. 82 Informationen aus DUDEN [online]. [zit

102 21 For our location in Karlsruhe, we're now seeking you (m/f) as: Expert Navigation Systems Your responsibilities Design and implementation of navigation functionality as part of infotainment/fusion systems on system level Project management for navigation integration within the infotainment platform, both inside the company as well as for key suppliers ( ) Österreich Die fremdsprachigen Internetanzeigen bilden auch innerhalb der österreichischen Stellenangebote eine zahlenmäßig kleine, trotzdem unübersehbare Gruppe. Die Sammlung von österreichischen fremdsprachigen Beispielen umfasst 38 Stellenanzeigen. Diese Kategorie charakterisiert, ähnlich wie die deutsche, die Verwendung von Fremdwörtern, die selbstständig oder mit der Ergänzung m/f auftreten. Bsp.: Medical Scientific Liaison / Project Manager, ENTREPRENEUSHIP, Proffessor of Literatures in English, Young Professionals, Head of Regulatory Reporting, Japanese Technical Translator (f/m), Hairdresser/ Beautican f/m, Global Strategic Buyer (f/m) u.a. Aufgrund von den genannten Beispielen ist es sichtbar, dass die englische Bezeichnung m/f in der Form f/m verwendet werden kann, wobei es hier eine Ähnlichkeit mit der Verwendung von m/w oder w/m im Deutschen gibt. In den meisten Fällen erscheinen die englischen Berufsbezeichnungen. Die französische Sprache dringt vor allem ins Gebiet der Gastronomie ein und im vorhandenen Verzeichnis liegen z.b. folgende Stellenanzeigen: Rôtisseurin Ischgl, Commis/ Demichef de Bar in Zürsam Arlberg, Demi chef de rang 83, Barman in Österreich u.a. 83 Es muss zwischen den französischen Stellenanzeigen und den Berufsbezeichnungen französischer Herkunft, die zum äußeren Lehngut des Deutschen wurden, differenziert werden. 102

103 22 Smovey Angel Firma Institut Besser Leben Region alle Jobinfo Nach dem absolvieren des smoveyangel swing & smile KENNENLERN Workshops, sind Sie befähigt anderen Menschen den smovey näherzubringen, smovey WALKs zu veranstalten und die Ringe als lizenzierter SmoveyAngel zu verkaufen. Welche Zukunftschancen haben Sie? ALS smoveyangel MIT GÜLTIGER LIZENZ SIND SIE BERECHTIGT ZUM SMOVEY COACH AUSGEBILDET ZU WERDEN. DAMIT KÖNNEN SIE DIESE BESCHÄFTIGUNG HAUPT- ODER NEBENBERUFLICHAUSÜBEN. ( ) 7.6. Nicht spezifizierte und generisch formulierte Stellenanzeigen In den Untersuchungsmaterialien werden zwei Typen von Stellenanzeigen unterschieden, die im Rahmen einer einzigen Kategorie nebeneinandergestellt werden. Den ersten Typ stellen die Stellenausschreibungen dar, die nicht nur im Titel, sondern auch im ganzen originellen Text eines Stellenangebots nicht konkret spezifiziert sind. Der zweite Typ von Stellenanzeigen wurde als generisch bezeichnet, weil diese Anzeigen zwar in ihrer vollen Fassung eine geschlechtsspezifizierte Ergänzung enthalten, in ihrem Titel, d.h. im Verweis auf das komplett ausgeschriebene Stellenangebot, steht aber nur das generische Maskulinum. In den beiden Fällen wäre es möglich, die für die deutsche Sprache typische Verwendung vom generischen Maskulinum zu konstatieren, aber der Unterschied besteht darin, dass die vermutliche generische Form von nicht spezifizierten Stellenanzeigen unklar bleibt. Es ist wichtig dazu hinzuzufügen, dass in den erforschten Internetjobbörsen die Tendenz herrscht, in allen Stellenanzeigen beide Geschlechter sprachlich irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Deswegen ist die Anzahl von gar nicht spezifizierten Stellenanzeigen niedrig. Die Stellenausschreibungen, die durch Schlagwörter in generischer Form veröffentlicht werden, befinden sich an der Grenze zwischen einer diskriminierenden und geschlechtergerechten Formulierung. Die Bestimmung und Einordnung dieser Berufsbezeichnungen waren in mancher Hinsicht problematisch und verlangten neben einer Durchsuchung von ganzen Stellenanzeigen gegebenenfalls auch das Nachsuchen von Anzeigen auf den Webseiten der Inserenten. 103

104 Deutschland 89 deutsche Stellenanzeigen mussten wegen der fehlenden Eindeutigkeit näher beleuchtet und kategorisiert werden. Bei einigen Beispielen wurde nicht festgestellt, ob es sich um eine für Männer, im Plural oder generisch ausgeschriebene Stellenanzeige handelt. Bsp.: Chemie- Ingenieur/ Chemotechniker, Pizzabäcker, GaLabauer gesucht! 84, Möbeltischler, Jungkoch, Erzieher, Schuldnerberater / Sozialmanager, Maurer / Putzer u.a. Eingeschlossen wurden in diese Gruppe auch die maskulinen Berufsbezeichnungen, die in voller Version der Stellenanzeige durch Splitting gleichberechtigt werden, z.b.: Sushi Koch / Sushi Meister, Versicherungskaufmann, Lektor / Korrektor, Ingenieur / Geologe u.a. Viele von den ausgewählten Stellenanzeigen erscheinen in einer Pluralform, die aber auch generisch gebildet wird. Bsp.: Ferienbetreuer/ Animateur/ Sozialarbeiter, 16 Mitarbeiter für die Produktion in Eppelheim gesucht (Produktionsfachkraft Chemie), Köche/Beiköche gesucht, Pädagogen, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Detektive, Rettungsassistenten, Reisebegleiter, Dirigenten u.a Stellenbezeichnung Büro Mitarbeiter Jobbeschreibung Wir suchen einen(e) Mitarbeiter(in) der sich in der Akquise und Ausschreibungen auskennt. Ein Führerschein ist erforderlich und mit dem Umgang mit Menschen. Arbeitsverhältnis Nebenjob Befristung Das Beschäftigungsverhältnis ist unbefristet. ( ) Diese Stellenanzeige präsentiert die generische Form von Berufsbezeichnungen, die erst im Weiteren um Klammern ergänzt werden. Auf den Webseiten findet man zunächst nur die Berufsbezeichnung in der Überschrift und diese sollte ebenfalls beide Geschlechter anreden oder 84 Die volle Berufsbezeichnung ist Garten- und Landschaftsbauer und es geht um eine Stellenanzeige, in der ein Arbeitsplatz später für eine Allroundperson ausgeschrieben wird, d.h. in der die Geschlechtsspezifikation fehlt und generische Form für beide Geschlechter verwendet wird. 85 Viele Stellenanzeigen folgen den Regeln einer geschlechtergerechten Sprache und die generische Form wird in den meisten Fällen durch Splitting ersetzt z.b.: Rettungsassistentin/ Rettungsassistent. Aus: icjobs.de. Die Jobsuchmaschine online zit Verfügbar unter: 104

105 geschlechtsspezifiziert sein. Dazu gibt es in der Beispielanzeige bestimmte Mängel. Außer der grammatischen (keine Komma im Satzgefüge) und formalen Fehler, ist an diesem Beispiel eine sprachliche Unstimmigkeit zu sehen und zwar die Verwendung vom Relativpronomen der, das sich nur auf männliche Arbeitssuchende bezieht. Auch die Form von Klammern, bzw. die Position von (e) hinter dem Artikel einen, ist nicht so üblich. Österreich Die Frequenz von nicht spezifizierten Berufsbezeichnungen und von generisch (d.h. ohne eine weitere Geschlechtsspezifikation) gebrauchten maskulinen Formen in den untersuchten österreichischen Stellenanzeigen ist im Rückblick auf die Ergebnisse in den deutschen Jobbörsen niedriger, aber die sprachliche Situation auf den Internet-Stellenmärkten ist in beiden Ländern von gleicher Art. In den heutigen Stellenanzeigen zeigt sich die Notwendigkeit einer Geschlechtsspezifikation, bzw. der sprachlichen Gleichbehandlung, und obwohl das generische Maskulinum stets vorkommt, verursacht diese Notwendigkeit und die damit zusammenhängenden Maßnahmen (wenigstens die Bezeichnung m/w) die Schwächung seiner Führungsposition im Gegenwartsdeutschen. Unter den 52 österreichischen Stellenanzeigen befinden sich dieselben Typen von Anzeigen wie in den deutschen, d.h. nicht spezifizierte und generisch formulierte Berufsbezeichnungen. Die gar nicht spezifizierten Stellenanzeigen (z.b.: Diplom-Sommelier in Sankt Gilgen, Busfahrer, Barkellner/Springer, Ofensetzer u.a.) erscheinen in dieser Kategorie nur selten und vorwiegend präsentieren sie Berufsbezeichnungen französischer Herkunft, z.b.: Gardemanger in Obergurgl, Imst (Bezirk), Entremetier in Lech am Arlberg, Tournant in Obergurgl, Imst (Bezirk) u.a. Diese französischen Berufsbezeichnungen sind im DUDEN Wörterbuch zu finden und wie bereits wiedeholt geschrieben, werden sie nicht mit dem Suffix -in moviert. Daher ist die Geschlechtsspezifikation nötig, weil es sich nicht nur um eine sprachliche Diskrimination handelt, sondern es kann auch zu einer falschen Informiertheit der Bewerber kommen. Die meisten Berufsbezeichnungen, die als generisch eingeordnet wurden, weisen die Singular- oder Pluralformen auf und werden im angeschlossenen Text genauer und geschlechtergerecht angegeben. Bsp.: Fotograf, Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Jungkoch in Österreich, Handwerker, Sporttrainer und English Native Trainer, Abwäscher und Hilfsköche in Salzburg, Köche in allen Positionen in Steiermark, Rettungsdienst sucht neue Mitarbeiter im Bereich der Spendenwerbung u.a. Die Stellenausschreibungen Kosmetikerin mit Massagekenntnissen und Maid können als generisch gebrauchte Feminina bezeichnet werden, weil in der Fortsetzung beider Stellenangebote die 105

106 Bezeichnung m/w nachgetragen wird. Sprachlich diskriminiert wird dann auch die männliche Hälfte der Sprachgemeinschaft. 24 Barkeeper Cruise Line: 4* European Cruise Line Skills & Education: Wir sind auf der Suche nach einem aufgeschlossenen, erfahrenen Barkeeper (m/f)) für ein tolles Flusskreuzfahrtschiffe innerhalb Europas. Sie sollte über eine abgeschlossene Ausbildung in der Hotellerie/Gastronomie verfügen und mind. 2 Jahre Berufserfahrung als Barkeeper vorweisen können. An diesem Beispiel kann man die typische generische Formulierung mit der englischen Unterscheidung m/f beachten Spezielle Stellenanzeigen Die speziellen Stellenanzeigen könnten auch die Benennung unbestimmbare oder vereinzelte tragen. In diese Kategorie wurden die Stellenanzeigen einbezogen, die sich von den oben genannten Anzeigentypen dermaßen unterscheiden, dass sie in keine der bereits analysierten Kategorien eingegliedert werden können. Obgleich diese Anzeigen als speziell beurteilt wurden, weichen die meisten von den Regeln der geschlechtergerechten Formulierungsweise im Prinzip nicht ab. Deutschland 15 Berufsbezeichnungen aus den deutschen Internetseiten wurden durch ihren andersartigen Charakter zu den speziellen Stellenanzeigen zugerechnet, die im Vergleich mit den bisher dargestellten Kategorien verschieden sind. Während der Untersuchung wurden beispielweise neue Varianten zur Ersetzung des Schrägstrichs registriert, z.b.: Immobilienkauffrau - Immobilienkaufmann, Referent Referentin der Geschäftsführung Bereich Medizin, Büromitarbeiter-in in Salzkammergut 8 Jobs u.a. An Stelle des Schrägstrichs finden die Konjunktionen Anwendung. Bsp.: Leiterin bzw. Leiter der Feuerwehr, Beamtinnen und Beamte sowie vergleichbare Tarifbeschäftigte, Büroangestellte oder Büroangestellter u.a. Es gibt 86 Barkeeper ist ein Lehnwort aus dem Englischen und kann in der deutschen Gegenwartssprache mit dem Suffix -in moviert werden. Informationen aus DUDEN [online]. [zit

107 Berufsbezeichnungen, die nur mit einer Komma oder einer Leerstelle getrennt sind (Bsp.: Fahrlehrer Fahrlehrerin, Praktikum für Touristikassistent, Touristikassistentin) In der Vielzahl von Unterlagen treten bestimmte Inkorrektheiten bzw. Tippfehler, z.b.: Sekretärin mw (Sekretär/in), und Besonderheiten auf, z.b.: Sekretärin (m/f), 87 Für unseren Kunden aus dem Bereich der Unternehmensberatung in München suchen wir Sie (m/w) im Rahmen ( ) u.a. 25 Wir suchen für den Sprachendienst unserer Zentrale in Frankfurt am Main eine bzw. einen Übersetzerin bzw. Übersetzer (Deutsch/Englisch) für die Bereiche Wirtschaft, Recht und Bankwesen Als Teil der Kommunikations- und Informationskette der Bundesbank ist der Sprachendienst Dienstleister für die gesamte Bank, insbesondere für den Präsidenten und die weiteren Vorstandsmitglieder. ( ) Österreich Anhand von 18 betrachteten Stellenanzeigen ergibt sich die Tatsache, dass sich auf dem österreichischen Internet-Stellenmarkt die bereits oben beschriebene neue Möglichkeit der Doppelnennung mit bzw. leise durchsetzt. Bis auf ein paar Ausnahmen besetzen diese Kategorie gerade diese vollkommen ausgeschriebenen Stellenanzeigen. Bsp.: Professorin bzw. Professor für das Lehr- und Forschungsgebiet Betriebswirtschaft, Allgemeinmedizinerin bzw. Allgemeinmediziner, Sozialwissenschaftlerin bzw. Sozialwissenschaftler, Lehre zur Bankkauffrau bzw. Bankkaufmann u.a. Auffallend ist die Erststellung von Frauen in allen solchen (österreichischen und auch deutschen) Beispielen. Künftig könnte diese Splitting-Variante immer mehr bevorzugt werden. Als Schrägstrich fungieren in den analysierten österreichischen Stellenanzeigen auch Komma und Gedankenstrich, z.b.: FRISEURE - FRISEURINNEN - Stylist - Stylistin - Schönheitsberater - Schönheitsberaterin, Kinderpädagoge, Kinderpädagogin u.a. Ein Sonderbeispiel ist dann die Stellenanzeige Associates - Rechtsanwaltsanwärter (m/f), welche die nicht so häufigen, zweisprachigen Formulierungen vertritt. Als speziell wird auch die folgende Stellenanzeige klassifiziert, obwohl sie teilweise zu den für Frauen ausgeschriebenen Anzeigen gehört: Chef der Rang (weiblich). Es geht um das einzige Beispiel, bei dem die Bezeichnung w in einer Klammer in ganzen Worten geschrieben wird. 87 Die Besonderheit manifestiert sich in der Verwendung von englischer Abkürzung (m/f), die zusammen mit der deutschen Berufsbezeichnung geschrieben wird. 107

108 26 Dipl.-Ing. Jobinfo Gehalt Region Graz, Steiermark Projektleitung/Arbeitsvorbereitung (Drehen/Fräsen) Unser Kunde ist ein renommiertes international erfolgreiches Unternehmen, welches individuelle Lösungen für die Luftfahrtindustrie, Medizintechnik und Maschinenbau entwickelt und produziert. Für den Standort in der Obersteiermark (ca. 40 Minuten von Graz) suchen wir die Position (m./w.): Projektleitung/Arbeitsvorbereitung (Drehen/Fräsen) ( ) Die angeführte Stellenanzeige ist ein ungewöhnliches Beispiel, das weder als nicht spezifiziert noch als neutral bezeichnet werden kann und das den Einfluss der Sprachökonomie in Stellenanzeigen deutlich widerspiegelt. 108

109 7.8. Graphische Zusammenfassung der Analyse Die folgenden Graphen stellen eine übersichtliche Zusammenfassung der vorliegenden Untersuchung von Internet-Stellenanzeigen zur Verfügung und berichten in Zahlen erstens über die Gesamtergebnisse, zweitens über die Ergebnisse in einzelnen Ländern und nicht zuletzt auch über die Verwendungshäufigkeit der Movierung im Internet-Berufsbereich. In die Gesamtanzahl der movierten Berufsbezeichnungen wurden die Frauenbezeichnungen aus den Kategorien nur Frauen, Splitting und spezielle eingerechnet Graph 1.: Gesamtergebnisse der Analyse 109

110 Graph 2: Untersuchungsergebnisse in den deutschen Internetseiten Graph 3: Untersuchungsergebnisse in den österreichischen Internetseiten 110

111 Anteil der Movierung an den untersuchten Stellenanzeigen movierte Berufsbezeichnungen übrige Berufsbezeichnungen 2383; 48% 2601; 52% Graph 4: Verwendungsfrequenz der movierten Berufsbezeichnungen in den untersuchten Stellenanzeigen Anteil der Movierung an den deutschen Untersuchungsmaterialien 1249; 50% 1233; 50% movierte Berufsbezeichnungen übrige Berufsbezeichnungen Graph 5: Gebrauchshäufigkeit der movierten Berufsbezeichnungen in den deutschen Stellenanzeigen 111

112 Anteil der Movierung an den österreichischen Untersuchungsmaterialien 1134; 45% 1368; 55% movierte Berufsbezeichnungen übrige Berufsbezeichnungen Graph 6: Gebrauchshäufigkeit der movierten Berufsbezeichnungen in den österreichischen Stellenanzeigen 112

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